Prime Reading: Was Amazons neue Lese-Flatrate für Autoren bedeutet

Seit den Anfangstagen der eReader hat Amazon immer wieder den eReading- und Selfpublishing-Markt vorangetrieben und mit Neuerungen durcheinander gewirbelt. Vor einigen Jahren öffnete Amazon mit seinem Selfpublishing-Portal KDP (Kindle Direct Publishing) für jeden Autor die Möglichkeit, seine Bücher kostenlos und mit verlockend hohen Tantiemen im eBook-Format über Amazon zu veröffentlichen.

2014 folgte die gerade unter Autoren nicht unumstrittene Lese-Flatrate “Kindle Unlimited”, bei der Ausleihen zunächst mit einer Pauschale pro ausgeliehenem Exemplar vergütet wurde, was später auf eine Vergütung nach gelesenen Seiten umgestellt wurde. Wer sein Buch über “KDP Select” exklusiv über Amazon veröffentlicht hatte, um beispielsweise die Möglichkeit zu haben, sein Buch an bis zu fünf Tagen pro Quartal kostenlos anzubieten, musste dieses Buch ab jetzt zugleich auch automatisch für die hauseigene Kindle-Unlimited-Leseflatrate freigeben – auch wenn die Vergütung pro gelesener Seite immer niedriger wurde und mittlerweile unter 0,3 Cent gefallen ist.

Doch ab dieser Woche wirbelt Amazon den eBook-Markt wieder mal mit einer neuen Lese-Flatrate durcheinander: Prime Reading

“Prime Reading” für Leser

Die neue Lese-Flatrate “Prime Reading” hat nichts mit Amazons ‘großer’ Lese-Flatrate “Kindle Unlimited” zu tun, für die Kunden monatlich 9,99 € bezahlen müssen. Auch wenn beide Flatrates auf den ersten Blick gewisse Gemeinsamkeiten haben, wie das der Kunde parallel bis zu zehn Bücher ausleihen und lesen kann, handelt es sich um zwei voneinander unabhängige Angebote, die zukünftig parallel zueinander existieren werden.

Im Gegensatz zu “Kindle Unlimited”, für das der Kunde aufs Jahr gerechnet knappe 120 Euro zahlt, steht die neue Lese-Flatrate “Prime Reading” allen Amazon-Kunden zur Verfügung, die über eine Prime-Mitgliedschaft verfügen – ähnlich wie die “Kindle Leihbücherei”, über die Prime-Kunden auch bisher schon jeden Monat ein Buch kostenlos zum Lesen ausleihen konnten.

Und während man für das Ausleihen von Büchern über “Kindle Unlimited” oder die “Kindle Leihbücherei” tatsächlich einen Kindle-eReader oder ein Fire-Tablet benötigt, kann man das Angebot von “Prime Reading” auch per Tablet oder Smartphone nutzen.

Amazon Prime ist von einer Versandkosten-Flatrate im Laufe der Zeit zu einer Art “All-Inclusive-Paket” von Amazon geworden: Mittlerweile kann man (neben dem kostenlosen Versand von direkt über Amazon gelieferten Artikeln) auch per “Amazon Music” kostenlos Musik streamen, per “Amazon Instant Video” zahllose Filme und Serien kostenlos online anschauen, seine Fotos in der Cloud speichern und monatlich ein Buch über die “Kindle Leihbücherei” ausleihen.

Und jetzt kommt eben noch “Prime Reading” dazu – sozusagen der kleine Bruder von “Kindle Unlimited”. Denn während man als Leser bei “Kindle Unlimited” Zugriff auf über eine Million Bücher hat (u.a. alle Bücher von Selfpublishern, die ihre Bücher auch für “KDP Select” angemeldet haben) besteht das Sortiment bei “Prime Reading” lediglich aus ca. 500 Büchern und Zeitschriften, die dafür allerdings periodisch (vermutlich ungefähr alle drei Monate) wechseln werden.

Für mich sieht das neue “Prime Reading”-Angebot ein wenig danach aus, als ob man mit dem recht überschaubaren Prime-Reading-Sortiment die Prime-Kunden für das Prinzip einer Lese-Flatrate begeistern will, damit diese dann früher oder später auf das teurere “Kindle Unlimited” umsteigen. Also ähnlich wie beim ebenfalls in Amazon Prime enthaltenen “Amazon Music”, das mit “Amazon Music Unlimited” mittlerweile auch einen kostenpflichtigen großen Bruder erhalten hat.

Während “Prime Reading” für extreme Vielleser, die bereits über ein Kindle-Unlimited-Abo verfügen, relativ uninteressant sein dürfte, wird die neue Lese-Flatrate zweifellos jede Menge Fans unter den rund 17 Millionen Prime-Kunden in Deutschland finden.

Wer nur alle paar Wochen mal ein Buch liest und bereits eine Prime-Mitgliedschaft hat, dürfte zukünftig vermutlich weniger Bücher als bisher kaufen und sich stattdessen aus dem von Amazon recht abwechslungsreich zusammengestellten Prime-Reading-Sortiment bedienen.

“Prime Reading” und die Bestsellerlisten

Schon jetzt zeigt sich in Amazons Bestseller-Listen, wie sehr die neue Leser-Flatrate diese beeinflusst. Denn wenn man hier mal etwas genauer vergleicht, fällt einem auf, dass sich in den Top-100 fast nur noch Titel tummeln, die auch in “Prime Reading” enthalten sind, da die Ausleihen über “Prime Reading” genau wie normale Verkäufe gewertet werden.

Bei 17 Millionen Prime-Kunden, die diese Bücher theoretisch ausleihen können, kann man sich vorstellen, dass diese neu gewonnene Sichtbarkeit den in “Prime Reading” enthaltenen Büchern einen gewaltigen Popularitätsschub bringt.

Doch auch wenn die Auswirkungen der neuen Lese-Flatrate auf die Bestseller-Listen zweifellos auch mittel- und langfristig groß sein werden, muss man doch erst mal die ersten 2-3 Monate abwarten, um realistisch beurteilen zu können, ob ein Platz im Prime-Reading-Sortiment tatsächlich zum einzigen Weg für eine Top-100-Platzierung wird.

“Prime Reading” ist in Deutschland erst wenige Tage alt und hat noch den Reiz des Neuen – auf gut Deutsch: Millionen Menschen leihen jede Menge eBooks aus, um das neue Inklusiv-Angebot zu testen.

Nach den ersten paar Wochen dürften die Auswirkungen auf die Top-100 sich schon etwas reduzieren, da die meisten Leser die für sie interessanten Bücher bereits ausgeliehen (wenn auch vielleicht noch nicht gelesen) haben.

Der nächste Schub ist dann wohl erst wieder zu erwarten, wenn Amazon in runden drei Monaten das Prime-Reading-Sortiment austauscht und den interessierten Lesern einen Schwung neuen Lesefutters zur Verfügung stellt.

“Prime Reading” für Autoren

Während jeder Autor durch die exklusive Anmeldung seines Buchs für “KDP Select” sein Buch auch für die Lese-Flatrate “Kindle Unlimited” freigeben kann, tauchen in “Prime Reading” nur von Amazon ausgewählte Bücher aus, deren Autoren (bzw. Verlage) sich bereiterklärt haben, Amazon die Rechte für die zeitlich befristete Listung iim Prime-Reading-Sortiment gegen eine einmalige Pauschalzahlung einzuräumen.

Die Höhe dieser Zahlung liegt üblicherweise im Bereich zwischen 200 € und 1.000 € und hängt vom bisherigen finanziellen Erfolg des jeweiligen Buchs ab.

Auch wenn die meisten Selfpublisher wohl niemals ein Angebot von Amazon erhalten werden, eines ihrer Bücher für “Prime Reading” freizugeben, hat die Einführung der neuen Lese-Flatrate dennoch signifikante Auswirkungen auf die zukünftige Veröffentlichungs-Strategie.

Obwohl natürlich auch weiterhin die über “Kindle Unlimited” gelesenen Seiten in die Berechnung der Amazon-Bestseller-Listen einfließen, wird deren Einfluss durch das neue “Prime Reading” deutlich zurückgehen. Nach den ersten paar Monaten der neuen Lese-Flatrate dürften daher viele Selfpublisher ihre Entscheidung, ihr Buch für “KDP Select” und damit auch für “Kindle Unlimited” freizugeben, noch einmal kritisch überdenken. Denn während bisher die Kindle-Unlimited-Vielleser ein Buch schnell in die gut sichtbaren Top-100 hieven (und damit auch die Verkäufe der anderen Bücher des Autors ankurbeln) konnten, geht der Einfluss dieser Vielleser zukünftig durch die Millionen Prime-Reading-Kunden deutlich zurück.

Doch auch wer als erfolgreicher Selfpublisher ein Angebot erhält, eines seiner bereits kommerziell erfolgreichen Bücher gegen eine Pauschalzahlung zeitlich befristet für “Prime Reading” freizugeben, sollte genau überlegen, ob sich dieses Angebot für ihn wirklich rechnet.

Ganz klar: eine Listung in “Prime Reading” bedeutet für ein Buch eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für einen gut sichtbaren Platz in den Top-100. Wer als Selfpublisher bereits eine ganze Reihe Bücher veröffentlicht hat, kann also damit rechnen, dass viele begeisterte Prime-Reading-Leser anschließend auch weitere seiner Bücher kaufen werden. Wer hingegen nur dieses eine Buch veröffentlicht hat, kann den Popularitäts-Schub durch eine gute Platzierung in den Top-100 kaum in Geld umwandeln.

Solange das Buch im Prime-Reading-Sortiment enthalten ist, wird es kaum jemand kaufen (da schließlich mehr als jeder dritte Amazon-Kunde auch Prime-Kunde ist). Und sobald das Buch im Rahmen des nächsten Sortimentswechsels aus “Prime Reading” verschwindet, ist es kommerziell gesehen ausgebrannt. Wer es lesen wollte, wird es bis dahin kostenlos ausgeliehen und gelesen haben; die Verkäufe nach drei Monaten “Prime Reading” dürften nur noch auf einem recht niedrigen Stand vor sich hin dümpeln.

Fazit: Wer als Selfpublisher von Amazon das Angebot erhält, eines seiner Bücher für das Prime-Reading-Sortiment freizugeben, sollte es sich genau überlegen. Selbst wenn das Buch in dieser Zeit durch den damit verbundenen Popularitätsschub zehntausende von Malen ausgeliehen und gelesen wird, bekommt man als Autor dafür neben der im Vorfeld vereinbarten recht niedrigen Pauschale von maximal 1000 Euro keinen Cent. So etwas rechnet sich überwiegend dann, wenn das Buch bereits den Zenit seines kommerziellen Erfolgs überschritten hat und nun noch dabei helfen kann, die Bekanntheit des Autors zu erhöhen und mit etwas Glück neue Leser für seine anderen Bücher zu begeistern.

Für alle anderen Autoren, die bisher “KDP Select” nutzen und ihre Bücher damit für die Kindle-Unlimited-Leihbibliothek freigeben, wird sich irgendwann die Frage stellen, ob dieser Exklusiv-Deal mit Amazon sich weiterhin rechnet oder ob es vielleicht doch lohnender ist, die eigenen Bücher parallel auch über andere Buchhändler und für andere eReader wie den Tolino anzubieten, statt sich auf Gedeih und Verderb exklusiv an Amazon zu binden. Eine breitere Plattform ist meiner Meinung nach immer besser, als alle Eier in einen Korb zu legen. Aber das ist eine Entscheidung, die letztendlich jeder Autor für sich selbst treffen muss.

Kindle Storyteller Award 2016: 30.000 Euro für das beste Manuskript

Schreibwettbewerbe gibt es viele, die meisten davon für Kurzgeschichten. Schreibwettbewerbe für komplette Romane sind da schon seltener – und erst recht solche, bei denen sich das Gewinnen so richtig lohnt.

In diese seltene Kategorie fällt der Kindle Storyteller Award, der zur Zeit wie bereits im vergangenen Jahr von Amazon in Zusammenarbeit mit Focus und dem Freien Deutschen Autorenverband organisiert wird.

Noch bis zum 15.09.2016 haben ambitionierte Selfpublisher die Möglichkeit, ihr Manuskript über Amazon KDP zu veröffentlichen und damit gleichzeitig am diesjährigen Kindle Storyteller Wettbewerb teilzunehmen. Weiterlesen

Leseflatrates – schöne neue eBook-Welt?

“Ich habe die Zukunft gesehen, und sie wird nicht funktionieren.” Dieser Satz des amerikanischen Kolumnisten Paul Krugman (der sich im ursprünglichen Kontext auf seine Bilanz einer China-Reise bezog) würde perfekt zu einem Artikel über die Zukunft des Selfpublishings passen – jedenfalls für Autoren, die das Schreiben nicht nur als schönes Hobby, sondern auch als veritablen Nebenverdienst oder gar als ihr Haupteinkommen sehen. Denn der große Ausverkauf hat bereits begonnen.

Ich kann an dieser Stelle förmlich die skeptisch hochgezogenen Augenbrauen vieler Leser vor mir sehen. Haben wir denn nicht die schöne neue Welt des Selfpublishings, in der es keine mächtigen Schwellenwächter in Form von Lektoren, Literaturagenten und Verlagen mehr gibt, sondern in der jeder Schriftsteller seine Bücher einfach und unkompliziert selbst veröffentlichen kann?

Beides ist korrekt – und es passt leider nur zu gut zusammen. Wir befinden uns, was die Welt der Autoren angeht, gerade mitten in der zweiten digitalen Revolution – einer leisen, unauffälligen Revolution, die schleichend und auf leisen Sohlen die tönernen Füße der schönen neuen Selfpublishing-Welt unterspült und sie nach und nach zusammenbrechen lässt. Nicht mit einem lauten Knall wie ein Hochhaus, das in sich zusammen stürzt, sondern eher wie die kleinen Pfahlbauten einer Siedlung, die nach und nach verrotten, in sich zusammensinken und in den Fluten verschwinden, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Wenn man früher ein Buch veröffentlichen wollte, gab es fast nur den Weg über die klassischen Verlage. Selfpublishing gab es zwar auch schon in früheren Jahrhunderten (mit renommierten Beispielen von Gotthold Ephraim Lessing bis zu Marcel Proust), doch war dies damals eine teure und finanziell riskante Unternehmung.

Erst Ende der 90er Jahre kamen Selfpublishing-Anbieter wie BoD, über die die Autoren ihre Werke mit geringem finanziellem Einsatz in gedruckte Bücher verwandeln konnten, die dann (oft mehr theoretisch als praktisch) über jede Buchhandlung bestellt werden konnten.

Doch den wahren Selfpublishing-Boom löste Amazon mit dem Kindle aus, der einen rasanten Vormasch der zuvor eher als Nischenprodukt belächelten eReader auslöste – nicht zuletzt auch durch Amazon KDP. KDP bot erstmals jedem Autor die Möglichkeit, sein Buch völlig kostenlos auf dem weltgrößten Marktplatz für elektronische Bücher anzubieten, und dafür auch noch Tantiemen in der sagenhaften Höhe von 70% des Nettoverkaufspreises zu erhalten. Konditionen, von denen Verlagsautoren nur träumen konnten.

Mit dem Kindle, der ersten digitalen Revolution für Autoren, begann ein wahrer Goldrausch. Und genau wie zu den Zeiten des Goldrauschs im Wilden Westen die Geschichten von Goldsuchern die Runde machten, die auf gewaltige Goldadern stießen und unermesslich reich wurden, boomte das Selfpublishing durch die Geschichten von Autoren wie John Locke oder Amanda Hocking, die durch den Verkauf von 99-Cent-Büchern Millionen eBooks verkauften und damit reich und berühmt wurden.

Immer mehr Autoren strömten mit ihren (leider teils schlecht geschriebenen und noch schlechter lektorierten) Büchern auf den Markt, um sich auch ihr Stück vom großen Kuchen zu sichern. Doch nicht nur das ‘Totholz’, das durch negative Kundenrezensionen recht schnell ausgesiebt wurde, flutete den Markt, sondern auch immer mehr Werke ebenso produktiver wie kompetenter Autoren. Nicht nur neue Namen, die als Selfpublisher-Senkrechtstarter scheinbar aus dem Nichts auftauchten, sondern auch ehemalige Verlagsautoren, die nun als Hybrid-Autoren das Beste beider Welten für sich zu nutzen verstanden und sowohl neue Titel als auch Neuauflagen bereits vergriffener älterer Bücher per Selfpublishing veröffentlichten.

Die Flut der Bücher steigt seitdem schneller an, als irgendjemand diese Bücher lesen kann. Eine schöne neue Welt für Leser, die in ihrem Lieblingsgenre mehr Auswahl haben als je zuvor – doch für die Autoren der Scheitelpunkt der digitalen Revolution.

Mit Büchern ist es wie mit jedem Produkt: wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt, fallen die Preise. Wenn es mehrere scheinbar gleichwertige Produkte gibt, wird der Käufer meist zum günstigsten Produkt greifen. Und die Mehrzahl der Autoren ließen sich auf diesen Preiskampf ein, bei dem am Ende keiner von ihnen gewinnen kann.

Um in der Flut an Büchern überhaupt noch gesehen zu werden, sind 99-Cent-Aktionen und Gratis-Aktionen heute an der Tagesordnung. Nicht mehr nur als kurze Sonderaktion für treue Leser, die womöglich auch den Newsletter des Autors abonniert haben, sondern über längere Zeiträume hinweg.

Dieses Verramschen von Büchern fördert meines Erachtens die Gratis-Mentalität vieler Leser, die finden, dass eBooks ohnehin kostenlos sein müssten, da sie ja nicht wie Printbücher teuer gedruckt werden müssen (siehe: Der Wert von eBooks).

Auch wenn es natürlich Selfpublisher gibt, die mittlerweile einen derart hohen Bekanntheitsgrad haben, dass ihre treuen Leser ihre Neuerscheinungen auch zum Normalpreis kaufen, geht die breite Masse der Selfpublisher in dieser 99-Cent-oder-Gratis-Welt sang- und klanglos unter.

Manchen von ihnen ist das egal, da sie das Schreiben lediglich als schönes Hobby betrachten und ihre Bücher auch gratis anbieten würden, nur damit sie jemand liest. Doch für Autoren, die ihre kreative Arbeit finanziell honoriert bekommen möchten, werden die Zeiten immer schlechter.

Dazu trägt auch die anfangs erwähnte zweite digitale Revolution bei: die Flatrates, die mittlerweile jeden Bereich der digitalen Welt überschwemmen.

Wir kaufen keine CDs mehr, auch keine einzelnen MP3-Tracks – stattessen haben wir Spotify, Amazon Prime Music, Ampya, Diggster, Napster und Co.

Wir kaufen keine Filme mehr und fahren auch nicht mehr in die Videothek, um uns physische DVDs auszuleihen – stattdessen haben wir Amazon Prime Instant Video, Netflix, Maxdome, Watchever und Co.

Wir kaufen keine Zeitung mehr, sondern lesen online die Nachrichten von Focus, NTV und wie sie alle heißen. Die Presse wird immer mehr durch das Modell der Huffington Post ersetzt, bei der Autoren gratis Artikel liefern, nur um diese veröffentlicht zu sehen.

Und was ist mit eBooks? Wir haben Amazons Kindle Unlimited, Skoobe, Scribd und Readfy. Dreimal darf man raten, was der Vormarsch der Leseflatrates mitelfristig für Auswirkungen auf den Verkauf von eBooks haben wird. Auf Dauer verdienen an Flatrate-Modellen in erster Linie die Anbieter dieser Flatrates, nicht die Künstler, deren Produkte dort nach dem “All-you-can-eat”-Modell verramscht werden.

Leider kann man das Prinzip von Musik- und Video-Flatrates nicht auf den eBook-Markt übertragen. Denn während Musiker einen guten Teil ihrer Einnahmen über Konzerte und Tourneen erzielen (oder ihre CDs erst dann für Musikflatrates freigeben, wenn diese bereits nicht mehr aktuell sind) und Spielfilme ihre Produktionskosten üblicherweise bereits im Kino wieder einspielen, ist das eBook bei den meisten Autoren das eigentliche Produkt. Wenn dieses nicht mehr für lukrative Einnahmen über die Buchverkäufe sorgt, sondern nur noch mit Ausleih-Tantiemen im Centbereich vergütet wird, ist es wirtschaftlich für Autoren endgültig nicht mehr interessant, qualitativ hochwertige Bücher zu produzieren und dabei aus eigener Tasche drei- bis vierstellige Beträge in Lektorat, Korrektorat und Coverdesign zu investieren.

Bei Amazon erkennt man den Wandel und den damit verbundenen Preisverfall bereits. Hier wird schon seit Mitte 2015 nicht mehr nach ausgeliehenen Büchern bezahlt, sondern nur noch nach gelesenen Seiten – Masse statt Klasse.

Allein in den ersten sechs Monaten seit der Umstellung auf die Bezahlung der Autoren nach gelesenen Seiten sind die Tantiemen pro gelesener Seite um fast 40% gefallen – von anfangs 0,53 Cent im Juli 2015 auf gerade mal noch 0,33 Cent im Januar 2016.

Die wahre Bedeutung dieser Zahlen wird einem erst klar, wenn man diese anhand konkreter Beispiele ausrechnet: Wer als Autor einen 300seitigen Roman zur Ausleihe über Kindle Unlimited zur Verfügung stellt, erhält für eine Ausleihe (unter der Voraussetzung, dass der Roman komplett bis zur letzten Seite gelesen wurde!) nur noch 99 Cent, während er für einen regulären Verkauf schon bei einem VK von 2,99 € immerhin Tantiemen in Höhe von 1,75 € erhalten würde.Im Juli vergangenen Jahres hätte derselbe Autor noch 1,59 € für die Ausleihe seines Buchs erhalten, doch seitdem befinden sich die Tantiemen für Ausleihen über Kindle Unlimited im freien Fall – und ein Ende ist nicht abzusehen.

Doch was kann man als Autor tun, um diesem Trend entgegen zu wirken? Nichts zu tun und dem großen Ausverkauf und dem Schwinden der eigenen Tantiemen wehmütig zuzuschauen ist definitiv der falsche Weg.

Wir Autoren haben es selbst in der Hand: Wir sind es, die entscheiden, ob wir unsere Bücher für die Ausleihe über Leseflatrates freigeben oder nicht. Für diejenigen, die direkt über Amazon KDP veröffentlichen, bedeutet das zwar, auch auf die Vorteile von KDP Select wie Gratisaktionen zu verzichten, doch die Wirksamkeit solcher Gratisaktionen wird meist überschätzt (siehe “Gratis-Aktionen bei Amazon: Sinnvolles Marketing-Instrument oder gefährliches Eigentor?“).

Bei BoD, dem Klassiker unter den Selfpublishing-Dienstleistern, kann man beispielsweise bei der Veröffentlichung eines eBooks frei entscheiden, ob man sein Buch zur Ausleihe freigeben möchte – eine vorbildliche Lösung. Ich persönlich würde niemals ein Buch über einen Anbieter veröffentlichen, der das Buch im Rahmen einer Veröffentlichung zwingend auch für diverse Lese-Flatrates freigibt. So etwas wäre für mich ein K.O.-Kriterium.

Nur wenn Autoren in Hinsicht auf Leseflatrates konsequent bleiben, können eBooks ihren Wert behalten. Je mehr Autoren ihre Bücher aus Kindle Unlimited und anderen Leseflatrates entfernen, desto uninteressanter und unattraktiver werden diese Leseflatrates für Leser.

Natürlich kommt man sich hier ein wenig vor wie die Bewohner des berühmten gallischen Dörfchens: Was kann man selbst als einzelner Autor schon bewirken, wenn um einen herum tausende anderer Autoren ihre Bücher weiterhin zur Ausleihe freigeben? Sollte man dann nicht doch besser mit dem Strom schwimmen und mit den paar Cent zufrieden sein, die man als Almosen für eine Ausleihe erhält?

Nein. Auch über Leseflatrates wird man nicht von alleine gefunden, sondern muss als Autor Werbung für die eigenen Bücher machen. Und wenn man schon einen Interessenten für das eigene Buch gefunden hat, soll dieser es bitte auch kaufen, statt es sich über eine Leseflatrate kostenlos auszuleihen.

Man verliert auf diesem Wege vielleicht ein paar Leser, die partout nur das lesen, was gratis angeboten wird oder in ihrer Flatrate enthalten ist. Doch diejenigen, die sich wirklich für ein Buch interessieren, werden es im Zweifelsfall auch kaufen, wenn sie es nicht gratis lesen können.

Das ist aus meiner Sicht der richtige Weg: Gute Bücher zu produzieren, die ihr Geld wert sind und den Leser ansprechen. Und diese Bücher dann nicht zu verramschen, sondern sie zu einem für beide Seiten – Autor und Leser – fairen Preis anzubieten.


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Kindle Unlimited: Erste konkrete Zahlen für die Bezahlung nach Seiten

Wie bereits Anfang Juli berichtet hat Amazon zum 01.07.2015 die Regeln für die Ausschüttung des monatlichen Fonds an die Autoren gravierend geändert: Während zuvor der Autor für jedes ausgeliehene Buch, das zu mindestens 10% gelesen wurde, unabhängig von der Länge des Buchs einen bestimmten Betrag erhielt (in den meisten Monaten ca. 1,20 Euro), wird der Fonds seit Juli nach tatsächlich gelesenen Seiten aufgeteilt.

Interessant ist, dass jetzt erste konkrete Zahlen vorliegen. Die Amazon-Hilfe-Seite mit den von mir als unrealistisch genannten hypothetischen Werten von 10 Cent je gelesener Seite ist übrigens seit Mitte August verschwunden. Seitdem werden auf den Amazon-Seiten keine Beträge mehr genannt – auch nicht als hypothetisches Rechenbeispiel. Eine gute Entscheidung, da sonst jemand diese Zahlen für bare Münze bzw. als Entscheidungsgrundlage zugunsten KDP Select nehmen könnte.

Anfang Juli schrieb ich, dass ich realistisch gesehen von weniger als einem Cent pro gelesener Seite ausgehe. Tatsächlich betrug die Ausschüttung für Juli ca. 0,0053 € (also einen guten halben Cent) je gelesener Seite.

Im Klartext bedeutet das, dass von einem Buch mindestens 232 Seiten gelesen werden müssen, damit der Autor dasselbe Geld für die Ausleihe wie noch im Juni 2015 (also 1,23 €) erhält. Jedes Buch mit weniger als 232 Seiten kommt also automatisch schlechter weg als bisher – ebenso wie Bücher, die vor der Seite 232 abgebrochen / nicht mehr weiter gelesen werden. Und das, obwohl Amazon den weltweiten Fonds von 10,3 Millionen im Juli auf satte 11,5 Millionen aufgestockt hat.

Sachbuchautoren (deren Bücher ohnehin üblicherweise deutlich kürzer als Romane sind), dürfen sich auf starke Einbußen gefasst machen – insbesondere, da Sachbücher meist nicht komplett von vorne bis hinten gelesen werden, sondern Leser sich oft nur die Kapitel herausgreifen, die sie ganz konkret interessieren. Wenn hier beispielsweise von 150 Seiten durchschnittlich nur knapp 50 Seiten gelesen werden, erhält der Autor gerade mal 25 Cent für eine durchschnittliche Ausleihe.

Noch härter trifft die Änderung Kurzgeschichtenautoren, die ihre Werke weiterhin über KDP Select gelistet lassen. Sie bekommen für eine Ausleihe teils nur noch einstellige Cent-Beträge, so dass es sich für die meisten von ihnen nicht mehr lohnen dürfte, ihre Geschichten weiterhin in der Kindle-Unlimited-Leihbücherei zu belassen.
Besser dran als bisher sind hingegen die Autoren umfangreicher Romane. Ein Buch mit mindestens 350 Seiten (gemäß Amazons neuem “Kindle Edition Normalized Page Count”), das normalerweise für 2,99 € verkauft wird, kann nun als Ausleihe sogar mehr als bei einem regulären Verkauf bringen, sofern es tatsächlich komplett bis zum Ende gelesen wird.

Es dürfte interessant sein, im Laufe der nächsten Monate die “Seitenpreise” von KDP Select im Auge zu behalten. Gerade wenn im Herbst/Winter wieder mehr gelesen wird, könnte ich mir vorstellen, dass die Beträge ein Stück sinken, sofern Amazon nicht noch mehr Geld in den Fond steckt, um die höheren gelesenen Seitenzahlen zu kompensieren.


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Buchbeschreibungen bei Amazon professionell formatieren

Standardmäßig sehen Buchbeschreibungen bei Amazon ziemlich langweilig aus: Text mit ein paar Zeilenumbrüchen, der einen oder anderen obligatorischen Leerzeile und vielleicht einer halbherzigen, mit vorangestelltem Minus-Zeichen formatierten Aufzählung.

HTML durch die Hintertür – und warum es so nicht mehr geht

Eine Zeit lang war das die einzige Möglichkeit, seine Buchbeschreibungen in Amazons KDP-Programm darzustellen. Doch dann fanden findige Autoren heraus, dass man mit bestimmten Formatierungstricks (z. B. < als Ersatz für die eckige Klammer am Beginn eines HTML-Tags) bestimmte HTML-Befehle in seine Buchbeschreibung einbinden konnte, um diese optisch aufzupeppen: Nicht nur fett, kursiv, unterstrichen sowie echte Listen und Aufzählungen, sondern auch Überschriften im typischen Amazon-Gelb, die wesentlich eleganter wirkten und sich nahtlos in das Seitendesign von Amazon einfügten.

Das alles hätte Amazon vermutlich noch akzeptiert, doch schon bald fanden experimentierfreudige Spezialisten heraus, wofür sich die versteckten HTML-Codes noch nutzen ließen: Sie fanden beispielsweise Möglichkeiten, externe Bilder und sogar Videos in die Buchbeschreibung einzubinden oder sogar Zählpixel, die im Hintergrund genau protokollierten, wie oft eine bestimmte Buchseite bei Amazon aufgerufen wurde.

Es war klar, dass Amazon früher oder später die Notbremse ziehen würde, da externe Dateien wie Videos, Bilder o.ä. eine nicht zu unterschätzende Sicherheitslücke in Amazons System darstellten – und das taten sie natürlich auch und schalteten diese Lücke ab. Buchbeschreibungen, die noch auf den alten, versteckten HTML-Codes basierten, wurden plötzlich als kryptischer Klartext dargestellt, wenn die Autoren ihre Buchbeschreibungen nicht rechtzeitig auf ihren reinen Textanteil reduzierten.

Der “offizielle Schleichweg” zu ansprechenden Buchbeschreibungen

Dafür ist es mittlerweile ganz offiziell und ohne “durch die Hintertür” zu gehen möglich, die eigene Buchbeschreibung optisch aufzupeppen. Zwar macht Amazon keine große Reklame für diese Möglichkeit und bietet in der KDP-Benutzeroberfläche immer noch keinen “richtigen” WYSIWYG-Editor (What you see is what you get), mit dem man wie bei einer richtigen Textverarbeitung seinen Text optisch aufbereiten könnte – dennoch kann man die gewünschten Formatierungen einfach als HTML-Code einbinden.

Zu diesem Zweck hat Amazon eine Liste von HTML-Befehlen zusammengestellt, die in Buchbeschreibungen erlaubt sind. Diese stellen natürlich nur einen kleinen Teil des gesamten HTML-Befehlssatzes dar und viele erweiterte Funktionen wie das Einbinden von Bildern sucht man hier vergeblich. Doch für eine sauber formatierte, ansprechende Buchbeschreibung reichen die angebotenen Funktionen in jedem Fall.

HTML-Formatierung für Einsteiger

Um Teile der eigenen Buchbeschreibung zu formatieren, muss man diese in sogenannte HTML-Tags einbetten. Für diejenigen, die sich nicht mit Webdesign und HTML auskennen, hier eine minimalistische Einführung:

Jede HTML-Formatierung besteht aus einem Start- und einem End-Tag (“Tag” hat nichts mit dem deutschen Wort Tag zu tun, sondern steht für “Markierung”).

Um beispielsweise einen Textbereich fett zu formatieren, schreibt man <b>fetter Text</b>. Die HTML-Tags werden jeweils in die spitzen Klammern eingebunden. “b” steht für “bold” (also “fett”), “/b” für das Ende der fetten Formatierung.

Auf dieselbe Weise können Sie Textpassagen als <u>unterstrichen</u> (underlined), als <k>kursiv</k> (italic) oder als <s>durchgestrichen</s> markieren. Sie können Texte <sup>hochgestellt</sup> oder <sub>tiefgestellt</sub> formatieren oder über das <font>-Tag sogar eine bestimmte Schriftart vorgeben.

Mit <p> und </p> können Sie einen Textabschnitt einschließen, dessen erste Zeile eingerückt werden soll und der mit einem Zeilenumbruch endet. Auch einen festen Zeilenumbruch können Sie mit <br> an einer beliebigen Stelle einfügen.

Sie können sogar mit dem Tag <hr> (horizontal ruler) eine Trennlinie einfügen, um einzelne Abschnitte Ihrer Buchbeschreibung sauber voneinander abzugrenzen.

Abschnittsüberschriften können Sie mit <h1>Ebene 1</h1> bis <h6>Ebene 6</h6> formatieren, wobei <h2>Ebene 2</h2> besonders beliebt ist, da dies die Überschrift im bekannten “Amazon-Goldgelb” formatiert.

Sie können sogar Aufzählungen und Listen formatieren – zum Beispiel eine Auflistung aller wichtigen Punkte, die Sie in Ihrem Ratgeber behandeln (die sogenannten “Bulletpoints”):

<ul>
<li>Punkt 1</li>
<li>Punkt 2</li>
<li>Punkt 3</li>

</ul>

Das Tag <ul> markiert den Beginn der Liste, </ul> ihr Ende. Die einzelnen Punkte beginnen mit einem <li> und enden mit </li>.

Wollen Sie hingegen eine durchnummerierte Liste (1., 2., 3. etc.) verwenden Sie einfach statt <ul> und </ul> die Tags <ol> und </ol> (= ordered list), um Ihre Liste zu formatieren.

<ol>
<li>Punkt 1</li>
<li>Punkt 2</li>
<li>Punkt 3</li>

</ol>

Eine komplette Liste aller unterstützten HTML-Befehle finden Sie hier.

Erst prüfen, dann veröffentlichen!

Ein wichtiger Tipp: Fügen Sie Ihre formatierte Buchbeschreibung nicht einfach bei Amazon ein, ohne sie vorher zu testen. Wenn Sie sich an irgendeiner Stelle vertan haben und Ihre Buchbeschreibung nun wie Kraut und Rüben aussieht, merken Sie das ansonsten erst, wenn Amazon Ihr Buch im Shop freigeschaltet hat. Und wenn Sie die Fehler dann korrigieren, dauert es selbst im günstigsten Fall einige Stunden, bis die korrigierte Buchbeschreibung live ist.

Speichern Sie Ihren Text stattdessen einfach mit einem normalen Texteditor wie dem Windows Editor als “Test.html” ab. Bei “Speichern unter” müssen Sie als Dateityp “alle Dateien” auswählen, damit der Editor nicht noch ein “.txt” an den Dateinamen anhängt.

Diese Datei öffnen Sie per Doppelklick mit Ihrem normalen Browser – und schon sehen Sie, ob Ihre Beschreibung sauber formatiert ist und richtig dargestellt wird. Natürlich sehen Sie in dieser Vorschau nicht die speziellen Farben und Schriftarten von Amazon (wie die <h2>-Überschriften in Gelb), aber eventuelle Fehler wie nicht richtig geschlossene Tags springen einem sofort ins Auge.

Erst wenn dieser Text fehlerfrei dargestellt wird, fügen Sie ihn als Buchbeschreibung in Amazon KDP ein.

Probieren Sie es einfach einmal aus. Sie werden sehen, dass es einen nicht zu unterschätzenden Unterschied ausmacht.


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Bezahlung nach Seiten – Warum Amazons neue Abrechnungsmethode für Autoren so gravierende Auswirkungen hat

Zum 01. Juli 2015 ändert Amazon die Regeln für die Verteilung des monatlichen Fonds unter den Autoren, die ihre Bücher für KDP Select (und damit für die Lese-Flatrate ‘Kindle Unlimited’ und die in Amazon Prime enthaltene Kindle-Leihbücherei) angemeldet haben – und zwar ziemlich radikal. Denn statt pro ausgeliehenem Buch wird der Autor zukünftig nur noch pro tatsächlich gelesener Seite vergütet.

Und wie bei fast jeder größeren Änderung seitens Amazon ziehen auch diesmal wieder zahlreiche Autoren weltweit in ihren Blogs gegen Amazon ins Feld und stellen die Änderungen so dar, als ob uns allen nun der Himmel auf den Kopf fällt und der große Ausverkauf der Literatur stattfindet.

Fakt ist, dass die Bezahlung nach gelesenen Seiten, die auch in der Presse gern plakativ als Schlagzeile herangezogen wird, nur für die Ausleihen über Kindle Unlimited und die Kindle Leihbücherei gilt. Sie hat nichts mit den normalen eBook-Verkäufen über Amazon zu tun, sondern lediglich mit der Vergütung für die Autoren, die ihre Bücher für KDP Select angemeldet und diese damit in “Kindle Unlimited” und der “Kindle Leihbücherei” gelistet haben.

Jeder Prime-Kunde kann pro Monat ein Buch kostenlos aus der Kindle-Leihbücherei ausleihen und jeder Kindle-Unlimited-Kunde kann pro Monat beliebig viele Bücher (aber nur bis zu 10 gleichzeitig) aus der Kindle-Leihbücherei ausleihen. Dafür zahlt er eine Pauschale von 9,99 Euro monatlich.

Aus einem Teil dieser Einnahmen bildet Amazon einen monatlichen Fonds, der auf alle Autoren verteilt wird, deren Bücher im Laufe dieses Monats über die Kindle-Leihbücherei ausgeliehen wurden, egal ob nun von Prime-Kunden oder von Kindle-Unlimited-Lesern.

Solange sich die Höhe des monatlich ausgeschütteten Fonds durch die geänderte Abrechnungsmethode nicht reduziert, handelt es sich bei der Änderung lediglich um einen Versuch von Amazon, die Ausschüttung an die Autoren gerechter zu gestalten. Denn auch die alten Regeln hatten deutliche Schwächen und behandelten gerade durch die Gleichmacherei mit der einheitlichen Pauschale pro ausgeliehenem Titel Autoren ziemlich ungleich.

Die alten Regeln: KDP Select bis 30.06.2015

Bisher war es so, dass Autoren für jedes über Kindle Unlimited oder die Kindle Leihbücherei ausgeliehene Buch, das mindestens bis zur 10%-Marke gelesen wurde, denselben Betrag erhielten – unabhängig davon, wie teuer oder günstig der normale Verkaufspreis des Buchs war oder wie viele Seiten es umfasst.

Im Klartext bedeutet das: Der Autor einer 20-seitigen Kurzgeschichte, die man für 99 Cent kaufen kann, erhielt für eine Ausleihe seiner Geschichte ebenso viel wie der Autor eines 400seitigen Romans, der regulär 3,99 Euro kostet.

Damit war der Kurzgeschichtenautor natürlich unterm Strich deutlich besser gestellt als der Romanautor: Wurden in einem Monat beispielsweise 1,17 € je Ausleihe an die Autoren ausgeschüttet, war das für den Kurzgeschichtenautor viermal so viel, wie er für einen regulären Kauf seiner Kurzgeschichte erhalten hätte (nämlich 0,29 €).

Der Romanautor kam verglichen damit deutlich schlechter weg. Hätte er bei 70% Tantiemen für einen regulären Verkauf seines Romans 2,34 € kassiert, erhielt er für eine Ausleihe gerade mal die Hälfte dieses Betrags.

Zusätzlich hatte der Kurzgeschichtenautor noch den Vorteil, dass ein begeisterter Leser innerhalb weniger Tage gleich einige seiner Kurzgeschichten ausleihen und lesen konnte (was ihm für jede weitere ausgeliehene Geschichte wieder die vollen 1,17 € bescherte). An dem 400seitigen Roman hatte der Leser hingegen so lange zu lesen, dass er innerhalb eines Monats nicht allzu viele Bücher des Autors schaffen konnte.

Dieses Missverhältnis führte dazu, dass manche Autoren nach dem seit Machiavelli bewährten Motto “Teile und herrsche” ihre Romane in kürzere Episoden unterteilten, die dann jeweils für 99 Cent angeboten (und natürlich auch bei Kindle Unlimited gelistet) wurden.

Statt einen kompletten Roman für 3,99 € anzubieten und dafür bei einem Verkauf 2,34 € Tantiemen zu kassieren, unterteilten diese Autoren ihre Romane in beispielsweise 8 Episoden, von denen die erste kostenlos und alle weiteren für je 99 Cent angeboten wurden.

Wenn ein Leser alle Episoden (abgesehen von der ersten, dauerhaft kostenlos angebotenen Episode) regulär kaufte, erhielt der Autor dafür 7 x 0,29 € = 2,03 € – also nur minimal weniger als für ein komplettes Buch á 3,99 €. Wirkt auf den ersten Blick nach einem schlechten Geschäft, zumal die Leser ja nach jeder Episode abspringen konnten, wenn die Handlung sie nicht mehr fesseln konnte.

Doch wenn alle Episoden auch bei Kindle Unlimited gelistet waren, sah die Rechnung schon ganz anders aus. Schon wenn der durchschnittliche Leser nur zwei Episoden des Romans las, bevor er das Interesse verlor, verdiente der Autor bei der beispielhaft genannten Ausschüttung von 1,17 € je Ausleihe bereits genauso viel, als wenn er seinen kompletten Roman zu regulären Konditionen verkauft hätte.

Doch mit der neuen Abrechnungsmethode von Amazon geht diese Rechnung nicht mehr auf. Denn wie bereits anfangs erwähnt erfolgt die Abrechnung seit Anfang Juli nur noch auf Basis der tatsächlich gelesenen Seiten. Und dafür ist es egal, auf wie viele separate eBooks diese Seiten verteilt werden.

Die neuen Regeln: KDP Select ab 01.07.2015

In der Theorie klingt eine Abrechnung nach gelesenen Seiten gar nicht mal so verkehrt: die Ausschüttung ist weiterhin unabhängig vom Verkaufspreis des Buchs, so dass Autoren keinen höheren Anteil des Fonds erhalten können, indem sie den Verkaufspreis ihres Buchs höher ansetzen. Na gut, nicht ganz, denn in der Praxis werden teurere Bücher (bei denen es sich richtig “lohnt”), deutlich öfter ausgeliehen als billige Bücher, die beispielsweise schon im regulären Verkauf nur 99 Cent kosten.

Bisher musste der Autor den Leser nur bis kurz hinter der 10%-Marke (als der Teil, der bei Amazon über den “Blick ins Buch” ohnehin kostenlos gelesen werden kann) bei der Stange halten: Hatte der Leser mindestens 10% des Buchs gelesen (oder auch nur bis dahin vorgeblättert), erhielt der Autor ebenso viel, als ob der Leser das Buch bis ganz zu Ende gelesen hätte.

Bei diversen kürzeren Büchern waren diese 10% bereits erreicht, sobald der Leser über Impressum, Widmung, Inhaltsverzeichnis und Vorwort bis zum ersten Kapitel vorgeblättert hatte – womit gewissen Tricksereien Tür und Tor geöffnet waren.

Damit die neuen Auszahlungsregeln nicht wieder von findigen Autoren ausgehebelt werden, die einfach mit einer größeren Schriftart oder größeren Abständen zwischen den einzelnen Zeilen und Absätzen für eine höhere Seitenzahl ihrer Bücher sorgen, hat Amazon zum Start der neuen Regeln den sogenannten KENPC eingeführt: den “Kindle Edition Normalized Page Count”.

Hierbei handelt es sich um eine Seitenzahl, die mit einer Standard-Schriftart und -Schriftgröße, einer festen Zeilenhöhe und einem genau definierten Zeilenabstand ermittelt wird. Ob jemand das eBook also auf einem Kindle, auf einem Smartphone oder am PC liest, spielt für die als ‘gelesen’ gewerteten und damit abgerechneten Seiten ebenso wenig eine Rolle wie die Schrifteinstellungen auf dem eReader oder am PC.

Damit man selbst als Autor auch eine Orientierung hat, wie vielen Seiten das eigene Buch laut der neuen Amazon-Kalkulation entspricht, wird dieser KENPC zukünftig im KDP-Dashboard auf der Seite “Werbung schalten” neben dem eigenen Buch angezeigt werden.

Schmackhaft serviert mit unrealistischen Zahlen

Was an Amazons offizieller Seite zu den Neuerungen (https://kdp.amazon.com/help?topicId=A156OS90J7RDN) auffällt, sind die utopisch hohen Beispielzahlen, mit denen hier agiert wird.

Nach Amazons (natürlich rein theoretischem!) Rechenbeispiel könnte ein Autor, dessen 100seitiges Buch komplett gelesen wird, bei 10 Cent pro gelesener Seite für eine Ausleihe mit üppigen 10 Euro vergütet werden. Das könnte nur aufgehen, wenn Amazon zwar jede Menge Kindle-Unlimited-Abonnenten hätte, diese aber für ihr Geld kaum etwas lesen würden.

Selbst wenn Amazon die kompletten Einnahmen aus Kindle-Unlimited über den Fonds an die Autoren ausschütten würde (was sie als wirtschaftlich denkendes Unternehmen natürlich nicht tun), würde dieses Rechenbeispiel nur aufgehen, wenn jeder Leser im Schnitt höchstens drei Romane á 400 Seiten im Jahr lesen würde. Und dafür würde wohl kaum ein Abonnent im Jahr knappe 120 Euro bezahlen – oder? ;-)

Realistischer ist wohl, bei den echten Viellesern, die 9,99 € im Monat für ihre Kindle-Unlimited-Mitgliedschaft ausgeben, mit einem Buch pro Woche zu kalkulieren. Bei durchschnittlich 300 Seiten pro Buch wären das runde 15.000 Seiten im Jahr. Klingt nach viel, aber da der durchschnittliche Leser vielleicht eine Minute pro Seite braucht, entspräche das dem Leseverhalten einer Person, die im Schnitt runde 45 Minuten pro Tag liest.

Setzen wir diese Zahlen in unsere Kalkulation ein, landen wir schnell bei unter einem Cent pro gelesener Seite. Und damit bekäme der Beispiel-Autor aus Amazons Kalkulation mit seinem komplett gelesenen 100-Seiten-Buch nicht mal mehr einen Euro ausbezahlt.

Natürlich sind alle Spekulationen über die Höhe der Ausschüttung pro gelesener Seite vorerst nichts als blanke Theorie. Erste realistische Werte werden nicht vor Mitte August vorliegen, und, da im Sommer weniger gelesen wird als in den trüben Herbst- und Wintermonaten, sind die Zahlen für die ersten Monate vermutlich höher als später im Herbst und Winter. Vielleicht ist das auch mit ein Grund, warum Amazon die Umstellung auf die Abrechnung nach gelesenen Seiten auf den Hochsommer gelegt hat?

Gut für Romane, schlecht für Sachbücher

Nach den neuen Regeln werden lange Romane ganz klar bevorzugt. Je länger das Buch, desto mehr Geld gibt es für ein komplett zu Ende gelesenes Buch.

Das wirkt zunächst mal durchaus fair. Da in einem dicken Roman meist deutlich mehr Arbeit steckt als in einer Kurzgeschichte oder in einem der üblicherweise recht kurzen eBooks des Erotik-Genres, ist es ja durchaus legitim, dass der Autor eines solchen Romans, an dem er vielleicht zwei Jahre gearbeitet hat, deutlich mehr für eine Ausleihe bekommt als der Autor einer Kurzgeschichte, die innerhalb von gerade mal 1-2 Wochen geschrieben wurde.

Kritisch wird die Sache allerdings, wenn man seine Betrachtung auf Sachbücher erweitert. Denn auch diese werden nun bei einer Ausleihe über Kindle Unlimited nur noch nach der Anzahl der tatsächlich gelesenen Seiten entlohnt.

Und damit wird Kindle Unlimited für die meisten Sachbuchautoren herzlich uninteressant. Denn die meisten Kindle-Sachbücher sind von ihrer Seitenzahl her deutlich kürzer als Romane – oft nur 60-100 Seiten, was in den meisten Fällen auch locker ausreicht, um ein Thema kompakt und informativ abzuhandeln.

Fakt ist, dass Sachbücher deutlich zeitaufwändiger zu schreiben sind als Romane oder Kurzgeschichten. Die meisten Romanautoren schaffen eine Taschenbuchseite von ca. 250 Wörtern inklusive Überarbeitung in 30 bis maximal 60 Minuten. Bei einem Sachbuch kann man aufgrund der teils sehr aufwändigen Recherche mindestens das Doppelte dieser Zeit rechnen.

Soll der Sachbuchautor nun sein Buch künstlich auf eine höhere Seitenzahl aufblähen, indem er lange um den heißen Brei herumredet, statt direkt auf den Punkt zu kommen? Damit wäre auch niemandem gedient, denn Sachbücher liest man nicht in erster Line des Genusses wegen, sondern um sich neue Informationen und Kenntnisse anzueignen oder ein ganz bestimmtes Problem zu lösen.

Und damit kommt ein weiterer Knackpunkt ins Spiel, der Sachbücher zukünftig gegenüber Romanen klar benachteiligt. Bei den meisten Sachbüchern blättert man über die Passagen, die einen im Augenblick nicht konkret interessieren oder deren Inhalt man schon gut genug zu kennen glaubt, relativ rasch hinweg – wenn man nicht gleich über das Inhaltsverzeichnis zu dem Kapitel springt, das die Lösung enthält, nach der man im Moment sucht.

Denn übersprungene oder rasch überblätterte Seiten gelten nach den neuen Regeln ebenfalls als nicht gelesen und werden somit auch nicht vergütet. Damit eine Seite gewertet wird, muss der Leser eine bestimmte Mindestdauer auf dieser Seite verweilen.

Während man einen Roman üblicherweise vom ersten Kapitel bis zum Ende durchliest (jedenfalls, solange man nicht vorher das Interesse verliert), greift man sich bei einem Sachbuch meist nur bestimmte Kapitel heraus oder springt direkt zur Zusammenfassung der wichtigsten Punkte am Ende des Buchs, um Zeit zu sparen.

Sachbücher sind also nicht nur benachteiligt, da sie generell meist kürzer als Romane sind (wann haben Sie zuletzt ein 300seitiges Sachbuch gelesen?), sondern werden mit Pech auch nur mit einem Bruchteil ihres Umfangs vergütet, da die Leser sich ihre persönlichen Rosinen herauspicken und den Rest nur überfliegen.

Wer als Sachbuchautor bisher also die oben als Beispiel angesetzten 1,17 € für eine Ausleihe erhielt, wird zukünftig mit Pech nur noch für 10-20 intensiv gelesene Seiten vergütet, was unterm Strich nur noch Tantiemen von ein paar Cent ergeben wird.

Dies wird meiner Meinung nach dazu führen, dass in den nächsten Monaten immer mehr Sachbücher von ihren Autoren aus KDP Select und damit aus der Kindle-Unlimited-Leihbücherei zurückgezogen werden, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen.

Schöne neue Cliffhanger-Welt?

Doch auch für Romanautoren ist die neue Abrechnungsmethode nicht zwangsläufig das gelobte Land. Denn nun muss jeder Autor darauf achten, ständig mit Cliffhangern, offenen Fragen und einer rasanten Handlung den Leser zum Weiterlesen zu bewegen – frei nach dem Motto “jede gelesene Seite zählt (oder zahlt)”.

Nichts gegen Spannungsliteratur und Action-Thriller – ich liebe spannende Bücher wie die rasanten Thriller von Matthew Reilly. Aber Romane, die rein auf Action und Spannung setzen und dabei auf jegliche Atempause verzichten, sind auf Dauer auch für den Leser sehr ermüdend. Ein gutes Beispiel dafür ist das Buch “Intensity” von Dean Koontz.

Auch eine Achterbahnfahrt braucht immer wieder langsame Passagen, in denen die Wagen langsam den nächsten Berg hinauf gezogen werden. Je höher der Anstieg, desto rasanter wird die nächste Talfahrt, wenn die Passagiere am höchsten Punkt ankommen und in den tiefen Abgrund sehen, der sich rasend schnell vor ihnen auftut.

Ein derart übersteigerter Fokus auf Cliffhanger und darauf, den Leser mit Rätseln und offenen Fragen am Lesen zu halten, würde meiner Meinung nach im Laufe der Zeit zu einer langweiligen Monokultur führen. Keine anspruchsvolle Literatur mehr, die einen zum Nachdenken und Innehalten einlädt – nur noch atemlose Pageturner. Aus meiner Sicht wäre das eine verarmte und damit trotz (oder gerade wegen) des Überangebots an adrenalingeschwängerten Cliffhangern eine langweilige Buchwelt, die früher oder später ihre Leser verlieren wird.

Der überwachte Leser

Ein weiterer Punkt, der einem hierbei auffällt, ist die immer stärkere Überwachung der Leser durch ihre eReader. Wenn die aktuelle Leseposition zwischen eReader und Smartphone synchronisiert wird, so dass man dasselbe Buch unterbrechnungsfrei auf einem anderen Gerät weiterlesen kann, ist das eine feine Sache. Aber die neue Abrechnungsmethode von Amazon zeigt wieder mal, wie minutiös das eigene Leseverhalten durch Kindle & Co analysiert wird: Erfasst wird nicht nur, bis zu welcher Position das Buch gelesen wurde, sondern auch, wie lange der Leser auf welcher Seite des Buchs gelesen hat und welche Passagen er nur überflogen oder gar überblättert hat.

Fazit

Ich bin zugegebenermaßen kein Freund von Lese-Flatrates wie Kindle Unlimited. Wenn mir ein Buch gefällt, kaufe ich es und lese es dann ganz entspannt und in aller Ruhe, ohne beim Lesen das stressige Gefühl zu haben, mindestens ein bis zwei Romane pro Woche schaffen zu müssen, um einen ausreichenden Gegenwert für meine 9,99 € pro Monat zu erhalten.

Auch als Autor gefallen mir Amazons neue Regeln nicht wirklich. Durch den strikten Fokus auf der tatsächlich gelesenen Seitenzahl fördert Amazon cliffhangerlastige Schema-F-Literatur, mit der sich die Autoren “dank” KDP-Select auch noch exklusiv an Amazon binden müssen.

Natürlich wird es auch Autoren geben, die von den neuen Abrechnungsmodalitäten profitieren und die zukünftig einen noch größeren Anteil des monatlichen Fonds erhalten. Doch viele andere Autoren werden in den nächsten Monaten ernüchtert feststellen müssen, dass KDP Unlimited sich für sie zu einen großen Verlustgeschäft entwickelt, da die Ausleihen ganz klar zu Lasten der regulären Buchverkäufe gehen. Und irgendwann kommt man dann an den Punkt, an dem man abwägen muss, ob man seine Bücher wirklich weiter bei KDP Select angemeldet lassen will, nur um zwischendurch mal eine Gratis-Werbeaktion schalten zu können.

Ich gehe davon aus, dass wir im Laufe des nächsten Jahres nach und nach eine deutliche strukturelle Änderung in der Kindle-Unlimited-Leihbibliothek erleben werden. Weniger Sachbücher und deutlich weniger Kurzgeschichten (da viele Sachbuch- und Kurzgeschichten-Autoren aufgrund der Änderungen ihre eBooks nach und nach aus KDP Select abziehen werden und stattdessen das Potential einer zusätzlichen Veröffentlichung über den starken Konkurrenten Tolino Media nutzen), dafür immer längere Romane, die ihre Handlung immer weiter auswalzen und dabei versuchen, immer noch spannend genug zu bleiben, um die Leser bei der Stange zu halten. Doch wer überlegt, auf diesen Zug aufzuspringen, sollte dabei an das Zitat des guten alten Goethe denken: “Getretener Quark wird breit, nicht stark.” ;-)


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KindleSpy – praktisches Tool für eBook-Autoren

Während ich sonst in der Software-Ecke eher Programme vorstelle, die Autoren direkt beim Schreiben, Überarbeiten oder Veröffentlichen von Büchern unterstützen, möchte ich heute zur Abwechslung mal ein etwas anderes Werkzeug vorstellen – den KindleSpy, ein Marktanalyse-Werkzeug für Kindle-Autoren.

KindleSpy ist in erster Linie für Autoren interessant, die Bücher in ganz unterschiedlichen Genres oder Sparten schreiben und stets auf der Suche nach lukrativen Marktnischen sind – aber auch für Autoren, die sich einfach mal einen etwas tiefer gehenden Überblick über den Amazon-eBook-Markt verschaffen wollen.

Hard- und Software-Anforderungen

Bei KindleSpy handelt es sich nicht um ein eigenständiges Desktop-Programm, sondern um eine Erweiterung für den Chrome-Browser. Wer KindleSpy nutzen möchte, muss also Chrome zuminest als zusätzlichen Browser auf seinem Rechner installieren. Aber es hindert einen ja niemand daran, für das normale Surfen weiterhin Firefox oder einen anderen Browser zu verwenden und Chrome lediglich für die Amazon-Recherche mit dem KindleSpy zu nutzen.

Die nahtlose Integration von KindleSpy in den Chrome-Browser hat den großen Vorteil, dass der KindleSpy nicht nur unter Windows läuft, sondern auch unter Mac OS-X und sogar auf Chromebooks. Sobald man das Plugin erst einmal in Chrome installiert hat, steht es einem auf allen Rechnern, auf denen man sich in Chrome mit seinem Google-Account anmeldet, zur Verfügung.

Was kann der KindleSpy?

Grundsätzlich kann der KindleSpy nichts, was man nicht auch mit manueller Kleinarbeit auslesen und auswerten könnte, aber er spart einem dabei jede Menge Zeit – und Zeit ist für Autoren eine knappe und wertvolle Ressource.

Anders gesagt: mit dem KindleSpy kann man in 15 Minuten mehr interessante Fakten und Details herausfinden, als in 2-3 Stunden mit Papier, Stift, Excel und Taschenrechner. Die zur Zeit 37 USD (also knapp 35 Euro) für KindleSpy haben sich also in kürzester Zeit amortisiert, wenn man öfter mal nach der optimalen Kategorie oder den perfekten Suchbegriffen für ein neues Buchprojekt sucht.

Aber schauen wir uns einfach mal ein paar Dinge an, die der KindleSpy kann…

Analyse der Kindle-Bestsellerlisten

Eine der Hauptfunktionen von KindleSpy ist das Analysieren der Beststellerlisten für bestimmte Kategorien. Der KindleSpy listet nicht nur die Top 20-100 der gewählten Kategorie mit Anzahl der Seiten, Preis, Anzahl der Rezensionen und aktuellem Verkaufsrang auf, sondern schätzt auch, wie viele Bücher dieser Bestseller verkauft werden und wie viel Umsatz der Autor mit einem Buch aus dieser Bestsellerliste machen könnte.

Screenshot KindleSpy

Die Betonung liegt dabei allerdings ganz klar auf “schätzt” – und zwar mit einem sehr dicken Daumen. KindleSpy wurde ursprünglich für den amerikanischen Markt (also Amazon.com) entwickelt und erst nachträglich so angepasst, dass auch die Kindle-Charts der englischen Seite (Amazon.co.uk) und von Amazon.de analysiert werden können.

Die Schätzungen von KindleSpy basieren auf dem Verkaufsrang der Bücher und einer hinterlegten Formel / Tabelle, wie vielen verkauften Büchern ein Buch mit diesem Verkaufsrang entsprechen dürfte. Das hat natürlich ein bisschen was vom Kaffeesatz-Lesen, da Verkaufsrang und verkaufte Bücher nicht unbedingt in einem festen Verhältnis zueinander stehen. So kann man im Sommer schon mit wesentlich weniger verkauften Exemplaren in den Top-100 landen als beispielsweise in der umsatzstarken Vorweihnachtszeit. Wie weit das Programm solche saisonalen Schwankungen berücksichtigt, ist mir nicht bekannt.

Dieselbe Einschränkung gilt für die unterschiedlichen Märkte: Ein Buch auf Platz 80 der amerikanischen Amazon.com-Kindle-Charts verkauft sich pro Tag natürlich allein durch den viel größeren Markt wesentlich öfter als ein Buch auf dem gleichen Platz der deutschen Amazon.de-Kindle-Charts. Wie exakt die Umrechnungstabellen (Platzierung ➜ verkaufte Exemplare) in KindleSpy für den deutschen Markt kalkuliert wurden, kann man nicht mit Sicherheit sagen.

Wer also glaubt, via KindleSpy exakte Umsatz-Prognosen ablesen zu können, sollte seine Erwartungshaltung etwas reduzieren. Doch das ist auch gar nicht der wichtigste Punkt.

Wo KindleSpy punkten kann, ist der Vergleich von Kategorien. Wenn Sie also mehrere Kategorien für Ihr nächstes Buchprojekt in der engeren Wahl haben, hilft KindleSpy Ihnen dabei, die bessere (= potentiell lukrativere) Kategorie auszuwählen. Und die Ergebnisse sind teilweise recht überraschend.

Analyse von Suchbegriffen

Sehr interessant ist auch die Analyse von Suchbegriffen. Mit dieser Funktion können Sie nicht nur sehen, wie viel Konkurrenz Sie für bestimmte Suchbegriffen haben, sondern erhalten auch eine Einschätzung, wie gut sich die erfolgreichsten Bücher mit diesen Suchbegriffen bei Amazon verkaufen.

Screenshot KindleSpy

Diese Funktion ist für Romanautoren ebenso interessant wie für Sachbuchautoren. Mit ein wenig Geduld und Experimentierfreude kann man so eine optimale Kombination aus Schlagworten für das eigene Buch finden, mit denen man einerseits nicht zu viel Konkurrenz hat, aber trotzdem zusammen mit anderen, bereits erfolgreichen Büchern gelistet wird.

Weitere Funktionen

Doch der KindleSpy kann sogar noch mehr. So können Sie beispielsweise auch die Bücher eines bestimmten Autors analysieren oder die Entwicklung bestimmter Titel über einen längeren Zeitraum beobachten.

Interessant ist auch die Schlagwortwolken-Funktion, die die am häufigsten vorkommenden Wörter in den Suchergebnissen darstellt. Auch hier erkennt man allerdings, dass das Programm nicht speziell für den deutschen Markt entwickelt wurde – denn sonst würden Artikel wie der, die oder das bei der Analyse ausgefiltert werden.

Screenshot KindleSpy

Alle Ergebnisse lassen sich im CSV-Format (Comma separated value) exportieren und so z.B. in Excel komfortabel weiter verarbeiten.

Wo bekommt man den KindleSpy?

Die offizielle Verkaufsseite von KindleSpy finden Sie unter http://www.kdspy.com. Das Programm ist zur Zeit für 47 USD erhältlich, umgerechnet also knapp 45 Euro.

Der Preis wird sich zu einem nicht näher definierten Zeitpunkt auf 97 USD erhöhen. Wer sich also für das Tool interessiert, sollte lieber zeitnah zuschlagen, als zu lange zu zögern und dann mit Pech doppelt so viel für das Programm ausgeben zu müssen.

Fazit: Auch wenn der KindleSpy beileibe kein Muss für Autoren ist, liefert er einem dennoch viele aufschlussreiche Informationen darüber, was sich auf Amazon gut verkauft und was nicht. Da das Programm aktiv weiterentwickelt wird und zukünftige Updates im Preis inbegriffen sind, ist das Preis-Leistungsverhältnis sehr gut – ich vergebe daher 4/5 Sternen.


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Tolino Media: Neues Selfpublishing-Portal als Konkurrenz zu Amazon KDP

Seit dem Deutschland-Start seines KDP-Programms (Kindle Desktop Publishing) vor vier Jahren dominiert Amazon die deutsche Selfpublishing-Landschaft. Amazons breite Palette unterschiedlicher eReader-Modelle vom einfachen Kindle Touch über den Kindle Paperwhite und die Kindle-Fire-Tablets bis zum neuen Kindle Voyage haben in der Summe den größten Marktanteil in Deutschland, was logischerweise dazu führt, dass Amazon auch in Sachen eBook-Verkäufe die Nase vorne hat.

Doch bereits seit 2013 arbeitet die deutsche Tolino-Allianz daran, zur starken Konkurrenz für Amazon zu werden. Ihre eReader wie der Tolino Shine, der Tolino Vision und die Tolino-Tablets erreichen in Testberichten ähnlich gute Noten wie Amazons vergleichbare Kindle-Geräte und bauen gerade durch die Vertriebsanbindung der Geräte an den stationären Buchhandel ihren Marktanteil in Deutschland stetig aus, so dass sich mittlerweile 90% des deutschen eBook-Markts zu ungefähr gleichen Teilen zwischen Amazon und der Tolino-Allianz aufteilen (Link zum Artikel).

Doch während Amazon es über sein KDP-Programm selbstverlegenden Autoren leicht macht, ihre Bücher über Amazon für den Kindle zu veröffentlichen, konnten Autoren die Buchshops der Tolino-Allianz bisher nur über zwischengeschaltete Distributoren wie Neobooks oder Bookrix beliefern. Doch das soll sich nun ändern.

Wie Matthias Matting in einem Artikel in der Selfpublisher-Bibel berichtet, startet die Tolino-Allianz Ende April ihr eigenes Selfpublishing-Portal: Tolino Media.

Bereits jetzt ist es für interessierte Autoren möglich, sich unter http://www.tolino-media.de in die Autorendatenbank eintragen zu lassen und so direkt vom Start an dabei zu sein. Und was bisher schon über das neue Portal durchgesickert ist, wirkt äußerst interessant…

Ebenso wie bei Amazons KDP-Programm soll auch bei Tolino Media die Veröffentlichung für Autoren kostenlos sein. Auch die benötigte ISBN wird kostenlos gestellt und Tolino Media kümmert sich sogar für die Autoren um die Lieferung der Pflichtexemplare an die Deutsche Nationalbibliothek. So weit, so vorbildlich.

Es gibt keinerlei Verpflichtungen zur Exklusivität, so dass sich eine Veröffentlichung über Tolino Media problemlos mit einer parallelen Veröffentlichung über Amazon KDP kombinieren lässt. Damit wird Tolino Media zunächst einmal all jene Autoren anlocken, die sich nicht über KDP Select exklusiv an Amazon gebunden haben. Und selbst bisherige KDP-Select-Autoren werden es sich zweimal überlegen, ob sie weiterhin in KDP Select bleiben und sich so den stetig wachsenden Tolino-Markt entgehen lassen. Und je mehr Autoren KDP Select verlassen, desto schwerer dürfte auch der Stand von Amazons Lese-Flatrate “Kindle Unlimited” werden, in der ja größtenteils Bücher von KDP-Select-Autoren enthalten sind.

Auch in Sachen Transparenz zieht Tolino Media mit Amazon gleich: Autoren müssen sich nicht langfristig binden, sondern die Verträge sind jederzeit kündbar, zudem soll es für die Autoren tagesaktuelle Verkaufszahlen geben – ein klarer Vorteil gegenüber der Veröffentlichung über Distributoren. Denn so ist es für Autoren möglich, den Erfolg von Marketing-Aktionen tagesgenau an ihren Verkaufszahlen abzulesen.

Auch bei den Tantiemen zieht Tolino Media mit Amazon gleich und bietet Autoren stolze 70% des Netto-Verkaufspreises (also abzüglich Mehrwertsteuer) als Tantiemen – allerdings, und das ist der kleine Haken, zunächst einmal nur während der Einführungsphase bis Ende Januar 2016.

Die Logik hinter diesem Angebot ist klar: Hier geht es darum, sich zunächst einmal als bessere Alternative zu zwischengeschalteten Distributoren wie Neobooks, Bookrix, Xinxii etc. zu positionieren. Während diese in der Regel 70% dessen ausbezahlen, was sie von den Händlern erhalten (also 70% von 70%, was unterm Strich lediglich 49% des Netto-VK entspricht), können Autoren bei einer Direktveröffentlichung über Tolino Media zumindest anfangs wie bei Amazon volle 70% Tantiemen erhalten.

Natürlich bleibt zunächst noch die Frage offen, wie es ab Februar 2016 aussehen wird. Ich würde vermuten, dass Tolino Media nach Ablauf der Einführungsphase zwar von den 70% abrücken wird, aber immer noch deutlich über den 49% bleiben wird, die Autoren über die meisten Distributoren erhalten. Ich halte 60% (ähnlich wie die Tantiemen des italienischen Distributors Narcissus) für eine realistische Prognose.

Bis zum Start von Tolino Media Ende April dürfte es bei den Distributoren noch die eine oder andere Strategiesitzung geben, – denn ihre Situation dürfte sich durch den Start von Tolino Media deutlich verschlechtern. Da Amazon und die Tolino Allianz gemeinsam rund 90% des deutschen eBook-Markts abdecken, werden viele Autoren die restlichen 10% des Markts ignorieren und stattdessen lieber höhere Tantiemen für die 90% des eBook-Markts kassieren, die sie selbst über Amazon KDP und Tolino Media beliefern können.

Um weiterhin interessant zu bleiben, müssen sich die Distributoren also überlegen, wie sie sich zukünftig positionieren wollen. Sie könnten ihren Anteil (und damit ihren Gewinn) reduzieren, um Autoren höhere Tantiemen auszahlen zu können – doch damit dürften sie frühestens ab Februar 2016 punkten können… und auch das nur, falls Tolino Media die Tantiemen für Selfpublisher nach der Einführungsphase deutlich senkt.

Die andere Alternative für die Distributoren besteht darin, noch mehr als bisher zum Dienstleister für die Autoren zu werden und sie entweder kostenlos oder zu äußerst günstigen Preisen beim Veröffentlichungsprozess und der effektiven Vermarktung ihrer Bücher zu unterstützen.

Es ist eine erfreuliche Tatsache, dass mit dem Start Tolino Media die Position der selbstveröffentlichenden Autoren noch einmal deutlich gestärkt wird. Mussten Autoren in der “alten Verlags-Welt” noch um die Gunst der Verlage buhlen, liegen heute die Anbieter im Wettstreit um die Gunst der Autoren. Wer bietet die höchsten Tantiemen, den besten Service und den größten Marktanteil? Konkurrenz belebt das Geschäft – und stärkt die Position der selbstverlegenden Autoren.


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Buchmarketing: Direktlinks zu Amazon-Rezensionen

Die meisten Schriftsteller verkaufen den größten Teil ihrer Bücher über Amazon. Dort ist es auch, wo sich im Laufe der Zeit die meisten Rezensionen zu unseren Büchern ansammeln. Wertvolles Kapital, das man als Autor mit etwas Geschick gut für das eigene Marketing nutzen kann.

Warum Rezensionen so wichtig sind

Einer der wichtigsten Entscheidungsfaktoren, ob sich ein Buch gut verkauft oder nicht, sind Rezensionen: Schlechte Rezensionen können ein Buch so gründlich verbrennen, dass kaum noch jemand sein gutes Geld für dieses Buch ausgeben wird.

Auch ein völliger Mangel an Rezensionen sorgt bei potentiellen Lesern für Verunsicherung. Wenn das Buch nicht gerade erst vor ein paar Tagen erschienen ist – warum gibt es dann noch keine Rezensionen? Hat etwa bisher niemand das Buch gekauft bzw. gelesen? Und wenn das Buch bisher niemanden zum Kauf animieren konnte – warum soll ich dann das Versuchskaninchen spielen und das Risiko eingehen, für mein gutes Geld ein womöglich schlecht konstruiertes, schlecht geschriebenes und/oder mangelhaft lektoriertes Buch zu kaufen?

Gute Rezensionen hingegen, möglichst mit einem Durchschnitt von mindestens 4 Sternen, sind ein echtes Kaufargument. Man spricht hier von “Social Proof“: Die Rezensionen beweisen, dass anderen Lesern das Buch gut gefallen hat, was wiederum dafür spricht, dass es auch mir gefallen dürfte – besonders, wenn ich aus den Rezensionen herauslesen kann, dass dem Rezensenten dieselben Dinge bei einem Buch wichtig sind wie mir.

Gute Rezensionen sind aus meiner Sicht der wichtigste Faktor, der darüber entscheidet, wie gut sich ein Buch verkauft. Der wichtigste Faktor? Und was ist mit Dingen wie einem professionellen Cover, einem zugkräftigen Titel und einem gut geschriebenen Werbetext, der die Leser neugierig macht? Und last not least mit der Qualität des Buchs?

All diese Dinge sind wichtig, sogar essentiell. Aber sie stehen in ihrer Bedeutung nicht über oder neben den Rezensionen, sondern sind deren Grundlage. Ohne sie bekommt man entweder keine oder schlechte Rezensionen. Rezensionen sind die Essenz, die Zusammenfassung der Meinungen der Leser über unser Buch. Und bei Amazon muss ein Interessent nicht einmal die kompletten Rezensionen durchlesen, da Amazon sie mit seiner Bewertungs-Skala von 1-5 Sternen quantifizierbar gemacht hat. Bei jedem Buch sieht man auf einen Blick anhand eines übersichtlichen Balkendiagramms, wie sich die Bewertungen der Leser verteilen.

Gerade bei Büchern mit sehr vielen Bewertungen liest man als Interessent meist nicht alle Rezensionen. Dafür hat man gar nicht die Zeit. Stattdessen beschränkt man sich auf die “hilfreichsten Rezensionen” oder schaut gezielt nach den schlechtesten Bewertungen, um mögliche Kritikpunkte zu finden, die gegen einen Kauf sprechen.

Doch egal wie wichtig Rezensionen für unsere Buchverkäufe auch sein mögen: der potentielle Leser bekommt sie erst dann zu Gesicht, wenn er schon auf der Amazon-Seite unseres Buchs gelandet ist und sich die Mühe macht, die Rezensionen zum Artikel anzuklicken.

Das ist der Punkt, an dem wir ansetzen müssen.

Bestandsaufnahme und Materialsammlung

Gehen Sie zunächst in einer ruhigen Stunde alle Rezensionen zu Ihren Büchern durch, die sich mittlerweile auf Amazon angesammelt haben – in erster Linie natürlich die 5-Sterne-Rezensionen.

Fragen Sie sich bei jeder dieser Rezensionen: Wäre diese Rezension für Sie ein Grund, dieses Buch zu kaufen? Rezensionen, die zu viel über den Inhalt des Buchs verraten oder gar das Ende spoilern, kommen für unsere Zwecke natürlich nicht in Frage. Genauso wenig oberflächliche und nichtssagende Rezensionen wie “Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es liest sich gut und ich würde mir weitere Bücher der Autorin kaufen”, die auf so ziemlich jedes Buch passen würden. Optimal sind Rezensionen, denen man die Begeisterung des Rezensenten anmerkt und die genau auf den Punkt bringen, was ihnen an diesem Buch besonders gut gefallen hat.

Legen Sie sich eine Liste dieser Rezensionen an, zum Beispiel in einer Excel-Tabelle. In die erste Spalte kommt der Titel des Buchs, auf den sich die Rezension bezieht, in die zweite die Anzahl der Sterne (wobei meist nur die 5-Sterne-Rezensionen wirklich werbewirksam sind). In die dritte Spalte tragen Sie den Titel der Rezension ein – z. B. “Einer der besten Thriller des letzten Jahres!”.

In die vierte Spalte übernehmen Sie den direkten Link zur Rezension. Diesen erhalten Sie, indem Sie mit der rechten Maustaste auf “Kommentar als Link” klicken (finden Sie rechts unterhalb jeder Rezension bei Amazon) und dann diesen Link kopieren.

Wenn Sie auf diese Weise alle Rezensionen zu Ihren Büchern durchgegangen sind, haben Sie eine Menge gutes Werbematerial gesammelt.

Wie bringt man den Interessenten zur Rezension?

Auch wenn Sie natürlich keine kompletten Rezensionen von Amazon oder anderen Seiten kopieren dürfen, um diese beispielsweise auf Ihrer Autorenhomepage zu veröffentlichen (Achtung: Urheberrecht!), dürfen Sie natürlich auf Rezensionen verlinken.

So könnten Sie mit dem gesammelten Material aus Ihrer Tabelle einen Tweet zusammenstellen, den Sie alle paar Wochen mal auf Twitter posten:

“Einer der besten Thriller des letzen Jahres!” 5-Sterne-Rezension zu “Schwarzes Gold” http://… {hier fügen Sie den Link zur Rezension ein…}

Oder Sie bringen auf der Webseite zu Ihrem Buch eine Kategorie “Leserstimmen”, in der Sie die Titel der besten Rezensionen untereinander auflisten (natürlich stets mit einem Link zur jeweiligen Rezension dahinter).

Ob Sie die Links nun auf Ihrer Homepage anbringen und/oder auf Twitter nutzen – Sie schlagen in jedem Fall zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie präsentieren potentiellen Käufern Ihres Buchs nicht nur eine gute Rezension, die beweist, dass es sich lohnt, Ihr Buch zu kaufen … nein, Sie schicken den Interessenten auf diese Weise auch noch direkt zu Amazon, wo er, wenn Sie sein Interesse wecken konnten, mit wenigen Klicks Ihr Buch kaufen kann. ;-)

Wenn Sie eine Affiliate-ID bei Amazon haben, um Werbekostenerstattungen für vermittelte Käufe zu erhalten, können Sie sogar noch eine dritte Fliege mit derselben Klappe erschlagen: Wenn Sie hinter den Link zur jeweiligen Rezension, den Sie sich heraus kopiert haben, noch &tag=IhreID setzen (wobei Sie natürlich IhreID durch Ihr Affiliate-Kürzel ersetzen müssen), werden aus diesen Links resultierende Bestellungen auch noch auf Ihre Werbekostenerstattung angerechnet.

Ein weiterer Vorteil des Einfügens einer Affiliate-ID ist, dass Sie so jederzeit über Amazon nachschauen können, wie viele Besucher über einen Ihrer Links Ihr Buch angeklickt haben, und wieviel Prozent dieser potentiellen Käufer das Buch dann auch tatsächlich bestellt haben. Das kann sehr informativ sein. Wenn Sie die Zahlen z. B. vor und nach einer Änderung Ihres Buchcovers oder des Preises vergleichen, können Sie leichter abschätzen, ob die Änderungen einen positiven, einen negativen oder überhaupt keinen Effekt auf die “Kaufquote” Ihrer potentiellen Leser hatten.

Probieren Sie es einfach einmal aus – es lohnt sich!


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Gratis-Aktionen bei Amazon: Sinnvolles Marketing-Instrument oder gefährliches Eigentor?

Noch nie war es so einfach wie heute für Autoren, ihre Bücher zu veröffentlichen und so einer breiten Allgemeinheit zugänglich zu machen. Hohe Tantiemen im eBook-Bereich (bis zu 70% des Netto-Verkaufspreises) wirken auf den ersten Blick wie ein wahres Schlaraffenland für Autoren – denn von solchen Tantiemen können Schriftsteller, die bei einem klassischen Publikumsverlag unter Vertrag sind, nur träumen.

Doch mit der Flut an neuen Titeln, die gerade in Amazons Kindle-Shop täglich herauskommt, wird es immer schwieriger, mit seinem Buch aus der Masse herauszustechen und Käufer zu finden.

Viele Autoren melden daher ihr Buch für Amazons KDP-Select-Programm an. Hierbei dürfen sie ihr eBook ausschließlich über Amazon anbieten (also nicht parallel auch noch über andere Shops oder die eigene Autorenhomepage), haben dafür aber z.B. die Möglichkeit, ihr Buch zeitweise als Werbeaktion kostenlos anzubieten. Doch lohnt sich das wirklich?

Wer als Autor überlegt, sein Buch bei Amazon an einzelnen Tagen kostenlos anzubieten, sollte schon im Vorfeld sehrgenau darüber nachdenken, was er damit beabsichtigt.

Bringen Gratis-Aktionen positive Rezensionen?

Der Vorteil einer Gratisaktion (besonders, wenn man diese auch noch über Twitter, Facebook oder andere Medien aktiv bewirbt) ist, dass das Buch mit Sicherheit ziemlich häufig heruntergeladen wird. Je mehr Leute das Buch herunterladen und lesen, umso größer sind natürlich auch die Chancen, dass einzelne dieser Leser bei Amazon eine Rezension abgeben. Und je mehr positive Rezensionen ein Buch vorzuweisen hat, umso eher werden andere Interessenten bereit sein, das Buch zu kaufen.

Doch der Knackpunkt ist natürlich das Wort “positive”. Negative Rezensionen und Verrisse können rasch alles wieder kaputt machen, was mit ein paar guten Rezensionen so erfolgversprechend begonnen hat. Und mit einer Gratis-Aktion erhöht man leider das Risiko negativer Rezensionen überproportional. Warum das?

Wenn ein Buch Geld kostet, wird es in erster Linie von der Zielgruppe des Autors gekauft, die tatsächlich genau solche Bücher gerne liest. Diese werden, wenn das Buch gut geschrieben ist, sehr zufrieden damit sein und mit etwas Glück auch eine (dann natürlich positive) Rezension auf Amazon abgeben.

Doch bei Gratisaktionen greifen auch viele Leser zu, die eigentlich überhaupt nicht zur Zielgruppe des Autors gehören. Sie nehmen einfach alles mit, was nichts kostet. Viele von ihnen werden das Buch niemals lesen, sondern nur in ihrem Kindle “hamstern” und digitalen Staub ansetzen lassen – und das ist ein Glück.

Denn wenn sie es tatsächlich lesen und (da es eigentlich für eine ganz andere Zielgruppe geschrieben wurde) nichts damit anfangen können, ist die Gefahr recht groß, dass sie anschließend eine negative Rezension bei Amazon abgeben, weil ihnen das Buch nicht gefallen hat. Diese Negativrezensionen schrecken dann wiederum Leser ab, die wirklich zur Zielgruppe gehören und denen das Buch höchstwahrscheinlich gut gefallen würde.

Sie sehen: Auch gut gemeinte Geschenke können Risiken und unerwünschte Nebenwirkungen haben. ;-)

Würden Sie alles verschenken, was Sie besitzen?

Das zweite Problem bei einer Gratisaktion ist, dass sehr viele Autoren, die ihr Buch als Gratisdownload anbieten, bisher nur dieses eine Buch veröffentlicht haben. Wenn also ein neuer Interessent über die Gratisaktion auf ihr Buch stößt, es herunterlädt und tatsächlich begeistert ist, gibt es keine weiteren Bücher desselben Autors, die er sich kaufen könnte.

Und bis irgendwann das nächste Buch dieses Autors herauskommt, hat der Leser ihn aufgrund der stetigen Flut kostenloser Kindle-Bücher höchstwahrscheinlich längst wieder vergessen. Insofern kann eine Gratisaktion auch hier nicht den Buchumsatz ankurbeln.

Wesentlich effektiver ist eine Gratisaktion, wenn man bereits eine ganze, aufeinander aufbauende Serie von Büchern veröffentlicht hat und dann den ersten Band der Serie im Rahmen einer Werbeaktion vorübergehend kostenlos anbietet. Wenn dem Leser der erste Band gefällt, wird er sich entweder nach und nach oder – wenn man sehr viel Glück hat – direkt auf einen Schlag auch noch alle anderen Bücher der Serie bestellen.

“Teile und herrsche!”  – oder auch nicht…

Manche Ein-Buch-Autoren versuchen, auf dieser Welle mit zu schwimmen: Sie zergliedern kurzerhand den einen Roman, den sie geschrieben haben, in seine einzelnen Kapitel und veröffentlichen ihn dann als Fortsetzungsgeschichte (oder neudeutsch “Serial”) in ebenso vielen Bänden. Jeder dieser Bände hat dann natürlich eine sehr geringe Seitenzahl (oft nur 20-30 Seiten) und wird für 99 Cent angeboten.

Auch dies ist darauf angelegt, dass man den ersten Band kostenlos abgibt und so interessierte Leser findet, die dann die Bände 2-10 kaufen, um zu erfahren, wie die Handlung weiter geht. Diese mittlerweile überstrapazierte Methode ist allerdings nicht sonderlich erfolgversprechend. Leser lassen sich nicht so einfach ködern. Sie sehen auf einen Blick, dass sie insgesamt knapp zehn Euro hinlegen müssen, um in der Summe einen Roman von ca. 200-300 Seiten zu bekommen. Für so viel Geld bekommen sie auch einen Top-Bestseller eines bekannten Autors.

Da sie direkt sehen, dass der erste Band nur ein “Appetithappen” ohne in sich abgeschlossene Handlung ist, werden sie diesen höchstwahrscheinlich nicht einmal geschenkt haben wollen – geschweige denn, außerhalb einer solchen Gratisaktion 99 Cent dafür ausgeben.

Nichts gegen echte Serials, die bereits bei ihrer Planung wie eine Fernsehserie auf einzelne Episoden angelegt wurden, die sich dann irgendwann zu einer ganzen Staffel zusammenfügen. Gute Serial-Autoren können meisterlich mit Cliffhangern und ineinander verschachtelten Spannungsbögen arbeiten, um ihre Leser bei der Stange zu halten.

Doch ein zerstückelter Roman wird durch das Aufteilen in mehrere Bände genausowenig zum echten Serial, wie ein Spielfilm durch nervige Werbeunterbrechungen zum TV-Mehrteiler wird. Daher sollte man von dieser zweifelhaften Strategie lieber die Finger lassen, wenn man seine mühsam gewonnenen Leser nicht verärgern möchte.

Das “Prequel” als Appetithappen

Die beste Lösung ist meist Werbung über eine speziell zu diesem Zweck geschriebene Kurzgeschichte. Dafür schreiben Sie zusätzlich zu Ihrem Roman noch eine Kurzgeschichte desselben Genres, in der ebenfalls der Protagonist Ihres Romans die Hauptrolle spielt.

Bei dieser Kurzgeschichte kann es sich um eine völlig unabhängige Handlung oder auch um die Vorgeschichte (also ein “Prequel”) zu Ihrem Roman handeln – aber niemals um eine Fortsetzung, die nach der Handlung des Romans spielt. Der Leser muss die Geschichte genießen können, ohne den Roman zu kennen – und natürlich darf die Kurzgeschichte auch keinesfalls irgendwelche ‘rückblickenden’ Spoiler enthalten, die zu viel über die Handlung oder gar das Ende des Romans verraten.

Das Ziel ist, dass der Leser (und damit potentielle Käufer Ihres Romans) die Gelegenheit hat, anhand der Kurzgeschichte Ihren Schreibstil, das Setting Ihres Romans und die wichtigsten Figuren des Romans (oder zumindest den Protagonisten) kennenzulernen.

Diese Kurzgeschichte schreiben Sie nur, um diese kostenlos über so viele Quellen wie möglich zu veröffentlichen und zu verteilen – natürlich jeweils mit einem Link zu Ihrer Homepage und der Seite, über die man Ihren Roman bei Amazon & Co. bestellen kann.

Veröffentlichen Sie Ihre Kurzgeschichte daher beispielsweise über BoD E-Short. Das kostet Sie als Autor keinen Cent und ermöglicht es Ihnen, Ihre Geschichte auf einen Schlag über eine Vielzahl von eBook-Shops kostenlos anzubieten.

Solange die Vertragsbedingungen des Anbieters, über den Sie veröffentlichen, dies nicht untersagen, spricht natürlich nichts dagegen, Ihre Geschichte parallel auch noch über andere Kanäle wie Scribd, Noisetrade, Ihre eigene Autorenhomepage et cetera zu veröffentlichen. Hauptsache, dass jedes Exemplars den Link zu Ihrem kompletten Roman enthält – und vielleicht noch eine Leseprobe zum Anködern.

Machen Sie anschließend über Twitter, Facebook und andere Soziale Netzwerke in regelmäßigen Abständen immer wieder mal Werbung für Ihre kostenlose Kurzgeschichte, um möglichst viele potentielle Leser zum Download zu motivieren.

Die Gefahr und die Tragweite von negativen Rezensionen ist bei solchen Kurzgeschichten relativ gering. Sie wollen ohnehin kein Geld durch den Verkauf der Kurzgeschichte verdienen, sondern sie nur gratis verteilen, um so das Interesse für Ihren Roman anzukurbeln. Insofern kann selbst eine negative Rezension keine Käufer abschrecken.

Wenn der Funke bei der Kurzgeschichte hingegen überspringt, ist die Wahrscheinlichkeit recht gut, dass der Leser daraufhin Ihren Roman bestellt, um ein weiteres, größeres Abenteuer mit dem Helden Ihrer Kurzgeschichte zu erleben.

Unterm Strich ist dies daher gerade für Autoren, die erst einen Roman veröffentlicht haben, die beste und effektivste Methode, um mit einer Gratis-Aktion die Umsätze ihres Buchs anzukurbeln.


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