Jahresplanung gegen Katzenjammer

Zu dem Zeitpunkt, als ich diesen Artikel schreibe, hat vor wenigen Tagen das neue Jahr angefangen – traditionell die Zeit, zu der die an Silvester gefassten guten Vorsätze noch frisch sind und man hofft, dass man in diesem Jahr endlich mal zu allem kommt, was man sich vorgenommen hat.

Schließlich hat man doch ein ganzes Jahr Zeit, um die ganzen tollen Schreibideen umzusetzen: 52 Wochen mit allein 104 Wochenend-Tagen, je nach Bundesland runden 10 Feiertagen und dann auch noch 30 Tagen Urlaub. Wenn das kein Grund für Optimismus ist – was dann?

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht – aber wenn ich zum Jahreswechsel überlege, welche Buch- und Schreib-Projekte ich im nächsten Jahr in Angriff nehmen könnte, gehen zumindest im ersten Moment vor lauter Enthusiasmus ein wenig die Pferde mit mir durch. Ehe man sich versieht hat man gedanklich das kommende Jahr nicht nur einmal, sondern gleich doppelt und dreifach verplant. Oder um es mit einem Buffet zu vergleichen: die Augen sind größer als der Magen und am Ende hat man sich den Teller wieder mal viel zu voll geladen.

Wenn man es bei einer solchen übertrieben optimistischen (und damit unrealistischen) Wird-Schon-Klappen-Jahresplanung belässt, sind Ernüchterung und Frustration geradezu vorprogrammiert. Der Katzenjammer folgt spätestens nach den ersten paar Monaten, wenn man merkt, dass man sogar jetzt schon gnadenlos hinter Plan liegt.

Die Ursache für solche Planungsfehler ist in fast allen Fällen eine Kombination aus zwei Fehleinschätzungen, die auf sehr unangenehme Art und Weise Hand in Hand arbeiten:

  1. Man schätzt die Zeit, die einem zum Schreiben zur Verfügung steht, grundsätzlich zu hoch ein.
  2. Man schätzt den Zeitaufwand für Schreibprojekte grundsätzlich zu niedrig ein.

Gegen beide Fehleinschätzungen hilft ein Autorenlogbuch: Schreiben Sie regelmäßig auf, von wann bis wann Sie an welchem Schreibprojekt gearbeitet haben. Das kann eine einfache Tabelle sein, die man entweder handschriftlich, am PC oder im Smartphone führt:

  • Datum
  • von
  • bis
  • Dauer (in Stunden)
  • Projekt
  • Bemerkungen

Beispiel: Sa 20.12 | 6:30 – 8:15 | 1,75 Std | WritersWorkshop E-Zine | Artikel Protagonisten

Anhand dieser Aufzeichnungen können Sie schon nach ein paar Wochen eine recht realistische Aussage darüber treffen, wie viel Sie durchschnittlich im Laufe einer Woche tatsächlich zum Schreiben kommen. Das Aufschreiben dieser Zeiten hat zusätzlich auch noch den angenehmen Nebeneffekt, dass es einen motiviert, noch mehr Zeit zum Schreiben zu finden – denn schließlich will man ja am Ende der Woche etwas vorzuweisen haben.

Sobald Sie Ihr Autorenlogbuch etwas länger führen, können Sie außerdem auch noch recht gut auswerten, wie lange Sie beispielsweise für einen durchschnittlichen Blogpost, eine Kurzgeschichte oder eine Novelle brauchen – oder wie viele Stunden pro Woche für diverse Nebentätigkeiten wie Buchmarketing und Social Media drauf gehen.

Mit diesen Zahlen bewaffnet können Sie sich daran machen, für das kommende Jahr (oder die restlichen Monate des aktuellen Jahres) eine realistische Planung aufzustellen. Das Ergebnis einer solchen Planung liest sich natürlich nicht mehr ganz so beeindruckend, wie man das gerne hätte – aber bekanntlich ist der Spatz in der Hand immer noch besser als die Taube auf dem Dach.

Eine solche Planung hat auch noch einen weiteren Vorteil: Dadurch, dass man sich bewusst für ganz bestimmte Projekte entschieden hat, weiß man zugleich, dass man zu allen anderen Ideen „nein“ sagen bzw. diese auf einen späteren Zeitpunkt verschieben muss.

Und was haben Sie sich für dieses Jahr vorgenommen?