Casting – die Idealbesetzung für Ihren Protagonisten

Vielleicht haben auch Sie schon einmal spielerisch dem Gedanken nachgehangen, welcher Schauspieler Ihre Wunschbesetzung für die Rolle Ihres Protagonisten (oder einer anderen wichtige Figur aus Ihrem Romanprojekt) wäre, wenn Ihr Roman einmal verfilmt werden würde.

Solche Gedanken mögen einem als sinnlose Träumerei erscheinen (schließlich ist es äußerst unwahrscheinlich, dass tatsächlich mal einer unserer Romane es ins Kino oder auch nur ins Fernsehen schafft), doch in der Praxis ist genau das Gegenteil der Fall: Bevor Sie auch nur das erste Wort Ihrer Rohfassung schreiben, sollten Sie unbedingt einen Schauspieler bzw. eine Schauspielerin auswählen, der die Idealbesetzung für die Hauptrolle in Ihrem Roman wäre.

Die Rolle des Protagonisten mit einem bekannten Schauspieler zu besetzen, den man schon häufig gesehen hat und den man aus vielen Filmen kennt, hat eine ganze Reihe von Vorteilen:

Zunächst einmal sorgt es dafür, dass Sie sich Ihren Protagonisten selbst besser vorstellen können und ein exaktes Bild vor Ihrem geistigen Auge haben, wenn Sie sich Ihren Protagonisten in einer bestimmten Szene oder Situation vorstellen.

Selbst wenn Sie über etliche Monate an Ihrem Romanprojekt arbeiten, besteht nicht die Gefahr, dass sich Ihre eigene Vorstellung vom Aussehen Ihrer Hauptfigur im Laufe der Monate nach und nach verändert und so zu Widersprüchen und Inkonsistenzen sorgt, die manchen aufmerksamen Lesern später nicht entgehen würden. Wenn Sie wissen, dass die Hauptfigur Ihres Romans in Ihrer Vorstellung von Gerard Butler oder von Reese Witherspoon gespielt wird, schließt allein das schon einen guten Teil der möglichen Fehlerquellen aus.

Natürlich spielen viele Schauspieler im Laufe ihrer Karriere ganz unterschiedliche Rollen, in denen sie durch unterschiedliche Frisuren, Haarfarben oder Verhaltensweisen fast wie eine andere Person wirken. Allein die Entscheidung, dass Ihre Protagonistin wie eine bestimmte Schauspielerin aussieht, bewahrt Sie nicht davor, Fehler hinsichtlich ihrer Haarfarbe oder Frisur zu machen – es sei denn, dass Sie Ihre Entscheidung direkt mit einer bestimmten Rolle verknüpfen, die derjenige bzw. diejenige schon einmal gespielt hatte.

Im Gegensatz zu einem „echten Casting“, bei dem man mehr oder weniger darauf angewiesen ist, den Schauspieler so zu nehmen, wie er heute aussieht, haben Sie bei dieser Entscheidung die völlige Freiheit, sich auf der Zeitachse vor und zurück zu bewegen.

So können Sie nicht nur aktuelle Schauspieler für Ihre Rollen auswählen, sondern auch bereits verstorbene Schauspieler als Idealbesetzung casten – oder heute bereits ältere Schauspieler auf dem Stand, wie sie vor zwanzig oder dreißig Jahren aussahen.

Vielleicht sieht Ihr Protagonist in Ihrer Vorstellung aus wie der junge Marlon Brando in „Endstation Sehnsucht“, aber keinesfalls wie sein gealtertes, korpulentes Ich aus seinen letzten Rollen. Oder stellen Sie sich Ihre Hauptheldin eventuell so vor wie Uma Thurman in „Pulp Fiction“?

Mit der Kombination aus Schauspieler und bekannter Rolle haben Sie ein Bild vor Ihrem geistigen Auge, das Sie konsistent auf den Seiten Ihres Romans beschreiben können, ohne sich unfreiwillig in Widersprüche zu verwickeln. Wenn Sie Ihr geistiges Bild von Ihrem Protagonisten wieder auffrischen wollen, genügt es, sich noch einmal ganz in Ruhe den Film anzusehen, den Sie sich als Referenz für Ihren Protagonisten ausgesucht hatten.

Dieses „Casting“ liefert Ihnen nicht nur eine steckbriefähnliche Beschreibung wie etwa ein Charakter-Fragebogen oder ein Charakter-Dossier, sondern ein mehrdimensionales Bild aus Aussehen, Bewegungen, Verhaltensweisen und Sprechweise, das Sie (immer unter der Voraussetzung, dass Sie den entsprechenden Film oft genug gesehen haben) beim Schreiben jederzeit abrufen können.

Probieren Sie es einfach einmal aus. Vielleicht werden ja auch Sie feststellen, dass Ihnen das Schreiben so mancher Szene wesentlich flüssiger von der Hand geht, wenn Sie sich einen ganz bestimmten Schauspieler in einer ähnlichen Rolle vor Ihrem geistigen Auge vorstellen.