Markdown für Schriftsteller

Neben der ewigen Diskussion zwischen ‚Plottern‘ und ‚Pantsern‘, ob man Romane im Voraus planen oder ob sich die Handlung erst beim Schreiben entwickeln sollte, ist die wohl häufigste Diskussion unter Schriftstellern die darüber, was die optimale Software zum Schreiben ist.

Die einen schwören auf Scrivener, andere auf Papyrus oder Microsoft Word und noch andere auf minimalistische, ablenkungsfreie Schreibprogramme wie WriteMonkey, FocusWriter oder Q10.

Und seit immer mehr Schriftsteller nebenbei auch mobil auf ihren Tablets oder gar Smartphones an ihren Büchern und Geschichten arbeiten, ist nicht nur die Auswahl möglicher Programme sogar noch größer geworden, sondern es ergibt sich zusätzlich auch noch ein nicht zu unterschätzendes neues Problem: das der Kompatibilität und des Datenaustauschs zwischen den unterschiedlichen Programmen.

Auch wenn es auf Smartphones und speziell Tablets mittlerweile auch ausgewachsene Office-Pakete wie das von SoftMaker gibt, die vollständig kompatibel zu ihrem PC-Pendant sind, werden die meisten Schriftsteller am Tablet und erst recht am Smartphone eher auf minimalistische Schreibapps wie Jotterpad zurückgreifen, die auf eine unübersichtliche und platzraubende Benutzeroberfläche verzichten und dadurch mehr Bildschirmplatz für das bieten, was wirklich zählt: den eigentlichen Text.

Und da fangen dann auch schon die Probleme an. Denn (außer am iPad) gibt es keine kompatible App, mit der man beispielsweise seine Scrivener-Projekte unterwegs öffnen kann – selbst wenn man diese per Dropbox in der Cloud speichert. Und wie bekommt man die Texte, die man unterwegs an seinem Tablet oder Smartphone geschrieben hat, zuhause wieder in sein Scrivener-Projekt eingebettet?

Wer nur an einem festen Rechner (also beispielsweise am heimischen Desktop-PC oder am Laptop) an seinen Schreibprojekten arbeitet, hat hiermit natürlich überhaupt kein Problen und kann somit glücklich und zufrieden mit dem Schreibprogramm seiner Wahl arbeiten.

Doch wer je nach Aufenthaltsort und sich bietender Gelegenheit zum Schreiben zwischen Desktop, Laptop, Tablet und Smartphone hin und her wechselt und vielleicht zusätzlich auch noch in der Mittagspause am Büro-PC über eine cloudbasierte App im Browser schreibt, kennt das Problem nur zu gut: Wie greife ich von jedem meiner Schreibgeräte aus auf den aktuellen Stand meines aktuellen Schreibprojekts zu und wie kann ich daran weiter arbeiten, ohne die Texte später aufwändig mit viel manueller Arbeit wieder in mein Schreibprojekt importieren zu müssen?

Glücklicherweise gibt es eine einfache Lösung für das Problem: Textdateien mit Markdown-Formatierung.

Jeder Rechner (was auch Tablets und Smartphones mit einschließt) und jedes Betriebssystem hat einen Editor für simple Textdateien. Wenn man also sein Manuskript als Textdateien in einem Cloud-Speicher wie Dropbox speichert, kann man von jedem Rechner mit Internet-Zugriff aus jederzeit an diesen Dokumenten arbeiten.

So kann man unter Android beispielsweise mit JotterPad auf Textdateien aus seiner Dropbox zugreifen oder sogar unterwegs neue Dateien erstellen, die einem dann dank automatischer Synchronisierung auch zuhause am Desktop-PC sofort zur Verfügung stehen.

Am PC kann man diese Dateien mit jedem Texteditor oder natürlich mit ablenkungsfreien Zenware-Schreibprogrammen wie WriteMonkey, FocusWriter oder Q10 bearbeiten – und mehr braucht man eigentlich nicht, um produktiv zu arbeiten.

An dieser Stelle werden vermutlich viele Leser frustriert aufstöhnen: Was ist denn mit Formatierungen wie Überschriften, fett, kursiv oder gar Auflistungen, die es im reinen Textformat überhaupt nicht gibt? Soll man diese etwa alle erst später bei der Überarbeitung des Manuskripts in einer „richtigen“ Textverarbeitung nachpflegen?

Keine Sorge: hier kommt Markdown ins Spiel. Markdown ist eine einfache Formatierungssprache, die man in jedem Texteditor schreiben kann und die man später mit kostenlosen Programmen wie Pandoc (http://pandoc.org/) in RTF, DOC und andere Formate umwandeln kann.

Eine kurze Einfühurung mit den wichtigsten Markdown-Formatierungen für Autoren finden Sie unter http://texwelt.de/wissen/markdown_help/. Bei Heise gibt es auch eine Syntaxübersicht zu Markdown im PDF-Format zum Download.

Hier bekommen Sie einen schnellen Überblick, wie Sie in Markdown beispielsweise Wörter oder ganze Textpassagen als fett oder kursiv kennzeichnen können, mit mehreren Ebenen von Überschriften, eingerückten Zitaten oder unterschiedlichen Typen von Listen arbeiten können – und das alles innerhalb eines ganz normalen Textdokuments.

Doch es gibt noch einen anderen Grund, sich beim Schreiben auf das Markdown-Format einzulassen: die langfristige Kompatibilität und Verfügbarkeit der eigenen Texte. Es wird auch in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren immer noch Programme geben, die simple Textdateien öffnen können – egal, mit welchem Betriebssystem die Rechner bis dahin arbeiten und was bis dahin aus den heute bekannten Software-Firmen geworden sein mag.

Aber können Sie mit Sicherheit sagen, ob es in 20 Jahren noch Scrivener, Papyrus etc. geben wird? Was schlimmstenfalls bedeutet, dass Sie irgendwann keinen Rechner und kein Programm mehr haben, mit dem Sie Ihre heutigen Manuskripte noch öffnen können – selbst wenn Sie die eigentlichen Dateien gut aufgehoben haben. Denken Sie beispielsweise an Textverarbeitungsprogramme aus den 80er- und 90er-Jahren, deren Dateien heutzutage kein aktuelles Programm mehr öffnen kann. Oder an eigentlich tolle Schreibprogramme wie den „Liquid Story Binder“, die irgendwann von ihren Entwickern aufgegeben und nicht mehr weiter entwickelt werden und daher früher oder später auf keinem aktuellen Rechner mehr laufen. Mit jedem dieser Programme sterben auch alle Dateien, die nur mit diesem einen Programm geöffnet und bearbeitet werden konnten. Mit dem Textformat und Markdown kann Ihnen das nicht passieren.

Natürlich hat die Entscheidung für Textdateien mit Markdown gegenüber leistungsstarken Schreibprogrammen wie Scrivener auch Nachteile. Wer gerne mit der Pinwand von Scrivener arbeitet, um seine Schreibprojekte zu planen und zu strukturieren, muss sich bei der Arbeit mit simplen Textdateien an eine andere Arbeitsweise gewöhnen.

Am PC kann man mit zwei getrennten Programmen arbeiten, deren Fenster man per Split-Screen nebeneinander auf dem Monitor anordnet – beispielsweise links den Texteditor zum Schreiben und rechts ein Gliederungsprogramm wie „RightNote“ oder „Keynote NF“ (oder ein Mindmapping-Programm) für Struktur und Planung. Noch komfortabler ist es natürlich, wenn man zwei Monitore an seinen PC (oder einen zusätzlichen externen Monitor an seinen Laptop) anschließt und den Hauptmonitor zum Schreiben verwenden kann, während auf dem zweiten Monitor die Strutur- und Recherche-Unterlagen in einem separaten Programm angezeigt werden.

Doch da mobile Geräte wie Tablets oder Smartphones ohnehin nicht genug Platz am Bildschirm bieten, um Text und Notizen nebeneinander einzublenden, kann ich für mobile Schriftsteller in erster Linie die guten alten Karteikarten empfehlen.

Ich plane meine Schreibprojekte auf linierten Karteikarten im Format A6. Jede Karte enthält die Notizen zu einer Szene bzw. zu einem Abschnitt/Unterthema eines Sachbuch-Projekts. Mit einer Büroklammer lassen sich mehrere Szenen/Abschnitte bequem zu einem Kapitel bündeln, wobei das „Kapitel-Deckblatt“, für das ich aus Gründen der leichteren Unterscheidbarkeit gelbe Karteikarten verwende, nochmal eine summarische Zusammenfassung des geplanten Kapitels enthält.

Ein komplettes Buchprojekt kann je nach Umfang aus bis zu 200 Karteikarten bestehen. Um diese jederzeit griffbereit dabei zu haben, verwende ich ein sogenanntes „CardSkin“ (Link siehe unten), das auch unterwegs stets in meiner Jackentasche steckt.

Wenn man sich erst einmal an diese Arbeitsweise gewöhnt hat, ist das ähnlich komfortabel wie die Arbeit mit Scrivener oder einer ähnlichen Schreibsoftware.

Sogar wenn ich unterwegs mal weder mit dem Laptop noch mit dem Tablet, sondern lieber von Hand in mein Notizbuch schreibe, brauche ich meine Arbeitsweise nicht zu ändern: dank Karteikarten habe ich meine komplette Planung und Struktur jederzeit griffbereit dabei und sogar handschriftlich kann man mit Markdown-Formatierung schreiben und diese Passagen dann später zu Hause einfach und schnell abtippen.

Probieren Sie es ruhig einmal aus. Vielleicht werden auch Sie dann zu dem Schluss kommen, dass „einfach“ einfach die bessere Lösung ist.

Links:


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3 Gedanken zu „Markdown für Schriftsteller

  1. Einfach ist auf jeden Fall besser, da stimme ich absolut zu, aber für mich bedeutet „einfach“ die Kombination von Microsoft Word und Microsoft OneNote. Damit kann ich alles machen, was man auch mit Scrivener und Co. machen kann, aber die Dateien sind auf allen meinen Geräten abrufbar und lesbar. Und dass Microsoft innerhalb meiner Lebenszeit pleite geht und es keine Software mehr gibt, die das lesen kann, halte ich für unwahrscheinlich. :)

    Der Nachteil bei kleinen Firmen oder sogar Ein-Mann-Projekten ist, dass dort immer die Gefahr besteht, dass es die Firma bald nicht mehr gibt oder eben dieser eine Mensch die Lust an seinem Programm verloren oder andere Interessen entwickelt hat. Die Gefahr besteht bei einer großen, etablierten Firma weniger, obwohl ich sehr dafür bin, kleine und aufstrebende Firmen zu unterstützen, die vielleicht neue und innovative Ideen einbringen, die in großen Firmen eventuell unter den Tisch fallen.

    Ich lese immer wieder gern Artikel über neue Software, aber zum Schluss kehre ich immer wieder zu Word zurück. Im Laufe der Jahre habe ich mich so daran gewöhnt und Word ist so verbessert worden, dass es kaum ein anderes Programm gibt, das daran heranreicht. Und in Kombination mit OneNote hat man seine „Karteikarten“ auch immer dabei und sortiert, kann im Suchfeld suchen statt ewig Papier zu wälzen, um das zu finden, was man gerade braucht. Die Kombination ist so flexibel und perfekt, dass ich immer etwas an anderen Programmen auszusetzen habe, wenn ich sie mal ausprobiere. Scrivener hat mich fast zum Wahnsinn getrieben. ;) Es ist kompliziert zu bedienen, unlogisch, überladen und redundant. Ich wüsste nicht, was ich dadurch bei meiner Schreiberei gewinnen sollte. Ich verliere nur Zeit, weil ich sinnlos nach Dingen suchen muss, die ich in Word und OneNote sofort zur Hand habe.

    Manchmal denke ich, all diese Schreibsoftware ist mehr etwas für Amateure als für Profis. Wenn man denkt, man wird durch eine Software ein besserer Schriftsteller, irrt man sich. Keine Software kann Kreativität und Intuition ersetzen, Ideen und Talent. Oder schriftstellerisches Handwerk.

    Ich bin professionelle Schriftstellerin, und das schon sehr lange, und ein Buch besteht nun einmal aus zu Wörtern geformten Ideen, sonst nichts. Ich lebe vom Schreiben, und deshalb muss ich meine Ideen einfach und schnell zu Papier bringen können und veröffentlichungsreif machen. Jedes Jahr so viel wie möglich, damit ich meine Rechnungen bezahlen kann. Wenn ich dann Zeit mit irgendwelcher Software verschwenden muss, die nicht das tut, was ich brauche und erwarte, verliere ich bares Geld. Und das ärgert mich dann.

    Auch ich schreibe unterwegs mal eine Idee in mein Smartphone, so etwas kommt wohl bei jedem vor, aber ganze Absätze oder gar halbe Bücher schreibe ich da nicht. Dafür habe ich meinen Schreibtisch zu Hause, meinen Arbeitsplatz. Man kann seine Idee auch mal schnell ins Smartphone sprechen (früher hatte ich dafür extra ein Diktiergerät dabei, aber glücklicherweise braucht man das jetzt nicht mehr, sondern hat das alles in einem) und dann zu Hause abtippen.

    Ich frage mich, wer wirklich so viel auf Smartphone oder Tablet schreibt, dass sich dafür eine Extra-App lohnt. Aber es muss wohl Leute geben, sonst gäbe es die Apps nicht. Wenn ich Zehntausende von Wörtern in mein Smartphone tippen müsste, hätte ich allerdings auch schon längst eine Sehnenscheidenentzündung. Da bevorzuge ich dann doch eher mein ergonomisch geformtes Keyboard. ;)

    • Was das Word-Format angeht habe ich da auch keine Zweifel, aber ob es in 20 Jahren noch OneNote gibt … darauf würde ich nicht wetten wollen.

      Scrivener finde ich persönlich sehr gelungen und ich komme eigentlich perfekt damit zurecht. Scrivener hat den Vorteil, dass es einen von der ersten Idee bis zum fertig konvertierten Manuskript begleiten kann, ohne dass man irgendwelche anderen Tools zusätzlich brauchen würde. Wenn man Scrivener auch vom USB-Stick aus verwenden könnte und es eine Android-Version gäbe, die sich automatisch via Dropbox mit der „großen“ Version synchronisiert, wäre das perfekt. Scrivener würde ich jedenfalls definitiv nicht unter „Software für Amateure“ einordnen – nicht umsonst schwören jede Menge hauptberufliche Roman- und Drehbuchautoren auf Scrivener.

      Ich stimme aber uneingeschränkt zu, dass keine Software der Welt Kreativität und Inspiration ersetzen kann. Shakespeare hat seine Meisterwerte mit Papier und Feder geschrieben und auch die überaus produktiven Autoren zwischen den 1860er-Jahren und der Erfindung der ersten Textverarbeitung ‚Word Star‘ 1978 hatten nicht mehr als ihre simplen Schreibmaschinen zur Verfügung. Das hat sie nicht daran gehindert, mehr (und in vielen Fällen sogar bessere) Werke zu verfassen als die meisten Schriftsteller der letzten 40 Jahre. Das ist einer der Gründe, warum ich simple Textdateien mit Markdown so sehr mag: Man konzentriert sich nicht auf Layout und Schriftarten, sondern auf das geschriebene Wort. Textverarbeitungsprogramme wie Word bergen aus meiner Sicht das Risiko, dass selbst eine Rohfassung von der Optik her schon sehr „buchähnlich“ und fertig aussieht – psychologisch gesehen oft nicht das beste Signal an das eigene kritische Auge bei der Überarbeitung. ;-)

      Was das Schreiben unterwegs angeht, komme ich mit meinem Smartphone, das mit einem 5,5″-HD-Display aber auch schon mehr in die Kategorie Phablet fällt, recht gut klar. Gerade mit einer Wisch-Tastatur wie Swype kommt man da trotz des recht kleinen Bildschirms auf akzeptable Schreibgeschwindigkeiten, ohne sich dabei die Finger zu verknoten. Aber im direkten Vergleich ist mir natürlich mein 10″-Tablet zum mobilen Schreiben wesentlich lieber.

      Natürlich schreibe ich auch wesentlich lieber am großen PC mit meiner mechanischen Tastatur, aber selbst ein paar Sätze, die man unterwegs am Smartphone oder am Tablet schreibt, sind besser als nichts. Und das Schreiben am Smartphone ist eine wesentlich sinnvollere Beschäftigung während ansonsten ungenutzter Pausen als das Surfen im Internet oder eine Runde Candy Crush. Auch wenn man nicht so gut voran kommt wie am „richtigen“ PC, gilt dennoch, dass der stete Tropfen auf lange Sicht auch den größten Stein aushöhlt. :-)

  2. Pingback: Autoren: Medienlese 29.04.-05.05.2017 – Dembelo

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