Produktivplan für Schriftsteller (mit Download)

Kennen Sie das auch? Man wirft einen Blick auf den Kalender für die nächsten Wochen und nimmt sich eine Menge vor. Man müsste mal wieder ein paar neue Artikel für sein Blog schreiben und natürlich auch mit dem aktuellen Buchprojekt voran kommen. Dann wäre da noch das neue Buchcover, um das man sich kümmern wollte – und eigentlich sollte man auch die Buchbeschreibungen bei Amazon endlich mal überarbeiten. Ganz zu schweigen von den guten Ideen, die man für das Redesign der eigenen Autorenhomepage hatte und die noch immer nicht umgesetzt sind.

Also stürzt man sich mit frischem Enthusiasmus an die Arbeit, doch schon bald hat einen der schnöde Alltag wieder eingeholt. Neben dem Schreiben gibt es noch so viele andere Dinge, um die man sich auch kümmern muss und natürlich ist es in der Praxis so, dass immer das Rad zuerst geölt wird, das am lautesten quietscht. Und da gibt es immer Dinge, die lauter und nachdrücklicher quietschen als das Schreiben.

Oft ist es sogar so, dass man sich in den Zeiten, die einem tatsächlich zum Schreiben bleiben, kaum entscheiden kann, was man jetzt eigentlich vorrangig in Angriff nehmen sollte. Was hilft, ist eine solide Vorplanung. Und damit meine ich keine zeitraubende, bürokratische Planung, die genau die Zeit verschlingt, die man eigentlich zum Schreiben verwenden wollte. Nein – alles, was man in der Praxis tatsächlich braucht, ist ein einzelnes Blatt, das einem auf einen Blick zeigt, worum man sich wann mit Vorrang kümmern sollte.

Vier Wochen auf einen Blick

Für diesen Zweck habe ich mir einen Vier-Wochen-Planer angelegt – ein querformatiges A4-Blatt, das nebeneinander meine Prioritäten für die nächsten Wochen auflistet.

Diese Vorplanung kostet nicht viel Zeit, hat sich für mich aber als äußerst effektiv erwiesen. Am Sonntag Nachmittag der jeweils letzten Woche eines Vier-Wochen-Blocks setze ich mich an meinen Schreibtisch und plane in groben Zügen, worum ich mich in den nächsten vier Wochen kümmern muss, sollte oder möchte. Das dauert in der Praxis nicht lange – selten länger als eine halbe Stunde.

Vier Wochen ist dabei aus meiner Sicht ein wesentlich besserer Planungsrythmus als ein Monat, obwohl der rechnerische Unterschied im Schnitt nicht mehr als 2-3 Tage beträgt. Ein Monat beginnt und endet üblicherweise mitten in der Woche, während ich auf diese Weise vier komplette Wochen mit jeweils fünf normalen Werktagen und einem Wochenende durchplanen kann.

Wochenplaner

Der obere Bereich ist für die einzelnen Tage. Neben „Woche 1“ bis „Woche 4“ trage ich jeweils kurz ein, von wann bis wann diese Woche geht – z. B. neben „Woche 1“ also „21.07 – 27.07“.

Wochenend-, Urlaubs- und Feiertage markiere ich nach dem Ausdrucken in der Tagesübersicht mit gelbem Textmarker, damit ich auf einen Blick sehe, an welchen Tage ich mehr Zeit als normal fürs Schreiben einplanen kann. Das ist natürlich nicht unbedingt notwendig, aber ich finde, dass es die Übersicht verbessert.

Ansonsten trage ich bei den einzelnen Tagen nur die Dinge ein, die wirklich genau an diesem Tag passieren müssen.Solche wirklich festen Termine gibt es nicht allzu viele. Diese Zeilen bleiben daher meistens leer, so dass eine zeitkritische Aufgabe, die tatsächlich in diesem Bereich landet, einem umso schneller ins Auge springt.

Wochenschwerpunkte

Alle anderen Aufgaben, die nicht genau am Tag X erledigt werden müssen, kommen in die freien Zeilen im unteren Bereich. Dort habe ich Platz für bis zu 20 Dinge, um die ich mich in dieser Woche kümmern muss oder will – für eine normale Woche mehr als genug. Je weniger Aufgaben man pro Woche eintragen will, desto mehr Platz hat man natürlich für die einzelne Aufgabe, um sie ggf. auch über mehrere Zeilen hinweg exakt zu formulieren – wobei man den Platz natürlich nicht komplett ausnutzen muss oder sollte. Während der Woche kommen meist noch irgendwelche Sachen dazu, die man nicht eingeplant hatte oder gar nicht einplanen konnte. Mails, die man beantworten oder andere Dinge, auf die man reagieren muss. Generell gilt: Woche 1 kann man recht präzise planen – bei den Wochen 2, 3 und erst recht 4 muss man deutlich mehr freien Platz für ungeplante Dinge lassen.

Doch das bedeutet nicht, dass die Planung für diese Wochen unwichtig ist. Ganz im Gegenteil. Dadurch, dass ich für diese Wochen zumindet die Aufgaben eintrage, die ich in dieser Woche unbedingt erledigen will/muss und die  Projekte eintrage, an denen ich in jedem Fall arbeiten will, verhindere ich, dass diese Dinge durch die ungeplanten, neu hinzugekommenen Aufgaben in den Hintergrund gedrängt und schließlich vergessen werden. Allein das ist Gold wert.

Die Projektblöcke

Rechts von den vier Wochen-Spalten habe ich schließlich noch Platz für meine aktuellen Top-3-Projekte. Natürlich muss ich nicht alle drei Blöcke nutzen, aber drei ist das absolute Maximum an Projekten, an denen ich parallel innerhalb eines Vier-Wochen-Blocks arbeite.

Damit sind natürlich keine einzelnen Aufgaben oder Kleinigkeiten gemeint, die innerhalb von maximal drei Stunden erledigt und abgeschlossen werden können, sondern größere Projekte, die sich bis zu ihrem erfolgreichen Abschluss über mehrere Wochen oder gar Monate ziehen.

In die drei „Projektblöcke“ am rechten Rand (von denen ich meist nur zwei brauche) schreibe ich die jeweils nächsten (und wichtigsten!) Schritte des jeweiligen Projekts in der Reihenfolge, in der ich diese in Angriff nehmen sollte – aber keinesfalls mehr, als ich innerhalb der nächsten vier Wochen realistisch schaffen kann.

Beispiel: Wenn der nächste Schritt für ein Romanprojekt das Fertigstellen der Rohfassung ist, ich dafür aber noch mindestens sechs Wochen brauche, kommt in den „Projektblock“ ausschließlich „Schreiben der Rohfassung“ und keiner der darauf folgenden Überarbeitungsschritte – denn diese beginnen frühstens im nächsten 4-Wochen-Block.

Im Wochenplan (also den freien Aufgabenzeilen unterhalb der vier Wochen) brauche ich dann als Aufgabe nur noch den Namen des Projekts einzutragen (z.B. „Roman Resurrection“). Für die konkreten Aufgaben muss ich dann nur rechts im Projektblock schauen. Das spart Zeit, verbessert die Übersichtlichkeit und ist wunderbar flexibel. Denn wenn ich voraussichtlich irgendwann in Woche drei oder Woche vier zum nächsten Schritt eines Projekts komme – wo soll ich ihn eintragen? Steht die Aufgabe im „Projektblock“, kann ich sowohl in Woche 3 als auch in Woche 4 einfach auf das Projekt verweisen. Das ist in der Praxis viel einfacher und viel besser.

Der fertige Plan

WochenplanerEin fertiger Vier-Wochen-Plan sieht bei mir ungefähr so aus, wie auf dem Screenshot auf der linken Seite zu sehen.

Ich fülle das Formblatt meistens direkt am PC aus und drucke es mir anschließend aus. Neu dazu kommende Aufgaben (die gibt es natürlich immer) oder solche, die ich schlicht und einfach bei der Wochenplanung vergessen habe, ergänze ich später noch von Hand. Das hat zusätzlich noch den Vorteil, dass ich am Ende der vier Wochen genau erkennen kann, welche Aufgaben geplant waren und welche ich nachträglich ergänzt habe.

Wenn zu viel dazu gekommen ist und dafür andere, eigentlich fest geplante Aufgaben auf der Strecke geblieben sind, zeigt das klare Schwächen in meiner Planung, die ich dann beim nächsten Mal (hoffentlich) vermeiden kann.

Wenn man das Blatt lieber von Hand ausfüllt, kann man denselben Effekt erreichen, indem man unterschiedliche Stifte/Farben für geplante bzw. ungeplant hinzugekommene Aufgaben verwendet – z.B. schwarz für die ursprüngliche Planung und rot für nachträglich ergänzte, ungeplante Aufgaben.

Vorlagen zum Download

Sie können sich den Produktivplan in zwei Varianten herunterladen: als leere Variante zum Ausfüllen von Hand und als zum Ausfüllen am PC vorbereitete Vorlage:

Zum Ausfüllen am PC benötigen Sie ein geeignetes Programm zum Bearbeiten von PDFs. Mein Favorit ist der PDF Xchange Viewer. Mit diesem kostenlosen Tool können Sie das PDF-Formular nicht nur ausfüllen und ausdrucken, sondern es sogar ausgefüllt abspeichern.

Um eines der Textfelder auszufüllen, machen Sie einfach einen Doppelklick auf den bereits vorhandenen Text bzw. Platzhalter. Sie können auch eine andere Schriftart zum Ausfüllen verwenden (z.B. eine schmalere Schrift wie Calibri oder Arial Narrow, um mehr Text in die einzelnen Zeilen zu bekommen).Allerdings sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Sie die Schrifthöhe beibehalten, da sonst die Zeilenabstände nicht mehr stimmen und Sie beim Ausfüllen sonst nicht mehr sauber in den Leerzeilen der Vorlage landen. Das sieht dann besch…eiden aus.

Falls Sie Probleme mit dem Ausfüllen am PC haben sollten oder Ihnen dies zu umständlich ist, können Sie sich stattdessen einfach die leere Vorlage ausdrucken und diese dann von Hand ausfüllen.

Probieren Sie es aus

Lassen Sie es einfach mal auf einen Versuch ankommen: Laden Sie sich die Vorlage herunter, nehmen Sie sich eine halbe Stunde bis maximal eine Stunde Zeit (beim ersten Mal dauert es erfahrungsgemäß immer etwas länger) und planen Sie, was Sie in den nächsten vier Wochen bezogen aufs kreative Schreiben machen wollen.

Denken Sie an alle unterschiedlichen Bereiche: Ideensammlung, Planung, Schreiben, Revision, Veröffentlichung von Texten und Büchern, Bloggen und, wenn Sie bereits Bücher veröffentlicht haben, natürlich alle geplanten Maßnahmen rund ums Buchmarketing.

Versuchen Sie innerhalb der nächsten vier Wochen, Ihren Plan so gut wie möglich umzusetzen. Bleiben Sie flexibel, wenn es erforderlich ist, aber verlieren Sie die geplanten Ziele niemals aus den Augen.

Der ausgefüllte Produktivplan ist die Basis für Ihre tägliche Arbeit. Machen Sie während Ihrer Schreibzeit nichts, was nicht auf Ihrem Plan steht. Wenn es wirklich gemacht werden muss, ergänzen Sie es zuerst in Ihrer Liste. Wenn es hingegen nicht dringend ist, halten Sie sich an Ihren ursprünglichen Plan und notieren diese neue Idee/Aufgabe für den nächsten 4-Wochen-Block. Diese Selbstdisziplin ist es, die Sie auf Kurs hält und dafür sorgt, dass Sie Ihre Schreibziele wirklich erreichen.

Wenn Sie in vier Wochen zurückschauen, werden Sie den Unterschied merken. Vielleicht stellen Sie sogar fest, dass Sie mit dieser Methode in vier Wochen besser mit Ihren Projekten voran gekommen sind als sonst in einem ganzen Vierteljahr.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und würde mich freuen, von Ihren perönlichen Erfahrunge mit dem Produktivplan zu hören.

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3 Gedanken zu “Produktivplan für Schriftsteller (mit Download)

  1. Danke schön, das kommt für mich genau zum richtigen Zeitpunkt.
    Ich bin ursprünglich wegen des Artikels zum „Kindle unlimited“ auf diesen Blog gestossen. Da ich mir nun endlich vorgenommen habe, meine erste Geschichte(n) fertig zu schreiben und zu veröffentlichen.
    Dann wurde ich neugierig und sah diesen Artikel. Eine tolle Einteilung, werde ich mir morgen gleich mal ausdrucken und am Wochenende ausprobieren.
    :D

  2. Pingback: Schreiballtag: Planung und Zeitmanagement | Dahlia schreibt

  3. Pingback: Minnesang & WortMord | Gut geplant ist halb geschrieben | little edition

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