Patchwork-Tutorial: Szenencheck, -typ und Spannungskurve

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkMit diesem Tutorial begeben wir uns ein wenig in die Lüfte. So, als ob wir, wie von einer Wolke aus, die Landschaft unseres Texts betrachten würden. Die drei in der Überschrift erwähnten Fähigkeiten sind über ein einziges Fenster zugänglich. Doch es handelt sich um zwei Themen: den Szenentyp mit der daraus resultierenden Spannungskurve hier und den Szenencheck dort.

Die Funktionen Szenencheck, -typ und Spannungskurve sind nicht nur ein reizvolles Feature, sondern sie bringen uns dazu, uns auf einer anderen Ebene mit den Szenen zu beschäftigen – und das, ohne dass es groß auffällt. In der Folge tragen sie erheblich dazu bei, den zukünftigen Leser besser an die Szenen zu binden, was wiederum stark zum Erfolg unseres Werks beiträgt. Dies sind Funktionen in Patchwork, die zu Unrecht ihr Dasein meist unerkannt oder doch nur im Verborgenen fristen.

Szenentyp und Spannungskurve

Wir beginnen mit dem Szenentyp deshalb, weil der bereits während des Schreibens hilfreich ist, hingegen der Szenencheck erst in der Überarbeitungsphase zum Tragen kommt. Aus dem Szenentyp ergibt sich auch die Spannungskurve.

(Klick auf das Bild zum Vergrößern)

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Das Fenster, um das es diesmal geht, erreichen wir über die Schaltfläche (1). In diesem ersten Abschnitt geht es uns um den unteren Bereich des Fensters (2).

Hier können wir jede Szene einem Typ zuordnen (3). Die sechs Schaltflächen für die Spannungsstufen zeigen auf ihrer Oberfläche einen Begriff. Wenn wir mit der Maus über eine der Schaltflächen fahren, wird in der Zeile darunter eine erweiterte Beschreibung angezeigt. Sowohl Schaltflächenbezeichnung als auch Mouse-over-Beschreibung sind aber nicht als zwingende Zuordnung zu werten. Es geht primär um eines: ganz links ist am wenigsten Spannung, ganz rechts am meisten. Also eine Spannungsskala von 1 bis 6. Die sechs Begriffe und Beschreibungen sind lediglich Anregung zu den Stufen.

Die Aufgabe bei der Verwendung der sechs Schaltflächen besteht vielmehr darin, der Szene – relativ in unserem aktuellen Werk – eine Spannungsstufe zuzuweisen.

Wir gehen also links in der Kapitelübersicht Szene für Szene durch und weisen ihr eine der sechs Spannungsstufen, sprich Szenentypen zu.

Ist der Schalter (4) gedrückt, dann wird in der jeweils aktuellen ganz rechten Spalte der Kapitelübersicht die Typ-Farbe angezeigt (5).

Drückt man zusätzlich die Schaltfläche ›Chart‹ (6), dann wird in derselben Spalte stattdessen eine Spannungskurve angezeigt (7).

Szenencheck

Der Szenencheck ist ein Werkzeug für die Überarbeitung. Das heißt, Sie verwenden es erst, wenn die Rohfassung fertig ist.

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Hierfür ist dasselbe Fenster zuständig (1) wie für die Szenentypen, nur benutzen wir nun den oberen Teil. Wieder gehen wir Szene für Szene durch – natürlich nur jene, die auch Text enthalten.

Abgesehen davon, dass man an bestimmte Kriterien erinnert wird, erleichtert dieses Tool, dranzubleiben und nicht zu flüchtig vorzugehen; denn Überarbeitung ist nicht jedermanns Sache. Zur Motivation: Es macht Spaß und liefert ein eindeutiges Erfolgserlebnis.

Diesmal arbeiten wir eine Checkliste ab, mittels derer wir daran erinnert werden, welche Kriterien bei einer Szene üblicherweise beachtet sein wollen. Natürlich sind hier nicht alle für eine Szene möglichen Merkmale angeführt. Man kann ja gedanklich weitere anstelle der orthografischen Prüfung und des handwerklichen Checks ansiedeln.

Wenn wir einen der Punkte links (2) geprüft haben, tippen wir bei der betreffenden Zeile auf die Leertaste. Damit wird dieser Punkt für diese Szene als erledigt eingetragen und ausgegraut. Gleichzeitig wächst in der Spalte ›Perspektive‹ in der Kapitelübersicht (5) der etwas hellere Balken von links nach rechts.

Durch den Balken können wir jederzeit unterbrechen und sehen beim Neueinstieg sofort, wo noch etwas offen ist.

Zu jedem der sieben Punkte steht rechts (3) eine kurze Liste von Kriterien. Ein paar Bemerkungen zu ihnen:

  1. Szeneneinführung
    Hier geht es darum, sicher zu sein, dass der Leser bei einem Szenenwechsel auch weiß, wo er sich befindet – außer man möchte das bewusst verhindern; dann soll das aber auch bewusst der Fall sein.
    Speziell bei einem Perspektivwechsel ist es wichtig, dem Leser möglichst bald bekanntzugeben, durch wessen Augen er die Geschichte nun erlebt.
  2. Perspektive
    Wohl das meistdiskutierte Thema beim Schreiben. Deshalb möchte ich hier nicht näher darauf eingehen.
  3. Figurenverankerung
    Mich stört es immer wieder beim Lesen von Romanen, wenn ich einerseits erst irgendwann erfahre, um welche Figur es geht oder wenn der Name einmal und dann nie wieder erwähnt wird. Speziell zu Beginn einer Geschichte empfiehlt es sich, immer wieder einmal nicht die Namen lediglich zu nennen, sondern die Figur auch mit bestimmten Eigenschaften zu verknüpfen: die quirlige Emma, die zurückhaltende Klara, der blonde Julius, oder überhaupt – in Maßen – einprägsame Synonyme zu wählen wie ›der Rotschopf‹, ›der Hastige‹ oder ›die Hängeschulter‹.
    Randfiguren hingegen muss, beziehungsweise sollte man oft nicht einmal mit einem Namen beehren. Denn die Vergabe eines Namens signalisiert dem Leser: ›das ist ein Wichtiger, der kommt noch, den musst du dir merken.‹ Ist also überdenkenswert.
  4. Handwerklicher Check
    Der sollte erst beim Überarbeiten drankommen. Mit anderen Worten: Bei der Rohschrift einfach schreiben (Ausnahmen bestätigen natürlich immer die Regel).
    Dieser Punkt kann gedanklich für Eigenes verwendet werden.
  5. Orthografieprüfung
    So weit klar. Auch dieser Punkt kann gedanklich für Eigenes umgepolt werden.
  6. Zeitprüfung
    Damit sind wir wieder bei einem wichtigen Kriterium angelangt. Denn beim Thema Zeit geschehen gerne Schnitzer. Es lohnt sich, in dieses Thema näher einzusteigen.
  7. Dialoge
    Viele Dialoge könnten spritzig und originell sein, wenn der Autor nicht versuchte, dem Leser – zum Beispiel mit Adjektiven – alles zu erklären. Die angeführten Punkte reichen bei Weitem nicht aus, sollen nur einen Denkanstoß liefern.

Das war jetzt einmal nicht nur Programmbeschreibung, sondern auch ein paar Worte zum Handwerk, wie sie in Patchwork vermehrt kommen werden. Denn Handwerkszeug und Handwerk sind nun einmal zwei Komponenten, die eng miteinander verwoben sind. Mit Patchwork werden wir zunehmend diese zwei Komponenten miteinander verbinden.

Link zum Video

Martin Danesch


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