NaNoWriMo – Wie Sie frühzeitig die Weichen für Ihren Erfolg im November stellen

Anfang November ist es wieder so weit: NaNoWriMo. Neun Buchstaben, die Romanautoren und Hobbyschriftstellern aus aller Herren Länder ein freudiges Lächeln ins Gesicht zaubern, während bei Außenstehenden bestenfalls ein großes Fragezeichen auf der Stirn erscheint. NaNoWas?

NaNoWriMo – der Monat, der die Marathon-Aufgabe, einen Roman zu schreibens, zu einem Sprint verkürzen möchte. Dabei ist Ihre Aufgabe einfach definiert: Schreiben Sie in den 30 Tagen vom 01.11 bis zum 30.11 die komplette Rohfassung eines Romans von mindestens 50.000 Wörtern.

Gut, 50.000 Wörter ergeben keinen dicken Wälzer, sondern lediglich ein Taschenbuch von runden 200 Seiten – aber das ist für einen Monat schon Herausforderung genug. Denn erstens gibt es auch etliche  kurze Romane von oft gerade mal 130-150 Seiten und zweitens soll das Ergebnis des NaNoWriMo ja auch kein fertig überarbeiteter Roman, sondern lediglich eine erste Rohfassung sein, die man später (z.B. im März im Rahmen des NaNoEdMo – des National Novel Editing Month) noch überarbeiten und dabei auch vom Umfang her noch erweitern kann.

Wie kann man mitmachen?

Mitmachen beim NaNoWriMo ist ganz einfach: Zunächst mal unter http://nanowrimo.org kostenlos anmelden, falls man noch keinen Account hat. Wer in den letzten Jahren schon einmal teilgenommen hat, kann seinen bisherigen Account natürlich weiterhin verwenden.

Rechtzeitig vor dem 01.11 hat man dann die Möglichkeit, in seinem NaNoWriMo-Account die Details zum geplanten Roman einzugeben – also den Titel und ein paar kurze Angaben zur Handlung (ähnlich dem späteren Klappentext). Wer will und Talent hat, kann auch schon ein Cover für seinen zukünftigen Roman entwerfen und dort hochladen, um so dem eigenen Romanprojekt ein richtiges „Gesicht“ zu geben.

Warum Sie rechtzeitig mit der Planung beginnen sollten

Mit der Planung des Romans kann (und sollte) man jetzt schon beginnen – wichtig ist lediglich, dass man vor dem 01.11 kein einziges Wort des eigentlichen Manuskipts schreiben darf.

Aber die Planung der Charaktere, Handlung etc. sollte man besser rechtzeitig vorher fertig haben, damit man sich im November ausschließlich aufs Schreiben konzentrieren kann und sich nicht auch noch Gedanken machen muss, wie die Handlung weiter gehen soll.

Denn ab dem 01.11 geht es „richtig“ los: Ab jetzt müssen Sie täglich im Schnitt mindestens 1.667 Wörter schreiben, um bis zum 30.11 auf die angepeilte Mindestlänge von 50.000 Wörter zu kommen und Ihr Manuskript rechtzeitig zum magischen Wörtchen ENDE zu bringen.

Dieser Wert ist reine Mathematik: 50.000 Wörter geteilt durch 30 Tage macht nun mal 1.667 Wörter pro Tag. Allerdings sollte man sich in der Praxis nicht auf diese Anzahl beschränken, sondern eher versuchen, sich rechtzeitig einen Puffer für Unvorhergesehenes herauszuarbeiten.

Fertig – aber nicht am Ende?

Hinter der längenmäßigen Zielvorgabe zurückzubleiben wäre ärgerlich genug – doch die wesentlich größere Gefahr besteht darin, dass man gegen Ende des Monats zwar immer näher an die anvisierten 50.000 Wörter heran kommt, aber von einem Ende der Handlung immer noch weit entfernt ist.

Dazu ein Tipp: Man kann seine Chancen deutlich verbessern, wenn man die Handlung schon bei der Planung in acht Segmente unterteilt – ein Konzept, das ursprünglich aus dem Drehbuchbereich stammt.

Dabei handelt es sich im Grunde genommen um nichts anderes als eine Erweiterung der klassischen 3-Akt-Struktur: Der erste Akt besteht dabei aus zwei Segmenten, der zweite aus vier, der dritte wiederum aus nur zwei Segmenten.

Jedes dieser Segmente sollte mit einem spannenden, dramatischen Ereignis oder einer überraschenden Wendung (besonders am Ende von Segment 2, 4 und 6 – also am Übergang zwischen den einzelnen Akten und am Mittelpunkt des Romans) enden. Dadurch hält man den Leser später bei der Stange und vermeidet eine „durchhängende Mitte“, wie man sie bei vielen Romanen findet.

Zeitplanung leicht gemacht

Die acht Segmente haben außerdem noch den Vorteil, dass man sie perfekt auf den November verteilen kann: 8 Segmente á 3 Tage wären 24 Tage, das lässt einem noch sechs Tage als Puffer, wenn einem mal etwas dazwischen kommt und man an einem Tag nicht so gut wie geplant zum Schreiben kommt.

Wenn man die Handlung also in 8 Segmente aufteilt, entfallen auf jedes der Segmente im Schnitt 6.250 Wörter, die man in drei Tagen schaffen muss – also knappe 2.100 Wörter pro Tag.

Das ist zwar noch mehr als die „Mindestquote“ von 1.667 Wörtern, auf die man rechnerisch kommt, wenn man die 50.000 Wörter gleichmäßig auf den November verteilt, aber es hat zwei entscheidende Vorteile:

  1. Man weiß, dass man am Ende des Monats nicht nur 50.000 Wörter geschrieben hat und dennoch erst irgendwo mitten in der Handlung und noch weit vom Ende entfernt gestrandet ist, sondern dass man innerhalb der acht Handlungssegmente seinen Roman zu einem befriedigenden Ende bringen kann.
  2. Am Ende des Monats hat man noch bis zu sechs Tage übrig, um in aller Ruhe und völlig stressfrei kleinere Lücken in der Handlung zu füllen, etwas zu kurz geratene Segmente zu erweitern und eventuelle Rückstände aufzuholen.

Wie viel Zeit sollten Sie pro Tag einplanen?

Letztendlich hängt alles daran, ob Sie jeden Tag Ihr Tagessoll schaffen. Auch der beste Plan und die sauberste Einteilung bringen nichts, wenn Sie schon nach den ersten Tagen merken, dass Sie mehr und mehr Rückstand aufbauen.

Wie viel Zeit Sie pro Tag einplanen müssen, hängt davon ab, wie schnell Sie schreiben. Mit Zehnfingersystem und nur 40 Wörtern pro Minute (60-70 sind als Spitzenwert machbar) könnte man sein Tagessoll in einer knappen Stunde herunter rattern. In der Praxis ist das dennoch nicht realistisch. Rechnen Sie lieber 2-3 Stunden pro Tag, damit sind Sie auf der sicheren Seite.

Wenn Sie doch schneller sind – umso besser. Entweder können Sie dann in der verbleibenden Zeit nochmal richtig ranklotzen und sich einen Puffer für schlechtere Tage aufbauen, oder Sie gönnen sich schon früher mit gutem Gefühl Ihren Feierabend für den laufenden Tag.

Ein solcher Zeitplan bedeutet natürlich auch: Nehmen Sie sich für den November nichts anderes vor. Lehnen Sie nett gemeinte Einladungen von Familie, Freunden und Bekannten freundlich aber bestimmt ab, verzichten Sie auf Videospiele und andere Zeitfresser und zeichnen Sie Ihre Lieblings-Fernsehsendungen lieber auf Festplatte auf, statt sie live anzusehen. Spätestens zwischen den Jahren freuen Sie sich, dass Sie noch jede Menge Filme und Serien zum aufarbeiten haben. ;-)

Drei goldene Regeln für gutes Vorankommen

Ab dem 01.11 sollten Sie die folgenden drei goldenen Regeln niemals vergessen. Sie sorgen dafür, dass Sie in der knappen Zeit so gut wie möglich voran kommen:

  1. Setzen Sie sich nie zum Schreiben hin, ohne sich vorher genau überlegt zu haben, was Sie schreiben werden. Spielen Sie die Szene(n), die Sie am nächsten Tag schreiben wollen, während ansonsten ungenutzter Pausen im Alltag wieder und wieder in Ihrem Kopfkino durch, bis Sie sie so genau vor sich ablaufen sehen, dass Sie sie nur noch aufschreiben müssen.
  2. Fesseln und knebeln Sie Ihren inneren Lektor. Geben Sie sich die Erlaubnis, eine grottenschlechte Rohfassung zu schreiben. Im NaNoWriMo zählt nicht die Qualität, sondern erstmal nur die Quantität. Überarbeiten kommt später – und denken Sie daran: Sie können alles korrigieren, nur keine leere Seite.
  3. Schalten Sie alle Ablenkungen ab, wenn Sie sich zum Schreiben hinsetzen. Kein Telefon, keine Mails, kein Facebook und kein Twitter, bis Sie Ihr Tagessoll erfüllt haben. Schalten Sie am besten sogar Ihren Internetanschluss ab, um gar nicht erst in Versuchung zu kommen. Wenn Sie mit dem Schreiben für den laufenden Tag fertig sind, werden Sie diese kleinen Ablenkungen umso mehr zu schätzen wissen und können sie mit gutem Gewissen genießen.

Wenn Sie alle oben genannten Punkte beachten, werden auch Sie Ende November auf ein fertiges Romanmanuskript zurückschauen können. Auf einen Roman, den Sie selbst geschrieben haben – in nur 30 Tagen. Und wäre das nicht die ein oder andere kleinere Entbehrung wert?