Ablenkungsfreies Schreiben mit ZenPen

ZenPenBeim Stöbern im Internet bin ich wieder mal auf eine interessante Online-Schreib-App für Schriftsteller gestoßen: ZenPen.

Im Gegensatz zu den meisten Online-Apps erfordert ZenPen keinerlei Registrierung: Sie rufen einfach die Seite im Browser auf, löschen den Beispieltext und fangen an zu schreiben.

Das hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Es gibt keine Benutzernamen und Passwörter, die man sich merken müsste, und auch keine Daten, die irgendwo in der Cloud gespeichert sind. Doch auf der anderen Seite gibt es auch keine Möglichkeit, die geschriebenen Texte im Internet zu speichern und später von einem anderen PC daruf zuzugreifen, wie es beispielsweise mit Google Text oder der Online-Version von Microsoft Office möglich ist.

Stattdessen können Sie die geschriebenen Texte jederzeit im Markdown-Format, im HTML-Format oder als reinen Text lokal abspeichern (unterwegs z.B. auf einem USB-Stick) oder sie alternativ in einem der drei Formate in die Zwischenablage kopieren, um sie anschließend mit einem anderen Programm weiter zu bearbeiten.

ZenPen beschränkt sich auf relativ wenige Features, doch diese sind für die meisten Fälle völlig ausreichend: ein ablenkungsfreier Vollbildmodus, ein Nachtmodus mit heller Schrift auf dunklem Grund und die Möglichkeit, Texte als fett, kursiv oder als eingerücktes Zitat zu fomatieren. Auch Hyperlinks zu Webseiten und externen Quellen lassen sich schnell und einfach hinterlegen.

ZenPen ist eine gute Alternative, wenn man auf seinem Rechner kein Programm wie WriteMonkey, FocusWriter oder Q10 installiert hat und „nur mal schnell“ einen kurzen Text wie einen Blogpost schreiben möchte. Für längere Texte ist es nicht geeignet, da man zwar Texte exportieren/speichern, aber keine bestehenden Texte laden kann.

Schließt man versehentlich den Browser oder stürzt dieser ab, bevor man seinen Text speichern konnte, ist dieser verloren. Da man also immer einen USB-Stick zum Speichern braucht, um an einem fremden Rechner mit ZenPen arbeiten zu können, kann man sich auf denselben Stick auch gleich die portablen Versionen von WriteMonkey, FocusWriter oder Q10 installieren, die deutlich mehr Möglichkeiten bieten und bei denen man nicht Gefahr läuft, seinen Text durch einen falschen Mausklick zu verlieren.

Fazit: Falls ZenPen in einer späteren Mögichkeit bieten sollte, ähnlich wie beispielsweise Protectedtext die geschriebenen Texte passwortgeschützt auf dem Server des Anbieters zu speichern, würde ich es durchaus als Online-Alternative zu den bekannten Zenware-Schreibprogrammen empfehlen. Auf dem jetzigen Stand ist ZenPen jedoch nichts als eine nette Spielerei, für die sich leider in der Praxis kaum eine Anwendungsmöglichkeit findet.

Sie finden ZenPen unter http://www.zenpen.io.


Tipp: Abonnieren Sie den kostenlosen WritersWorkshop Autorennewsletter und erhalten Sie alle neuen Beiträge direkt am Erscheinungstag ganz bequem per Mail.

Buchbeschreibungen bei Amazon professionell formatieren

Standardmäßig sehen Buchbeschreibungen bei Amazon ziemlich langweilig aus: Text mit ein paar Zeilenumbrüchen, der einen oder anderen obligatorischen Leerzeile und vielleicht einer halbherzigen, mit vorangestelltem Minus-Zeichen formatierten Aufzählung.

HTML durch die Hintertür – und warum es so nicht mehr geht

Eine Zeit lang war das die einzige Möglichkeit, seine Buchbeschreibungen in Amazons KDP-Programm darzustellen. Doch dann fanden findige Autoren heraus, dass man mit bestimmten Formatierungstricks (z. B. < als Ersatz für die eckige Klammer am Beginn eines HTML-Tags) bestimmte HTML-Befehle in seine Buchbeschreibung einbinden konnte, um diese optisch aufzupeppen: Nicht nur fett, kursiv, unterstrichen sowie echte Listen und Aufzählungen, sondern auch Überschriften im typischen Amazon-Gelb, die wesentlich eleganter wirkten und sich nahtlos in das Seitendesign von Amazon einfügten.

Das alles hätte Amazon vermutlich noch akzeptiert, doch schon bald fanden experimentierfreudige Spezialisten heraus, wofür sich die versteckten HTML-Codes noch nutzen ließen: Sie fanden beispielsweise Möglichkeiten, externe Bilder und sogar Videos in die Buchbeschreibung einzubinden oder sogar Zählpixel, die im Hintergrund genau protokollierten, wie oft eine bestimmte Buchseite bei Amazon aufgerufen wurde.

Es war klar, dass Amazon früher oder später die Notbremse ziehen würde, da externe Dateien wie Videos, Bilder o.ä. eine nicht zu unterschätzende Sicherheitslücke in Amazons System darstellten – und das taten sie natürlich auch und schalteten diese Lücke ab. Buchbeschreibungen, die noch auf den alten, versteckten HTML-Codes basierten, wurden plötzlich als kryptischer Klartext dargestellt, wenn die Autoren ihre Buchbeschreibungen nicht rechtzeitig auf ihren reinen Textanteil reduzierten.

Der „offizielle Schleichweg“ zu ansprechenden Buchbeschreibungen

Dafür ist es mittlerweile ganz offiziell und ohne „durch die Hintertür“ zu gehen möglich, die eigene Buchbeschreibung optisch aufzupeppen. Zwar macht Amazon keine große Reklame für diese Möglichkeit und bietet in der KDP-Benutzeroberfläche immer noch keinen „richtigen“ WYSIWYG-Editor (What you see is what you get), mit dem man wie bei einer richtigen Textverarbeitung seinen Text optisch aufbereiten könnte – dennoch kann man die gewünschten Formatierungen einfach als HTML-Code einbinden.

Zu diesem Zweck hat Amazon eine Liste von HTML-Befehlen zusammengestellt, die in Buchbeschreibungen erlaubt sind. Diese stellen natürlich nur einen kleinen Teil des gesamten HTML-Befehlssatzes dar und viele erweiterte Funktionen wie das Einbinden von Bildern sucht man hier vergeblich. Doch für eine sauber formatierte, ansprechende Buchbeschreibung reichen die angebotenen Funktionen in jedem Fall.

HTML-Formatierung für Einsteiger

Um Teile der eigenen Buchbeschreibung zu formatieren, muss man diese in sogenannte HTML-Tags einbetten. Für diejenigen, die sich nicht mit Webdesign und HTML auskennen, hier eine minimalistische Einführung:

Jede HTML-Formatierung besteht aus einem Start- und einem End-Tag („Tag“ hat nichts mit dem deutschen Wort Tag zu tun, sondern steht für „Markierung“).

Um beispielsweise einen Textbereich fett zu formatieren, schreibt man <b>fetter Text</b>. Die HTML-Tags werden jeweils in die spitzen Klammern eingebunden. „b“ steht für „bold“ (also „fett“), „/b“ für das Ende der fetten Formatierung.

Auf dieselbe Weise können Sie Textpassagen als <u>unterstrichen</u> (underlined), als <k>kursiv</k> (italic) oder als <s>durchgestrichen</s> markieren. Sie können Texte <sup>hochgestellt</sup> oder <sub>tiefgestellt</sub> formatieren oder über das <font>-Tag sogar eine bestimmte Schriftart vorgeben.

Mit <p> und </p> können Sie einen Textabschnitt einschließen, dessen erste Zeile eingerückt werden soll und der mit einem Zeilenumbruch endet. Auch einen festen Zeilenumbruch können Sie mit <br> an einer beliebigen Stelle einfügen.

Sie können sogar mit dem Tag <hr> (horizontal ruler) eine Trennlinie einfügen, um einzelne Abschnitte Ihrer Buchbeschreibung sauber voneinander abzugrenzen.

Abschnittsüberschriften können Sie mit <h1>Ebene 1</h1> bis <h6>Ebene 6</h6> formatieren, wobei <h2>Ebene 2</h2> besonders beliebt ist, da dies die Überschrift im bekannten „Amazon-Goldgelb“ formatiert.

Sie können sogar Aufzählungen und Listen formatieren – zum Beispiel eine Auflistung aller wichtigen Punkte, die Sie in Ihrem Ratgeber behandeln (die sogenannten „Bulletpoints“):

<ul>
<li>Punkt 1</li>
<li>Punkt 2</li>
<li>Punkt 3</li>

</ul>

Das Tag <ul> markiert den Beginn der Liste, </ul> ihr Ende. Die einzelnen Punkte beginnen mit einem <li> und enden mit </li>.

Wollen Sie hingegen eine durchnummerierte Liste (1., 2., 3. etc.) verwenden Sie einfach statt <ul> und </ul> die Tags <ol> und </ol> (= ordered list), um Ihre Liste zu formatieren.

<ol>
<li>Punkt 1</li>
<li>Punkt 2</li>
<li>Punkt 3</li>

</ol>

Eine komplette Liste aller unterstützten HTML-Befehle finden Sie hier.

Erst prüfen, dann veröffentlichen!

Ein wichtiger Tipp: Fügen Sie Ihre formatierte Buchbeschreibung nicht einfach bei Amazon ein, ohne sie vorher zu testen. Wenn Sie sich an irgendeiner Stelle vertan haben und Ihre Buchbeschreibung nun wie Kraut und Rüben aussieht, merken Sie das ansonsten erst, wenn Amazon Ihr Buch im Shop freigeschaltet hat. Und wenn Sie die Fehler dann korrigieren, dauert es selbst im günstigsten Fall einige Stunden, bis die korrigierte Buchbeschreibung live ist.

Speichern Sie Ihren Text stattdessen einfach mit einem normalen Texteditor wie dem Windows Editor als „Test.html“ ab. Bei „Speichern unter“ müssen Sie als Dateityp „alle Dateien“ auswählen, damit der Editor nicht noch ein „.txt“ an den Dateinamen anhängt.

Diese Datei öffnen Sie per Doppelklick mit Ihrem normalen Browser – und schon sehen Sie, ob Ihre Beschreibung sauber formatiert ist und richtig dargestellt wird. Natürlich sehen Sie in dieser Vorschau nicht die speziellen Farben und Schriftarten von Amazon (wie die <h2>-Überschriften in Gelb), aber eventuelle Fehler wie nicht richtig geschlossene Tags springen einem sofort ins Auge.

Erst wenn dieser Text fehlerfrei dargestellt wird, fügen Sie ihn als Buchbeschreibung in Amazon KDP ein.

Probieren Sie es einfach einmal aus. Sie werden sehen, dass es einen nicht zu unterschätzenden Unterschied ausmacht.


Tipp: Abonnieren Sie den kostenlosen WritersWorkshop Autorennewsletter und erhalten Sie alle neuen Beiträge direkt am Erscheinungstag ganz bequem per Mail.

Schreiben mit dem Windows-Tablet – Scrivener für die Jackentasche?

Der Gedanke, einen Schreibcomputer in der Jackentasche dabei zu haben, klingt für die meisten Schriftsteller äußerst reizvoll. Schließlich schreibt kaum noch jemand die Rohfassung seiner Manuskripte von Hand und überträgt sie erst später bei der Revision in den Computer – obwohl auch das seine Vorteile haben kann.

Der naheliegendste Gedanke ist dabei das Smartphone, das man schließlich immer und überall dabei hat. Doch in der Praxis scheitert dies meist schon am relativ kleinen Bildschirm, der für das Schreiben längerer Texte nicht gerade optimal ist.

Netbooks sind zwar verglichen mit ihren großen Brüdern, den Laptops, klein und handlich – aber trotzdem immer noch viel zu groß und schwer, um sie jederzeit mit sich herum zu schleppen.

Was bleibt, sind Tablet-Computer – und zwar bevorzugt die kleinen, handlichen 7″-Geräte, die kaum größer als eine Brieftasche sind und damit in jede Jacken-Innentasche passen.

Auch wenn die „Phablets“ (ein Mischwort aus „Phone“ und „Tablet“, das für Smartphones mit mindestens 6″ großem Display steht – also quasi ein Mini-Tablet, mit dem man auch telefonieren kann) definitiv auf dem Vormarsch sind, finde ich persönlich alles über 5″ Diagonale fürs Telefonieren zu unhandlich, so dass die Trennung zwischen Telefon und Tablet aus meiner Sicht auch weiterhin sinnvoll ist.

Auch wenn ich persönlich zum Telefonieren nie auf ein Windows-Phone wechseln würde, stellt sich in Sachen Tablet also immer noch die Frage: Android oder Windows?

Ich verwende mein Android-Tablet gerne, um unterwegs oder auch abends in der Couch Texte zu schreiben oder zu überarbeiten. Dennoch ist ein solches Android-Tablet natürlich nicht dasselbe wie ein großer Windows-PC. Apps wie Jotterpad sind zwar ein adäquater Ersatz für Zenware-Schreibprogramme wie FocusWriter oder WriteMonkey und auch Online-Tools wie Checkvist lassen sich problemlos nutzen, doch es fehlen natürlich „richtige“ Schreibprogramme wie Scrivener oder yWriter.

Und da sind wir auch schon bei dem Punkt, an dem ich anfing, mich für ein Windows-Tablet zu interessieren. Denn glücklicherweise ist Microsoft ja von dem Holzweg mit seinen nur auf Apps ausgelegten „Windows RT“-Tablets/Netbooks abgekommen, sondern setzt mittlerweile auch für Tablets auf ein vollwertiges Windows-Betriebssystem.

Somit laufen auf einem Windows-Tablet (abgesehen von der meist relativ schwachbrüstigen RAM- und Festplattenspeicher-Ausstattung) theoretisch dieselben Programme wie auf dem großen PC: Scrivener, Jutoh, WriteMonkey – wohl jeder Schriftsteller hat hier seine persönlichen Favoriten, die er gerne auch unterwegs verwenden würde.

Daher habe ich mich mal nach einem Windows-Tablet fürs mobile Schreiben umgesehen und bin letztendlich im Microsoft-Store beim „HP Stream 7“ gelandet.

Natürlich gibt es größere und leistungsstärkere Tablets bis hin zu den High-End-Geräten aus Microsofts Surface-Reihe, doch mir ging es in erster Linie um ein handliches, kleines Gerät, das ich auch in meinem Sakko oder meiner Lederjacke verstauen kann. Geräte mit 9″ oder gar 10″ sind natürlich komfortabler zu bedienen – doch dafür wird man sie aufgrund ihrer Größe nicht mehr immer und überallhin mitnehmen. Und zuhause kann ich auch zum Laptop oder Netbook greifen, der durch seine vollwertige Tastatur fürs Schreiben immer besser geeignet ist als ein Tablet.

Unter den 7″-Geräten ist das „HP Stream 7“ eine gute Wahl: mit einem Preis von gerade mal 99 Euro inklusive Mehrwertsteuer und kostenlosem Versand kostet der kleine Tablet-PC nur einen Bruchteil dessen, was man für ein Gerät aus der Surface-Reihe hinlegen müsste.

Dennoch hat HP bei der Hardware-Ausstattung nicht am falschen Ende gespart: Das IPS-Display hat mit 1280×800 Bildpunkten eine angenehm hohe Auflösung, zudem verfügt das Gerät über einen recht schnellen Quad-Core-Prozessor. Der RAM-Speicher ist zwar mit lediglich 1 GB relativ gering gehalten, doch für die Arbeit mit Schreib- oder Office-Programmen ist dies völlig ausreichend.

Einer der Hauptpunkte, die für das Stream 7 sprechen, ist der üppige interne Speicher von 32 GB (das Pendant zur internen Festplatte normaler PCs). Hier bieten andere Windows-Tablets oft nur 16 GB, die nach der Einrichtung von Windows mit allen Updates und Programmen auch schon fast voll sind. Das Stream 7 bietet hingegen mehr als genügend Platz, um auch noch alle benötigten Schreibprogramme zu installieren.

Für die eigenen Dokumente ist man dabei nicht unbedingt auf den internen Speicher angewiesen: Wenn man die rückseitige Klappe entfernt, kann man in das HP Stream 7 zusätzlich eine Micro-SD-Speicherkarte mit bis zu 32 GB einlegen, die genügend Platz für Texte und Arbeitsunterlagen bietet.

Doch damit kommen wir auch schon zu einem kleineren Knackpunkt: Dropbox. Denn Dropbox erkennt die eingelegte Speicherkarte nicht als weitere Festplatte, sondern nur als externen Speicher – und auf diesem kann man kein Dropbox-Verzeichnis anlegen.

Wer also eine etwas größere Dropbox hat, sollte lediglich ganz gezielt die Arbeitsverzeichnisse mit dem Tablet synchronisieren, die er unterwegs wirklich braucht – denn sonst schaufelt Dropbox einem sehr schnell den ansonsten mehr als ausreichenden internen Speicher zu.

Doch wie laufen die Schreibprogramme, die man vom PC gewohnt ist, auf dem kleinen Tablet?

Zunächst einmal sollte man, wenn man keine Adleraugen hat, die Darstellung der Schriftarten auf dem Stream 7 etwas vergrößern, denn durch die Kombination aus kleinem Bildschirm und hoher Auflösung ist diese in der Grundeinstellung so winzig, dass die Arbeit auf Dauer recht anstrengend für die Augen ist, wenn man die Schriftgröße nicht etwas größer einstellt.

Die Installation von Programmen wie Scrivener ist wie erwartet recht unproblematisch – schließlich ist das Stream 7 ein vollwertiger kleiner Windows-PC, nur ohne Tastatur.

Und hier wird es dann kniffelig. Denn im Gegensatz zu den Windows-Apps aus Microsofts App-Store, die für eine Bedienung per Touchscreen optimiert sind, sind klassische Windows-Programme wie Scrivener & Co. auf eine Bedienung per Maus und Tastatur ausgelegt.

Natürlich kann man eine externe Maus und eine Bluetooth-Tastatur anschließen und hat dann für kleines Geld einen Mini-Laptop, doch ich sehe den Hauptvorteil eines Tablets darin, dass man es unterwegs benutzen kann – also ohne externe Tastatur oder Maus.

Tipp: Standardtastatur aktivieren

Scrivener am Tablet

Da die normale Bildschirmtastatur von Windows 8.1 mehr auf das Schreiben von Mails und das Surfen im Internet als auf das Bedienen von Windows-Programmen ausgerichtet ist, fehlen hier nicht nur die Funktionstasten, sondern auch diverse andere Tasten wie die Windows-Taste, die Alt-Tasten und sogar die Tasten für die Umlaute. Letztere müssen standardmäßig wie unter Android durch längeres Drücken auf den normalen Vokal aus einem Popup-Menü ausgewählt werden.

Wenn man am Tablet also wirklich schreiben will, sollte man unbedingt das Standard-Tastaturlayout aktivieren, das all diese Tasten enthält. Doch leider ist dieses in Windows recht gut versteckt, so dass die meisten Anwender nicht einmal etwas von seiner Existenz wissen.

Um das Standard-Tastaturlayout zu aktivieren, geben Sie in der Windows-Suche „Standardtastaturlayout“ ein und klicken die entsprechende Option an. Schieben Sie in den Optionen unter „Bildschirmtastatur“ den unteren Regler auf „Ein“ (siehe rote Markierung auf dem Screenshot).

Anschließend können Sie bei der Bildschirmtastatur unten rechts (direkt über dem Befehl „Tastatur ausblenden“) das Standardlayout aktivieren (das Symbol ganz rechts).

Durch die zusätzlichen Tasten sind die einzelnen Tasten zwar noch etwas kleiner als bei der ’normalen‘ Bildschirmtastatur, aber gerade im Querformat lässt es sich trotzdem noch sehr gut bedienen.

Auch die gewohnten Funktionstasten der normalen PC-Tastatur lassen sich übrigens über die Taste „Fnkt“ vorübergehend einblenden. Somit hat man dann also wirklich eine vollwertige Tastatur auf dem Bildschirm.

Scrivener am Tablet

Mit der Standardtastatur-Variante lassen sich auch die Menüs der Programme wesentlich einfacher bedienen als per Touchscreen. Denn um die Menüs auf dem kleinen Tablet mit den Fingern zu bedienen, braucht man kleine, schlanke Finger mit viel Fingerspitzengefühl oder eine hohe Frustrationstoleranz. Wer etwas größere Hände hat, kommt sich beim Versuch, kleine Icons oder Menüeinträge anzuklicken, oft vor wie bei dem Versuch, mit Fausthandschuhen ein Puzzle zusammenzusetzen. ;-)

Aber wenn man erst einmal am Schreiben ist, benutzt man ohnehin mehr die Bildschirmtastatur als die Menüs.

Scrivener am TabletUnd damit kommen wir zum nächsten Knackpunkt. Die Windows-Bildschirmtastatur ist zwar (wie bei Microsoft nicht anders zu erwarten) gut durchdacht, aber nicht mit den modernen Android-Bildschirmtastaturen zu vergleichen.

Eine komfortable Wisch-Eingabe wie bei Swype, SwiftKey oder der Google-Tastatur für die schnelle und fließende Texteingabe gibt es hier nicht – man muss schon Taste für Taste drücken. Da die Microsoft-Bildschirmtastatur unter Windows 8.1 sehr eng mit dem Betriebssystem verknüpft ist, ist es auch nicht möglich, einfach eine andere Bildschirmtastatur zu installieren.

Der zweite Nachteil der Bildschirmtastatur ist natürlich, dass sie einen relativ großen Teil des Bildschirms einnimmt.

Verwendet man das Stream 7 hochkant wie ein Blatt Papier, hat man mit einem Schreibprogramm wie FocusWriter oder WriteMonkey einen ausreichend großen Arbeitsbereich. Die Tastatur ist auch im Hochkant-Modus groß genug, um sie angenehm bedienen zu können.

Kritisch hingegen wird es bei Programmen wie Scrivener, die man meist eher im Querformat-Modus wie an einem klassischen Monitor verwenden wird. Hier verdeckt die Windows-Bildschirmtastatur einen so großen Bereich des Bildschirms, dass man nur noch einen relativ geringen Bildschirmausschnitt sehen kann (siehe Screenshot oben).

Natürlich kann man die Bildschirmtastatur jederzeit ein- und wieder ausklappen, aber ein wirklich flüssiges Arbeiten ist so gerade beim Arbeiten mit der Pinwand oder Gliederung kaum möglich.

Der Haupt-Nachteil ist wie bereits erwähnt jedoch die fehlende Wisch-Eingabe. Während man unter Android mit Swype oder Swiftkey durchaus auf Tippgeschwindigkeiten von 20-30 Wörtern pro Minute kommen kann, ist man am Windows-Tablet deutlich langsamer, da man jeden Buchstaben einzeln antippen muss.

Auch Wortvorschläge, wie sie bei Android-Tastaturen gang und gäbe sind, sucht man bei der Windows-Tastatur leider vergeblich.

Fazit: Lohnt sich ein Windows-Tablet für Schriftsteller?

Die Entscheidung, was das richtige Tablet fürs mobile Schreiben ist, muss letztendlich jeder Schriftsteller für sich alleine treffen.

Ein klarer Vorteil des Windows-Tablets ist die Möglichkeit, klassische Windows-Schreibprogramme auch mobil auf dem Tablet nutzen zu können.

Allerdings ist die Bedienbarkeit schlechter als bei Android-Tablets – nicht zuletzt durch das Fehlen einer Wisch-Eingabe wie bei Swype/SwiftKey. Auch das Diktieren von Texten, das unter Android bei den meisten Bildschirmtastaturen direkt integriert ist, ist unter Windows nur recht umständlich möglich.

Ein weiterer Nachteil ist die geringe Anzahl guter Apps für Schriftsteller in Microsofts App-Store. Apps haben gegenüber Desktop-Programmen wie Scrivener den klaren Vorteil, dass sie auf kleine Bildschirme mit geringerer Bildschirmauflösung ausgelegt und für die Bedienung per Touchscreen optimiert sind. Sie setzen auf leicht bedienbare Icons und Symbolleisten statt auf fitzelige Windows-Menüs – doch hier macht sich wie gesagt der Rückstand von Windows gegenüber Android deutlich bemerkbar.

Auch die Dropbox-Anbindung auf dem Windows-Tablet ist eine zweischneidige Angelegenheit: Aufgrund des relativ geringen internen Speichers (die SD-Karte kann nicht für Dropbox genutzt werden!) wird man höchstens einzelne Arbeitsverzeichnisse gezielt zwischen PC und Tablet synchronisieren, und auch dafür muss Dropbox als Hintergrundprozess laufen.

Da Android noch nie eine vollständige Dropbox-Synchronisation hatte, sondern lediglich auf die einzelnen in der Cloud gespeicherten Dateien zugreifen kann, sind die App-Entwickler hier erfinderischer geworden: Statt alle Daten aus der Dropbox (oder einzelnen Verzeichnissen) zwischen Android und Dropbox zu synchronisieren, gibt man einzelnen Apps wie Jotterpad die Berechtigung für Schreib-/Lese-Zugriff auf die eigenen Dropbox-Verzeichnisse.

Wenn ich mich daher entscheiden müsste, entweder ein Android-Tablet oder ein Windows-Tablet zum Schreiben zu benutzen, würde die Entscheidung wohl zu Gunsten des Android-Geräts ausfallen.

Doch als zusätzliche Option „in der Westentasche“ ist das Windows-Tablet eine feine Sache. Manchmal will man eben statt mit einer App doch lieber mit Scrivener, yWriter oder einer anderen Windows-Anwendung arbeiten. Und dann ist es äußerst praktisch, schnell mal den kleinen 99-Euro-PC hochfahren zu können.


Tipp: Abonnieren Sie den kostenlosen WritersWorkshop Autorennewsletter und erhalten Sie alle neuen Beiträge direkt am Erscheinungstag ganz bequem per Mail.

Write! Neues Magazin für Schriftsteller von Ingken Wehrmeyer

Write! Write!Seit Ende April gibt es ein neues Magazin für Schriftsteller: das von Ingken Wehrmeyer herausgegebene Write!-Magazin.

Die erste Ausgabe mit dem Schwerpunkt-Thema „Der Traum vom Schreiben“ ist alternativ als Kindle-Version für 2,99 € und als Print-Ausgabe (ISBN 978-3-9814837-7-2) für 6,90 € erhältlich.

Inhaltlich sind beide Versionen natürlich identisch – ich habe mir die 70 Seiten im A4-Format starke Print-Version (siehe Foto) näher angeschaut.

Neben verschiedenen Interviews mit Autoren (unter anderem auch mit mir) gibt es in der ersten Ausgabe einen Bericht über die Renaissance der Schreibmaschine, die erste Folge einer mehrteiligen Schreibschule sowie verschiedene interessante Artikel über Inspiration, den Weg zum Schriftsteller, Genres und Zielgruppen.

Achtung: Obwohl dies noch die aktuelle Ausgabe ist, ist das auf dem Cover angekündigte Gewinnspiel, bei dem man einen Kindle Paperwhite gewinnen konnte, bereits Ende Mai abgelaufen.

Fazit: Das neue Write!-Magazin ist sehr abwechslungsreich und professionell gestaltet und macht beim Lesen Lust auf mehr. Ich kann das Magazin jedem empfehlen, der Spaß am Schreiben hat und freue mich persönlich schon sehr auf die nächste Ausgabe.

PS: Um die Wartezeit bis zur nächsten Ausgabe zu verkürzen stellt Ingken Wehrmeyer täglich als Write!-News unter http://paper.li/f-1432139148 interessante Links und News rund ums Schreiben zusammen.


Tipp: Abonnieren Sie den kostenlosen WritersWorkshop Autorennewsletter und erhalten Sie alle neuen Beiträge direkt am Erscheinungstag ganz bequem per Mail.

Günstigere Printkonditionen für Bücher mit Farbseiten bei BoD

Anfang Juni hat der deutsche Print-on-Demand-Anbieter BoD erneut seine Druckkosten reduziert. Nachdem sich im Herbst letzten Jahres, als BoD an seinen Preisen für den s/w-Druck gefeilt hatte, vor allem die Romanautoren freuen durften, hat BoD diesmal erfreuliche Nachrichten für Sachbuchautoren. Denn diesmal hat BoD bei den Preisen für farbige Abbildungen den Rotstift angesetzt – also Grund zur Freude für alle Autoren von Reiseführern, Kochbüchern, Sportratgebern und anderen abbildungsintensiven Büchern.

Beim Druck farbiger Seiten hat man als Autor nun die Wahl zwischen zwei verschiedenen Druckqualitäten: dem günstigen Smart-Druck und dem etwas teureren Brillant-Druck, bei dem die Farben nach Angaben von BoD noch strahlender und intensiver zur Geltung kommen sollen.

Mit dem Preiskalkulator von BoD (http://www.bod.de/autoren/buch-veroeffentlichen/preiskalkulation.html) kann man selbst einmal herumexperimentieren, wie sich unterschiedlich viele farbige Abbildungen auf den Preis des fertigen Buchs und damit auch auf die Höhe der Tantiemen auswirken.

Auch hier ist wieder einmal erfreulich, dass der technologische Fortschritt seitens BoD in Form von günstigeren Preisen an die Autoren weitergegeben wird, die so ihre selbstverlegten Bücher zu konkurrenzfähigen Preisen über den Buchhandel anbieten können.


Tipp: Abonnieren Sie den kostenlosen WritersWorkshop Autorennewsletter und erhalten Sie alle neuen Beiträge direkt am Erscheinungstag ganz bequem per Mail.

Liebster-Award, die zweite…

Liebster-Award

Nachdem mich Marcus Johanus im Februar schon einmal für den Liebster-Award nominiert hatte, bin ich diesmal von Vera Nentwich nominiert worden, wofür ich mich zunächst einmal herzlich bedanke. Eigentlich wollte ich ja keine weiteren Nominierungen mehr annehmen, aber da ich Veras Fragen sehr interessant fand, gibt es hier die Antworten auf ihre Fragen rund ums Bloggen:

1.    Als Autor oder Autorin kennst Du den Pitch, die Kernaussage einer Geschichte. Was ist der Pitch für Deinen Blog?

Kurz und knackig: Alles rund ums Schreiben.

2.    Welchen Nutzen habe ich als Leserin davon, Deinen Blog zu verfolgen?

Ein ‚reiner Leser‘, der selbst keine Bücher schreibt, wird mein Blog vermutlich eher uninteressant finden. Wenn man hingegen selbst schreibt, findet man in meinem Blog viele interessante Anregungen rund ums kreative Schreiben, Produktivität für Schriftsteller sowie das Veröffentlichen und Vermarkten von Büchern – ergänzt um nützliche Software-Tipps-und-Empfehlungen für Schriftsteller.

Wer gerne meine Blogposts rund ums Schreiben liest, dem kann ich meinen kostenlosen „WritersWorkshop Autorennewsletter“ ans Herz legen. Abonnenten erhalten alle neuen Artikel direkt am Erscheinungstag per Mail in ihr Postfach.

3.    Wie lange bloggst Du und was war der Auslöser für Dich, damit zu beginnen?

Mein erstes Blog hatte ich vor über acht Jahren begonnen, damals noch bei Blogspot. Zuvor hatte ich auf meiner Autorenhomepage einen statischen News-Bereich, den ich damals durch ein eingebundenes Blog ablösen wollte. Seit damals hat sich nicht nur das Blog selbst, sondern auch sein Fokus geändert. Schon seit einigen Jahren geht es in neuen Blogposts fast ausschließlich um Tipps und Artikel für Schriftsteller.

Als Autor lernt man auch nach etlichen Jahren fast täglich immer noch etwas Neues dazu, und mein Blog und der WritersWorkshop Autorennewsletter sind für mich das optimale Medium, um diese Erfahrungen auf den Punkt gebracht an andere Schriftsteller weiterzugeben.

4.    Was war Dein bisher erfolgreichster Blogartikel und wie ist es dazu gekommen?

Die Frage kann ich offengestanden kaum beantworten. Ich wüsste so ad hoc gar nicht, welcher meiner Artikel ‚der erfolgreichste‘ ist. Wenn es nach der Anzahl der Kommentare im Blog geht, wäre es wohl „Kreatives Schreiben mit Stift und Papier statt am Computer„.

5.    Bei welchem Deiner Blogartikel warst Du enttäuscht, weil er nicht die erhoffte Resonanz gefunden hat? Was war Deiner Meinung nach der Grund dafür?

Ich bin niemals enttäuscht. Ein Blogartikel ist für mich nicht erfolglos, wenn er nach ein paar Tagen oder Wochen noch keine große Resonanz gefunden hat. Über Twitter bringe ich immer wieder ältere Blogposts neu in den Vordergrund, so dass manchmal auch Monate oder sogar Jahre nach der Erstveröffentlichung eines Artikels immer noch interessante Diskussionen rund ums Thema in Gang kommen.

6.    Verfolgst Du eine Strategie beim Bloggen und wie ist sie?

Strategie klingt so geschäftlich und erfolgsfixiert – das ist vielleicht eher etwas für Blogger, die mit ihrem Blog Geld verdienen wollen oder in dem Blog ihr zentrales Standbein sehen. Für mich ist mein Blog, auch wenn es mir viel Spaß macht, eher etwas, das ich ganz locker nebenher laufen lasse. Wenn man von einer Strategie sprechen kann, ist es bei mir, jeden Samstag einen neuen Blogpost zu veröffentlichen und dabei thematisch immer wieder zwischen unterschiedlichen Schwerpunkten hin und her zu wechseln.

7.    Wie sehen Deine Freunde Deine Blogaktivitäten? Können sie damit etwas anfangen oder sehen sie Dich nur mit großen Augen an, wenn Du etwas erzählst, aber verstehen es nicht?

Ich habe Freunde und Autorenfreunde. Das sind für mich zwei Gruppen, die nur eine relativ geringe Schnittmenge haben. Ich habe schon vor Jahren damit aufgehört, Leuten vom Schreiben zu erzählen, die selbst kein Interesse daran haben. Für sie wäre es vermutlich ebenso langweilig wie die unsäglichen Diaabende, mit denen manche Leute früher nach ihren Urlaubsreisen ihre Freunde quälten. Da konzentriere ich mich eher auf die Gemeinsamkeiten und gemeinsamen Interessen, die ich mit ihnen habe, und tausche mich übers Schreiben und Bloggen lieber mit Autorenfreunden/-kollegen aus, die meine Faszination fürs Schreiben teilen.

8.    Schreibst Du auch für andere Blogs oder Plattformen? Wenn ja, welche und wie ist es dazu gekommen? Wenn nein, würdest Du es gerne tun?

Manchmal schreibe ich auch Gastartikel für andere Blogs wie zum Beispiel das Blog von Marcus Johanus oder Stephan Waldscheidts Blog „Schriftzeit“. Generell stehe ich Anfragen für Gastartikel immer offen gegenüber, aber ich suche selbst nicht aktiv danach.

9.    Was sind die weiteren Ziele für Deinen Blog?

Woche für Woche immer wieder interessante Artikel rund ums kreative Schreiben und das Veröffentlichen/Vermarkten von Büchern zu präsentieren und dabei das unendlich weite und faszinierende Feld des kreativen Schreibens Puzzlesteinchen für Puzzlesteinchen immer weiter zu erforschen.

10.    Hast Du ein aktuelles Schreibprojekt? Was ist es?

Ich habe immer mehrere Schreibprojekte ‚auf der Pfanne‘, die in unterschiedlichen Phasen vor sich hin köcheln. Momentan sind meine Fokus-Projekte ein neuer Schreibratgeber und ein Fantasy-Roman. Über beide will ich noch nicht viel verraten, bis es so weit ist – was speziell bei dem Roman noch eine ganze Weile dauern kann.

11.    Wenn Du einen Wunsch bei der Fee für Autorinnen und Autoren frei hättest, welcher wäre es?

Derselbe wie vermutlich bei den meisten Autoren: mehr Zeit zum Schreiben.

…und nun?

Nach den Regeln müsste ich jetzt eigentlich 11 weitere Blogger nominieren und diese mit 11 neuen Fragen bedenken. Warum ich das ebenso wie im Februar auch dieses Mal nicht machen werde, kann man hier nachlesen.


Tipp: Abonnieren Sie den kostenlosen WritersWorkshop Autorennewsletter und erhalten Sie alle neuen Beiträge direkt am Erscheinungstag ganz bequem per Mail.

Tolino Media am Start: Was müssen Selfpublisher beachten?

Wie bereits vor ein paar Wochen angekündigt ist am 29.04.15 mit „Tolino Media“ ein starker Konkurrent zu Amazons KDP-Programm an den Start gegangen.

Während der Weg zu den Tolino-Shops für Selfpublisher bisher nur mit dem Umweg über Distributoren wie Neobooks oder Bookrix möglich war, gibt es jetzt einen direkten Weg – und das zu erstklassigen Konditionen. Tolino Media zahlt Autoren (zumindest bis Ende Januar nächsten Jahres) volle 70% des Netto-Verkaufspreises (also abzgl. Mehrwertsteuer) als Tantiemen aus.

Das ist nicht nur genauso viel, wie Amazon den Autoren bezahlt, sondern unterm Strich sogar mehr: Denn während Amazon 70% Tantiemen erst ab einem Verkaufspreis von 2,99 € bezahlt, gilt die 70%-Regelung bei Tolino Media auch für günstigere eBooks. Bei diesen Büchern verdient der Autor bei Tolino Media pro verkauftem eBook also sogar doppelt so viel wie über Amazon.

Doch auch bei eBooks von 2,99 € aufwärts sind die Tolino-Konditionen noch etwas besser als die von Amazon. Denn Amazon stellt den Autoren die Übertragungskosten für die Lieferung ihrer eBooks an den Käufer in Rechnung, was abhängig von der Dateigröße durchaus mehr als nur ein paar Cent ausmachen kann. Speziell Autoren von Büchern mit vielen Illustrationen / Fotos (z.B. Kochbücher, Sportratgeber, Software-Tutorials oder Reiseführer) bekommen bei Tolino Media unterm Strich mehr heraus als bei Amazon.

Da Tolino Media keinerlei Exklusivität verlangt, kann man als Autor also mit Amazon KDP und Tolino Media über gerade mal zwei Kanäle bereits über 80% des deutschen eBook-Marktes abdecken (Amazon, Thalia, Weltbild, Hugendubel, Buecher.de, Buch.de, eBook.de etc). Das ist sozusagen die Pareto-Regel (80/20-Regel) in Reinkultur: mit 20% des Aufwands kann man bereits 80% der möglichen Ergebnisse erzielen. ;-)

Das einzige, was sich nicht kombinieren lässt, ist eine Veröffentlichung über „Tolino Media“ (oder einen anderen Distributor) zusammen mit der Option „KDP Select“ bei Amazon – denn mit dieser bindet man sich bekanntlich (jedenfalls für die eBook-Ausgabe) exklusiv an Amazon.

Was ist mit bereits veröffentlichten Büchern?

Wenn Sie Ihr Buch bereits über Amazon und/oder einen Distributor veröffentlicht haben, sollten Sie vor einer Veröffentlichung über Tolino Media genau die Vertragsbedingungen studieren.

Eine normale Veröffentlichung über Amazon (nicht KDP Select!) kollidiert nicht mit einer Veröffentlichung über Tolino Media. Haben Sie Ihr Buch jedoch bei KDP Select angemeldet, müssen Sie diese Option erst canceln und bis zum Ablauf der 90-tägigen Bindefrist abwarten. Erst wenn Ihr Buch nicht mehr bei KDP Select (und damit auch nicht mehr über Amazons Leseflatrate „Kindle Unlimited“) erhältlich ist, dürfen Sie es auch über Tolino Media veröffentlichen.

Haben Sie Ihr Buch über einen Distributor wie Neobooks, Bookrix oder Xinxii veröffentlicht, sollten Sie sich beim Distributor informieren, welche Optionen dieser zukünftig anbieten will. So hat Neobooks bereits über Twitter angekündigt, dass man Autoren zukünftig auch die Möglichkeit bieten will, Tolino ebenso wie Amazon von der Distribution auszuklammern und selbst zu bedienen.

Falls Ihr Distributor hierfür keine Lösung anbietet, Sie Ihr Buch aber unbedingt selbst über Tolino Media veröffentlichen wollen, müssen Sie zunächst Ihren Vertrag über den Distributor kündigen und nach Ablauf des Vertrags Ihr Buch selbst über Tolino Media (sowie ggf. über Amazon) neu einstellen.

Denken Sie bei einer solchen Maßnahme allerdings daran, dass Ihr Buch bei Tolino Media eine neue ISBN erhält und dass Ihnen somit bereits gesammelte Rezensionen bei Amazon und anderen Online-Buchhändlern verloren gehen könnten. Allerdings hat, wie Matthias Matting in der Selfpublisher-Bibel meldet, der Tolino-Support bereits angekündigt, Autoren bei der Übernahme von Rezensionen früherer Ausgaben zu helfen.

Gerade Autoren, die ihre Bücher bei KDP Select angemeldet haben, sollten genau überlegen, was sie tun. Eine Anmeldung für „KDP Select“ bedeutet, dass Ihre Inhalte wirklich nur dort erhältlich sein dürfen. Sie können also nicht beispielsweise ein paar Kurzgeschichten, die Sie über KDP Select anbieten, zu einem Sammelband zusammenfassen und diesen dann für Tolino veröffentlichen.

Mit der Vorbestellfunktion durchstarten

Ähnlich wie Amazon bietet auch Tolino Media eine Vorbestell-Option für eBooks. Allerdings finde ich diese wesentlich besser gelöst als bei Amazon. Denn während bei Amazon die Vorbestell-Verkäufe nur für den Tag gelten, an dem die Vorbestellung erfolgte, werden Vorbestellungen bei Tolino Media kumuliert und fließen erst am Erscheinungsdatum auf einen Schlag in die Verkaufszahlen ein.

Hundert Verkäufe bei Amazon während eines Vorbestell-Zeitraums von beispielsweise 60 Tagen sorgen kaum für erhöhte Sichtbarkeit des eBooks. Hundert Vorbestellungen über einen Shop wie Weltbild, die dann auf einen Schlag in die Verkaufszahlen einfließen, können ein Buch jedoch recht weit nach oben in die Verkaufscharts katapultieren.

Während die Vorbestell-Option bei Amazon also vor allem den Vorteil hat, dass man hiermit den exakten Erscheinungstermin festlegen kann, kann man die Vorbestell-Option über Tolino Media zusammen mit einer rechtzeitig gestarteten und gut geplanten Marketing-Kampagne sogar dafür nutzen, dem eigenen Buch einen massiven Startschub zu verpassen.


Tipp: Abonnieren Sie den kostenlosen WritersWorkshop Autorennewsletter und erhalten Sie alle neuen Beiträge direkt am Erscheinungstag ganz bequem per Mail.

Tag-Team-Plotting: Mit ungewöhnlichen Kombinationen zu einer spannenden Romanhandlung

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht – aber ich habe recht häufig beim Lesen neuer Romane so ein Deja-Vu-Erlebnis, genau dasselbe in etwas anderer Form schon einmal gelesen zu haben. Und meist nicht nur einmal. Gerade bei Genre-Romanen überkommt einen sehr häufig das ungute Gefühl, dass die Hauptfiguren inklusive ihrer Motivation und den wichtigsten Konflikten aus anderen Romanen oder Filmen übernommen und nur oberflächlich abgewandelt wurden.

Das ist in den meisten Fällen nicht einmal böse Absicht des Autors. Es ist wie mit den Werbespots, die wir hunderte von Malen in Funk und Fernsehen gehört haben und deren Slogans wir sogar im Halbschlaf noch komplettieren könnten: „Douglas: Come in and…“ (find out). „BMW: Freude am…“ (Fahren). „Opel: Wir haben…“ (verstanden).

Genauso ist es bei Romanen: Wenn ich Ihnen jetzt die Aufgabe stellen würde, eine Romanhandlung zu skizzieren, in der ein mutiger Schwertkämpfer und eine schöne Magierin gegen einen finsteren Schwarzmagier mit Weltherrschafts-Ambitionen und seinen Handlanger, einen hünenhaften Drachenritter in schwarzer Rüstung, antreten sollen, könnten Sie bestimmt innerhalb einer halben Stunde etliche Ideen für Szenen, Konflikte und den finalen Showdown aufs Papier werfen. Doch wenn Sie anschließend diese Notizen kritisch hinterfragen: Wie viele dieser Ideen wären wirklich innovativ und originell und nicht in anderen Büchern oder Filmen schon dutzendfach da gewesen?

Das Problem liegt in den Zutaten, die wir miteinander kombinieren. Wenn uns jemand Nudeln, Tomatenmark, Sahne und Hackfleisch gibt, wird vermutlich so etwas wie Spaghetti Bolognese dabei heraus kommen. Doch was würden Sie aus Lachs, Sonnenblumenkernen, Kartoffeln und Schinken machen? Hier gibt es keine direkte Assoziation, sondern Sie müssen erst einmal nachdenken, was von diesen vier Zutaten man wie miteinander kombinieren könnte. Und genau dasselbe machen wir beim Tag-Team-Plotting.

„Gib Klischees keine Chance!“

Die Bezeichnung „Tag-Team-Plotting“ ist eine scherzhafte Referenz zum Wrestling: Dort treffen bei einem Tag-Team-Match zwei Teams aus je zwei Wrestlern aufeinander, von denen allerdings immer nur einer gleichzeitig im Ring ist. Gerade bei Tag-Teams, die nur für ein bestimmtes Match zusammengewürfelt werden, kommen oft sehr ungewöhnliche Kombinationen aus ganz gegensätzlichen Kämpfern zustande. Und genau diesen Punkt machen wir uns beim Tag-Team-Plotting für Romane zunutze.

Die Vorbereitungen für das Tag-Team-Plotting wirken vielleicht ein wenig aufwändig, doch die Arbeit lohnt sich. Da man als Schriftsteller üblicherweise nicht nur einen einzigen Roman in einem bestimmten Genre schreiben will, kann man bei weiteren Projekten auf die bereits vorbereitete Basis zurückgreifen und im Handumdrehen neue ungewöhnliche Tag-Teams aus dem Hut zaubern.

Aber fangen wir doch einfach mit dem ersten Schritt an…

Was brauchen Sie?

Für das Tag-Team-Plotting brauchen Sie ein ganz normales Kartenspiel (2-10, Bube, Dame, König und As, jeweils in Herz, Karo, Pik und Kreuz). Einen solchen Satz Spielkarten dürften die meisten von uns irgendwo im Schrank oder in der Schublade liegen haben – und wenn nicht, bekommen Sie sie in jedem Spielwarengeschäft oder Supermarkt.

Dazu brauchen Sie noch einen Stift und drei unterschiedliche Formblätter: die Kartenliste, das Brainstorming-Blatt und das Tag-Team-Blatt. Druckvorlagen für diese Blätter finden Sie hier:

Step 1: Der Charakter-Fundus

Im ersten Step brauchen Sie nur die Kartenliste. Da ein Kartenspiel aus 52 Karten besteht, haben Sie auf Ihrer Kartenliste Platz für 52 Charakter-Ideen. Bevor Sie nachher zum ersten Mal das eigentliche Kartenspiel brauchen, notieren Sie zunächst in die 52 Felder der Kartenliste ebensoviele Ideen für Charaktere, die zu Ihrem Genre passen könnten.

Es geht dabei nur um „Berufe“ im weiteren Sinne, nicht um konkrete Eigenschaften. Wenn Sie Fantasy schreiben, könnten Ihre ersten Ideen „Klassiker“ (andere würden sagen: Klischees) wie Barbar, Paladin, Amazone, Schwarzmagier, Drachenreiter, Assassine oder Fährtensucher sein. Doch mit diesen abgegriffenen Rollen können Sie schwerlich alle 52 Plätze Ihres Charakter-Fundus füllen.

Ich weiß: 52 ist eine hohe Anzahl – aber ich lasse Sie nicht eher vom Haken, bis Sie nicht alle 52 Felder mit Ideen gefüllt haben. Sie schaffen das… ;-)

Je mehr sich die Liste füllt, desto schwerer wird es Ihnen fallen, auf neue Ideen zu kommen. Das ist nicht nur ganz normal, sondern auch erwünscht. Denn erfahrungsgemäß sind die letzten 10-20 Ideen, die Sie eintragen, die Arten von Charakteren, die man noch nicht im Überfluss in anderen Romanen oder Filmen gesehen hat.

Step 2: Die Ziehung der Lottozahlen Kandidaten…

Sobald Sie mit Ihrer Liste fertig sind, gehen Sie zum nächsten Schritt über: Mischen Sie Ihr Kartenspiel gut durch, ziehen Sie vier zufällige Karten und legen Sie diese offen vor sich aus. Die Kartenliste ist dabei Ihre Übersetzungstabelle, die Ihnen verrät, wer Ihre Kandidaten für die Tag-Teams sind.

Für unser Beispiel sagen wir, dass Sie die Pik 7, die Herz 2, den Herz-Buben und das Kreuz-As gezogen haben. Laut Ihrer Tabelle steht die Pik 7 für einen Schmuggler, Herz 2 für einen Sklavenhändler, der Herz-Bube für einen Adligen und das Kreuz-As für einen Totenbeschwörer.

Schreiben Sie diese vier Kandidaten als A, B, C und D untereinander auf ein Blatt. Dabei ist noch nicht gesagt, welche der Charaktere männlich oder weiblich, jung oder alt, gut oder böse sind. Noch ist alles offen.

Step 3: Held oder Schurke?

Drucken Sie nun für jeden der vier Charaktere ein Exemplar des Brainstorming-Blatts aus: Oben tragen Sie den „Beruf“ des jeweiligen Charakters ein, darunter machen Sie in den Spalten „Held…?“ und „oder Schurke…?“ Notizen, inwiefern eine solche Figur im Rahmen einer Romanhandlung auf der „guten“ oder der „bösen“ Seite stehen könnte.

Natürlich ist es manchmal nicht ganz einfach, für Charaktere wie einen Sklavenhändler oder einen Totenbeschwörer Ideen zu finden, wie eine solche Figur zum Helden werden könnte – aber das ist ja gerade das Interessante daran. Schließlich wollen wir abgegriffene Klischees vermeiden – und für wirklich gute Ideen muss man schon mal etwas tiefer graben.

Nehmen Sie sich für jede Figur mindestens eine halbe Stunde Zeit, um alle Möglichkeiten auszuloten und das Potential der Figur zu ergründen. Hören Sie keinesfalls auf, bevor Sie nicht auch für die „typischen Guten“ eine mögliche Schurkenrolle und für die „typischen Schurken“ eine mögliche Heldenrolle entwickelt haben.

Ein guter Sklavenhändler? Wenn Ihnen das abwegig vorkommt, denken Sie nur an einen der Klassiker der Weltliteratur: Robinson Crusoe. Auch Crusoe war ein Sklavenhändler, bevor er auf der einsamen Insel strandete und dort zu einem besseren Menschen wurde.

Und ein Totenbeschwörer? Hm, was ist zum Beispiel Ned aus der amüsanten TV-Serie „Pushing Daisies“ anderes als ein Totenbeschwörer? Auch er hat die Fähigkeit, Tote für kurze Zeit wieder zum Leben zu erwecken – und es ihnen wieder zu nehmen. Denn wenn er das nicht tut, stirbt irgendwo in der Nähe ein anderer Mensch an dessen Stelle.

Step 4: Let’s get ready to rumble…

Wenn Sie genügend Ideen für alle vier Charaktere gesammelt haben, lassen Sie diese erstmals aufeinander treffen. Mit vier Charakteren gibt es sechs mögliche Varianten, die im Tag-Team-Blatt untereinander aufgelistet sind. Unter jeder der sechs möglichen Variationen haben Sie genügend Platz, um mit knappen Stichworten die Eckdaten einer möglichen Romanhandlung zu notieren.

Im ersten „Match“ lassen Sie die guten Versionen Ihrer Charaktere A und B auf die bösen Versionen Ihrer Charaktere C und D treffen:

  • Was hat „Held A“ gegen „Schurke C“? Und welche offene Rechnung hat er mit „Schurke D“? Wie könnten diese Charaktere in einem erbitterten Konflikt aneinander geraten? Stellen Sie anschließend dieselben Fragen auch noch für Ihren „Held B“.
  • Was haben Ihre beiden „Helden“ gemeinsam – oder was könnten sie gemeinsam haben? Welche Konflikte dürfte es trotz gemeinsamer Interessen zwischen ihnen geben und wie könnten sie dennoch an einem Strick ziehen?
  • Was haben Ihre beiden „Schurken“ miteinander zu tun? Agieren sie unabhängig voneinander oder arbeiten sie zusammen? Was haben die beiden von dieser Zusammenarbeit und welche Stärken kann jeder der beiden mit einbringen, die der andere nicht hat?

Diese Fragen sind nur als erste Anregungen gedacht. Die Bandbreite solcher Tag-Teams ist fast unbegrenzt. So könnte jeder Ihrer beiden Helden ursprünglich seinen eigenen Feind haben – doch als beide erkennen müssen, dass ihre Feinde in Wahrheit miteinander verbündet sind, schließen auch sie sich zusammen, um mit vereinten Kräften das Böse aufzuhalten.

Nehmen Sie sich für diese Variante mindestens 15 Minuten Zeit, um auf dem Tag-Team-Zettel Stichwörter und Ideen für eine mögliche Romanhandlung zu notieren.

Erst danach gehen Sie zur nächsten Variante über. Wenn Sie sich für jedes „Match“ 15 Minuten Zeit nehmen, haben Sie nach anderthalb Stunden das grobe Gerüst für sechs unterschiedliche Romanhandlungen skizziert. Jetzt können Sie abwägen und entscheiden, welche der Varianten ausscheiden, da sie Ihnen nicht gefallen, und welche Sie weiter ausarbeiten wollen.

Probieren Sie es einfach einmal aus. Sie werden sehen: durch die große Anzahl unterschiedlicher Charaktere und dadurch, dass Sie gezwungen sind, jede Figur sowohl von ihrer hellen als auch ihrer dunklen Seite zu betrachten, vermeiden Sie, dass Sie sich mit Ihrer Handlung unbewusst auf ausgetretenen Pfaden halten.

Alles in allem dürften Sie nicht mehr als 5-6 Stunden (also gerade mal einen Nachmittag) brauchen, um so ein erstes Konzept für eine spannende Romanhandlung zu erschaffen. Und wenn Sie anschließend noch mehr Ideen brauchen, um das Konzept zu einer vollständigen Handlung auszubauen, können Sie immer noch zur Assoziativen Ideen-Matrix aus „Kreativ mit der Matrix“ greifen.


Tipp: Abonnieren Sie den kostenlosen WritersWorkshop Autorennewsletter und erhalten Sie alle neuen Beiträge direkt am Erscheinungstag ganz bequem per Mail.

Liebster-Award: 11 Fragen, 11 Antworten

liebster-award-600x230

Marcus Johanus hat mich für den Liebster-Award nominiert – zunächst einmal vielen Dank dafür. Für mich bedeutet das zunächst mal, dass ich die elf von Marcus gestellten Fragen beantworten muss:

1. Warum bloggst du?

Schreiben ist für mich eines der wichtigsten Dinge im Leben. Und ein Blog ist eine wunderbare Möglichkeit, die eigenen Gedanken und Erkenntnisse zu einem Thema schnell und unkompliziert mit interessierten Lesern zu teilen.

2. Was inspiriert dich?

Bücher. Das, was geschrieben wurde, das, was zwischen den Zeilen steht und am allermeisten das, was nicht geschrieben wurde. Bei Romanen sind es beispielsweise die nicht weiter verfolgten Handlungsstränge mancher Nebencharaktere oder die Frage, wie eine Geschichte verlaufen wäre, wenn einer der Charaktere an einer Stelle eine andere Entscheidung getroffen hätte.

3. Was hältst du von sozialen Medien wie Facebook und Twitter, um deinen Blog bekannter zu machen?

Viel. Auf Facebook bin ich zwar nicht sonderlich aktiv, aber ich habe mein WordPress-Blog per Plugin mit Twitter verknüpft, so dass meine neuen Blogposts automatisch als Tweets gesendet werden. Außerdem twittere ich regelmäßig Links zu meinen älteren „Evergreen-Blogposts“, die auch jetzt noch aktuell und relevant sind.

4. Was tust du überhaupt, um deinen Blog zu bewerben?

Hauptsächlich nutze ich Twitter, aber auch Links in meinen Büchern und natürlich meine Email-Signatur.

5. Was betrachtest du beim Bloggen als Erfolg?

Ich freue mich immer über Kommentare, über die oft interessante Diskussionen in Gang kommen. Wenn Leser meine Blogposts als hilfreich empfinden, ist der Blogpost aus meiner Sicht ein voller Erfolg.

6. Was hörst du beim Schreiben?

Nichts außer dem Klicken der Tasten meiner mechanischen Tastatur. Beim Schreiben brauche ich absolute Stille. Die einzige Ausnahme ist, wnen ich in einer unruhigen, lauten Umgebung schreiben muss. Dann höre ich über Kopfhörer weißes Rauschen oder Hintergrundgeräusche wie Coffivity (https://coffitivity.com).

7. Zu welcher Zeit schreibst du am liebsten?

Früh morgens ab kurz nach vier, wenn meine Frau und mein Sohn noch schlafen. Um diese Zeit stört mich niemand und außerdem habe ich dann schon die für mich wichtigste Sache des Tages erledigt, bevor das Alltagschaos über mich hereinbricht.

8. Welches sind deine Ressourcen beim Schreiben, die du jedem weiterempfehlen würdest?

Eine solide mechanische Tastatur – nicht ganz billig, aber man kann damit wesentlich schneller, fehlerfreier und auch ermüdungsfreier schreiben als mit einer billigen Gummimembran-Tastatur. Mein Favorit ist das Cherry MX-Board 3.0 mit blauen Switches – mit knapp 70 Euro ein echtes Schnäppchen und sehr solide verarbeitet.

Bei Software schwöre ich auf Scrivener, WriteMonkey, OneNote und RightNote – und natürlich auf Dropbox, um meine Projektdateien zu sichern und zugleich zwischen meinen unterschiedlichen Rechnern zu synchronisieren.

Zum Schreiben unterwegs empfehle ich ein 7″-Android-Tablet mit Jotterpad, OneNote und der Swype-Tastatur. Und natürlich auch hier Dropbox, um alle Daten auf dem aktuellen Stand zu halten.

9. Welches Buch hat dein Schreiben verändert?

„How to Write Best Selling Fiction“ von Dean Koontz. Ich habe ein vom Autor handsigniertes Exemplar – einer meiner größten Schätze. Leider wird das Buch nicht mehr aufgelegt und gebrauchte Exemplare werden deutlich über 100 Euro gehandelt, aber das ist es definitiv wert. Für mich auch heute noch das Buch übers Schreiben, noch vor Stephen Kings „On Writing“.

10. Und welches Buch würdest du nie wieder anfassen, selbst wenn ein Hunderter darin liegen würde?

Da gibt es einige. Aber ich fände es unfair, hier ein bestimmtes Buch an den Pranger zu stellen.

11. Von welchen Dingen würdest du anderen Bloggern abraten?

Man sollte als Blogger nicht versuchen, zu umfangreiche Blogposts zu schreiben, die ein Thema bis ins letzte Detail behandeln. Dafür gibt es Bücher. Bei Blogposts sollte man sich lieber auf sehr eng abgesteckte Themen beschränken, die man in 500-1000 Wörtern besprechen kann. Sind die Themen der einzelnen Blogposts zu umfangreich, kann man immer nur an der Oberfläche kratzen – und außerdem geht einem dann zu bald der Stoff aus. ;-)

…und nun?

Jetzt müsste ich eigentlich 11 neue Fragen stellen und 11 weitere Blogs nominieren – aber davon sehe ich ganz bewusst ab.

Warum?

Nicht, weil ich hier der Spielverderber sein will, aber diese ganzen Schneeballsysteme (ob Liebster-Award, Icebucket-Challenge, Kindheitsfoto-Challenge oder wie sie alle heißen) erinnern mich immer so ein bisschen an Kettenbriefe – ein Grund, warum ich sie eigentlich nicht sonderlich mag. Man nominiert nicht einen nächsten Kandidaten, sondern gleich 11, von denen jeder wiederum 11 weitere nominieren muss, von denen jeder wiederum … und so weiter.

Runde 1: der Urheber einer solchen Aktion nominiert 11 Blogs.
Runde 2: jeder der 11 Nominierten nominiert seinerseits 11 Blogs, das macht für Runde 3 schon 121 nominierte Blogger.
Runde 3: jeder der 121 Blogger nominiert 11 weitere Blogs, also 1.331 Kandidaten für Runde 4
Runde 4 ff: mit 14.641 Nominierten kommen wir in den fünfstelligen Bereich, den wir in der siebten Runde mit 1,7 Millionen theoretischen Nominierungen sprengen…

Selbst wenn nur jeder zweite Nominierte die Herausforderung annimmt, kann man sich ausrechnen, dass einem solchen System gerade bei relativ kleinen Ökosystemen wie Schriftstellern sehr schnell der Dampf ausgeht und es durch den Nominierungs-Zwang mehr zu einem Krampf als zu einer Freude wird, nominiert zu werden.

Da zudem keiner den Überblick hat, wer schon nominiert wurde und wer nicht, kann man davon ausgehen, dass nach ein paar Runden jedes interessante Blog gleichzeitig von Dutzenden anderen Bloggern nominiert wird, deren 11 Fragen der Blogger nun geduldig beantworten, sich neue Fragen aus den Fingern saugen und jeweils 11 neue Nominierungen aussprechen müsste. Was wiederum bedeutet, dass man nicht mehr zum Schreiben käme – nur noch zum Beantworten von Fragen, Erfinden neuer Fragen und zum exponentiellen Weiterleiten des Kettenbriefs, äh, Awards.

Aus diesem Grund endet die Kette, was mich angeht, hier – und ich nehme auch keine weiteren Nominierungen an. ;-)


Tipp: Abonnieren Sie den kostenlosen WritersWorkshop Autorennewsletter und erhalten Sie alle neuen Beiträge direkt am Erscheinungstag ganz bequem per Mail.

Jahresplanung gegen Katzenjammer

Zu dem Zeitpunkt, als ich diesen Artikel schreibe, hat vor wenigen Tagen das neue Jahr angefangen – traditionell die Zeit, zu der die an Silvester gefassten guten Vorsätze noch frisch sind und man hofft, dass man in diesem Jahr endlich mal zu allem kommt, was man sich vorgenommen hat.

Schließlich hat man doch ein ganzes Jahr Zeit, um die ganzen tollen Schreibideen umzusetzen: 52 Wochen mit allein 104 Wochenend-Tagen, je nach Bundesland runden 10 Feiertagen und dann auch noch 30 Tagen Urlaub. Wenn das kein Grund für Optimismus ist – was dann?

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht – aber wenn ich zum Jahreswechsel überlege, welche Buch- und Schreib-Projekte ich im nächsten Jahr in Angriff nehmen könnte, gehen zumindest im ersten Moment vor lauter Enthusiasmus ein wenig die Pferde mit mir durch. Ehe man sich versieht hat man gedanklich das kommende Jahr nicht nur einmal, sondern gleich doppelt und dreifach verplant. Oder um es mit einem Buffet zu vergleichen: die Augen sind größer als der Magen und am Ende hat man sich den Teller wieder mal viel zu voll geladen.

Wenn man es bei einer solchen übertrieben optimistischen (und damit unrealistischen) Wird-Schon-Klappen-Jahresplanung belässt, sind Ernüchterung und Frustration geradezu vorprogrammiert. Der Katzenjammer folgt spätestens nach den ersten paar Monaten, wenn man merkt, dass man sogar jetzt schon gnadenlos hinter Plan liegt.

Die Ursache für solche Planungsfehler ist in fast allen Fällen eine Kombination aus zwei Fehleinschätzungen, die auf sehr unangenehme Art und Weise Hand in Hand arbeiten:

  1. Man schätzt die Zeit, die einem zum Schreiben zur Verfügung steht, grundsätzlich zu hoch ein.
  2. Man schätzt den Zeitaufwand für Schreibprojekte grundsätzlich zu niedrig ein.

Gegen beide Fehleinschätzungen hilft ein Autorenlogbuch: Schreiben Sie regelmäßig auf, von wann bis wann Sie an welchem Schreibprojekt gearbeitet haben. Das kann eine einfache Tabelle sein, die man entweder handschriftlich, am PC oder im Smartphone führt:

  • Datum
  • von
  • bis
  • Dauer (in Stunden)
  • Projekt
  • Bemerkungen

Beispiel: Sa 20.12 | 6:30 – 8:15 | 1,75 Std | WritersWorkshop E-Zine | Artikel Protagonisten

Anhand dieser Aufzeichnungen können Sie schon nach ein paar Wochen eine recht realistische Aussage darüber treffen, wie viel Sie durchschnittlich im Laufe einer Woche tatsächlich zum Schreiben kommen. Das Aufschreiben dieser Zeiten hat zusätzlich auch noch den angenehmen Nebeneffekt, dass es einen motiviert, noch mehr Zeit zum Schreiben zu finden – denn schließlich will man ja am Ende der Woche etwas vorzuweisen haben.

Sobald Sie Ihr Autorenlogbuch etwas länger führen, können Sie außerdem auch noch recht gut auswerten, wie lange Sie beispielsweise für einen durchschnittlichen Blogpost, eine Kurzgeschichte oder eine Novelle brauchen – oder wie viele Stunden pro Woche für diverse Nebentätigkeiten wie Buchmarketing und Social Media drauf gehen.

Mit diesen Zahlen bewaffnet können Sie sich daran machen, für das kommende Jahr (oder die restlichen Monate des aktuellen Jahres) eine realistische Planung aufzustellen. Das Ergebnis einer solchen Planung liest sich natürlich nicht mehr ganz so beeindruckend, wie man das gerne hätte – aber bekanntlich ist der Spatz in der Hand immer noch besser als die Taube auf dem Dach.

Eine solche Planung hat auch noch einen weiteren Vorteil: Dadurch, dass man sich bewusst für ganz bestimmte Projekte entschieden hat, weiß man zugleich, dass man zu allen anderen Ideen „nein“ sagen bzw. diese auf einen späteren Zeitpunkt verschieben muss.

Und was haben Sie sich für dieses Jahr vorgenommen?