Warum Sie sich als Schriftsteller ein Smartphone-Projekt zulegen sollten

Ich weiß ja nicht, wie es bei Ihnen ist, aber bei den meisten Schriftstellern ist die Zeit zum Schreiben am PC ein knappes und wertvolles Gut und damit das Nadelöhr, das bestimmt, wie gut wir mit unseren Schreibprojekten vorankommen. Wenn man am PC sitzt, arbeitet man meist an seinem Hauptprojekt; alles andere wird auf irgendwann später verschoben.

Doch es gibt gerade in der heutigen Zeit noch eine sinnvolle Alternative: ein „Smartphone-Projekt“, an dem Sie parallel zu Ihrem ’normalen‘ Buchprojekt arbeiten.

Vermutlich fragen Sie sich jetzt, was denn ein „Smartphone-Projekt“ sein soll. Ganz einfach: Die Zeit am heimischen PC ist wie bereits anfangs erwähnt knapp – vielleicht morgens eine Stunde vor der Arbeit und etwas länger am Wochenende.

Sich in dieser ohnehin knappen Zeit zu verzetteln und zu versuchen, parallel an mehreren unterschiedlichen Projekten zu arbeiten, wäre kontraproduktiv. Lieber erst ein Projekt abschließen und sich erst danach mit voller Konzentration dem nächsten Projekt widmen.

Doch wenn wir unseren Tagesablauf genauer unter die Lupe nehmen, gibt es durchaus noch zeitliche Reserven, die wir bisher weitgehend ungenutzt verstreichen lassen. Zeiten, in denen wir durchaus etwas schreiben könnten – nur eben nicht am PC. Und da kommt das bereits erwähnte „Smartphone-Projekt“ ins Spiel.

Es ist eine unbestreitbare Tatsache: Smartphones sind auf dem Vormarsch. Die meisten von uns besitzen bereits eines, egal ob es sich um ein Android-Phone, ein iPhone oder ein Windows-Phone handelt. Sie alle haben eines gemeinsam: unsere Smartphones sind äußerst leistungsfähige kleine Computer, die wir über die Apps, die wir installieren, maßgeschneidert an unsere eigenen Bedürfnisse anpassen können.

Doch während die meisten Menschen ihr Smartphone nur bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit zücken, um ihre Mails zu checken, ziellos bei Facebook oder Twitter zu surfen, Selfies oder Fotos ihres Essens zu posten oder simple Casual-Games zu spielen, können Schriftsteller ihre Smartphones wesentlich produktiver nutzen – nämlich zum Schreiben von Blogposts, Kurzgeschichten oder sogar ganzen Romanen.

Das Prinzip des „Smartphone-Projekts“ beruht darauf, dass Sie mit Ihrem Smartphone ansonsten ungenutzte Zeiten dazu nutzen können, um an anderen Schreibprojekten als Ihrem Hauptprojekt zu arbeiten. Das können Blogposts für Ihr Autorenblog sein, Kurzgeschichten oder sogar ein Roman. Falls Sie bei dem Gedanken schaudern, auf einem vergleichsweise winzigen Gerät wie einem Smartphone längere Texte als eine WhatsApp-Nachricht oder eine kurze Mail zu schreiben – keine Sorge. Das geht, und sogar recht komfortabel.

Prinzipiell kann man dafür so ziemlich jedes Smartphone nutzen, wenngleich die Auswahl der zur Verfügung stehenden Apps je nach Betriebssystem ziemlich unterschiedlich (und unter Windows zugegebenermaßen recht mager) ist. Ich selbst bin bekennender Android-Fan, weshalb sich die konkreten App-Empfehlungen in diesem Artikel auch auf Android konzentrieren. Manche der empfohlenen Apps gibt es auch für iOS und Windows, in anderen Fällen muss man sich selbst eine passende Alternative suchen.

Tipps zur Smartphone-Auswahl

Wenn man sein Smartphone fürs Schreiben nutzen will, sollte man lediglich auf eine vernünftige Bildschirmdiagonale und Bildschirmauflösung achten. Optimal sind meiner Erfahrung nach Smartphones mit einer Diagonale von 5″ und einer Bildschirmauflösung von 1280×720 Punkten. Größer ist natürlich schön, aber nicht erforderlich – nur kleiner als 4,5 Zoll sollte der Smartphone-Bildschirm nicht sein. Wer schon mal versucht hat, auf einem 4″-Smartphone im Hochformat über die Bildschirmtastatur einen längeren Text einzugeben, weiß, was ich meine. Da braucht man schon sehr schlanke und zierliche Finger, um zumindest meistens die richtigen Buchstaben zu erwischen.

Ein fürs Schreiben geeignetes Smartphone muss übrigens gar nicht teuer sein. Man braucht dafür kein nobles High-End-Smartphone für über 600 Euro, sondern lediglich ein solides Mittelklassegerät wie beispielsweise das Honor Holly für knapp 120 €, das ich selbst seit Ende Februar benutze und mit dem ich äußerst zufrieden bin: 5″ Display, 1280×720 Bildschirmauflösung, ein schneller Quad-Core-Prozessor, Dual SIM, 16GB Speicher und Android 4.4. Passt – mehr braucht man nicht zum Schreiben. Ebenfalls empfehlenswert sind die Handys des französischen Herstellers Wiko wie das Wiko Rainbow, das mit ähnlichen Leistungsdaten überzeugen kann, aber unterm Strich etwas teurer als das noch etwas besser ausgestattete Honor Holly ist.

Man muss übrigens nicht befürchten, dass man sich mit einem 5″-Gerät einen klobigen Klotz zulegt, der nicht mehr gut in der Hand liegt. Meine Frau hat sehr kleine und zierliche Hände und verwendet schon seit anderthalb Jahren ein 5″-Smartphone. Auch sie könnte sich nicht mehr vorstellen, nochmal auf ein kleineres Gerät zurück zu wechseln.

Aber genug von der Hardware – zurück zum eigentlichen Schreiben… ;-)

Warum sollte man unterwegs am Smartphone schreiben?

Am Smartphone zu schreiben hat eine ganze Reihe von Vorteilen:

  1. Das Smartphone hat man im Gegensatz zu Laptop, Netbook oder Tablet quasi immer und überall dabei. Man kann also jede Gelegenheit spontan nutzen, um ein paar Wörter oder Sätze an seinem aktuellen Smartphone-Projekt weiter zu schreiben – egal ob in der Frühstückspause im Büro, im Wartezimmer beim Zahnarzt, während man darauf wartet, dass sich alle zum Essen am Tisch einfinden oder während der Werbepause im Fernsehprogramm.
  2. Das Smartphone ist immer einsatzbereit. Im Gegensatz zum PC oder Laptop, den man erst hochfahren muss, braucht man sein Smartphone nur zu entsperren und auf die bereits geöffnete Schreib-App umzuschalten – und schon kann man loslegen.
  3. Da die Leute gewohnt sind, dass jeder bei jeder Gelegenheit mit seinem Smartphone herumspielt, stellt einem niemand neugierige Fragen, wenn man an seinem Smartphone schreibt. Das ist ideal, wenn man im Büro die Frühstücks- oder Mittagspause zum Schreiben nutzen möchte. Am Büro-PC könnte einem jeder über die Schulter schauen und wenn man in der Pause seinen privaten Laptop auspackt, sind neugierige Fragen vorprogrammiert. Was Sie jedoch an Ihrem Smartphone machen, interessiert erfahrungsgemäß niemanden – Sie werden höchstens als Technik-Freak belächelt, der jede freie Minute mit seinem Smartphone herumspielt.

Die besten Apps fürs mobile Schreiben

Fürs eigentliche Schreiben kann ich Ihnen die App JotterPad empfehlen. Sie können damit Texte lokal auf Ihrem Smartphone bearbeiten oder diese direkt in Ihrer Dropbox speichern. JotterPad hat alles, was man zum Schreiben braucht wie eine Wordcount-Funktion und eine sehr gute Markdown-Unterstützung (inklusive Export als RTF-Datei). Alles, was man in JotterPad geschrieben hat, wird beim Verlassen des Programms automatisch gespeichert.

Alternativ können Sie natürlich auch die beliebte Notizenverwaltung Evernote zum Schreiben nutzen. Da alle Evernote-Daten automatisch zwischen Ihren unterschiedlichen Rechnern synchronisiert werden, finden Sie alles, was Sie unterwegs in Evernote geschrieben haben, im entsprechenden Notizbuch auf Ihrem PC wieder, ohne dass Sie die Texte von Hand übertragen müssten.

Schreiben am Smartphone ist produktiver, als die meisten Leute denken. Natürlich können Sie an Ihrem Smartphone nicht annähernd so schnell tippen wie an einem PC mit einer vollwertigen Schreibmaschinentastatur, aber das ist auch gar nicht erforderlich. Mit der Bildschirmtastatur des Smartphones kommen Sie mit etwas Übung locker auf 20 Wörter pro Minute – besonders, wenn Sie eine moderne Bildschirmtastatur mit Wischeingabe wie Swype, Swiftkey oder die aktuelle Google-Tastatur verwenden. Auch damit könnten Sie also theoretisch auf über 1.000 Wörter in der Stunde kommen.

Aber in der Praxis geht es gar nicht so sehr darum, neue Geschwindigkeitsrekorde beim Schreiben aufzustellen, sondern darum, eigentlich wunderbar fürs Schreiben nutzbare Zeiten nicht einfach ungenutzt verstreichen zu lassen, nur weil gerade kein PC oder Laptop zum Schreiben verfügbar ist.

Fazit: die Vorteile eines ‚Smartphone-Projekts‘

Wenn Sie sich erst einmal angewöhnen, während ansonsten unnützer Wartezeiten rasch zum Smartphone zu greifen und ein paar Wörter oder Sätze zu Papier zu bringen, hat dies gleich zwei positive Auswirkungen:

  1. Innerhalb weniger Wochen entwickeln Sie einen Blick für solche kleinen, aber feinen Zeitfenster. Sie lernen einzuschätzen, wie viele Minuten Sie wohl zur Verfügung haben, und nutzen diese dann entweder zum Nachdenken über Ihr Schreibprojekt oder zum Schreiben. Haben Sie mindestens 3-5 Minuten am Stück, lohnt es sich definitiv, das Smartphone rauszuholen. Selbst wenn es nur 1-2 Sätze sind, die Sie zu Papier bringen, sind das immer noch 1-2 Sätze mehr, als Sie sonst hätten.
  2. Dadurch, dass Sie über den Tag verteilt immer wieder ein klein wenig an Ihrem Smartphone-Schreibprojekt arbeiten, bleibt es permanent im Fokus Ihres Unterbewusstseins. Spätestens nach ein paar Tagen merken Sie, dass Ihr Unterbewusstsein Ihnen über den Tag verteilt so viele neue Ideen eingibt, dass Sie jede sich bietende Gelegenheit zum Schreiben nutzen können, ohne dass Ihnen der Stoff ausgeht.

Auch wenn Sie anfangs vielleicht das Gefühl haben, am Smartphone kaum voran zu kommen, täuscht das in den allermeisten Fällen. Viele ‚Wenigs‘ ergeben zusammen bekanntlich ein ‚Viel‘: Selbst wenn Sie im Schnitt nur 250 Wörter pro Tag schreiben, ergibt das aufs Jahr gerechnet die Rohfassung eines kompletten Romans – oder 52 Blogposts á 800 Wörter + 10 Kurzgeschichten á 5.000 Wörter.

Und wäre es nicht schön, wenn Sie sich in Ihrer knappen Schreibzeit zuhause z. B. voll und ganz auf Ihr aktuelles Romanprojekt konzentrieren könnten, während die wöchentlichen Blogposts für Ihr Autorenblog und die Kurzgeschichten, die Sie auch noch gerne schreiben möchten, quasi nebenbei entstehen?

Probieren Sie es doch einfach selbst einmal ein paar Wochen lang aus und ziehen Sie anschließend Bilanz, was Sie in dieser Zeit so ganz nebenbei an neuen Texten aus dem Ärmel schütteln konnten. Vielleicht können auch Sie sich danach nicht mehr vorstellen, auf ein Smartphone-Projekt zu verzichten.


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Die Todesspirale bei Romanserien – und wie man sie vermeidet

Bei den meisten Romanserien ist es so, dass alle Bände der Serie denselben Protagonisten haben. Dieser Ansatz hat sowohl Vor- als auch Nachteile.

Die Vorteile scheinen auf den ersten Blick offensichtlich: Der Leser hat eine Identifikationsfigur, die er (hoffentlich) ins Herz schließt und mit der er mitfiebert. Und wenn ihm die Geschichte gefallen hat, wird er es hoffentlich kaum erwarten können, weitere spannende Abenteuer desselben Helden zu erleben.

Doch hier beginnen auch schon die Nachteile, denn das Potential einer solchen Serie ist von Natur aus beschränkt. Romane ziehen einen guten Teil ihres Reizes daraus, dass der Protagonist im Laufe der Handlung wächst, seine Schwächen überwindet, seine inneren Dämonen und Ängste besiegt und schließlich aufgrund seiner erfolgreichen Transformation den Sieg davonträgt.

Das funktioniert wunderbar bei einem Einzelroman und es funktioniert auch bei einer in sich geschlossenen Romanserie aus mehreren, aufeinander aufbauenden Bänden wie zum Beispiel den Harry-Potter-Büchern von J.K. Rowling.

Auch wenn es sich in diesem Fall um sieben einzelne Romane handelt, von denen jeder sein eigenes Finale hat, werden diese dennoch durch einen übergreifenden Handlungsbogen (Harry Potter muss versuchen, die Rückkehr von Lord Voldemort zu verhindern) zu einer in sich geschlossenen Saga verknüpft.

Das merkt man auch den einzelnen Bänden an, denn obwohl Harry und seine Freunde in jedem der ersten sechs Bände einen wichtigen Teilsieg davontragen, ist dennoch stets klar, dass sie zwar eine Schlacht, aber noch nicht den kompletten Krieg gewonnen haben.

Genauso verteilt sich auch das Wachstum von Harry Potter vom verschüchterten Jungen, der bei seinen Muggel-Verwandten in einem kleinen Verschlag unter der Treppe hausen muss, zum mächtigen und entschlossenen Zauberer, der sich seinem Schicksal stellt, um den dunklen Lord im Kampf Mann gegen Mann ein für allemal zu besiegen, auf sieben Bände.

Trotz der geschickt gewählten Struktur (je Band ein Schuljahr) handelt es sich bei Harry Potter um eine durchgängige Handlung. Bereits im ersten Band ist klar, dass es erst im letzten Band der Serie zur alles entscheidenden letzten Konfrontation zwischen Harry und Lord Voldemort kommen wird.

Die Sache sieht jedoch schon anders aus, wenn es sich um eine Serie weitgehend voneinander unabhängiger Einzelbände handelt, von denen jeder eine in sich abgeschlossene Handlung hat: Der Protagonist gerät in ein Abenteuer, übersteht verschiedene Gefahren und schafft es am Ende, sein Ziel zu erreichen.

Viele Serien unterschiedlicher Genres basieren auf diesem Modell. Nicht nur die ganzen Krimi- und Thrillerserien von Miss Marple über Alex Cross bis hin zu James Bond, sondern auch beispielsweise die zahllosen Fantasy-Abenteuer rund um Conan, den Barbaren, und andere Seriencharaktere.

Schon aufgrund der Natur einer solchen Serie haben wir hier jeweils einen statischen Protagonisten, der sich im Laufe der Serie nicht (oder kaum) weiterentwickelt. Das Problem ist dasselbe wie bei den Superhelden-Comicserien: Nach einer ersten „Genesis“-Geschichte, in der der Protagonist vom Normalsterblichen zum Superhelden mutiert und seine neu erlangten Fähigkeiten sogleich im Kampf gegen einen gefährlichen Gegner erproben muss, bleiben die Fähigkeiten des Superhelden im Laufe der Serie meist konstant. Denn schließlich wäre es nach den ersten paar Bänden kaum noch möglich, den Helden im Kampf gegen immer mächtigere Gegner immer weiter wachsen und stärker werden zu lassen, ohne ihm irgendwann geradezu gottgleiche Kräfte zu verleihen. Selbst wenn der Autor das versuchen würde, könnte sich schon bald kein Leser mehr mit dem Helden identifizieren. Denn beim Lesen identifizieren wir uns nicht mit den Stärken des Protagonisten, sondern in erster Linie mit seinen Schwächen.

Ein statischer Protagonist hat feste Stärken, aber auch feste Schwächen, die er im Laufe der Serie niemals überwinden wird und die für den Leser fest zur Persönlichkeit des Helden dazu gehören. Denken Sie nur an Indiana Jones und seine Angst vor Schlangen.

Solche statischen Helden sind für den Leser eine Konstante. Er weiß, was ihn erwartet – wie bei einem guten Essen, das nur jedes Mal vom Küchenchef etwas anders angerichtet wird. Wir kennen die Zutaten des Rezepts und wissen daher schon, dass es uns schmecken wird.

Wir wissen, dass wir es beim nächsten Bond-Film vermutlich wieder mit einem größenwahnsinnigen Schurken, schönen Frauen, exotischen Handlungsorten und einem souveränen James Bond zu tun bekommen, der sich nicht zuletzt auch auf die technischen Gimmicks aus dem Labor von Q verlassen kann.

Doch dieses Gefühl, zu wissen, was einen erwartet, kann auch zum Nachteil werden. Genau wie Formel-1-Rennen langweilig wurden, als Michael Schumacher nahezu jedes Rennen gewann, und Boxkämpfe ihre Spannung verloren, seit kaum noch ein Gegner sich auch nur über die volle Distanz gegen Klitschko auf den Beinen halten kann, wird es irgendwann langweilig, einen Serien-Veteranen wie Bond oder Conan bei seinem nächsten Abenteuer zu begleiten. Wir wissen, dass unser Held überlebt und am Ende gewinnen wird – egal, wie aussichtslos die Situation auch erscheinen mag. Und wir wissen, dass sich seine Situation durch die Ereignisse des Romans nicht maßgeblich verändern wird, da ähnlich wie bei einer nahtlosen Textur das Ende des aktuellen Bandes stets einen nahtlosen Übergang zum Start des nächsten Buchs bilden muss.

Vielleicht kennen Sie auch noch diese Legespiele für Kinder, bei denen man Bildkarten in beliebiger Reihenfolge legen kann, da die Landschaft im Hintergrund links und rechts immer in derselben Höhe endet. Genau daran erinnern mich manchmal solche episodenhaften Serien: Meist spielt es keine große Rolle, in welcher Reihenfolge man sich die einzelnen Bände zu Gemüte führt. Nicht nur ist jede Handlung in sich abgeschlossen und hat keinen Einfluss auf die nachfolgenden Bände, sondern auch Querverweise zwischen den einzelnen Bänden sind kaum oder gar nicht vorhanden.

Spätestens nach den ersten paar Bänden wird es daher für den Autor auch immer schwieriger, Ideen für weitere Fortsetzungen zu finden, die den Leser immer noch bei der Stange halten können.

Viele Autoren versuchen, dieses Problem durch eine inflationäre Steigerung der Feinde und Hindernisse zu kompensieren. Es steht immer mehr auf dem Spiel – jetzt nicht mehr nur das Leben des Helden oder seiner Familie, sondern das Schicksal einer ganzen Großstadt, eines Landes oder gar der gesamten Menschheit. Die Feinde werden immer größer und mächtiger, die Hindernisse immer unüberwindlicher und die Handlung zugleich immer unrealistischer.

Doch irgendwann ist auch hier das Ende der Fahnenstange erreicht. „Das Schicksal der gesamten Menschheit steht auf dem Spiel!“ ist kaum noch zu toppen – und spätestens wenn der Held zum wiederholten Male zur falschen Zeit am richtigen Ort ist, um im Alleingang die Menschheit zu retten, fällt es auch dem geduldigsten Leser schwer, seinen Unglauben über Bord zu werfen und einfach die adrenalingeladene Action zu genießen.

Ein gutes Beispiel hierfür sind die Romane des australischen Schriftstellers Matthew Reilly. Die bislang fünf Bände (wenn man den Kurzroman „Hell Island“ mitrechnet) seiner Scarecrow-Reihe sind wahre Actiongewitter. Von Band zu Band legt Reilly immer noch eine Schippe Dynamit zu und bei jedem Band fragt man sich als Leser, ob Reilly diese Achterbahnfahrt überhaupt noch toppen kann.

Vermutlich fragt auch Reilly sich das mittlerweile selbst – nicht umsonst versucht er, parallel dazu mit den etwas weniger actionlastigen Captain-Jack-West-Romanen ein zweites Standbein aufzubauen.

Doch wie kann man als Autor diese Spirale stoppen, die auf Dauer nur dazu führen kann, dass man die stetig steigenden Erwartungen seiner Leser nicht mehr erfüllen kann und mit jedem neuen Band zwangsläufig einen Teil seiner treuen Leser verliert?

Eine Möglichkeit besteht natürlich darin, immer nur Einzelromane zu schreiben. Jedesmal ein anderer Protagonist, ein anderes Setting und ein anderer Konflikt, der innerhalb dieses einen Buchs zu einem für den Leser befriedigenden Ende gebracht wird.

Doch damit verschenkt man das Potential einer Serie, die Leser der ersten Bände dazu bringen kann, sich auch noch die Folgebände zu holen, um zu erfahren, wie es weiter geht. Ganz zu schweigen davon, dass die Planung aufwändiger wird, da man nicht mehr auf das Setting bzw. Worldbuilding der bisherigen Bände aufbauen kann, sondern jedes Mal wieder von null startet.

Eine recht elegante Lösung für dieses Dilemma kann darin bestehen, eine Serie mit wechselnden Protagonisten zu planen. Hier ist die Konstante der Serie nicht der Protagonist, sondern das Setting bzw. die alles umspannende Rahmenhandlung.

Stellen Sie sich eine Romanserie vor, die sich während eines jahrzehntelangen Krieges zwischen zwei mächtigen Nationen abspielt. Eine solche Rahmenhandlung bietet Platz für Dutzende von Romanen mit den unterschiedlichsten Protagonisten: Soldaten, Spione, Diplomaten und ganz normale Menschen, deren Leben durch den Krieg ins Chaos gestürzt wurde.

Der Kniff ist, diese Geschichten nicht wie bei einem Mammut-Epos wie George R.R. Martins „Lied von Eis und Feuer“ zu miteinander verflochtenen Handlungssträngen innerhalb eines gewaltigen, mehrbändigen Epos zu machen, sondern in jedem Band eine komplette Geschichte zu erzählen, die den Verlauf des Krieges (also der Rahmenhandlung) verändert.

Es wäre dennoch ein Fehler, die Handlungen der einzelnen Bände völlig voneinander zu trennen. Vielen Lesern dürfte es schwer fallen, sich für einen neuen Roman zu erwärmen, der außer der Rahmenhandlung nichts mehr mit der gerade zu Ende gelesenen Geschichte zu tun hat.

Führen Sie stattdessen in jedem Band den Protagonisten des nächsten Bands bereits als Nebenfigur ein, die im Laufe der Handlung immer mehr an Bedeutung gewinnt und am Ende vielleicht sogar maßgeblich dazu beiträgt, dass Ihr „aktueller“ Protagonist sein Ziel erreicht.

Machen Sie diese Figur geheimnisvoll und interessant. Deuten Sie an, was für ein Potential die Figur hat und welche offenen Rechnungen es in ihrem Leben noch gibt. Wenn Sie dann ein weiteres Abenteuer aus Ihrer Serie mit diesem neuen Protagonisten ankündigen, werden wesentlich mehr Leser bereit sein, auch dem neuen Helden auf seinem Weg zu folgen.

Natürlich müssen Sie Ihren bisherigen Protagonisten nicht nach einem Band „entsorgen“ – aber Sie haben die absolute Freiheit. Ihr Protagonist kann am Ende des Romans sein persönliches Ziel erreichen und „glücklich bis ans Ende seiner Tage“ weiterleben, während der Leser seinem bisherigen Verbündeten zu neuen Ufern folgt – aber er kann auch sterben, indem er sich beispielsweise heldenhaft für das Überleben der Seinen opfert. Solange er am Ende die Fackel an den neuen Protagonisten weitergibt, der den Kampf nach seinem Tod weiterführen wird, werden die meisten Leser ein solches Ende akzeptieren.

Denken Sie beispielsweise an den Klassiker „Einer flog übers Kuckucksnest“: Zwar stirbt Murphy am Ende, doch der „Indianer“ schafft es, aus der Anstalt zu fliehen.

Natürlich können Sie Ihren Protagonisten auch zurückkehren lassen – entweder ein paar Bände später mit einem neuen Abenteuer oder als „Gaststar“ / Helfer in einer anderen Geschichte. Beides wird die Leser der früheren Bände freuen.

Denken Sie beispielsweise an die Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett: Auch hier gibt es Charaktere, die in unterschiedlichen Bänden wiederkehren – mal als Hauptcharakter, mal als Nebenfigur.

Ein positiver Nebeneffekt dieser Serienstruktur ist, dass Sie in den ersten Kapiteln eines neuen Bandes nicht so viel Vorgeschichte einflechten müssen, wie dies bei einer direkten Fortsetzung der Fall wäre, um neu hinzugekommene Leser „auf Stand zu bringen“. Kein langatmiges „Was bisher geschah“, sondern ein frischer Einstieg in ein neues Abenteuer, der auch neuen Lesern den Einstieg in die Serie erleichtert.

Während ein „Was bisher geschah“-Prolog neuen Lesern so viel Informationen über die Handlung der bisherigen Bände liefert, dass sie nur noch einen geringen Anreiz haben, sich diese auch noch zu holen, ist hier das Gegenteil der Fall. Neue und alte Leser starten quasi auf Augenhöhe in das neue Abenteuer – lediglich die Wirkung der Querverweise, die Sie gekonnt in die Handlung einstreuen, ist eine andere. Während der erfahrene Leser, der auch alle früheren Bände der Serie kennt, wissend nickt und sich an das damalige Abenteuer erinnert, wird der neu eingestiegene Leser neugierig gemacht. Das ist der richtige Platz für Fußnoten, mit denen Sie den Querverweis zu dem Band liefern, auf den sich die ansonsten rätselhafte Bemerkung bezieht. Mit etwas Glück macht dies den Neuleser so neugierig, dass er sich auch noch diesen Band bestellt.

Sie sehen: Der Verzicht auf einen festen Protagonisten kann Ihre Romane nicht nur noch spannender und abwechslungsreicher machen, sondern hält auch Ihnen als Autor alle kreativen Möglichkeiten offen.

Probieren Sie es einfach einmal aus – und wenn es vorerst nur als Gedankenspiel ist. Vielleicht stellen Sie dabei ja fest, dass dies auch für Sie der goldene Mittelweg zwischen klassischer Serie und unabhängigen Einzelromanen ist.


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Alte Helden – eine Nische oder der bessere Ansatz?

Während man bei Kinder- und Jugendbüchern als Faustformel sagt, dass Ihr Protagonist so alt sein sollte wie die Obergrenze Ihrer Zielgruppe, sind Sie als Autor von „Erwachsenenliteratur“ wesentlich freier in Ihrer Entscheidung.

Die meisten Schriftsteller entscheiden sich ganz traditionell für junge, attraktive Protagonisten. Je nach Genre kann das auch durchaus sinnvoll sein: Chicklit mit einer 60jährigen Protagonistin wäre zwar mal etwas ganz anderes, dürfte aber den größten Teil der Zielgruppe nicht ansprechen.

Doch andere Genres, egal ob Krimi, Thriller, Fantasy, Horror oder Science-Fiction, bieten durchaus auch Platz für ältere Helden. Und damit meine ich nicht nur betuliche ältere Damen wie Miss Marple oder Jessica Fletcher aus der Krimiserie „Mord ist ihr Hobby“.

Alt bedeutet nicht zwangsläufig tatterig, langsam und nachlassende Leistungsfähigkeit. Was das Altern aus einem Menschen macht, hängt – abgesehen von eventuellen Krankheiten, die wir uns nicht durch unsere Ernährung oder unseren Lebensstil zugezogen haben – größtenteils von einem selbst ab – und zwar sowohl geistig als auch körperlich.

Graue Wölfe

In den USA wurde vor einigen Jahren ein Experiment durchgeführt, bei dem untrainierte Männer und Frauen von über 60 Jahren (die allerdings keine Krankheiten wie Krebs oder Herzprobleme hatten) unter professioneller Anleitung mit einem systematischen Krafttraining begannen. Innerhalb von 24 Monaten waren diese Rentner stärker, agiler und beweglicher als die meisten 20-30-jährigen.

Ein gutes Beispiel dafür, dass die Leistungsfähigkeit unseres Körpers im Alter nicht zwangsläufig rapide nachlässt, ist der mittlerweile über 70jährige Bodybuilder Sam „Sonny“ Bryant Jr. (Bilder). Schauen Sie sich einfach mal diesen durchtrainierten, gestählten Körper an. Ist das die Vorstellung, die Sie vor Ihrem geistigen Auge haben, wenn Sie an einen 70jährigen Mann denken?

Beispiele wie das von Sonny Bryant zeigen uns, dass man durchaus einen alten, aber toughen Helden für seinen Roman erschaffen kann, ohne dadurch gleich unrealistisch zu werden. Natürlich setzt eine derartige Fitness einen gewissen Lebensstil voraus, den der Autor glaubwürdig durch die Persönlichkeit oder den (ggf. früheren) Beruf seines Protagonisten begründen sollte.

Ein ehemaliger Elite-Soldat, Agent oder Personenschützer wird im Ruhestand nicht seinen ganzen Lebensstil ändern und aus der Form geraten, nachdem hartes körperliches Training jahrzehntelang zu seinen festen täglichen Gewohnheiten gehörte. Er wird zwar graue Haare, Falten und vielleicht das eine oder andere altersbedingte Handicap wie beginnende Arthrose bekommen, aber er ist immer noch ein harter Hund, der den meisten jüngeren Kontrahenten deutlich überlegen ist.

Das liegt weniger an seiner Fitness (ein Punkt, in dem er mit einem jüngeren Rivalen bestenfalls gleichziehen kann) als vielmehr an seiner langjährigen Erfahrung. Jüngere Menschen sind oft leidenschaftlicher und ambitionierter. Sie sind ehrgeizig und haben Ziele, die sie erreichen wollen und Ideale, denen sie folgen. Ältere Protagonisten hingegen sind oft abgeklärter und gelassener, manchmal sogar desillusioniert bis hin zum Zynismus. Die Ziele, die sie in ihrer Jugend so leidenschaftlich verfolgt hatten, haben sie mittlerweile entweder längst erreicht oder aber als nicht lohnend verworfen. Sie stehen nicht mehr im Hamsterrad oder kraxeln hektisch auf der Karriereleiter, sondern betrachten das Treiben der Jüngeren mit einem gewissen Abstand vom Rand aus – wobei sie sich immer noch die Option offen halten, selbst noch einmal aktiv ins Geschehen einzugreifen.

Ältere Protagonisten sind erfahrener und routinierter und oft pragmatischer. Wie heißt es so schön: Mit zunehmendem Alter werden wir immer mehr zu dem, was wir eigentlich sind. Während ein junger Protagonist sich vielleicht noch auf eine falsche Fährte locken lässt, wird ein älterer, erfahrener Protagonist den Braten nicht nur riechen, sondern sich vielleicht sogar einen Spaß daraus machen, den Feind in seine eigene Falle tappen zu lassen.

Auch ihre Erinnerungen sind oft Gold wert. Sie erinnern sich an Ereignisse, die vor der Zeit ihrer jüngeren Konkurrenten lagen, aber immer noch für die aktuellen Geschehnisse von Bedeutung sind. Zudem sind sie oft weniger abhängig von moderner Technik. Sie verlassen sich nicht auf ihr Smartphone und darauf, dass sie immer und überall eine Internet-Verbindung haben.

Ihr Ass im Ärmel: Ältere Protagonisten werden leicht unterschätzt – ein Vorteil für Ihre Romanhandlung, den Sie ausspielen können. Wenn Sie früh genug ganz dezent andeuten, dass Ihr Protagonist früher ein harter Hund war, wird es der Leser nicht als unglaubwürdig empfinden, wenn der grauhaarige ältere Mann beispielsweise mit der Effizienz einer immer noch gut geölten Maschine ein paar aggressive Straßenschläger außer Gefecht setzt oder in die Flucht schlägt.

Hier fällt mir spontan der damals 67jährige, weißbärtige Vietnam-Veteran Thomas Bruso ein. Dieser wurde durch einen Vorfall bekannt, bei dem er in einem Bus mit einem wesentlich jüngeren Afro-Amerikaner in Streit geriet und schließlich von diesem tätlich angegriffen wurde. Bruso konterte den Angriff mit ein paar schnellen Schlägen, bis der Angreifer aufgab und um Gnade flehte. Der Vorfall, der von einem anderen Fahrgast mit dem Handy gefilmt und bei YouTube hochgeladen wurde, machte Bruso rasch als „Epic Beard Man“ bekannt – und lieferte zugleich die Grundlage für die später von Danny Trejo gespielte Figur Frank Vega im Film „Bad Ass“.

Unabhängigkeit und Risikobereitschaft

Ein weiterer Vorteil von älteren Protagonisten ist ihre Unabhängigkeit. Während jüngere Protagonisten Tag für Tag ihrem Brotjob nachgehen müssen und daher nicht mal eben einer mysteriösen Spur quer durch Europa folgen können, genießen ältere Protagonisten bereits ihre Rente oder Pension. Wenn sie während ihres Berufslebens etwas auf die hohe Kante gelegt haben, sind sie wesentlich bessere Kandidaten dafür, sich auf ein mysteriöses Abenteuer einzulassen und kurzentschlossen am Flughafen ein Ticket ins Unbekannte zu buchen.

Während jüngere Leute ihren Job riskieren würden, wenn sie auch nur ein paar Tage unentschuldigt der Arbeit fern bleiben, kann ein Rentner/Pensionär sich kurzentschlossen in den Wagen setzen und losfahren, ohne sich bei einem Arbeitgeber abmelden zu müssen.

Das macht es auch für den Autor einfacher. Je nach Handlung lässt sich die Dramatik nur schwer damit vereinen, dass der Protagonist jeden Morgen erst mal für 8-10 Stunden zur Arbeit fahren muss. Nicht umsonst wählen so viele Schriftsteller und Drehbuchautoren als Protagonisten gerne erfolgreiche Schriftsteller (eine beliebte Form der Wunscherfüllung im eigenen Manuskript… ;-)), da diese keiner festen Arbeit nachgehen müssen. Doch während erfolgreiche und wohlhabende Vollzeit-Schriftsteller, die sich zwischen dem Schreiben von Bestsellern in spannende Abenteuer stürzen, nicht gerade realistisch sind, finden sich unter den älteren Semestern wesentlich glaubwürdigere Kandidaten.

Auch in Hinsicht auf ihre Ziele sind die „Alten“ anders als jüngere Menschen. Sie können es sich leisten, etwas für andere zu tun und ihnen zu helfen – und sie können eher alles auf eine Karte setzen und sogar Risiken eingehen, vor denen jüngere Menschen aus gutem Grund zurückscheuen würden.

Ein junger Mann mit Familie und kleinen Kindern wird sich allein schon aus Angst um seine Familie hüten, sich mit der Mafia anzulegen. Ein alter Mann, dessen Kinder weit weg wohnen und der selbst geschieden oder verwitwet ist, kann eher das Risiko eines persönlichen Kreuzzugs eingehen. Selbst wenn er es nicht überlebt oder sich womöglich am Ende wegen Selbstjustiz vor Gericht verantworten muss, riskiert er nur noch ein paar Jahre und nicht mehr den größten Teil seines Lebens, wie dies bei einem jüngeren Protagonisten der Fall wäre.

Schwimmen Sie gegen den Strom…

Ein weiterer Vorteil für Sie als AutorIn ist, dass Sie sich mit einem älteren Protagonisten von der Masse absetzen. Nicht nur ältere Leser freuen sich, wenn sie mal nicht den üblichen jungen Schönling vorgesetzt bekommen, sondern einen smarten Helden in ihrem Alter. Auch jüngere Leser sind gerne bereit, sich auf die Abenteuer eines älteren Protagonisten einzulassen, der nicht den üblichen Klischees entspricht. Denken Sie nur an den Überraschungserfolg von „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

Sie brauchen sich auch keine Gedanken zu machen, dass Sie durch die Entscheidung für einen älteren Protagonisten die Anzahl möglicher Fortsetzungen Ihres Romans begrenzen. Es gibt genug Romanserien, in denen die Protagonisten scheinbar niemals altern, sondern in jedem Band dasselbe, meist nur recht vage angegeben Alter zu haben scheinen.

Ganz abgesehen davon hängt die Anzahl der Geschichten, die Sie rund um ein und denselben Protagonisten erzählen können, in erster Linie von der Figur selbst und ihrer Rolle ab. Ein Durchschnittsmensch, egal ob jung oder alt, wird vermutlich im Laufe seines Lebens höchstens ein großes, romanwürdiges Abenteuer erleben. Solange dieses Abenteuer ihn nicht so verändert, dass er nun aktiv neue Abenteuer sucht, wird jede neue Fortsetzung unrealistischer.

Hat Ihr Protagonist hingegen ohnehin das Zeug zum Serienhelden, kann er ruhig etwas älter sein. Denken Sie nur an die 80er-Jahre-Serie „Der Equalizer: Der Schutzengel von New York“, die erst kürzlich als Vorlage für den Equalizer-Film mit Denzel Washington diente: Insgesamt gibt es 88 Abenteuer rund um den Ex-CIA-Agenten und seinen Kampf gegen das Verbrechen und für die Gerechtigkeit. Potential hängt eben nicht in erster Linie vom Alter ab… ;-)


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Schreibstil und Wortschatz im Alltag verbessern

Es gibt eine Handvoll Punkte, an denen man als Schriftsteller permanent arbeiten sollte, um stetig zu wachsen und immer besser zu werden.

Einer dieser Punkte ist der eigene Wortschatz und die Fähigkeit, sich klar und abwechslungsreich auszudrücken. Das gilt für Romanschriftsteller mindestens ebenso sehr wie für Sachbuchautoren.

Als Romanschriftsteller kann man diese Fähigkeit nicht nur beim eigentlichen Schreiben üben, sondern auch im Alltag – und das ganz ohne zusätzliche Zeit investieren zu müssen.

Das mag auf den ersten Blick unrealistisch klingen, doch die Lösung ist verblüffend einfach. So einfach, dass kaum jemand darauf kommt.

Es geht darum, wie man ungenutzte Pausen und langweilige Momente nutzt. Natürlich kann man diese Zeiten nutzen, um beispielsweise über offene Fragen rund um die eigene Romanhandlung nachzudenken oder die nächste Szene im Kopfkino ablaufen zu lassen, um diese am nächsten Morgen besser und flüssiger schreiben zu können.

All das ist gut, richtig und empfehlenswert – aber offen gestanden hat man auch dazu nicht immer Lust. Manchmal fällt einem partout nichts ein, über das man nachdenken müsste – und wenn man beispielsweise zurzeit an der Revision eines Manuskripts arbeitet, hat das Kopfkino für neue Szenen ohnehin Sendepause.

Nutzen Sie diese ansonsten ungenutzten Zeiten daher, um alles, was Sie sehen, hören, riechen, fühlen und empfinden, gedanklich zu formulieren.

Sagen wir, Sie gehen durch die Fußgängerzone Ihrer Stadt, weil Sie etwas abholen müssen. Beschreiben Sie gedanklich, was Sie sehen, hören und riechen – und zwar so, wie Sie es auf den Seiten eines Romans beschreiben würden.

Beschreiben Sie die Bewegungen der Tauben, die sich in der Nähe des Imbissstands um Brötchenkrümel und runtergefallene Pommes Frites streiten.

Beschreiben Sie die ältere Dame, die mit ihrem Mann neben Ihnen an der Fußgängerampel steht. So, wie Sie sie in einem Roman beschreiben würde, um mit wenigen, aussagekräftigen Attributen die Figur vor dem geistigen Auge Ihrer Leser zum Leben zu erwecken.

Wählen Sie drei besonders charakteristische Eigenschaften bzw. Details, anhand derer ein Fremder diese Frau unter hundert anderen Passanten eindeutig erkennen würde.

Bleiben Sie nicht allgemein, sondern werden Sie spezifisch. Wenn sie eine auffällige Bluse anhat – wie würden Sie das Muster und/oder die Farbe ihrer Bluse kurz und knapp beschreiben?

Diese Übung mag auf den ersten Blick banal erscheinen, doch das ist sie keinesfalls. Wenn Sie es in der Praxis ausprobieren, werden Sie sehr schnell merken, wie oft Sie an Ihre Grenzen stoßen und länger über eine passende Formulierung nachgrübeln müssen, als Sie dafür Zeit haben. Die Fußgängerampel wird grün, alle strömen hastig über die Straße – und Sie überlegen immer noch, wie man diesen Farbton nennt oder wie man jene Frisur beschreiben könnte.

Das ist eine frustrierende Sache – aber nur zu Beginn. Es ist wie bei allem, mit dem man neu beginnt: anfangs ist man derartig schlecht, dass es einen selbst ärgert und einem absolut keinen Spaß macht. Doch das sollte einen keinesfalls dazu verleiten, vorschnell aufzugeben.

Das bildliche Beschreiben einer Szene mit allen Sinnen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die man als Schriftsteller lernen kann. Nicht umsonst ist „Show, don’t tell!“ (Also „Zeige, statt zu erzählen“) die wohl bekannteste Schreibregel.

Je öfter und intensiver Sie diese Fähigkeit im Alltag trainieren, desto schneller werden Sie im Laufe der Zeit beim eigentlichen Schreiben.

Dafür gibt es gleich zwei Gründe.

Zunächst mal entwickeln Sie durch diese neue Angewohnheit rasch einen Blick für Details, die Ihnen ansonsten entgangen wären. Sie werden zum besseren und aufmerksameren Beobachter, der Details, Geräusche und Gerüche wie ein Schwamm in sich aufsaugt. Sie leben intensiver und bewusster als bisher. Allein das ist schon ein unschätzbarer Gewinn.

Der zweite, ebenso wichtige Grund ist, dass Sie Ihren aktiven Wortschatz ausbauen und trainieren. Sie lernen, speziellere und aussagekräftigere Wörter statt allgemeiner Oberbegriffe zu verwenden und so lebendiger zu schreiben.

Und Sie merken dabei sehr schnell, wo Sie noch Schwächen und Defizite haben. Es ist ein verbreiteter Scherz, dass Männer nur wenige Farben unterscheiden: etwas ist grün, blau, rot oder gelb – vielleicht noch dunkelgrün, metallicrot oder hellblau.

Doch die Farbvielfalt ist viel größer – und hier merken wir den Unterschied zwischen passivem und aktivem Wortschatz besonders stark. Wir können uns recht genau vorstellen, was jemand mit Farbnuancen wie taubenblau, magenta oder cyan meint – aber wir verwenden diese Begriffe selbst nicht oder zumindest so selten, dass sie uns nicht automatisch in den Sinn kommen.

Eine gute Übung hierfür ist, sich einen RAL-Farbenfächer zu besorgen und gezielt zu üben, die Farben auswendig zu lernen und korrekt zu benennen. Wichtig ist, dass dieser nicht nur die RAL-Nummern, sondern auch die Namen der Farbtöne enthält – schließlich wollen Sie in einem Roman nicht schreiben, dass der Himmel kurz vor dem Einbruch des Unwetters in RAL 1016 leuchtete, sondern eher, dass er schwefelgelb war. ;-)

Auch eine Online-Tabelle wie http://www.ral-farben.de/inhalt/anwendung-hilfe/alle-ral-farbnamen/uebersicht-ral-classic-farben.html kann Ihnen helfen, die wichtigsten Farben auswendig zu lernen.

Natürlich eignen sich nicht alle Farbbezeichnungen dafür, beim kreativen Schreiben verwendet zu werden. Kaum jemand außer einem Grafiker oder Farbspezialisten wird beispielsweise etwas als „hellrotorange“, „perlorange“ oder „verkehrsblau“ bezeichnen, doch Farbtöne wie „saphirblau“, „karminrot“ oder „kastanienbraun“ kann man gut verwenden.

Ganz abgesehen davon können Sie gerade bei Farben äußerst kreativ werden und Farben eigene, sprechende Namen verpassen. Auch wenn Sie diese Farbbezeichnungen wohl nie in einer offiziellen Farbtabelle finden werden, kann sich doch fast jeder etwas unter Farbbezeichnungen wie „eitergelb“, „madenweiß“ oder „nazibraun“ vorstellen. ;-)

Ein Farbfächer, den Sie in der Jackentasche dabei haben können, hat noch einen weiteren Vorteil: Sie können Dinge, die Sie unterwegs sehen, mit dem RAL-Farbfächer identifizieren und so trainieren, wie man eine bestimmte Farbe nennt. Und wenn Sie eine bessere, aber aussagekräftigere Bezeichnung für eine bestimmte Farbe gefunden haben, können Sie diese auf der Rückseite der jeweiligen Farbkarte notieren, bis der Farbfächer so nach und nach zu Ihrem persönlichen Farb-Thesaurus wird.

Egal, ob Sie den Vorschlag mit dem Farbfächer verwenden oder sich darauf beschränken, einfach nur das Formulieren Ihrer Alltags-Beobachtungen als ‚gedankliche Erzählung‘ zu üben – lassen Sie sich auf eine 14-Tage-Herausforderung ein. Wenn Sie dieses ‚Spielchen‘ zwei Wochen lang durchhalten und täglich zumindest ein paar Minuten lang üben, werden Sie gegen Ende der zwei Wochen bereits feststellen, dass es Ihnen immer leichter fällt, die passenden Formulierungen und Beschreibungen aus dem Ärmel zu schütteln.

Auch beim Schreiben der Rohfassung Ihrer nächsten Geschichten werden Sie merken, dass Sie nicht nur schneller werden, sondern auch, dass die Qualität Ihrer Rohfassung noch besser als bisher wird. Da Sie nun die Szenen, die Sie vorher in Ihrem Kopfkino durchgespielt haben, mit noch mehr lebendigen Details zu Papier bringen können, reduziert sich zugleich der Aufwand für die spätere Überarbeitung der Texte. Und da diese Übung Sie wie gesagt unterm Strich keine zusätzliche Zeit kostet – was haben Sie zu verlieren? ;-)


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Warum Improvisation beim Schreiben gute Planung erfordert

Immer wieder flammt zwischen Schriftstellern die ewige Diskussion auf, ob nun das Vorplanen oder das Drauflosschreiben der bessere Ansatz ist, um einen guten Roman zu produzieren. Während manche etablierten Bestsellerautoren wie Stephen King oder Lee Child darauf beharren, dass sie niemals einen ihrer Romane vorplanen, stehen auf der anderen Seite hunderte ebenfalls erfolgreicher Autoren, die niemals einen Roman ohne eine ausreichend detaillierte Vorplanung beginnen würden.

Gerade unerfahrenen Autoren erscheint dieser Disput ziemlich paradox: Zwei Gruppen, die auf scheinbar völlig gegensätzliche Ansätze schwören und dennoch beide mit ihren Methoden erfolgreich sind.

Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Grauzone zwischen den Extremen. Das kann man besonders gut am Beispiel des Worldbuildings sehen.

Nehmen wir beispielsweise an, Sie wollen einen Fantasy-Roman schreiben. Reine Improvisation wird Sie hier nicht ans Ziel bringen. Wenn Sie Ihre Fantasy-Welt erst nach und nach während des Schreibens aufbauen, sind Inkonsistenzen und Widersprüche vorprogrammiert.

Dazu zählen beispielsweise Dinge, die Sie gegen Ende des Romans als neue Idee einbringen, die aber bei genauer Betrachtung bereits auf den Beginn der Handlung so großen Einfluss gehabt hätten, dass eigentlich die ganze Geschichte völlig anders hätte verlaufen müssen. So etwas bei der Überarbeitung des Romans im Nachhinein glattzuziehen ist eine wahre Sisyphusarbeit, die einem den Spaß am eigenen Roman gründlich austreiben kann.

Wenn Sie also beim Schreiben Ihres Romans improvisieren wollen und Ihre Charaktere die Handlung bestimmen lassen wollen, müssen Sie die Welt schon verdammt gut kennen, in der Sie Ihre Romanfiguren von der Leine lassen wollen. So steckte auch Tolkien zunächst einige Jahre in die Konstruktion der Welt von Mittelerde, bevor er den Hobbit und die Herr-der-Ringe-Trilogie schrieb.

Wenn Sie seit etlichen Jahren in Berlin leben und die Stadt wie Ihre Westentasche kennen, könnten Sie vermutlich einen Roman improvisieren, der in Berlin spielt. Sie wissen, wie Ihr Protagonist am besten vom Flughafen Berlin-Tegel in die Innenstadt kommt oder in welchem China-Restaurant er die geheimnisvolle Unbekannte vom Flughafen wieder treffen könnte.

In diesem Fall sind es Ihre Kenntnisse über den Handlungsort, die Ihnen neue Ideen für die Handlung eingeben. Für einen Roman, der in Ihrer langjährigen Heimat spielt, ist das schön und gut. Aber wenn Ihr Roman in einer fiktiven, fremdartigen Welt spielt, die gerade erst in Ihrem Kopf zu entstehen beginnt, tasten Sie sich hier halbblind durch dichten Nebel – und da gibt es mehr Fallgruben und Stolpersteine, als gut für Sie und Ihren Roman ist.

Sie können also erst einmal ein paar Wochen oder Monate investieren, um eine komplexe, realistisch anmutende Fantasy-Welt mit unterschiedlichen Rassen, Religionen, Sprachen et cetera zu erschaffen. Erst dann, wenn Sie selbst Ihre fiktionale Welt so gut kennen wie Ihre Westentasche, können Sie damit beginnen, in dieser Welt improvisierte und trotzdem schlüssige Romane zu schreiben.

Dieser Ansatz ist gut, wenn Sie vorhaben, in Ihrer fiktiven Welt mehrere Romane oder gar eine ganze Serie anzusiedeln. Doch wenn Sie nur einen einzelnen Roman in dieser Welt schreiben wollen, werden Sie einen großen Teil der Welt, die Sie über Wochen und Monate mühevoll konstruiert haben, niemals verwenden können.

Wenn Sie umgekehrt die Handlung Ihres Romans zuerst planen, reduziert sich der Zeitaufwand für das Worldbuilding extrem. Dann genügt es, die Welt in groben Zügen zu skizzieren und lediglich die Teile und Aspekte genauer ausarbeiten, die Sie für Ihre aktuelle Romanhandlung wirklich brauchen.

Unterm Strich sparen Sie daher, so paradox das auch klingen mag, einiges an Zeit, wenn Sie Ihre Handlung zunächst in groben Zügen planen und sich dann beim Worldbuilding (oder der Recherche) auf die Aspekte konzentrieren, die wirklich für Ihre Romanhandlung von Bedeutung sind.

Wenn Sie beispielsweise bei einem Berlin-Krimi wissen, dass es Ihren Protagonisten niemals an den Flughafen verschlägt, müssen Sie keine Details hierüber recherchieren. Und wenn Sie wissen, dass die Handlung Ihres Fantasy-Romans ausschließlich im Gebirge und im bewaldeten Landesinneren spielt, brauchen Sie sich keine allzu großen Gedanken über die Küstenregionen oder die vorgelagerten Inseln zu machen.

Dass Sie Ihre Handlung grob vorplanen bedeutet natürlich noch lange nicht, dass Sie sich später auch an diesen anfänglichen Plan halten müssen. Da gibt es ein gutes Zitat von Winston Churchill: „Pläne sind unwichtig, aber die Planung ist unverzichtbar.“

Der Planungsprozess zeigt Ihnen, was wichtig ist und was nicht. Er zeigt Ihnen, worauf Sie hauptsächlich Ihr Augenmerk richten sollten. Er hindert Sie jedoch nicht daran, aus gutem Grund und nach gründlichem Abwägen doch noch umzudisponieren und den ursprünglichen Plan über den Haufen zu werfen: Wenn Sie also während des Schreibens Ihres Fantasy-Romans erkennen, dass sich die Handlung entgegen Ihrer ursprünglichen Planung doch in Richtung Küste verlagert, können Sie immer noch ans Reißbrett zurückkehren und auch noch die Küstenregion und den Weg dorthin ausarbeiten, damit Sie auch diese in Ihrem Roman glaubwürdig beschreiben können.


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In Medias Res: Warum Sie Ihren Protagonisten und Ihren Leser ins kalte Wasser werfen sollten

Als Schriftsteller hat man heutzutage nicht allzu viel Zeit, um in einem Roman den Haken auszuwerfen und den Leser „an Land zu ziehen“. Eine Seite, maximal. Eher weniger.

Wenn ein Leser, der in das Buch hinein blättert und testweise die ersten Absätze liest, nicht spätestens bis zum Ende der ersten Seite am Haken hängt und neugierig ist, wie es weiter geht, ist die Wahrscheinlichkeit recht gering, dass er weiter liest oder gar das Buch kauft.

Das sind schlechte Karten, denn schließlich teilt die klassische Romanstruktur die Handlung eines Romans ja in drei Akte auf: Einleitung, Mittelteil und Ende, wobei der Mittelteil üblicherweise so lang wie Einleitung und Ende zusammen ist.

Auch für den ersten Akt (also das erste Viertel des Romans) gibt es Empfehlungen: Zu Beginn führt man den Protagonisten in seinem bisherigen Alltag ein, der dann ungefähr in der Mitte des ersten Akts durch das „auslösende Ereignis“ aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Während des Rests des ersten Akts versucht der Protagonist, auf die geänderte Situation (auch bekannt als „das Problem“) zu reagieren, was ihn gegen Ende des ersten Akts an den „Punkt ohne Wiederkehr“ bringt – jene Stelle, an der es für ihn kein Zurück mehr gibt und an der er bereits bis zu den Hüften im Abenteuer steckt.

Die meisten Klassiker der Weltliteratur bauen auf diesem Schema auf und führen erst langsam den Protagonisten mit seiner Vorgeschichte ein, bevor sich am Horizont der zentrale Konflikt des Romans abzeichnet. Da gehen schnell mal 10.000 Wörter oder mehr ins Land, bevor es wirklich spannend wird.

Natürlich gibt es auch heute noch literarische Romane, deren Handlung einfach vor sich hin plätschert und die der Leser allein wegen ihres Stils, der Dialoge oder der ungewöhnlichen Charaktere liest, doch die meisten Leser wollen unterhalten werden. Sie wollen Spannung und Konflikt – wenn nicht gar handfeste Action.

Wenn man hier wie anno dazumal Charles Dickens mit einer langatmigen Vorgeschichte und einer akribischen Beschreibung der Lebensumstände aller wichtigen Personen beginnt, hat man die meisten potentiellen Leser schon lange verloren, bevor es wirklich spannend wird.

Das Gegenmittel ist im Prinzip ganz einfach: Starten Sie „in medias res“ – lateinisch für „mitten im Geschehen“. Im Klartext: Bereits die erste Szene Ihres Romans sollte Ihren Protagonisten mitten in einer spannenden oder sogar dramatischen Szene zeigen, die den Leser direkt in die Handlung hinein zieht.

Sie lassen Ihren Protagonisten also nicht langsam ins Wasser waten und sich behutsam akklimatisieren, sondern werfen ihn direkt ins kalte Wasser und setzen mit Ihrer ersten Szene dort an, wo die Wellen über ihm zusammen schlagen.

Bezogen auf die klassische Romanstruktur streichen Sie also die erste Hälfte des ersten Aktes komplett und beginnen entweder mit oder sogar kurz nach dem „auslösenden Ereignis“.

Dafür brauchen Sie allerdings ein wenig Fingerspitzengefühl. Wenn Sie das „mitten im Geschehen“ zu wörtlich nehmen und Ihre erste Szene beispielsweise mitten in einer Verfolgungsjagd oder während des Angriffs der Barbarenhorde auf das friedliche Dorf des Protagonisten beginnen, besteht die Gefahr, dass Sie Ihre Leser überrumpeln und überfordern.

Sie als Autor wissen natürlich genau, was gerade passiert und wer wer ist – doch Ihr Leser muss sich erst einmal einen Überblick über die Situation verschaffen und herauslesen, um wen es hier eigentlich geht und was auf dem Spiel steht.

Sie müssen also in diese spannende Szene immer noch so viele Hintergrundinformationen einfließen lassen, dass der Leser weiß, was Sache ist. Je rasanter und actionlastiger die Szene ist, desto schwieriger gestaltet sich das. Absätzelange Infodumps oder gar Rückblenden sind hier natürlich tabu.

Als Faustformel kann man sagen, dass Sie bei einem Einstieg „in medias res“ dem Leser genau so viele Informationen geben sollten, dass er die Szene verstehen kann – und kein bisschen mehr. Manche Dinge brauchen Sie nicht explizit zu erwähnen, da der Leser sie sich anhand der Bröckchen, die Sie ihm hinwerfen, zusammenreimen kann. Sie sollten allerdings achtgeben, dass das sich daraus ergebende Bild dennoch so eindeutig ist, dass der Leser die Puzzlestücke nicht völlig falsch interpretiert und sich eine ganz andere Handlung zusammenreimt.

Wenn beim Leser einige Fragen offen bleiben (die ihn aber nicht daran hindern, die Handlung weiter zu verfolgen), ist das sogar gut. Offene Fragen, Rätsel und Geheimnisse sorgen dafür, dass der Leser weiter liest. Schließlich will er nicht nur erfahren, wie es weiter geht, sondern er will auch Antworten auf seine offenen Fragen. Und die können Sie ihm nach und nach in mundgerechten Häppchen servieren – spätestens dann, wenn er diese Information braucht, um die aktuelle Szene oder die Handlungen und Entscheidungen der Charaktere zu verstehen.

Bei einem Romananfang „in medias res“ haben Sie hauptsächlich zwei Handicaps. Zunächst einmal besteht die Gefahr, dass sich der Leser ein paar Seiten braucht, um sich nach und nach zusammenzureimen, wer alles in der Szene vorkommt, in welcher Beziehung diese Charaktere zueinander stehen und worum es hier eigentlich geht.

Wenn der Einstieg zu unübersichtlich und verwirrend ist, nützt auch die spannendste und dramatischste Handlung nichts. Wenn der Leser nicht gespannt und neugierig, sondern völlig verwirrt ist, wird er kaum weiter lesen, sondern das Buch frustriert und genervt zur Seite legen. Und das ist natürlich das Letzte, was man als Autor will.

Doch selbst wenn Sie Ihre spannende und dramatische Einstiegsszene noch so gekonnt strukturieren, haben Sie immer noch ein weiteres Problem: Der Leser kennt Ihren Protagonisten noch nicht und tut sich daher naturgemäß eher schwer damit, bereits von der ersten Seite an mitzufiebern und ihm begeistert die Daumen zu drücken.

Diese Einführung des Protagonisten, die zu einer Identifikation des Lesers mit ihm führen soll, ist normalerweise die Aufgabe der ersten Hälfte des ersten Akts – und auf die müssen wir ja verzichten, wenn wir direkt „mitten im Geschehen“ beginnen wollen.

Was also tun, wenn Sie feststellen, dass Sie Ihre Leser mit einem zu rasanten Einstieg überfordern und sie damit schon auf den ersten Seiten zu verlieren drohen?

In diesem Fall schalten Sie einen Gang zurück – genauer gesagt, eine Szene. Beginnen Sie kurz vor dem Punkt, an dem es so richtig rasant und damit für Außenstehende unübersichtlich wird.

Statt mitten in der Verfolgungsjagd zwischen Polizei und Gangstern durch den dichten Großstadtverkehr zu beginnen, starten Sie mit den beiden Polizisten, die per Funkspruch zum Ort des Banküberfalls gerufen werden. Die Fahrt zum Bankgebäude gibt Ihnen genügend Gelegenheit, die beiden Polizisten genauer einzuführen und dem Leser zu zeigen, was für sie auf dem Spiel steht.

Optimal ist, wenn Sie den Protagonisten eine verhängnisvolle Entscheidung fällen lassen, die für den Leser glaubwürdig und unvermeidbar wirkt, aber die Handlung in ihrer späteren Form erst so richtig in Gang bringt.

Im Fall der beiden Polizisten, die zum Ort des Banküberfalls gerufen werden, könnte das so aussehen: Die Polizisten wissen, dass ihr Streifenwagen der einzige in der Nähe der Bank ist und dass sie wohl mehrere Minuten vor den anderen Wagen dort eintreffen werden. Der erfahrene, besonnene Partner des Protagonisten gibt zu bedenken, dass sie vielleicht doch besser auf Verstärkung warten sollten, bevor sie sich den bewaffneten und vermutlich zahlenmäßig überlegenen Bankräubern in den Weg stellen. Doch dem Protagonisten ist bereits bei dem Funkspruch ein eisiger Schauer über den Rücken gelaufen – denn er weiß genau, dass seine Frau heute mit seinem kleinen Sohn zu genau dieser Bank wollte, um dort ein Sparbuch für den Jungen einzurichten. Er weiß zwar nicht, ob seine Familie sich tatsächlich als Geiseln in der Gewalt der Bankräuber befindet, aber er weiß genau, dass er es sich niemals verzeihen kann, wenn er durch sein Zögern das Leben seiner Familie gefährdet.

Wenn Sie jetzt die beiden Polizisten genau zu dem Zeitpunkt die Bank erreichen lassen, zu dem die bewaffneten Bankräuber mit mehreren Geiseln die Bank verlassen und in einem Transporter fliehen, ist dem Leser klar, was auf dem Spiel steht.

Der Protagonist konnte einen flüchtigen Blick auf die Geiseln werfen, bevor diese in den Transporter getrieben wurden und die Bankräuber mit quietschenden Reifen davon rasten und glaubt, seine Familie unter ihnen erkannt zu haben.

Er kann die Gangster keinesfalls entkommen lassen, da er befürchten muss, dass sie ihre Geiseln kaltblütig erschießen, sobald sie in Sicherheit sind – schließlich werden sie keine Zeugen am Leben lassen, die sie später bei einer Gegenüberstellung identifizieren könnten. Aber er weiß auch, dass er nicht einfach das Feuer auf den Wagen mit den flüchtenden Gangstern eröffnen kann, ohne damit zugleich das Leben der Geiseln zu gefährden.

Sie sehen, was dieser kleine Schritt zurück für Ihre Handlung tut: Auf einmal sind es für den Leser nicht mehr zwei namenlose Polizisten, die ein paar ebenso namen- und gesichtslose Bankräuber durch das Straßengewühl verfolgen, sondern jetzt fiebert er mit einem Vater mit, der seine Frau und seinen Sohn aus den Händen eiskalter Verbrecher befreien will.

Probieren Sie diese Technik selbst einmal aus, wenn Sie eine Romanhandlung haben, die sich zu langsam anlässt und auf den ersten Seiten Probleme hat, so richtig in Schwung zu kommen. Vielleicht ist ein Start „in medias res“ in diesem Fall genau der richtige Ansatz.



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Wie Sie als Schriftsteller den Zeigarnik-Effekt nutzen

Ich finde Psychologie generell interessant, besonders jedoch die Aspekte, die Einfluss auf unsere persönliche Produktivität und unseren Erfolg haben.

Ein relativ unbekannter, aber äußerst nützlicher Aspekt ist gerade für Schriftsteller der sogenannte Zeigarnik-Effekt. Benannt wurde er nach der russischen Psychologin Bluma Zeigarnik (eigentlich: Bljuma Wulfowna Seigarnik), die in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts an der Humbold-Universität in Berlin arbeitete.

Zeigarnik entdeckte, dass sich Versuchspersonen unter bestimmten Bedinungen wesentlich besser an unerledigte Aufgaben erinnerten als an abgeschlossene Aufgaben. Dieser Effekt wird im Fachjargon auch gerne als Cliffhanger-Effekt bezeichnet – und mit Cliffhangern kennen wir als Autoren uns ja aus.

Der Cliffhanger im Roman oder der TV-Serie lässt den Protagonisten beim Wechsel auf einen anderen Handlungsstrang (oder am Ende einer Episode) in einer dramatischen, wenn nicht gar gefährlichen Situation zurück, bei der der Leser unbedingt erfahren möchte, wie es weiter geht.

Und genau wie wir die Leser unserer Romane mit dem gezielten Einsatz von Cliffhangern über Kapitelübergänge oder andere mögliche Stolpersteine hinwegspülen und zum Weiterlesen animieren können, können wir den Zeigarnik-/Cliffhanger-Effekt auch nutzen, um unsere persönliche Produktivität beim Schreiben zu steigern.

Klingt kompliziert, ist aber in der Praxis ganz einfach: Genau wie wir im Roman das Kapitelende nicht auf einen natürlichen Endpunkt nach Abschluss einer dramatischen Situation oder eines Konflikts legen, sondern das Kapitel genau dort beenden, wo es am spannendsten ist, hören wir auch mit dem Schreiben an der subjektiv empfunden ‚falschen‘ Stelle auf.

Statt also so lange zu schreiben, bis wir ein Kapitel oder eine Szene komplett abgeschlossen haben oder gar an einem Punkt angekommen sind, an dem wir nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll, hören wir stattdessen bereits zu einem Zeitpunkt auf, an dem wir noch ganz genau wissen, was wir als Nächstes schreiben wollen. Wie heißt es doch so schön: Man sollte aufhören, wenn es am Schönsten ist. ;-)

Schon Hemingway verstand es, diese Technik für sich zu nutzen – auch wenn er vermutlich niemals von Bluma Zeigarnik und ihren Forschungen gehört hatte. Hemingway sagte, man solle beim Schreiben immer noch etwas Wasser im Brunnen lassen – also nicht schreiben, bis man sich ‚ausgetrocknet‘ oder ‚leer‘ fühlt, sondern solange man eigentlich noch weiter schreiben könnte.

Dieser Ansatz hat gleich zwei Vorteile. Erstens verhindert er Schreibblockaden. Denn wenn man immer erst dann mit dem Schreiben aufhört, wenn man keine Idee mehr hat, wie es weiter gehen soll, trainiert man sich selbst auf eine Situation des Mangels – des Mangels an Ideen und Kreativität. Man steht unter Druck, eine Lösung bzw. die nächsten logischen Schritte zu finden, bevor man sich zum nächsten Mal wieder ans Schreiben setzt. Und wenn man diese noch nicht gefunden hat, wird man davor zurückscheuen (oder sich gar davor drücken), sich überhaupt wieder ans Schreiben zu setzen.

Hat man hingegen noch genügend Stoff für die nächsten Seiten im Kopf, gibt es keine psychologische Hemmschwelle, die uns daran hindert, so bald wie möglich wieder ans Schreiben zu gehen.

Ganz im Gegenteil – denn jetzt setzt der Zeigarnik-Effekt (oder auch Cliffhanger-Effekt, wenn Ihnen diese Bezeichnung lieber ist) ein. Genau wie wir uns bei einem spannenden Roman, bei dem wir aus Zeitmangel mit dem Lesen aufhören mussten, oder beim Cliffhanger-Ende der letzten Episode unserer Lieblings-TV-Serie häufig erwischen, wie wir darüber nachdenken, wie es wohl weitergehen wird, denken wir auch umso häufiger an unser Schreibprojekt, wenn wir an einer Stelle herausgerissen wurden, an der wir eigentlich gerne noch länger weitergeschrieben hätten.

Und selbst wenn wir es gar nicht bewusst registrieren, beschäftigt sich auch unser Unterbewusstsein regelmäßig mit diesen offenen Punkten. Wir kennen das alle von Aufgaben, die wir noch nicht abgeschlossen haben und die wir vor uns herschieben. Dieses ungute Gefühl oder schlechte Gewissen, das uns meist gerade in den Momenten überkommt, in denen wir gar nichts daran ändern können. Das ist der Zeigarnik-Effekt in Aktion. Die Dinge, die wir abgeschlossen haben, vergessen wir. Erledigt und ad acta gelegt. Doch die offenen Dinge, um die wir uns noch kümmern müssen, rotieren ständig in unserem Kopf wie die Teller auf den Holzstäben eines chinesischen Jongleurs.

Bezogen auf unser Schreibprojekt ist das eine gute Sache. Denn hier ist es nicht der sich drehende Holzstab des chinesischen Teller-Jongleurs, sondern eher das sich drehende Holzstäbchen in einem Zuckerwatte-Topf auf dem Jahrmarkt. Genau wie sich bei der Zuckerwatte mit jeder Drehung des Stäbchens mehr leckere Zuckerwatte am Holzstäbchen anlagert, lagern sich auch umso mehr neue Ideen an unser übrig gelassenes Ideenfragment an, je öfter und länger unser Unterbewusstsein es in unserem Kopf rotieren lässt.

Übertragen auf Hemingways Vergleich mit dem Brunnen füllt sich unser kreativer Ideen-Brunnen langsam wieder auf – aber dafür muss eben noch ein wenig Grundwasser übrig bleiben, genau wie die Zuckerwatte auf dem Jahrmarkt ein Stäbchen braucht, an das sie sich anlagern kann.

In der Praxis sieht das bei mir so aus, dass ich mir fürs Schreiben zeitliche statt quantitativer Ziele setze. Also keine der klassischen Vorgaben wie „jeden Tag 500 Wörter schreiben“, sondern ein ganz bescheidenes „jeden Morgen 30 Minuten schreiben“.

Diese Zeit ist keine Untergrenze im Sinne von „mindestens 30 Minuten, möglichst jedoch mehr“, sondern ein festes Limit. 30 Minuten – und keine Minute mehr.

Zum Beginn einer Schreibsession, also sobald ich mein Schreibprogramm gestartet, mein aktuelles Dokument geladen und mir die letzten 2-3 Absätze noch einmal durchgelesen habe, starte ich meinen Timer. Dafür verwende ich den kostenlosen SnapTimer. Dieser hat den Vorteil, dass ich ihn unabhängig davon, mit welchem Programm ich arbeite, permanent im Vordergrund halten kann. So kann ich nie aus den Augen verlieren, wie viel Zeit mir noch bleibt.

In diesen 30 Minuten arbeite ich konzentriert und so zügig wie möglich an meinem Text weiter – und zwar bis zur letzten Sekunde. Doch sobald der Timer läutet, ist die Schreibzeit um. Das ist ein bisschen wie früher bei den Klassenarbeiten: sobald die vorgegebene Zeit um war, musste man auch dort den Stift hinlegen, wenn man nicht eine 6 riskieren wollte.

Manche Fans der Zeigarnik-Methode befürworten, dass man tatsächlich in dem Moment, in dem der Timer läutet, die Finger von den Tasten nimmt, als müsse man ansonsten einen Stromschlag über die Tastatur befürchten. Das führt natürlich dazu, dass man in den allermeisten Fällen irgendwo mitten im Satz aufhört.

Das ist mir persönlich etwas zu extrem. Mitten im Satz aufzuhören setzt meiner Meinung nach den Fokus unseres Unterbewusstseins zu sehr auf diesen einen, im Gesamtbild des Manuskripts relativ unwichtigen Satz und zu wenig auf das große Ganze. Je nachdem, wie lang und komplex der Satz war, bekommt man ihn dennoch bei der nächsten Schreibsession nicht richtig komplettiert, sondern löscht letztendlich doch den begonnenen Satzanfang wieder weg und schreibt eine neue, andere Version des Satzes.

Darin sehe ich persönlich weder einen Sinn noch einen Nutzen. Ich schreibe daher, wenn der Timer läutet, den gerade angefangenen Satz noch zu Ende, bevor ich die Finger von den Tasten nehme und meinen Text speichere.

Damit ist allerdings meine morgendliche Schreibsession noch nicht ganz beendet. Zunächst notiere ich noch in meinem Moleskine unter dem heutigen Datum, wie es weiter gehen soll. Dazu halte ich stichwortartig den Gedanken fest, den ich beim Schreiben zuletzt gerade verfolgte, und was ich als Nächstes noch geschrieben hätte, wenn ich mehr Zeit gehabt hätte.

Das dauert in der Praxis maximal fünf Minuten, meist weniger. Mit diesen rasch aufs Papier geworfenen Notizen stelle ich sicher, dass ich nichts Wichtiges vergesse, worüber ich mich im Nachhinein ärgern würde.

Dadurch, dass ich nicht etwa eine Szene, einen Abschnitt oder ein Kapitel meines laufenden Buchprojekts fertig geschrieben habe, sondern ganz abrupt mittendrin vom Timer herausgerissen wurde, wird der Zeigarnik-Effekt aktiviert.

Unser Unterbewusstsein hat das Bedürfnis nach Abschluss und Komplettierung. Das merkt man auch immer wieder im Alltag. Bestimmt kennen auch Sie den Effekt, dass Sie eine TV-Serie mit einem die gesamte Staffel überspannenden Handlungsbogen Woche für Woche hartnäckig weiter ansehen, obwohl die Serie Sie schon lange nicht mehr so richtig fesselt – und zwar nur, weil Sie wissen wollen, wie alles am Ende ausgeht.

Oder denken Sie an die Sammler-Editionen, mit denen Verlage wie der De Agostini Verlag ihr Geld verdienen: Wenn jemand erst mal die ersten 3-4 Teile einer solchen Sammlung gekauft hat, stehen die Chancen recht gut, dass er auch alle weiteren Teile kauft. Selbst wenn irgendwann das Interesse langsam schwindet, will er nicht die investierte Zeit und das bereits ausgegebene Geld mit einer unvollständigen Sammlung versenken, sondern wird eher trotz des abgeflauten Interesses weiter zahlen, um am Ende zumindest eine komplette Sammler-Edition vorweisen zu können.

Genauso brennt unser Unterbewusstsein darauf, dass wir die angefangene Szene / das angefangene Kapitel endlich fertig schreiben. Anstatt dass der „innere Schweinehund“ uns in seiner Bequemlichkeit zur Fernsehcouch statt an den Schreib-PC locken will, schiebt er uns geradezu mit sanfter Gewalt bei der erstbesten sich bietenden Gelegenheit in Richtung PC, damit wir die Szene endlich fertig schreiben und er sie aus dem Kopf bekommt.

Diesen Gefallen können wir ihm natürlich gerne tun. Aber da wir auch dann natürlich wieder mitten in einer Szene (egal ob noch in derselben oder bereits in der nächsten Szene) aufhören, haben wir den inneren Schweinehund wieder an der Angel – ob es ihm nun passt oder nicht.

Es gibt eine winzige Ausnahme von der Regel, die ebenso wie das Schaltjahr nur in sehr seltenen Fällen zum Tragen kommt: Wenn ich tatsächlich mit dem einen Satz, den ich nach dem Läuten des Timers noch zu Ende schreiben darf, eine Szene oder ein Kapitel beende, beginne ich danach noch eine neue Seite und schreibe zumindest den ersten Satz des nächsten Kapitels. Kein Ende ohne offenes Ende – und ohne den Zeigarnik-Effekt zu aktivieren. ;-)


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Einsatz von Try-Fail-Cycles im Roman

Eines der nützlichsten Hilfsmittel beim Plotten eines Romans ist der sogenannte Try-Fail-Cycle – wörtlich übersetzt der Versuch-Niederlage-Kreislauf. Dabei handelt es sich um eine Technik, mit der Sie die Entschlossenheit und den Erfindungsreichtum Ihres Protagonisten auf die Probe stellen und Ihre Leser auf die Folter spannen können.

Ein Roman, in dem der Leser sein Ziel zu schnell und zu einfach erreicht, ist erstens langweilig und zweitens sehr schnell vorbei. Zu schnell, um der Bezeichnung ‚Roman‘ überhaupt gerecht zu werden. Für einen richtigen Roman genügt es nicht, dass Ihr Held ein Ziel hat und dieses am Ende erreicht. Nein, er muss sich strecken und wachsen, fallen und sich immer wieder aufrappeln, damit er sich am Ende den Sieg redlich verdient hat.

Und genau dafür brauchen Sie als Autor den Try-Fail-Cycle. Für jedes größere Ziel, das Ihr Protagonist im Laufe Ihrer Romanhandlung hat, müssen Sie als Autor ihm Steine in den Weg legen, seine Anstrengungen torpedieren und ihn mit unerwarteten Tiefschlägen aus einer Richtung, aus der er sie niemals erwartet hätte, niederstrecken. Auch wenn man als Autor seinen eigenen Protagonisten mag, muss man ihn quälen – zum Wohle einer spannenden Romanhandlung.

Der Try-Fail-Cycle besagt, dass Ihr Held sein Möglichstes tut, um sein Ziel zu erreichen, und trotzdem scheitert. Die Gründe dafür können ganz unterschiedlicher Natur sein. Manchmal sind es die Schwächen des Helden, die ihn scheitern lassen. Vielleicht ist er noch nicht stark oder erfahren genug, nicht entschlossen genug oder er denkt noch zu selbstsüchtig, um Erfolg zu haben. Vielleicht liegt es auch daran, dass er die wahren Hintergründe oder die geheimen Pläne seiner Widersacher noch nicht durchschaut hat und daher in die falsche Richtung / gegen die Wand läuft.

Aber natürlich gibt Ihr Protagonist nicht auf. Er rappelt sich auf, schüttelt den Staub ab und leckt seine Wunden – doch dann überlegt er sich einen neuen Plan und startet den nächsten Versuch.

Natürlich ist auch dieser nicht von Erfolg gekrönt, denn ein einziger Rückschlag würde ja noch nicht genügen, um seine Entschlossenheit und Willenskraft ausreichend auf die Probe zu stellen. Selbstverständlich ist sein neuer Plan gut durchdacht und solide vorbereitet – und ebenso selbstverständlich werden Sie als Autor einen Weg finden, ihm auch diesmal Steine in den Weg zu legen, ihm Stöcke zwischen die Beine zu werfen und ihn mit einem weiteren unerwarteten Tiefschlag erneut auf die Bretter zu schicken.

Diesmal ist die Niederlage härter und schmerzhafter als beim ersten Mal. Es kann durchaus sein, dass Ihr Protagonist verwundet wird, einen wichtigen Gegenstand oder Verbündeten verliert oder einen anderen schmerzlichen Verlust erleidet. Dieser kann auch psychischer Natur sein – z.B. wenn er erkennen muss, dass jemand, dem er vertraut hat, eigentlich auf der Seite seines Gegners steht und ihm im entscheidenden Moment in den Rücken gefallen ist.

Die Anzahl der Runden eines Try-Fail-Cycles sind abhängig von der Länge des gesamten Romans und von der Bedeutung des Konflikts für die Gesamthandlung. Die Untergrenze liegt bei drei Runden, wobei die dritte dann bereits die letzte und alles entscheidende Runde ist, in der der Held dann üblicherweise den Sieg davonträgt. Das entspricht zwei Niederlagen, denn eine Niederlage / ein Rückschlag allein ist wie bereits erwähnt nicht ausreichend, um die Entschlossenheit Ihres Protagonisten wirklich auf die Probe zu stellen.

Für den zentralen Konflikt eines umfangreichen Romans können Sie ruhig auch noch 1-2 zusätzliche Runden einlegen, die jeweils trotz eines gut durchdachten Plans mit einem Fehlschlag für den Protagonisten enden. Das wird allerdings auch für Sie als Autor immer schwieriger, denn sowohl der Plan/Ansatz Ihres Protagonisten als auch die Art der Niederlage und die daraus resultierenden negativen Auswirkungen sollten jedes Mal anders sein.

Kurzum: mit jeder weiteren Runde des Try-Fail-Cycles wird die Lage Ihres Protagonisten schwieriger und aussichtsloser: Freunde und Verbündete werden getötet, gefangen oder sonstwie ausgeschaltet oder wenden sich von ihm ab; er selbst wird verwundet, diskreditiert oder gar geächtet und er verliert nach und nach alle Hilfsmittel und Ressourcen, auf die er bisher zur Lösung des Problems vertraut hatte.

All diese Runden aus Versuch und Niederlage dienen dazu, die Schale des Helden aufzuknacken und zu offenbaren, was für ein Kern in ihm steckt. Damit er den Sieg wirklich verdient, darf er ihn weder mit Hilfe technischer Gimmicks noch durch die Unterstützung seiner Freunde und Verbündeten erringen. Keine geheimen Bond-Waffen und keine Kavallerie, die den belagerten Siedlern in letzter Sekunde zur Hilfe kommt. Kein Deus ex machina, sondern ein zu allem entschlossener Protagonist, der sich wie einst Baron Münchhausen sozusagen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zieht.

Die letzte Niederlage des Try-Fail-Cycles muss so hart sein, dass sie dem Protagonisten buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzieht und all seine Hoffnungen auf einen Sieg gnadenlos zerschmettert. Dies ist, um bei der klassischen Heldenreise nach Joseph Campbell zu bleiben, der ‚dunkelste Moment‘, in dem der Held im übertragenen Sinne stirbt und in seiner neuen Form wiedergeboren wird.

Die finale Runde des Try-Fail-Cycles ist zugleich das Ende des Konflikts. Bei einer Nebenhandlung kann das irgendwo mitten im Roman sein. Handelt es sich jedoch um den zentralen Konflikt, befinden wir uns hier üblicherweise in den letzten 10-20% des Buchs.

Jetzt muss der Protagonist zeigen, was wirklich in ihm steckt. Diesmal gibt es kein Netz und keine Sicherheitsleine mehr. Er muss den Sprung wagen und weiß, dass er siegen oder untergehen wird. Wenn er diesmal wieder verliert, wird es keine weitere Chance, keinen weiteren Versuch mehr geben.

Oft ist es so, dass der Protagonist nach der letzten Niederlage, also im ‚dunkelsten Moment‘, bereit die Hoffnung auf die Erfüllung seiner eigenen Wünsche aufgegeben hat. Er weiß, dass er verloren hat.

In diesem Moment entscheidet sich der Protagonist oft, zum Märtyrer zu werden. Wenn er schon selbst nicht mehr gewinnen kann, will er beispielsweise zumindest noch den Feind zur Strecke bringen um so andere Unschuldige vor ihm zu schützen. Was dabei oder danach aus ihm selbst wird, ist ihm egal. Er kennt keine Angst mehr, da die Konsequenzen für ihn selbst ihm mittlerweile egal sind.

In einem Krimi kann das der Moment sein, in dem der integre Polizist seine Marke ablegt und zur Selbstjustiz greift: Der Gangster, den er zur Strecke bringen wollte, hat sich ein wasserdichtes Alibi gekauft und mit Hilfe korrupter Polizisten und fingierter Beweise den Protagonisten diskreditiert, so dass er nun selbst (und natürlich zu Unrecht) als Mörder und als flüchtiger Verbrecher dasteht. Er weiß, dass er keine Chance mehr hat, den Gangster aufzuhalten und weitere Verbrechen zu verhindern – außer wenn er alle moralischen Bedenken und alle Werte, für die er jahrelang gekämpft hat, über Bord wirft und sich selbst zum Richter und Henker ernennt.

Jetzt haben wir den ultimativen Einsatz für die letzte Runde des Try-Fail-Cycles: Der Polizist steht allein gegen den Gangster, seine schwerbewaffneten Handlanger und einige korrupte Polizisten, die sich zu einem konspirativen Treffen in der Villa des Gangsters treffen. Er weiß, dass seine Chancen verschwindend gering sind und dass er vermutlich sterben wird, bevor er den Gangster auch nur zu sehen bekommt. Doch selbst wenn er Erfolg haben sollte, werden die Überwachungsaufnahmen aus der Villa allen beweisen, dass er der Mörder ist – und damit seinen guten Ruf und seine Ehre endgültig zerstören.

Wie man eine solche Handlung enden lässt, ist Geschmackssache. Der Held kann sterben, aber der Gangster wird nachher für seine Ermordung verurteilt. Der Held kann den Gangster und seine Verbündeten eliminieren und danach in den Untergrund gehen, um von dort aus wie der Punisher aus den Marvel-Comics den Kampf gegen das Verbrechen fortzuführen. Oder der Held kann den Gangster so weit bringen, dass dieser vor laufender Kamera alles gesteht und der Held damit nachträglich doch entlastet und sein guter Ruf wieder hergestellt wird.

Oft ist es so, dass gerade die Bereitschaft, die bisher verfolgten eigenen Ziele aufzugeben, alle egoistischen Motive über Bord zu werfen und einfach das zu tun, was richtig ist, für einen unerwarteten Sieg des Protagonisten in letzter Minute sorgt.

Probieren Sie also ruhig selbst einmal aus, ob Sie vielleicht mit einem zusätzlichen Try-Fail-Cycle die Handlung Ihres Romans noch stärker und besser machen können.


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„Expression Design 4“: Kostenlose Vektorgrafik-Software von Microsoft für Coverdesign und Illustrationen

Wenn Sie als Indie-Autor auch Ihre eigenen Buchcover und/oder Illustrationen entwerfen, brauchen Sie dafür ein gutes Grafik-Programm – bevorzugt eines, das auch mit Vektorgrafiken arbeiten kann. Vektorgrafik hat gegenüber klassischen „Bitmap-Grafiken“ wie JPG oder PNG den Vorteil, dass die Bilder sich ohne Qualitätsverlust auf eine höhere Auflösung skalieren lassen.

Den Unterschied zwischen Bitmap- und Vektorgrafik erkennen Sie, wenn Sie einerseits einen winzigen Screenshot von einer Schriftseite vergrößern und andererseits ein PDF vergrößern, in dem die Schriften als Vektorgrafik eingebunden sind.

Vergleich Bitmap/Vektor

Ein Buchcover, das Sie in Vektorgrafik entworfen haben, können Sie bei Bedarf also beispielsweise auf Postergröße hochskalieren, ohne dass dieses dabei verpixelt oder unscharf wird oder dass sich beim Vergrößern die berüchtigten Treppchen-Effekte bilden.

Profi-Software vs. Freeware

Während im Profi-Bereich die Adobe-Programme Photoshop (für Bitmap-Grafiken) und Illustrator (für Vektor-Grafiken) den Markt dominieren, gibt es natürlich auch mit GIMP und Paint.net kostenlose Alternativen für Bitmap-Grafiken und mit Inkscape oder dem Draw-Programm von OpenOffice/LibreOffice auch für Vektor-Grafiken.

Diese kostenlosen Alternativen kommen natürlich nicht einmal annähernd an den Funktionsumfang und Komfort der teuren Profi-Software heran.

Wer sozusagen den „goldenen Mittelweg“ sucht, sollte sich einmal „Expression Design 4“ von Microsoft ansehen – ein Profi-Designprogramm, das früher von Microsoft teuer verkauft wurde, mittlerweile aber (ähnlich wie auch die Notizverwaltungs-Software OneNote) kostenlos zum Download angeboten wird. Positiv ist auch, dass „Expression Design 4“ mit komplett deutscher Benutzeroberfläche angeboten wird, was bei manch anderem kostenlosen Programm nicht der Fall ist.

Der große Vorteil von „Expression Design 4“ gegenüber Freeware wie GIMP oder Paint.net ist, dass es sowohl Vektor- als auch Bitmap-Grafiken unterstützt und somit optimal für den Entwurf von Buchcovern geeignet ist – denn gerade hier muss man ja häufig Bitmap-Grafiken wie Fotos mit Vektor-Elementen wie Rahmen, Ornamenten, hochauflösenden Schriften und Farbverläufen kombinieren.

Screenshot Expression Design

Das fertige Ergebnis lässt sich anschließend in fast allen bekannten Grafikformaten exportieren und so bei Bedarf noch in anderen Programmen weiter bearbeiten.

Fazit: Kostenlos, aber wertvoll

Wer ein gutes Grafikprogramm sucht, das mehr als die übliche Freeware kann, aber nicht gleich ins Geld geht, sollte sich „Expression Design 4“ einmal näher anschauen.

Wer zuvor noch nie mit einem Vektorgrafik-Programm gearbeitet hat, sollte sich natürlich auf eine gewisse Einarbeitungszeit einstellen, bevor er das Potential des Programms richtig ausschöpfen kann. Die Bedienung ist allerdings sehr benutzerfreundlich gelöst, so dass man als Neuling wohl einen schnelleren Einstieg als beispielsweise beim noch umfangreicheren Adobe Illustrator findet.

Wie bei einem Microsoft-Programm kaum anders zu erwarten ist „Expression Design 4“ ausschließlich für Windows erhältlich – dafür allerdings bereits ab Windows XP aufwärts. Mac-Besitzer und Linux-User gehen hier leider leer aus.

Sie können „Expression Design 4“ von der offiziellen Microsoft-Seite kostenlos herunterladen: https://www.microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=36180

Verwenden Sie hierbei nicht den auffälligen roten Download-Button im oberen Bereich der Seite, da Sie über diesen lediglich die englische Version der Software herunterladen können.

Die ebenfalls kostenlose deutsche Version erhalten Sie etwas weiter unten über den Listeneintrag „German“, nachdem Sie über das + Zeichen den Bereich „Details“ aufklappen. Lassen Sie sich nicht davon irritieren, dass der Dateiname „Design_Trial_de.exe“ lautet – trotz des auf eine reine Demo-Version hindeutenden Namens handelt es sich hierbei um eine uneingeschränkte und dauerhaft kostenlos nutzbare Vollversion.

Probieren Sie es einfach mal aus. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie „Expression Design 4“ beim Entwerfen von Buchcovern und anderen Illustrationen als äußerst nützlich empfinden werden.


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SoftMaker Office 2016 – das beste Office-Paket für Schriftsteller

Das Nürnberger Softwarehaus SoftMaker hat im Juli 2015 eine neue Version ihres beliebten Office-Pakets „SoftMaker Office“ veröffentlicht. Mit „SoftMaker Office 2016“ treten sie nicht nur in direkte Konkurrenz zu „Microsoft Office“, sondern haben zugleich auch das beste Office-Paket für Schriftsteller produziert – wobei letzteres keine Aussage von SoftMaker, sondern mein persönliches, vorweggenommenes Fazit ist.

„SoftMaker Office soll besser sein als Microsoft Office?“ wird sich jetzt vielleicht mancher Leser skeptisch fragen.

Für Schriftsteller definitiv. Und nicht nur besser, sondern auch günstiger. Aber fangen wir einfach mal vorne an…

Standard oder Professional?

SoftMaker Office 2016 ist in zwei verschiedenen Varianten erhältlich: als günstigere Standard-Version und als Professional-Version. Ein wichtiger Punkt vorweg: Für Schriftsteller ist quasi nur die teurere Professional-Version interessant. Man sollte keinesfalls an der falschen Stelle sparen und aus Kostengründen zur günstigeren Standard-Version greifen.

Zwar kostet die Professional-Version 30 Euro mehr als die Standard-Version (bzw. beim günstigeren Upgrade-Preis immer noch 20 Euro), doch diesen Mehrpreis ist sie definitiv wert. Aber dazu gleich mehr.

Genau wie Microsoft Office besteht auch SoftMaker Office aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationen und einem Email-Programm. Alles sehr gute und leistungsfähige Programme, aber in diesem Artikel will ich mich ausschließlich mit TextMaker 2016, der Word-Konkurrenz von SoftMaker beschäftigen – denn die Textverarbeitung ist schließlich der Teil des Office-Pakets, den man als Schriftsteller nun mal am häufigsten benötigt.

Klassische Menüs statt klobiger Ribbons

Sehr angenehm finde ich bei SoftMaker Office, dass die Entwickler sich nicht der neuen Unsitte mit den klobigen Ribbon-Menüs am oberen Bildschirmrand angeschlossen haben, auf die Microsoft bereits seit Office 2007 setzt und die in der Praxis äußerst unübersichtlich und schlecht bedienbar sind. Ganz zu schweigen davon, dass die Ribbon-Menüs auf Geräten mit kleiner Bildschirmdiagonale wie Netbooks oder Windows-Tablets viel zu viel wertvollen Bildschirmplatz einnehmen. Doch dieses Problem hat man mit SoftMaker Office nicht.

Bei SoftMaker findet man auch in der neuen 2016er-Version immer noch die klassischen Dropdown-Menüs mit Icons und Tastatur-Shortcuts – allerdings mit ein paar pfiffigen Extras. Denn auch diesen Menüs hat SoftMaker in der neuen Version an verschiedenen Stellen ausklappbare Schnellwahl-Fenster spendiert, mit denen sich das Programm noch schneller und intuitiver bedienen lässt.

eBooks im ePub-Format direkt aus Office heraus erzeugen

Sehr gelungen ist auch der Dokumenten-Export. Mit der neuen 2016er-Version kann man nicht nur eBooks im PDF-Format erzeugen, sondern sogar im ePub-Format. Mit diesem äußerst nützlichen Feature setzt sich SoftMaker von allen Konkurrenzprodukten ab, denn einen direkten ePub-Export bietet weder Microsoft Office noch die kostenlose Konkurrenz von OpenOffice bzw. LibreOffice.

Über den Export-Dialog kann man nicht nur das eigentliche Manuskript ins ePub-Format konvertieren, sondern auch direkt das Coverbild hinzufügen und die zugehörigen Metadaten pflegen. Mit wenigen Mausklicks vom Manuskript zum fertig aufbereiteten eBook – einfacher und komfortabler geht es kaum.

Doch so richtig interessant wird es erst, wenn man sich die zusätzlichen Leistungsmerkmale der Professional-Version ansieht…

Duden-Korrektor, Universalwörterbuch und Fremdwörterbuch

Viele von Ihnen kennen bestimmt den Duden-Korrektor, den es lange Zeit als Add-In für Microsoft Word und OpenOffice gab. So wie der Duden der Standard unter den Wörterbüchern ist, ist auch der Duden-Korrektor die beste und leistungsfähigste Rechtschreib- und Grammatikprüfung, die es für den PC gibt.

Leider hat sich das Bibliographische Institut Mitte 2014 entschieden, den Duden Korrektor nicht mehr weiter anzubieten. SoftMaker hat diese Gelegenheit genutzt, um Nägel mit Köpfen zu machen und sich einen mächtigen Vorsprung vor den anderen Office-Paketen zu sichern. Denn in „SoftMaker Office Professional“ ist der Duden-Korrektor, der nach wie vor vom selben Entwicklerteam wie bisher betreut und weiterentwickelt wird, weiterhin enthalten.

Zusätzlich zum Duden-Korrektor (der allein schon ein äußerst nützliches Werkzeug darstellt) enthält die Professional-Version von SoftMaker Office das Deutsche Universalwörterbuch von Duden, das Große Fremdwörterbuch von Duden und vier Langenscheidt Wörterbücher. Abgerundet wird das Komplettpaket durch einen sehr leistungsfähigen und ausgereiften Thesaurus.

Wenn man Printbücher layouten will, ist man mit SoftMaker Office ebenfalls gut beraten. Denn auch in dieser Beziehung geht der Funktionsumfang von TextMaker über das hinaus, was Microsoft Word bietet. Manche Funktionen von TextMaker wie echte Master-Seiten erinnern mehr an ein vollwertiges Desktop-Publishing-Programm als an eine ‚einfache‘ Textverarbeitung.

50 € beim Kauf sparen durch den Upgrade-Trick

Auch beim Kauf von SoftMaker Office kann man noch ein richtiges Schnäppchen machen, denn SoftMaker bietet das stark vergünstigte Upgrade auf die neue 2016er-Version nicht nur für Besitzer der direkten Vorgängerversion an, sondern auch als Crossgrade für Besitzer einer beliebigen früheren Version von SoftMaker Office oder FreeOffice.

Selbst wenn Sie also noch nie eine Version von SoftMaker Office hatten, können Sie sich also den günstigen Upgrade-Preis sichern, indem Sie sich zunächst das kostenlose FreeOffice von SoftMaker (http://www.freeoffice.com/de) herunterladen und registrieren und anschließend für nur 49,95 € von FreeOffice auf SoftMaker Office 2016 Professional upgraden. 50% gespart – das nenne ich mal ein echtes Schnäppchen.

Bei diesem Preis kann Microsoft Office nicht einmal annähernd mithalten – weder mit den Kaufversionen noch mit den Miet-Versionen (Office 365). Selbst eine nur ein Jahr gültige Miet-Lizenz „Office 365 Home“ ist teurer als der günstige Upgrade-Preis für „SoftMaker Office 2016 Professional“, mit dem Sie das Office-Paket auf bis zu 3 PCs gleichzeitig nutzen können.

Schnell und portabel – Office in der Hemdtasche

Ein weiterer unschätzbarer Vorteil von SoftMaker Office ist, dass man nach der normalen Installation auf dem eigenen PC als „Ableger“ eine portable Version des Office-Pakets auf einem USB-Stick installieren und überall hin mitnehmen kann. Gerade wenn man viel unterwegs ist und häufig auf unterschiedlichen PCs arbeitet, ist das eine tolle Sache – so hat man sein komplettes Büro auf einem Stick in der Hemdtasche dabei.

Dazu kommt, dass SoftMaker Office alles andere als hardwarehungrig ist und auch auf älteren Rechnern oder Geräten mit schwächerer Hardware (Netbooks, Windows Tablets…) schnell und sauber läuft.

Und während das aktuelle Microsoft Office nicht mehr unter älteren Betriebssystem-Versionen wie XP oder Vista installiert werden kann, läuft SoftMaker Office 2016 unter allen Windows-Versionen von Windows XP bis hin zum brandneuen Windows 10.

Fazit

Wenn man SoftMaker Office mit anderen Office-Paketen vergleicht, sollte man es dem ebenfalls kommerziellen Microsoft Office gegenüberstellen – und diesen Vergleich gewinnt SoftMaker gerade bezogen auf die Bedürfnisse und Anforderungen von Schriftstellern definitiv.

Natürlich gibt es mit LibreOffice und OpenOffice auch kostenlose Konkurrenz, doch diese bietet weder die ausgereifte Rechtschreib- und Grammatik-Prüfung mit dem integrierten Duden-Korrektor, noch die integrierten Wörterbücher oder komfortable Features wie den ePub-Export als fertig formatiertes eBook.

Aus meiner Sicht ist der günstige Upgrade-Preis für „SoftMaker Office 2016 Professional“ eine der besten Investitionen, die man zur Zeit als Schriftsteller machen kann.

Sie finden SoftMaker Office unter http://www.softmaker.de/office.htm. Unter http://www.softmaker.de/ofdemo.htm können Sie sich auch eine Demo-Version herunterladen, die Sie 30 Tage lang kostenlos ausprobieren können.


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