Patchwork: Patente Autorensoftware aus Österreich

Heute möchte ich Ihnen ein interessantes Schreibprogramm für Roman- und Kurzgeschichtenautoren vorstellen: Patchwork – ein Programm aus der Feder des österreichischen Autors und Verlegers Martin Danesch (Orange Cursor Verlag), das mich nach anfänglicher Skepsis rundum begeistern konnte.

Für wen ist Patchwork geeignet?

Patchwork ist ganz klar auf Roman- und Kurzgeschichtenautoren zugeschnitten. Ähnlich wie bei yWriter sieht man auch bei Patchwork an der Organisation nach Szenen, Figuren, Schauplätzen und Gegenständen, dass das Programm nicht für Blogger oder Sachbuchautoren gedacht ist. Ein Konzept, das mir sehr sympathisch ist: lieber ein hochqualifizierter Spezialist als ein „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“, der vieles halb und nichts so richtig kann. Und wenn man sich „Patchwork“ genauer ansieht, merkt man, wie viele Gedanken sich der Entwickler über die Bedürfnisse und Anforderungen von Romanautoren gemacht hat.

Einstieg und Lernkurve

Bereits beim ersten Start von Patchwork fällt sehr positiv auf, dass das Programm mit einer interaktiven Einführung kommt, die einen schnellen Einstieg ins Programm ermöglicht.

Selbst wenn man wie ich lieber einfach drauflos probiert, statt sich lange durch dicke Anleitungen zu quälen, sollte man sich die Zeit nehmen, sich über die Onlinehilfe gründlich mit den Möglichkeiten des Programms vertraut zu machen. Ansonsten läuft man Gefahr, viele der nützlichen Möglichkeiten des Programms zu übersehen. Ich gebe zu, dass ich Patchwork auf den ersten Blick ebenfalls unterschätzt hatte – denn mit der modernen und stylishen Oberfläche von Scrivener kann die Optik von Patchwork mit seinen vielen kleinen Icons im klassischen Office-Look nicht mithalten.

Doch wenn man sich erst mal etwas intensiver mit Patchwork beschäftigt, erkennt man überrascht, wie viele Möglichkeiten dieses Programm auf kompaktem Raum bietet.

Stilkontrolle, Thesaurus und Rechtschreibprüfung

An den zahlreichen Funktionen rund um Stil und Rechtschreibung erkennt man, dass Patchwork aus dem Verlagsgeschäft entstanden ist. Neben einem exzellenten Thesaurus, dessen Verhalten man an seine eigenen Vorlieben anpassen kann, hat Patchwork eine ausgezeichnete Stilkontrolle, die es durchaus mit der vielgerühmten Stilkontrolle von Papyrus Autor aufnehmen kann.

Diese beinhaltet nicht nur die Suche nach Wortwiederholungen, wie man sie vom Repetition Detector 2 kennt, sondern auch zahlreiche andere Funktionen wie die Suche nach Füllwörtern, Adjektiven, schwachen Verben, Wertungen, Konjunktiven, Amtsdeutsch, passiven Formulierungen und sogar Verstößen gegen die bekannte „Show, don’t tell“-Regel bietet. Jede dieser Prüfungen lässt sich einzeln zu- und abschalten und sogar auf drei verschiedene „Härtegrade“ einstellen.

Sehr positiv ist auch, dass man nicht nur ein Benutzerwörterbuch, sondern auch ein Projektwörterbuch anlegen kann. So kann man beispielsweise erreichen, dass z.B. der Nachname „Schwartz“ einer Romanfigur im laufenden Projekt als richtig akzeptiert wird, in einem anderen Buchprojekt jedoch als möglicher Fehler (meinsten Sie Schwatz, Schwarte oder Schwarz?) markiert wird.

Funktionsumfang

Den gesamten Funktionsumfang von Patchwork aufzuzählen, würde den Umfang dieses Artikels bei weitem sprengen. So verfügt Patchwork u.a. über eine nützliche Timeline-Funktion, mit der Sie jederzeit den Überblick über den zeitlichen Ablauf Ihrer Handlung behalten – ein Feature, das ich in anderen Schreibprogrammen schon oft vermisst habe und das es im Windows-Bereich meines Wissens ansonsten nur bei Papyrus Autor gibt.

Eine sehr informative Übersicht über die wichtigsten Funktionen und Möglichkeiten von Patchwork finden Sie unter: Autorenprogramm – Vorteile

Fazit

Wenn man Patchwork gerecht werden will, sollte man das Programm nicht mit Scrivener vergleichen – dafür sind beide Programme einfach zu unterschiedlich. Scrivener hat viele Stärken, bei denen Patchwork nicht mithalten kann; doch dafür bringt Patchwork z. B. eine hervorragende Rechtschreib-, Grammatik- und Stilkontrolle mit – etwas, das Scrivener fehlt.

Sowohl vom Aufbau als auch vom Funktionsumfang her (also z. B. in Sachen Stilkontrolle) sollte man Patchwork eher mitPapyrus Autor vergleichen – und da fällt mein Urteil ganz klar zu Gunsten von Patchwork aus. Denn schließlich kostet Patchwork bei größerem Funktionsumfang mit 134 Euro deutlich weniger als Papyrus Autor, wobei man sogar noch einmal 35 Euro sparen kann, wenn man auf den optionalen Duden-Korrektor verzichten kann. Auch in der Patchwork-Basisversion ohne Duden-Korrektor sind immer noch Rechtschreib-, Grammatik- und Stilprüfung enthalten.

Wenngleich ich im Alltag bei den meisten größeren Projekten noch lieber mit Scrivener als mit Patchwork arbeite, bin ich dennoch froh, Patchwork auf meinem Rechner zu haben. Denn so kann ich anschließend das fertige Manuskript in Patchwork importieren und es dort mit der Rechtschreib- und Stilkontrolle noch einmal auf Herz und Nieren testen. Die Kombination aus Scrivener und Patchwork deckt alles ab, was ich als Autor brauche.

Wenn Sie Patchwork selbst einmal ausprobieren möchten, können Sie sich von der offiziellen Homepage eine voll funktionale 30-Tage-Testversion herunterladen. Vielleicht stellen ja auch Sie beim Ausprobieren fest, dass „Patchwork“ perfekt auf Ihre persönliche Schreib- und Arbeitsweise zugeschnitten ist.