Gratis-Veröffentlichung über epubli: ein lohnendes Angebot?

Wenn man heutzutage als Selfpublisher sein Buch nicht ausschließlich als eBook veröffentlichen möchte, ist man auf Print-on-Demand-Anbieter angewiesen. Doch für welchen sollte man sich entscheiden?

Der zur Holtzbrinck Publishing Group gehörende Anbieter epubli macht zur Zeit überall Werbung damit, dass man über sie sowohl eBooks als auch gedruckte Bücher ganz ohne Fixkosten veröffentlichen kann („Gratis-Veröffentlichung mit ISBN bis 15.06.16„).

Gut, für eBooks ist das mittlerweile Standard. Selbst wenn vom Verlag eine ISBN-Nummer zur Verfügung gestellt wird, ist man als Autor heutzutage gewohnt, für die Veröffentlichung eines eBooks nichts mehr bezahlen zu müssen.

Doch für gedruckte Bücher sieht die Sache schon anders aus. Hier fällt üblicherweise eine Pauschale an, die dann nicht nur die ISBN, sondern auch den Versand der Pflichtexemplare an die Deutsche Nationalbibliothek beinhaltet. Während dies bei eBooks auf elektronischem Wege (und somit kostenneutral) geschehen kann, müssen beim Printbuch diese Exemplare wirklich gedruckt und physisch versendet werden. Dass dies mit Kosten verbunden ist, die der Autor im Rahmen seiner Veröffentlichung mit der Einrichtungspauschale von beispielsweise 19 Euro bezahlt, versteht sich von selbst.

Wenn jetzt also epubli (zumindest zeitlich limitiert bis zum 15.06.2016) eine kostenlose Veröffentlichung als Printbuch anbietet, erscheint dies auf den ersten Blick durchaus reizvoll. Doch ist das Angebot wirklich so gut, wie es auf den ersten Blick erscheint?

Um das wirklich beurteilen zu können, muss man das Angebot von epubli mit dem des Branchenprimus BoD (Books on Demand) vergleichen, der in den meisten Fällen die besten Konditionen für Selfpublisher anbieten kann.

Aspekt 1: Die Fixkosten

Bei den Fixkosten hat epubli mit seinem Gratis-Angebot ganz klar die Nase vorne. Sofern man sein Buch nicht nur für den Eigenbedarf drucken, sondern auch über den Buchhandel vertreiben möchte, liegt beim Konkurrenten BoD der günstigste Tarif („BoD CLASSIC„) bei 19 Euro.

Leistungsmäßig liegen das Angebot von epubli und der Classic-Tarif von BoD auf einer ähnlichen Ebene: inbegriffen ist in beiden Fällen eine ISBN, der Vertrieb des eigenen Buchs über den Buchhandel und der Versand der Pflichtexemplare an die Deutsche Nationalbibliothek.

In Sachen Fixkosten geht der Punkt also ganz klar an epubli – günstiger als gratis gibt es nicht.

Aspekt 2: Die Tantiemen

Um wirklich beurteilen zu können, ob ein vermeintliches Schnäppchen sich tatsächlich lohnt, muss man alle Details vergleichen und langfristig denken. Man kauft ja auch keinen billigen Kühlschrank, der in der Anschaffung zwar 100 Euro günstiger ist, bei dem man aber durch den wesentlich höheren Stromverbrauch 70 Euro pro Jahr drauflegt.

Übertragen auf Bücher sind es also die Tantiemen, die uns interessieren sollten – besser gesagt: das Verhältnis zwischen Verkaufspreisen und Tantiemen.

Auch wenn ein im Print-on-Demand-Verfahren gedrucktes Buch natürlich niemals so günstig sein kann wie ein in einer hohen Auflage gedrucktes klassisches Taschenbuch, sind die Unterschiede in den Angeboten der einzelnen Anbieter dennoch ziemlich groß.

Glücklicherweise haben sowohl epubli als auch BoD einen Preisrechner, über den man als Autor selbst experimentieren kann, mit welcher Seitenzahl und Seitengröße man bei welchem Verkaufspreis wie viel Tantiemen je verkauftem Buch erhalten würde.

epubli: https://www.epubli.de/publish/autorenhonorar

BoD: http://www.bod.de/autoren/buch-veroeffentlichen/preiskalkulation.html

Betrachten wir als Vergleichsbasis einen Roman mit 300 Seiten – ein guter Durchschnittswert.

Bei BoD fällt hier direkt auf, dass der empfohlene Verkaufspreis und die Tantiemen nicht vom gewählten Buchformat abhängen (jedenfalls, solange man sich nicht für eines der als „Großformat“ gekennzeichneten A4-basierten Formate entscheidet).

Von 12×19 cm bis 15,5×22 cm kosten hier alle Formate dasselbe. Mit dem von BoD vorgeschlagenen Verkaufspreis von 9,99 Euro erhielte man als Autor Tantiemen von netto 0,94 €. Wählt man einen höheren Verkaufspreis, erhält man von jedem zusätzlichen Euro Pi mal Daumen 50 Cent als Tantiemen. Bei einem 300-Seiten-Buch, das für 14,99 € angeboten wird, wären das also Tantiemen von 3,51 €.

Beim Preisrechner von epubli fällt im Vergleich direkt auf, dass hier die unterschiedlichen Papierformate auch unterschiedlich viel kosten. Für meinen Vergleich wähle ich also mit „Taschenbuch (12,5 x 19,0 cm)“ das kleinste Format, das ähnlich auch von BoD angeboten wird.

Hier fällt direkt auf, dass man mit der Anzahl der Bücher experimentieren kann. Legt man ein einzelnes Buch zugrunde (also klassisches Print-on-Demand: das Buch wird gedruckt, wenn der Kunde es bestellt) liegt der empfohlene VK bei 10,99 € und die Höhe der Tantiemen bei einem Verkauf über den Buchhandel 1,09 €.

Geht man auf 9,99 € (also denselben Preis, den wir bei BoD angesetzt hatten), sinken die Tantiemen auf 0,62 € – also ca. 1/3 weniger als bei BoD.

Bei einem VK von 14,99 € landen wir bei epubli bei Tantiemen von 2,96 €, also nur gute 50 Cent unter dem Angebot von BoD (3,51 €).

Bei kleinformatigen Taschenbüchern liegen beide Wettbewerber also nicht allzu weit auseinander – doch das ändert sich rasch, wenn man auf ein größeres Seitenformat gehen möchte.

Kalkulieren wir über epubli ein 300-Seitiges „Sachbuch (13,5 x 20,5 cm)“, landen wir aufgrund des größeren Papierformats sofort bei einer Preisempfehlung von 17,99 € mit 1,40 € Tantiemen.

Bei BoD ist diese Änderung des Formats preisneutral – man könnte also auch hier den Verkaufspreis von 9,99 € bei 0,94 € Tantiemen halten. Ginge man hingegen nach dem Motto „Sachbücher dürfen ruhig teurer sein als Romane“ auf den von epubli empfohlenen VK von 17,99 €, läge die Höhe der Tantiemen bei BoD mit 5,05 € je verkauftem Buch über dreimal so hoch wie bei epubli.

In Sachen Tantiemen geht der Punkt also ganz klar an BoD.

Verfügbarkeit im Buchhandel

Bei Verkäufen über den epubli-eigenen Buchshop erhält man als Autor zwar höhere Tantiemen, doch ist dessen Marktanteil relativ gering. Die meisten Kunden bestellen ihre Bücher eher über Amazon oder andere große Online-Buchhändler als im epubli-Shop.

Die über epubli veröffentlichten Bücher können zwar auch über Amazon bestellt werden, aber nicht direkt von Amazon, sondern nur über den Marketplace (vom Anbieter „epubli GmbH“). Zusätzlich fallen für den Kunden dort nochmal 3,00 € Versandkosten an. Auch bei einer Bestellung über den bereits erwähnten epubli-Shop muss der Kunde 2,95 € Versandkosten tragen – also in dieser Beziehung kein großer Unterschied.

Da Leser aber mittlerweile gewohnt sind, Bücher portofrei zu erhalten, fallen allein die Portokosten aus meiner Sicht schon unter „Verkaufsverhinderung“.

Über BoD veröffentlichte Bücher sind hingegen direkt über Amazon erhältlich (nicht nur über den Marketplace!) und werden portofrei geliefert.

Allein dieser Unterschied macht die über epubli veröffentlichten Bücher für den Endkunden runde drei Euro teurer als ein ansonsten vergleichbares BoD-Buch.

Auch hier geht der Punkt somit an BoD.

Fazit

Auch wenn das Angebot von epubli auf den ersten Blick gut klingt, kann ich es im Vergleich zu BoD leider nicht empfehlen.

Man spart zwar 19 Euro bei der Veröffentlichung des Buchs, doch erhält man deutlich geringere Tantiemen (jedenfalls, solange man nicht vom Print-on-Demand-Modell weggeht und eine ganze Auflage seines Buchs über epubli drucken und an Lager legen lässt) und hat zudem den Nachteil, dass die Bücher nicht portofrei erhältlich sind.

Wenn man lediglich eine teure Printbuch-Ausgabe seines eBooks veröffentlichen möchte, damit die eBook-Version (über die man den Löwenanteil seiner Buchverkäufe erzielt) verglichen mit dieser nach einem echten Schnäppchen aussieht, kann man beim epubli-Angebot durchaus zugreifen – schließlich kostet es nichts.

In diesem Fall sollte man den Verkaufspreis ruhig so hoch ansetzen, dass man mit dem Verkauf eines gedruckten Buchs ebenso viel wie mit dem Verkauf der eBook-Version verdient – fals doch mal jemand ein Exemplar bestellt.


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Leseflatrates – schöne neue eBook-Welt?

„Ich habe die Zukunft gesehen, und sie wird nicht funktionieren.“ Dieser Satz des amerikanischen Kolumnisten Paul Krugman (der sich im ursprünglichen Kontext auf seine Bilanz einer China-Reise bezog) würde perfekt zu einem Artikel über die Zukunft des Selfpublishings passen – jedenfalls für Autoren, die das Schreiben nicht nur als schönes Hobby, sondern auch als veritablen Nebenverdienst oder gar als ihr Haupteinkommen sehen. Denn der große Ausverkauf hat bereits begonnen.

Ich kann an dieser Stelle förmlich die skeptisch hochgezogenen Augenbrauen vieler Leser vor mir sehen. Haben wir denn nicht die schöne neue Welt des Selfpublishings, in der es keine mächtigen Schwellenwächter in Form von Lektoren, Literaturagenten und Verlagen mehr gibt, sondern in der jeder Schriftsteller seine Bücher einfach und unkompliziert selbst veröffentlichen kann?

Beides ist korrekt – und es passt leider nur zu gut zusammen. Wir befinden uns, was die Welt der Autoren angeht, gerade mitten in der zweiten digitalen Revolution – einer leisen, unauffälligen Revolution, die schleichend und auf leisen Sohlen die tönernen Füße der schönen neuen Selfpublishing-Welt unterspült und sie nach und nach zusammenbrechen lässt. Nicht mit einem lauten Knall wie ein Hochhaus, das in sich zusammen stürzt, sondern eher wie die kleinen Pfahlbauten einer Siedlung, die nach und nach verrotten, in sich zusammensinken und in den Fluten verschwinden, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Wenn man früher ein Buch veröffentlichen wollte, gab es fast nur den Weg über die klassischen Verlage. Selfpublishing gab es zwar auch schon in früheren Jahrhunderten (mit renommierten Beispielen von Gotthold Ephraim Lessing bis zu Marcel Proust), doch war dies damals eine teure und finanziell riskante Unternehmung.

Erst Ende der 90er Jahre kamen Selfpublishing-Anbieter wie BoD, über die die Autoren ihre Werke mit geringem finanziellem Einsatz in gedruckte Bücher verwandeln konnten, die dann (oft mehr theoretisch als praktisch) über jede Buchhandlung bestellt werden konnten.

Doch den wahren Selfpublishing-Boom löste Amazon mit dem Kindle aus, der einen rasanten Vormasch der zuvor eher als Nischenprodukt belächelten eReader auslöste – nicht zuletzt auch durch Amazon KDP. KDP bot erstmals jedem Autor die Möglichkeit, sein Buch völlig kostenlos auf dem weltgrößten Marktplatz für elektronische Bücher anzubieten, und dafür auch noch Tantiemen in der sagenhaften Höhe von 70% des Nettoverkaufspreises zu erhalten. Konditionen, von denen Verlagsautoren nur träumen konnten.

Mit dem Kindle, der ersten digitalen Revolution für Autoren, begann ein wahrer Goldrausch. Und genau wie zu den Zeiten des Goldrauschs im Wilden Westen die Geschichten von Goldsuchern die Runde machten, die auf gewaltige Goldadern stießen und unermesslich reich wurden, boomte das Selfpublishing durch die Geschichten von Autoren wie John Locke oder Amanda Hocking, die durch den Verkauf von 99-Cent-Büchern Millionen eBooks verkauften und damit reich und berühmt wurden.

Immer mehr Autoren strömten mit ihren (leider teils schlecht geschriebenen und noch schlechter lektorierten) Büchern auf den Markt, um sich auch ihr Stück vom großen Kuchen zu sichern. Doch nicht nur das ‚Totholz‘, das durch negative Kundenrezensionen recht schnell ausgesiebt wurde, flutete den Markt, sondern auch immer mehr Werke ebenso produktiver wie kompetenter Autoren. Nicht nur neue Namen, die als Selfpublisher-Senkrechtstarter scheinbar aus dem Nichts auftauchten, sondern auch ehemalige Verlagsautoren, die nun als Hybrid-Autoren das Beste beider Welten für sich zu nutzen verstanden und sowohl neue Titel als auch Neuauflagen bereits vergriffener älterer Bücher per Selfpublishing veröffentlichten.

Die Flut der Bücher steigt seitdem schneller an, als irgendjemand diese Bücher lesen kann. Eine schöne neue Welt für Leser, die in ihrem Lieblingsgenre mehr Auswahl haben als je zuvor – doch für die Autoren der Scheitelpunkt der digitalen Revolution.

Mit Büchern ist es wie mit jedem Produkt: wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt, fallen die Preise. Wenn es mehrere scheinbar gleichwertige Produkte gibt, wird der Käufer meist zum günstigsten Produkt greifen. Und die Mehrzahl der Autoren ließen sich auf diesen Preiskampf ein, bei dem am Ende keiner von ihnen gewinnen kann.

Um in der Flut an Büchern überhaupt noch gesehen zu werden, sind 99-Cent-Aktionen und Gratis-Aktionen heute an der Tagesordnung. Nicht mehr nur als kurze Sonderaktion für treue Leser, die womöglich auch den Newsletter des Autors abonniert haben, sondern über längere Zeiträume hinweg.

Dieses Verramschen von Büchern fördert meines Erachtens die Gratis-Mentalität vieler Leser, die finden, dass eBooks ohnehin kostenlos sein müssten, da sie ja nicht wie Printbücher teuer gedruckt werden müssen (siehe: Der Wert von eBooks).

Auch wenn es natürlich Selfpublisher gibt, die mittlerweile einen derart hohen Bekanntheitsgrad haben, dass ihre treuen Leser ihre Neuerscheinungen auch zum Normalpreis kaufen, geht die breite Masse der Selfpublisher in dieser 99-Cent-oder-Gratis-Welt sang- und klanglos unter.

Manchen von ihnen ist das egal, da sie das Schreiben lediglich als schönes Hobby betrachten und ihre Bücher auch gratis anbieten würden, nur damit sie jemand liest. Doch für Autoren, die ihre kreative Arbeit finanziell honoriert bekommen möchten, werden die Zeiten immer schlechter.

Dazu trägt auch die anfangs erwähnte zweite digitale Revolution bei: die Flatrates, die mittlerweile jeden Bereich der digitalen Welt überschwemmen.

Wir kaufen keine CDs mehr, auch keine einzelnen MP3-Tracks – stattessen haben wir Spotify, Amazon Prime Music, Ampya, Diggster, Napster und Co.

Wir kaufen keine Filme mehr und fahren auch nicht mehr in die Videothek, um uns physische DVDs auszuleihen – stattdessen haben wir Amazon Prime Instant Video, Netflix, Maxdome, Watchever und Co.

Wir kaufen keine Zeitung mehr, sondern lesen online die Nachrichten von Focus, NTV und wie sie alle heißen. Die Presse wird immer mehr durch das Modell der Huffington Post ersetzt, bei der Autoren gratis Artikel liefern, nur um diese veröffentlicht zu sehen.

Und was ist mit eBooks? Wir haben Amazons Kindle Unlimited, Skoobe, Scribd und Readfy. Dreimal darf man raten, was der Vormarsch der Leseflatrates mitelfristig für Auswirkungen auf den Verkauf von eBooks haben wird. Auf Dauer verdienen an Flatrate-Modellen in erster Linie die Anbieter dieser Flatrates, nicht die Künstler, deren Produkte dort nach dem „All-you-can-eat“-Modell verramscht werden.

Leider kann man das Prinzip von Musik- und Video-Flatrates nicht auf den eBook-Markt übertragen. Denn während Musiker einen guten Teil ihrer Einnahmen über Konzerte und Tourneen erzielen (oder ihre CDs erst dann für Musikflatrates freigeben, wenn diese bereits nicht mehr aktuell sind) und Spielfilme ihre Produktionskosten üblicherweise bereits im Kino wieder einspielen, ist das eBook bei den meisten Autoren das eigentliche Produkt. Wenn dieses nicht mehr für lukrative Einnahmen über die Buchverkäufe sorgt, sondern nur noch mit Ausleih-Tantiemen im Centbereich vergütet wird, ist es wirtschaftlich für Autoren endgültig nicht mehr interessant, qualitativ hochwertige Bücher zu produzieren und dabei aus eigener Tasche drei- bis vierstellige Beträge in Lektorat, Korrektorat und Coverdesign zu investieren.

Bei Amazon erkennt man den Wandel und den damit verbundenen Preisverfall bereits. Hier wird schon seit Mitte 2015 nicht mehr nach ausgeliehenen Büchern bezahlt, sondern nur noch nach gelesenen Seiten – Masse statt Klasse.

Allein in den ersten sechs Monaten seit der Umstellung auf die Bezahlung der Autoren nach gelesenen Seiten sind die Tantiemen pro gelesener Seite um fast 40% gefallen – von anfangs 0,53 Cent im Juli 2015 auf gerade mal noch 0,33 Cent im Januar 2016.

Die wahre Bedeutung dieser Zahlen wird einem erst klar, wenn man diese anhand konkreter Beispiele ausrechnet: Wer als Autor einen 300seitigen Roman zur Ausleihe über Kindle Unlimited zur Verfügung stellt, erhält für eine Ausleihe (unter der Voraussetzung, dass der Roman komplett bis zur letzten Seite gelesen wurde!) nur noch 99 Cent, während er für einen regulären Verkauf schon bei einem VK von 2,99 € immerhin Tantiemen in Höhe von 1,75 € erhalten würde.Im Juli vergangenen Jahres hätte derselbe Autor noch 1,59 € für die Ausleihe seines Buchs erhalten, doch seitdem befinden sich die Tantiemen für Ausleihen über Kindle Unlimited im freien Fall – und ein Ende ist nicht abzusehen.

Doch was kann man als Autor tun, um diesem Trend entgegen zu wirken? Nichts zu tun und dem großen Ausverkauf und dem Schwinden der eigenen Tantiemen wehmütig zuzuschauen ist definitiv der falsche Weg.

Wir Autoren haben es selbst in der Hand: Wir sind es, die entscheiden, ob wir unsere Bücher für die Ausleihe über Leseflatrates freigeben oder nicht. Für diejenigen, die direkt über Amazon KDP veröffentlichen, bedeutet das zwar, auch auf die Vorteile von KDP Select wie Gratisaktionen zu verzichten, doch die Wirksamkeit solcher Gratisaktionen wird meist überschätzt (siehe „Gratis-Aktionen bei Amazon: Sinnvolles Marketing-Instrument oder gefährliches Eigentor?„).

Bei BoD, dem Klassiker unter den Selfpublishing-Dienstleistern, kann man beispielsweise bei der Veröffentlichung eines eBooks frei entscheiden, ob man sein Buch zur Ausleihe freigeben möchte – eine vorbildliche Lösung. Ich persönlich würde niemals ein Buch über einen Anbieter veröffentlichen, der das Buch im Rahmen einer Veröffentlichung zwingend auch für diverse Lese-Flatrates freigibt. So etwas wäre für mich ein K.O.-Kriterium.

Nur wenn Autoren in Hinsicht auf Leseflatrates konsequent bleiben, können eBooks ihren Wert behalten. Je mehr Autoren ihre Bücher aus Kindle Unlimited und anderen Leseflatrates entfernen, desto uninteressanter und unattraktiver werden diese Leseflatrates für Leser.

Natürlich kommt man sich hier ein wenig vor wie die Bewohner des berühmten gallischen Dörfchens: Was kann man selbst als einzelner Autor schon bewirken, wenn um einen herum tausende anderer Autoren ihre Bücher weiterhin zur Ausleihe freigeben? Sollte man dann nicht doch besser mit dem Strom schwimmen und mit den paar Cent zufrieden sein, die man als Almosen für eine Ausleihe erhält?

Nein. Auch über Leseflatrates wird man nicht von alleine gefunden, sondern muss als Autor Werbung für die eigenen Bücher machen. Und wenn man schon einen Interessenten für das eigene Buch gefunden hat, soll dieser es bitte auch kaufen, statt es sich über eine Leseflatrate kostenlos auszuleihen.

Man verliert auf diesem Wege vielleicht ein paar Leser, die partout nur das lesen, was gratis angeboten wird oder in ihrer Flatrate enthalten ist. Doch diejenigen, die sich wirklich für ein Buch interessieren, werden es im Zweifelsfall auch kaufen, wenn sie es nicht gratis lesen können.

Das ist aus meiner Sicht der richtige Weg: Gute Bücher zu produzieren, die ihr Geld wert sind und den Leser ansprechen. Und diese Bücher dann nicht zu verramschen, sondern sie zu einem für beide Seiten – Autor und Leser – fairen Preis anzubieten.


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BoD und Random House starten Selfpublishing-Angebot

Zum 14. Oktober 2015 starten BoD und die Verlagsgruppe Random House ein gemeinsames Selfpublishing-Angebot namens TWENTYSIX – angelehnt an die 26 Buchstaben des Alphabets.

Mit den drei abgestuften Leistungsumfängen „26|Basic“, „26|Plus“ und „26|Premium“ haben Selfpublisher die Wahl, wie sie ihr Buch als eBook und eventuell auch als gedrucktes Buch veröffentlichen anbieten wollen.

Während das kostenlose Paket „26|Basic“ nur die eBook-Veröffentlichung umfasst, bekommt man als Autor für 39 € mit dem Paket „26|Plus“ zusätzlich zur eBook-Veröffentlichung auch noch die Veröffentlichung als gedrucktes Buch inklusive zweier Eigenexemplare. Das Luxus-Paket „26|Premium“ für 199 € unterscheidet sich vom Plus-Paket in erster Linie dadurch, dass der Autor hier 10 Eigenexemplare und einen professionellen Coverservice erhält.

Dabei ist es durchaus möglich, dass sich der Preisunterschied zwischen den Paketen „26|Plus“ und „26|Premium“ ab Anfang nächsten Jahres noch reduziert, da der Preis von 39 € für das Plus-Paket nur als „gültig bis 31.12.2015“ angegeben wird. Eine Preiserhöhung für das Plus-Paket zum Jahreswechsel ist somit recht wahrscheinlich, wodurch dann das Premium-Paket in preislicher Hinsicht noch attraktiver erscheinen würde.

Alle über Twentysix veröffentlichten Titel werden über alle relevanten Online-Shops vertrieben und sind auch über den stationären Buchhandel erhältlich. Auf Wunsch ist auch ein internationaler Vertrieb (USA, Kanada, Großbritannien) möglich.

Mich erinnert diese Kooperation von BoD und Random House von der Zielsetzung her stark an den Aufkauf von Bookrix durch Bastei Lübbe Mitte letzten Jahres. Genau wie Bastei Lübbe durch den Aufkauf von Bookrix ein Standbein im boomenden Selfpublishing-Geschäft aufbauen und zugleich damit neue interessante Autoren für ihr Verlagsprogramm finden wollte, lockt auch Twentysix die Selfpublisher mit der Möglichkeit, durch eine Veröffentlichung bei Twentysix von Lektoren und damit den Verlagen der bekannten Verlagsgruppe Random House entdeckt zu werden.

Zusätzlich sollen durch eine Jury aus Lektoren und Marketing-/Vertriebsexperten aus den Reihen von Random House und BoD regelmäßig vielversprechende Autoren für kostenlose Verlagsservices wie Autoren-Coachings, die Produktion von Buchtrailern etc nominiert werden.

Das neue Modell wirkt auf mich gut durchdacht und tragfähig. Durch die Kooperation des Print-on-Demand-Veteranen und europäischen Selfpublishing-Marktführers BoD mit der Random-House-Verlagsgruppe wird hier jede Menge Know-How aus beiden Bereichen gebündelt.

Wer also als Selfpublisher mit dem Gedanken spielt, vielleicht später mal bei einem Verlag zu unterschreiben, sollte sich TWENTYSIX einmal näher anschauen. Sie finden das neue Selfpublishing-Angebot von BoD und Random House unter http://www.twentysix.de.

Günstigere Printkonditionen für Bücher mit Farbseiten bei BoD

Anfang Juni hat der deutsche Print-on-Demand-Anbieter BoD erneut seine Druckkosten reduziert. Nachdem sich im Herbst letzten Jahres, als BoD an seinen Preisen für den s/w-Druck gefeilt hatte, vor allem die Romanautoren freuen durften, hat BoD diesmal erfreuliche Nachrichten für Sachbuchautoren. Denn diesmal hat BoD bei den Preisen für farbige Abbildungen den Rotstift angesetzt – also Grund zur Freude für alle Autoren von Reiseführern, Kochbüchern, Sportratgebern und anderen abbildungsintensiven Büchern.

Beim Druck farbiger Seiten hat man als Autor nun die Wahl zwischen zwei verschiedenen Druckqualitäten: dem günstigen Smart-Druck und dem etwas teureren Brillant-Druck, bei dem die Farben nach Angaben von BoD noch strahlender und intensiver zur Geltung kommen sollen.

Mit dem Preiskalkulator von BoD (http://www.bod.de/autoren/buch-veroeffentlichen/preiskalkulation.html) kann man selbst einmal herumexperimentieren, wie sich unterschiedlich viele farbige Abbildungen auf den Preis des fertigen Buchs und damit auch auf die Höhe der Tantiemen auswirken.

Auch hier ist wieder einmal erfreulich, dass der technologische Fortschritt seitens BoD in Form von günstigeren Preisen an die Autoren weitergegeben wird, die so ihre selbstverlegten Bücher zu konkurrenzfähigen Preisen über den Buchhandel anbieten können.