Notizzettel für konzentriertes Arbeiten

Ideen kommen einem meistens dann, wenn man sie am wenigsten gebrauchen könnte. Besonders dann, wenn man sich gerade auf etwas anderes konzentrieren möchte – wie die Arbeit an einem Buch oder Artikel. Das Problem sind dabei weniger die Ideen, die mit dem aktuellen Schreibprojekt zu tun haben – diese kann man schließlich direkt einfließen lassen. Doch meistens kommen einem stattdessen Ideen, die entweder mit einem ganz anderen Projekt zu tun haben oder bisher noch gar keinen konkreten Bezug zu einem laufenden Schreibprojekt haben.

Ganz zu schweigen von den sonstigen Ideen, die gar nichts mit dem Schreiben zu tun haben: “Vielleicht sollte ich mir noch einen Kaffee holen. Ich müsste mal wieder neue Batterien für das Diktiergerät kaufen. An welchem Tag kommt diese Reportage im Fernsehen, für die ich gestern Abend die Vorschau gesehen habe? Und das Geburtstagsgeschenk für Tante Karin ist auch noch nicht gekauft.”

Wenn man auch nur der Hälfte dieser Ablenkungen nachgibt, kommt man mit dem Schreiben letzten Endes nicht wirklich voran – und wenn man sich einfach nur zwingt, weiter zu schreiben und die Ablenkungen zu ignorieren, schwirren sie einem ständig weiter im Kopf herum. Darum habe ich auf meinem Schreibtisch immer einen kleinen Stapel Notizzettel im A6-Format liegen. Meist handelt es sich um alte Ausdrucke (Rohfassungen von Manuskripten, Ausdrucke von Internetrecherchen…), die ich mit einer Schneidemaschine 2 x halbiere.

Wenn mir dann beim Schreiben irgendeine Idee kommt, die nichts mit dem zu tun hat, woran ich in dem Moment arbeite, schnappe ich mir einen Zettel, schreibe es auf, lege den Zettel vorerst zur Seite und arbeite weiter. Wie David Allen es bei “Getting Things Done” so schön auf den Punkt brachte: Wenn man es aufgeschrieben hat, muss man es nicht mehr im Gedächtnis behalten und kann es geistig loslassen.

Allerdings gilt hierbei auch nicht Allens “Zwei-Minuten-Regel”: Selbst wenn es nur eine Minute dauern würde, der Ablenkung nachzugeben (schnell mal einen Kaffee holen, nach neuen Mails sehen oder die Information X auf Google nachschauen), schreibe ich es stattdessen konsequent auf und verschiebe es auf später. Da ich in Zeitblöcken von 30 Minuten arbeite, nach denen ich jeweils eine kurze Pause einlege, ist das recht unproblematisch. Es gibt fast nichts, was nicht maximal eine halbe Stunde warten könnte.

In der Pause zwischen zwei Arbeitsblöcken kann man dann die Zettel durchsehen. Kleinigkeiten kann man dann direkt erledigen, größere Aufgaben in die ToDo-Liste für später eintragen – und Zettel mit Ideen zu irgendwelchen Buch- oder Schreibprojekten kommen direkt in die Hängemappe für das jeweilige Projekt. Da diese Mappen nach oben offen sind, kann man die Zettel einfach und schnell einsortieren.

Anfangs erscheint es einem noch ungewohnt, selbst Kleinigkeiten aufzuschieben, doch wenn man erst einmal ein paar Wochen so arbeitet, merkt man, wie viel besser und konzentrierter man mit dem Schreiben voran kommt, wenn man sich in diesen Zeiten ausschließlich aufs Schreiben konzentrieren kann. Lassen Sie es ruhig mal auf einen Versuch ankommen.


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6 Gedanken zu „Notizzettel für konzentriertes Arbeiten

  1. Hallo, Herr Norden,

    das, mit den halbstündigen Arbeitsblöcken ist ein Supertipp. Danke!

    Das konzentrationsfördernde “Abladen” von Ideen etc. auf einen Notizblock kann ich bestätigen. Problem ist allerdings manchmal, dass sich im Laufe der Jahre ein Berg von Ideen ansammelt – und die Eine, die gerade unbedingt nötig ist, unauffindbar bleibt. Haben Sie ein “Notizbuch-Orga-System”?

    Bester Gruß,

    Sven Huff

  2. Ich schreibe wichtige und länger dauernde Aufgaben gleich direkt in mein AufgabenBuch. Schnelle Aufgaben kommen auf einen Post It Zettel und werden ebenfalls dort hinein gepappt. Nach Erledigung kommen die sofort weg.

    • Das ist eine gute Aufteilung. Mir sind Notizzettel lieber, weil ich meine Aufgabenliste in einem Outliner führe (http://www.chip.de/downloads/ToDoList_13008718.html). Was ich nicht sofort erledigen kann, wird in den passenden Kontext eingeplant und ggf. in kleinere, leichter handhabbare Etappen/Teilprojekte heruntergebrochen. Das mache ich aber erst, wenn ich mit meiner aktuellen Aufgabe fertig bin, damit es mich nicht aus der Arbeit herausreißt.

  3. Mein Alltag findet statt zwischen dem Lego-Spiel mit meinem 2-jährigen, dem Erstellen von Arbeitsplänen im Büro, Kundengespräche, Offerten, Rechnungen, nächtlichen Diskussionen zu Milchflaschen und Klettern auf Spielplätzen.

    Der Vorteil: Vielseitige Inspiration zu neuen Ideen ist allgegenwärtig.

    Und da es um ein Vielfaches anstrengender ist, Ideen im Kopf zu belassen anstatt sie niederzuschreiben, bleibt bei mir nur eine Lösung:

    Das Smartphone! Meine Notizzettel-Funktion ist voll von Ideen, die auch per iCloud regelmässig gesichert werden. Ich hänge auch Bilder rein, die mich an Ideen erinnern oder integriere Sprach-Memos, um auf die Schnelle was festzuhalten.

    Wenn die Kinderchen abends schlafen, kann ich die Ideen dann den entsprechenden Projekten zuordnen.

    Allerdings, auch mit der schönsten Struktur schaffen es nur die wenigsten Ideen, angemessen verwertet zu werden. Aber das wäre dann auf ein anderes Problem zurückzuführen …. Die liebe Zeit :-D.

    Gruss, Elly Kaltbach

  4. Ein Hallo von mir,

    und ein großes Lob. Dass Sie sich sogar aufschreiben, einen Kaffee zu holen, ist wirklich konsequent und ganz nach meinem Geschmack! Ich werde das umsetzen!

    Dank und Gruß,

    Nina

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