Ablenkungsfreies Schreiben mit Blindwrite

Unsere Produktivität beim Schreiben hängt zu einem großen Teil von unseren Gewohnheiten ab. Und genau wie es verschiedene Gewohnheiten gibt, die uns beim Schreiben auf die Überholspur katapultieren können, gibt es andere, die uns gnadenlos ausbremsen. Dazu gehört auch der leider viel zu verbreitete Fehler, bereits während des Schreibens der Rohfassung mit der Überarbeitung zu beginnen – was ungefähr ebenso sinnvoll ist, wie beim Autofahren gleichzeitig aufs Gaspedal und auf die Bremse zu treten.

Unterm Strich kommt man weitaus besser voran, wenn man erst die Rohfassung fertigstellt, bevor man diese im zweiten Schritt überarbeitet und auf Hochglanz poliert. Doch leider ist es gar nicht so einfach, sich abzugewöhnen, entdeckte Fehler direkt zu korrigieren oder ganze Sätze noch einmal umzuformulieren.

Solange man beim Schreiben auf den Text schaut, neigt man automatisch dazu, parallel mitzulesen – und prompt fallen einem Tippfehler, Buchstabendreher und etwas verunglückte Formulierungen auf, die man dank Computer ja ganz schnell und einfach korrigieren kann. Doch wenn man dieser Versuchung nachgibt, reißt einen das ebenso schnell aus dem Schreibfluss, wie einen beim Autofahren ein energischer Tritt auf die Bremse bis zum Stillstand ausbremsen kann.

Es gibt allerdings ein praktisches kleines Online-Tool, um diese Versuchung auszuschalten: Blindwrite. Dieses Tool, das Sie unter http://www.blindwrite.co finden, blendet während des Schreibens den gerade geschriebenen Text aus bzw. macht ihn durch einen weißen, nebelartigen Schleier unlesbar. Man sieht zwar, dass der Text mit jedem Tastendruck weiter wächst, aber mitlesen oder gar korrigieren sind unmöglich.

Screenshot BlindwriteDie Bedienung des Programms ist einfach und selbsterklärend: Zu Beginn jeder Schreibsession gibt man ein Thema an, über das man schreiben will (sozusagen die Überschrift) und für wieviele Minuten man schreiben möchte – und schon kann es losgehen.

Auch wenn es anfangs ein recht ungewohntes Gefühl ist, den gerade geschriebenen Text nicht entziffern zu können, gewöhnt man sich schon nach wenigen Minuten daran. Und ab diesem Zeitpunkt wird man automatisch schneller – schließlich gibt es nur noch ein Vorwärts und kein Zurück mehr. Man sollte lediglich zwischendurch mal einen Blick auf die eigenen Finger werfen, um sicherzustellen, dass diese immer noch auf den richtigen Tasten liegen. Denn wenn man beim konzentrierten Zehn-Finger-Schreiben beispielsweise mit der rechten Hand um eine Taste nach rechts verrutscht ist, hat man am Ende der Schreibsession nichts als einen kaum zu entziffernden Buchstabensalat auf dem Bildschirm. ;-)

Während des Schreibens kann man im rechten oberen Bereich des Bildschirms einen kleinen Kreis sehen, der sich im Uhrzeigersinn langsam aufbaut. Sobald der Kreis vollständig geschlossen ist, ist die eingestellte Zeit abgelaufen. Auch ohne exakte Angaben in Minuten sieht man so recht genau, wieviel Zeit einem noch bleibt.

Nach Ablauf der Zeit wird der Text wieder komplett sichtbar und kann nun nun mit Copy & Paste exportiert werden, bevor man ggf. mit F5 die Seite erneut lädt, um die nächste Schreibsession zu starten.

Verglichen mit anderen Schreibapps, die in der Tradition alter Schreibmaschinen lediglich das Löschen und Überschreiben deaktivieren, um einen am Korrigieren / Überarbeiten zu hindern, ist Blindwrite noch effektiver, da sogar das reine Mitlesen verhindert wird und man sich somit ausschließlich auf das eigentliche Schreiben konzentriert.

Mogeln ist zwar möglich (der vernebelte Text wird sichtbar, wenn Sie ihn mit der Maus oder mit STRG+A markieren), doch ein Überarbeiten ist so dennoch nicht möglich, da der Text sofort wieder verschwimmt, sobald Sie den Curor an eine bestimmte Stelle platzieren. Insofern: Mission erfüllt! ;-)

Probieren Sie es einfach selbst einmal aus – vielleicht kommen Sie ja auch auf den Geschmack. Sie finden Blindwrite unter http://www.blindwrite.co.


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