Die zwei wichtigsten Fragen, die Sie zum Planen einer spannenden Romanhandlung brauchen

Bei der Planung eines Romans gibt es zwei Fragen, die Ihnen dabei helfen können, die Idee für Ihre Romanhandlung zu finden und auszubauen:

„Was wäre, wenn…?“

Die meisten Schriftsteller kennen die „Was wäre, wenn…?“-Frage bereits als gute Möglichkeit, um auf eine erste Idee für eine neue Geschichte zu kommen.

Was wäre, wenn die Menschheit seit Jahren von Außerirdischen unterwandert wird, die unseren Planeten kolonsieren wollen? Was wäre, wenn ein skrupelloser Rüstungskonzern den Präsidenten eines Landes durch einen Doppelgänger ersetzen lässt, der einen Krieg anzetteln soll? Was wäre, wenn bei Tiefbauarbeiten Katakomben unter Stuttgart entdeckt würden, die weit älter als alles menschliche Leben auf der Erde sind?

Klar, das ist schon mal ein guter Ansatzpunkt, wenn man nach einer Handlungsidee sucht. Aber damit ist das Potential der „Was wäre, wenn…?“-Frage noch lange nicht erschöpft. Die erste Idee ist nur der erste Schritt. Meist handelt es sich dabei noch nicht mal eine Idee für eine Handlung, sondern mehr für ein Konzept. Aus jeder der drei oben genannten „Was wäre, wenn…?“-Fragen könnte man die unterschiedlichsten Handlungen entwickeln.

Mit der „Was wäre, wenn…?“ Frage kann man die erste Idee nach und nach auf ihre Möglichkeiten abklopfen und Stück für Stück erweitern.

Die erste Frage bringt einen bereits einer etwas außergewöhnlichen Situation: „Was wäre, wenn eine geheime Regierungsinstitutionen versucht, ein zehnjähriges Kind umzubringen?“

Das klingt nach einer Ausgangssituation für einen spannenden Thriller, vielleicht etwas in der Art wie „Das Mercury Puzzle“ mit Bruce Willis, der auf einem Roman von Ryne Douglas Pearson beruht.

Doch selbst wenn man aufgrund dieser ersten, vagen Idee bereits auf eine Handlungsidee käme, wäre diese vermutlich noch relativ generisch und unoriginell. Also setzen wir mit weiteren „Was wäre, wenn…?“-Fragen an, um die ausgetretenen Pfade zu verlassen und auf wirklich innovative Ideen zu kommen.

Schreiben Sie dazu zehn weitere „Was wäre, wenn…?“-Fragen bzw. Ideen auf, die von Ihrer Ausgangsituation ausgehen – je ungewöhnlicher, desto besser. Erst wenn Sie zehn Fragen zusammen haben, fangen sie an, diese der Reihe nach genauer zu durchdenken und sie auf ihre Verwendbarkeit und ihr Potential zu prüfen.

  • „Was wäre, wenn… das Kind ein Mutant mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ist?“
  • „Was wäre, wenn… das Kind etwas beobachtet hat, das den Präsidenten der Vereinigten Staaten eines Verbrechens überführen könnte?“
  • „Was wäre, wenn… das Kind der Sohn Satans ist?“
  • „Was wäre, wenn… das Kind der letzte Überlebende eines Massakers ist, dem bereits seine ganze Familie zum Opfer gefallen ist?“
  • „Was wäre, wenn… der Vater des Kindes ein ehemaliger Söldner ist?“
  • „Was wäre, wenn… die Killer Informationen haben, dass das Kind später zu einer Gefahr für die Menschheit werden würde?“
  • „Was wäre, wenn… das Kind mit einem tödlichen und höchst ansteckenden Virus aus einem geheimen Forschungslabor infiziert ist?“
  • „Was wäre, wenn… das Kind das Ergebnis von Genexperimenten ist und aus dem Labor geflohen ist?“
  • „Was wäre, wenn… das Kind zu einer anderen Spezies gehört, die lediglich menschenähnlich aussehen?“
  • „Was wäre, wenn… das Kind von seinem Vater vor dessen Ermordung einen USB-Stick mit streng geheimen Informationen erhalten hätte, hinter dem die Killer her sind?“

Natürlich werden bei diesen zehn Ideen erfahrungsgemäß einige dabei sein, die entweder viel zu abwegig sind, die absolut nicht in Ihre Handlung / Ihr Genre passen oder die Ihnen persönlich ganz und gar nicht gefallen. Diese Ideen können Sie nach gründlicher Prüfung aussortieren.

In den meisten Fällen dürften jedoch eine oder gar mehrere „Was wäre, wenn…?“-Fragen dabei sein, die etwas in ihnen zum Klingen bringen und die Handlungsidee vor Ihrem geistigen Auge weiterentwickeln.

Nehmen Sie sich ruhig die Zeit, zu überlegen, welche diese Ideen sich miteinander kombinieren lassen und was für eine veränderte Situation sich daraus ergeben würde. Sobald Sie mit Ihrem Ergebnis zufrieden sind, ist dies Ihre neue Ausgangssituation für die nächste Runde.

Bringen Sie diese zu Papier und markieren Sie alle Schlüsselwörter farbig, zum Beispiel mit einem Textmarker. Schlüsselwörter können alle Wörter sein, die einen Einfluss auf die Handlung haben (oder haben könnten…) oder bei denen Sie sich selbst noch nicht wirklich sicher sind, was Sie davon zu halten haben. Experimentieren Sie ruhig mit unterschiedlichen Farben für unterschiedliche Arten von Begriffen wie Charaktere, Motive oder fragliche Punkte.

Aus ihrer neuen Ausgangssituation entwickeln Sie wiederum zehn neue Fragen nach dem bekannten Schema „Was wäre, wenn…?“. Wenn Sie dieses Spielchen ein paar Runden lang wiederholen, dürfte sich nach und nach eine faszinierende und absolut ungewöhnliche Romanhandlung vor Ihrem geistigen Auge entfalten.

„Was könnte schiefgehen?“

Die zweite Frage ist: „Was könnte schiefgehen?“. Auch diese Frage können Sie in ganz unterschiedlichen Phasen der Planung Ihres Romans verwenden.

Die erste Möglichkeit ist bei der Planung des Konzepts. Denken Sie nur an die Romane von Michael Crichton: Er geht in jedem seiner Romane wie „Jurassic Park“ von einer ungewöhnlichen Ausgangssituation aus und fragt sich: „Was könnte schiefgehen?“

Egal ob es nun in einem Roman um geklonte Dinosaurier geht, die außer Kontrolle geraten, oder um Nanoorganismen, die außer Kontrolle geraten, das Prinzip ist doch jedes Mal dasselbe: Eine neue Technologie wird eingeführt, ohne die Risiken und möglichen Komplikationen vorher zu durchdenken.

Um selbst eine Geschichte nach diesem Muster aufzubauen, nehmen Sie eine neue Technologie, die gerade auf den Markt kommt oder sich zur Zeit in Entwicklung befindet oder etwas, dass Sie sich für die nicht allzu ferne Zukunft als mögliche Erfindung vorstellen könnten, und fragen Sie sich: „Was könnte schiefgehen?“

Stellen Sie sich beispielsweise vor, man hätte eine Maschine zur Teleportation erfunden.

Was könnte schiefgehen?

  • Bleiben Menschen im Raum zwischen Sender und Empfänger hängen, ohne Möglichkeit, in unsere Realität zurückzukehren?
  • Geht beim Teleportieren des Menschen etwas verloren – zum Beispiel seine Seele?
  • Werden unter bestimmten Voraussetzungen der Menschen beim Teleportieren dupliziert, so dass er am Ziel, aber auch noch am Ausgangspunkt existiert?
  • Sorgt die Teleportation für gefährliche Mutationen, weil der Mensch am anderen Ende mit geringfügigen Baufehlern wieder zusammengesetzt wird (denken Sie an Übermittlungsfehler bei einem Fax, beschädigte Datenpakete bei der Übertragung im Internet oder Artefakte (Verpixelungen) beim Empfang gestörter digitaler Fernsehsendungen)?

Ich bin sicher, dass Ihnen noch viele andere mindestens genauso interessante Ideen dazu kommen.

Sie können die Frage „Was könnte schiefgehen?“ auch auf eine einzelne Szene anwenden.

In den meisten Szenen dürft ihr Perspektiv-Charakter einen Plan haben, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen oder ein Problem zu lösen. Fragen Sie sich auch hier: „Was könnte schiefgehen?“

Wie könnten die Pläne seiner Feinde, freundlich gemeinte, aber schlecht umgesetzte Hilfsversuche seiner Freunde oder ein böser Zufall seine Pläne torpedieren und alles nur noch schlimmer machen? Oder hatte sein Plan von vorneherein einen grundlegenden Fehler? Gibt es etwas, das er sich schlecht überlegt oder nicht gut durchdacht hat?

Es kann sich dabei um Dinge handeln, die er schlicht und einfach nicht bedacht hat – aber auch um Dinge, die er zum damaligen Zeitpunkt gar nicht wissen konnte, sondern die ihn erst später bewusst werden.

Ein Beispiel: Ihr Held legt sich mit einem betrunkenen Rowdy an, um der Frau zu imponierenden, die er liebt. Erst später erfährt er, dass der betrunkene Rowdy der Anführer einer brutalen Straßengang ist, die ihn nun ans Leben will.

Der Kniff ist, für jede ihrer Szenen und jeden noch so gut durchdachten Plan Ihres Protagonisten mindestens drei Dinge zu finden, die schief gehen könnten – und die schlimmsten davon wahr werden zu lassen.

Auf diese Weise werden Sie eine nicht nur spannende, sondern auch sehr überraschende Romanhandlung erhalten, die Ihre Leser bis zur letzten Seite fesseln kann.


Tipp: Abonnieren Sie den kostenlosen WritersWorkshop Autorennewsletter und erhalten Sie alle neuen Beiträge direkt am Erscheinungstag ganz bequem per Mail.