Calibre 2.0 – Neue Version der Allzweck-Tools für eBook-Autoren

Kürzlich ist die Version 2.0 der eBook-Verwaltungs- und Konvertierungssoftware Calibre erschienen. Der Versionssprung von 1.48 auf 2.0 liegt darin begründet, dass die Entwickler das Programm auf die GUI QT5 umgestellt haben, während die alte Version noch unter QT4 lief. Dieser Wechsel auf QT5 hat für Calibre-Anwender sowohl positive als auch negative Auswirkungen:

Positiv ist, dass es unter QT5 endlich möglich war, verschiedene bereits seit längerer Zeit bekannte Bugs in Calibre (z.B. im Zusammenhang mit der Schriften-Darstellung) zu beheben. Dies war auch der Hauptgrund für die Entwickler, auf QT5 zu wechseln.

Negativ ist hingegen, dass QT5 leider nicht mehr mit Windows XP und älteren Versionen von Mac OS-X vor 10.7 (Lion) kompatibel ist. Wer also immer noch unter einer dieser älteren Betriebssystem-Versionen arbeitet, wird mit dem neuen Calibre-Update endgültig abgehängt und muss auch in Zukunft weiterhin mit der alten Version 1.48 arbeiten, die natürlich immer noch zum Download angeboten wird.

Doch auch wenn ein großer Teil der Veränderungen innerhalb der Calibre-Software für den Anwender unsichtbar „unter der Haube“ liegt, bietet Calibre 2.0 dennoch auch diverse neue Features:

  1. Bücher können in der Bibliothek mit über die Optionen definierbaren Symbolen markiert werden. So kann man beispielsweise seine persönlichen Favoriten markieren, oder die Bücher, die man bereits gelesen hat.
  2. Die Benutzeroberfläche von Calibre wurde für Windows 8.1 Rechner mit Touchscreen (also Surface-Geräte und andere Windows-Tablets, sowie Netbooks und Laptops mit Touchscreen) optimiert. Es ist nun möglich, mit Fingergesten durch die Bücher zu blättern und zu navigieren.
  3. Da nicht alle Mac-Besitzer automatisch auch ein iPhone/iPad benutzen, sondern es auch unter ihnen Android-Anhänger gibt, erkennt Calibre 2.0 nun auch am Mac angeschlossene Android-Geräte korrekt.
  4. Vergleich von eBooks. Wenn Sie zwei unterschiedliche Versionen desselben eBooks haben, kann Calibre diese für Sie miteinander vergleichen. Beide Versionen werden nebeneinander angezeigt und Unterschiede gekennzeichnet.

Doch das größte Feature von Calibre 2.0 ist der integrierte eBook-Editor, mit dem Sie sowohl ePub- als auch AZW3-Dateien (also Kindle-eBooks) editieren können.

Damit tritt Calibre das Erbe des bisher erfolgreichsten ePub-Editors Sigil an, der seit Anfang 2014 mangels freiwilliger Beteiligung nicht mehr weiter entwickelt wird. Auch wenn Sigil zur Zeit technisch noch auf der Höhe der Zeit ist und einwandfrei funktioniert, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die unaufhaltsame Weiterentwicklung des ePub-Formats dazu führt, dass Sigil für neue eBook-Projekte nur noch mit Einschränkungen eingesetzt werden kann.

Auch wenn Calibres eBook-Editor heute noch nicht alle Möglichkeiten von Sigil bietet, dürfte Calibre diesen Rückstand dennoch meiner Einschätzung nach relativ schnell aufholen. Wer also bisher seine ePub-eBooks mit Sigil erstellt hat, sollte sich einmal näher mit den Möglichkeiten des neuen Calibre beschäftigen. Durch die komfortable Konvertierung importierter Dokumente ins ePub- bzw. Kindle-Format und die Möglichkeit, das Ergebnis anschließend mit dem integrierten Editor einem Feintuning zu unterziehen, wird Calibre zu einem leistungsfähigen Komplettpaket für eBook-Autoren.

Eine Warnung möchte ich in diesem Zusammenhang allerdings hinzufügen: Wenn Sie Ihre eBooks über Amazon veröffentlichen wollen, sollten Sie lieber eine ePub-Version erstellen und diese später außerhalb von Calibre mit dem offiziellen KindleGen-Konverter ins Kindle-Format konvertieren. Da Calibre seine eigenen Konvertierungs-Algorithmen benutzt, ist die Gefahr sehr groß, dass das eBook ansonsten aufgrund von Formatabweichungen und Kompatibilitäts-Problemen von Amazon abgelehnt wird.

Wenn Sie die Konvertierung nicht selbst vornehmen wollen, können Sie bei Amazon auch direkt die ePub-Datei hochladen, die dann von Amazon korrekt ins Kindle-Format umgewandelt wird. Das Ergebnis können Sie auch im Vorfeld selbst testen, indem Sie die ePub-Version mit dem kostenlosen Kindle-Previewer öffnen, der beim Öffnen der Datei dieselbe Konvertierung vornimmt.

Sie finden die neue Version 2.0 von Calibre unter http://calibre-ebook.com/download


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Style or Story? Was wirklich zählt, wenn Sie Leser fesseln wollen

Kürzlich hatte ich mit einem befreundeten Schriftsteller eine interessante Diskussion darüber, was wichtiger für den Erfolg eines Romans ist: die Geschichte selbst oder der Stil, in dem sie geschrieben ist.

Natürlich kann man in der Praxis beides nicht hundertprozentig voneinander trennen. Ein guter Roman kann nur aus dem Zusammenspiel von Stil und Story entstehen. Doch welche der beiden Seiten der Medaille ist wichtiger – und was bedeutet das für Autoren?

Wenn man gedanklich Stil und Story auf die Waagschalen einer altmodischen Waage legt, wiegt meiner Meinung nach die Story schwerer.

Stil ist sehr stark Geschmackssache. Jeder Autor hat seinen eigenen Schreibstil, seine individuelle Autorenstimme, die sich im Laufe der Jahre mit zunehmender Übung und Erfahrung immer mehr herauskristallisiert. Manche Autoren schreiben blumig und detailverliebt, andere knapp und pragmatisch wie Hemingway.

Es ist ein wenig wie bei Malern. Während der eine mit wenigen minimalistischen Pinselstrichen eine stimmungsvolle Landschaft auf die Leinwand zaubert, die den Betrachter fasziniert, entwirft ein anderer detailverliebte Kunstwerke, die erst aus dem Zusammenspiel von Farbe, Textur, Licht und Schatten ihre ganze Faszination entwickeln. Während man im zweiten Fall das handwerkliche Können des Künstlers bewundert, lässt der minimalistische Stil des ersten Künstlers der Phantasie des Betrachters mehr Spielraum. Ob man nun das eine oder das andere bevorzugt, ist eine Frage der persönlichen Vorlieben.

So sind beispielsweise die Romane des Autorenduos Douglas Preston / Lincoln Child äußerst erfolgreich. Ich finde ihre Thriller wirklich spannend, doch mit dem Schreibstil kann ich mich absolut nicht anfreunden. Dennoch lese ich weiter, weil mich die Handlung einfach fesselt und ich nach den ersten paar Seiten unbedingt erfahren will, wie es weiter geht. Und je mehr die Handlung an Tempo zunimmt, desto weniger empfinde ich den Schreibstil noch als störend.

Oder nehmen wir die Romane von Dean Koontz. Koontz ist einer meiner Lieblingsautoren, ein echter Künstler, der seine Szenen mit stimmungsvollen Wortgemälden vor dem geistigen Auge des Lesers lebendig werden lässt. Ich genieße seinen Schreibstil, doch in den letzten Jahren bin ich beim Lesen seiner neueren Bücher des Öfteren ins Stocken geraten. Es lag nicht am Stil, der weiterhin unverändert gut ist. Es waren die Geschichten, die mich nicht mehr wirklich fesseln konnten.

Dieser Kontrast macht eines deutlich: Wenn die Handlung gut ist, ist man als Leser eher bereit, einen Schreibstil zu akzeptieren, der einem perönlich nicht so gut gefällt. Aber auch der beste Stil kann einen nicht dazu verleiten, ein Buch weiter zu lesen, dessen Handlung einen nicht wirklich interessiert.

Auch wenn natürlich die Kombination aus einer spannenden Story und einem packenden Schreibstil die Idealvorstellung ist, sollte man beim Schreiben eines Romans dennoch den Schwerpunkt auf die Story legen.

Die Story ist das Skelett des Romans, das alles aufrecht hält. Während man bei der Überarbeitung  nachträglich immer noch am Stil und den einzelnen Formulierungen feilen kann, muss das Grundgerüst stimmen. Hier nachträgliche Änderungen vorzunehmen bedeutet oft, ganze Szenen oder gar Kapitel rauszuwerfen und neu zu schreiben – selbst wenn diese stilistisch äußerst gelungen waren.

Die Story-Seite eines Romans hat drei Eckpfeiler:

  • Faszinierende Charaktere, mit denen der Leser mitfiebert und denen er die Daumen drückt.
  • Große Konflikte, bei denen es für die Charaktere viel zu gewinnen und noch mehr zu verlieren gibt.
  • Eine realistisch wirkende Romanwelt mit einer in sich geschlossenen Logik, die der Leser akzeptieren kann.

Zwischen diesen Eckpfeilern spinnt man als Autor ein dichtes Netz aus Plot und offenen Fragen.

Der Plot ist die konkrete, durch Ursache und Wirkung verknüpfte Abfolge der Ereignisse. Für jede Szene der Haupthandlung stellt man sich als Autor die Fragen:

  • Was ist das Ziel / der Plan des Protagonisten?
  • Wer oder was steht ihm im Weg / auf welche Probleme stößt er dabei?
  • Was geht schief bzw. wie erreiche ich es, dass der Protagonist anschließend noch mehr Probleme als vorher hat?
  • Wie kann ich den Einsatz erhöhen und so noch mehr Druck und Spannung aufbauen?
  • Welchen neuen Plan fasst der Protagonist, um auf diese neue Entwicklung zu reagieren?

Um den Leser zusätzlich zur spannenden Handlung noch tiefer in Ihr Buch zu ziehen, durchziehen Sie die Handlung mit offenen Fragen, auf die der Leser unbedingt die Antwort erfahren möchte. Machen Sie den Leser neugierig. Hierfür reicht nicht die zentrale Frage „Wird der Held es am Ende schaffen, sein Ziel zu erreichen?“, sondern Sie müssen dafür sorgen, dass es zu jedem Zeitpunkt der Handlung mindestens drei bis fünf offene Fragen gibt, die dem Leser unter den Nägeln brennen. Bevor Sie eine davon im Verlauf Ihrer Handlung auflösen, werfen Sie eine neue Frage auf, so dass der Leser ständig vor neuen Fragen und Rätseln steht.

Wenn Ihnen das gelingt, wird Ihr Schreibstil für den Leser zweitrangig. Damit will ich nicht sagen, dass er unwichtig wird. Aber es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass Ihr Stil niemals allen Lesern gefallen kann – dafür sind die persönlichen Vorlieben der Leser einfach zu unterschiedlich. Was der eine liebt, das lässt den anderen kalt.

In Sachen Schreibstil sollten Sie daher in erster Linie darauf achten, dass Ihr Stil den Leser nicht beim Lesen stolpern lässt oder ihn gar aus der Handlung heraus reißt. Korrekte Rechtschreibung und Grammatik sind dafür natürlich eine Grundvoraussetzung. Ansonsten gilt: Im Zweifelsfall lieber kürzere Sätze als lange, in sich verschachtelte Bandwurmsätze. Möglichst wenig Adjektive und erst recht Adverbien.

Vermeiden Sie lange Beschreibungen und arbeiten Sie Details lieber dynamisch in die Handlung ein. Gerade bei Details ist weniger oft mehr. Lieber drei charakteristische, aussagekräftige Details, die dafür sorgen, dass sich der Rest des Bildes wie von Zauberhand vor dem geistigen Auge des Lesers ergänzt, als ihn mit langen Beschreibungen zu langweilen – egal wie malerisch diese geschildert werden.

Als letzte und wichtigste Stilprüfung sollte man sich seinen eigenen Text laut vorlesen. Die Stellen, die sich beim Vorlesen holprig anfühlen oder an denen man selbst hängen bleibt, sind die Stolpersteine, an denen sich später auch Ihre Leser stören würden. Schleifen Sie diese Stolperstellen glatt, bis sich Ihr Text flüssig liest.

Damit haben Sie eine gute Basis erreicht: einen Schreibstil, der unaufdringlich im Hintergrund bleibt und es dem Leser erlaubt, Ihre Romanhandlung zu entdecken und zu genießen. Und ab diesem Zeitpunkt zählt in erster Linie, ob Sie ein guter Geschichtenerzähler sind, der seine Leser mit einer spannenden Geschichte, interessanten Charakteren und überraschenden Wendungen bei der Stange halten kann.


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