“NaNoWriMo – nichts für mich”? Ein alternativer Ansatz

Der Countdown zu “dem” Monat für Schriftsteller läuft – dem November, bei der schreibenden Zunft auch als “NaNoWriMo” bekannt. Der “National Novel Writing Month”, der weltweit hunderttausende Schriftsteller an ihre Tastaturen strömen lässt, um innerhalb von nur 30 Tagen die mindestens 50.000 Wörter lange Rohfassung eines neuen Romans zu schreiben.

Wie sehen Sie den allgemeinen Trubel um den NaNoWriMo? Gehören Sie zu denen, die (fast) jedes Jahr aufs Neue mit all den anderen Marathon-Schreibern am Start stehen und dem Startschuss entgegen fiebern? Oder haben Sie irgendwann für sich entschieden, dass der NaNoWriMo nichts für Sie ist? Zu stressig? Zu sehr auf Quantität statt auf Qualität fokussiert? Oder generell nicht passend, da Sie keine Romane, sondern Kurzgeschichten, Drehbücher oder Sachbücher schreiben?

Doch selbst wenn der ‘traditionelle’ NaNoWriMo nichts für Sie ist, bedeutet das noch lange nicht, dass Sie den Kreativitäts- und Produktivitätsschub, den der NaNoWriMo in den teilnehmenden Romanautoren auslöst, nicht auch für sich nutzen könnten – wenn auch auf andere Art und Weise.

Im Laufe der Jahre haben sich schon verschiedene “Gegenveranstaltungen” gebildet – zum Beispiel “Write Nonfiction in November“, ein Gegenangebot anderer Veranstalter, das sich an Sachbuchautoren richtet und sie motivieren möchte, im November ein Sachbuch zu schreiben.

Doch warum sollten Sie sich auf bestehende Veranstaltungen und Konzepte beschränken? Schließlich sind Sie Schriftsteller und als solcher ausgesprochen kreativ. Überlegen Sie doch einfach, was eine für Sie passende Herausforderung wäre, die Sie bei Ihren persönlichen Projekten und Zielen voran bringen würde.

Aus meiner Sicht liegt der Nutzen des NaNoWriMo (oder allgemeiner gesprochen: des Novembers als “Schreibmonat”) in erster Linie darin, dass man sich einen Monat lang aufs Schreiben fokussiert. Während das Schreiben das ganze Jahr über viel zu oft durch alle anderen Prioritäten, Zwänge und Aufgaben zu sehr in den Hintergrund gedrängt wird, haben wir im November mit dem NaNoWriMo eine Ausrede / ein gutes Argument dafür, uns einen Monat lang in erster Linie ums Schreiben zu kümmern. Ein Monat, in dem das Schreiben im Mittelpunkt steht, statt zwischen all den anderen Verpflichtungen ein Nischendasein zu fristen.

Da wird vorgekocht oder die Tiefkühltruhe mit Fertiggerichten aufgefüllt, die Festplatte des SAT-Receivers freigeschaufelt, um Filme und Serien für später aufzuzeichnen, statt sie live anzusehen und Familie und Freunde schonend darauf vorbereitet, dass man die nächsten 30 Tage deutlich weniger Zeit als sonst für sie haben wird. Andere Hobbys und Freizeitveranstaltungen werden zurückgeschraubt und auf später verschoben, was durch das trübe Spätherbstwetter des Novembers noch erleichtert wird. Im November gibt es nichts mehr im Garten zu tun, keinen Rasen zu mähen – und zu langen Spaziergängen und Wanderungen lädt das nasstrübe Novemberwetter meist ohnehin nicht ein.

Sollen Sie sich diese Vorteile entgehen lassen, nur weil Sie keinen NaNoWriMo-Roman schreiben wollen?

Definieren Sie doch einfach Ihren eigenen November-Schreibmarathon mit Regeln und einer Herausforderung, die genau auf Sie und Ihre persönlichen Ziele zugeschnitten ist. Egal, ob Sie Blogger, Sachbuchautor oder Kurzgeschichtenautor sind, ob Sie gerne mit oder ohne Planung, langsam oder schnell schreiben.

Fragen Sie sich einfach: Wenn ich nur während eines einzigen Monats des Jahres zum Schreiben käme, mich dafür aber während dieses Monats (abgesehen von der Arbeit und bestimmten lebensnotwendigen Aufgaben) fast ausschließlich aufs Schreiben konzentrieren könnte – wie würde ich diesen Monat nutzen?

Würden Sie…

  • …mindestens 52 Blogposts auf Vorrat für Ihr Blog schreiben, damit Sie für den Rest des Jahres keinen Stress mehr haben, sondern Woche für Woche einen Ihrer vorgeschriebenen Artikel aus dem Hut zaubern können?
  • …ein Sachbuch oder einen Ratgeber zu einem Thema schreiben, zu dem Sie Ihr Wissen und Ihre persönlichen Erfahrungen schon lange mal in Buchform bringen wollten?
  • …einen ganzen Stapel Kurzgeschichten schreiben – vielleicht sogar genug, um eine eigene Kurzgeschichten-Anthologie veröffentlichen zu können?
  • …täglich mindestens ein Gedicht schreiben?
  • …ein Drehbuch oder Theaterstück schreiben?

Oder vielleicht haben Sie auch eine ganz andere Idee, wie Sie gerne den November nutzen würden. Setzen Sie sich Ihr eigenes Ziel. Ein Ziel, für das Sie sich strecken müssen, um es zu erreichen, aber das Ihnen ein breites, zufriedenes Lächeln ins Gesicht zaubern würde, wenn Sie es erreicht haben.

Und dann definieren Sie sich Ihren ganz eigenen Schreibmonat. Noch haben Sie fast zwei Wochen, um Ihre persönlichen Regeln zu definieren und alle erforderlichen Vorbereitungen zu treffen. Nutzen Sie diese Zeit. Anfang Dezember werden Sie sich freuen, dass Sie es getan haben.


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8 Gedanken zu „“NaNoWriMo – nichts für mich”? Ein alternativer Ansatz

  1. Mir ist das alles viel zu sportlich und passt für mein Gefühl nicht zu Autoren. Auch im normalen Leben bevorzuge ich keine Massenproduktionen und schon gar keine Wettbewerbe. Für mich ist es uninteressant, ob einer schneller rennt oder weiter hüpft als ich, besser singt oder Klavier spielt, schöner malt oder den größeren bzw. kleineren Hund hat. Außerdem mag ich keine Abkürzungen – das ist irgendwie respektlos.

    • Ich bin auch nicht gerade ein Vertreter der Höher-Schneller-Weiter-Mentalität, aber unformelle und unverkrampfte Herausforderungen wie der NaNoWriMo haben schon hunderttausende Autoren motiviert, ihren Roman in Angriff zu nehmen, die dieses Projekt sonst aus lauter falscher Ehrfurcht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag vor sich hergeschoben hätten. Insofern finde ich den NaNoWriMo eine tolle Sache.
      Und was Abkürzungen angeht – ohne die wäre doch alles viel umständlicher. Das fängt bei den politischen Parteien an und zieht sich mit ABS, DVD und UKW durch alle Bereiche unseres täglichen Lebens. Wer sagt denn in der Praxis schon: “Ich lege mir jetzt eine Digital Versatile Disc ein?” ;-)

  2. Danke für diesen gut zu lesenden und inspirierenden Kommentar! Ich werde dieses Jahr zum zweiten Mal am NaNo teilnehmen, allerdings auch mit leicht abgewandelten Spielregeln, indem ich das Manuskript, an dem ich zur Zeit arbeite, weiterschreiben – und hoffentlich abschließen – werde.

    Egal, nach welchen Regeln man “mitspielt”, die Hauptsache ist doch die Kreativität. Und darauf, die zu fokussieren, freue ich mich schon! :-)

  3. Ich nehme dieses Jahr zum ersten Mal am Nanowrimo teil. In den Foren gibt es die sog. Nano-Rebels, also Schreiberlinge, die nicht an einem Roman schreiben, sondern z. B. Kürzestgeschichten (Flash fiction), Drehbücher, ja sogar Sachtexte produzieren.
    Ich habe mir daraufhin mein eigenes Programm aufgestellt, bestehend aus einer Sammlung von 33 Kürzestgeschichten, einer Krimikurzgeschichte und mehreren Kurzsachbuchkapiteln. Dazu habe ich das Ziel von 50.000 Wörtern gestaffelt auf 10.000 (1. Ziel), 25.000 (2. Ziel) und 50.000. Das Ganze wird durch eine kleine Gruppe via WhatsApp und drei bis vier persönlichen Treffen begleitet. So komme ich hoffentlich gut und schreibend durch den trüben November. Mein Ziel dahinter: regelmäßig schreiben und dadurch in meinen Schreibprojekten weiterkommen. Und den Nanowrimo dabei als motivierende Welle nutzen.

  4. Auch ich nehme dieses Jahr zum ersten mal am NaNo teil.
    Obwohl ich natürlich am liebsten die 50k schaffen möchte, ist für mich noch wichtiger, dass ich tatsächlich jeden Tag schreibe. Wenn ich das schaffe und am Ende nur 10000 Wörter schaffe, bin ich trotzdem zufrieden.
    Es gibt übrigens auch recht viele, die die klassischen Regeln des NaNos abwandeln, ob es eine Verringerung der Wortzahl oder die Art des Textes ist, der geschrieben wird.

    • Das ist ein sehr guter Ansatz. Es ist wichtig, dass man es sich selbst leicht macht, zu gewinnen. Sich den ganzen Monat abzuhetzen und sich nachher doch als ‘Verlierer’ zu fühlen, weil man ‘nur’ 40.000 Wörter geschafft hat, ist demotivierend. Und Demotivation ist das letzte, was man als Schriftsteller gebrauchen kann.

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