10 Tipps für den NaNoWriMo

In drei Tagen beginnt der diesjährige NaNoWriMo. Wie jedes Jahr seit Ende des letzten Jahrtausends werden sich auch diesmal wieder weltweit hunderttausende Schriftsteller und Hobbyautoren an die Aufgabe wagen, innerhalb von 30 Tagen ein Romanmanuskript von mindestens 50.000 Wörtern zu schreiben. Doch wie in den vergangenen Jahren wird es wohl auch dieses Jahr nur ungefähr jeder fünfte Teilnehmer erfolgreich über die Ziellinie schaffen.

Die folgenden 10 Tipps können Ihnen dabei helfen, den diesjährigen NaNoWriMo zu gewinnen.

1. Vorplanung

Die Regeln des NaNoWriMo besagen zwar, dass man nicht vor dem 01.11 mit dem Schreiben des eigentlichen Romans beginnen darf, doch eine gewisse Vorplanung wird sogar von den Organisatoren empfohlen.

Sie müssen dafür nicht zum Outliner werden, wenn Sie beim Schreiben lieber improvisieren und die Handlung zusammen mit Ihren Romancharakteren entdecken – eine grobe Handlungsstruktur, an der Sie sich beim Schreiben entlang hangeln können, reicht vollkommen aus.

Nutzen Sie also dieses Wochenende, um sich schon im Vorfeld möglichst viele Gedanken über Ihrem Romanfiguren und den (möglichen) Verlauf der Romanhandlung zu machen. Die Zeit, die Sie jetzt investieren, sparen Sie im Verlauf der nächsten 30 Tage doppelt und dreifach wieder ein.

2. Die richtige Einstellung

Erwarten Sie nicht, dass Sie während des NaNoWriMo einen fertigen, womöglich schon so gut wie veröffentlichungsreifen Roman zustande bekommen werden. Das, was Sie während des Novembers schreiben, ist nicht mehr als eine sehr frühe Rohfassung, die anschließend noch intensiver Überarbeitung bedarf.

Knebeln und fesseln Sie daher während des Novembers Ihren inneren Lektor und lassen Sie stattdessen Ihre kreative, chaotische Seite von der Leine. Die Rohfassung, die Sie während des NaNoWriMo produzieren, kann so holprig, hölzern und von Logikfehlern durchzogen sein, wie sie will. Sie ist dennoch eine fertige Rohfassung, mit der Sie anschließend arbeiten können und die Sie Schritt für Schritt verbessern und auf Hochglanz polieren können. Eine leere Seite können Sie hingegen nicht korrigieren.

Geben Sie sich daher selbst die Erlaubnis, ohne Rücksicht auf Stil, Rechtschreibung und Grammatik die Finger über die Tasten fliegen zu lassen und ggf. eine grottenschlechte Rohfassung zu produzieren, bei der sich Ihrem alten Deutschlehrer die Fußnägel aufrollen würden.

Denken Sie daran: Ihre chaotisch kreative Rohfassung braucht außer Ihnen niemals ein anderer Mensch zu Gesicht zu bekommen. Die Überarbeitung kommt später – und an dieses „später“ sollten Sie während des Schreibens der Rohfassung noch keinen Gedanken verschwenden.

3. Schreiben Sie schneller

Langsam und bedächtig zu schreiben und dabei jedes einzelne Wort mit der gedanklichen Goldwaage abzuwiegen, ist (nicht nur, aber ganz besonders) für den NaNoWriMo der falsche Ansatz: Je schneller Sie schreiben können, desto besser. Wer das Zehnfinger-System (aka Tastschreiben) beherrscht, ist ganz klar im Vorteil. Ein „zu schnell“ gibt es dabei nicht. Egal, wie schnell und geübt Sie sind – Ihre Finger werden immer langsamer als Ihre Gedanken sein, mit deren Geschwindigkeit nicht einmal ein Auktionator bei Sotheby’s mithalten könnte.

Je schneller Sie also schreiben und einfach nur ungefiltert die Worte aus Ihrer kreativen Ader aufs Papier (bzw. auf den Computermonitor) fließen lassen, desto mehr blenden Sie zwangsläufig Ihren lästigen inneren Lektor aus und desto mehr kommt Ihre ganz eigene Autorenstimme zum Vorschein.

Auch wenn Sie während des Schreibens vielleicht der Meinung sind, fürchterlich hölzernen, holprigen Schund fabriziert zu haben (was auch nicht weiter schlimm wäre – dafür gibt es später die Überarbeitung), werden Sie später (also nach dem Fertigstellen der Rohfassung) in vielen Fällen beim Durchlesen Ihres Manuskripts überrascht feststellen, dass viele Passagen dieser schnell heruntergeschriebenen Rohfassung doch gar nicht so schlecht sind und oft kaum noch überarbeitet werden müssen. Es ist fast nie so schlecht, wie man beim Schreiben glaubt. Meist braucht man nur den nötigen Abstand zum eigenen Text, um ihn ähnlich unvoreingenommen wie ein Leser betrachten zu können.

4. Aufgaben, Treffen und Freizeitaktivitäten

Verschieben Sie alles, was nicht unbedingt im November stattfinden muss, auf später, um sich so viel Freizeit wie möglich zum Schreiben frei zu schaufeln. Mit Freunden können Sie sich immer noch Anfang Dezember treffen, den Keller können Sie immer noch zwischen den Jahren aufräumen und die Ablage läuft Ihnen bis dahin auch nicht weg.

Auch Ihre Lieblingsserien und sonstige interessante Fernsehsendungen können Sie einfach auf Festplatte aufzeichnen – das verschafft Ihnen nicht nur wertvolle Schreibzeit im November, sondern sorgt auch dafür, dass Sie im Dezember und zwischen den Jahren genug interessante Sachen anzusehen haben. Und unterm Strich sparen Sie sogar noch jede Menge Zeit dadurch, dass Sie später beim Aufarbeiten die lästige Werbung im schnellen Vorlauf vorspulen können.

5. Machen Sie einen Deal mit Ihrer Familie

Treffen Sie eine Vereinbarung mit Ihrer Familie, dass Sie zwar im November relativ wenig Zeit für sie haben werden, dies aber im Dezember wieder gutmachen werden.

Sorgen Sie dafür, dass man Sie während des Novembers nicht beim Schreiben stört (ein aus dem Schreibfluss herausgerissener Schriftsteller ist bekanntlich reizbarer und unleidlicher als ein angeschossener Grizzly). Delegieren Sie Aufgaben im Haushalt an Familienmitglieder und plädieren Sie dafür, dass auch der Rest der Familie sich im November verstärkt mit Hobbys beschäftigt, die nicht Ihre Mitwirkung oder auch nur Anwesenheit erfordern. Ist der November nicht eine wundervolle Zeit für Puzzles? ;-)

Im Dezember können Sie dafür das Schreiben ja ein ganzes Stück zurückschrauben und ein paar schöne Unternehmungen mit Ihrer Familie machen, um die Fertigstellung Ihres Roman-Manuskripts zu feiern und Ihre Familie für die vergangenen ungeselligen Wochen zu entschädigen.

6. Reservieren Sie feste Zeiten zum Schreiben

Planen Sie schon im Vorfeld, zu welchen Zeiten Sie schreiben wollen. Sie können darüber hinaus natürlich auch bei jeder anderen sich bietenden Gelegenheit schreiben (jede zusätzliche Minute kann helfen, zusätzliche Wörter aufs Papier zu bringen und damit den magischen 50.000 Wörtern näher zu kommen), aber zu den festgelegten Zeiten machen Sie eben nichts anderes, als zu schreiben.

Wie viel Zeit Sie fest fürs Schreiben reservieren sollten, hängt von Ihrer Schreibgeschwindigkeit ab. Wenn Sie 1.000 Wörter Rohfassung pro Stunde schaffen (ein recht gemächliches Tempo von nicht einmal 20 Wörtern pro Minute), brauchen Sie ca. 50 Stunden für das Schreiben Ihres Romans, also ca. 13 Stunden pro Woche.

Das könnte in der Praxis so aussehen, dass Sie werktags morgens eine Stunde vor der Arbeit schreiben und abends nochmal eine halbe Stunde nach dem Abendessen. Wenn Sie dann Samstag und Sonntag noch jeweils mindestens drei Stunden zum Schreiben einplanen, sind Sie schon halbwegs auf der sicheren Seite.

Achten Sie darauf, die fest fürs Schreiben reservierten Zeiten eifersüchtig vor Störungen und anderen Aufgaben zu beschützen. Jede Minute, die Sie während dieser Zeiten nicht zum Schreiben verwenden, sorgt unterm Strich für ärgerliche Rückstände, die Sie später mühsam wieder aufholen müssen.

7. Schneller als der eigene Schatten

Genau wie Comic-Cowboy Lucky Luke dafür bekannt ist, schneller als sein eigener Schatten zu schießen, sollten Sie schneller als Ihr eigener Plan schreiben. Versuchen Sie, schon so früh wie möglich einen Vorsprung herauszuarbeiten und diesen nach und nach auszubauen, statt an faulen Tagen davon zu zehren.

Es kann immer mal etwas dazwischen kommen, das verhindert, dass man an einem Tag so gut wie in der Theorie geplant zum Schreiben kommt. An solchen Chaos-Tagen freut man sich, wenn man sich bereits einen beruhigend großen Vorsprung herausgearbeitet hat und nicht direkt in Rückstand gerät.

Abgesehen davon wird man es selten schaffen, eine Punktlandung hinzulegen und seine Romanhandlung mit exakt 50.000 Wörtern abzuschließen. Wenn Sie am Ende noch etwas Luft haben, kann Ihr Roman gerne auch schon in der Rohfassung etwas länger als 50.000 Wörter werden.

8. Das Wichtigste zuerst

Wenn Sie Ihren NaNoWriMo-Roman vorplanen, sollten Sie beim Schreiben mit den Szenen des Haupthandlungsstrangs beginnen und zunächst einmal die Handlung bis zum großen Finale herunter schreiben.

Lassen Sie die Szenen geplanter oder angedachter Nebenhandlungsstränge zunächst entweder ganz unter den Tisch fallen oder ersetzen Sie diese durch kurze Platzhalter – also eine summarische Zusammenfassung in 2-3 Sätzen, was in dieser Szene passieren soll.

Wenn Sie mit der Haupthandlung fertig sind und endlich das magische Wörtchen ENDE unter die letzte Seite schreiben können, ziehen Sie Zwischenbilanz. Wie weit sind Sie noch von den angepeilten 50.000 Wörtern entfernt und wie vielen Szenen dürfte das noch entsprechen?

Abhängig davon suchen Sie sich einen passenden Nebenhandlungsstrang aus und fahren mit dem Schreiben fort, indem Sie die Szenen dieses Handlungsstrangs Stück für Stück in die offen gelassenen Lücken der Haupthandlung einflechten.

Auf diese Weise haben Sie mit Sicherheit Ende November eine abgeschlossene Romanhandlung vorliegen, auch wenn vielleicht einzelne Nebenhandlungsstränge noch etwas ausgearbeitet und erweitert werden müssen.

9. Urlaub für den Endspurt

Wenn Sie noch ein paar unverplante Urlaubstage übrig haben, können Sie diese für Ende November einplanen. Wenn bis dahin mit dem Schreiben alles nach Plan läuft, können Sie die freien Tage einfach so genießen – aber falls Sie durch unvorhergesehene Komplikationen in Rückstand geraten sein sollten, können Sie jetzt noch einen Endspurt einlegen, um das Ruder noch einmal herumzureißen und es doch noch rechtzeitig über die 50.000-Wörter-Ziellinie zu schaffen.

10. Bleiben Sie locker

Vergessen Sie bei aller Planung und Disziplin niemals, dass es beim NaNoWriMo in erster Linie darum geht, Spaß zu haben. Machen Sie sich keinen Stress und verkneifen Sie sich zu hohe Erwartungen an die Qualität Ihrer Rohfassung.

Nehmen Sie sich selbst und Ihren eigenen Roman nicht zu ernst. Allein das trägt schon viel dazu bei, dass Sie den NaNoWriMo erfolgreich und ohne zerrüttetes Nervenkostüm hinter sich bringen werden.


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Patchwork-Tutorial: Bücher und eBooks publizieren

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkEs ist so weit! Ihr Manuskript ist überarbeitet, lektoriert, korrigiert und soll unter die Leute. Zuerst einmal: Gratulation, denn vermutlich ist das ja der Grund, warum Sie sich dieses Tutorial zu Gemüte führen.

Voraussetzung für die Weitergabe sind in jedem Fall die wenigen auszufüllenden Eckdaten (3). Dort geht es um Titel, eventuellen Untertitel, Autorennamen und Gattung des Werks (Roman, Novelle …) (6), sowie eine eventuelle Widmung (7). Für das eBook geben Sie im Reiter noch das Cover an.

Wir haben drei Möglichkeiten der Veröffentlichung unseres Werks:

1. Ein Verlag übernimmt die Veröffentlichung

In diesem Fall gibt es wenig zu sagen, denn er übernimmt dann auch den Satz. Wir brauchen lediglich beim Gesamtdokument (1) auf die Schaltfläche [Als Text (RTF, DOC, DOCX)] zu klicken (2) und die so entstandene Textdatei dem Verlag zukommen zu lassen.

2. Ausgabe als eBook

Auch hier gibt es wenig zu tun, denn Seitenumbrüche, Schriftgröße und Silbentrennung erfolgen individuell im eBook-Reader, wir haben demnach darauf keinen Einfluss.

Die Erzeugung ist noch einfacher: Ein Klick auf (4) öffnet den eBook-Publikationsdialog (5). Zwar können Sie in den Einstellungen, zu denen Sie ebenfalls von dort gelangen, Formatierungen ändern, aber nötig ist das nicht. Die Vorgaben liefern ein valides eBook im mobi- und epub-Format. Empfehlung: immer beide neu erzeugen.

Hier können Sie eventuell eine Besondeheit nutzen: Leseproben-eBooks, die Sie zum Beispiel freizügig an Freunde und Bekannte verschicken. Dafür brauchen Sie sich nur zuerst anzeigen lassen, wieviele Seiten bis zu einem bestimmten Kapitel auflaufen (Hauptmenü › ‚Projekttools‘ › ‚Kumulierte Seitenanzahl anzeigen‘ … früher im Menü ‚Ansicht‘), womit sie sofort die Seitenanzahl sehen, die bis zu jeder Szene auflaufen. Die letzte, die in der Leseprobe enthalten sein soll, klicken Sie an (8) und rufen dann den eBook-Dialog auf. Darufhin wählen sie den Leseproben-Modus (9). Die so erzeugten eBooks werden im Namen um das Wort ‚Leseprobe‘ ergänzt, Sie brauchen also keine Sorge zu haben, dass die vollständigen eBooks überschrieben werden.

Screenshot Patchwork3.  Ausgabe als PDF-Datei für den Druck

Dieser Prozess ist der umfangreichste, auch wenn es viel weniger Arbeit als bei andern Programmen ist. Das Know-how ist ebenfalls gering, lediglich die Kontrolle sollte ernstgenommen werden und braucht daher Zeit. Dieser Leitfaden zeigt die Minimalvariante, es gibt noch eine Menge Feineinstellungen, die aber kein Muss für ein perfektes Buch sind, sondern dafür, persönliche Wünsche umsetzen zu können.

Beginnen wir mit den Voraussetzungen und zwar

  1. a) mit dem Layout der Titelei: Hauptmenü › ‚Bearbeiten‘ › ‚Einstellungen‘ › Bereich ‚eBook/Druckausgabe‘ › Reiter ‚Titeleien‘.

Screenshot PatchworkIn den Einstellungen in der Rubrik ›eBook / Druckausgabe‹ wählen Sie den Reiter ›Titeleien‹. Davon gibt es vier, von denen aber für unsere druckreife PDF-Datei nur zwei zutreffen (1). Die Titeleien bestehen aus Zeileninhalten (2) mit untershiedlichen Aufgaben (3). Im Bereich des Inhalts (2) gibt es gleichbleibenden Text (4) und Platzhalter (5), die aus den Projekteckdaten versorgt werden. Letzteres können mehrzeilige Texte sein (Widmung, Ausgabe, Zusatzinformationen wie Layout, Druckerei usw.) oder einzelne Variable wie Autor und Titel.

Uns interessieren jetzt nur die gleichbleibenden, fixen Texte, die Sie als solche schnell identifiziert haben. So sollten Sie beim Verleger als Self-Publisher Ihren Namen eintragen und im Impressum weiter unten ebenfalls Ihre Daten.

  1. b) Auch in den Einstellungen müssen Sie nun noch das passende Seitenformat definieren.

Screenshot PatchworkHier geht es primär darum, die für den Druck passende Seitenvorlage einzustellen (1). Das Format entnehmen Sie den Angaben Ihrer Druckerei. Wir empfehlen eine, die nicht in Din-A5 druckt (ist für ein Taschenbuch zu klobig), sondern 110 x 180 mm (Größe von Diogenes-Taschenbüchern) bis maximal 120 x 190. Leider sind die Nicht-Din-A5 -Formate etwas teurer wegen des größeren Verschnitts. Die beiden einfachsten Methoden sind CreateSpace (bei Amazon) oder BoD. Bei allen anderen Varianten müssen Sie sich auch noch Gedanken machen zu Lagerung und Versand. Beide Seiteneinstellungen (CS und BoD) finden Sie oben in der Abbildung vor (2). Günstige Digitaldruckereien für die ansprechenderen Formate sind zum Beispiel Print24, pixartprinting, und Booksfactory.

Standardmäßig ist die Schrift Garamond eingestellt, eine gerne verwendete und gut lesbare Serifenschrift. Bei manchen PCs ist diese schon komplett installiert, manchmal nur eine der drei bei Garamond nötigen Schriftdateien, wodurch es passieren kann, dass der gesamte Text kursiv ist. In diesem Fall installieren Sie am einfachsten alle drei Schriften. Dafür gehen Sie mit dem Explorer in den Ordner …\Patchwork\Fonts, markieren zugleich (mit gedrückter [Strg]-Taste) GARA.TTF, GARABD.TTF und GARAIT.TTF (normal, fett, kursiv) und wählen dann mit der rechten Maustaste aus dem Menü die Option Installieren.

Der Satz von Büchern erfolgt üblicherweise im Block, weswegen hier auch noch Fließtext in Blocksatz angegeben werden sollte.

Alle anderen Einstellungen sind individuelle, nicht wirklich nötige Anpassungen. Das war’s also auch schon. Nun kommt der größte Happen.

Screenshot PatchworkDie Erstellung der PDF-Datei erfolgt über das Gesamtdokument (Hauptmenü › ‚Datei‘ › ‚Als Gesamtdokument ausgeben: Druck, Export, PDF‘ beziehungsweise die Schaltfläche oben mit dem gleichen Icon).

Dieses Fenster ist dreigeteilt: der Parameterteil oben (1), das Dokument selbst (2) und schließlich zwei Listen (3), wahlweise Thumbnails (kleine ›Daumennagel-Bilder‹ der Seiten) oder die Kapitelübersicht, über die man auch zu den Szenen springen kann. Diese zwei Optionen aktiviert man über die Schaltfläche [Miniaturen/Szenen] (4).

Da wir in diesem Tutorial, um den Rahmen nicht zu sprengen, nur von der Erzeugung einer PDF-Datei für den Druck sprechen, beschäftigen wir uns nun nur mit den Parametern, die lachsfarben gekennzeichnet sind.

Jederzeit können wir direkt von hier zu den Projekt-Eckdaten gelangen und in die Einstellungen (9), also die beiden Bereiche, die wir in unserem Tutorial jetzt schon abgehandelt haben.

Jede Änderung der Parameter hier, Eckdaten oder Einstellung bedarf des Neuladens (11)! Deshalb sollte man das Feintuning, zu dem wir am Schluss kommen, auch erst dann machen, wenn alles andere unseren Vorstellungen enstpricht. Selbst wenn hier im Dokument direkt Änderungen durchgeführt werden können, sind die nämlich mit jedem Neuladen wieder weg und neu vorzunehmen. Beginnen wir links.

Mit dem Format (5) bestimmen wir die ISBN-Nummer laut Eckdaten, mit der Titelei (6) wählen wir zwischen den beiden besprochenen Titeleien und beim Inhaltsverzeichnis (7) geben wir an, ob wir überhaupt eines wollen und wenn, ob vorne im Buch oder hinten. Bei der Ausgabe wählen wir die Vorlage laut der Liste in den Einstellungen (16).

Die Einstellungen bei den Optionen (8) können Sie genau so nehmen wie hier angegeben. Eventuell wollen Sie die Seitennummern mittig, dann nehmen Sie den Haken bei Seitennummern außen heraus. Wenn die Nummern außen sein sollen, können Sie sie auch etwas in Richtung Mitte einrücken, um wieviel, das geben Sie im Feld Abstand darunter an.

Ist die vertikale  Position des Inhaltsverzeichnisses okay? Wo die Mittelachse des Inhaltsverzeichnisses liegt, hängt ab von den Einstellungen und zwar in den Eckdaten, Abschnitt Zusatzdaten zur Publikation und dort Vertikale Achse. Einfach etwas probieren, der Wert kann nicht fix vorgegeben werden, da die Position von der Länge der Kapitelbezeichnungen abhängt.

Probieren Sie mit dem bis hier Besprochenen, bis Sie mit dem diesbezüglichen Ergebnis zufrieden sind.

Sicher alles okay? Denn die Änderungen, die Sie nun machen, gehen mit dem Neuladen wieder verloren.

Nun geht es ans Feintuning. Es empfiehlt sich, die Punkte wegen eventueller Auswirkungen in dieser Reihenfolge duchzugehen.

  • Seitenübergänge prüfen
    Trotz eingeschalteter Hurenkinder-Schusterjungen-Automatik muss nicht alles passen. Es können genauso kurze einzelne Dialogzeilen am Seitenanfang oder -ende stehen, wie Leerabsätze von mittleren Szenenwechseln am Seitenanfang. Für diese Prüfung zoomt (14) man am besten so weit heraus, dass ein paar Seiten gleichzeitig zu sehen sind. So kann man Unregelmäßigkeiten gut entdecken.
  • Titelei und Inhaltsverzeichnis
    Wie Sie in der Abbildung sehen, sind immer wieder Leerseiten (Vakatseiten) eingeschoben, die als linke Seiten ermöglichen, dass der Leser die wichtigen Informationen rechts vor sich hat. Lediglich nach dem Inhaltsverzeichnis geht es bei unserem Bild falsch weiter (13). Warum? Weil Kapitel, und das erste schon überhaupt, auf rechten Seiten beginnen. Wie helfen Sie dem ab? Indem Sie …
  • Einen Seitenvorschub einschieben (und entfernen)
    Sowohl in der Titelei, sicher aber bei manchen Kapiteln kann es nötig werden, Seitenumbrüche einzuschieben. Stellen Sie sich dafür auf die letzte Stelle der Vorseite und klicken Sie auf [Seite +] (13). Entfernen können Sie Seitenumbrüche entweder mit der Schaltfläche daneben oder indem Sie sich vor das erste Zeichen oben auf einer Seite stellen und auf die Taste [Rückwärtslöschen] (Backspace) drücken.
  • Rechte und linke Seiten
    Wenn Sie ein Buch vor sich liegen haben, gibt es ja linke und rechte Seiten, also links und rechts von der Bindung in der Mitte. Vielleicht ist Ihnen bei den Einstellungen zur Seite beim Rand das innen und außen Innen bedeutet dabei nahe der Bindung, außen nahe dem Beschnitt. Sie sollten also immer darauf achten, dass der innere Rand etwas breiter ausfällt, denn von ihm geht etwas der Bindung wegen verloren, vor allem dann, wenn man das Buch nicht beim Lesen plattquetscht, was die meisten Buchliebhaber vermeiden. Lassen Sie sich nicht das Gegenteil einreden, wenn Sie Ihren Lesern etwas Gutes tun wollen.Im Bereich der Seiten (2) – und damit auch in der PDF-Datei, die Sie an die Druckerei abliefern – ist die allererste Seite immer eine rechte Seite! Das ist beim Kontrollieren etwas verwirrend, weil sie sich hier optisch als linke präsentiert, vor allem dann, wenn Sie sich hier nur zwei Seiten nebeneinander anzeigen lassen.
    Anmerkung: Alle Wichtigen Informationen sollen auf rechten Seiten stehen, das sind die Hauptseiten der Titelei, der Beginn des Inhaltsverzeichnisses und alle Hauptkapitelanfänge.
  • Das letzte Tuning betrifft Silbentrennungen. Es ist nicht häufig, aber es kommen manchmal kuriose Trennungen vor. Kein Drama, aber halt ein wenig unschön.

Wenn alles wirklich in Ordnung ist, dann ist der Zeitpunkt gekommen, die PDF-Datei zu erzeugen.

Vor dem finalen Knopfdruck bitte unbedingt das Dokument, so, wie es ist, sichern. Dafür gibt es die zwei Schaltflächen (10). Mit dem grünen Pfeil speichern Sie das Dokument. Geben Sie ihm einen eindeutig wiedererkennbaren Namen. Sollten Sie bei der Einsicht der PDF-Datei – unbedingt machen, da sieht man oft noch etwas! – weitere Fehler entdecken, aber das Gesamtdokument schon beendet haben, dann brauchen Sie nur mit dem roten Pfeil dieses gespeicherte Dokument wieder laden, lediglich noch diese neuen Fehler auszumärzen und nicht wieder von vorne beginnen.

Und nun ist es soweit: PDF-Datei erzeugen! Mit (15).

Ich wünsche eine perfekte Geschichte, perfekt hergerichtet, und eine Horde begeisterter Leser, die sich daraufstürzen!

Link zum Video

Martin Danesch

Buchtipp (englisch): „When Every Month Is NaNoWriMo“

In wenigen Tagen beginnt der diesjährige NaNoWriMo: der „National Novel Writing Month“ – unter Nicht-Roman-Autoren eher als „November“ bekannt. Grund genug für mich, diesmal ein Buch vorzustellen, dessen Fokus ganz klar auf dem NaNoWriMo liegt: „When Every Month Is NaNoWriMo“ von Larry Brooks.

Wer gerne englischsprachige Schreibratgeber (oder Blogs übers Schreiben) liest, kennt Larry Brooks vermutlich als den Autor von Büchern wie „Story Engineering“, „Story Physics“ und „Story Fix“ oder aus seinem Blog Storyfix.com, in dem er regelmäßig interessante Artikel über die Struktur und Planung von Romanen veröffentlicht.

Aber widerspricht ein so strukturierter Ansatz, der den Fokus auf die Konstruktion einer Geschichte legt, nicht dem Gedanken des NaNoWriMo, innerhalb von nur 30 Tagen einen kompletten Roman (wenngleich nur als Rohfassung) herunter zu schreiben?

Um zu beweisen, dass Struktur und Geschwindigkeit keinen Widerspruch in sich darstellen, veröffentlichte Larry Brooks Ende 2011 in seinem Blog eine 31-teilige Artikelserie darüber, wie man einen kompletten Roman innerhalb einer knappen Deadline (wie der des NaNoWriMo) schreiben kann.

Aus dieser Serie von Blogposts wurde (mit kleineren Änderungen) der Schreibratgeber „When Every Month is NaNoWriMo“. Auch wenn die ursprünglichen Blogposts für das Buch überarbeitet und in manchen Passagen klarer formuliert wurden, handelt es sich dennoch nicht um ein so strukturiertes Werk wie Brooks andere Schreibratgeber.

Beim Lesen springen einem immer wieder Passagen ins Auge, die wenig mit dem eigentlichen Fokus des Buchs zu tun haben. Solche Abschweifungen sind bei Blogposts nicht unüblich, reißen einen aber hier immer wieder etwas aus dem Lesefluss heraus. Auch die einzelnen Artikel enthalten mehr Wiederholungen und redundante Informationen als ein normaler, sauber strukturierter Schreibratgeber. Und last not least fehlt dem Buch ein übersichtliches Inhaltsverzeichnnis, mit dem man direkt zu bestimmten Themen springen kann. Stattdessen ist das Buch darauf angelegt, in fester Reihenfolge von vorne nach hinten gelesen zu werden.

Wenn man Brooks bereits kennt, weiß man im Groben, was einem in diesem Buch erwartet: Struktur, Struktur und nochmals Struktur als der allein selig machende Weg zu einem guten Roman. Wer sich selbst als ‚Pantser‘, ‚Gärtner‘ oder ‚organischen Schriftsteller‘ sieht und keine Lust hat, sich von Brooks zu missionieren und zum Outliner konvertieren zu lassen, wird an Brooks Werk (ebenso wie an seinen anderen Schreibratgebern) vermutlich relativ wenig Spaß haben.

Doch wenn man dem Ansatz etwas abgewinnen kann, einen Roman erst aus der Vogelperspektive zu planen, bevor man sich auf die eigentliche Reise begibt, ist „When Every Month Is NaNoWriMo“ eine wertvolle Ergänzung der eigenen Schreibbibliothek.

Gerade wenn man noch keinen der Schreibratgeber von Larry Brooks gelesen hat, ist dieses verglichen mit seinen anderen Büchern recht günstige eBook ein recht guter Einstieg, um einen Eindruck von Brooks Ansatz zu bekommen und die Konzepte kennenzulernen, die Brooks in seinen anderen Schreibratgebern ausführlicher und mehr in die Tiefe gehend erklärt.

Kurzum: Wenn einem „When Every Month Is NaNoWriMo“ gut gefällt, kann man sich recht sicher sein, dass einem auch „Story Engineering“, „Story Physics“ und „Story Fix“ gefallen werden. Das macht dieses eBook zu einem guten Einstieg in die Storyfix-Schreibrategeber.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Buch anlässlich des NaNoWriMo auf 99 Cent reduziert – also ein echter „No Brainer“, bei dem man ohne zu zögern zugreifen kann. Wenn das Buch nach dem Ende der Aktion wieder zum vollen Preis verkauft wird, würde ich die Kaufempfehlung hingegen relativieren und eher empfehlen, sich zunächst einmal die Original-Blogposts auf Storyfix.com durchzulesen. Im direkten Vergleich haben die Blogposts gegenüber der eBook-Version den Vorteil, dass man sich hier auch die oft recht interessanten Leserkommentare zu den einzelnen Artikeln zu Gemüte führen kann.

Sie finden die Kindle-Version bei Amazon unter: https://www.amazon.de/When-Every-Month-NaNoWriMo-English-ebook/dp/B0064IE896

Alternativ finden Sie den ersten Blogpost der dem eBook zugrundeliegenden Artikelserie von Larry Brooks auch heute noch in seinem Blog unter http://storyfix.com/nail-your-nanowrmo. Von hier aus können Sie sich über die Links (rechts oberhalb des schwarzen Überschrift-Balkens) der Reihe nach durch die einzelnen Artikel der Serie hangeln.


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Kooperative Buchveröffentlichung mit Orange Cursor

Für Schriftsteller stellt sich seit jeher die Frage, ob sie ihre Bücher im Selbstverlag veröffentlichen oder doch lieber auf einen klassischen Verlag setzen sollte.

Beide Optionen haben ganz klar ihre Vor- und Nachteile. Die Verlagssuche ist (sofern man sich nicht auf windige Druckkostenzuschussverlage einlässt, die eher von den Zahlungen der Autoren als vom Verkauf von Büchern leben) eine schwierige und langwierige Angelegenheit, für die man als Autor Geduld und einen langen Atem braucht. Und hat man es tatsächlich geschafft, sein Buch bei einem Verlag unterzubringen, hat man kaum noch etwas mit zu entscheiden – weder was den letztendlichen Buchtitel, noch das Cover oder den Verkaufspreis angeht. Ganz zu schweigen davon, dass die an die Autoren ausgeschütteten Tantiemen verglichen mit dem Verkaufspreis der Bücher üblicherweise recht mager ausfallen – schließlich gibt es noch genügend hungrige Mäuler zwischen dem Autor und dem letztendlichen Leser, die für ihre Mühe und Arbeit auch ein Stück des Kuchens abhaben wollen.

Verglichen damit erscheint der Selbstverlag als verlockende Option: absolute kreative Freiheit und Tantiemen in einer Höhe, von der jeder Verlagsautor nur träumen kann. Doch dafür muss man als Selbstverleger andere Nachteile in Kauf nehmen. Denn wenn man sich nicht teuer über externe Dienstleister wichtige Bestandteile des fertigen Buchs wie das Lektorat, das Korrektorat und das Coverdesign zukauft, muss man alles selbst erledigen, statt sich auf das konzentrieren zu können, was man am liebsten macht: Bücher schreiben.

Und selbst wenn man sparsam wie ein Schwabe kalkuliert und alles als Eigenleistung plant, stößt man in der Praxis oft an seine Grenzen. Nicht jeder von uns hat beispielsweise ein Händchen (sowie die notwendige Erfahrung und die passende Profi-Software) fürs Design eines Buchcovers, das nicht auf den ersten Blick „Anfänger!“ schreit und Leser eher abschreckt als zum Kauf motiviert.

Ganz zu schweigen davon, dass man als Autor nur schwer seinen eigenen Text lektorieren kann. Dafür ist man zu blind für seine eigenen Fehler und sieht zu sehr das, was man als Idealvorstellung im Kopf hat, und zu wenig das, was wirklich schwarz auf weiß auf dem Papier steht. Nein, was das Lektorat und Korrektorat eines Buchmanuskripts angeht, geht nichts über ein paar frische (und erfahrene) Augen, die einen auf Fehler und Schwachpunkte hinweisen können, die man selbst niemals entdeckt hätte. Doch gute Lektoren sind (ebenso wie gute Coverdesigner) nicht ganz billig.

Der österreichische Verlag Orange Cursor (dessen Gründer Martin Danesch regelmäßigen Lesern des WritersWorkshop Autorennewsletters nicht unbekannt sein sollte – ist er doch auch der Entwickler der bekannten Patchwork-Schreibsoftware und der Autor der monatlich hier erscheinenden Patchwork Tutorials) verfolgt hier einen anderen, sehr innovativen Ansatz – eine Mischung aus Verlag und Selfpublishing, bei dem Autoren gemeinsam an ihren Büchern arbeiten und dabei ihre individuellen Stärken einbringen können.

Generell ist der Verlag für alle belletristischen Werke (mit Ausnahme von Büchern aus den Bereichen Splatter und Pornographie) offen – auch Anthologien von Kurzgeschichten sind möglich.

Dadurch, dass die Autoren sich gegenseitig helfen, kann man als Autor hier auch ohne hohe Kosten für Lektorat, Korrektorat und Coverdesign zu einer Veröffentlichung gelangen. Alternativ zur Eigenleistung oder dem Zukauf bei externen Lektoren, Designern und sonstigen Dienstleistern (die jedem Autor auch hier frei steht), kann man sich auch von einem begabten Autorenkollegen ein Cover entwerfen oder seinen Roman lektorieren lassen.

Damit diese gegenseitige Hilfe nicht ausgenutzt wird, sondern alles fair zugeht, gibt es ein punktebasiertes Tauschsystem, bei dem man nur dann Leistungen anderer Autoren in Anspruch nehmen kann, wenn man sich ebenfalls aktiv mit Leistungen wie Lektorat, Coverdesign u.ä. für andere Autoren einbringt.

Auch Marketing ist eine Dienstleistung, mit der man sein Punktekonto für das Tauschsystem aufstocken kann. Wer sich zwar nicht zum Lektor oder Coverdesigner berufen fühlt, aber gerne mit Medien und Bloggern zu tun hat, kann sich einbringen, indem er anderen Autoren bei der Vermarktung ihrer Werke hilft.

Der Gedanke dahinter ist auch, dass durch die Marketing-Aktivitäten der Autoren (also z.B. den Besuch in Buchhandlungen) ein sehr dichtes Marketing-Netz im gesamten deutschsprachigen Raum entsteht, über das andere Verlage in dieser Form nicht verfügen.

Aber zurück zum eigentlichen Veröffentlichungs-Prozess: Ob das fertige Werk bereits reif für die Veröffentlichung ist, oder ob der Autor hier noch einmal Hand anlegen muss, wird nicht wie bei einem klassischen Verlag von einem Lektor entschieden, sondern durch eine ständig wechselnde (bzw. ausgeloste) Jury aus der Autorencommunity. Diese vergeben nach dem Lesen des Buchs Sterne (ähnlich wie bei Amazon: 5 Sterne = klasse, 1 Stern = übel). Erreicht das Buch im Schnitt mindestens 3,5 Sterne, kann es veröffentlicht werden – ansonsten gilt: zurück ans Reißbrett.

Sobald der Roman von der Jury das „OK“ bekommen hat, kümmert sich der Orange-Cursor-Verlag um alle weiteren Aufgaben von der eigentlichen Veröffentlichung bis hin zum Marketing, ohne dass man sich als Autor um diese Dinge kümmern müsste – wobei man sich natürlich darüber im Klaren sein sollte, dass das von einem Verlag erbrachte Marketing die Marketing-Maßnahmen des Autors selbst niemals ersetzen, sondern lediglich ergänzen kann.

Ich finde, dass das Konzept durchaus vielversprechend klingt, auch wenn ich ein faires Punktesystem für den Dienstleistungstausch, bei dem jeder zufrieden mit den erhaltenen Leistungen ist, für relativ schwer zu realisieren halte. Aber die Teilnahme an dieser verlagsinternen Dienstleistungs-Tauschbörse ist für Autoren ja nicht verpflichtend.

Sie finden alle Informationen zum Konzept „K2“ des Orange-Cursor-Verlags auch unter http://www.orangecursor.com/m/index.php/konzept-ii.html


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Schreibsprints mit WriteMonkey

Gerade im NaNoWriMo ist es wichtig, innerhalb der knappen Zeit, die einem zum Schreiben zur Verfügung steht, möglichst gut voran zu kommen. Schließlich will man innerhalb von nur 30 Tagen ein komplettes Roman-Manuskript von mindestens 50.000 Wörtern in den Computer hämmern.

Ein probates Mittel, um einen gleichbleibend hohen Output zu erzielen, sind Schreibsprints. Dabei stellt man einen Timer auf eine bestimmte Zeit (beispielsweise 10 Minuten) und versucht dann, innerhalb dieser Zeit möglichst viel zu schreiben – mindestens jedoch eine bestimmte Anzahl von Wörtern.

Gerade während des NaNoWriMos sind Schreibsprints praktisch, um sicherzustellen, dass man tatsächlich so gut wie geplant vorankommt. Sagen wir, dass Sie Ihren NaNoWriMo-Roman recht gut vorgeplant haben und die Rohfassung mit mindestens 1.200 Wörtern pro Stunde runterreißen wollen, damit Sie in 90 Minuten pro Tag Ihr statistisches Tagessoll (50.000 Wörter / 30 Tage = 1.667 Wörter pro Tag) nicht nur erreichen, sondern sich sogar noch einen kleinen Puffer aufbauen.

Es ist wesentlich einfacher, über den Tag verteilt immer wieder mal zwischendurch 10 Minuten Zeit fürs Schreiben zu finden, als 90 Minuten am Stück freizuschaufeln. Wenn Sie die 1.200 Wörter pro Stunde also auf sechs Schreibsprints á 10 Minuten aufteilen, müssten Sie je Schreibsprint 200 Wörter schaffen.

Doch wie sehen Sie während des Schreibens, ob Sie gut im Plan liegen? Dies ging früher sehr gut mit dem Programm „Write Or Die“ von Dr. Wicked, doch während die erste Version zwei sich langsam füllende Balken für Wordcount und Zeit zeigte, an denen man jederzeit exakt ablesen konnte, ob man gut im Rennen liegt, wurde dieses nützliche Feature leider bei der ansonsten optisch aufgewerteten Version 2.0 weggelassen

Es gibt allerdings die Möglichkeit, das Schreibprogramm WriteMonkey so zu konfigurieren, dass es für Schreibsprints perfekt geeignet ist. Ich zeige Ihnen in diesem kurzen Tutorial, welche Einstellungen Sie vornehmen müssen, um WriteMonkey zum perfekten Tool für Schreibsprints zu machen.

Screenshot WriteMonkey

Aktivieren Sie in den Optionen im Reiter „Bildschirmelemente“ den grafischen Fortschrittsbalken. Wie breit dieser Balken dargestellt werden soll, können Sie direkt darunter einstellen.

Durch diese Option wird der Wordcount des aktuellen Dokuments nicht mehr nur als Zahl, sondern zusätzlich auch als Balken in Relation zur geplanten Länge des Dokuments angezeigt.

Vor dem Start eines neuen Schreibsprints drücken Sie in WriteMonkey F6 (= Segmentfokus aktivieren), um den bisher geschriebenen Text auszublenden. Egal, wie lang Ihr Manuskript bereits ist – der bisherige Text wird nun ausgeblendet und beim Wordcount nicht mehr mitgezählt. Sie beginnen also mit jedem neuen Schreibsprint wieder bei null.

Wenn Sie erneut F6 drücken, wird der Segmentfokus aufgehoben und das komplette Manuskript wieder eingeblendet. Es besteht also nicht die Gefahr, durch den Segmentfokus Daten zu verlieren – hierbei wird wirklich nur der zuvor geschriebene Text ausgeblendet.

Nachdem Sie mit F6 den Segmentfokus aktiviert haben (der Bildschirm ist also leer, der komplette Text ausgeblendet), drücken Sie F12 für die Textstatistiken.

Screenshot WriteMonkeyHier können Sie den Fortschrittszähler aktivieren (oberer roter Rahmen) und die Anzahl der Wörter festlegen, die Sie innerhalb des kommenden Schreibsprints schreiben wollen.

Im unteren Bereich „Schnellschreiben“ aktivieren Sie den Countdown-Zähler (Häkchen setzen, Zeit auf beispielsweise 10 Minuten einstellen).

Sobald Sie so weit sind, dass Sie mit dem Schreibsprint beginnen wollen, klicken Sie auf „Start“ und schließen das Fenster mit OK.

Screenshot WriteMonkeyWährend Sie nun konzentriert an Ihrem Manuskript schreiben, füllt sich langsam der Fortschrittsbalken am unteren Rand. Sobald Sie Ihr Soll (in unserem Beispiel 200 Wörter) erreicht haben, beginnt der Balken am linken Bildschirmrand von vorne – diesmal allerdings in Rot, um zu zeigen, dass Sie das Ziel nicht nur erreicht, sonderns sogar schon überschritten haben).

Die kleine Markierung über dem Fortschrittsbalken (siehe Pfeil) ist der Countdown-Uhrzeiger, der langsam in Richtung des rechten Bildschirmrands wandert. Erreicht der Zeiger den rechten Rand, ist die Zeit um.

Durch diesen kleinen Trick sehen Sie jederzeit auf einen Blick, wie Sie im Rennen liegen. Solange der Countdown-Uhrzeiger den Balken für den Wordcount nicht überholt, liegen Sie gut im Rennen. Hängt dieser Sie ab und wandert schneller nach rechts, als Ihr Wordcount-Fortschrittsbalken wächst, sind Sie zu langsam und müssen einen Zahn zulegen.

Nach Ende des Schreibsprints drücken Sie wieder F12 und klicken zum Abschluss auf den Button „Stop/Zurücksetzen“.

Um direkt nach Ablauf der Zeit den nächsten Schreibsprint zu starten, können Sie die Sache abkürzen: Falls Sie kein neues Manuskript begonnen hatten, sondern anfangs mit F6 Ihr bisheriges Manuskript ausgeblendet hatten, drücken Sie F6, um alles wieder einzublenden. Drücken Sie anschließend erneut F6, um den Segmentfokus wieder für den nächsten Schreibsprint zu aktivieren. Der Bildschirm müsste anschließend wieder leer sein und der Wordcount auf 0 stehen.

Drücken Sie F12 für die Textstatistiken, Stoppen Sie den Timer mit „Stop/Zurücksetzen“ und starten Sie ihn anschließend direkt wieder mit „Start“ neu. Verlassen Sie das Fenster mit „OK“ – und der nächste Schreibsprint beginnt sofort.

Probieren Sie es einfach einmal aus – es ist äußerst motivierend. Sie können diese Technik auch nutzen, um beispielsweise Anthony Trollope nachzueifern, der dafür bekannt war, während seiner morgendlichen Schreibsessions alle 15 Minuten 250 Wörter (also eine Seite) seines aktuellen Roman-Manuskripts zu schreiben. In diesem Sinne: Do the Trollope! ;-)


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Änderung der Erscheinungsweise

Wie Sie sich vielleicht noch erinnern, hatte ich ab Anfang Juli den WritersWorkshop Autorennewsletter von „bunt gemischten“ Artikeln auf in die Tiefe gehende Artikelserien über bestimmte Fokus-Themen (aktuell: Protagonisten) umgestellt. Die Gründe für die damalige Entscheidung können Sie hier noch einmal nachlesen.

Obwohl das damalige Feedback eigentlich sehr positiv war, häufen sich in letzter Zeit die Stimmen derjenigen, die doch nicht über einen längeren Zeitraum am Stück über unterschiedliche Facetten desselben Themas lesen möchten. Dasselbe Votum gegen die Artikelserien kann ich daran ablesen, dass in den letzten drei Monaten die Zahl der Abonnenten langsam aber stetig gesunken ist, statt wie früher kontinuierlich zu steigen.

Es ist klar, dass kein Thema alle Leser interessieren kann. Ebenso klar ist, dass die Unzufriedenheit und Langeweile derjenigen Leser, die das aktuelle Thema persönlich nicht besonders interessiert, mit jedem weiteren Artikel über dieses Thema steigt.

Da ich den WritersWorkshop Autorennewsletter nicht für mich, sondern für Sie als Leser schreibe, werde ich die laufende Artikelserie über Protagonisten wie geplant mit dem heutigen zehnten Artikel zum Thema beenden, die geplanten Serien über Themen wie „Wie man einen Roman plant“, „Recherche für Romanautoren“ etc. jedoch canceln.

Stattdessen werde ich wieder zu Themen übergehen, die sich innerhalb eines einzelnen Artikels abhandeln lassen – also Dinge wie Software-Tipps, Buchvorstellungen, Schreibtipps, Neuigkeiten vom Buchmarkt, Artikel übers Veröffentlichen und Vermarkten von Büchern, Tutorials, Webtipps etc.

Da diese Artikel oft etwas kürzer sind und daher nicht unbedingt als eigenständiger Newsletter versendet werden müssen, wird sich die Erscheinungsweise des WritersWorkshop Autorennewsletters ab sofort wieder (wie es bis Oktober 2015 auch der Fall war) von wöchentlich auf monatlich ändern – dafür dann wieder mit mehreren Artikeln über unterschiedliche Themen innerhalb eines Newsletters, wie früher vom WritersWorkshop E-Zine gewöhnt.

Die nächste Ausgabe des WritersWorkshop Autorennewsletters (und damit die erste im neuen monatlichen Rhythmus) wird daher erst wieder am 29.10.16 erscheinen – und von da an jeweils am letzten Samstag jedes Monats.

Casting – die Idealbesetzung für Ihren Protagonisten

Vielleicht haben auch Sie schon einmal spielerisch dem Gedanken nachgehangen, welcher Schauspieler Ihre Wunschbesetzung für die Rolle Ihres Protagonisten (oder einer anderen wichtige Figur aus Ihrem Romanprojekt) wäre, wenn Ihr Roman einmal verfilmt werden würde.

Solche Gedanken mögen einem als sinnlose Träumerei erscheinen (schließlich ist es äußerst unwahrscheinlich, dass tatsächlich mal einer unserer Romane es ins Kino oder auch nur ins Fernsehen schafft), doch in der Praxis ist genau das Gegenteil der Fall: Bevor Sie auch nur das erste Wort Ihrer Rohfassung schreiben, sollten Sie unbedingt einen Schauspieler bzw. eine Schauspielerin auswählen, der die Idealbesetzung für die Hauptrolle in Ihrem Roman wäre.

Die Rolle des Protagonisten mit einem bekannten Schauspieler zu besetzen, den man schon häufig gesehen hat und den man aus vielen Filmen kennt, hat eine ganze Reihe von Vorteilen:

Zunächst einmal sorgt es dafür, dass Sie sich Ihren Protagonisten selbst besser vorstellen können und ein exaktes Bild vor Ihrem geistigen Auge haben, wenn Sie sich Ihren Protagonisten in einer bestimmten Szene oder Situation vorstellen.

Selbst wenn Sie über etliche Monate an Ihrem Romanprojekt arbeiten, besteht nicht die Gefahr, dass sich Ihre eigene Vorstellung vom Aussehen Ihrer Hauptfigur im Laufe der Monate nach und nach verändert und so zu Widersprüchen und Inkonsistenzen sorgt, die manchen aufmerksamen Lesern später nicht entgehen würden. Wenn Sie wissen, dass die Hauptfigur Ihres Romans in Ihrer Vorstellung von Gerard Butler oder von Reese Witherspoon gespielt wird, schließt allein das schon einen guten Teil der möglichen Fehlerquellen aus.

Natürlich spielen viele Schauspieler im Laufe ihrer Karriere ganz unterschiedliche Rollen, in denen sie durch unterschiedliche Frisuren, Haarfarben oder Verhaltensweisen fast wie eine andere Person wirken. Allein die Entscheidung, dass Ihre Protagonistin wie eine bestimmte Schauspielerin aussieht, bewahrt Sie nicht davor, Fehler hinsichtlich ihrer Haarfarbe oder Frisur zu machen – es sei denn, dass Sie Ihre Entscheidung direkt mit einer bestimmten Rolle verknüpfen, die derjenige bzw. diejenige schon einmal gespielt hatte.

Im Gegensatz zu einem „echten Casting“, bei dem man mehr oder weniger darauf angewiesen ist, den Schauspieler so zu nehmen, wie er heute aussieht, haben Sie bei dieser Entscheidung die völlige Freiheit, sich auf der Zeitachse vor und zurück zu bewegen.

So können Sie nicht nur aktuelle Schauspieler für Ihre Rollen auswählen, sondern auch bereits verstorbene Schauspieler als Idealbesetzung casten – oder heute bereits ältere Schauspieler auf dem Stand, wie sie vor zwanzig oder dreißig Jahren aussahen.

Vielleicht sieht Ihr Protagonist in Ihrer Vorstellung aus wie der junge Marlon Brando in „Endstation Sehnsucht“, aber keinesfalls wie sein gealtertes, korpulentes Ich aus seinen letzten Rollen. Oder stellen Sie sich Ihre Hauptheldin eventuell so vor wie Uma Thurman in „Pulp Fiction“?

Mit der Kombination aus Schauspieler und bekannter Rolle haben Sie ein Bild vor Ihrem geistigen Auge, das Sie konsistent auf den Seiten Ihres Romans beschreiben können, ohne sich unfreiwillig in Widersprüche zu verwickeln. Wenn Sie Ihr geistiges Bild von Ihrem Protagonisten wieder auffrischen wollen, genügt es, sich noch einmal ganz in Ruhe den Film anzusehen, den Sie sich als Referenz für Ihren Protagonisten ausgesucht hatten.

Dieses „Casting“ liefert Ihnen nicht nur eine steckbriefähnliche Beschreibung wie etwa ein Charakter-Fragebogen oder ein Charakter-Dossier, sondern ein mehrdimensionales Bild aus Aussehen, Bewegungen, Verhaltensweisen und Sprechweise, das Sie (immer unter der Voraussetzung, dass Sie den entsprechenden Film oft genug gesehen haben) beim Schreiben jederzeit abrufen können.

Probieren Sie es einfach einmal aus. Vielleicht werden ja auch Sie feststellen, dass Ihnen das Schreiben so mancher Szene wesentlich flüssiger von der Hand geht, wenn Sie sich einen ganz bestimmten Schauspieler in einer ähnlichen Rolle vor Ihrem geistigen Auge vorstellen.

Müssen Protagonisten sympathisch sein?

„Protagonisten müssen sympathisch sein, damit der Leser bereit ist, sich mit ihnen zu identifizieren, während der Antagonist (also sein Gegenspieler) möglichst unsympathisch dargestellt werden sollte – also jemand, bei dem der Leser es liebt, ihn zu hassen.“ Diesen Tipp dürfte so ziemlich jeder Schriftsteller in dieser oder ähnlicher Form schon einmal gelesen haben. Doch ist das wirklich so?

Das unbedingte Bestreben, den Protagonisten um jeden Preis sympathisch wirken zu lassen, führt in vielen Fällen zu unnatürlich gut aussehenden, adrett gekleideten, stets freundlich lächelnden Charakteren, die so verdammt perfekt sind, dass sie wie eher wie Roboter aus „Die Frauen von Stepford“ wirken.

Okay, Sarkasmus aus. Aber ganz im Ernst: beim Bemühen, den Protagonisten „sympathisch“ wirken zu lassen, kann man schnell übers Ziel hinaus schießen.

Die Sympathie des Lesers muss sich der Protagonist erst verdienen. Und dazu gehört mehr als ein nettes Äußeres.

Unabhängig davon ist es allerdings eine Tatsache, dass Sympathie überbewertet wird – jedenfalls, wenn es um Protagonisten von Romanen geht. Damit wir dem Protagonisten die Daumen drücken, muss er uns nicht zwangsläufig sympathisch sein – auch wenn ein wenig Sympathie natürlich niemals schaden kann.

Standardmäßig hat die Figur, die wir dem Leser als Protagonisten vorstellen, allein dadurch schon einen kräftigen Startbonus. Das ist auch der Grund, warum man seinen Protagonisten nach Möglichkeit bereits in der ersten Szene seines Romans einführen sollte. Der Leser muss wissen, wer die Hauptfigur des Romans ist, der er die Daumen drücken soll. Wenn er dies noch nicht (z.B. vom Klappentext bzw. der Buchbeschreibung her) weiß und Sie Ihren Roman beispielsweise mit einer Nebenfigur in einem Prolog eröffnen, besteht die Gefahr, dass Ihr Leser diesen Startbonus auf die falsche Figur setzt – ein Fehler, den man als Schriftsteller nur schwer wiedergutmachen kann.

Nein, um den Leser auf die Seite Ihres Protagonisten zu bringen und dafür zu sorgen, dass er ihm während der nächsten paar hundert Seiten die Daumen drückt, gibt es bessere Techniken als den Versuch, einen Vorzeige-Protagonisten zu entwerfen, der so perfekt ist, dass ihn einfach jeder mögen muss. Und diese Techniken kann man in der Praxis wunderbar miteinander kombinieren, um einen noch größeren Effekt zu erzielen.

Das hehre Ziel

Die erste (und wirkungsvollste) Technik ist, dass Sie Ihrem Protagonisten ein Ziel geben, von dem der Leser hofft, dass er es erreichen wird. Bonuspunkte gibt es, wenn dieses Ziel nicht in erster Linie zum Nutzen des Protagonisten selbst ist, sondern „größer als er selbst“ ist.

Wenn Ihr Protagonist eine Million Dollar verdienen will, bedeutet das noch lange nicht, dass der Leser ihm dafür die Daumen drückt. Alles kommt darauf an, warum er das möchte. Wenn er das Geld für kühle Drinks und heiße Partys ausgeben will, bringt ihm das nicht unbedingt Sympathiepunkte ein. Will er mit dem Geld hingegen die Operation seiner kranken Mutter finanzieren oder ein von der Schließung bedrohtes Waisenhaus retten (um mal verdammt tief in die Klischee-Kiste zu greifen), sieht die Sache schon ganz anders aus.

Je mehr der Leser das eigentliche Ziel, also die Motivation des Protagonisten, gutheißt und unterstützt, desto nebensächlicher wird es, den Protagonisten im klassischen Sinne „sympathisch“ darzustellen.

Nehmen wir beispielsweise einen Mann, der bei einem mit seinen Komplizen verübten Bankraub durch einen Querschläger den Tod eines Wachmanns verschuldet hat. Als er vor seinen Komplizen aus dem Gefängnis kommt, will er die von der Polizei niemals gefundene Beute bergen, um mit dem Geld der Familie des getöteten Wachmanns zu helfen. Da die Frau trotz ihrer schwierigen Lage niemals die Hilfe des Mannes annehmen würde, der ihren Mann auf dem Gewissen hat, nimmt er eine falsche Identität an. Als seine früheren Komplizen aus dem Gefängnis entkommen, gerät nicht nur er, sondern auch die Familie des toten Wachmanns in tödliche Gefahr.

Obwohl in diesem Beispiel der Protagonist ein Verbrecher ist, der sich auch nach seiner Gefängnisstrafe nicht ans Gesetz hält, wird der Leser ihm die Daumen drücken – einem typischen „Antihelden“.

Der Underdog

Die zweite Technik ist, dass Sie Ihren Protagonisten zu einem Außenseiter machen. Sorgen Sie dafür, dass er nicht auf der Sonnenseite des Lebens steht, sondern sich in einer ziemlich perspektivlosen Situation befindet.

Er ist derjenige, dem niemand etwas zutraut oder der von anderen ausgegrenzt wird. Machen Sie ihm das Leben durch Vorurteile und Ungerechtigkeiten schwer. Je weniger er selbst für seine Situation und die ungerechten Ereignisse kann, desto mehr bringt dies die Leser auf seine Seite.

Geben Sie ihm Gegner und Feinde, die ihm unverdienterweise das Leben schwer machen. Gegner, die am längeren Hebel sitzen und es lieben, ihre Macht auszuspielen. Feinde, die ihm aufgrund von Vorurteilen oder zur Stärkung ihrer eigenen Situation das Leben schwer machen.

Und natürlich sorgen Sie dafür, dass Ihr Protagonist sich trotz dieser Ereignisse nicht unterkriegen lässt, sondern versucht, trotz aller Schwierigkeiten das Beste aus seiner Situation zu machen bzw. diese zu verbessern.

Leser halten gern zum Schwächeren – besonders dann, wenn er ungerecht und unfair behandelt wird. Wir drücken nicht dem hünenhaften und schwer gepanzerten Goliath die Daumen, sondern dem scheinbar unterlegenen David mit seiner lächerlichen kleinen Steinschleuder.

Hilfsbereitschaft

Die dritte Technik ist, dass Sie Ihren Protagonisten hilfsbereit machen. Das geht in eine ähnliche Richtung wie das „hehre Ziel“, ist aber nicht dasselbe. Hier geht es darum, dass Ihr Protagonist anderen hilft, denen es (noch) schlechter als ihm selbst geht.

Viele Menschen helfen anderen nur, weil sie in der einen oder anderen Form eine Gegenleistung oder Kompensation erwarten. Sie helfen anderen, damit diese in ihrer Schuld stehen und sich später dafür revanchieren können – ganz nach dem Motto „eine Hand wäscht die andere“.

Lassen Sie Ihren Protagonist darum uneigennützig helfen, also Leuten, von denen er niemals erwarten würde, dass diese irgendwann in der Lage sein könnten, sich für den erwiesenen Gefallen zu revanchieren.

Hierunter fallen die sogenannten „Save the cat“-Szenen, wie sie gerne von Drehbuchautoren bezeichnet werden: Der Protagonist rettet beispielsweise eine hilflose Katze vom Baum oder vor einem aggressiven Hund und zeigt damit, dass er ein netter Kerl ist, der für andere da ist. Auch andere gute Taten wie jemand, der einen durchgefrorenen Obdachlosen zu einem Mittagessen ins Restaurant einlädt und ihm bessere Schuhe und einen dicken Mantel kauft, fallen in diese Kategorie.

Die Wirkung solcher Szenen lässt sich noch deutlich steigern, wenn Ihr Protagonist mit seiner Hilfsbereitschaft ein echtes Opfer bringt oder ein persönliches Risiko eingeht:

Wenn Ihr Protagonist dem Obdachlosen wie Sankt Martin seinen eigenen Mantel überlässt, weil dieser ihn dringender braucht, hat das eine weit größere Wirkung, als wenn er mit seiner Platin-Kreditkarte ins nächste Geschäft geht und dort einen Mantel für den Obdachlosen kauft.

Wenn Ihr Protagonist einer jungen Frau gegen ein paar aggressiv pöbelnde Jugendliche hilft, ist das wesentlich wirkungsvoller, wenn er dazwischen geht, obwohl die Rowdys ihm körperlich überlegen sind, als wenn er (um nochmal ganz tief in die Klischee-Kiste zu greifen) über einen schwarzen Gürtel in Karate und/oder jahrelange Kampferfahrung als Elite-Soldat verfügt.

Diese Technik lässt sich wunderbar mit der „Underdog-Technik“ kombinieren: Obwohl Ihr Protagonist in einer Situation ist, in der er selbst genug Sorgen und Probleme hat, hilft er dennoch uneigennützig anderen, denen es noch schlechter als ihm selbst geht.

Diese Hilfsbereitschaft Ihres Protagonisten können Sie natürlich auch für einen netten Plot-Twist verwenden, indem gerade die Person, der Ihr Protagonist anfangs ganz uneigennützig geholfen hat, sich gegen Ende in einer entscheidenden Situation völlig unerwartet revanchieren kann. Damit schließt sich dann der Kreis und gibt der Szene vom Anfang rückblickend noch eine ganz andere Bedeutung als nur die, Ihren Protagonisten sympathisch rüberkommen zu lassen.


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Definieren Sie Ihren Protagonisten durch seine Werte

In der vorletzten Woche haben wir uns angeschaut, wie man nach der Methode von Lajos Egri einen Protagonisten als ‚dreidimensionale‘ Figur konstruieren kann, indem man sowohl seine physiologische und seine soziologische als auch seine psychologische Dimension berücksichtigt.

Doch es gibt noch eine weitere sehr effektive Methode, die einem nicht nur dabei hilft, seinen Protagonisten ‚von innen nach außen‘ zu konstruieren, sondern die es zugleich auch viel leichter macht, den Protagonisten beim Planen der Romanhandlung und beim späteren Schreiben des Romans glaubwürdig und konsistent handeln zu lassen: die Verwendung eines hierarchisch aufgebauten Wertesystems.

Unsere Entscheidungen und Handlungen werden durch unsere Werte bestimmt – also dadurch, was uns wichtiger (oder weniger wichtig) als andere Dinge ist. Daher sollten wir auch die Werte unseres Protagonisten kennen, um beurteilen zu können, was für ihn die logische Entscheidung oder Reaktion auf eine bestimmte Entwicklung, ein Angebot oder eine sich bietende Gelegenheit wäre.

Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas theoretisch, wird aber gleich klarer werden. Es gibt viele Werte, die unser Leben bestimmen. Nehmen Sie beispielsweise Werte wie Ehrlichkeit, Familie, Macht, Loyalität, Gesundheit, Sicherheit, Freiheit, Anerkennung, Liebe, Religiosität, Abenteuer, Status oder Abwechslung, um nur einen kleinen Ausschnitt aus der Liste zu wählen. Je nachdem, in welche hierarchische Reihenfolge Sie diese Werte bringen (also diese ihrer Bedeutung für die Person nach in absteigender Reihenfolge sortieren), ergeben sich allein daraus schon vollkommen unterschiedliche Persönlichkeiten.

Stellen Sie sich eine Person vor, für die Sicherheit, Familie und Liebe ganz oben stehen, und eine andere, deren höchste Werte Freiheit, Abenteuer und Gesundheit sind. Egal, in welcher Reihenfolge die anderen beispielhaft aufgeführten Werte in ihrer persönlichen Wertehierarchie stehen, kann man sich jetzt schon vorstellen, wie unterschiedlich diese beiden Personen sich in bestimmten Situationen verhalten werden.

Während die erste Person jemand ist, der vermutlich in einer festen Beziehung lebt oder nach einer solchen sucht, könnte man sich die zweite eher als Single vorstellen oder als jemanden, der stets nur offene, unverbindliche und nicht auf lange Sicht angelegte Beziehungen führt.

Solche unterschiedlichen Charakterprofile sind bestens geeignet, um eine spannende, konfliktreiche Handlung zu erhalten. Stellen Sie sich vor, der freiheits- und abwechslungsliebende Charakter verliebt sich bis über beide Ohren in jemanden, für den Sicherheit und Familie am wichtigsten sind. Egal, wer von beiden der Mann und wer die Frau ist – es dürfte keine einfache Beziehung werden und für einiges an Spannung sorgen, bis sich entscheidet, ob beide wirklich eine gemeinsame Zukunft haben können.

Genauso können Sie eine spannende Handlung mit einem interessanten Protagonisten erhalten, indem Sie das seit Jahren oder Jahrzehnten bestehende Wertesystem einer Person durch ein einschneidendes Ereignis auf den Kopf stellen. Stellen wir uns jemanden vor, für den Sicherheit und Ehrlichkeit ganz oben stehen. Vielleicht ist derjenige ein korrekter Buchhalter oder ein Programmierer in einer Bank. Eines Tages bekommt dieser ehrliche, korrekte Mensch beim Arzt die Diagnose, dass er an einer tödlichen Krankheit leidet und nur noch wenige Monate zu leben hat. Plötzlich rückt der Wert „Gesundheit“ in seiner persönlichen Wertehierarchie ganz nach oben, denn bekanntlich weiß man ja erst dann zu schätzen, was man hat, wenn man es zu verlieren droht. Was könnte passieren, wenn dieser Mann hört, dass es in den USA eine experimentelle Therapie gibt, die ihn heilen könnte, die aber von seiner Krankenkasse nicht bezahlt wird und zudem eine hohe sechsstellige Summe kosten würde? Genau wie Walter White, der anfangs harmlose Chemielehrer in „Breaking Bad“, nach seiner lebensbedrohlichen Erkrankheit zum skrupellosen Drogenbaron mutiert, dürfte auch das Leben dieser Person sich durch die erschütternde Nachricht von Grund auf ändern.

Einen stoischen Protagonisten, der das Schicksal einfach akzeptiert und treu und brav seinen Job weiter macht, bis die Krankheit ihn ans Bett fesselt und schließlich dahin rafft, können wir für einen Roman nicht gebrauchen. Nein, unser Protagonist (nennen wir ihn Frank) will leben. Wenn Gesundheit und Überleben plötzlich die obersten Werte seiner persönlichen Wertehierarchie darstellen und danach erst mal ganz lange nichts kommt, wird er sowohl auf Ehrlichkeit als auch auf Sicherheit pfeifen, wenn es eine Entweder-Oder-Entscheidung ist. Er wird überlegen, wie er möglichst schnell zu so viel Geld kommen kann, dass er sich die experimentelle Behandlung für seine Krankheit leisten kann. Ein Banküberfall wäre eine riskante Kurzschlussreaktion, aber wenn Frank wie eben angedacht Buchhalter oder Programmierer in einer Bank ist, eröffnen sich ihm ganz andere Möglichkeiten, mit seiner neu erwachten kriminellen Energie rasch zu Geld zu kommen.

Im Gegensatz zu jemandem, der sich mit Betrug ein angenehmes Leben machen will und daher darauf achtet, dass ihm möglichst langfristig niemand auf die Schliche kommt, kann Frank auf Risiko gehen und den Aspekt ‚Sicherheit‘ vernachlässigen. Sobald er sich die lebensrettende Operation leisten konnte, ist es für ihn zweitrangig, ob er später geschnappt wird. Besser lebendig und gesund hinter Gittern als zwei Meter unter der Erde.

Oder vielleicht ist es die Frau oder die Tochter des Protagonisten, die unter einer lebensbedrohlichen Krankheit leidet und nur durch eine astronomisch teure Behandlung gerettet werden kann. Wenn Liebe und Familie für ihn ganz oben stehen, wird auch er in einer solchen Situation vermutlich Werte wie Ehrlichkeit und Sicherheit über Bord werfen, um die zu schützen und zu retten, die ihm alles bedeuten.

Werte bestimmen auch, was eine Person tun würde. Sie bestimmen, was ihre erste Wahl wäre, wozu sie sich überwinden könnte und was sie um keinen Preis der Welt tun würde. Das können Sie auf zweierlei Weise für Ihre Romanhandlung nutzen.

Zunächst einmal kann man sich das Duell zwischen Protagonist und Antagonist im zentralen Konflikt eines Romans ein wenig wie ein Tauziehen vorstellen, bei dem es vor und zurück geht. Jeder spielt abwechselnd seine Karten und Trümpfe aus, die er entweder durch seinen Charakter, seine Fähigkeiten oder seine Kontakte von vorneherein auf der Hand hat oder die er im Laufe der Handlung zugespielt bekommt, um mit einem Ruck in die richtige Richtung die Handlung zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen. Doch das Wertesystem des Protagonisten bestimmt, welche Karten er auszuspielen bereit ist.

Stellen Sie sich zwei Abenteurer vor, die beide auf der Suche nach einem Schatz sind. Es ist ein Wettlauf: wer den Schatz zuerst findet, hat gewonnen, der andere geht leer aus. Wenn unser Protagonist nun die Gelegenheit erhält, durch eine ‚kleine Falschaussage‘ seinem Gegner die Polizei auf den Hals zu hetzen und sich so einen Vorsprung zu sichern – würde er es tun? Was wäre, wenn er einen Flug mit einer alten klapprigen Maschine angeboten bekommt, die so aussieht, als ob sie nur noch durch Rost und Klebeband zusammengehalten würde? Und was, wenn es auch noch erforderlich wäre, mit dem Fallschirm über dem Amazonas-Dschungel abzuspringen? Dies alles sind Entscheidungen, die durch das Wertesystem des jeweiligen Protagonisten bestimmt werden.

Auch die Frage, was Ihr Protagonist niemals tun würde, ist von essentieller Bedeutung. Geben Sie sich hier nicht mit einem Punkt zufrieden, sondern finden Sie mindestens drei Dinge, die dermaßen gegen seine persönlichen Werte verstoßen, dass er sie niemals tun würde. Führen Sie ihn im Laufe der Handlung mehrfach in Versuchung, indem Sie ihm eine mögliche einfache Lösung für ein ganz konkretes, gravierendes Problem offerieren, für die er „nur“ gegen seine Werte verstoßen müsste.

Die Entscheidung Ihres Protagonisten angesichts einer solchen Versuchung zeigt Ihrem Leser, aus was für einem Holz Ihr Protagonist geschnitzt ist. Lassen Sie ihn widerstehen und den schwererern, aber mit seinen zentralen Werten konformen Weg gehen – aber nur bis kurz vor Schluss.

Wenn Ihr Protagonist es schafft, als „strahlender Held“, der bis zum Schluss seinen Werten und Normen treu bleibt und ohne einen dunklen Fleck auf seiner strahlend weißen Weste, das Ziel zu erreichen, haben Sie als Autor etwas falsch gemacht. Zwingen Sie Ihren Protagonisten stattdessen ganz zum Schluss, eine schwere Entscheidung zu treffen, die man nur als die Wahl zwischen zwei Übeln bezeichnen kann. Er kann siegen – doch dafür muss er ein persönliches Opfer bringen. Zwingen Sie Ihn, eine Grenze zu überschreiten, von der er sich geschworen hat, sie niemals zu überschreiten.

Nehmen wir als Beispielhandlung einen Technothriller, in dem der Protagonist ein Agent ist, der eine Bedrohung durch einen tödlichen Biokampfstoff beseitigen soll, der von Terroristen aus einem geheimen Forschungslabor gestohlen wurde – nennen wir ihn Jeff.

Machen wir aus ihm keinen 08/15-Action-Bond-Verschnitt, sondern sagen wir, dass Jeff niemals einen Menschen töten würde – außer vielleicht in absoluter Notwehr, wenn ein zu allem entschlossener Angreifer sein Leben oder das Anderer bedroht und auf andere Weise nicht gestoppt werden kann. Bringen Sie ihn im Laufe der Handlung mehrfach in Schwierigkeiten, weil er einen Gegner verschont hat, statt ihn endgültig auszuschalten. Erst ganz zum Schluss manövrieren Sie ihn in eine Situation, in der die Konsequenzen zu gravierend wären, wenn er seinem Grundsatz treu bleiben würde.

Diese finale und schwerste Entscheidung, zu der wir unseren Protagonisten zwingen, hat maßgeblichen Einfluss darauf, wie lange nach der letzten Seite die Handlung dem Leser noch in Erinnerung bleibt.

Sagen wir, dass Jeff im Laufe der Handlung die Wissenschaftlerin Elsa kennengelernt und sich während der Mission in sie verliebt hat. Bis kurz vor Schluss sieht alles so aus, als ob es ein Happy End für Jeff und Elsa geben würde: das Hauptquartier der Terroristen ist zerstört, ebenso ihr Labor mit dem tödlichen Biokampfstoff. Jeff und Elsa haben es lebend heraus geschafft – doch dann erkennt Jeff, dass Elsa sich durch eine kleine Verletzung mit dem Erreger infiziert hatte. Es ist nur noch eine Frage von Minuten, bis die Erkrankung ausbricht und Elsa mit jedem Hustenanfall tödliche Viren verbreitet, die innerhalb weniger Tage ganze Großstädte entvölkern könnten. Wenn Jeff die Seuche noch aufhalten will, muss er Elsa töten, bevor die Krankheit ausbricht, und ihren Körper mitsamt dem Erreger verbrennen. Es gibt kein Gegenmittel, kein Quarantänelabor, in das er Elsa noch rechtzeitig bringen könnte – nur noch die Entscheidung, die Frau zu töten, die er liebt, oder das Schicksal von Millionen Menschen zu besiegeln.

Egal, was man von einer solchen Romanhandlung hält – es ist definitiv ein Ende, das kein Leser so schnell vergisst und das nur durch das frühzeitig eingeführte Wertesystem des Protagonisten und die Grenze, die er niemals überschreiten will, so effektiv wird. Denken Sie sich dieselbe Handlung mit einem abgebrüht pragmatischen Protagonisten vom Schlag eines Jack Bauer aus „24“, der gewohnt ist, im Interesse „der guten Sache“ auch amoralisch, skrupellos und brutal zu handeln. Dasselbe Ende wäre nicht mehr dramatisch, sondern würde aufgesetzt und überflüssig wirken.

Überlegen Sie sich daher im Vorfeld nicht nur, was die wichtigsten Werte im Leben Ihres Protagonisten sind, sondern auch, was er niemals tun und welche Grenze(n) er niemals überschreiten würde. Allein das wird Ihren Protagonisten nicht nur zu einer abgerundeteren Persönlichkeit machen, sondern Ihnen auch ganz neue Optionen für eine spannende und dramatische Romanhandlung eröffnen.


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Patchwork-Tutorial: Das Arbeitszimmer – portabel arbeiten

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkSelbst wenn man nur mit einem PC arbeitet, kann dieser Artikel interessant sein. Denn mit dem Arbeitszimmer – wie wir die portable Lösung bezeichnen – ist auch der Umzug auf einen neueren Computer problemlos: einfach umstecken. Außerdem ist es ein beruhigendes Gefühl, alles an einem Ort beisammen zu haben.

Wie wir bereits auf der Grafik sehen, ist die Arbeitszimmer-Struktur einfacher als die der klassischen Installation. Der Grund dafür liegt bei Windows, das es nicht gestattet, dass Daten und Programme im selben Bereich liegen. Freilich könnte man das auch umgehen, indem man die Arbeitszimmer-Struktur an einem anderen Ort auf der Festplatte nachvollzieht. Dann, finde ich, ist es aber hilfreicher, gleich auch den Vorteil einer externen Installation zu nutzen.

Was auf den ersten Blick verwirrend wirken mag, ist es bei genauerem Hinsehen gar nicht.

Screenshot Patchwork

Zum Vergrößern anklicken

1. Die Strukturen

Links (1) haben wir die klassische Struktur, die man dann erreicht, wenn man beim Setup einfach immer auf [weiter] klickt. Das Programm erhält seinen Platz im Ordner Programme (3). Gleichzeitig wird in einem von Windows vor normalen Benutzeraugen verborgenen Bereich ein Ordner angelegt, in dem sämtliche Einstellungen abgespeichert werden (4). Warum dieser Bereich nicht eingesehen werden kann, ist mir unklar. Es handelt sich dabei um die drei heller gekennzeichneten Ordner. Diese Ordner kann man sichtbar machen, indem man über Systemsteuerung > Ordneroptionen in das Fenster der Ordneroptionen geht (5) und dort bei dem Eintrag Geschützte Systemdateien ausblenden den Haken herausnimmt. Notwendig wird dieser Vorgang spätestens dann, wenn Sie die Einstellungen (4), die auch die Allgemeine Recherche beinhalten, sichern, also manuell kopieren möchten.

Für Ihre Projekte sollten Sie sich eine grundsätzliche Struktur überlegen, wie hier gezeigt. Der bei Windows übliche Ordner für derlei heißt Dokumente (früher Dokumente und Einstellungen). Sie finden ihn, indem Sie dem hier gezeigten Pfad folgen (8). Dabei ist *Name* zu ersetzen durch den Namen, mit dem Sie unter Windows angemeldet sind.

Unter Arbeitszimmer-Installation (2) sieht die Sache einfacher aus. Um diese Struktur zu erhalten, gehen Sie so vor:

  1. Patchwork direkt auf den externen Datenträger (hier als Beispiel mit dem Laufwerksbuchstaben F:\) installieren. Dafür muss in dem ersten Installationsdialog anstatt
    C:\Program Files (x86)\Patchwork stehen: F: \Patchwork
    Damit wird nicht nur der Programmordner erstellt (9), sondern auch gleich der sonst in den Systemtiefen versteckte Ordner für die Einstellungen und die Allgemeine Recherche als Unterordner zum Programmordner angelegt und erhält den Namen Global.
  2. Nun legen Sie direkt in der Root (Wurzel) des externen Datenträgers den Projektordner mit dem Explorer an: Meine Projekte (10).
  3. Tragen Sie in Patchwork in den Einstellungen diesen Projektordner ein (11).
  4. Setzen Sie einen Haken in den Einstellungen im selben Bereich rechts bei der Checkbox Bereich ‚Allgemein‘ > Arbeitszimmer-Modus (Vorher in der Hilfe informieren!).
    Dieser Haken bewirkt Folgendes:
    Die Projekte sind ja mit einem direkten Pfad gespeichert, also zum Beispiel F:\Meine Projekte\Unter der Linden. Sobald Sie den externen Datenträger bei einem anderen PC anstecken, kann es sein, dass er einen anderen Laufwerksbuchstaben von Windows zugeteilt bekommt. Windows nimmt üblicherweise den ersten freien, den es findet. Natürlich könnte man den anpassen, aber das ist lästig, geht manchmal sogar gar nicht (Firmen-PC) und ist gefährlich, wenn man sich vertut.
    Mit dem Arbeitszimmer-Modus setzt Patchwork automatisch den Pfad für die Projekte immer auf den Laufwerksbuchstaben, wo Patchwork selbst ist. Und das ist logischerweise derselbe, also der externe Datenträger, wo sich auch Meine Projekte
    Wichtig! Diese Option ausschließlich nur bei Verwendung externer Datenträger verwenden, wenn auch die Projekte auf diesem lagern!

Mit den grünen, gestrichelten Linien sehen Sie die Entsprechungen der zwei Systeme.

2. Von einer klassischen Installation auf Arbeitszimmer umsteigen

Dafür gehen Sie als Erstes die eben beschriebenen Punkte 1 bis 3 durch. Sie sollten dabei auch gleich darauf achten, die neueste Patchwork-Version zu installieren. Dann führen Sie folgende Schritte durch:

  1. Übernehmen Sie die Lizenz aus Ihrem Festplattenordner. Dafür wählen Sie Hauptmenü > Bearbeiten > Lizenzdatei übernehmen, geben in dem sich öffnenden Dialog den bisherigen Programmordner an, wahrscheinlich C:\Program Files (x86)\Patchwork. Dort wird dann gleich die Datei Patchwork.lic vorgeschlagen.
  2. Schließen Sie Patchwork
  3. Kopieren Sie die Einstellungen und Allgemeine Recherche auf den externen Datenträger.
    Dafür kopieren Sie den Inhalt des Ordners (4) in den Ordner Global (12). Die auftauchende Frage bezüglich Überschreibens mit Ja bestätigen.
  4. Kopieren Sie alle vorhandenen Projektordner in den Ordner F:\Meine Projekte (Wenn der Laufwerksbuchstaben F ist, ansonsten halt in den entsprechenden).
  5. Nun brauchen Sie lediglich Ihre Projekte je einmal öffnen, um sie in der Liste der zuletzt geöffnet Projekte wiederzufinden.
    Hier erleben Sie eventuell eine kleine Überraschung. Obwohl Sie an diesem Ort noch den projektlosen Urzustand hatten, ist auf einmal ein Projekt offen? Der Grund liegt beim Verschieben des Globalordners. Dort drinnen standen auch die letzten Projekte.
    Dafür gehen Sie so vor:
    Hauptmenü > Datei > Projekt öffnen. Dort wählen Sie einen Projektordner nach dem anderen. Also zum Beispiel so: doppelklicken auf:
    F:\Meine Projekte\Projekt 1\paw
    Mit jedem Projektöffnen wird das Projekt in die Liste der zuletzt geöffneten Projekte übernommen und Sie können weiterarbeiten wie gehabt.
  6. Optional, aber praktisch: Erstellen Sie auf jedem PC, auf dem Sie arbeiten, eine Verknüpfung. Dafür gehen Sie zu dem Programm Patchwork (also z.B. F:\Patchwork\Patchwork.exe), klicken mit der rechten Maustaste darauf und wählen in dem Menü Senden an > Desktop (Verknüpfung erstellen). Damit wird auf dem Desktop eine Verknüpfung angelegt. Wenn Sie mit Patchwork vom externen Datenträger weg arbeiten möchten, brauchen Sie so nicht jedes Mal das Programm mit dem Explorer öffnen, sondern können, wie gewohnt, direkt vom Desktop weg starten.
    Tipp am Rande: Sie sollten immer zuerst den Stick anstecken, bevor Sie Windows hochfahren. Ansonsten geht bei diesem Link das Patchwork-Logo verloren, weil es Windows nicht beim Hochfahren findet.

Zum Abschluss noch ein wichtiger Hinweis: Die Tatsache, dass Ihre Projekte nun auf einem externen Datenträger liegen, bedeutet nicht, dass sie damit auch gesichert sind. Sie liegen dort genauso nur als Original vor, wie das auf der Festplatte der Fall wäre. Fazit: Es ist unerlässlich, den externen Datenträger zu sichern und zwar diese beiden Ordner: F:\Patchwork\Global und F:\Meine Projekte. Der Programmordner braucht nicht gesichert zu werden, weil man das Programm ja im GAU-Fall wieder herunterladen kann.

Wenn jemand an diesem System Interesse hat, hier h zwei Empfehlungen für externe Datenträger:

  1. Normaler, sehr kleiner, in einem Test schnellster Stick (schreiben bis 150MB/Sek.) SanDisk Ultra Fit USB 3.0 mit 64 GB, Kosten unter 20,- Euro
  2. Externe SSD-Platte: Extrem schnell (schreiben bis zu 280MB/Sek): Samsung Portable SSD T1 USB 3.0 250 GB, Kosten dzt. ab etwa 130,- Euro

In diesem Sinne wünschen wir frohes, mobiles Autorenschaffen!

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Martin Danesch