Produktiveres Schreiben mit Write!

Luxuriöser Minimalismus oder: spartanisch, aber komfortabel

Wenn es um die Definition und Auswahl eines optimalen Schreibwerkzeugs für Schriftsteller geht, sind mir persönlich zwei Dinge besonders wichtig:

  1. eine minimalistische, ablenkungsfreie Benutzeroberfläche, die einen nicht durch Menüs, Ribbons oder andere Bedienungs- und Formatierungselemente vom eigentlichen Text ablenkt.
  2. die Möglichkeit, alle wichtigen Formatierungen bereits beim Schreiben der Rohfassung vorzunehmen. Es macht absolut keinen Sinn, sich aus übertriebenem Minimalismus wie zu DOS-Zeiten auf den reinen Text zu beschränken und alle notwendigen Formatierungen erst bei der späteren Überarbeitung in einer “vollwertigen” Textverarbeitung nachzuholen. Dabei rede ich nicht von Schriftarten, Seitenlayout und ähnlichen Spielereien, sondern von grundlegenden Formaten wie fett, kursiv, unterstrichen, Überschriften, Aufzählungen und Listen.

Im Prinzip kann man beides mit jedem Zenware-Schreibprogramm wie WriteMonkey, FocusWriter oder Q10 erreichen, indem man seine Manuskripte im Markdown-Format schreibt. Die simplen, aber äußerst leistungsfähigen Formatierungsbefehle von Markdown erlauben es einem, selbst innerhalb eines simplen Textdokuments mit unterschiedlichen Überschriften-Ebenen zu arbeiten, Textpassagen als fett oder kursiv hervorzuheben oder sogar ganze Absätze als Zitate einzurücken.

Natürlich ist es umso komfortabler, wenn ein Schreibprogramm einem darüber hinaus noch weitere Möglichkeiten wie eine komfortable Dokumentenverwaltung oder eine intuitive Synchronisierung zwischen verschiedenen Rechnern bietet, ohne dadurch schwerfällig, überladen und unnötig kompliziert in der Handhabung zu werden.

Und hier kommt Write! ins Rennen – ein Schreibprogramm für Windows, Mac OS und Linux, das zwar erst seit 2016 am Markt ist, es aber mit tollen Features und einer gut durchdachten Oberfläche innerhalb kürzester Zeit geschafft hat, zu meinem Lieblings-Schreibwerkzeug zu werden.

Jede gute Sache hat ihren Preis

Eines vorab: Write! ist im Gegensatz zu Konkurrenten wie WriteMonkey oder FocusWriter keine Freeware, sondern ein kommerzielles Programm, das in der Anschaffung einmalig mit knapp 20 Euro ($ 19,95 + 19% MwSt) zu Buche schlägt. Der Gutscheincode SPECIAL10 sichert einem hierauf 10% Rabatt (wobei ich natürlich nicht weiß, wie lange dieser gültig ist).

Für diesen Preis sichert man sich eine lebenslange Lizenz für Write! inklusive der laufenden Updates. Ausgenommen hiervon ist lediglich die Nutzung der Write!-Cloud, in der man beliebig viele Dokumente speichern und zwischen unterschiedlichen Rechnern synchronisieren kann. Die Nutzung der Write!-Cloud ist für ein Jahr im Kauf des Programms mit inbegriffen, anschließend fallen ca. 5 € ($ 4,95 + 19% MwSt) pro Jahr dafür an.

Ich persönlich finde die Jahresgebühr von runden fünf Euro für die Nutzung der Cloud sehr moderat und fair, da hierin unbegrenzter Cloud-Speicher für beliebig viele Dokumente und die automatische Sicherung und Synchronisierung aller Dokumente enthalten ist.

Doch selbstverständlich kann man Write! auch ohne die Cloud-Funktionalität nutzen, wenn man Abo-Modelle mit laufenden Gebühren generell ablehnt. Speichert man lokale Dokumente beispielsweise in seinem Dropbox-Account, können diese auch ohne die Write!-Cloud zwischen Desktop, Laptop u.ä. synchronisiert werden.

Es ist also wie immer eine Frage der persönlichen Präferenzen. Ich persönlich nutze Write! so häufig, dass ich gerne einen kleinen jährlichen Obolus für den zusätzlichen Komfort der Write!-Cloud zahle, doch man kann das Programm auch ohne weitere Zahlungen dauerhaft nutzen.

Warum ich Write! für die beste Schreibumgebung unter Windows halte

Bevor ich Write! für mich entdeckt hatte, waren meine beiden Zenware-Favoriten ganz klar WriteMonkey und FocusWriter, von denen jedes seine individuellen Stärken hat.

Bei FocusWriter ist das ganz klar die Möglichkeit, parallel mit mehreren in unterschiedlichen Tabs geöffneten Dokumenten zu arbeiten und für die Arbeit an unterschiedlichen Projekten verschiedene Schreibumgebungen inklusive der darin geöffneten Dokumente zu definieren. So kann man beispielsweise bei einem Roman-Projekt das eigentliche Manuskript, die Recherche-Unterlagen, die Gliederung und ein separates File für Notizen zu einer Schreibumgebung zusammenfassen und parallel geöffnet halten.

Bei WriteMonkey ist es so, dass sich das Programm anfangs als bessere Version des von seinem Entwickler schon damals nicht mehr weiter entwickelten Q10 verstand und im Laufe der Zeit bis zur aktuellen Version 2.7 immer neue tolle Features in diese Oberfläche eingebunden hatte. Ab der Beta der neuen Version 3, die eine völlige Neuentwicklung darstellt und vom Programmcode her so gut wie nichts mehr mit dem alten WriteMonkey zu tun hat, speichert WriteMonkey alle Texte in erster Linie in seiner internen Datenbank und nicht mehr als einzelne, eigenständige Textdokumente. Das ist vermutlich auch der Grund, warum ich trotz der gelungenen neuen Benutzeroberfläche (die mich ein wenig an die von Write! erinnert), mit dem neuen WriteMonkey niemals so richtig warm werden konnte: Meine Schreibprojekte sind nach Ordnern in meiner Dropbox organisiert, in denen ich auch alle anderen Projektunterlagen ablege – insofern kann ich mich mit dem Konzept einer zentralen Text-Datenbank nicht wirklich anfreunden.

Write! vereint die Stärken von FocusWriter und von WriteMonkey unter einem Dach: es bietet sowohl die Schreibumgebungen und die Tabs für parallel geöffnete Dokumente von FocusWriter als auch die Markdown-Unterstützung und so praktische Möglichkeiten wie das “Zuklappen” von Textabschnitten über ihre Überschriften, die sowohl Microsoft Word (ab Version 2013) als auch die Beta von WriteMonkey 3 bieten.

Schreiben in der Cloud oder lokal: Ihre Entscheidung!

Write! bietet, wie bereits weiter oben erwähnt, sowohl die Speicherung in seinem eigenen, cloudbasierten Dateisystem (inklusive beliebig vielen Ordnern und Unterordern) als auch die Arbeit mit einzelnen Textdateien innerhalb des normalen Windows-Dateisystems. So kann man die per Tastendruck ausblendbare Datei-Seitenleiste jederzeit zwischen dem Cloudspeicher und einem beliebigen, jederzeit wechselbaren Dateiordner auf dem eigenen Rechner umschalten.

In den Optionen kann man sogar einstellen, ob neue Dateien standardmäßig im Cloud-Ordner oder als lokale Dateien angelegt werden sollen. Write! versucht also nicht, den Anwender zu einer bestimmten Arbeitsweise zu zwingen, bietet einem aber alle Möglichkeiten an – aus meiner Sicht die optimale Lösung.

Obwohl jede Installation von Write! an einen Online-Account gebunden ist, über den auch die Cloud-Speicherung und die Synchronisierung erfolgen, kann man Write! auch offline verwenden, um beispielsweise im Urlaub auch ohne Internet-Zugriff an seinen lokal gespeicherten Dokumenten arbeiten zu können. Sie müssen lediglich alle zwei Wochen einmal kurz online gehen, was aber normalerweise kein Problem sein sollte.

Die Bindung des Programms an einen Write!-Account hat neben der Synchronisierung der Daten den Vorteil, dass man Write! mit einer einzigen Lizenz parallel auf beliebig vielen Rechnern installieren kann – also z. B. Desktop-PC, Laptop und Netbook.

Visuelles Markdown

Sehr schön gelöst finde ich die visuelle Markdown-Darstellung in Write. Während andere Markdown-Editoren oft nur den reinen Textanteil am Bildschirm darstellen und die Markdown-Formatierungsbefehle lediglich farblich vom eigentlichen Textanteil abheben, wandelt Write! Eingaben im Markdown-Format (z. B. # für eine Überschrift) am Bildschirm direkt in die entsprechende Formatierung um, so dass das Dokument, wie man es am Bildschirm sieht, direkt druckreif aussieht.

Zugleich kann man über die Optionen einstellen, dass ein einziger Druck auf ENTER genügt, um einen neuen Absatz zu beginnen. Das manuelle Einfügen einer Leerzeile durch zweimaliges ENTER entfällt, so dass man seinen Text auch wie in einer normalen Textverarbeitung schreiben kann.

Die Markdown-Formatierung während der Texteingabe hat auch den Vorteil, dass man zum Formatieren von Text niemals die Finger von der Tastatur nehmen und zur Maus greifen muss. Alternativ kann man eine Textpassage markieren und dann mit STRG + Leertaste ein Kontextmenü für die Formatierung öffnen – auch hier alles ganz ohne Maus.

Auch für die optische Aufbereitung des Dokuments am Bildschirm bietet Write! ein gutes Dutzend unterschiedlicher Themes (eine Kombination aus Schriftart und vordefinierten Absatzformaten für Überschriften und normalen Text). Diese lassen sich im Gegensatz zu anderen Programmen zwar (zumindest in der aktuellen Version) nicht erweitern oder an die eigenen Vorstellungen anpassen, decken aber bereits alles ab, was man benötigt. Mein persönlicher Favorit ist das “Classic”-Theme, das ich bei mir als Default-Einstellung für neue Dokumente festgelegt habe.

Komfortable Navigation innerhalb längerer Manuskripte

Im Gegensatz zu den meisten anderen Zenware-Schreibprogrammen ist Write! nicht nur für kürzere Dokumente wie Blogposts oder einzelne Kapitel eines Buchprojekts geeignet, sondern sorgt auch bei umfangreichen Manuskripten dafür, dass man beim Schreiben jederzeit die Übersicht behält und jederzeit im Handumdrehen zur gerade benötigten Manuskriptstelle manövrieren kann.

Einerseits wird am rechten Bildschirmrand eine (ausblendbare) Navigationsleiste in Form einer miniaturisierten Vorschau des Dokuments angezeigt, über die man schnell zu jeder beliebigen Stelle des Dokuments springen kann. Bei längeren Manuskripten von mehr als ein paar Seiten nützt einem das zwar relativ wenig, doch bei kürzeren Dokumenten kann man hier den sichtbaren Bildschirmausschnitt schnell und komfortabel per Drag&Drop verschieben.

Seit Version 1.32 bietet Write! innerhalb der Dokumentenübersicht (egal ob Cloud oder lokale Dateien) die Möglichkeit, die Gliederung von durch Überschriften im Markdown-Format (#, ##, ###…) strukturierten (und aktuell geöffneten) Manuskripten wie Ordner aufzuklappen, so dass die einzelnen Überschriften auf den unterschiedlichen Ebenen angezeigt werden. Die aktuelle Überschrift (also das Kapitel / der Abschnitt, an dem man momentan arbeitet) ist durch Fettdruck hervorgehoben und man kann einfach durch Anklicken einer beliebigen Überschrift direkt zu dieser Stelle im Manuskript springen.

Auf diese Weise ist es ohne weiteres Möglich, ebenso wie beispielsweise in Microsoft Word ein komplettes Buchmanuskript in einer einzelnen Datei zu bearbeiten, ohne dass dabei die Übersichtlichkeit verloren gehen würde.

Export von Dateien

Unabhängig davon, ob man seine Texte in der Cloud speichert oder mit lokalen Dateien arbeitet, kann man die fertigen Manuskripte jederzeit in den unterschiedlichsten Formaten von reinem Text über Markdown, HTML und Word-Dokument bis hin zum PDF exportieren.

Man muss sich also keine Gedanken mehr über irgendwelche Zusatzsoftware machen, mit der man sein in Markdown geschriebenes Manuskript später ins Word-Format oder ins HTML-Format für die Veröffentlichung auf einer Webseite oder in einem Blog konvertieren kann. Auch hier bietet Write! sozusagen “alles unter einem Dach” – eben eine wirkliche All-In-One-Lösung für Blogger, Journalisten und Schriftsteller.

Fazit

Wer sich nun fragt, ob Write! das richtige Schreibprogramm für ihn ist, sollte sich zunächst überlegen, welche Arten von Texten er schreiben möchte und welche Hilfsmittel er dafür benötigt.

Wer komplexe Schreibprojekte wie epische Romane oder umfangreiche Sachbücher plant und von einem Schreibprogramm erwartet, dass er auch die Planung, Recherche und Struktur hiermit abbilden kann, ist mit einem Programm wie Scrivener unter Umständen besser beraten. Features wie eine Pinnwand oder einen Gliederungs-Editor mit Notizen sucht man in Write! vergeblich. Doch wer bisher seine Texte mit Word, OpenOffice oder einem Zenware-Schreibprogramm wie WriteMonkey oder FocusWriter verfasst hat, dürfte mit Write! eine perfekte Schreibumgebung finden.

Mir gefallen in der aktuellen Version besonders die integrierte deutsche Rechtschreibprüfung, die komfortable Dateiverwaltung, die Formatierungs- und Exportfunktionen und last not least die Möglichkeit, für die parallele Arbeit an unterschiedlichen Projekten separate Schreibumgebungen einzurichten.

Ich sage bewusst “in der aktuellen Version”, denn bei Write! merkt man, dass hier ein engagiertes Entwicklerteam an der Arbeit ist, die den Vorsatz haben, ein wirklich großartiges Schreibprogramm zu erschaffen: Seit Write! Anfang 2016 die Beta-Phase verlassen hat, kommt quasi jeden Monat ein neues Update mit gut durchdachten zusätzlichen Funktionen, die die Arbeit mit Write! noch komfortabler und angenehmer gestalten.

Ich gehe davon aus, dass ich in Zukunft all meine Blogposts, Artikel sowie alle anderen kleineren bis mittleren Schreibprojekte ausschließlich in Write! schreiben werde. Für die Planung und Struktur größerer Projekte nutze ich parallel einen separaten Outliner (RightNote), den ich gerade an meinem großen Desktop-PC sehr komfortabel auf meinem zweiten Monitor geöffnet halten kann.

Von mir gibt es insofern für Write! eine ganz klare Kaufempfehlung.

Sie finden Write! unter https://writeapp.co, wo Sie nach dem Kauf des Programms und der Registrierung Ihres Accounts das Programm wahlweise für Windows, Mac oder Linux herunterladen können.


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3 Gedanken zu „Produktiveres Schreiben mit Write!

  1. Und wieder einmal frage ich mich: Warum sollte ich mir zusätzlich zu Word diese Software anschaffen? Word hat all das, was diese App hat, und mehr. Ich kann mir in Word den Bildschirm so gestalten, dass ich absolut keine Menüs oder störende Symbolleisten oder sonst etwas habe, sondern nur den reinen Schreibbereich. Zudem kann ich meine Dokumente alle kostenlos auf OneDrive speichern und sie dadurch überall und mit allen meinen Geräten abrufen.

    Was ist das mit diesem ablenkungsfreien Schreiben? Abgelenkt werde ich doch nicht von der Software oder irgendwelchen bunten Buttons. Wenn ich mich auf meinen Text konzentriere, sehe ich die gar nicht. Und sollten sie mich stören, kann ich sie in den Einstellungen völlig ausblenden. Also woher kommt die Ablenkung? Wieso gibt es Leute, die meinen, unbedingt eine besondere Software zum Schreiben zu brauchen, die keine störenden Elemente enthält, wenn es das alles doch schon in Word gibt?

    Ich fände es gut, mal einen Artikel dazu zu lesen, warum und wovon Leute sich beim Schreiben ablenken lassen, so dass sie meinen, eine Software oder eine App könnte das Problem lösen. Abgelenkt wird man doch höchstens von Menschen, Hunden, lauten Autos auf der Straße … Und die kann ich mit einer App nicht abstellen. In einer Software lenkt mich nichts ab, höchstens ich selbst.

    Also, lieber Richard, könntest Du mal bitte einen Artikel darüber schreiben, wozu man ablenkungsfreie Apps braucht? ;) WARUM man die braucht? Was das Problem ist? Denn das verstehe ich nicht. Eine normale Textverarbeitung reicht völlig aus. Die hat man sowieso und muss nicht noch extra etwas anderes anschaffen.

    • Liebe Anna,

      hier gehen die persönlichen Vorlieben einfach auseinander. Manche Autoren wie Stephen King schreiben bei lauter Heavy-Metal-Musik, andere Autoren brauchen den Lärm belebter Cafés, um ihre Kreativität zu beflügeln, und noch andere wie ich brauchen klosterartige Stille, um sich aufs Schreiben zu konzentrieren. Genauso ist es mit Schreibprogrammen: Manche Autoren haben parallel mehrere Fenster mit Recherche, Gliederung, ihrem Manuskript und dem Browser auf einem oder mehreren Monitoren drapiert, um alles im Blick zu haben, andere wollen sich beim Schreiben auf den reinen Text konzentrieren.

      Nichts gegen Microsoft Word – ich habe auch mein Office 2016 Professional auf dem Rechner. Aber definitiv nicht zum Schreiben von Rohfassungen. Da will ich keine Menüs oder Ribbons, keine fiktionalen “Seitenränder” und auch keine Windows-Taskleiste sehen – nur einen vollflächig weißen Bildschirm mit meinem Manuskript.

      Programme wie Word, die den Text automatisch mit für die Rohfassung noch völlig unerheblichen Attributen wie Schriftart, Schriftgrad, Seitengröße, Absatzausrichtung, Zeilen- und Absatzabständen etc. verknüpfen, lassen auch die unfertigste, überarbeitungsbedürftigste Rohfassung von der Optik her wie ein professionelles, druckreifes Manuskript erscheinen.

      Wenn ich einen Text in Markdown schreibe, kann ich dem Text die elementaren Formatierungen mitgeben, aber dennoch sieht er am Bildschirm nicht wie ein gedrucktes Buch aus. Um das Layout kümmere ich mich erst, wenn das Buch fertig geschrieben und komplett überarbeitet ist.

      Word hat zwar einen Vollbild-Modus, aber entweder arbeite ich auch dort im Seiten-Layout mit den obengenannten Nachteilen (eine hypothetische druckreife Seite in der Bildschirmmitte vor einem grauen Hintergrund) oder im Weblayout, bei dem ich zwar keine Seitenränder habe, aber dafür die volle Bildschirmbreite mit Text vollgeknallt wird. Bei Zenware-Schreibprogrammen wie Write!, WriteMonkey, FocusWriter oder Q10 kann ich die Breite des Textbereichs beliebig einstellen, ohne dabei an irgendwelchen Seitenlayouts oder Seitengrößen herumpfuschen zu müssen.

      In Zenware-Schreibprogrammen kann ich für die Bildschirmarbeit (also das Schreiben und das spätere Überarbeiten des Manuskripts) eine Schriftart einstellen, die sich am Bildschirm optimal lesen lässt, aber nichts mit der späteren Druckausgabe zu tun hat, und wahlweise jederzeit auf ein anderes Farbschema umschalten (z. B. einen dunklen Bildschirm mit heller Schrift, wenn ich nachts schreibe).

      Last not least verfügt Word nicht über den sehr angenehmen Schreibmaschinenmodus, mit dem ich das Scrolling der Bildschirmseite z. B. auf 30% vom unteren Bildschirmrand entfernt einstellen kann. So starrt man bei längeren Texten nicht immer mit unnatürlich abgeknickter Kopfstellung auf den unteren Bildschirmrand, wo Word zwangsweise scrollt, sondern kann dauerhaft gerade auf den Bildschirm schauen. Das schützt bei längeren Schreibsessions vor Verspannungen in Schultern und Nacken.

      Abgesehen davon gehört Word nicht zur Standardausstattung jedes Windows-PCs, sondern ein Office-Paket schlägt selbst in der nur für Privatanwender (und damit nicht für Schriftsteller, die mit ihren Texten Geld verdienen!) zugelassenen “Home & Student”-Variante mit über 100 Euro zu Buche. Und damit ist Word per se schon einmal deutlich teurer als Scrivener, Write oder die meisten anderen spezialisierten Schreibprogramme.

      Fazit: Man kann Word natürlich verwenden, um darin die Rohfassung eines Romans oder Sachbuchs zu schreiben. Man kann auch einen Sattelschlepper verwenden, um eine Kiste Sprudel aus dem Getränkemarkt zu holen. Beides würde ich persönlich nicht empfehlen – aber die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, und das ist auch gut so. ;-)

  2. Lieber Richard,

    danke für Deine ausführliche Antwort. Aber eins verstehe immer noch nicht.

    Du schreibst:

    „Nichts gegen Microsoft Word – ich habe auch mein Office 2016 Professional auf dem Rechner. Aber definitiv nicht zum Schreiben von Rohfassungen. Da will ich keine Menüs oder Ribbons, keine fiktionalen „Seitenränder” und auch keine Windows-Taskleiste sehen – nur einen vollflächig weißen Bildschirm mit meinem Manuskript.“

    Verstehe ich absolut. Wollte ich auch nicht haben. Aber so sieht mein Word beim Schreiben nicht aus. Das ist nur ein weißes Blatt. Ich sehe genau das, was Du hier oben beschreibst: einen vollflächig weißen Bildschirm, sonst nichts.

    Das mit dem Markdown verstehe ich aufgrund Deiner Erklärung jetzt besser (bislang habe ich mich immer gefragt, wozu man das überhaupt braucht), aber genau das würde mich daran stören: Dass man nicht sieht, wie es dann zum Schluss aussieht. Ich habe noch zu Zeiten mit dem Computer angefangen, als es noch kein WYSIWYG gab, und das war immer eins der Dinge, die mich am meisten gestört haben. Ich konnte Formatierungen eingeben, aber wie es dann wirklich zum Schluss aussieht, habe ich erst gesehen, wenn ich das Dokument gedruckt habe. Hatte viel Papierverschwendung zur Folge. Das ist heute natürlich nicht mehr so, aber wahrscheinlich habe ich von damals da noch ein Trauma. ;)

    Ich schreibe jetzt seit mehr als 20 Jahren, habe immer mal wieder etwas anderes ausprobiert (deshalb lese ich auch Deinen Blog hier. Es ist immer wieder spannend, was für Apps Du findest. Und ich finde das auch immer wieder spannend, das ausprobieren. Ist eine nette Beschäftigung, um sich abzulenken, wenn man mal wieder zu viel geschrieben hat), aber ich kehre immer wieder zu Word zurück. Dort kann ich mir alles so einstellen, wie ich es brauche, was ich in anderen Apps oft vermisse.

    Es ist aber wirklich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Und es ist gut, dass es da Vielfalt gibt, so dass jeder etwas finden kann, das zu ihm passt und seine Bedürfnisse erfüllt.

    Ehrlich gesagt schreibe ich auch gar keine Rohfassungen. Ich schreibe direkt druckreif. Möglicherweise ist das auch der große Unterschied, der mir eine weitere Textverarbeitung so überflüssig erscheinen lässt. Ich schreibe im Drucklayout, da sehe ich dann auch gleich, ob die Länge des Manuskriptes die Anforderungen des Verlages erfüllt, ob es auf die geforderte Anzahl Seiten passt. Und wenn nicht, kann ich es dort anpassen, bis es passt. Das ist jetzt meine persönliche Vorliebe. Ich wette, andere Leute fänden das absolut ätzend. ;) Man kann ja auch die Wörter zählen oder die Zeichen, um dasselbe Ziel zu erreichen. Aber ich habe es gern, wenn ich die Seiten praktisch schon so vor mir sehe, wie sie dann gedruckt werden.

    Somit ist Word für mich das perfekte Programm. Aber allein schon das finanzielle Argument lässt viele andere Textverarbeitungen oder Schreibprogramme durchaus verführerisch erscheinen. Und wenn man Rohfassungen schreibt, sehe ich Deine Argumente absolut ein.

    Allerdings finde ich dann den Ausdruck „ablenkungsfreies Schreiben“ verwirrend, weil es doch wirklich nicht von der Software abhängt, ob man sich ablenken lässt oder nicht. Man kann eine wunderbare „ablenkungsfreie“ Software haben, und trotzdem nützt das nichts, weil man sich eben durch ganz andere Dinge ablenken lässt.

    Den Schreibmaschinenmodus habe ich übrigens auch mal ausprobiert, aber der macht mich verrückt. Erinnert mich zu sehr an die Zeit, als ich tatsächlich noch auf einer Schreibmaschine schreiben musste. Und das war furchtbar. :) Da lobe ich mir doch die heutigen Textverarbeitungen (worin der Schreibmaschinenmodus natürlich viel angenehmer ist als damals die wirklichen Schreibmaschinen, da werden wirklich zwei Welten optimal vereint für diejenigen, die das mögen).

    Vielen Dank für Deine vielen Artikel und Deine Erklärungen! Das ist sehr hilfreich und nützlich, und ich freue mich darüber, dass es Deinen Blog gibt. :)

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