Tipps für den NaNoWriMo 2017

In drei Tagen beginnt der diesjährige NaNoWriMo – der „National Novel Writing Month“, bei dem im Laufe des Novembers wieder einmal hunderttausende Schriftsteller und Hobbyautoren aus aller Welt versuchen werden, innerhalb von gerade mal 30 Tagen die erste Fassung eines neuen Romans von mindestens 50.000 Wörtern (also ca. 200 Normseiten) zu schreiben.

Falls auch Sie in diesem Jahr mit dabei sind und vorhaben, zu den erfahrungsgemäß weniger als 20% zu gehören, die es tatsächlich über die Ziellinie schaffen, habe ich ein paar kleine Tipps für Sie zusammengestellt.

Schaffen Sie sich Freiräume zum Schreiben

Teilen Sie Ihrer Familie und Ihren Freunden rechtzeitig mit, dass Sie im November so ziemlich jede freie Minute ins Schreiben Ihres neuen Romans stecken müssen und daher während der nächsten Wochen für gemeinsame Freizeitaktivitäten nicht zur Verfügung stehen werden.

Vereinbaren Sie mit Ihren Lieben, dass sich im November jeder von ihnen mehr Zeit für seine Hobbys nimmt – egal ob das Lesen, Puzzles oder das Bingewatching ganzer Serienstaffeln über Netflix oder Amazon Prime ist. Die Hauptsache ist, dass diese Hobbys nicht Ihre Beteiligung erfordern. ;-)

Verschieben Sie alle anderen Vorhaben, Unternehmungen und Pläne auf den Dezember und nehmen Sie sich für den November nichts anderes vor, als die Rohfassung Ihres neuen Romans fertigzustellen.

Sehen Sie den NaNoWriMo aus der richtigen Perspektive

Fakt ist: es geht nicht darum, innerhalb von 30 Tagen einen veröffentlichungsreifen Roman zu schreiben. Das Ziel ist lediglich, eine grobe Rohfassung zu Papier bzw. in den Computer zu bringen. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Wenn man zügig schreibt, kann man die anvisierten 50.000 Wörter in weniger als 50 Stunden schaffen. Für eine fertig überarbeitete, veröffentlichungsreife Normseite muss man hingegen mindestens 60 Minuten rechnen, was bei 50.000 Wörtern (also ca. 200 Normseiten) auf mindestens 200 Stunden hinaus liefe.

Da Sie im November wohl kaum 200 Stunden zum Schreiben abzweigen können (was einer runden 50-Stunden-Woche entspräche), sollten Sie sich nicht mehr als eine Rohfassung vornehmen, die ruhig so grottenschlecht und holprig sein darf, wie sie will. Auch die schlechteste Rohfassung kann man später noch in aller Ruhe überarbeiten und ausfeilen.

Schauen Sie also beim Schreiben niemals zurück und korrigieren Sie nichts – nicht einmal die übelsten Rechtschreibfehler oder Buchstabendreher, die Ihnen schon während des Schreibens direkt ins Auge springen. Der einzige Weg zum Ziel führt vorwärts und korrigieren können Sie immer noch, sobald Sie (nach mindestens 50.000 Wörtern) das magische Wörtchen ENDE unter das letzte Kapitel geschrieben haben.

Schaffen Sie die Grundlagen, um überall schreiben zu können

Ketten Sie sich zum Schreiben nicht an Ihren Computer. Selbst wenn Sie an Ihrem großen Desktop-PC mit der mechanischen Tastatur am besten und am schnellsten schreiben können, sollten Sie sich nicht darauf beschränken.

Mit einem Laptop oder Netbook können Sie auch abends in der Couch oder während der Mittagspause an Ihrem Roman schreiben – alles Zeiten, die Sie nicht richtig nutzen könnten, wenn Sie sich nur auf Ihren Desktop-PC beschränken. Dank Synchronisierungs-Diensten wie Dropbox, Google Drive oder OneDrive können Sie Ihr Manuskript über mehrere Rechner hinweg auf dem aktuellen Stand halten und sogar von Ihrem Tablet oder Smartphone aus an Ihrem Manuskript arbeiten.

Oder Sie schreiben direkt in der Cloud, indem Sie zum Schreiben eine Online-App wie Google Docs oder die Online-Version von Word nutzen, die Sie von jedem PC mit Internetzugang aus nutzen können. Sie entscheiden, was für Sie die beste Option darstellt. Die Hauptsache ist, dass Sie jede freie Minute und jede sich bietende Gelegenheit zum Schreiben Ihres Romans nutzen können. Denn je besser Sie von Anfang an voran kommen, desto weniger Stress und Zeitdruck haben Sie Ende des Monats, wenn es auf die Zielgerade zu geht.

Reservieren Sie feste Zeiten fürs Schreiben

Auch wenn Sie, wie im letzten Tipp erwähnt, während des Novembers jede sich bietende Gelegenheit nutzen sollten, um ein paar Sätze oder ein paar Seiten an Ihrem Roman weiter zu schreiben, sollte der Kern Ihrer NaNoWriMo-Planung dennoch aus fest eingeplanten Schreibzeiten bestehen.

Sie selbst kennen Ihre eigene Schreibgeschwindigkeit am besten. Schaffen Sie in der Stunde im Schnitt 500, 1.000, 1.500 oder gar bis zu 2.000 Wörter Rohfassung? Wenn es bei mir gut läuft, liege ich meist irgendwo zwischen 1.000 und 1.500 Wörtern, aber ich kenne Autoren, die beim Schreiben ihrer Rohfassung konstant die 2.000er-Marke knacken. Im Prinzip ist das kein Hexenwerk – gerade mal 34 Wörter pro Minute, aber als konstante Marathon-Leistung dennoch sehr beeindruckend.

Wichtig ist, dass Sie Ihre eigene Schreibgeschwindigkeit realistisch einschätzen und dementsprechend viel (oder wenig) Zeit für Ihr Manuskript reservieren. Bei 500 Wörtern pro Stunde brauchen Sie 100 Stunden für Ihre Rohfassung, bei 2.000 gerade mal 25. Für die meisten von uns liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

Sagen wir, dass Sie mit im Schnitt 1.000 Wörtern Rohfassung pro Stunde gut im Rennen liegen und daher 50 Stunden für das Schreiben Ihrer Rohfassung einplanen müssen. Das sind 12 Stunden pro Woche – etwas mehr, wenn Sie einen gewissen Puffer für Unvorhergesehenes einplanen. Manchmal kommt man nicht wie geplant zum Schreiben, manchmal geht es nicht so gut voran wie geplant und vielleicht stellen Sie fest, dass Sie mit 50.000 Wörtern für Ihre Romanhandlung nicht ganz auskommen.

Sagen wir, dass Sie morgens eine halbe Stunde vor der Arbeit schreiben, eine Stunde abends und an den freien Wochenendtagen jeweils fünf Stunden. Das macht pro Woche gute 17 Stunden oder auf den kompletten November hochgerechnet ca. 75 Stunden – in jedem Fall mehr als genügend Zeit für Ihre Rohfassung.

Nutzen Sie die natürliche Wocheneinteilung für die Struktur Ihres Romans

Um etwas Struktur in den NaNoWriMo zu bringen, kann man die vier Akte eines Romans auf die Kalenderwochen des Novembers verteilen. Dieses Jahr sähe das folgendermaßen aus:

01.11 – 05.11: Akt 1
06.11 – 12.11: Akt 2
13.11 – 19.11: Akt 3
20.11 – 26.11: Akt 4

Diese Aufteilung hat den Vorteil, dass Sie das Wochenende (an dem man ohnehin üblicherweise mehr Zeit als während der Woche hat) jeweils zum Abschließen und Komplettieren eines Akts hat. Wenn man sich an diese Struktur hält, stellt man sicher, dass man Ende November wirklich eine in sich abgeschlossene Romanhandlung hat und nicht jenseits der 50.000 Wörter immer noch irgendwo im dritten Akt festhängt.

Der zweite Vorteil ist, dass Sie mit dieser Einteilung bereits am 26.11 mit der Rohfassung Ihres Romans fertig sind. Wenn Sie also dann feststellen, dass Sie noch irgendwo ein paar Szenen ergänzen oder ausbauen müssen, um über die 50.000 Wörter zu kommen, haben Sie dafür immer noch bis zu vier Tage Zeit.

Der einzige Nachteil ist in diesem Jahr, dass Sie mit dieser Aufteilung für den ersten Akt nur fünf statt sieben Tage zur Verfügung haben. Doch erstens kommt man Anfangs ohnehin besonders gut voran und zweitens macht es gar nichts, wenn der erste Akt etwas kürzer ausfällt als die anderen drei Akte. Das bedeutet nur, dass Ihre Handlung schneller Fahrt aufnimmt. Ihre späteren Leser werden es Ihnen danken.

Wenn Sie nach dem Kalenderwochen-Modell vorgehen wollen, bedeutet das allerdings, dass Sie von Anfang an mehr als die statistischen 1.667 Wörter pro Tag (= 50.000 Wörter / 30 Tage) schreiben müssen. Versuchen Sie in diesem Fall, mindestens 2.000 Wörter pro Tag zu schreiben, um gut im Rennen zu liegen und mit dem Ende des vierten Akts auch tatsächlich über der magischen 50.000-Wörter-Marke zu landen.

Nutzen Sie die letzten Oktobertage für die Vorplanung

Nur weil man erst am 01.11 mit dem eigentlichen Schreiben der Rohfassung beginnen darf, bedeutet das natürlich noch lange nicht, dass man vorher nicht an der Planung seines Romans arbeiten dürfte.

Dieses Jahr bietet sich für einen kurzen Planungs-Block for dem eigentlichen NaNoWriMo besonders gut an: Dadurch, dass dank des Luther-Jahrs der 31.10 diesmal in allen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag ist und viele von uns sich auch noch den Montag als Brückentag genommen haben, haben wir (inklusive heute) noch bis zu drei freie Tage für die Vorbereitung unseres Romans zur Verfügung.

Nutzen Sie diese Zeit, um Ihre Charaktere und Ihre Romanwelt besser kennenzulernen und sich zu überlegen, was alles passieren könnte. Je besser Sie Ihre Charaktere und Ihre Romanwelt kennen, desto leichter und besser können Sie später beim Schreiben improvisieren, ohne sich selbst und Ihrer ursprünglichen Idee untreu zu werden.

Sehr nützlich ist auch eine intensive Brainstorming-Session, was alles zwischen dem geplanten Anfang Ihres Romans und dem anvisierten Ende passieren könnte. Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf und setzen Sie sich als Ziel, mindestens hundert Ideen für mögliche Szenen zu Papier zu bringen. Je mehr, desto besser. Selbst wenn nicht alles davon zusammen passt und Sie viele Dinge im Nachhinein als unsinnig, zu abgegriffen und klischeehaft oder als zu weit hergeholt verwerfen werden, sorgen Sie auf diese Weise für mehr als genügend „Baumaterial“ für Ihren Roman.

Wer es sich einfacher machen will, greift in dieser Phase zur Assoziativen Ideen-Matrix aus meinem Buch „Kreativ mit der Matrix“ (http://warpco.de/Matrix), mit der Sie innerhalb weniger Stunden mehr als genügend Rohmaterial für einen ganzen Roman aus dem Ärmel schütteln können. Viele von Ihnen kennen das Buch vermutlich bereits und nutzen die AIM-Technik vielleicht sogar schon bei der Planung Ihres NaNoWriMo-Romans – falls jedoch nicht, kann ich Ihnen einen Blick ins Buch nur empfehlen.

Bleiben Sie locker

Der wichtigste Tipp für den NaNoWriMo ist natürlich, trotz allem Zeitdruck locker zu bleiben und die Reise zu genießen. Erwarten Sie nicht zu viel von sich selbst und auch nicht von Ihrem Roman. Denken Sie noch nicht an eine spätere Veröffentlichung, sondern betrachten Sie die kommenden Wochen als einen Abenteuerurlaub mit Ihrer Kreativität.

Beim NaNoWriMo geht es in erster Linie darum, Spaß zu haben, seiner Phantasie freien Lauf zu lassen und dabei zu entdecken, wie produktiv man sein kann, wenn man falschen Perfektionismus und die leidige Aufschieberitis über Bord wirft.

In diesem Sinne: viel Spaß beim Schreiben und viel Erfolg beim diesjährigen NaNoWriMo!

Schreiben im iA-Writer-Look unter Windows

Wenn es ums ablenkungsfreie Schreiben geht, bin ich – speziell auf meinem Android-Tablet – ein großer Fan von iA Writer (https://ia.net/writer/). Sowohl die verwendete Schriftart als auch die Bildschirmfarben eignen sich wunderbar für stundenlange Schreibsessions.

Doch leider gibt es iA Writer (außer der erfreulicherweise sogar kostenlos erhältlichen Android-App) leider nur für Mac und iPad, während ich, was PCs und Laptops angeht, ausschließlich unter Windows schreibe.

Da das offizielle iA Writer somit leider keine Option war, überlegte ich, welche Schreib-App unter Windows man im selben Stil umdesignen könnte. Meine Entscheidung fiel auf FocusWriter (https://gottcode.org/focuswriter/), aber mit den Tipps aus diesem Artikel können Sie so ziemlich jedes Schreibprogramm, das es Ihnen erlaubt, Schriftarten, Farben und Absatzformate frei zu definieren, im Stil von iAWriter umdesignen.

Was hierbei natürlich (zumindest mit FocusWriter) nicht funktioniert, ist die automatische Hervorhebung von Markdown-Formatierungen wie die Verwendung von „fett“ bei Überschriften, wie das „echte“ iA Writer sie bietet. Aber für das Schreiben von Romanen ist das meiner Meinung nach auch gar nicht so wichtig – fangen wir also an.

Dass iA Writer die Schriftart „Nitti Light“ von „Bold Monday“ verwendet, war relativ leicht herauszufinden. Diese kann man unter https://www.boldmonday.com/typeface/nitti/#buy für 59 € kaufen, doch auch mit der kostenlosen Schriftart „Droid Sans Mono“ von Google kann man eine sehr ähnliche Optik erzielen. „Droid Sans Mono“ kann man sich kostenlos unter https://www.fontsquirrel.com/fonts/droid-sans-mono herunterladen.

Etwas schwieriger war es, die richtigen Farben für die Schriftart und den Hintergrund herauszufinden. Doch glücklicherweise hat sich der Blogger Justin Blanton diese Mühe bereits 2011 gemacht (http://hypertext.net/2011/06/mimic-writer-aesthetic/), weswegen ich hier direkt auf seine Resultate zurückgreife, statt zu versuchen, das Rad neu zu erfinden. Für die Textfarbe verwenden wir also #424242 und als Hintergrundfarbe die #f5f6f6.

Als Schriftgröße wählte ich Schriftgrad 12 und stellte den Zeilenabstand auf „Proportional“ mit der Höhe 125%. Das Ergebnis, das Sie auf diesem Bild sehen, ist schon sehr nahe an der anvisierten Optik von iA Writer dran.

FocusWriter im iA-Writer-LookFür alle, die sich die sich die manuellen Einstellungen sparen wollen, habe ich das fertige FocusWriter-Design als Dropbox-Download freigegeben: https://www.dropbox.com/s/fno0u8f1ninqdx0/Favorit.fwtz?dl=0.

Ein letzter Hinweis: Da ich meine Manuskripte am PC prinzipiell im Markdown-Format schreibe (dazu ein anderes Mal mehr…), habe ich in meinem FocusWriter-Design keinen größeren Abstand zwischen Absätzen definiert. Wer seine Manuskripte unter FocusWriter im RTF-Format oder ODT-Format schreibt (also ähnlich wie unter Microsoft Word), kann bei den Absatzabständen (ganz unten) den Wert „Darunter“ auf ca. 20 Pixel setzen, um eine ähnliche Optik mit sauber voneinander getrennten Absätzen zu erreichen.

Viel Spaß beim Schreiben!

Prime Reading: Was Amazons neue Lese-Flatrate für Autoren bedeutet

Seit den Anfangstagen der eReader hat Amazon immer wieder den eReading- und Selfpublishing-Markt vorangetrieben und mit Neuerungen durcheinander gewirbelt. Vor einigen Jahren öffnete Amazon mit seinem Selfpublishing-Portal KDP (Kindle Direct Publishing) für jeden Autor die Möglichkeit, seine Bücher kostenlos und mit verlockend hohen Tantiemen im eBook-Format über Amazon zu veröffentlichen.

2014 folgte die gerade unter Autoren nicht unumstrittene Lese-Flatrate „Kindle Unlimited“, bei der Ausleihen zunächst mit einer Pauschale pro ausgeliehenem Exemplar vergütet wurde, was später auf eine Vergütung nach gelesenen Seiten umgestellt wurde. Wer sein Buch über „KDP Select“ exklusiv über Amazon veröffentlicht hatte, um beispielsweise die Möglichkeit zu haben, sein Buch an bis zu fünf Tagen pro Quartal kostenlos anzubieten, musste dieses Buch ab jetzt zugleich auch automatisch für die hauseigene Kindle-Unlimited-Leseflatrate freigeben – auch wenn die Vergütung pro gelesener Seite immer niedriger wurde und mittlerweile unter 0,3 Cent gefallen ist.

Doch ab dieser Woche wirbelt Amazon den eBook-Markt wieder mal mit einer neuen Lese-Flatrate durcheinander: Prime Reading

„Prime Reading“ für Leser

Die neue Lese-Flatrate „Prime Reading“ hat nichts mit Amazons ‚großer‘ Lese-Flatrate „Kindle Unlimited“ zu tun, für die Kunden monatlich 9,99 € bezahlen müssen. Auch wenn beide Flatrates auf den ersten Blick gewisse Gemeinsamkeiten haben, wie das der Kunde parallel bis zu zehn Bücher ausleihen und lesen kann, handelt es sich um zwei voneinander unabhängige Angebote, die zukünftig parallel zueinander existieren werden.

Im Gegensatz zu „Kindle Unlimited“, für das der Kunde aufs Jahr gerechnet knappe 120 Euro zahlt, steht die neue Lese-Flatrate „Prime Reading“ allen Amazon-Kunden zur Verfügung, die über eine Prime-Mitgliedschaft verfügen – ähnlich wie die „Kindle Leihbücherei“, über die Prime-Kunden auch bisher schon jeden Monat ein Buch kostenlos zum Lesen ausleihen konnten.

Und während man für das Ausleihen von Büchern über „Kindle Unlimited“ oder die „Kindle Leihbücherei“ tatsächlich einen Kindle-eReader oder ein Fire-Tablet benötigt, kann man das Angebot von „Prime Reading“ auch per Tablet oder Smartphone nutzen.

Amazon Prime ist von einer Versandkosten-Flatrate im Laufe der Zeit zu einer Art „All-Inclusive-Paket“ von Amazon geworden: Mittlerweile kann man (neben dem kostenlosen Versand von direkt über Amazon gelieferten Artikeln) auch per „Amazon Music“ kostenlos Musik streamen, per „Amazon Instant Video“ zahllose Filme und Serien kostenlos online anschauen, seine Fotos in der Cloud speichern und monatlich ein Buch über die „Kindle Leihbücherei“ ausleihen.

Und jetzt kommt eben noch „Prime Reading“ dazu – sozusagen der kleine Bruder von „Kindle Unlimited“. Denn während man als Leser bei „Kindle Unlimited“ Zugriff auf über eine Million Bücher hat (u.a. alle Bücher von Selfpublishern, die ihre Bücher auch für „KDP Select“ angemeldet haben) besteht das Sortiment bei „Prime Reading“ lediglich aus ca. 500 Büchern und Zeitschriften, die dafür allerdings periodisch (vermutlich ungefähr alle drei Monate) wechseln werden.

Für mich sieht das neue „Prime Reading“-Angebot ein wenig danach aus, als ob man mit dem recht überschaubaren Prime-Reading-Sortiment die Prime-Kunden für das Prinzip einer Lese-Flatrate begeistern will, damit diese dann früher oder später auf das teurere „Kindle Unlimited“ umsteigen. Also ähnlich wie beim ebenfalls in Amazon Prime enthaltenen „Amazon Music“, das mit „Amazon Music Unlimited“ mittlerweile auch einen kostenpflichtigen großen Bruder erhalten hat.

Während „Prime Reading“ für extreme Vielleser, die bereits über ein Kindle-Unlimited-Abo verfügen, relativ uninteressant sein dürfte, wird die neue Lese-Flatrate zweifellos jede Menge Fans unter den rund 17 Millionen Prime-Kunden in Deutschland finden.

Wer nur alle paar Wochen mal ein Buch liest und bereits eine Prime-Mitgliedschaft hat, dürfte zukünftig vermutlich weniger Bücher als bisher kaufen und sich stattdessen aus dem von Amazon recht abwechslungsreich zusammengestellten Prime-Reading-Sortiment bedienen.

„Prime Reading“ und die Bestsellerlisten

Schon jetzt zeigt sich in Amazons Bestseller-Listen, wie sehr die neue Leser-Flatrate diese beeinflusst. Denn wenn man hier mal etwas genauer vergleicht, fällt einem auf, dass sich in den Top-100 fast nur noch Titel tummeln, die auch in „Prime Reading“ enthalten sind, da die Ausleihen über „Prime Reading“ genau wie normale Verkäufe gewertet werden.

Bei 17 Millionen Prime-Kunden, die diese Bücher theoretisch ausleihen können, kann man sich vorstellen, dass diese neu gewonnene Sichtbarkeit den in „Prime Reading“ enthaltenen Büchern einen gewaltigen Popularitätsschub bringt.

Doch auch wenn die Auswirkungen der neuen Lese-Flatrate auf die Bestseller-Listen zweifellos auch mittel- und langfristig groß sein werden, muss man doch erst mal die ersten 2-3 Monate abwarten, um realistisch beurteilen zu können, ob ein Platz im Prime-Reading-Sortiment tatsächlich zum einzigen Weg für eine Top-100-Platzierung wird.

„Prime Reading“ ist in Deutschland erst wenige Tage alt und hat noch den Reiz des Neuen – auf gut Deutsch: Millionen Menschen leihen jede Menge eBooks aus, um das neue Inklusiv-Angebot zu testen.

Nach den ersten paar Wochen dürften die Auswirkungen auf die Top-100 sich schon etwas reduzieren, da die meisten Leser die für sie interessanten Bücher bereits ausgeliehen (wenn auch vielleicht noch nicht gelesen) haben.

Der nächste Schub ist dann wohl erst wieder zu erwarten, wenn Amazon in runden drei Monaten das Prime-Reading-Sortiment austauscht und den interessierten Lesern einen Schwung neuen Lesefutters zur Verfügung stellt.

„Prime Reading“ für Autoren

Während jeder Autor durch die exklusive Anmeldung seines Buchs für „KDP Select“ sein Buch auch für die Lese-Flatrate „Kindle Unlimited“ freigeben kann, tauchen in „Prime Reading“ nur von Amazon ausgewählte Bücher aus, deren Autoren (bzw. Verlage) sich bereiterklärt haben, Amazon die Rechte für die zeitlich befristete Listung iim Prime-Reading-Sortiment gegen eine einmalige Pauschalzahlung einzuräumen.

Die Höhe dieser Zahlung liegt üblicherweise im Bereich zwischen 200 € und 1.000 € und hängt vom bisherigen finanziellen Erfolg des jeweiligen Buchs ab.

Auch wenn die meisten Selfpublisher wohl niemals ein Angebot von Amazon erhalten werden, eines ihrer Bücher für „Prime Reading“ freizugeben, hat die Einführung der neuen Lese-Flatrate dennoch signifikante Auswirkungen auf die zukünftige Veröffentlichungs-Strategie.

Obwohl natürlich auch weiterhin die über „Kindle Unlimited“ gelesenen Seiten in die Berechnung der Amazon-Bestseller-Listen einfließen, wird deren Einfluss durch das neue „Prime Reading“ deutlich zurückgehen. Nach den ersten paar Monaten der neuen Lese-Flatrate dürften daher viele Selfpublisher ihre Entscheidung, ihr Buch für „KDP Select“ und damit auch für „Kindle Unlimited“ freizugeben, noch einmal kritisch überdenken. Denn während bisher die Kindle-Unlimited-Vielleser ein Buch schnell in die gut sichtbaren Top-100 hieven (und damit auch die Verkäufe der anderen Bücher des Autors ankurbeln) konnten, geht der Einfluss dieser Vielleser zukünftig durch die Millionen Prime-Reading-Kunden deutlich zurück.

Doch auch wer als erfolgreicher Selfpublisher ein Angebot erhält, eines seiner bereits kommerziell erfolgreichen Bücher gegen eine Pauschalzahlung zeitlich befristet für „Prime Reading“ freizugeben, sollte genau überlegen, ob sich dieses Angebot für ihn wirklich rechnet.

Ganz klar: eine Listung in „Prime Reading“ bedeutet für ein Buch eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für einen gut sichtbaren Platz in den Top-100. Wer als Selfpublisher bereits eine ganze Reihe Bücher veröffentlicht hat, kann also damit rechnen, dass viele begeisterte Prime-Reading-Leser anschließend auch weitere seiner Bücher kaufen werden. Wer hingegen nur dieses eine Buch veröffentlicht hat, kann den Popularitäts-Schub durch eine gute Platzierung in den Top-100 kaum in Geld umwandeln.

Solange das Buch im Prime-Reading-Sortiment enthalten ist, wird es kaum jemand kaufen (da schließlich mehr als jeder dritte Amazon-Kunde auch Prime-Kunde ist). Und sobald das Buch im Rahmen des nächsten Sortimentswechsels aus „Prime Reading“ verschwindet, ist es kommerziell gesehen ausgebrannt. Wer es lesen wollte, wird es bis dahin kostenlos ausgeliehen und gelesen haben; die Verkäufe nach drei Monaten „Prime Reading“ dürften nur noch auf einem recht niedrigen Stand vor sich hin dümpeln.

Fazit: Wer als Selfpublisher von Amazon das Angebot erhält, eines seiner Bücher für das Prime-Reading-Sortiment freizugeben, sollte es sich genau überlegen. Selbst wenn das Buch in dieser Zeit durch den damit verbundenen Popularitätsschub zehntausende von Malen ausgeliehen und gelesen wird, bekommt man als Autor dafür neben der im Vorfeld vereinbarten recht niedrigen Pauschale von maximal 1000 Euro keinen Cent. So etwas rechnet sich überwiegend dann, wenn das Buch bereits den Zenit seines kommerziellen Erfolgs überschritten hat und nun noch dabei helfen kann, die Bekanntheit des Autors zu erhöhen und mit etwas Glück neue Leser für seine anderen Bücher zu begeistern.

Für alle anderen Autoren, die bisher „KDP Select“ nutzen und ihre Bücher damit für die Kindle-Unlimited-Leihbibliothek freigeben, wird sich irgendwann die Frage stellen, ob dieser Exklusiv-Deal mit Amazon sich weiterhin rechnet oder ob es vielleicht doch lohnender ist, die eigenen Bücher parallel auch über andere Buchhändler und für andere eReader wie den Tolino anzubieten, statt sich auf Gedeih und Verderb exklusiv an Amazon zu binden. Eine breitere Plattform ist meiner Meinung nach immer besser, als alle Eier in einen Korb zu legen. Aber das ist eine Entscheidung, die letztendlich jeder Autor für sich selbst treffen muss.

„Outlining Your Novel Workbook Software“

Die Schriftstellerin K.M. Weiland dürfte vielen Autoren durch ihre erfolgreichen Schreibratgeber „Outlining Your Novel“ und „Structuring Your Novel“ bekannt sein. Schon früher gab es zu beiden Büchern jeweils ein Workbook, das die Lektionen des jeweiligen Hauptbuchs in Fragen auf Aufgaben aufgliederte, mithilfe derer man nach und nach seinen eigenen Roman planen konnte.

Nun ist K.M. Weiland noch einen großen Schritt weiter gegangen und hat zusammen mit dem Programmierer Bob Miller ein Programm zu „Outlining Your Novel“ entwickelt. Bei diesem Programm handelt es sich nicht um ein klassisches Schreibprogramm wie Scrivener, Patchwork oder Papyrus, sondern eher um einen interaktiven Baukasten, in dem man anhand gezielter Fragen durch die Entwicklung seines eigenen Romans geführt wird.

In dieser Beziehung verfolgt Weilands Programm einen ähnlichen Ansatz wie die „Snowflake Pro“-Software“ von Randy Ingermanson, dem Erfinder der bekannten Schneeflocken-Methode, oder Evan Marshall („The Marshall Plan for Novel Writing„) mit seinem Programm. Allerdings hat K.M. Weilands Programm (unabhängig davon, dass jedem dieser Programme ein unterschiedlicher Denkansatz für die Planung eines Romans zugrunde liegt) schon auf den ersten Blick den Vorteil, dass es weniger als die Hälfte bzw. ein Drittel der beiden Konkurrenzprogramme kostet – nämlich gerade mal 40 Dollar.

Während das Programm in den USA auch über Amazon vertrieben wird, kann man das Programm in Deutschland aufgrund regionaler Beschränkungen nicht über Amazon bestellen, sondern muss es über die die Webseite der Autorin ordern: http://www.helpingwritersbecomeauthors.com/book/outlining-novel-workbook-computer-program/. Dort finden Sie etwas weiter unten auf der Seite die Bestell-Links für die PC-Version (Achtung: nur für aktuelle 64-Bit-Betriebssysteme!) und die Mac-Version.

Wichtiger Tipp zur Installation unter Windows: Standardmäßig installiert sich das Programm wie üblich unter „Programme“. Da das Programm aber bestimmte Daten innerhalb des Programmverzeichnisses ablegt und Programme durch die Berechtigungsverwaltung neuerer Windows-Versionen keine Daten im Programmverzeichnis schreiben/ändern dürfen, sorgte dies bei der mir vorliegenden Version dafür, dass man keine neuen Romanprojekte anlegen/speichern konnte. Wenn man bei der Installation allerdings ein anderes Installationsverzeichnis (z.B. „C:/Software/Outlining_Your_Novel“) vorgibt, treten diese Probleme nicht auf. Alternativ können Sie in den Eigenschaften der Programmverknüpfung festlegen, dass das Programm als Administrator ausgeführt werden soll, aber der Umweg über ein anderes Verzeichnis ist aus meiner Sicht der einfachere und bessere Weg.

Screenshot Outlining Your Novel SoftwareDas Programm ist sehr gut durchdacht und strukturiert und kann somit (gerade in Verbindung mit dem Buch) ein sehr nützliches Werkzeug zum Planen eines Romans sein. Von der Prämisse des Romans über alle Details zu den darin vorkommenden Charaktere, Settings und Konflikte bis hin zur detaillierten Szenenliste nimmt einen das „Outlining Your Novel“-Programm bei der Hand und führt einen in logisch aufeinander aufgebauten Schritten hin zu einem sauber geplanten und strukturierten Roman.

Man sollte für die Arbeit mit dem Programm allerdings über solide Englischkenntnisse verfügen, da dieses ausschließlich auf Englisch verfügbar ist. Wer Weilands Bücher im Original gelesen hat (oder ohnehin gerne in englischsprachigen Schreibratgebern schmökert) sollte hier jedoch keine Probleme haben.

Unter http://www.helpingwritersbecomeauthors.com/oynw-support/ finden Sie diverse Ressourcen zum Programm wie die ausführliche Anleitung im PDF-Format, diverse Video-Tutorials und Tipps zur Arbeit mit dem Programm – alles wirklich vorbildlich gelöst.

Fazit: Gerade für Romanautoren, die schon das Original-Buch von K.M. Weiland „Outlining Your Novel: Map Your Way to Success“ (bzw. die deutsche Version „Wie man einen Roman plant: Gliedern Sie Ihre Schritte zum Erfolg“) kennen, ist das Programm ein äußerst empfehlenswertes Werkzeug.

Der Einsatz der Software ohne Kenntnis von K.M. Weilands Buch „Outlining Your Novel“ macht allerdings relativ wenig Sinn, da die interne Logik des Programms und seine Struktur natürlich auf dem Inhalt des Buchs und des darin beschriebenen Planungsmodell aufbauen. Wer das Buch also noch nicht kennt bzw. besitzt, sollte sich also erst das Buch zu Gemüte führen, bevor er in die zugehörige Software investiert.

Hier noch einmal der Link zur Webseite: www.helpingwritersbecomeauthors.com/book/outlining-novel-workbook-computer-program und zu den Tutorials / Ressourcen: http://www.helpingwritersbecomeauthors.com/oynw-support/.

Patchwork-Tutorial: Plotten mit Patchwork

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkDie Abwesenheit eines Plots ist die Mutter der meisten Schreibblockaden. Speziell Schreib-Neueinsteiger fühlen sich genervt, plotten zu sollen. Die Geschichte drückt schon mit dem Druck einer Wasserleitung und will endlich raus. Wofür dann so ein Schnickschnack?

1. Plot und Story

Ich kenne aus meiner Vergangenheit diese Sichtweise nur zu gut und ich kann mich auch gut genug noch an die Folgen erinnern. Ich setzte mich hin und schrieb auf Teufel komm raus und es ging auch flott dahin. Rund 150 Seiten lang. Dann geschah etwas Seltsames: der Druck ließ nach. Der Speicher schien leer und bald tröpfelte die Geschichte nur noch, bis auch das nachließ. Hurra, die erste Schreibblockade.

Beinahe jedem geht es so, der einfach drauflosschreibt, ohne sich Gedanken zu zwei Dingen zu machen: dem Ziel und den Wegpunkten dorthin. Genau diese zwei notwendigen Anker schafft man sich mit einem Plot. Die Geschichte als solche hat man ja üblicherweise vage im Kopf.

Bevor wir uns aufs Plotten stürzen noch eine Begriffsklärung. Stell dir dafür vor, deine Geschichte handelte von der Verwandlung des Oskar M., während er von Jaca nach Santiago de Compostela den Jakobsweg bewandert.

Dabei handelt es sich um eine Wegstrecke mit besagtem Anfangs- und Endpunkt, auf der Oskar in chronologischer Reihenfolge seine Erlebnisse hat. Das nennt man die Geschichte oder die Story.

Jetzt gibt es aber Gründe, warum sich Oskar auf den Weg macht, vielleicht eine Scheidung, die ihn dazu veranlasst, sich selbst besser kennenzulernen. Er zögert, wird abgeschreckt von der Mühsal, die ihn erwarten wird, rafft sich dann aber doch auf. Er wird unterwegs von Zweifeln geplagt, will aufgeben, erhält unerwartet Motivation, doch durchzuhalten. Schließlich fühlt er sich am Ende seiner Kräfte und gibt doch noch auf. Doch in dem Gasthof, von dem aus er per Bus zurückreisen möchte, trifft er einen bedeutend älteren Mann – das wäre doch gelacht, nicht wahr? – der ihn indirekt über seinen Stolz motiviert und mit dem gemeinsam er den Rest des Weges überwindet. Wahrscheinlich als anderer Mensch. Wovon dieser Absatz handelte, ist der Plot.

Der Plot ist die Struktur. Der Ausgangspunkt und das Ende und die definierten Wendepunkte unterwegs. Und darüber handelt dieser Artikel.

Wie alle anderen schreibratgebenden Hinweise ist auch der Plot keine willkürliche Sache, die sich irgendjemand in Brüssel ausgedacht hat. Der einfachste Plot ist der klassische Dreiakter, den man bereits im antiken Griechenland erfolgreich anwendete. Ich möchte hier nicht auf Sinn und Aufbau eines Plots weiter eingehen, sondern zeigen, wie man mit Patchwork plottet.

Das Plotten ist dabei ein mehrstufiger Prozess, der bis zum fertigen Szenengerüst gehen kann. Nicht muss.

2. Schritt 1 – plotten

Man muss nicht mit einem neuen Projekt beginnen, um zu plotten. Wenn man es tut, dann ist das Plotten eine von fünf Optionen, mit denen man ein Projekt beginnen kann (1): Screenshot PatchworkBesteht das Projekt bereits, beginnt man über die Menüfunktion Hauptmenü › ‚Projektbezogen‘ › ‚Plotten‘. Mit beiden Einstiegen landen wir bei dem Plotfenster:

Screenshot PatchworkAls Erstes entscheiden wir uns für ein Plot-Konzept (1). Vater aller ist der klassische Dreiakter. Alle anderen sind Erweiterungen. Für lange Geschichten, also etwa Romane, empfiehlt sich die Wahl einer detaillierteren Struktur, zum Beispiel  Heldenreise, Schneeflockenmethode oder Waldscheidt-Dreiakter. Für eine Kurzgeschichte ist Plotten auch nicht verkehrt. Aber hier werden Drei- oder Fünfakter ausreichenden Halt bieten.

Haben wir uns entschieden, werden die Stufen des gewählten Konzepts links angezeigt (2). Auffallend ist die Reihenfolge (3) der Zahlen auf der rechten Seite der Stufen. Diese Zahlen sind eine Empfehlung für die Abfolge der Abhandlung der Punkte. Warum mit dem Ende beginnen? Weil wir dadurch gezwungen sind, das Ende klar zu formulieren. Ende und Anfang sind die Antipoden der Geschichte. Wir tun uns leichter, wenn wir das Ziel, also das Ende, bei der Entwicklung ständig vor Augen haben. Die Reihenfolge ist kein Muss, aber empfehlenswert.

Sobald man links auf eine Stufe klickt, wird rechts oben der dazugehörende Beschreibungstext angezeigt (5). Ab nun sind wir gefordert: Im freien Bereich (6) schreibt man eine Kurzbeschreibung (keinen Roman!) zu der aktuellen Stufe. Ist man damit fertig, wählt man die nächste Stufe links (2) aus. Gibt es zu einer Stufe bereits selbsterfassten Text, so wird diese Stufe grün markiert (4).

Erst wenn sämtliche Stufen ausgefüllt sind, wird die Option zum nächsten großen Schritt sichtbar: zur Weitergabe ans Kreativboard (7). Dort wird daraufhin zu jedem Schritt eine Karteikarte generiert. Der Titel der Karte wird die Bezeichnung der Stufe (2) sein, der Text der selbst erstellte Text (6).

Oben links (8) können wir die Größe der zukünftigen Karteikarten bestimmen.

3. Schritt 2 – Übergabe an das Kreativboard

Mit der Übergabe durch die Schaltfläche [Machs!] (7, oberes Bild) werden im Kreativboard für jede Stufe Karteikärtchen erzeugt.

Screenshot PatchworkIn jedem Kärtchen findet man seine Stufen wieder: Die Bezeichnung der Stufe (1) und den Text, den man dazu geschrieben hat (2). Möchte man nun zu bestimmten Stufen in die Tiefe gehen, wählt man ein Kärtchen aus (3) und klickt mit der rechten Maustaste darauf. Im erscheinenden Menü kann man nun zu diesem Eintrag eine neue Instanz anlegen (4). Damit öffnet sich eine neue, leere Ebene, die man nun manuell mit neuen Karteikärtchen bestücken kann, die zu dieser Stufe die einzelnen Szenen werden können.

4. Schritt 3 – Kapitel generieren lassen

Mit wenigen Mausklicks lassen sich aus diesen Karteikärtchen nun Kapitel erzeugen:

Screenshot PatchworkMan markiert alle Szenen, die übernommen werden sollen (1), wonach man auf eine der markierten mit der rechten Maustaste klickt. Nach Auswahl des Menüpunkts ›Szenen zu den … gewählten Textelementen erzeugen‹ (2) erscheint ein Fenster mit ein paar Einstellungen (3).

So kann man bestimmen, ob die zu übernehmenden Kärtchen hinter einem gerade markierten Kapitel eingefügt oder ihm untergeordnet werden sollen (4). Das ist natürlich nur relevant, wenn bereits Kapitel vorhanden sind. Es kommt zum Beispiel dann zum Tragen, wenn die markierten Kärtchen in einer Unterinstanz (also weiteren Kreativboardebene) dem übergeordneten Kapitel untergeordnet werden sollen. Als Reihenfolge (5) wird man meistens ›nach Position‹ wählen, weil das vermutlich auch die gewollte Szenenreihenfolge werden soll. Ein späteres Umschichten ist aber kein Problem. Weiterhin kann man angeben, was die Kärtchen werden sollen (6), in unserem Fall Hauptkapitel. Wären bereits mehrere Erzählstränge im vorliegenden Werk angelegt, könnte man hier die Kärtchen schon zuordnen (7).

Mit Drücken der Auslöseschaltfläche (8) werden die Kapitel erzeugt.

Screenshot PatchworkNun sind wir am Beginn des eigentlichen Schreibens angelangt. Während man bisher im Reiter ›Kreativboard‹ (1) gearbeitet hat, aus dem die Kapitel erzeugt wurden, so wechselt man nun zum Reiter des Textbereichs (3), wo das Schreiben selbst stattfindet. Auf dem Bild kann man erkennen, dass aus den Plot-Stufen (2) Kapitel wurden und aus den zu den Stufen verfassten Texten der … Pitch der Szene (4).

Jetzt werden wir, durch die Kapitel (5) gegliedert, im Textbereich (6) den Text der Geschichte schreiben. Als Richtlinie steht uns pro Szene der Pitch (4) zur Verfügung. Wird der Pitchtext hier geändert, so wird  er automatisch mit dem dazugehörenden Karteikärtchen synchronisiert und umgekehrt.

Zugegebenermaßen haben wir einige Zeit verbraucht, bevor wir nun ans eigentliche Schreiben gehen können. Aber je ernster wir diese Planung bis hierher genommen haben, umso fließender wird die Geschichte voranschreiten. Vor allem die Gefahr des Verfransens oder Auslaufens und damit verbundenen Schreibblockaden sind auf ein marginales Maß reduziert.

Wie detailliert man diese Vorplanung macht, bleibt natürlich jedem überlassen. Man kann Teile davon auslassen und man kann nachplotten und Szenen umbauen. Alles ist möglich. Hauptsache, man hat die Grundstruktur seiner Geschichte beim Schreiben immer im Augenwinkel.

Wen es in den Fingern juckt: viel Spaß mit dieser professionellen Herangehensweise an die nächste Geschichte!

Link zum Video

Martin Danesch

Elegante Handschriften von SoftMaker

Einer der Nachteile von am PC entworfenen Dokumenten ist, dass man ihnen sehr genau ansieht, dass sie am Computer erstellt und gedruckt wurden.

Für längere Texte wie den Textblock eines kompletten Buchs ist das durchaus sinnvoll, da klassische Schriftarten wie Times New Roman, Arial oder auch Courier besser und ermüdungsfreier lesbar sind als ausgefallenere Schrifarten.

Doch gerade um einen Kontrast hierzu zu setzen und eine Textpassage besonders hervorzuheben, ist es manchmal sinnvoll, hier zu einer völlig anderen Schriftart zu greifen, die gerade durch diesen optischen Kontrast besonders ins Auge springt. Besonders gut geeignet sind hierfür schöne Handschriften, die eingeschobene Zitate, Tipps in Sachbüchern o.ä. aus dem restlichen Text hervorspringen lassen – beispielsweise so:

Doch die meisten der kostenlosen Handschriften, die man im Internet findet, sehen entweder nicht sonderlich professionell gemacht aus (ungleichmäßiges Schriftbild oder andere Schwächen, die den Eindruck eines „handschriftlichen“ Texts gleich wieder zunichte machen), sind nicht für kommerzielle Nutzung zugelassen oder haben womöglich keine deutschen Umlaute – ein K.O.-Kriterium, das man oft erst im Nachhinein bemerkt, wenn man die Schriftart bereits auf seinem PC installiert hat.

Solche Probleme kann man mit der Sammlung „Elegante Handschriften 2018“ des Nürnberger Softwarehauses SoftMaker vermeiden – und sich zudem noch die stundenlange Sucherei im Internet ersparen. Für knapp 20 Euro (also weniger, als man oft im Internet für eine einzige kommerzielle Schriftart bezahlt) erhält man hier gleich 50 professionell gestaltete, sehr unterschiedliche Handschriften mit deutschen Sonderzeichen, bei denen für so ziemlich jeden Geschmack etwas dabei sein sollte.

Auf der Homepage des Herstellers finden Sie im unteren Bereich auch eine kleine Übersicht über die in der Sammlung enthaltenen Schriftarten als Slideshow. So können Sie sich schon vor einer eventuellen Kaufentscheidung einen Eindruck davon verschaffen, was Sie hier alles für Ihr Geld bekommen. Sie finden das Handschriftenpaket von SoftMaker unter http://www.softmaker.de/schriften/handschriften.

 

Markdown für Schriftsteller

Neben der ewigen Diskussion zwischen ‚Plottern‘ und ‚Pantsern‘, ob man Romane im Voraus planen oder ob sich die Handlung erst beim Schreiben entwickeln sollte, ist die wohl häufigste Diskussion unter Schriftstellern die darüber, was die optimale Software zum Schreiben ist.

Die einen schwören auf Scrivener, andere auf Papyrus oder Microsoft Word und noch andere auf minimalistische, ablenkungsfreie Schreibprogramme wie WriteMonkey, FocusWriter oder Q10.

Und seit immer mehr Schriftsteller nebenbei auch mobil auf ihren Tablets oder gar Smartphones an ihren Büchern und Geschichten arbeiten, ist nicht nur die Auswahl möglicher Programme sogar noch größer geworden, sondern es ergibt sich zusätzlich auch noch ein nicht zu unterschätzendes neues Problem: das der Kompatibilität und des Datenaustauschs zwischen den unterschiedlichen Programmen.

Auch wenn es auf Smartphones und speziell Tablets mittlerweile auch ausgewachsene Office-Pakete wie das von SoftMaker gibt, die vollständig kompatibel zu ihrem PC-Pendant sind, werden die meisten Schriftsteller am Tablet und erst recht am Smartphone eher auf minimalistische Schreibapps wie Jotterpad zurückgreifen, die auf eine unübersichtliche und platzraubende Benutzeroberfläche verzichten und dadurch mehr Bildschirmplatz für das bieten, was wirklich zählt: den eigentlichen Text.

Und da fangen dann auch schon die Probleme an. Denn (außer am iPad) gibt es keine kompatible App, mit der man beispielsweise seine Scrivener-Projekte unterwegs öffnen kann – selbst wenn man diese per Dropbox in der Cloud speichert. Und wie bekommt man die Texte, die man unterwegs an seinem Tablet oder Smartphone geschrieben hat, zuhause wieder in sein Scrivener-Projekt eingebettet?

Wer nur an einem festen Rechner (also beispielsweise am heimischen Desktop-PC oder am Laptop) an seinen Schreibprojekten arbeitet, hat hiermit natürlich überhaupt kein Problen und kann somit glücklich und zufrieden mit dem Schreibprogramm seiner Wahl arbeiten.

Doch wer je nach Aufenthaltsort und sich bietender Gelegenheit zum Schreiben zwischen Desktop, Laptop, Tablet und Smartphone hin und her wechselt und vielleicht zusätzlich auch noch in der Mittagspause am Büro-PC über eine cloudbasierte App im Browser schreibt, kennt das Problem nur zu gut: Wie greife ich von jedem meiner Schreibgeräte aus auf den aktuellen Stand meines aktuellen Schreibprojekts zu und wie kann ich daran weiter arbeiten, ohne die Texte später aufwändig mit viel manueller Arbeit wieder in mein Schreibprojekt importieren zu müssen?

Glücklicherweise gibt es eine einfache Lösung für das Problem: Textdateien mit Markdown-Formatierung.

Jeder Rechner (was auch Tablets und Smartphones mit einschließt) und jedes Betriebssystem hat einen Editor für simple Textdateien. Wenn man also sein Manuskript als Textdateien in einem Cloud-Speicher wie Dropbox speichert, kann man von jedem Rechner mit Internet-Zugriff aus jederzeit an diesen Dokumenten arbeiten.

So kann man unter Android beispielsweise mit JotterPad auf Textdateien aus seiner Dropbox zugreifen oder sogar unterwegs neue Dateien erstellen, die einem dann dank automatischer Synchronisierung auch zuhause am Desktop-PC sofort zur Verfügung stehen.

Am PC kann man diese Dateien mit jedem Texteditor oder natürlich mit ablenkungsfreien Zenware-Schreibprogrammen wie WriteMonkey, FocusWriter oder Q10 bearbeiten – und mehr braucht man eigentlich nicht, um produktiv zu arbeiten.

An dieser Stelle werden vermutlich viele Leser frustriert aufstöhnen: Was ist denn mit Formatierungen wie Überschriften, fett, kursiv oder gar Auflistungen, die es im reinen Textformat überhaupt nicht gibt? Soll man diese etwa alle erst später bei der Überarbeitung des Manuskripts in einer „richtigen“ Textverarbeitung nachpflegen?

Keine Sorge: hier kommt Markdown ins Spiel. Markdown ist eine einfache Formatierungssprache, die man in jedem Texteditor schreiben kann und die man später mit kostenlosen Programmen wie Pandoc (http://pandoc.org/) in RTF, DOC und andere Formate umwandeln kann.

Eine kurze Einfühurung mit den wichtigsten Markdown-Formatierungen für Autoren finden Sie unter http://texwelt.de/wissen/markdown_help/. Bei Heise gibt es auch eine Syntaxübersicht zu Markdown im PDF-Format zum Download.

Hier bekommen Sie einen schnellen Überblick, wie Sie in Markdown beispielsweise Wörter oder ganze Textpassagen als fett oder kursiv kennzeichnen können, mit mehreren Ebenen von Überschriften, eingerückten Zitaten oder unterschiedlichen Typen von Listen arbeiten können – und das alles innerhalb eines ganz normalen Textdokuments.

Doch es gibt noch einen anderen Grund, sich beim Schreiben auf das Markdown-Format einzulassen: die langfristige Kompatibilität und Verfügbarkeit der eigenen Texte. Es wird auch in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren immer noch Programme geben, die simple Textdateien öffnen können – egal, mit welchem Betriebssystem die Rechner bis dahin arbeiten und was bis dahin aus den heute bekannten Software-Firmen geworden sein mag.

Aber können Sie mit Sicherheit sagen, ob es in 20 Jahren noch Scrivener, Papyrus etc. geben wird? Was schlimmstenfalls bedeutet, dass Sie irgendwann keinen Rechner und kein Programm mehr haben, mit dem Sie Ihre heutigen Manuskripte noch öffnen können – selbst wenn Sie die eigentlichen Dateien gut aufgehoben haben. Denken Sie beispielsweise an Textverarbeitungsprogramme aus den 80er- und 90er-Jahren, deren Dateien heutzutage kein aktuelles Programm mehr öffnen kann. Oder an eigentlich tolle Schreibprogramme wie den „Liquid Story Binder“, die irgendwann von ihren Entwickern aufgegeben und nicht mehr weiter entwickelt werden und daher früher oder später auf keinem aktuellen Rechner mehr laufen. Mit jedem dieser Programme sterben auch alle Dateien, die nur mit diesem einen Programm geöffnet und bearbeitet werden konnten. Mit dem Textformat und Markdown kann Ihnen das nicht passieren.

Natürlich hat die Entscheidung für Textdateien mit Markdown gegenüber leistungsstarken Schreibprogrammen wie Scrivener auch Nachteile. Wer gerne mit der Pinwand von Scrivener arbeitet, um seine Schreibprojekte zu planen und zu strukturieren, muss sich bei der Arbeit mit simplen Textdateien an eine andere Arbeitsweise gewöhnen.

Am PC kann man mit zwei getrennten Programmen arbeiten, deren Fenster man per Split-Screen nebeneinander auf dem Monitor anordnet – beispielsweise links den Texteditor zum Schreiben und rechts ein Gliederungsprogramm wie „RightNote“ oder „Keynote NF“ (oder ein Mindmapping-Programm) für Struktur und Planung. Noch komfortabler ist es natürlich, wenn man zwei Monitore an seinen PC (oder einen zusätzlichen externen Monitor an seinen Laptop) anschließt und den Hauptmonitor zum Schreiben verwenden kann, während auf dem zweiten Monitor die Strutur- und Recherche-Unterlagen in einem separaten Programm angezeigt werden.

Doch da mobile Geräte wie Tablets oder Smartphones ohnehin nicht genug Platz am Bildschirm bieten, um Text und Notizen nebeneinander einzublenden, kann ich für mobile Schriftsteller in erster Linie die guten alten Karteikarten empfehlen.

Ich plane meine Schreibprojekte auf linierten Karteikarten im Format A6. Jede Karte enthält die Notizen zu einer Szene bzw. zu einem Abschnitt/Unterthema eines Sachbuch-Projekts. Mit einer Büroklammer lassen sich mehrere Szenen/Abschnitte bequem zu einem Kapitel bündeln, wobei das „Kapitel-Deckblatt“, für das ich aus Gründen der leichteren Unterscheidbarkeit gelbe Karteikarten verwende, nochmal eine summarische Zusammenfassung des geplanten Kapitels enthält.

Ein komplettes Buchprojekt kann je nach Umfang aus bis zu 200 Karteikarten bestehen. Um diese jederzeit griffbereit dabei zu haben, verwende ich ein sogenanntes „CardSkin“ (Link siehe unten), das auch unterwegs stets in meiner Jackentasche steckt.

Wenn man sich erst einmal an diese Arbeitsweise gewöhnt hat, ist das ähnlich komfortabel wie die Arbeit mit Scrivener oder einer ähnlichen Schreibsoftware.

Sogar wenn ich unterwegs mal weder mit dem Laptop noch mit dem Tablet, sondern lieber von Hand in mein Notizbuch schreibe, brauche ich meine Arbeitsweise nicht zu ändern: dank Karteikarten habe ich meine komplette Planung und Struktur jederzeit griffbereit dabei und sogar handschriftlich kann man mit Markdown-Formatierung schreiben und diese Passagen dann später zu Hause einfach und schnell abtippen.

Probieren Sie es ruhig einmal aus. Vielleicht werden auch Sie dann zu dem Schluss kommen, dass „einfach“ einfach die bessere Lösung ist.

Links:


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Mobiles Ideenarchiv mit Simplenote

Wenn man ein Ideenarchiv am Computer oder mobil auf seinem Smartphone oder Tablet führen wollte, war früher Evernote die erste Wahl. Doch seit Evernote nicht nur die Preise erhöht, sondern auch die zuvor  für die meisten von uns völlig ausreichende kostenlose Version auf nur noch zwei Geräte beschnitten hat, suchen viele Schriftsteller nach einer günstigen und leistungsfähigen Alternative ohne monatliche Kosten und lästige Beschränkungen.

Notizenverwaltungsprogramme gibt es viele – doch einen geeigneten Ersatz für Evernote zu finden, erweist sich als echte Herausforderung.

PC-Programme wie CintaNotes haben gegenüber Evernote den Nachteil, dass sie erstens rein lokal arbeiten (also kein automatisches Update der Notizen in der Cloud und auch keine Synchronisierung zwischen verschiedenen Rechnern) und zweitens nur für Windows zur Verfügung stehen.

Viele Smartphone-Apps kommen aus denselben Gründen nicht in Frage: keine Synchronisierung mit dem PC, oft werden die Notizen nur lokal auf dem Smartphone gespeichert und können lediglich einzeln per Mail o.ä. exportiert werden. Für ein effektives Ideenarchiv ist jedoch eine Synchronisierung in beide Richtungen erforderlich: Ideen, die ich am PC festhalte oder bearbeite, sollten auf dem Smartphone ebenso zur Verfügung stehen wie umgekehrt. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass als Evernote-Nachfolger kein Programm in Frage kommt, das nicht auch als Windows- oder Mac-Version erhältlich ist oder zumindest eine Weboberfläche hat.

Microsoft OneNote ist zwar mittlerweile für quasi alle Betriebssysteme kostenlos erhältlich, doch der Funktionsumfang ist für eine reine Notizenverwaltung schon fast zu groß, was gerade auf kleinen Bildschirmen wie denen von Smartphones die Bedienung etwas unübersichtlich und kompliziert macht.

Google Notizen (Android, iOS, Chrome, Web) finde ich persönlich mit seiner Notizzettel-Optik zu unübersichtlich. Die ganze Funktionalität ist auf kurze Notizen wie Kontaktdaten, Einkaufslisten, Zitate oder ToDos ausgelegt, nicht auf die Verwaltung längerer Textdokumente. Für Romanideen, bei denen die Notizen schon mal etwas umfangreicher ausfallen können, ist Google Notizen eher ungeeignet.

Doch es gibt ein Programm, das die komfortable Erfassung, Verwaltung und Synchronisierung von Notizen über die Grenzen unterschiedlicher Betriebssysteme ermöglicht, und dabei dennoch dauerhaft kostenlos ist, so dass es sich perfekt als Nachfolger für Evernote eignet: Simplenote – ein Produkt von Automattic (den Entwicklern von WordPress).

Simplenote ist das Programm, das ich selbst nutze, um Ideen festzuhalten und zu entwickeln. Es hat eine ganze Reihe von Stärken, die es für mich zum perfekten Ideenarchiv für Schriftsteller machen:

  1. Simplenote ist für PC, Mac, Linux, Android, iOS und als Weboberfläche für den Browser erhältlich und kann somit auf so ziemlich jedem PC, Tablet oder Smartphone genutzt werden.
  2. Simplenote ist uneingeschränkt kostenlos nutzbar – inklusive uneingeschränkter Online-Speicherung von Notizen und automatischer Synchronisierung mit allen Geräten, auf denen man mit seinem Account angemeldet ist. Alle Notizen, die ich also beispielsweise unterwegs auf meinem Smartphone festhalte, stehen mir automatisch zuhause auch an meinem PC zur Verfügung.
  3. Simplenote beherrscht Markdown-Formatierung inklusive Vorschau. Man kann also nicht nur reine Textnotizen erfassen, sondern diese auch schon per Markdown formatieren – ein dickes Plus gegenüber rein textbasierten Notizenverwaltungs-Programmen.
  4. Simplenote hat eine Historien-Funktion, mit der Sie sozusagen die Zeit zurück drehen und den früheren Stand einer Notiz aufrufen können. Das ist ideal, wenn man versehentlich etwas gelöscht oder überschrieben hat, das man wiederherstellen möchte.
  5. Simplenote hat für jede Notiz einen Wordcount, was es nicht nur ideal zum Festhalten von Ideen, sondern auch zum Schreiben ganzer Texte wie Blogposts, Artikel oder sogar Kurzgeschichten macht.
  6. Die Notizen werden standardmäßig (ähnlich wie beim Noguchi-System) nach Änderungsdatum sortiert, so dass die neuesten / zuletzt geänderten Notizen stets zuoberst stehen. Zusätzlich kann man wichtige Notizen, die man nicht aus den Augen verlieren will, ganz oben in der Liste „anheften“.

Die Optik von Simplenote ist minimalistisch, aber stilvoll. Es gibt lediglich zwei Themes (hell und dunkel), zwischen denen man wählen kann. Darüber hinaus kann man lediglich die Schriftgröße an seine eigenen Vorlieben anpassen. Doch mehr braucht man offengestanden auch nicht.

Natürlich ist auch Simplenote (noch) nicht perfekt. So ist das Tags-System, mit dem man den Notizen ähnlich wie bei Evernote Schlagwörter zuweisen kann, nur eingeschränkt nutzbar, da man stets nur nach einem Schlagwort filtern kann. Wenn zukünftige Versionen der App die Möglichkeit bieten, nach mehreren Schlagwörtern (z.B. „Setting“ und „Fantasy“) gleichzeitig zu filtern, wäre das ideal.

Solange das nicht funktioniert, kann man sich allerdings mit eindeutigen Tags behelfen, die dann quasi wie Ordner funktionieren – nur dass dank Tags/Schlagwörtern jede Notiz gleichzeitig in mehreren Ordnern liegen kann.

Wenn ich beispielsweise in Simplenote Ideen für Fantasy, Science-Fiction und Thriller sammle, kann ich eindeutige Tags wie „#FA_Ch“ (Fantasy Charakter), „#SF_Se“ (Science-Fiction Setting) oder „#Th_Ro“ (Thriller Romanidee) vergeben. Zusätzlich ordne ich den einzelnen Ideen auch noch Tags nach Genre oder Art der Idee zu (z.B. #SF für Science-Fiction, #Te für Technologie), so dass ich auch beispielsweise mit dem Tag #Ch unabhängig vom Genre alle in Simplenote festgehaltenen Ideen für Charaktere auflisten kann.

Wenn man seine Tags sortieren möchte, kann man dies über die Windows-Version von Simplenote erledigen. Dort können Sie auf „Edit“ gehen und die einzelnen Schlagwörter mit den drei Strichen am rechten Rand in die gewünschte Reihenfolge sortieren, bevor Sie die Bearbeitung mit „Done“ abschließen.

Ich selbst kombiniere Simplenote mit dem papierbasierten Noguchi-System, das ich beim letzten Mal vorgestellt hatte. Ideen werden zuerst in Simplenote gesammelt. Für den Anfang (erste Notizen) reicht das voll und ganz aus. Sobald ich mich etwas intensiver mit der jeweiligen Idee beschäftige (also weitere Dateien, Ausdrucke oder andere papierbasierte Notizen dazu kommen), exportiere ich die Notiz aus Simplenote in eine separate Datei, die dann ausgedruckt wird und als erste Notiz in einen neuen Umschlag meines papierbasierten Ideenarchivs wandert. Anschließend lösche ich die Notiz aus Simplenote, um das dort geführte Ideenarchiv schlank und übersichtlich zu halten.

Probieren Sie es ruhig selbst einmal aus. Sie finden Simplenote unter:
https://simplenote.com.


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Projekt- und Ideenarchiv für Schriftsteller

Zu viele Ideen, zu wenig Zeit. Wenn Sie schon etwas länger schreiben, kennen Sie dieses Problem vermutlich nur allzu gut. Frei nach John Steinbecks Zitat „Ideen sind wie Kaninchen. Man hat ein paar und lernt mit ihnen umzugehen, und schon bald hat man ein Dutzend.“ wachsen Ideen für neue Bücher, Artikel oder Kurzgeschichten erfahrungsgemäß viel schneller nach, als man diese tatsächlich umsetzen kann.

Also beginnt man damit, ein Ideenarchiv anzulegen. Bei manchen besteht dieses aus einem simplen Notizbuch, bei anderen aus separaten Textdateien am Computer und bei noch anderen aus einer Sammlung fliegender Zettel. Doch all diese Ansätze haben den gemeinsamen Nachteil, dass man früher oder später den Überblick verliert und entweder nichts mehr wiederfindet oder (wie beim Notizbuch) keinen Platz mehr hat, um neue Notizen und Ideen zu ergänzen, die zu einer bestimmten Projektidee gehören.

Ideal wäre also ein übersichtliches und flexibles Archiv, in dem man sowohl seine Ideen als auch die Unterlagen für bereits begonnene Projekte aufbewahren und jederzeit leicht wiederfinden kann. Ein solches System gibt es – und Sie brauchen dafür nicht mehr als einige große Briefumschläge und eine freie Ebene eines Bücherregals.

Das Projekt- und Ideenarchiv, das ich Ihnen hier vorstellen möchte, basiert auf dem sogenannten Noguchi-Ablagesystem. Dieses System wurde von dem japanischen Wirtschaftswissenschaftler Yukio Noguchi erfunden, der damit ein Ablagesystem entwickeln wollte, in dem alles ordentlich organisiert ist, aber in dem man die wichtigsten oder am häufigsten verwendeten Unterlagen leicht auffindbar und stets griffbereit parat hat, ohne erst alle Unterlagen durchsuchen zu müssen. Das klingt nicht nur so, als ob es optimal auf die Bedürfnisse von Schriftstellern zugeschnitten wäre, sondern ist es auch.

Und alles, was man dafür benötigt, sind ein paar Päckchen große Briefumschlage ohne Fenster und ein Bücherregal, in das man diese Umschläge aufrecht hineinstellen kann.

Ein Schnelleinstieg ins Noguchi-System

Das Noguchi-System basiert darauf, dass man alle Notizen, fliegenden Zettel und abzulegenden Unterlagen in Umschlägen aufbewahrt, die durch das System ganz automatisch nach der Häufigkeit ihrer Verwendung sortiert werden. Die Umschläge, die man häufig braucht, stehen also immer ganz vorne griffbereit, während die selten (bzw. schon lange nicht mehr) verwendeten Umschläge immer weiter nach hinten wandern.

Wenn man einen Umschlag braucht, um etwas darin abzulegen, etwas nachzuschauen oder mit den Informationen aus diesem Umschlag zu arbeiten, holt man diesen aus dem Regal (meist hat man schon ein recht gutes Gefühl dafür, wie weit vorne oder hinten der Umschlag ungefähr stehen könnte), arbeitet damit und stellt ihn anschließend ganz vorne ins Regal zurück. Auf diese Weise stehen immer die Umschläge ganz vorne griffbereit, die man als letztes verwendet hatte – also bezogen auf die Verwendung für ein Projekt- bzw. Ideenarchiv die Projekte, an denen wir momentan aktiv arbeiten.

Die Auswahl der passenden Umschläge

Da in diese Umschläge auch mehr als nur eine Handvoll A4-Blätter passen sollen, würde ich statt der üblichen C4-Briefumschläge (229mm x 324mm) im Zweifelsfall lieber die etwas größeren B4-Umschläge (250mm x 353mm) verwenden. Selbst wenn man anfangs glaubt, mit C4 auszukommen, sollte man bedenken, dass alle Umschläge beim Noguchi-System dieselbe Größe haben müssen. Es ist daher nachträglich nur mit relativ großen Aufwand möglich, sein ganzes Archiv von C4 auf B4 umzustellen.

Das Umschlagformat B4 hat darüber hinaus den Vorteil, dass man auch Schnellhefter darin ablegen kann und dass man ggf. für besonders umfangreiche Projekte B4-Faltentaschen verwenden kann, die sich von der Größe her im Noguchi-Archiv problemlos mit normalen B4-Umschlägen kombinieren lassen.

Vorbereitung der Umschläge

Für das Noguchi-System werden von den Umschlägen die obersten paar Zentimeter inklusive der Lasche abgeschnitten, so dass die Umschläge anschließend nur noch eine Höhe von maximal 31cm haben. So kann man die Unterlagen leichter aus dem Umschlag entnehmen.

Ich selbst habe mir sogar angewöhnt, die Umschläge auf ca. 29cm zu kürzen, so dass die A4-Blätter oben etwas aus dem Umschlag herausragen und noch leichter entnommen werden können – aber das ist natürlich Geschmackssache.

Beschriftung und Farbcodierung der Umschläge

Damit man auch von außen erkennen kann, was sich in den jeweiligen Umschlägen befindet, müssen diese natürlich beschriftet und ggf. farblich codiert werden.

Eine Farbcodierung macht Sinn, wenn man in seinem Ideen- / Projektarchiv ganz unterschiedliche Arten von Projekten sammelt. Wenn man beispielsweise sowohl Romane als auch Sachbücher und Kurzgeschichten schreibt, kann man hierfür drei unterschiedliche Farben verwenden, z. B. rot für Romane, grün für Kurzgeschichten und blau für Sachbücher.

Sucht man dann z. B. die Unterlagen zu einer Romanidee, weiß man gleich, dass man die grün und blau gekennzeichneten Umschläge direkt überblättern kann.

Ich verwende hierfür gerne farbiges Isolierband. Wenn ich einen neuen Umschlag anlege, schneide ich ein 2cm breites Stück ab und klebe es am oberen Rand des Umschlags um den rechten Rand. Das geht schneller und sieht ordentlicher aus, als hier zu Filzstiften o.ä. zu greifen und farbige Kästchen zu malen.

Bei der Beschriftung der Umschläge sollte man darauf achten, dass man diese lesen kann, ohne sich den Kopf zu verdrehen. Daher sollte man die Umschläge mit senkrecht untereinander angeordneten Buchstaben beschriften.

Diese Beschriftungsstreifen drucke ich mir über Excel aus (hier kann man über „Ausrichtung“ die Schrift sauber senkrecht anordnen) und klebe die Streifen dann an den rechten Rand des Umschlags.

Der fertige Umschlag sieht dann ungefähr so aus:

Der Hilfs-Zeitstrahl: Monatspappen

Auch wenn das ursprüngliche Noguchi-System ohne ein solches Hilfsmittel auskommt, habe ich mein Noguchi-Projektarchiv zur besseren Orientierung um „Monatspappen“ ergänzt.

Hierbei handelt es sich um Pappstreifen von 6cm x 29,7cm, an deren rechten Rand ich senkrecht (also ähnlich wie bei den Umschlägen) Monat und Jahr schreibe. Diese Pappstreifen schneide ich mir aus den Papp-Rückseiten von alten Schreibblöcken oder Collegeblöcken zu – ein Pappdeckel ergibt drei Streifen á 6 cm.

Diese Streifen mache ich mir meist auf einen Rutsch für die nächsten 12 Monate fertig. Sobald ein Monat um ist, kommt der Streifen für den jeweiligen Monat vor den aktuell vordersten Umschlag – also Ende Februar 2017 der Pappstreifen „02/2017“. Alle Umschläge, die anschließend dazu kommen oder, nachdem man mit ihnen gearbeitet hat, wieder vorne einsortiert werden, landen vor diesem Pappstreifen.

Dieses kleine Hilfsmittel hat für mich den Vorteil, dass ich Projekte oder Projektideen, an denen ich lange nichts mehr gemacht habe, schneller wiederfinden kann. Oft erinnere ich mich beispielsweise, dass ich zuletzt gegen Ostern, während der Sommerferien oder zwischen den Jahren an einem Projekt oder einer Idee gearbeitet hatte. Durch die Pappstreifen weiß ich direkt, wo ich mit meiner Suche einsteigen kann, und werde so noch schneller fündig.

Pappstreifen, hinter denen kein Umschlag mehr steht, werden ausrangiert und kommen in den Papiermüll. Wenn es also keine Projekte oder Projektideen mehr gibt, die zuletzt im April 2016 angepackt wurden, weil der letzte Umschlag davon gerade nach vorne gewandert ist, ist der Pappstreifen „04/2016“ unnötig geworden und kann weg.

Was tun, wenn der Platz ausgeht?

Eine der Stärken des Noguchi-Systems ist seine Übersichtlichkeit. Wenn einem also allmählich der Platz für neue Umschläge ausgeht, sollte man keine zweite Regalebene einrichten, sondern die mittlerweile ganz nach rechts gewanderten Umschläge (also die Projekte oder Projektideen, die man wirklich schon verdammt lange keines Blickes mehr gewürdigt hat) kritisch durchsehen.

Manchmal springt dabei der Funke wieder neu über und man bekommt direkt wieder Lust, an diesem Projekt oder dieser Idee weiter zu arbeiten. In diesem Fall arbeiten Sie zumindest ein paar Minuten daran (und wenn es nur ist, indem Sie sich Ihre bisherigen Notizen durchlesen und ein paar neue Ansatzpunkte notieren) und stellen den Umschlag anschließend ganz nach vorne, da er jetzt wieder „topaktuell“ ist.

Manchmal hat man allerdings auch das Interesse an der Idee verloren oder weiß überhaupt nicht mehr, was man sich damals bei diesen Notizen gedacht hatte. In diesem Fall kann man den Umschlag mit den Notizen ohne großes Bedauern entsorgen und so für Platz im Regal sorgen.

Natürlich gibt es auch die Fälle, in denen die Notizen einfach zu schade zum Wegwerfen sind, obwohl man weiß, dass man weder Lust noch Zeit hat, in absehbarer Zeit an diesem Projekt oder dieser Idee weiter zu arbeiten. Solche Umschläge sortieren Sie zwar ebenfalls aus, packen diese aber in einen Karton, den Sie im Keller oder auf dem Dachboden aufbewahren, wo er nicht im Weg steht. „Neu aussortierte“ Umschläge kommen immer obendrauf, so dass auch innerhalb dieses Archiv-Kartons die untersten Umschläge die sind, die schon vor ewigen Zeiten ausrangiert wurden.

Hören Sie mit Ihrer Aussortier-Aktion auf, wenn Sie wieder 10-20 cm Luft in Ihrem Noguchi-Regal haben. So bleibt Ihr Projekt- und Ideenarchiv mit minimalem Aufwand immer frisch, lebendig und leicht zu handhaben.


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Schreiben im Alltag: wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft

Die meisten Schriftsteller mit einem Vollzeitjob, Familie und Haushalt haben permanent mit der Herausforderung zu kämpfen, wie sie ein so zeitaufwändiges Projekt wie das Schreiben eines Buchs in ihren Alltag integrieren können. Wir haben viel zu wenig ungestörte Zeit am heimischen PC, um (wie Stephen King oder andere erfolgreiche Vollzeit-Autoren es wohlmeinend empfehlen) mehrere Stunden pro Tag konzentriert und fokussiert an unseren Buchprojekten zu arbeiten.

Natürlich wäre es gut, wenn man das so einrichten könnte, doch in der Praxis gehen solche wohlmeinenden Ratschläge genauso an den Alltagsrealitäten der meisten von uns vorbei wie die Tipps der Finanzgurus, die einem empfehlen, spätestens ab seinem 25. Geburtstag „nur 2.000 Euro pro Monat“ zur Seite zu legen, um später (wenn die Zinssituation und die Inflation mitspielen) als Millionär in Rente gehen zu können. Es ist schön, wenn jemand wie Stephen King jeden Tag einige Stunden ungestört an seinem Schreibtisch sitzen und so täglich mindestens 10 Manuskriptseiten zu Papier bringen kann – doch dem Durchschnitts-Schriftsteller, der das Schreiben mit seinem Vollzeitjob, seiner Familie und dem Haushalt unter einen Hut bringen muss, nützt das herzlich wenig.

Dennoch ist es auch für uns möglich, das Schreiben zu einem festen Teil unseres täglichen Lebens zu machen – allerdings auf eine völlig andere Art und Weise. Der Schlüssel zum Erfolg liegt für uns darin, unseren Schreibtag gründlich zu planen – und zwar spätestens am Abend des Vortags.

Das Nadelöhr ist für die meisten von uns die Zeit, die wir tatsächlich ungestört am Computer zum Schreiben zur Verfügung haben. Egal, ob dieses relativ kurze Zeitfenster für uns früh morgens vor der Arbeit oder abends liegt: wir werden diese knappe Zeit nur dann wirklich sinnvoll nutzen können, wenn wir schon sehr genau wissen, was wir schreiben wollen, bevor wir uns zum Schreiben hinsetzen.

Schlüssel Nummer 1 ist also, das Planen abseits des Computers zu erledigen bzw. die ungenutzten Zeitfenster während des Tages zum Planen, Nachdenken und gedanklichen Vorformulieren zu nutzen. Man kann wunderbar über die nächsten Szenen oder Kapitel seines Buchprojekts nachdenken, während man im Stau auf der Autobahn oder in der Schlange an der Supermarktkasse steht, während man mit dem Hund spazieren geht, eine Runde joggt, den Rasen mäht oder die Hausarbeit erledigt. Doch das funktioniert nur, wenn man sich rechtzeitig die offenen Fragen und Punkte herausschreibt, über die man während dieser Gelegenheiten nachdenken möchte.

Dazu sollte man eine Liste mit allen offenen Fragen zu seinem aktuellen Schreibprojekt führen, die man (ebenso wie einen Stift und ein Notizbuch) stets dabei haben sollte. Am besten ist es, diese Liste zusammengefaltet vorne in sein Notizbuch zu legen, das man stets in seiner Jackentasche (bzw. bei den Damen in der Handtasche) dabei hat. So verknickt die Liste nicht und kann auch nicht unter die Räder kommen.

Schon nach kurzer Zeit gewöhnt man sich an, diese Liste vor jeder geistig anspruchslosen Arbeit oder Tätigkeit kurz durchzulesen und sich ein oder zwei Fragen auszusuchen, mit denen man sich nebenbei gedanklich beschäftigen möchte. Für die Notizen und Geistesblitze, die einem bei diesen Gedankenspielereien kommen, verwende ich am liebsten ein digitales Diktiergerät. Man kann es in der Hosentasche mitnehmen und es ganz bequem mit einer Hand bedienen – auch beim Joggen oder beim Hundespaziergang. Damit ist es ideal für die Gelegenheiten, bei denen man nur schlecht zu Stift und Papier greifen kann. Zuhause kann man dann später ganz bequem seine Notizen abhören und ins Reine schreiben.

Schlüssel Nummer 2 ist, dass wir uns über die vielen unterschiedlichen Arten und Weisen klar werden, wie wir an unseren Schreibprojekten arbeiten können. Schreiben kann man nicht nur am PC, sondern auch am Tablet, am Smartphone oder von Hand – vielleicht nicht ganz so schnell und effektiv wie am PC, aber selbst langsamer Fortschritt ist immer noch besser als überhaupt keiner.

Abgesehen davon ist Schreiben nicht alles. Recherche lässt sich dank moderner Smartphones und Tablets mit SIM-Karte von überall aus erledigen, und dank Evernote & Co. kann man die unterwegs gemachten Notizen automatisch mit dem heimischen PC synchronisieren. Um sich Notizen zu Szenen, Charakteren und Settings zu machen reichen ein Notizbuch und ein Stift. Und wenn man einen Schnellhefter mit ein paar Kapiteln eines bereits fertiggestellten Manuskripts und einen Stift dabei hat, kann man auch unterwegs sinnvoll an der Überarbeitung seines Manuskripts arbeiten.

Jede unterwegs sinnvoll für die Arbeit an unseren Schreibprojekten genutzte Minute ist eine Minute, die uns wieder mal ein kleines Stück voran bringt. Um alles, was wir unterwegs oder tagsüber bei sich bietenden Gelegenheiten zwischendurch schnell erledigen konnten, müssen wir uns nicht mehr während unserer knappen und daher äußerst wertvollen ungestörten Schreibzeit kümmern.

Damit das funktioniert, müssen wir für jedes unserer Schreibprojekte eine Liste mit den Dingen griffbereit haben, die wir zurzeit daran machen könnten. Ich verwende hierfür linierte Karteikarten im Format A6 – eine für jedes aktuelle Schreibprojekt, das sich bei mir zurzeit in irgendeiner Phase zwischen Planung und Veröffentlichung befindet. Die einzelnen „ToDos“ schreibe ich mit Bleistift, damit ich diese ausradieren und durch den jeweils nächsten Schritt ersetzen kann, sobald ich sie erledigt habe, ohne allzu häufig die ganze Karteikarte neu abschreiben zu müssen. Diese Karteikarten habe ich stets in einer stabilen kleinen Papphülle, die ich mir dafür gebastelt habe, in meiner Jackentasche dabei. Die Hülle besteht mehr oder weniger aus einem gefalteten und an den Seiten mit Tesafilm zusammengeklebten Stück Pappe, das gerade so groß ist, dass die Karteikarten von der Breite hinein passen, aber oben etwas herausragen, so dass ich sie jederzeit leicht herausziehen kann.

Natürlich kann man besonders flexibel agieren, wenn man nicht nur ein einziges Schreibprojekt in Arbeit hat, sondern parallel an mehreren Projekten arbeitet, die sich in ganz unterschiedlichen Entstehungsphasen befinden. Während man beim einen an der Rohfassung schreibt, befindet sich ein anderes vielleicht noch in der Ideenfindungsphase oder erfordert umfangreiche Recherche, während ein anderes schon bereit für die Überarbeitung ist oder man sich Gedanken über den Titel, das Coverdesign oder den Klappentext machen kann. Als Faustregel würde ich empfehlen, stets drei bis fünf Projekte gleichzeitig in Arbeit zu haben – also maximal „eine Handvoll“. Das verschafft einem genügend Flexibilität, während man andererseits nicht Gefahr läuft, sich zwischen zu vielen Projekten und Ideen zu verzetteln.

Diese Karteikarten mit den „Next Actions“ – also den Dingen, die ich momentan ganz konkret machen kann, um das jeweilige Schreibprojekt voran zu treiben – sind die Grundlage für meine Tagesplanung. Spätestens am Abend des Vortags plane ich meinen nächsten Tag und skizziere auf einem Zeitstrahl von 4:00 Uhr morgens (dem Zeitpunkt, an dem mein Wecker angeht) bis 22:00 Uhr, wie mein Tag voraussichtlich ablaufen dürfte. Die einzelnen Blöcke sind 15 Minuten lang, was für eine grobe Tagesplanung absolut ausreichend ist.

Dabei trage ich alles ein, was ich am nächsten Tag definitiv erledigen muss oder will – von den Zeiten für meinen Brotjob über Termine und Besorgungen bis hin zu Freizeitaktivitäten. Das dauert keine fünf Minuten und verschafft mir einen guten Überblick darüber, wie voll mein Tag bereits ist, was ich realistisch gesehen noch irgendwo hineinquetschen kann und für welche Dinge sich vielleicht die passende Gelegenheit ergibt.

Wenn ich z. B. weiß, dass ich am späten Nachmittag noch einen Zahnarzttermin habe, bei dem ich erfahrungsgemäß mindestens 20 Minuten im Wartezimmer warten muss, kann ich mir zur sinnvollen Überbrückung der Wartezeit entweder mein Tablet mit meinem aktuellen Manuskript einstecken, um daran etwas weiter zu schreiben, oder meine Schreibmappe mit einigen ausgedruckten Seiten eines noch zu überarbeitenden Manuskripts und ein paar farbigen Finelinern für Korrekturen und Ergänzungen. Das ist wesentlich sinnvoller, als in dieser Zeit gelangweilt in den uralten Zeitschriften herumzublättern, die im Wartezimmer ausliegen.

Wenn ich abends etwas live im Fernsehen anschauen will (also inklusive lästiger Werbepausen) lege ich mir vorher mein Tablet bereit, auf dem ich dank der Pocket-App stets einige interessante Artikel und Webseiten gespeichert habe, die ich mir bei passender Gelegenheit noch in Ruhe durchlesen will. Alternativ nutze ich die Werbepausen manchmal auch, um am Tablet ein paar Fragen von der Recherche-Liste für eines meiner Schreibprojekte abzuhaken. Je nach Sender und Sendung kommen da in zwei Stunden leicht 20-30 Minuten zusammen, die man ganz nebenbei sinnvoll für seine Schreibprojekte nutzen kann.

Solche Gelegenheiten schon im Vorfeld zu erahnen und so vorzubereiten, dass man sie optimal zur Arbeit an seinen Schreibprojekten nutzen kann, erfordert natürlich etwas Übung, aber schon nach ein paar Wochen geht es einem in Fleisch und Blut über. Wenn Sie nach ein paar Monaten zurück schauen, werden Sie feststellen, dass Sie weit besser als bisher mit Ihren Schreibprojekten vorangekommen sind, obwohl Sie doch eigentlich gar nicht mehr Zeit als vorher zur Verfügung haben. Oder wie Seneca es formuliert hatte „Glück ist, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft.“


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