Jahresplanung für Schriftsteller

Jahresplanung für SchriftstellerNur noch wenige Stunden trennen uns vom neuen Jahr 2017 – traditionell der Zeitpunkt, um gute Vorsätze fürs neue Jahr zu fassen und sich zu überlegen, welche Schreibprojekte man im kommenden Jahr in Angriff nehmen möchte.

Als kleine Hilfestellung für eine erfolgreiche Jahresplanung gibt es jetzt das 99-Cent-eBooklet Jahresplanung für Schriftsteller.

Achtung: Dieses kurze 99-Cent-eBooklet von ca. 3.500 Wörtern basiert auf einem meiner (mittlerweile nicht mehr online verfügbaren) Artikel von Ende 2013, den ich damals bereits im WritersWorkshop E-Zine veröffentlicht hatte. Langjährige Leser des WritersWorkshop E-Zines und meines Autorenblogs sowie Leser meines Buchs „Schreibtipps für Schriftsteller“, in dem der Artikel ebenfalls enthalten war, dürften den Inhalt des Buchs also schon kennen und können sich die 99 Cent sparen. ;-)

Sind Sie im Laufe des letzten Jahres so gut mit Ihren Schreibprojekten voran gekommen, wie Sie es sich ursprünglich vorgenommen hatten?

Oder ist es doch eher … suboptimal gelaufen? Egal, ob Sie sich in übertriebenem Optimismus viel zu viel vorgenommen hatten, sich zwischen verschiedenen Projekten verzettelt hatten oder im stressigen Alltag mit Beruf, Familie, Haushalt und sonstigen Anforderungen Ihre Schreibziele aus den Augen verloren haben – ehe man sich versieht ist wieder ein Jahr verstrichen und wieder einmal hat man bei weitem nicht alles erreicht und geschafft, was man sich eigentlich für die vergangenen zwölf Monate vorgenommen hatte.

Aber was sollte man tun, damit sich im kommenden Jahr dieses ebenso frustrierende wie ernüchternde Spielchen nicht wiederholt? In diesem E-SHORT Booklet (ca. 3.500 Wörter) zeige ich Ihnen eine realistische Ziel- und Jahresplanung, mit der Sie sich herausfordern können, ohne sich dabei zu überfordern, und mit Sie diesmal unterm Strich das Maximum des realistisch Machbaren erreichen können.

Dazu gibt es eine Handvoll kleiner Tricks und Kniffe, die Sie verwenden können, um am Ball zu bleiben und zugleich Ihre eigene Motivation über die kommenden zwölf Monate hinweg aufrecht zu erhalten.

In weniger als 30 Minuten könnten Sie dieses Büchlein bereits durchgelesen haben und schon an Ihrer persönlichen (und diesmal realistischen!) Jahresplanung für die nächsten 12 Monate sitzen. Und wie soll Ihr kommendes Schreib-Jahr aussehen?

Sie finden die Kindle-Version von „Jahresplanung für Schriftsteller“ bei Amazon unter https://www.amazon.de/dp/B01MZ4Z56H.


Nachtrag: Pünktlich zum Jahreswechsel schaffte es „Jahresplanung für Schriftsteller“ bei Amazon mit schon zwei 5-Sterne-Rezensionen auf Platz 1 in den Top-100 der Kategorie „Freizeit & Hobby“, in der sich u.a. auch alle Schreibratgeber befinden.

Dafür noch einmal ganz herzlichen Dank an alle Leser!

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Unrealistisch oder unplausibel? Das Problem fantastischer Literatur

Wenn ich Rezensionen von Fantasy-, Science-Fiction- oder Horror-Romanen lese, stocke ich meist unwillkürlich, wenn ich dort den Vorwurf lese, das Buch sei „unrealistisch“. Kann man denn beispielsweise einem Fantasy-Roman, in dem es Einhörner, Drachen und Elfen gibt, überhaupt vorwerfen, er sei „unrealistisch“?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, wie man vielleicht auf den ersten Blick meinen sollte. Um ihr gerecht zu werden, müssen wir ein ganzes Stück weit ausholen.

Der Autor eines Fantasy-Romans könnte sich auf den Standpunkt stellen, dass dadurch, dass er über Einhörner, Drachen und sprechende Tiere schreibt, jegliche Diskussionen über „Realismus“ von vorneherein absurd seien.

Das erinnert mich an eine Anekdote über die beiden Schriftsteller Johnny B. Truant und Sean Platt, die mit dem Gedanken spielten, einen Western zu schreiben, aber schon zu Beginn der Planung über kleine Details wie die Frage stolperten, welche Farbe der Pulverdampf eines abgefeuerten Revolvers hat. Daraufhin entschlossen sie sich kurzerhand, in ihrer Geschichte die Pferde durch Einhörner zu ersetzen – denn wenn schon ein Einhorn in der Handlung vorkommt, kann der Pulverdampf auch ruhig rosa sein. Diese Entscheidung war die Geburtsstunde des „Unicorn Western“, von dem die beiden Autoren mittlerweile neun Bände veröffentlicht haben.

Dieser Auffassung möchte ich jedoch so nicht anschließen. Auch Romane der fantastischen Literatur, egal ob wir nun von Fantasy, Science-Fiction oder Horror reden, sind niemals zu 100 Prozent spekulativ. Jede Romanwelt ist zu einem nicht unerheblichen Prozentsatz identisch mit unserer gewohnten Welt. Das hat nichts mit einem Mangel an Fantasie der entsprechenden Schriftsteller zu tun, sondern ist die Grundlage dafür, dass wir diese Romane überhaupt verstehen und genießen können. Wie groß der prozentuale „Phantasie-Anteil“ an der Romanwelt ist, hängt stark vom Genre und den jeweiligen Autor ab.

So gilt beispielsweise die Fantasy-Welt von Westeros („Game of Thrones“) aus der Feder von George R.R. Martin unter Fantasy-Lesern trotz Drachen, Weißen Wanderern und Magie als eher realistisch. Denn statt edler Paladine, weiser Elfen, untersetzter Zwerge und vierschrötiger Orks kämpfen hier (von wenigen Ausnahmen abgesehen) ausschließlich Menschen mit blutiger Waffengewalt, politischen Intrigen, Verrat und Meuchelmord um die Macht in den sieben Königslanden.

Drachen und Magie sind in Westeros lediglich ein Mittel zum Zweck, ähnlich wie Panzer, Drohnen und biologische Kampfstoffe in unserer „realen“ Welt. Die Geschichten der Menschen, die George R.R. Martin erzählt, drehen sich um Liebe, Hass, Machthunger, religiösen Eifer, Ehrgeiz und Rachsucht – alles Dinge, die uns nur allzu gut bekannt sind.

Es ist der „reale“ Anteil einer Fantasy- oder Science-Fiction-Welt, der sich in erster Linie gegen den Vorwurf „unrealistisch“ verteidigen können muss.

  • Wenn sich in einem Fantasy-Roman die menschliche Heldin einen stundenlangen Kampf mit einem schwer gepanzerten Ritter liefert und dabei ständig ihr Zweihänder-Schwert schwingt, ist das „unrealistisch“ – denn selbst der muskulösesten und durchtrainiertesten Heldin würde bald die Puste ausgehen, wenn sie die ganze Zeit ein Schwert gegen ihren Gegner schwingen müsste, das zwischen 4 und 6 Kilo wiegt.
  • Wenn der Held mit seinem Pferd innerhalb eines Tages mehr als 300 Kilometer zurücklegt, ist das „unrealistisch“, da selbst gut trainierte Pferde keine 200 Kilometer am Tag schaffen. Und wenn man dann noch das eventuell teilweise unwegsame Gelände einkalkuliert, sollte man diesen Wert noch einmal deutlich nach unten korrigieren.

Was ich mit diesen Beispielen sagen will, ist, dass das Schreiben eines „Fantasy-Romans“ niemals als Ausrede für schlechte oder gar unterlassene Recherche dienen darf. Alles, was in einem Fantasy- oder Science-Fiction-Roman nicht explizit als abweichend von unserer Realität geschildert wird, sollte auch innerhalb des Romans „realistisch“ geschildert werden.

Doch wie sieht die Sache bei dem „fantastischen“ Anteil von Fantasy-, Science-Fiction- und Horror-Romanen aus? Hier kann man natürlich nicht von „realistisch“ oder „unrealistisch“ sprechen, aber definitiv von „plausibel“ und „unplausibel“.

Hier ist das Zauberwort „Konsistenz“. Wenn sich ein Leser bewusst auf einen Fantasy- oder Horror-Roman einlässt, ist er üblicherweise durchaus bereit, die abweichenden Prämissen dieser Romanwelt für die nächsten paar hundert Seiten als „wahr“ anzunehmen. Ich kann „The Walking Dead“ oder „Das Lied von Eis und Feuer“ genießen, obwohl ich nicht an die Existenz von Zombies oder von Drachen glaube – aber nur, solange die Handlung ihrer eigenen inneren Logik treu bleibt.

Jegliche Abweichungen von unserer gewohnten Realität in einem Fantasy-, Science-Fiction- oder Horror-Roman müssen explizit eingeführt und nach Möglichkeit auch halbwegs logisch begründet werden, damit auch der kritische Leser sie als „gesetzt“ akzeptieren kann.

So gibt es beispielsweise etliche Webseiten, die sich damit beschäftigen, wie Drachen tatsächlich „funktionieren“ könnten. Wie könnte ein Drache trotz seiner Körpergröße abheben und fliegen – und wie könnte er Feuer spucken? Dies alles sind Dinge, über die man sich als Fantasy-Autor bereits beim Entwurf seiner Romanwelt Gedanken machen sollte.

Denken Sie beispielsweise an die unterschiedlichen Fantasy-Rassen, die seit Tolkiens „Herr der Ringe“ hunderte von Fantasy-Romanen bevölkern: Elfen, Zwerge, Orks und wie sie nicht alle heißen. Gerade durch Fantasy-Rollenspiele sind Mischwesen wie Halb-Orks oder Halb-Elfen aufgekommen, doch was wären die Konsequenzen solcher „Mischungen“?

George R.R. Martin hat sich dadurch, dass alle Bewohner der sieben Königslande mehr oder weniger menschlich sind, dieser Problematik entzogen. Doch wie handhabt man das als Autor, in dessen Romanwelt es beispielsweise Menschen, Elfen, Zwerge und Orks gibt? Sind diese soweit genetisch kompatibel, dass Mischlinge zwischen Mensch und Elf oder Zwerg und Ork möglich wären – also ähnlich wie bei Hunden, bei denen durch größtenteils identische DNA selbst ungewöhnliche Kreuzungen wie zwischen Pekinese und Dänischer Dogge denkbar wären?

Wenn ja, ergibt sich daraus eine Problematik, derer sich die meisten Fantasy-Autoren gar nicht bewusst sind. Denn wenn diese Nachkommen nicht wie bei der Kreuzung zwischen Esel und Pferd (also dem Maultier bzw. Maulesel) automatisch steril sind und sich ihrerseits nicht fortpflanzen könnten, würde diese genetische Kompatibilität innerhalb einiger Jahrhunderte für eine immer stärkere Vermischung der Rassen sorgen, bis die Unterschiede zwischen den Rassen spätestens nach ein paar Jahrtausenden immer geringer werden. In einer solchen Welt wäre also ein Held, unter dessen Vorfahren sich Angehörige aller möglichen Rassen finden, wesentlich wahrscheinlicher als ein „reiner Elf“ oder ein „reiner Zwerg“ – genau wie viele von uns in ihrem Stammbaum Angehörige der unterschiedlichsten Nationalitäten finden, wenn sie ein paar Generationen zurück gehen.

Wenn man also explizit unterschiedliche Rassen in seinem Fantasy-Roman haben möchte, sollte man diese genetisch inkompatibel machen – was natürlich eine eventuelle Liebesgeschichte zwischen Angehörigen unterschiedlicher Rassen (speziell was die gemeinsame Familienplanung angeht) deutlich erschwert.

Auch bei magischen Systemen gilt, dass man sich als Autor hier über die zugrundeliegenden Regeln und Gesetzmäßigkeiten gründliche Gedanken machen sollte. Damit Magie „plausibel“ wirkt, muss man als Leser ihre Gesetzmäßigkeiten entweder verstehen oder zumindest nicht widerlegen können.

„Verstehen“ ist dann der Fall, wenn man als Leser (z.B. gemeinsam mit dem Protagonisten, der im Laufe der Handlung erst die Anwendung von Magie erlernt) erfährt, wie Magie funktioniert, was möglich ist und was nicht und welchen Restriktionen man als Magier unterworfen ist – ähnlich wie bei einem Rollenspiel, bei dem wir beispielsweise wissen, dass man für einen bestimmten Zauberspruch soundsoviel Mana und ganz bestimmte Zutaten benötigt und dass dieser Spruch nur bei Tageslicht wirkt.

Wenn Magie nicht erklärt wird, sondern nur als praktisches Handlungselement eingestreut wird (wie beispielsweise bei den Harry-Potter-Romanen), ist sie für den Leser nicht zu begreifen. Doch wenn der Leser an einem bestimmten Punkt der Handlung sagt: „Warum verwendet er nicht einfach denselben Zauberspruch wie in Kapitel 12, um das Problem zu lösen?“, empfindet er das magische System als „unplausibel“ – denn entweder ist der Protagonist zu dumm, auf eine so einfache Lösung zu kommen, oder der Autor hält sich nicht an seine selbst festgelegten Regeln, weil derselbe Zauberspruch in einer ähnlichen Situation plötzlich nicht mehr helfen soll.

Auch aus diesem Grund sollte man sich als Fantasy- oder Science-Fiction-Autor bei jeder neuen Idee oder Erfindung genau überlegen, was die „realistischen“ Konsequenzen wären, wenn es dies wirklich gäbe. Wenn Magier mit einem Fingerschnippen und ohne zu ermüden von einem Ende der Welt ans andere teleportieren könnten – würde dann nicht irgendein Magier den schnellsten Postdienst aller Zeiten aufmachen, anstatt die Post weiterhin mit langsamen Pferdekutschen transportieren zu lassen? Wenn magische Fackeln an den Wänden der Dungeons ewig brennen – warum werden dann überhaupt noch Kerzen oder Öllampen produziert?

Nehmen Sie sich daher gerade bei der Planung „fantastischer“ Romane, egal ob diese nun in magischen Parallelwelten oder in einer weit entfernten Zukunft auf fremden Planeten spielen, ausreichend Zeit, um eine sowohl „realistische“ als auch „plausible“ Romanwelt zu erschaffen. Ihre Leser werden es Ihnen danken.


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Patchwork-Tutorial: Die Kapitelübersicht

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkAuf den ersten Blick mag es seltsam anmuten, dass der Kapitelübersicht, also der Gliederung eines Dokuments, ein eigenes Tutorial gewidmet wird. Aber sie ist gar nicht so ohne! Über sie wird das gesamte Projekt gesteuert und pro Szene werden dort bis zu 50 Informationen – die meisten versteckt – abgelegt.

Alles zum Tuning dieses Bereichs findet man in den Einstellungen (Hauptmenü › ‚Bearbeiten‘ › ‚Einstellungen‘ › Bereich ‚Linker/rechter Teil‘).

Einige Angaben zu den Spalten kann man ganz einfach durch Eingabe eines Zeichens vornehmen, wenn man auf einer Szene steht. Diese Kürzel werden, so vorhanden, jeweils am Ende der jeweiligen Spaltenbeschreibung angegeben.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichsten, der Szenenstruktur. Wir haben zwar schon ein paarmal darüber gesprochen, aber man kann das nicht oft genug tun, wie ich immer wieder bei Supportgesprächen beobachte.

Eine sogenannte Szene hat zwei Aufgaben: sie dient der Gliederung und kann Text enthalten. Wenn ein Kapitel keine weiteren Unterszenen birgt, dann ist sie beides: Als Umbruchstyp gibt man Kapitel oder Unterkapitel an und im Schreibfenster schreibt man den Text dazu.

Sobald aber innerhalb eines Kapitels/Unterkapitels mehr als eine Szene ist – also Leerabsätze oder ***-Absätze, dient die Kapitelszene nur noch der Gliederung und in der Ausgabe natürlich der Überschrift. Mit anderen Worten: Der Text liegt in den untergeordneten Szenen – und zwar komplett – die Kapitelüberschrift aber in der Kapitelszene. Sind Unterszenen vorhanden, was meistens der Fall ist, dann sollte man unbedingt vermeiden, auch in der Kapitelszene Text vorzuhalten, sonst ist nämlich im fertigen Dokument zwischen Kapitel und der nächsten Szene weder ein Leer- noch ein ***-Absatz und man wundert sich, weshalb die fehlen. Das ist deshalb so, weil Haupt- und Unterkapitel nur den Umbruch vor der Szene regeln und nicht auch noch danach, wie es großer Szenenwechsel (***) und mittlerer (Leerabsatz) tun. Da es aber diese Situation trotzdem geben kann – Text nach der Kapitelüberschrift aber vor dem ersten Unterkapitel oder zwischen Teil und erstem Kapitel – wird die Möglichkeit nicht generell unterbunden. Man wird aber durch diese rosa Einfärbung (1) auf die Möglichkeit eines Fehlers hingewiesen.

Was einem sofort ins Auge fällt, sind mehrere Spalten neben dem Szenentitel.

Da man nach aktuellem Bedürfnis oder aus Platzgründen meist nicht alle Spalten sehen möchte, kann man sie einzeln zu- und wegschalten. Dafür geht man mit dem Mauszeiger auf den Tiel der Hauptspalte ›Kapitel/Szene‹ (2), worauf ein Menü mit den zur Verfügung stehenden Spalten aufklappt. So kann man sie schnell anzeigen lassen oder verstecken.

Der Szenentitel selbst lässt sich als einzigeSpalte nicht ausblenden. Fett (3) werden dabei Hauptkapitel dargestellt und, wenn in den Einstellungen angegeben, auch Unterkapitel. In der Titelspalte gibt es drei weitere Anzeigen.

Man kann ein Symbol aus einer Palette von 43 anzeigen lassen (4), um Szenen auf individuelle Weise zu kennzeichnen.

Kürzel zur Szenenmarkierung: x (oder über das Kontextmenü)

Bei manchen Szenen ist es sinnvoll, den automatischen Erstzeileneinzug zu deaktivieren (5). Zum Beispiel bei Hinweisseiten hinten mit Buch- und Autorenfotos und Aufzählungen. (Kontextmenü › ‚Szene ohne Erstzeileneinzug‘)

Und wenn man schließlich in einer Schreibblockade gefangen ist, kann man sich inspirieren lassen, indem man zu Szenen Clustering betreibt (6). Dieses Brainstorming ist oft der richtige Rohrdurchputzer. (Kontextmenü › ‚Cluster und Kreativmatrix für diese Szene (Brain)‘)

Der Titel der Titelspalte liefert eine kleine Zusatzinformation, wenn man für ein Projekt die Timeline nutzt. Fährt man mit der Maus über die Szenen, wird im Titel der Spalte die Tagesdifferenz zur gerade markierten Szene angezeigt (2).

Und schließlich hat der Titel selbst noch zwei Spezialitäten auf Lager.

Alles was innerhalb eckiger Klammern eingegeben wird, ist weder im Gesamtdokument, noch im eBook in der Überschrift sichtbar (alle niederrangigeren Szenenwechsel werden ohnehin nicht angedruckt). Möchte man also zu den Kapiteln ein Stichwort angeben, so lässt sich das auf diese Weise elegant umsetzen. So sieht das aus: Kapitel 4 [Mentor taucht auf].

Manche Autoren lieben es, einzelne Szenen in einem Kapitel durchzunummerieren, ihnen den Namen des Protagonisten voranzustellen oder andere Subüberschriften vor die Szenen zu setzen. Das erzielt man, indem man beim mittleren oder kleinen Szenenwechsel im Titel die anzudruckende Subüberschrift zwischen Rautezeichen setzt. Soll also vor der Szene fett 1 stehen, sieht der Titel dann so aus. Dabei ist der Text ›Am Tag der Ankunft‹ der interne Szenentitel – also der Titel als Info für die Autorin – der nicht gedruckt wird (wie gesagt, bei großem/kleinen Szenenwechsel):
AmTag der Ankunft #1#  Hier wird nun linksbündig vor, also über der Szene 1 angedruckt und dann beginnt wie üblich der Szenentext selbst. Einfach mal ausprobieren, im Gesamtdokument sieht man das Ergebnis ja gleich.

Die zweitwichtigste Spalte dient dem Umnruch (7). Also neues Kapitel, Unterkapitel, großer, mittlerer und kleiner Szenenwechsel. Über sie wird die Gliedrung des Gesamtokuments gesteuert. Die horizontale Gliederung spielt dafür keine Rolle, sondern dient lediglich der eigenen besseren Übersicht und der Möglichkeit, Kapitel oder ganze Teile oder sogar Bände einfach zuklappen zu können.

Hier gibt es auch noch eine kleine Besonderheit für spezielle Fälle. Üblicherweise bedeutet Hauptkapitel automatisch ›neue Seite‹, während ein Unterkapitel mit seiner (etwas kleineren) Überschrift auf der gleichen Seite fortfährt. Wie aber realisiert man Ebenen darüber? Das können in einem Buch Teile sein oder sogar mehrere Bücher einer Reihe, die ihrerseits mehrere Teile haben können. Mehrere Bücher in einem Projekt sind dann praktisch, wenn dieselben Figuren und Schauplätze in allen Bänden zum Einsatz kommen.

Wenn man allerdings ein Kapitel einem andern unterordnet, steht auf einer Seite die Überschrift des ersten und sonst nichts – weil ja Kapitel auf neuen Seiten beginnen. Dieses Verhalten einer neuen Seite kann man über den Menüpunkt (KEINE) Neue Seite übersteuern. Diese Funktion bewirkst also bei Unterkapiteln schon eine neue Seite oder bei Hauptkapiteln keine neue Seite.

Den kleinen Szenenwechsel, der optisch gar keiner ist, weil ja lediglich ein neuer Absatz beginnt, verwendet man immer bei der letzten Szene eines Blocks von untergeordneten Szenen, um eventuelle Leerabsätze im Gesamtdokument zu vermeiden. Das wäre zwar auch kein Drama, aber man muss dort dafür einmal weniger aufpassen. Auch verwendbar, wenn man unterschiedliche Bilder oder andere Szenenrequisiten innerhalb einer nach außen geschlossenen Szene abspeichern möchte.

Kürzel für den Umbruch: h u g m k (Hauptkapitel, Unterkapitel, großer, mittlerer und kleiner Szenenwechsel)

Dann kommen in der Wichtigkeit wohl die drei statistischen Spalten (8): Zeichen, Wörter und Seiten pro Szene. Man möchte schließlich wissen, wieviel man schon geschrieben oder noch zu schreiben hat. Für jede Szene werden diese drei Werte aktuell hochgerechnet. Durch die Kaskadenstruktur von Kapitel zu Unterkapitel zu Szenen erhält man auch die Werte in den übergeordneten Ebenen hochgerechnet. Man sieht also sowohl die Anzahl pro Szene als auch des Unterkapitels, Hauptkapitels und so weiter.

Eigentlich wichtiger wäre ja die Perspektive (9), wenn man ehrlich ist, deshalb die auch gleich als Nächstes. Gesteuert wird die Anzeige über die Angabe in den Einstellungen, ob lang (›Personal‹) oder oder kurz (›Per‹). Wenn man im rechten Teil bei den Szenenrequisiten Figuren einträgt (per Drag & Drop hinüberziehen aus der Figurenliste oder mit dem Figurenschnüffler vorschlagen lassen), dann wird hinter der Perspektivart die oberste Figur angeben – natürlich nur bei den beiden Ein-Figuren-Erzählperspektiven, also Ich-Perspektive und der personalen.

Kürzel für die Perspektive: p i a n (personal, ich, auktorial, neutral)

Der Überarbeitungsstatus (10) ist eine feine Sache, wenn man bei der Überarbeitung nicht dranbleiben kann. So sieht man auf einen Blick, wo man schon durch ist und wo noch nicht. Und auch wie weit. Denn es gibt 6 mögliche Stufen: Skizze, Erstschrift, Überarbeitung 1 bis 3 und fertig überarbeitet.

Kürzel für den Überarbeitungsstatus: 1 2 3 4 5 6 auf der Schreibmaschinentastatur.

Das Kennzeichen Nicht ausgeben (11) wird sowohl in einer Spalte dargestellt als auch durch Abgrauen der Szenenzeile. Diese Spalte ist also vernachlässigbar. Alle so gekennzeichneten Szenen werden weder ins Gesamtdokument noch ins eBook übernommen. Vor allem beim Arbeiten mit Teilen oder Bänden praktisch

Kürzel für ›Nicht ausgeben‹: [Leertaste] oder [Shift+Leertaste], was dann für alle untergeordneten auch gilt.

Neu mit Version 1.72 kommt eine Infospalte dazu, in der man auf einen Blick das Vorhandensein gewisser Szeneninhalte erkennen kann. So können in dieser Spalte pro Szene bis zu sieben Symbole aufscheinen.

In der oberen Reihe vier für die möglichen vier Markerfarben (12). Wenn man die Methode des Markerns von Textstellen nutzen möchte, um zum Beispiel Bearbeitungsbedarf zu vermerken, dann sieht man hier, welche Szenen welche Markierungsfarben beinhalten.

In der unteren Reihe wird angezeigt, ob es zu der Szene Bilder gibt (links), Notiztexte (mittig) und Rechercheelemente (von der Sprachnotiz bis zur Internetadresse – rechts) (13).

Zum Beinahe-Abschluss ein kleiner Tipp: Um aus dem Text in die Kapitelübersicht zu kommen und auch umgekehrt, braucht man nur die [Esc]-Taste zu drücken. Auf diese Weise kann man auch schnell wo anders hin gelangen.

Und zum Ganz-Abschluss noch einer, weil es in der Kapitelübersicht zu sehen ist: Die One-click-Paralellanzeige (14). Sobald der Cursor im Schreibfenster steht und man mit der Maus über die Kapitelübersicht fährt, scheint dieser Hinweis neben dem Mauszeiger auf (außer man schaltet ihn in den Einstellungen weg). Sobald diese Anzeige vorhanden ist, kann man durch Drücken der [Shift]-Taste direkt in die Parallelanzeige der Szene springen, über der die Maus steht und das ohne, dass sich im Schreibfenster irgendetwas ändert.

So, das war’s für diesmal. Wir hoffen, dass dadurch das Arbeiten mit Patchwork nun noch einen Hauch geschmeidiger geht!

Link zum Video

Martin Danesch


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Software-Tipp: FlexiPDF 2017

Wenn es um den Datenaustausch zwischen verschiedenen Rechnern, auch über die Grenzen unterschiedlicher Betriebssysteme hinweg, geht, ist das PDF-Format der wohl unumstrittene Standard. Schriftarten, Grafiken und Illustrationen lassen sich problemlos in Dokumente einbinden und man kann sich sicher sein, dass ein PDF beim Empfänger in exakt demselben Layout angezeigt wird, in dem es der Absender erstellt hatte.

Diese Möglichkeiten machen das PDF-Format zum idealen Format, um eBooks (beispielsweise Rezensionsexemplare von demnächst erscheinenden Büchern) an Leser zu verteilen. Doch wenn man ein PDF erst einmal generiert hat, sind die Bearbeitungsmöglichkeiten ziemlich eingeschränkt.

So ist es beispielsweise schwer, nachträglich in ein bestehendes PDF den Namen des Empfängers einzutragen – eine Vorsichtsmaßnahme, durch die man beispielsweise im Falle eines Falles nachvollziehen kann, wer ein Rezensionsexemplar unerlaubt weitergegeben hat.

Doch jetzt hat das Nürnberger Softwarehaus SoftMaker mit FlexiPDF 2017 ein Programm herausgebracht, mit dem man PDF-Dokumente genauso einfach und komfortabel wie mit einer Textbearbeitung bearbeiten kann.

Mit FlexiPDF ist es nicht nur möglich, nachträglich noch Änderungen im PDF vorzunehmen, sondern auch, die Rechte des Benutzers einzuschränken. So können Sie beispielsweise verhindern, dass Testleser ein Rezensionsexemplar eines Ihrer Bücher ausdrucken oder Passagen herauskopieren.

Sehr praktisch ist auch die Möglichkeit von FlexiPDF, eingescannte Dokumente per OCR in bearbeitbare Texte umzuwandeln.

Mit 79,95 € für die Standard-Version und 99,95 € für die Professional-Version ist FlexiPDF zwar nicht ganz billig, stellt aber dennoch eine lohnende Investition für Autoren dar, die häufig mit Dokumenten im PDF-Format arbeiten.

Zurzeit bietet SoftMaker übrigens eine Rabattaktion (https://shop.softmaker.com/shop/shop.php) an, bei der Sie die Standard-Version mit 18% Rabatt für 64,95 € und die Professional-Version mit 15% Rabatt für 84,95 € bestellen können. Zusätzlich erhält man (jedenfalls solange der Vorrat reicht) das Programm CutOut 5 zum Freistellen von Grafiken im Wert von 99 € kostenlos dazu – ein nettes Schmankerl für alle Autoren, die gerne ihre eigenen Buchcover designen.

Die Rabattaktion läuft nur noch bis zum 02.01.2017. Wer mit dem Kauf von FlexiPDF liebäugelt, sollte daher schnell zugreifen, um den Rabatt und die kostenlose Dreingabe mitzunehmen. Die Rabattaktion umfasst übrigens auch ähnlich hohe Rabatte für SoftMaker Office, so dass man z.B. momentan die Professional-Version von SoftMaker Office 2016 als Upgrade für gerade mal 34,95 € abstauben kann – ein lohnendes Schnäppchen, da man z.B. auch vom kostenlosen FreeOffice upgraden kann.

Nähere Informationen zu FlexiPDF finden Sie unter http://www.softmaker.de/flexipdf. Dort können Sie auch eine kostenlose Testversion von FlexiPDF herunterladen, um sich vor dem Kauf von den Möglichkeiten des Programms zu überzeugen.


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George R.R. Martin und das Geheimnis der Produktivität

Was würden Sie vermuten, was man für einen „optimalen Schreib-PC“ ausgeben muss? Ist es ein teurer Apple-Rechner mit riesigem Flachbildschirm? Oder doch eher ein superflaches Ultrabook mit Full-HD-Display und Hochleistungs-Akku?

Wenn Sie George R.R. Martin, den Autor der bekannten Fantasy-Romanserie „Ein Lied von Eis und Feuer“ (in Deutschland besser bekannt unter dem Titel der Serien-Verfilmung „Game of Thrones“) fragen, würde dieser über derartige Vorschläge höchstens amüsiert schmunzeln.

Denn George R.R. Martin schreibt, obwohl er zweifellos jeden noch so leistungsfähigen High-Tech-Rechner und die modernste Schreibsoftware aus der Portokasse bezahlen könnte, seine Romane auch heute noch auf einem alten DOS-Rechner unter WordStar 4.0.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Wir reden hier von einem Rechner der Prä-Windows-Ära, dessen Betriebssystem noch auf einer Diskette ausgeliefert wurde, und einem Schreibprogramm, das bereits 1987 erschienen ist und somit nächstes Jahr schon seinen 30. Geburtstag feiert.

Doch warum bleibt jemand wie George R.R. Martin bei einer derart antiquierten Hard- und Software, die nach heutigen Gesichtspunkten so gut wie überhaupt nichts kann?

Gut, wir wissen nicht, ob es sich bei seinem Schreib-PC immer noch um denselben alten Rechner von Anno Tobak handelt, oder um einen aktuellen PC, auf dem das alte DOS-Betriebssystem und Wordstar 4.0 neu installiert wurden – aber Fakt ist, dass sein Schreib-PC nicht mit dem Internet verbunden ist und er eine altertümliche Schreibsoftware verwendet, die vom Aussehen und vom Leistungsspektrum her mit einer modernen Textverarbeitung wie Word 2016 ungefähr genausoviel gemein hat wie der erste Ford-Oldtimer „Tin Lizzy“ mit einem modernen Tesla-Sportwagen.

Der Grund für George R.R. Martins Treue zum alten WordStar 4.0 ist bemerkenswert: In einem Interview sagte Martin, dass WordStar 4.0 alles könne, was er bei einem Schreibprogramm benötige. Er brauche weder eine Autokorrektur noch eine Rechtschreibprüfung, die ohnehin nur über jeden der zahllosen Namen in seinem Fantasy-Epos stolpern würde. Windows und moderne Schreibprogramme hätten zu viele Features, die er beim besten Willen nicht gebrauchen kann – aber dafür zahlreiche Bugs und Schwachstellen, die zu Abstürzen und Datenverlust führen können, während seine archaische Kombination aus DOS und WordStar 4.0 seit Jahrzehnten stabil und zuverlässig läuft.

Für andere Dinge wie zum Surfen im Internet, das Empfangen und Schreiben von Emails oder seine Steuererklärung, habe er einen zweiten, moderneren PC, der, wie man es gewohnt ist, permanent mit dem Internet verbunden ist.

So mancher jüngere Leser, der mit Windows, Android und iOS groß geworden ist und der sich schon unwohl fühlt, wenn er mehrere Stunden am Stück ohne WLAN, DSL und LTE offline ist, wird über George R.R. Martins Arbeitswerkzeug vielleicht verwundert den Kopf schütteln.

Andere werden jetzt direkt zu Google wechseln und recherchieren, wo man heute noch eine Lizenz von WordStar 4.0 bekommt oder wie man das alte DOS-Betriebssystem auf einem modernen Quad-Core-PC installieren kann.

Aber es geht nicht darum, die Arbeitsweise eines anderen Schriftsteller zu kopieren. Es wird immer Hobby-Schriftsteller geben, die auf der Suche nach dem Geheimis des Erfolgs Artikel über die Arbeitsweise und die Rituale erfolgreicher Bestseller-Autoren lesen und diese in der irrigen Hoffnung nachahmen, dass irgendwo darin das Geheimnis ihres Erfolgs verborgen sein müsse. Wenn Stephen King beim Schreiben laute Heavy-Metal-Musik hört, passt das für King. Mich würde es wahnsinnig machen, obwohl ich Heavy Metal liebe. Beim Schreiben brauche ich meine Ruhe – da müssen Lemmy und Angus warten.

Statt die Arbeitsweisen und Gewohnheiten erfolgreicher Schriftsteller kritiklos zu übernehmen, sollten wir eher hinterfragen und ergründen, warum sie sich für diese Arbeitsweise entschieden haben. Solche Überlegungen können uns weitaus mehr dabei helfen, herauszufinden, ob und wie weit wir die Vorteile dieses Ansatzes auch für uns nutzbar machen können.

Statt also nach diesem vielleicht etwas schrullig wirkenden Bekenntnis des Erfolgsschriftstellers gleich nach einem alten DOS-Rechner und einer WordStar-Lizenz Ausschau zu halten, sollten wir aus dem Einblick in G.R.R. Martins Arbeitsalltag lieber zwei Dinge herauslesen, die wir auch auf unseren Schreiballtag übertragen können:

1. Es gibt niemals ein optimales Schreibwerkzeug, aber mit Sicherheit eines, das „gut genug“ ist.

Viele von uns sind permanent auf der Suche nach einem noch besseren Schreibprogramm, das es uns endlich leichter macht, unsere Bücher zu schreiben. Frei nach dem Motto „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch was besseres findet“ schielen wir immer nach links und rechts – stets in der Hoffnung, dass irgendwann jemand das perfekte Schreibtool entwickelt: die eierlegende Wollmilchsau, die Szenen, Charaktere, Zeitstrahl, Handlungsbögen etc. verwaltet und verknüpft und das Schreiben eines Bestsellers zu einem Spaziergang macht.

Und selbst wenn wir uns für eine Schreibsoftware entschieden haben, warten wir dennoch freudig auf jede neue Version und jedes neue Update – stets in der Hoffnung, dass vielleicht ein paar neue Funktionen und Möglichkeiten dabei sind, die uns das Leben (und das Schreiben) einfacher machen.

Aber was davon braucht man wirklich, um gute Bücher zu schreiben?

William Shakespeare und seine Zeitgenossen schrieben ihre Stücke mit Feder und Papier und schafften es trotzdem, produktiver als viele heutige Schrifsteller zu sein und Werke zu erschaffen, die auch nach Jahrhunderten noch lange nicht in Vergessenheit geraten sind.

Oder nehmen Sie die Schriftsteller der klassischen Pulp-Romane, die wie auch Hemingway ihre Manuskripte in schwergängige mechanische Schreibmaschinen hämmerten. Kein Copy&Paste, kein Drag&Drop, keine Autokorrektur – nicht einmal eine Backspace-Taste. Dennoch schafften viele dieser Pulp-Autoren es, über etliche Jahre hinweg pünktlich und präzise wie ein Schweizer Uhrwerk alle paar Wochen ein neues Manuskript beim Verlag abzuliefern.

Nein, die Wahl des PCs und der Schreibsoftware ist zweitrangig. Suchen Sie sich ein Programm aus, das Ihnen gefällt, mit dem Sie gut klar kommen und dessen interne Logik Ihrer Arbeisweise entspricht, und dann bleiben Sie dabei – genau wie George R.R. Martin bis heute seinem WordStar treu geblieben ist. Denn das einzige Schreibwerkzeug, auf das es wirklich ankommt, ist unser Gehirn – und es fällt wesentlich leichter, sich beim Schreiben auf das eigentliche Manuskript zu konzentrieren, wenn man die Schreibsoftware und ihre Bedienung längst wie im Schlaf beherrscht.

2. Zum Schreiben braucht man kein Internet

Die strikte Trennung zwischen einem reinen Schreibcomputer, der nicht mit dem Internet verbunden ist und ausschließlich zum Schreiben dient, und einem normalen Internet-PC für alle sonstigen Tätigkeiten, wie George R.R. Martin sie praktiziert, ist eines der besten Dinge, die man für seine Produktivität als Schriftsteller tun kann.

Es fällt oft schwer, sich aufs Schreiben zu konzentrieren, wenn Emails, Twitter, Facebook, YouTube und andere Ablenkungen stets nur einen Mausklick entfernt sind. Selbst wenn man akustische Benachrichtigungen und Popup-Fenster für neue Nachrichten ausgeschaltet hat, ist doch immer die Verlockung da, „nur mal schnell“ etwas online zu recherchieren oder zu verifizieren.

Auch ich habe aus diesem Grund meinen Schreib-PC (einen alten Pentium 4 mit Windows XP und 512 MB RAM, der weder über WLAN noch über Kabel mit dem Internet verbunden ist) in einem anderen Raum als meinen normalen Internet-PC.

Dort schreibe ich im Stehen an meinem selbstgebauten Schreibpult mit einer guten mechanischen Tastatur, deren Tastenklicken das einzige Geräusch ist, das ich beim Schreiben höre. Auf dem PC ist außer WriteMonkey, das ich bevorzugt zum Schreiben meiner Rohfassungen verwende, und Wikidpad, das ich zum Verwalten der Hintergrundinformationen für mein aktuelles Romanprojekt benötige, kein weiteres Programm installiert. Keine Spiele, keine anderen Anwendungsprogramme – gar nichts. Alle Notizen und Informationen, die ich zum Schreiben benötige, nehme ich nur in Papierform in meinen Schreibraum mit.

Der PC ist so konfiguriert, dass er beim Hochfahren direkt WriteMonkey startet und mein aktuelles Manuskript lädt, so dass ich sofort mit dem Schreiben loslegen kann.

Was WordStar 4.0 für George R.R. Martin ist, ist WriteMonkey für mich: eine ablenkungsfreie Schreibumgebung, die genau das kann, was ich zum Schreiben von Artikeln, Sachbüchern, Kurzgeschichten und Romanen brauche, und die auf unnötige Spielereien verzichtet.

Diese Konfiguration hat für mich gleich mehrere Vorteile:

Das Schreiben im Stehen ist nicht nur gut für die Gesundheit (wenn Sie mehr hierüber lesen möchten, empfehle ich Ihnen meinen Kompaktratgeber „(M)ein Platz zum Schreiben„), sondern auch für die Konzentration. Es ist wesentlich leichter, im Sitzen zu faulenzen, als im Stehen. ;-)

Das Fehlen jeglicher Internetverbindung (ich nehme üblicherweise nicht einmal einen Tablet-PC oder mein Smartphone mit in meinen Schreibraum) sorgt dafür, dass ich mich hier ausschließlich aufs Schreiben konzentrieren kann.

Als ich noch versucht habe, meine Manuskripte an meinem normalen Internet-PC zu schreiben, war die Versuchung immer groß, nur noch schnell nach Mails zu schauen, ein wenig bei Amazon oder bei eBay zu stöbern, ein neues Simons-Cat-Video anzusehen oder etwas an meiner Webseite herum zu basteln, statt wirklich an meinem aktuellen Manuskript zu arbeiten. Nur noch fünf Minütchen, bis der Kaffee wirkt oder bis ich den richtigen Ansatz habe, wie ich diesen Artikel oder jene Szene angehen könnte… Unnötig zu sagen, dass aus den „fünf Minütchen“ nur allzu oft eine halbe oder gar eine ganze Stunde wurde.

Mit dem reinen Schreib-PC habe ich dieses Problem nicht mehr. Erstens ist das Faulenzen und Herumtrödeln im Stehen nicht mehr so gemütlich und entspannend wie im Sitzen, und zweitens fehlen die Ablenkungen und Alternativen. Wenn man nur das geöffnete Manuskript vor sich hat, dauert es nicht lange, bis man tatsächlich mit dem Schreiben beginnt – und wie bei fast allen Dingen ist es auch hier so, dass das Anfangen eigentlich das Schwerste ist. Ist man erst einmal dran, läuft es fast von alleine.

Wenn mir beim Schreiben eine Information fehlt, die ich erst recherchieren müsste, habe ich offenbar schlecht vorgeplant. Aber schlimm ist das auch nicht. Allein der Aufwand, in einen anderen Raum gehen zu müssen, um „mal schnell“ etwas zu googeln, sorgt schon dafür, dass man beim Schreiben eher einen Platzhalter einsetzt (z.B. [hier Name des Erzbischofs von Köln im Jahr 1782 einsetzen]) und die fehlenden Informationen später bei der Überarbeitung des Manuskripts in einem Aufwasch recherchiert und nachträgt.

Probieren Sie es einfach einmal aus. Sie müssen natürlich nicht unbedingt im Stehen schreiben, aber ein billiger, altmodischer Schreib-PC ohne Internetzugang (bekommt man gebraucht schon unter 50 Euro) mit einer relativ simplen Schreibsoftware könnte sich durchaus auch für Sie als wahre Produktivitäts-Geheimwaffe erweisen – sozusagen auf den Spuren von George R.R. Martin. Sie befinden sich also in guter Gesellschaft.


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Patchwork-Tutorial: Umstieg auf Patchwork und seine Szenen

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkFür alle, die schon mit Scrivener oder yWriter gearbeitet haben, ist die Szenenlogik nicht ungewohnt. Aber für all jene, die mit Word, Open Office, Libre Office, Papyrus oder Textmaker – also den Volltextprogrammen – vertraut sind, hatte die Szene bisher eher eine marginale Bedeutung: man entwirft Kapitel, eventuell Unterkapitel und manchmal Leerabsätze. Bei Patchwork hingegen wird der Szene die Aufmerksamkeit gegeben, die ihr in Wirklichkeit auch gebührt.

In diesem Tutorial wollen wir uns den Fluss ansehen, wie vorhandene Texte nach Patchwork gelangen und was daraus wird und uns mit dem zentralen Element ›Szene‹ sachlich beschäftigen.

AblaufDiese Abbildung zeigt den gesamten möglichen Ablauf vom Import eines bestehenden Projekts bis zur Ausgabe als fertige Publikation.

Zu Szenen im Allgemeinen

Die Bedeutung einer Szene wird am einfachsten klar, indem man sich an ein Theaterstück erinnert. Ein Wohnzimmer, ein Marktplatz, ein Gasthaus. Sobald sich das Szenario – dieser Ausdruck zeigt übrigens, welche einprägsame Rolle Szenen auch in unserem Alltag spielen – ändert, muss ein neues Szenenbild, sprich Bühnenbild, aufgezogen werden. Beim Geschriebenen fällt das nicht so auf, weil wir ja ein Buch vor uns liegen haben, das optisch mäßig gegliedert erscheint. Das Kapitel ist in diesem Zusammenhang üblicherweise der Begriff der Wahl. In Wirklichkeit ist eine Geschichte aber viel feiner unterteilt.

Mit dem Gedanken des Bühnenbildes im Hinterkopf fällt es leichter, sich in den eigenen Geschichten einen Szenenwechsel zu verdeutlichen:

Paul steht morgens auf, frühstückt, liest die Zeitung, kümmert sich um seine Mails und fährt dann ins Büro. Dort sieht er seine Geschäftsmails und den Eingangs-Ablagekorb durch, erledigt ein paar Dinge und hat dann eine Besprechung, bei der es um das Projekt seines Teams geht.

Wenn das nicht nur so wie eben heruntererzählt wird, sondern wir bei jeder dieser Stationen erzählerisch in die Tiefe gehen, haben wir es mit drei Szenen, also drei Bühnenbildern,  zu tun: aufstehen bis Mails, am Arbeitsplatz und dann im Besprechungsraum. Das sind definitiv Szenenwechsel, denn der Leser wird dazu gebracht, sich drei unterschiedliche Umgebungen vorzustellen. Dabei ist der erste Wechsel, von zu Hause in die Firma, ein etwas größerer. Je nachdem wie feinmaschig eine Geschichte ist, das heißt, welchen Raum diese Szenen einnehmen, umso gewichtiger ist der Wechsel. Unser Beispiel könnte also in drei Varianten erscheinen.

  1. Variante: Die Geschehnisse werden nur schnell aufgeführt, um die Zusammenhänge erzählt zu haben. Ein Absatz, kein Szenenwechsel, neutrale, berichterstattende Perspektive.
  2. Variante: Die drei Szenen werden aus Pauls Perspektive beschrieben. Schon beim Aufstehen macht er sich Gedanken über den vergangenen Abend, an dem er mit Jane essen war. Er fühlt sich zu ihr hingezogen. Ob es ihr umgekehrt auch so geht? Seine Gedanken schweifen ab, die Zeitung nimmt er nicht wirklich wahr und er schüttet versehentlich Salz in den Kaffee anstatt des Zuckers.
    Hier könnte ein großer Szenenwechsel angebracht sein mit einem ***-Absatz.
    Im Büro angekommen zwingt er sich zu klaren Gedanken, konzentriert sich auf seine Arbeit und versucht, so schnell wie möglich, ein paar Dinge zu erledigen.
    Hier genügt ein mittlerer Szenenwechsel (Leerabsatz).
    Dann die Besprechung. Noch ein wenig emotionaler als die Szene zu Hause, denn – Jane ist auch in seinem Team und er wird sie während der ganzen Besprechung sehen.
    Hier haben wir drei Szenen, mit ähnlicher Rangigkeit. Eventuell ist der Wechsel von 1 nach 2 nachdrücklicher zu sehen, weil ja ein größerer Ortswechsel stattfindet.
  3. Variante: Der Roman heißt 24 Stunden aus dem Leben des Paul K. Damit füllen diese Szenen schon vielleicht ein Sechstel der ganzen Geschichte. In diesem Fall haben also die Szenenwechsel noch einen größeren Stellenwert. Sie würden zu einzelnen Kapiteln.

Auf den ersten Blick mag es wie Erbsenzählerei aussehen, so sehr ins Detail zu gehen. Aber es handelt sich immerhin um die Bilder, die wir zum Leser transportieren. Wenn dieser Vorgang missglückt – und auch der Wechsel – dann hat man als Autor verloren. Auch im Theater wird gut überlegt, wie man Bühnenbildwechsel für das Publikum so gestaltet, dass es gut folgen kann; den Wechsel zwar bemerkt, aber nicht aus dem Stück gerissen wird. Neben der dramaturgischen Struktur (Dreiakter, Fünf-Punkte-System, Heldenreise und so weiter) spielt auch die Mikro-Dramaturgie eine Rolle für den jeweiligen Augenblick. Und da kommen die Szenen ins Spiel.

Um den Anforderungen gerecht zu werden, die beim näheren Betrachten des Bauteils ›Szene‹ deutlich werden, ist Patchwork szenenorientiert aufgebaut. Jede Szene hat nicht nur ihr eigenes Textdokument, sondern sogar ihren eigenen Ordner.

PatchworkMit Kanonen auf Spatzen geschossen? Das mag auf manche Szenen eventuell zutreffen, aber sehen Sie sich die szenenbezogen Aspekte an und urteilen Sie dann. Alles nun Folgende hängt mit der Szene zusammen (und ist in Patchwork umgesetzt) – ist doch gar nicht so wenig oder?

  • Pitch (Kurzbeschreibung) der Szene
  • Epigraph: kurzer Spruch oder Gedicht nach dem Seitenwechsel, aber vor der Überschrift
  • Die Perspektive der Szene (Ich, personal, auktorial, neutral)
  • Die Figuren, die in der Szene auftreten
  • Bei Ich- und personaler Perspektive: der point of view, also der Perspektivträger, durch dessen Augen erzählt wird
  • Der Schauplatz, wo die Szene spielt
  • Zeit und Dauer – Zuordnung zur Timeline
  • Zuordnung zu einem Erzählstrang
  • Die Gewichtigkeit des Szenenwechsels: Kapitel? Unterkapitel? ***-Absatz oder Leerabsatz? Das steuert auch später die Formatierung.
  • Der Überarbeitungsstatus: Rohschrift – Überarbeitung – fertig überarbeitet
  • Notizen
  • Bilder, Video-Clips, Internet-Recherchen
  • Szenentyp : Die dramaturgische Dichte kann eine Spannungskurve erzeugen
  • Diverse Spezialitäten wie optische Kennzeichnungen, ob die Szene deaktiviert ist, ob sie keinen Erstzeileneinzug aufweist und ob sie in der Timeline überhaupt aufscheinen soll
  • Informationen zur Anzahl Zeichen, Wörter und Seiten
  • Sehr einfaches Verschieben und Umgliedern aller Szenen
  • Szenen-Kreativmatrix
  • Verknüpfung zur Konzeptarbeit (Projektrecherche)
  • Verknüpfung zur Allgemeinen Recherche
  • Verknüpfung zum Kreativboard und der allgemeinen Kreativmatrix

Man sieht, dass es doch eine ganze Menge an szenengebundenen Informationen gibt. Und da manche mit Daten zusammenhängen wie Bilder, Video-Clips oder Pitch- und Epigraphentexten, machen eigene Ordner durchaus Sinn.

Szenen struktur in X- und Y-Achse

Wie wir hier sehen, bestehen zwei Gliederungsachsen. Für unser zukünftiges Buch ist ausschließlich die vertikale Gliederung (1) ausschlaggebend, also von oben nach unten. Genauer: die Reihenfolge, in der Kapitel, eventuelle Unterkapitel und all ihre Szenen angeordnet sind. Genau so wird dann unser Gesamtdokument aussehen, das es natürlich auch in Patchwork gibt.

Screenshot PatchworkDie horizontale Gliederung (2) ist ausschließlich für Sie als Autorin interessant. Idealerweise sollte die zwar auch von den Hauptkapiteln links nach rechts immer mehr ins Detail gehen, Muss ist das aber keines. Man kann also durchaus nur in einer horizontalen Ebene – also alles ist ganz links außen – arbeiten; für das Ergebnis ›Buch‹ spielt das, wie gesagt, keine Rolle. Aber es ist sehr praktisch, wenn man je nach Bedarf Teile des Buchs ausblenden, also zuklappen kann. Ein weiterer Vorteil der horizontalen Gliederung ist die Angabe von Zeichen- Wort- und Seitenzahlen. Die werden nämlich kaskadenmäßig hochgerechnet, man sieht also nicht nur die Anzahl pro Szene, sondern auch aller übergeordneten Ebenen, der Unterkapitel, Kapitel bis hin zu den Projektsummen, die in der Fußzeile des Programmfensters zu finden sind.

Im hier vorliegenden Romanprojekt haben wir sogar drei Teile (3). Sie haben zwar das Kennzeichen ›Hauptkapitel‹, sind aber übergeordnete Teile-Überschriften. Das ist sehr praktisch, weil die Teile, die man gerade nicht benötigt, einfach durch Zuklappen auf eine Zeile reduziert werden können. Mit dieser Logik können wir mühelos noch eine Ebene höher gehen und sogar mehrere Bände einer Reihe in einem Projekt beherbergen; einfach, indem wir davor noch eine weitere Ebene anlegen. Der Vorteil davon liegt auf der Hand: Wir haben sämtlich Figuren, Schauplätze und weitere Requisiten stets zur Hand, egal, ob Band 1 oder 7.

Arbeitet man mit mehreren Teilen, haben diese Hauptkapitelcharakter und die eigentlichen Kapitel sind Unterkapitel. Damit diese trotzdem auf einer neuen Seite starten, verpasst man allen außer dem ersten das Kennzeichen Seitenwechsel (Kontextmenü (re. Maustaste) Kapitelübersicht › ‚Seitenwechsel bei Unterkapitel‘). Optisch wird dieser Seitenwechsel durch den blauen Hintergrund angezeigt (4).

Die Kapitelüberschriften sind vielseitiger als bei Volltextprogrammen, also nicht nur eine reine Überschrift. Haupt- und Unterkapitelüberschriften werden angedruckt, das Hauptkapitel auf einer neuen Seite, das Unterkapitel auf der gleichen Seite mit etwas Abstand. Wir können aber auch bei diesen zwei Umbruchsarten Zusatzinformationen unterbringen. Das geschieht ganz einfach so, indem wir diese in eckige Klammern setzen. Alles in diesen [Klammern] wird hier zwar angezeigt (5), aber weder in das Gesamtdokument noch ins eBook ausgegeben.

Bei den weiteren Ebenen (Szenenwechsel groß, mittel, klein (***-Absatz, Leerabsatz und nur Absatz) wird die Überschrift nicht angedruckt, sondern ist reine Information für den Autor (6), was sich in der Praxis als sehr hilfreich erweist. Allerdings kann man trotzdem Ausnahmen von der Regel erzwingen: Gibt man nämlich bei einem großen Szenenwechsel (***-Absatz), mittleren (Leerabsatz) oder kleinen (nur neuer Absatz, also nicht als Wechsel erkennbar) im Titel etwas ein, das von je einem Nummernzeichen flankiert wird – etwa #1# – dann wird in diesem Fall die 1 vor der Szene wie eine Unterkapitelüberschrift ausgegeben.

Das Denken in Szenen bedeutet zwar eine kleine Umstellung, wenn man von einem der Volltextprogramme kommt, diese Mühe wird aber schnell durch viel flexibleres Arbeiten belohnt und bald mehr als ausgeglichen.

Umstieg von einem Volltextprogramm auf Patchwork

Nachdem wir uns nun mit der Szenenlogik angefreundet haben, stellt sich die Frage, wie man ein Projekt, das schon zu einem Teil oder ganz vorhanden ist, am einfachsten nach Patchwork übernimmt. Das bedeutet in der Tat auch bei dreihundert Seiten kaum mehr Aufwand als eine Viertelstunde.

Das Wichtige dabei ist die Frage, wie man den ganzen Text in Szenen aufteilt. Natürlich könnte man das per Kopieren-und-Einfügen, aber das ist mühsam und ließe sich nicht in fünfzehn Minuten erledigen. Um es schnell zu bewerkstelligen, gibt es den Programmpunkt Smart-Import. Dafür sind zwei Schritte zu tun.

  1. Im zu übernehmenden Projekt sollen die Haupt- und eventuellen Unterkapitelüberschriften fett formatiert sein. Der Einfachheit halber, um keinen Word-Konverter installieren zu müssen, sollte man die Datei gleich im RTF-Format speichern.
  2. Ein neues Projekt anlegen und mit dem Programmpunkt Smart-Import übernehmen (Hauptmenü › ‚Datei‘ › ‚Smart Import für große Texte‘).
    Damit hat man den Text in wenigen Minuten in Patchwork vorliegen.
    Zum Smart-Import gibt es auch ein eigenes Tutorial und Video.

Das Gesamtdokument in Patchwork

Natürlich gibt es auch in Patchwork ein Gesamtdokument, wie man es von den Volltextprogrammen her kennt. Dieses wird allerdings immer erst auf Bedarf per Mausklick neu generiert. Der große Vorteil davon besteht in der automatischen Formatierung. Mit Patchwork zu arbeiten bedeutet, sich nie wieder groß um die Formatierung seiner Bücher kümmern zu müssen. Wie funktioniert das?

Bei der Generierung des Gesamtdokuments (Hauptmenü › ‚Datei‘ › ‚Als Gesamtdokument ausgeben: Druck, Export, PDF‘) und des eBooks (Hauptmenü › ‚Datei‘ › ‚Als eBook ausgeben (nicht bei Drehbuch)‘) geht Patchwork folgende Schritte durch. Die Punkte sind rein informativ, für eine genauere Beschreibung des Publizierens gibt es ein eigenes Tutorial.

  1. Patchwork nimmt die voreingestelle Seitenvorlage, die es sich dann bei Änderung, wie auch alles andere, projektbezogen merkt. Diese Seitenvorlagen – es geht dabei lediglich um die Seiten- und Rändermaße – kann man in den Einstellungen im Bereich eBook/Druckausgabe auswählen beziehungsweise eigene hinzufügen. Für das normale Printbuch bei CreateSpace oder BoD ist bereits alles vorhanden. Für eBooks sowieso.
  2. Dann wird die Titelei eingespielt, die man ebenfalls in den Einstellungen im selben Bereich adaptieren kann. Dabei handelt es sich um ein vorgeschlagenes Schema, das man mit dem Neueinstieg in Patchwork einmal geringfügig im Bereich des Impressums anpassen muss. Es gibt vier solche Titelei-Vorlagen, eine für das eBook, zwei für Print und eine fürs Drehbuch.
  3. In den Titeleien sind Platzhalter, einige davon mit Codes zwischen Prozentzeichen gekennzeichnet (z.B. %titel%) Diese Platzhalter werden durch die Eckdaten aus den Eckdaten des Projekts ersetzt: Buch- und Autorenname, eventuelle ISBN, Impressumserweiterung, Widmung.
  4. Anschließend werden alle Szenen in der vertikalen Reihenfolge übernommen (Menü ‚Projekt‘ › ‚Gesamtdokument‘ (= Textausgabe/Druck/PDF für Print) bzw. ‚eBook erstellen‘), wie sie in der Kapitelübersicht festgelegt wurde. Das Feld Titel wird dabei zur Kapitelüberschrift, die Epigraphen werden eingearbeitet. In der Szene braucht man deshalb nur reinen Text einzugeben und keine Überschriften, wie man das von den Volltextprogrammen her gewöhnt ist.
  5. Im letzten Schritt wird – so angegeben – beim Gesamtdokument für den Druck das optionale Inhaltsverzeichnis generiert und vorne oder hinten eingefügt. Beim eBook geschieht das automatisch immer, und zwar so, wie es die eBook-Konventionen fordern. Beim eBook muss allerdings auch das Cover mit eingearbeitet werden (Hauptmenü › ‚Datei‘ › ‚Projekt-Eckdaten und Exposé‘ und dort dann beim Reiter ‚Cover‘).
  6. Dieses Gesamtdokument sollte man unbedingt kontrollieren, bevor man es als PDF-Datei zum Druck weitergibt! Aber dafür gibt es eigenes Tutorial.

Beim Gesamtdokument, das 1:1 für den Druck verwendet wird, in Form einer PDF-Datei, ist etwas mehr zu tun. Für den Druck hat man mehr Einfluss auf die Gestaltung – und auch die Notwendigkeit (rechte Seiten korrekt, Umbrüche kontrollieren …). All das spielt beim eBook keine Rolle, da ja die Optik readerabhängig ist. Deshalb ist auch die eBook-Erzeugung (epub- und mobi-Format) nur ein Knopfdruck – oder besser: Mausklick.

Zu dem gesamten Veröffentlichungsprozess gibt es aber ein eigenes Tutorial unter dem Titel Bücher und eBooks publizieren.

Wie man sieht, braucht man sich lediglich ums Schreiben zu kümmern, während Patchwork die Ausgabe für Print und eBook praktisch zur Gänze übernimmt.

Trotz Szenen direkt eine Art Gesamtdokument

Natürlich ist es viel zu mühsam, jedesmal ein Gesamtdokument zu generieren, wenn man den ganzenText durchblättern möchte – abgesehen davon, dass dort gemachte Änderungen nicht in die Szenen zurück-übernommen werden.

Um dennoch das Feeling des Blätterns durch den gesamten Text haben zu können, bietet Patchwork eine simple, speziell dafür gemachte Blättermethode:

Innerhalb einer Szene kann man ja mit [Bild hoch] und [Bild runter] blättern.

Steht man unten an, so gelangt man mit [Strg+Bild runter] zum Beginn der nächsten Szene.

Blättert man hingegen zurück, also mit [Bild hoch] bis zum Szenenanfang, kann man von dort aus mit [Strg+Bild hoch] zum Ende der vorhergehenden Szene gelangen. So kann man also ebenfalls per Tastatur durchblättern, hat aber trotzdem alle Szenenfeatures zur Verfügung.

Sie haben nun eine Menge über Szenen gelesen, auch, über welche Funktion ein ganz oder teilweise bestehender Text nach Patchwork hereinkommt und auch, was schließlich daraus wird. Sie haben gesehen, dass sich das kleine Umdenken vielfach auszahlt und Sie mit der Szenenorganisation von Patchwork einen effizienten Helfer zur Seite haben. Abgesehen davon haben wir von vielen Anwendern gehört, dass das Schreiben auf diese Weise einfach mehr Spaß macht.

Im Video zu diesem Tutorial können Sie den Ablauf zurückgelehnt bei einer Tasse Tee in entspannter Form auch visuell-akustisch zu sich nehmen.

Wir freuen uns auf unser nächstes tutoriales Beisammensein!

Link zum Video

Martin Danesch


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Buchtipp: Plot & Struktur: Dramaturgie, Szenen, dichteres Erzählen

Im WritersWorkshop E-Zine und meinem Blog habe ich im Laufe der Jahre schon mehrfach Schreibratgeber aus der Feder von Stephan Waldscheidt (http://Schriftzeit.de) vorgestellt. Diesmal möchte ich Ihnen seinen im April 2016 erschienenen Ratgeber „Plot & Struktur: Dramaturgie, Szenen, dichteres Erzählen“ empfehlen.

Wie man es schon von Waldscheidts anderen Schreibratgebern kennt, handelt es sich auch bei diesem Buch nicht etwa um ein durchgängig strukturiertes Nachschlagewerk, sondern um eine bunte Mischung von über 60 Artikeln rund ums Thema „Plot & Struktur“, in denen diese komplexe Thematik ebenso kompetent wie humorvoll von den unterschiedlichsten Seiten aus beleuchtet wird.

Regelmäßige Leser des Schriftzeit-Blogs und des WritersWorkshop E-Zines, in dem manche der Kapitel dieses Buchs bereits als Gastartikel erschienen waren, werden Teile des Inhalts bereits kennen – aber das macht überhaupt nichts. Denn im Gegensatz zu so manchem drögen Lehrbuch, das einen beim Lesen eher einschläfert als beflügelt, kann man Waldscheidts Ratgeber auch rein zur Unterhaltung lesen (und dabei als Nebeneffekt eine Menge über die Struktur und den Aufbau guter Romane lernen).

Mit Waldscheidts lockerem Schreibstil, seinem augenzwinkernden Humor und einem enormen Fachwissen über das Handwerk des Romanschreibens fällt auch „Plot & Struktur“ für mich ganz klar unter „Edutainment“: Man lernt eine Menge, bekommt interessante neue Anregungen und Einsichten, die anhand konkreter Beispiele aus Romanen und Filmen belegt und erläutert werden, und fühlt sich dabei die ganze Zeit prächtig unterhalten. Ich kann das Buch jedem Romanschriftsteller nur ans Herz legen – äußerst lesenswert!

„Plot & Struktur: Dramaturgie, Szenen, dichteres Erzählen“ ist unter https://www.amazon.de/Plot-Struktur-Dramaturgie-dichteres-Meisterkurs-ebook/dp/B01DS1HZUA wahlweise als eBook für 4,99 Euro oder als Taschenbuch für 14,98 Euro erhältlich.


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Buchmarketing: Zäumen Sie das Pferd nicht von hinten auf

Ein Buch zu schreiben, ist eine Sache – das fertige Buch anschließend zu veröffentlichen und zu verkaufen eine andere.

Gut, das Veröffentlichen ist dank Print-on-Demand und dem Vormarsch der eBooks so einfach und günstig wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit – doch allein die Tatsache, dass das eigene Buch bei Amazon und anderen Online-Buchhändlern erhältlich ist, bedeutet leider noch lange nicht, dass es sich in der Praxis auch verkauft.

Spätestens wenn das Buch, in das man hunderte Stunden Arbeit und vielleicht auch noch einiges an Geld für Lektorat, Korrektorat und Coverdesign investiert hat, sich außerhalb des engeren Familien- und Freundeskreises kaum oder gar nicht verkauft, kommt man als Schriftsteller ins Grübeln: was könnte man unternehmen, um die spärlichen Verkäufe anzukurbeln? Das ist dann meistens der Moment, in dem der Preis stufenweise bis auf 99 Cent gesenkt wird und der Autor versucht, durch immer häufiger eingestreute Gratis-Aktionen doch noch ein paar neue Leser für sein Buch zu gewinnen.

Doch der beste Zeitpunkt, über das zukünftige Marketing für ein Buch nachzudenken, ist nicht nach der Veröffentlichung, sondern lange vorher – schon bevor man auch nur das erste Wort geschrieben hat.

Fakt ist: die beste Methode, einen Bestseller zu produzieren, ist nicht, zuerst ein Buch zu schreiben und dann nach Käufern für dieses Buch zu suchen. Ein deutlich erfolgversprechenderer Weg ist, zuerst zu überlegen, was für ein Buch so interessant für die eigene Zielgruppe wäre, dass es sich fast von alleine verkaufen würde – und dann genau dieses Buch zu schreiben.

Das klingt jetzt vielleicht übertrieben vereinfacht. Wenn es so einfach wäre, würden Verlage doch fast nur noch Bestseller veröffentlichen – oder etwa nicht? Aber während Verlage „nur“ aus den Manuskripten auswählen können, die sie von Autoren geschickt bekommen haben, haben Sie als Autor absolute Freiheit dabei, „das“ Buch für Ihre Zielgruppe zu entwerfen, das genau dem Geschmack der Leser entsprechen dürfte.

Damit meine ich natürlich nicht, dass Sie zukünftig nicht mehr das schreiben sollen, was Ihnen gefällt, sondern „dem Markt“ hinterher hecheln sollen. Das wäre kein Rezept für Erfolg, sondern eher ein sicheres Rezept für Unzufriedenheit. Denn selbst wenn Sie mit dem Schreiben von Büchern Erfolg hätten, die Ihnen selbst nicht gefallen, wäre es doch ein trostloses Schicksal, wenn Ihre Leser zukünftig noch mehr solche Bücher von Ihnen verlangen würden.

Ich rede also definitiv nicht davon, dass Sie sich plötzlich Vampirromanzen oder dystopische Jugendromane aus den Fingern wringen sollen, nur weil diese sich scheinbar momentan gut verkaufen, statt epische Fantasy-Romane oder knallharte Thriller zu schreiben, an denen Ihr Herz hängt. Sie sollten lediglich versuchen, sich bei der Planung und Auswahl Ihrer zukünftigen Buchprojekte an der Schnittmenge zwischen Ihrem persönlichen Geschmack und dem Ihrer Zielgruppe zu orientieren.

Selbstverständlich können Sie auch ohne Rücksicht darauf, ob es eine Leserschaft dafür gibt, die Bücher schreiben, die Sie gerne schreiben möchten. Vielleicht landen Sie damit ja einen Überraschungserfolg. Doch falls nicht, sollten Sie sich stets daran erinnern, dass es Ihre Entscheidung war. Nicht zwangsläufig eine schlechte Entscheidung – schließlich braucht man als Autor nicht nur „kommerzielle“ Projekte, sondern auch solche, an denen unser Herzblut hängt und die wir selbst dann schreiben würden, wenn wir von vornherein wüssten, dass wir niemals auch nur ein einziges Exemplar dieses Buchs verkaufen werden. Doch bei jenen Büchern, die wir in erster Linie für uns selbst schreiben, sollten wir uns klar machen, dass wir diese (egal, wie gut sie geschrieben sind) selbst mit dem besten Marketing vermutlich niemals in einen Bestseller verwandeln können.

Wenn Sie jedoch zwar Ihrem Genre (also beispielsweise „Fantasy“, „Thriller“, „Romantik“ oder „Science-Fiction“) treu bleiben wollen, aber dennoch innerhalb dieses Genres ganz gezielt Romane mit Marktpotential schreiben wollen, sollten Sie zuerst studieren, was Ihre Leser wirklich wollen. Denn allein dieses Wissen verbessert schon enorm Ihre Chancen, mit Ihrem nächsten Buch einen Erfolg zu landen.

Phase 1: Das richtige Sub-Genre

Die erste Phase der Marktrecherche ist die Prüfung, ob das Genre, in dem man seinen Roman schreiben will, wirklich lohnend ist. Meist gibt es innerhalb eines Haupt-Genres (wie z.B. Fantasy, Science-Fiction oder Thriller) mehrere Sub-Genres, die einem gleichermaßen gefallen und bei denen man sich vorstellen könnte, darin einen Roman zu schreiben. Wenn Sie beispielsweise Fantasy schreiben, könnten durchaus mehrere Sub-Genres wie Low Fantasy, Dark Fantasy oder Epic Fantasy für Sie in Frage kommen – vielleicht sogar etwas ungewöhnlichere Sub-Genres wie Urban Fantasy oder Steampunk.

Schauen Sie sich zunächst die Bestseller-Listen für das jeweilige Sub-Genre bei Amazon an. Hier müssen Sie sich nicht unbedingt auf die deutschen Kindle-Charts beschränken, sondern in vielen Fällen ist es sogar sinnvoller, auf Amazon.com einen Blick in die amerikanischen Charts zu werfen. Der amerikanische Buchmarkt ist größer und demzufolge auch aussagekräftiger, und da der deutsche Buchmarkt sich, was den Geschmack der Leser angeht, nicht allzusehr vom amerikanischen unterscheidet, kann man hieraus schon recht gute Rückschlüsse auf das Marktpotential eines Romans schließen, der in diesem (Sub-)Genre angesiedelt ist.

Um die aktuell am besten verkauften Titel eines bestimmten Sub-Genres zu sehen, klicken Sie sich über die Seitenleiste am linken Bildschirmrand innerhalb der Kindle-Bücher bis zum gewünschten Sub-Genre vor (z.B. „Dark Fantasy„). Da die standardmäßige Sortierung „Featured“ nicht immer identisch mit dem Verkaufsrang ist, sollten Sie nun erst einmal nach Erscheinungsdatum sortieren und anschließend in der URL die Endung „&sort=date-desc-rank“ durch „&sort=+salesrank“ ersetzen. Legen Sie sich die so erzeugte URL als Lesezeichen ab, damit Sie zukünftig die aktuellen Charts dieses Sub-Genres jederzeit per Knopfdruck abrufen können.

Schauen Sie sich nun die Verkaufsränge der Top-20-Titel des jeweiligen Sub-Genres an und notieren Sie sich diese in einer Excel-Tabelle. Je niedriger die Zahl, desto mehr Exemplare dieses Buchs werden pro Tag verkauft. Bilden Sie den Mittelwert und notieren Sie sich auch die höchste und die niedrigste Platzierung (Platz 1 und Platz 20).

Dieses Spielchen wiederholen Sie für alle in Frage kommenden Sub-Gemres. Anschließend haben Sie schon mal einen recht guten Überblick darüber, welches der Sub-Genres sich am besten verkauft und welche eher auf niedrigen Verkaufszahlen vor sich in dümpeln.

Phase 2: Genre-Analyse

Im zweiten Schritt schauen Sie sich die Bücher genauer an, die es in die Top-20 des Genres geschafft haben. Achten Sie dabei zunächst auf die Buchcover, die Buchtitel und die Buchbeschreibung – die drei Elemente, die einen potentiellen Leser dazu bringen, dass er entweder ins Buch hinein blättert oder es sogar direkt bestellt.

Legen Sie sich hier eine regelrechte Datenbank mit erfolgreichen Titeln an, die Sie im Laufe der nächsten Monate immer weiter ausbauen, indem Sie sich regelmäßig die Charts dieses Sub-Genres im Auge behalten.

Konzentrieren Sie sich bei Ihrer Analyse besonderen auf Bücher von Indie-Autoren, die es an die Spitze (bzw. in die Top-20 ) des jeweiligen Genres geschafft haben. Diese Bücher hatten keinen Verlag mit einem großen Werbebudget im Rücken, sondern wurden von den Autoren selbst vermarktet. Ihr Erfolg kommt durch eine Mischung aus Qualität, einer gelungenen Kombination aus Covermotiv, Buchtitel und Buchbeschreibung und (last, not least) die Marketingbemühungen des Autors – alles Dinge, die Sie als Indie-Autor theoretisch replizieren können.

Kaufen Sie sich ruhig die Bücher, die Ihnen bei dieser Recherche besonders ins Auge springen und bei denen Sie nach dem Lesen des Werbetextes den Eindruck hatten: „Das muss ich lesen!“. Damit unterstützen Sie nicht nur die gute Arbeit dieser Autoren, sondern Sie behalten gleichzeitig auch noch den Finger am Puls Ihres Genres. Je mehr Sie die Bücher lesen, die in Ihrem Sub-Genre momentan besonders beliebt sind, desto mehr bekommen Sie ein Gespür für den Geschmack der Leser.

Analysieren Sie die Gemeinsamkeiten, die viele erfolgreiche Bücher des Genres haben. Gibt es bestimmte „Tropes“ (ich würde hier nicht von Klischees sprechen), die in vielen Büchern auftauchen? Je häufiger eines dieser Elemente in den kommerziell erfolgreichen Büchern Ihres Genres vorkommt, desto eher sollten Sie in Erwägung ziehen, dieses Element in ähnlicher Form auch in Ihrem nächsten Roman einzubauen oder eine Ihrer bestehenden Handlungsideen damit aufzupeppen.

Diese Art der Planung bedeutet nicht, dass man anschließend schablonenhafte Massenware ohne individuellen Charakter schreibt. Überlegen Sie, wie viele völlig unterschiedliche Rezepte aus denselben Basis-Zutaten bestehen, die sich in jeder Küche finden, und wie viele Motive sich aus der Handvoll simpler Steine des Tangram legen lassen.

Wenn Sie es selbst einmal versuchen, werden Sie vermutlich feststellen, dass diese Art der Planung Sie nicht etwa in Ihrer Kreativität einschränkt, sondern Sie ganz im Gegenteil zu völlig neuen Ideen beflügelt, auf die Sie sonst vielleicht niemals gekommen wären.


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Ablenkungsfreies Schreiben mit Blindwrite

Unsere Produktivität beim Schreiben hängt zu einem großen Teil von unseren Gewohnheiten ab. Und genau wie es verschiedene Gewohnheiten gibt, die uns beim Schreiben auf die Überholspur katapultieren können, gibt es andere, die uns gnadenlos ausbremsen. Dazu gehört auch der leider viel zu verbreitete Fehler, bereits während des Schreibens der Rohfassung mit der Überarbeitung zu beginnen – was ungefähr ebenso sinnvoll ist, wie beim Autofahren gleichzeitig aufs Gaspedal und auf die Bremse zu treten.

Unterm Strich kommt man weitaus besser voran, wenn man erst die Rohfassung fertigstellt, bevor man diese im zweiten Schritt überarbeitet und auf Hochglanz poliert. Doch leider ist es gar nicht so einfach, sich abzugewöhnen, entdeckte Fehler direkt zu korrigieren oder ganze Sätze noch einmal umzuformulieren.

Solange man beim Schreiben auf den Text schaut, neigt man automatisch dazu, parallel mitzulesen – und prompt fallen einem Tippfehler, Buchstabendreher und etwas verunglückte Formulierungen auf, die man dank Computer ja ganz schnell und einfach korrigieren kann. Doch wenn man dieser Versuchung nachgibt, reißt einen das ebenso schnell aus dem Schreibfluss, wie einen beim Autofahren ein energischer Tritt auf die Bremse bis zum Stillstand ausbremsen kann.

Es gibt allerdings ein praktisches kleines Online-Tool, um diese Versuchung auszuschalten: Blindwrite. Dieses Tool, das Sie unter http://www.blindwrite.co finden, blendet während des Schreibens den gerade geschriebenen Text aus bzw. macht ihn durch einen weißen, nebelartigen Schleier unlesbar. Man sieht zwar, dass der Text mit jedem Tastendruck weiter wächst, aber mitlesen oder gar korrigieren sind unmöglich.

Screenshot BlindwriteDie Bedienung des Programms ist einfach und selbsterklärend: Zu Beginn jeder Schreibsession gibt man ein Thema an, über das man schreiben will (sozusagen die Überschrift) und für wieviele Minuten man schreiben möchte – und schon kann es losgehen.

Auch wenn es anfangs ein recht ungewohntes Gefühl ist, den gerade geschriebenen Text nicht entziffern zu können, gewöhnt man sich schon nach wenigen Minuten daran. Und ab diesem Zeitpunkt wird man automatisch schneller – schließlich gibt es nur noch ein Vorwärts und kein Zurück mehr. Man sollte lediglich zwischendurch mal einen Blick auf die eigenen Finger werfen, um sicherzustellen, dass diese immer noch auf den richtigen Tasten liegen. Denn wenn man beim konzentrierten Zehn-Finger-Schreiben beispielsweise mit der rechten Hand um eine Taste nach rechts verrutscht ist, hat man am Ende der Schreibsession nichts als einen kaum zu entziffernden Buchstabensalat auf dem Bildschirm. ;-)

Während des Schreibens kann man im rechten oberen Bereich des Bildschirms einen kleinen Kreis sehen, der sich im Uhrzeigersinn langsam aufbaut. Sobald der Kreis vollständig geschlossen ist, ist die eingestellte Zeit abgelaufen. Auch ohne exakte Angaben in Minuten sieht man so recht genau, wieviel Zeit einem noch bleibt.

Nach Ablauf der Zeit wird der Text wieder komplett sichtbar und kann nun nun mit Copy & Paste exportiert werden, bevor man ggf. mit F5 die Seite erneut lädt, um die nächste Schreibsession zu starten.

Verglichen mit anderen Schreibapps, die in der Tradition alter Schreibmaschinen lediglich das Löschen und Überschreiben deaktivieren, um einen am Korrigieren / Überarbeiten zu hindern, ist Blindwrite noch effektiver, da sogar das reine Mitlesen verhindert wird und man sich somit ausschließlich auf das eigentliche Schreiben konzentriert.

Mogeln ist zwar möglich (der vernebelte Text wird sichtbar, wenn Sie ihn mit der Maus oder mit STRG+A markieren), doch ein Überarbeiten ist so dennoch nicht möglich, da der Text sofort wieder verschwimmt, sobald Sie den Curor an eine bestimmte Stelle platzieren. Insofern: Mission erfüllt! ;-)

Probieren Sie es einfach selbst einmal aus – vielleicht kommen Sie ja auch auf den Geschmack. Sie finden Blindwrite unter http://www.blindwrite.co.


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10 Tipps für den NaNoWriMo

In drei Tagen beginnt der diesjährige NaNoWriMo. Wie jedes Jahr seit Ende des letzten Jahrtausends werden sich auch diesmal wieder weltweit hunderttausende Schriftsteller und Hobbyautoren an die Aufgabe wagen, innerhalb von 30 Tagen ein Romanmanuskript von mindestens 50.000 Wörtern zu schreiben. Doch wie in den vergangenen Jahren wird es wohl auch dieses Jahr nur ungefähr jeder fünfte Teilnehmer erfolgreich über die Ziellinie schaffen.

Die folgenden 10 Tipps können Ihnen dabei helfen, den diesjährigen NaNoWriMo zu gewinnen.

1. Vorplanung

Die Regeln des NaNoWriMo besagen zwar, dass man nicht vor dem 01.11 mit dem Schreiben des eigentlichen Romans beginnen darf, doch eine gewisse Vorplanung wird sogar von den Organisatoren empfohlen.

Sie müssen dafür nicht zum Outliner werden, wenn Sie beim Schreiben lieber improvisieren und die Handlung zusammen mit Ihren Romancharakteren entdecken – eine grobe Handlungsstruktur, an der Sie sich beim Schreiben entlang hangeln können, reicht vollkommen aus.

Nutzen Sie also dieses Wochenende, um sich schon im Vorfeld möglichst viele Gedanken über Ihrem Romanfiguren und den (möglichen) Verlauf der Romanhandlung zu machen. Die Zeit, die Sie jetzt investieren, sparen Sie im Verlauf der nächsten 30 Tage doppelt und dreifach wieder ein.

2. Die richtige Einstellung

Erwarten Sie nicht, dass Sie während des NaNoWriMo einen fertigen, womöglich schon so gut wie veröffentlichungsreifen Roman zustande bekommen werden. Das, was Sie während des Novembers schreiben, ist nicht mehr als eine sehr frühe Rohfassung, die anschließend noch intensiver Überarbeitung bedarf.

Knebeln und fesseln Sie daher während des Novembers Ihren inneren Lektor und lassen Sie stattdessen Ihre kreative, chaotische Seite von der Leine. Die Rohfassung, die Sie während des NaNoWriMo produzieren, kann so holprig, hölzern und von Logikfehlern durchzogen sein, wie sie will. Sie ist dennoch eine fertige Rohfassung, mit der Sie anschließend arbeiten können und die Sie Schritt für Schritt verbessern und auf Hochglanz polieren können. Eine leere Seite können Sie hingegen nicht korrigieren.

Geben Sie sich daher selbst die Erlaubnis, ohne Rücksicht auf Stil, Rechtschreibung und Grammatik die Finger über die Tasten fliegen zu lassen und ggf. eine grottenschlechte Rohfassung zu produzieren, bei der sich Ihrem alten Deutschlehrer die Fußnägel aufrollen würden.

Denken Sie daran: Ihre chaotisch kreative Rohfassung braucht außer Ihnen niemals ein anderer Mensch zu Gesicht zu bekommen. Die Überarbeitung kommt später – und an dieses „später“ sollten Sie während des Schreibens der Rohfassung noch keinen Gedanken verschwenden.

3. Schreiben Sie schneller

Langsam und bedächtig zu schreiben und dabei jedes einzelne Wort mit der gedanklichen Goldwaage abzuwiegen, ist (nicht nur, aber ganz besonders) für den NaNoWriMo der falsche Ansatz: Je schneller Sie schreiben können, desto besser. Wer das Zehnfinger-System (aka Tastschreiben) beherrscht, ist ganz klar im Vorteil. Ein „zu schnell“ gibt es dabei nicht. Egal, wie schnell und geübt Sie sind – Ihre Finger werden immer langsamer als Ihre Gedanken sein, mit deren Geschwindigkeit nicht einmal ein Auktionator bei Sotheby’s mithalten könnte.

Je schneller Sie also schreiben und einfach nur ungefiltert die Worte aus Ihrer kreativen Ader aufs Papier (bzw. auf den Computermonitor) fließen lassen, desto mehr blenden Sie zwangsläufig Ihren lästigen inneren Lektor aus und desto mehr kommt Ihre ganz eigene Autorenstimme zum Vorschein.

Auch wenn Sie während des Schreibens vielleicht der Meinung sind, fürchterlich hölzernen, holprigen Schund fabriziert zu haben (was auch nicht weiter schlimm wäre – dafür gibt es später die Überarbeitung), werden Sie später (also nach dem Fertigstellen der Rohfassung) in vielen Fällen beim Durchlesen Ihres Manuskripts überrascht feststellen, dass viele Passagen dieser schnell heruntergeschriebenen Rohfassung doch gar nicht so schlecht sind und oft kaum noch überarbeitet werden müssen. Es ist fast nie so schlecht, wie man beim Schreiben glaubt. Meist braucht man nur den nötigen Abstand zum eigenen Text, um ihn ähnlich unvoreingenommen wie ein Leser betrachten zu können.

4. Aufgaben, Treffen und Freizeitaktivitäten

Verschieben Sie alles, was nicht unbedingt im November stattfinden muss, auf später, um sich so viel Freizeit wie möglich zum Schreiben frei zu schaufeln. Mit Freunden können Sie sich immer noch Anfang Dezember treffen, den Keller können Sie immer noch zwischen den Jahren aufräumen und die Ablage läuft Ihnen bis dahin auch nicht weg.

Auch Ihre Lieblingsserien und sonstige interessante Fernsehsendungen können Sie einfach auf Festplatte aufzeichnen – das verschafft Ihnen nicht nur wertvolle Schreibzeit im November, sondern sorgt auch dafür, dass Sie im Dezember und zwischen den Jahren genug interessante Sachen anzusehen haben. Und unterm Strich sparen Sie sogar noch jede Menge Zeit dadurch, dass Sie später beim Aufarbeiten die lästige Werbung im schnellen Vorlauf vorspulen können.

5. Machen Sie einen Deal mit Ihrer Familie

Treffen Sie eine Vereinbarung mit Ihrer Familie, dass Sie zwar im November relativ wenig Zeit für sie haben werden, dies aber im Dezember wieder gutmachen werden.

Sorgen Sie dafür, dass man Sie während des Novembers nicht beim Schreiben stört (ein aus dem Schreibfluss herausgerissener Schriftsteller ist bekanntlich reizbarer und unleidlicher als ein angeschossener Grizzly). Delegieren Sie Aufgaben im Haushalt an Familienmitglieder und plädieren Sie dafür, dass auch der Rest der Familie sich im November verstärkt mit Hobbys beschäftigt, die nicht Ihre Mitwirkung oder auch nur Anwesenheit erfordern. Ist der November nicht eine wundervolle Zeit für Puzzles? ;-)

Im Dezember können Sie dafür das Schreiben ja ein ganzes Stück zurückschrauben und ein paar schöne Unternehmungen mit Ihrer Familie machen, um die Fertigstellung Ihres Roman-Manuskripts zu feiern und Ihre Familie für die vergangenen ungeselligen Wochen zu entschädigen.

6. Reservieren Sie feste Zeiten zum Schreiben

Planen Sie schon im Vorfeld, zu welchen Zeiten Sie schreiben wollen. Sie können darüber hinaus natürlich auch bei jeder anderen sich bietenden Gelegenheit schreiben (jede zusätzliche Minute kann helfen, zusätzliche Wörter aufs Papier zu bringen und damit den magischen 50.000 Wörtern näher zu kommen), aber zu den festgelegten Zeiten machen Sie eben nichts anderes, als zu schreiben.

Wie viel Zeit Sie fest fürs Schreiben reservieren sollten, hängt von Ihrer Schreibgeschwindigkeit ab. Wenn Sie 1.000 Wörter Rohfassung pro Stunde schaffen (ein recht gemächliches Tempo von nicht einmal 20 Wörtern pro Minute), brauchen Sie ca. 50 Stunden für das Schreiben Ihres Romans, also ca. 13 Stunden pro Woche.

Das könnte in der Praxis so aussehen, dass Sie werktags morgens eine Stunde vor der Arbeit schreiben und abends nochmal eine halbe Stunde nach dem Abendessen. Wenn Sie dann Samstag und Sonntag noch jeweils mindestens drei Stunden zum Schreiben einplanen, sind Sie schon halbwegs auf der sicheren Seite.

Achten Sie darauf, die fest fürs Schreiben reservierten Zeiten eifersüchtig vor Störungen und anderen Aufgaben zu beschützen. Jede Minute, die Sie während dieser Zeiten nicht zum Schreiben verwenden, sorgt unterm Strich für ärgerliche Rückstände, die Sie später mühsam wieder aufholen müssen.

7. Schneller als der eigene Schatten

Genau wie Comic-Cowboy Lucky Luke dafür bekannt ist, schneller als sein eigener Schatten zu schießen, sollten Sie schneller als Ihr eigener Plan schreiben. Versuchen Sie, schon so früh wie möglich einen Vorsprung herauszuarbeiten und diesen nach und nach auszubauen, statt an faulen Tagen davon zu zehren.

Es kann immer mal etwas dazwischen kommen, das verhindert, dass man an einem Tag so gut wie in der Theorie geplant zum Schreiben kommt. An solchen Chaos-Tagen freut man sich, wenn man sich bereits einen beruhigend großen Vorsprung herausgearbeitet hat und nicht direkt in Rückstand gerät.

Abgesehen davon wird man es selten schaffen, eine Punktlandung hinzulegen und seine Romanhandlung mit exakt 50.000 Wörtern abzuschließen. Wenn Sie am Ende noch etwas Luft haben, kann Ihr Roman gerne auch schon in der Rohfassung etwas länger als 50.000 Wörter werden.

8. Das Wichtigste zuerst

Wenn Sie Ihren NaNoWriMo-Roman vorplanen, sollten Sie beim Schreiben mit den Szenen des Haupthandlungsstrangs beginnen und zunächst einmal die Handlung bis zum großen Finale herunter schreiben.

Lassen Sie die Szenen geplanter oder angedachter Nebenhandlungsstränge zunächst entweder ganz unter den Tisch fallen oder ersetzen Sie diese durch kurze Platzhalter – also eine summarische Zusammenfassung in 2-3 Sätzen, was in dieser Szene passieren soll.

Wenn Sie mit der Haupthandlung fertig sind und endlich das magische Wörtchen ENDE unter die letzte Seite schreiben können, ziehen Sie Zwischenbilanz. Wie weit sind Sie noch von den angepeilten 50.000 Wörtern entfernt und wie vielen Szenen dürfte das noch entsprechen?

Abhängig davon suchen Sie sich einen passenden Nebenhandlungsstrang aus und fahren mit dem Schreiben fort, indem Sie die Szenen dieses Handlungsstrangs Stück für Stück in die offen gelassenen Lücken der Haupthandlung einflechten.

Auf diese Weise haben Sie mit Sicherheit Ende November eine abgeschlossene Romanhandlung vorliegen, auch wenn vielleicht einzelne Nebenhandlungsstränge noch etwas ausgearbeitet und erweitert werden müssen.

9. Urlaub für den Endspurt

Wenn Sie noch ein paar unverplante Urlaubstage übrig haben, können Sie diese für Ende November einplanen. Wenn bis dahin mit dem Schreiben alles nach Plan läuft, können Sie die freien Tage einfach so genießen – aber falls Sie durch unvorhergesehene Komplikationen in Rückstand geraten sein sollten, können Sie jetzt noch einen Endspurt einlegen, um das Ruder noch einmal herumzureißen und es doch noch rechtzeitig über die 50.000-Wörter-Ziellinie zu schaffen.

10. Bleiben Sie locker

Vergessen Sie bei aller Planung und Disziplin niemals, dass es beim NaNoWriMo in erster Linie darum geht, Spaß zu haben. Machen Sie sich keinen Stress und verkneifen Sie sich zu hohe Erwartungen an die Qualität Ihrer Rohfassung.

Nehmen Sie sich selbst und Ihren eigenen Roman nicht zu ernst. Allein das trägt schon viel dazu bei, dass Sie den NaNoWriMo erfolgreich und ohne zerrüttetes Nervenkostüm hinter sich bringen werden.


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