Patchwork-Tutorial: Die Kapitelübersicht

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkAuf den ersten Blick mag es seltsam anmuten, dass der Kapitelübersicht, also der Gliederung eines Dokuments, ein eigenes Tutorial gewidmet wird. Aber sie ist gar nicht so ohne! Über sie wird das gesamte Projekt gesteuert und pro Szene werden dort bis zu 50 Informationen – die meisten versteckt – abgelegt.

Alles zum Tuning dieses Bereichs findet man in den Einstellungen (Hauptmenü › ‚Bearbeiten‘ › ‚Einstellungen‘ › Bereich ‚Linker/rechter Teil‘).

Einige Angaben zu den Spalten kann man ganz einfach durch Eingabe eines Zeichens vornehmen, wenn man auf einer Szene steht. Diese Kürzel werden, so vorhanden, jeweils am Ende der jeweiligen Spaltenbeschreibung angegeben.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichsten, der Szenenstruktur. Wir haben zwar schon ein paarmal darüber gesprochen, aber man kann das nicht oft genug tun, wie ich immer wieder bei Supportgesprächen beobachte.

Eine sogenannte Szene hat zwei Aufgaben: sie dient der Gliederung und kann Text enthalten. Wenn ein Kapitel keine weiteren Unterszenen birgt, dann ist sie beides: Als Umbruchstyp gibt man Kapitel oder Unterkapitel an und im Schreibfenster schreibt man den Text dazu.

Sobald aber innerhalb eines Kapitels/Unterkapitels mehr als eine Szene ist – also Leerabsätze oder ***-Absätze, dient die Kapitelszene nur noch der Gliederung und in der Ausgabe natürlich der Überschrift. Mit anderen Worten: Der Text liegt in den untergeordneten Szenen – und zwar komplett – die Kapitelüberschrift aber in der Kapitelszene. Sind Unterszenen vorhanden, was meistens der Fall ist, dann sollte man unbedingt vermeiden, auch in der Kapitelszene Text vorzuhalten, sonst ist nämlich im fertigen Dokument zwischen Kapitel und der nächsten Szene weder ein Leer- noch ein ***-Absatz und man wundert sich, weshalb die fehlen. Das ist deshalb so, weil Haupt- und Unterkapitel nur den Umbruch vor der Szene regeln und nicht auch noch danach, wie es großer Szenenwechsel (***) und mittlerer (Leerabsatz) tun. Da es aber diese Situation trotzdem geben kann – Text nach der Kapitelüberschrift aber vor dem ersten Unterkapitel oder zwischen Teil und erstem Kapitel – wird die Möglichkeit nicht generell unterbunden. Man wird aber durch diese rosa Einfärbung (1) auf die Möglichkeit eines Fehlers hingewiesen.

Was einem sofort ins Auge fällt, sind mehrere Spalten neben dem Szenentitel.

Da man nach aktuellem Bedürfnis oder aus Platzgründen meist nicht alle Spalten sehen möchte, kann man sie einzeln zu- und wegschalten. Dafür geht man mit dem Mauszeiger auf den Tiel der Hauptspalte ›Kapitel/Szene‹ (2), worauf ein Menü mit den zur Verfügung stehenden Spalten aufklappt. So kann man sie schnell anzeigen lassen oder verstecken.

Der Szenentitel selbst lässt sich als einzigeSpalte nicht ausblenden. Fett (3) werden dabei Hauptkapitel dargestellt und, wenn in den Einstellungen angegeben, auch Unterkapitel. In der Titelspalte gibt es drei weitere Anzeigen.

Man kann ein Symbol aus einer Palette von 43 anzeigen lassen (4), um Szenen auf individuelle Weise zu kennzeichnen.

Kürzel zur Szenenmarkierung: x (oder über das Kontextmenü)

Bei manchen Szenen ist es sinnvoll, den automatischen Erstzeileneinzug zu deaktivieren (5). Zum Beispiel bei Hinweisseiten hinten mit Buch- und Autorenfotos und Aufzählungen. (Kontextmenü › ‚Szene ohne Erstzeileneinzug‘)

Und wenn man schließlich in einer Schreibblockade gefangen ist, kann man sich inspirieren lassen, indem man zu Szenen Clustering betreibt (6). Dieses Brainstorming ist oft der richtige Rohrdurchputzer. (Kontextmenü › ‚Cluster und Kreativmatrix für diese Szene (Brain)‘)

Der Titel der Titelspalte liefert eine kleine Zusatzinformation, wenn man für ein Projekt die Timeline nutzt. Fährt man mit der Maus über die Szenen, wird im Titel der Spalte die Tagesdifferenz zur gerade markierten Szene angezeigt (2).

Und schließlich hat der Titel selbst noch zwei Spezialitäten auf Lager.

Alles was innerhalb eckiger Klammern eingegeben wird, ist weder im Gesamtdokument, noch im eBook in der Überschrift sichtbar (alle niederrangigeren Szenenwechsel werden ohnehin nicht angedruckt). Möchte man also zu den Kapiteln ein Stichwort angeben, so lässt sich das auf diese Weise elegant umsetzen. So sieht das aus: Kapitel 4 [Mentor taucht auf].

Manche Autoren lieben es, einzelne Szenen in einem Kapitel durchzunummerieren, ihnen den Namen des Protagonisten voranzustellen oder andere Subüberschriften vor die Szenen zu setzen. Das erzielt man, indem man beim mittleren oder kleinen Szenenwechsel im Titel die anzudruckende Subüberschrift zwischen Rautezeichen setzt. Soll also vor der Szene fett 1 stehen, sieht der Titel dann so aus. Dabei ist der Text ›Am Tag der Ankunft‹ der interne Szenentitel – also der Titel als Info für die Autorin – der nicht gedruckt wird (wie gesagt, bei großem/kleinen Szenenwechsel):
AmTag der Ankunft #1#  Hier wird nun linksbündig vor, also über der Szene 1 angedruckt und dann beginnt wie üblich der Szenentext selbst. Einfach mal ausprobieren, im Gesamtdokument sieht man das Ergebnis ja gleich.

Die zweitwichtigste Spalte dient dem Umnruch (7). Also neues Kapitel, Unterkapitel, großer, mittlerer und kleiner Szenenwechsel. Über sie wird die Gliedrung des Gesamtokuments gesteuert. Die horizontale Gliederung spielt dafür keine Rolle, sondern dient lediglich der eigenen besseren Übersicht und der Möglichkeit, Kapitel oder ganze Teile oder sogar Bände einfach zuklappen zu können.

Hier gibt es auch noch eine kleine Besonderheit für spezielle Fälle. Üblicherweise bedeutet Hauptkapitel automatisch ›neue Seite‹, während ein Unterkapitel mit seiner (etwas kleineren) Überschrift auf der gleichen Seite fortfährt. Wie aber realisiert man Ebenen darüber? Das können in einem Buch Teile sein oder sogar mehrere Bücher einer Reihe, die ihrerseits mehrere Teile haben können. Mehrere Bücher in einem Projekt sind dann praktisch, wenn dieselben Figuren und Schauplätze in allen Bänden zum Einsatz kommen.

Wenn man allerdings ein Kapitel einem andern unterordnet, steht auf einer Seite die Überschrift des ersten und sonst nichts – weil ja Kapitel auf neuen Seiten beginnen. Dieses Verhalten einer neuen Seite kann man über den Menüpunkt (KEINE) Neue Seite übersteuern. Diese Funktion bewirkst also bei Unterkapiteln schon eine neue Seite oder bei Hauptkapiteln keine neue Seite.

Den kleinen Szenenwechsel, der optisch gar keiner ist, weil ja lediglich ein neuer Absatz beginnt, verwendet man immer bei der letzten Szene eines Blocks von untergeordneten Szenen, um eventuelle Leerabsätze im Gesamtdokument zu vermeiden. Das wäre zwar auch kein Drama, aber man muss dort dafür einmal weniger aufpassen. Auch verwendbar, wenn man unterschiedliche Bilder oder andere Szenenrequisiten innerhalb einer nach außen geschlossenen Szene abspeichern möchte.

Kürzel für den Umbruch: h u g m k (Hauptkapitel, Unterkapitel, großer, mittlerer und kleiner Szenenwechsel)

Dann kommen in der Wichtigkeit wohl die drei statistischen Spalten (8): Zeichen, Wörter und Seiten pro Szene. Man möchte schließlich wissen, wieviel man schon geschrieben oder noch zu schreiben hat. Für jede Szene werden diese drei Werte aktuell hochgerechnet. Durch die Kaskadenstruktur von Kapitel zu Unterkapitel zu Szenen erhält man auch die Werte in den übergeordneten Ebenen hochgerechnet. Man sieht also sowohl die Anzahl pro Szene als auch des Unterkapitels, Hauptkapitels und so weiter.

Eigentlich wichtiger wäre ja die Perspektive (9), wenn man ehrlich ist, deshalb die auch gleich als Nächstes. Gesteuert wird die Anzeige über die Angabe in den Einstellungen, ob lang (›Personal‹) oder oder kurz (›Per‹). Wenn man im rechten Teil bei den Szenenrequisiten Figuren einträgt (per Drag & Drop hinüberziehen aus der Figurenliste oder mit dem Figurenschnüffler vorschlagen lassen), dann wird hinter der Perspektivart die oberste Figur angeben – natürlich nur bei den beiden Ein-Figuren-Erzählperspektiven, also Ich-Perspektive und der personalen.

Kürzel für die Perspektive: p i a n (personal, ich, auktorial, neutral)

Der Überarbeitungsstatus (10) ist eine feine Sache, wenn man bei der Überarbeitung nicht dranbleiben kann. So sieht man auf einen Blick, wo man schon durch ist und wo noch nicht. Und auch wie weit. Denn es gibt 6 mögliche Stufen: Skizze, Erstschrift, Überarbeitung 1 bis 3 und fertig überarbeitet.

Kürzel für den Überarbeitungsstatus: 1 2 3 4 5 6 auf der Schreibmaschinentastatur.

Das Kennzeichen Nicht ausgeben (11) wird sowohl in einer Spalte dargestellt als auch durch Abgrauen der Szenenzeile. Diese Spalte ist also vernachlässigbar. Alle so gekennzeichneten Szenen werden weder ins Gesamtdokument noch ins eBook übernommen. Vor allem beim Arbeiten mit Teilen oder Bänden praktisch

Kürzel für ›Nicht ausgeben‹: [Leertaste] oder [Shift+Leertaste], was dann für alle untergeordneten auch gilt.

Neu mit Version 1.72 kommt eine Infospalte dazu, in der man auf einen Blick das Vorhandensein gewisser Szeneninhalte erkennen kann. So können in dieser Spalte pro Szene bis zu sieben Symbole aufscheinen.

In der oberen Reihe vier für die möglichen vier Markerfarben (12). Wenn man die Methode des Markerns von Textstellen nutzen möchte, um zum Beispiel Bearbeitungsbedarf zu vermerken, dann sieht man hier, welche Szenen welche Markierungsfarben beinhalten.

In der unteren Reihe wird angezeigt, ob es zu der Szene Bilder gibt (links), Notiztexte (mittig) und Rechercheelemente (von der Sprachnotiz bis zur Internetadresse – rechts) (13).

Zum Beinahe-Abschluss ein kleiner Tipp: Um aus dem Text in die Kapitelübersicht zu kommen und auch umgekehrt, braucht man nur die [Esc]-Taste zu drücken. Auf diese Weise kann man auch schnell wo anders hin gelangen.

Und zum Ganz-Abschluss noch einer, weil es in der Kapitelübersicht zu sehen ist: Die One-click-Paralellanzeige (14). Sobald der Cursor im Schreibfenster steht und man mit der Maus über die Kapitelübersicht fährt, scheint dieser Hinweis neben dem Mauszeiger auf (außer man schaltet ihn in den Einstellungen weg). Sobald diese Anzeige vorhanden ist, kann man durch Drücken der [Shift]-Taste direkt in die Parallelanzeige der Szene springen, über der die Maus steht und das ohne, dass sich im Schreibfenster irgendetwas ändert.

So, das war’s für diesmal. Wir hoffen, dass dadurch das Arbeiten mit Patchwork nun noch einen Hauch geschmeidiger geht!

Link zum Video

Martin Danesch


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