Buchmarketing: Zäumen Sie das Pferd nicht von hinten auf

Ein Buch zu schreiben, ist eine Sache – das fertige Buch anschließend zu veröffentlichen und zu verkaufen eine andere.

Gut, das Veröffentlichen ist dank Print-on-Demand und dem Vormarsch der eBooks so einfach und günstig wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit – doch allein die Tatsache, dass das eigene Buch bei Amazon und anderen Online-Buchhändlern erhältlich ist, bedeutet leider noch lange nicht, dass es sich in der Praxis auch verkauft.

Spätestens wenn das Buch, in das man hunderte Stunden Arbeit und vielleicht auch noch einiges an Geld für Lektorat, Korrektorat und Coverdesign investiert hat, sich außerhalb des engeren Familien- und Freundeskreises kaum oder gar nicht verkauft, kommt man als Schriftsteller ins Grübeln: was könnte man unternehmen, um die spärlichen Verkäufe anzukurbeln? Das ist dann meistens der Moment, in dem der Preis stufenweise bis auf 99 Cent gesenkt wird und der Autor versucht, durch immer häufiger eingestreute Gratis-Aktionen doch noch ein paar neue Leser für sein Buch zu gewinnen.

Doch der beste Zeitpunkt, über das zukünftige Marketing für ein Buch nachzudenken, ist nicht nach der Veröffentlichung, sondern lange vorher – schon bevor man auch nur das erste Wort geschrieben hat.

Fakt ist: die beste Methode, einen Bestseller zu produzieren, ist nicht, zuerst ein Buch zu schreiben und dann nach Käufern für dieses Buch zu suchen. Ein deutlich erfolgversprechenderer Weg ist, zuerst zu überlegen, was für ein Buch so interessant für die eigene Zielgruppe wäre, dass es sich fast von alleine verkaufen würde – und dann genau dieses Buch zu schreiben.

Das klingt jetzt vielleicht übertrieben vereinfacht. Wenn es so einfach wäre, würden Verlage doch fast nur noch Bestseller veröffentlichen – oder etwa nicht? Aber während Verlage „nur“ aus den Manuskripten auswählen können, die sie von Autoren geschickt bekommen haben, haben Sie als Autor absolute Freiheit dabei, „das“ Buch für Ihre Zielgruppe zu entwerfen, das genau dem Geschmack der Leser entsprechen dürfte.

Damit meine ich natürlich nicht, dass Sie zukünftig nicht mehr das schreiben sollen, was Ihnen gefällt, sondern „dem Markt“ hinterher hecheln sollen. Das wäre kein Rezept für Erfolg, sondern eher ein sicheres Rezept für Unzufriedenheit. Denn selbst wenn Sie mit dem Schreiben von Büchern Erfolg hätten, die Ihnen selbst nicht gefallen, wäre es doch ein trostloses Schicksal, wenn Ihre Leser zukünftig noch mehr solche Bücher von Ihnen verlangen würden.

Ich rede also definitiv nicht davon, dass Sie sich plötzlich Vampirromanzen oder dystopische Jugendromane aus den Fingern wringen sollen, nur weil diese sich scheinbar momentan gut verkaufen, statt epische Fantasy-Romane oder knallharte Thriller zu schreiben, an denen Ihr Herz hängt. Sie sollten lediglich versuchen, sich bei der Planung und Auswahl Ihrer zukünftigen Buchprojekte an der Schnittmenge zwischen Ihrem persönlichen Geschmack und dem Ihrer Zielgruppe zu orientieren.

Selbstverständlich können Sie auch ohne Rücksicht darauf, ob es eine Leserschaft dafür gibt, die Bücher schreiben, die Sie gerne schreiben möchten. Vielleicht landen Sie damit ja einen Überraschungserfolg. Doch falls nicht, sollten Sie sich stets daran erinnern, dass es Ihre Entscheidung war. Nicht zwangsläufig eine schlechte Entscheidung – schließlich braucht man als Autor nicht nur „kommerzielle“ Projekte, sondern auch solche, an denen unser Herzblut hängt und die wir selbst dann schreiben würden, wenn wir von vornherein wüssten, dass wir niemals auch nur ein einziges Exemplar dieses Buchs verkaufen werden. Doch bei jenen Büchern, die wir in erster Linie für uns selbst schreiben, sollten wir uns klar machen, dass wir diese (egal, wie gut sie geschrieben sind) selbst mit dem besten Marketing vermutlich niemals in einen Bestseller verwandeln können.

Wenn Sie jedoch zwar Ihrem Genre (also beispielsweise „Fantasy“, „Thriller“, „Romantik“ oder „Science-Fiction“) treu bleiben wollen, aber dennoch innerhalb dieses Genres ganz gezielt Romane mit Marktpotential schreiben wollen, sollten Sie zuerst studieren, was Ihre Leser wirklich wollen. Denn allein dieses Wissen verbessert schon enorm Ihre Chancen, mit Ihrem nächsten Buch einen Erfolg zu landen.

Phase 1: Das richtige Sub-Genre

Die erste Phase der Marktrecherche ist die Prüfung, ob das Genre, in dem man seinen Roman schreiben will, wirklich lohnend ist. Meist gibt es innerhalb eines Haupt-Genres (wie z.B. Fantasy, Science-Fiction oder Thriller) mehrere Sub-Genres, die einem gleichermaßen gefallen und bei denen man sich vorstellen könnte, darin einen Roman zu schreiben. Wenn Sie beispielsweise Fantasy schreiben, könnten durchaus mehrere Sub-Genres wie Low Fantasy, Dark Fantasy oder Epic Fantasy für Sie in Frage kommen – vielleicht sogar etwas ungewöhnlichere Sub-Genres wie Urban Fantasy oder Steampunk.

Schauen Sie sich zunächst die Bestseller-Listen für das jeweilige Sub-Genre bei Amazon an. Hier müssen Sie sich nicht unbedingt auf die deutschen Kindle-Charts beschränken, sondern in vielen Fällen ist es sogar sinnvoller, auf Amazon.com einen Blick in die amerikanischen Charts zu werfen. Der amerikanische Buchmarkt ist größer und demzufolge auch aussagekräftiger, und da der deutsche Buchmarkt sich, was den Geschmack der Leser angeht, nicht allzusehr vom amerikanischen unterscheidet, kann man hieraus schon recht gute Rückschlüsse auf das Marktpotential eines Romans schließen, der in diesem (Sub-)Genre angesiedelt ist.

Um die aktuell am besten verkauften Titel eines bestimmten Sub-Genres zu sehen, klicken Sie sich über die Seitenleiste am linken Bildschirmrand innerhalb der Kindle-Bücher bis zum gewünschten Sub-Genre vor (z.B. „Dark Fantasy„). Da die standardmäßige Sortierung „Featured“ nicht immer identisch mit dem Verkaufsrang ist, sollten Sie nun erst einmal nach Erscheinungsdatum sortieren und anschließend in der URL die Endung „&sort=date-desc-rank“ durch „&sort=+salesrank“ ersetzen. Legen Sie sich die so erzeugte URL als Lesezeichen ab, damit Sie zukünftig die aktuellen Charts dieses Sub-Genres jederzeit per Knopfdruck abrufen können.

Schauen Sie sich nun die Verkaufsränge der Top-20-Titel des jeweiligen Sub-Genres an und notieren Sie sich diese in einer Excel-Tabelle. Je niedriger die Zahl, desto mehr Exemplare dieses Buchs werden pro Tag verkauft. Bilden Sie den Mittelwert und notieren Sie sich auch die höchste und die niedrigste Platzierung (Platz 1 und Platz 20).

Dieses Spielchen wiederholen Sie für alle in Frage kommenden Sub-Gemres. Anschließend haben Sie schon mal einen recht guten Überblick darüber, welches der Sub-Genres sich am besten verkauft und welche eher auf niedrigen Verkaufszahlen vor sich in dümpeln.

Phase 2: Genre-Analyse

Im zweiten Schritt schauen Sie sich die Bücher genauer an, die es in die Top-20 des Genres geschafft haben. Achten Sie dabei zunächst auf die Buchcover, die Buchtitel und die Buchbeschreibung – die drei Elemente, die einen potentiellen Leser dazu bringen, dass er entweder ins Buch hinein blättert oder es sogar direkt bestellt.

Legen Sie sich hier eine regelrechte Datenbank mit erfolgreichen Titeln an, die Sie im Laufe der nächsten Monate immer weiter ausbauen, indem Sie sich regelmäßig die Charts dieses Sub-Genres im Auge behalten.

Konzentrieren Sie sich bei Ihrer Analyse besonderen auf Bücher von Indie-Autoren, die es an die Spitze (bzw. in die Top-20 ) des jeweiligen Genres geschafft haben. Diese Bücher hatten keinen Verlag mit einem großen Werbebudget im Rücken, sondern wurden von den Autoren selbst vermarktet. Ihr Erfolg kommt durch eine Mischung aus Qualität, einer gelungenen Kombination aus Covermotiv, Buchtitel und Buchbeschreibung und (last, not least) die Marketingbemühungen des Autors – alles Dinge, die Sie als Indie-Autor theoretisch replizieren können.

Kaufen Sie sich ruhig die Bücher, die Ihnen bei dieser Recherche besonders ins Auge springen und bei denen Sie nach dem Lesen des Werbetextes den Eindruck hatten: „Das muss ich lesen!“. Damit unterstützen Sie nicht nur die gute Arbeit dieser Autoren, sondern Sie behalten gleichzeitig auch noch den Finger am Puls Ihres Genres. Je mehr Sie die Bücher lesen, die in Ihrem Sub-Genre momentan besonders beliebt sind, desto mehr bekommen Sie ein Gespür für den Geschmack der Leser.

Analysieren Sie die Gemeinsamkeiten, die viele erfolgreiche Bücher des Genres haben. Gibt es bestimmte „Tropes“ (ich würde hier nicht von Klischees sprechen), die in vielen Büchern auftauchen? Je häufiger eines dieser Elemente in den kommerziell erfolgreichen Büchern Ihres Genres vorkommt, desto eher sollten Sie in Erwägung ziehen, dieses Element in ähnlicher Form auch in Ihrem nächsten Roman einzubauen oder eine Ihrer bestehenden Handlungsideen damit aufzupeppen.

Diese Art der Planung bedeutet nicht, dass man anschließend schablonenhafte Massenware ohne individuellen Charakter schreibt. Überlegen Sie, wie viele völlig unterschiedliche Rezepte aus denselben Basis-Zutaten bestehen, die sich in jeder Küche finden, und wie viele Motive sich aus der Handvoll simpler Steine des Tangram legen lassen.

Wenn Sie es selbst einmal versuchen, werden Sie vermutlich feststellen, dass diese Art der Planung Sie nicht etwa in Ihrer Kreativität einschränkt, sondern Sie ganz im Gegenteil zu völlig neuen Ideen beflügelt, auf die Sie sonst vielleicht niemals gekommen wären.


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Kooperative Buchveröffentlichung mit Orange Cursor

Für Schriftsteller stellt sich seit jeher die Frage, ob sie ihre Bücher im Selbstverlag veröffentlichen oder doch lieber auf einen klassischen Verlag setzen sollte.

Beide Optionen haben ganz klar ihre Vor- und Nachteile. Die Verlagssuche ist (sofern man sich nicht auf windige Druckkostenzuschussverlage einlässt, die eher von den Zahlungen der Autoren als vom Verkauf von Büchern leben) eine schwierige und langwierige Angelegenheit, für die man als Autor Geduld und einen langen Atem braucht. Und hat man es tatsächlich geschafft, sein Buch bei einem Verlag unterzubringen, hat man kaum noch etwas mit zu entscheiden – weder was den letztendlichen Buchtitel, noch das Cover oder den Verkaufspreis angeht. Ganz zu schweigen davon, dass die an die Autoren ausgeschütteten Tantiemen verglichen mit dem Verkaufspreis der Bücher üblicherweise recht mager ausfallen – schließlich gibt es noch genügend hungrige Mäuler zwischen dem Autor und dem letztendlichen Leser, die für ihre Mühe und Arbeit auch ein Stück des Kuchens abhaben wollen.

Verglichen damit erscheint der Selbstverlag als verlockende Option: absolute kreative Freiheit und Tantiemen in einer Höhe, von der jeder Verlagsautor nur träumen kann. Doch dafür muss man als Selbstverleger andere Nachteile in Kauf nehmen. Denn wenn man sich nicht teuer über externe Dienstleister wichtige Bestandteile des fertigen Buchs wie das Lektorat, das Korrektorat und das Coverdesign zukauft, muss man alles selbst erledigen, statt sich auf das konzentrieren zu können, was man am liebsten macht: Bücher schreiben.

Und selbst wenn man sparsam wie ein Schwabe kalkuliert und alles als Eigenleistung plant, stößt man in der Praxis oft an seine Grenzen. Nicht jeder von uns hat beispielsweise ein Händchen (sowie die notwendige Erfahrung und die passende Profi-Software) fürs Design eines Buchcovers, das nicht auf den ersten Blick „Anfänger!“ schreit und Leser eher abschreckt als zum Kauf motiviert.

Ganz zu schweigen davon, dass man als Autor nur schwer seinen eigenen Text lektorieren kann. Dafür ist man zu blind für seine eigenen Fehler und sieht zu sehr das, was man als Idealvorstellung im Kopf hat, und zu wenig das, was wirklich schwarz auf weiß auf dem Papier steht. Nein, was das Lektorat und Korrektorat eines Buchmanuskripts angeht, geht nichts über ein paar frische (und erfahrene) Augen, die einen auf Fehler und Schwachpunkte hinweisen können, die man selbst niemals entdeckt hätte. Doch gute Lektoren sind (ebenso wie gute Coverdesigner) nicht ganz billig.

Der österreichische Verlag Orange Cursor (dessen Gründer Martin Danesch regelmäßigen Lesern des WritersWorkshop Autorennewsletters nicht unbekannt sein sollte – ist er doch auch der Entwickler der bekannten Patchwork-Schreibsoftware und der Autor der monatlich hier erscheinenden Patchwork Tutorials) verfolgt hier einen anderen, sehr innovativen Ansatz – eine Mischung aus Verlag und Selfpublishing, bei dem Autoren gemeinsam an ihren Büchern arbeiten und dabei ihre individuellen Stärken einbringen können.

Generell ist der Verlag für alle belletristischen Werke (mit Ausnahme von Büchern aus den Bereichen Splatter und Pornographie) offen – auch Anthologien von Kurzgeschichten sind möglich.

Dadurch, dass die Autoren sich gegenseitig helfen, kann man als Autor hier auch ohne hohe Kosten für Lektorat, Korrektorat und Coverdesign zu einer Veröffentlichung gelangen. Alternativ zur Eigenleistung oder dem Zukauf bei externen Lektoren, Designern und sonstigen Dienstleistern (die jedem Autor auch hier frei steht), kann man sich auch von einem begabten Autorenkollegen ein Cover entwerfen oder seinen Roman lektorieren lassen.

Damit diese gegenseitige Hilfe nicht ausgenutzt wird, sondern alles fair zugeht, gibt es ein punktebasiertes Tauschsystem, bei dem man nur dann Leistungen anderer Autoren in Anspruch nehmen kann, wenn man sich ebenfalls aktiv mit Leistungen wie Lektorat, Coverdesign u.ä. für andere Autoren einbringt.

Auch Marketing ist eine Dienstleistung, mit der man sein Punktekonto für das Tauschsystem aufstocken kann. Wer sich zwar nicht zum Lektor oder Coverdesigner berufen fühlt, aber gerne mit Medien und Bloggern zu tun hat, kann sich einbringen, indem er anderen Autoren bei der Vermarktung ihrer Werke hilft.

Der Gedanke dahinter ist auch, dass durch die Marketing-Aktivitäten der Autoren (also z.B. den Besuch in Buchhandlungen) ein sehr dichtes Marketing-Netz im gesamten deutschsprachigen Raum entsteht, über das andere Verlage in dieser Form nicht verfügen.

Aber zurück zum eigentlichen Veröffentlichungs-Prozess: Ob das fertige Werk bereits reif für die Veröffentlichung ist, oder ob der Autor hier noch einmal Hand anlegen muss, wird nicht wie bei einem klassischen Verlag von einem Lektor entschieden, sondern durch eine ständig wechselnde (bzw. ausgeloste) Jury aus der Autorencommunity. Diese vergeben nach dem Lesen des Buchs Sterne (ähnlich wie bei Amazon: 5 Sterne = klasse, 1 Stern = übel). Erreicht das Buch im Schnitt mindestens 3,5 Sterne, kann es veröffentlicht werden – ansonsten gilt: zurück ans Reißbrett.

Sobald der Roman von der Jury das „OK“ bekommen hat, kümmert sich der Orange-Cursor-Verlag um alle weiteren Aufgaben von der eigentlichen Veröffentlichung bis hin zum Marketing, ohne dass man sich als Autor um diese Dinge kümmern müsste – wobei man sich natürlich darüber im Klaren sein sollte, dass das von einem Verlag erbrachte Marketing die Marketing-Maßnahmen des Autors selbst niemals ersetzen, sondern lediglich ergänzen kann.

Ich finde, dass das Konzept durchaus vielversprechend klingt, auch wenn ich ein faires Punktesystem für den Dienstleistungstausch, bei dem jeder zufrieden mit den erhaltenen Leistungen ist, für relativ schwer zu realisieren halte. Aber die Teilnahme an dieser verlagsinternen Dienstleistungs-Tauschbörse ist für Autoren ja nicht verpflichtend.

Sie finden alle Informationen zum Konzept „K2“ des Orange-Cursor-Verlags auch unter http://www.orangecursor.com/m/index.php/konzept-ii.html


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Schreiben als Weg zu passivem Einkommen?

Wenn man die Einnahmen, die man als Autor aus dem Schreiben von Büchern erhält, auf die investierten Arbeitsstunden umlegt, ist das Ergebnis in den meisten Fällen recht ernüchternd – besonders für Autoren, die erst wenige Bücher geschrieben haben und noch keine „alten“ Bücher in der Hinterhand haben, die in einem gewissen Rahmen weiterhin Einnahmen erzielen und so die Bilanz ein wenig zu ihren Gunsten verändern.

Mal im Ernst: Für einen durchschnittlichen Roman von 300-400 Seiten muss man im Schnitt von der ersten Idee bis zum fertigen, veröffentlichungsreifen Manuskript mindestens 400-600 Stunden Arbeit rechnen. Und das ist noch eine recht optimistische Schätzung – je nach Buch kann der Aufwand in Stunden durchaus auch mal im vierstelligen Bereich landen.

Doch selbst mit „nur“ 500 Stunden reden wir von einer üppigen Zeitinvestition. Selbst wenn man diese Stunden nur mit dem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 € multipliziert, kommt man auf über 4.000 €, die ein solcher Roman einbringen müsste, um den Autor für seine Arbeit zu entlohnen. Vergleicht man das mit den realen Tantiemen, die im Laufe der ersten Monaten nach und nach eintrudeln, ist einem meist nicht gerade zum Jubeln zumute.

Doch in der Praxis tut man sich mit einer solchen Betrachtungsweise keinen Gefallen – schließlich will man sich ja nicht mit Gewalt demotivieren. Besser ist, das Schreiben von Büchern als „Zeitinvestition“ zu betrachen, ähnlich wie man Geld auf die hohe Kante legt, um dafür später von der Bank Zinsen zu erhalten. Wobei das mit den Zinsen für reales Geld in letzter Zeit ja alles andere als rosig aussieht: Nicht nur, dass man so gut wie keine Zinsen für sein Guthaben mehr bekommt, Firmen müssen teils sogar „Strafzinsen“ zahlen, wenn sie ihr Geld auf der Bank liegen lassen. Verkehrte Welt…

Im Gegensatz zu Geld kann man Zeit normalerweise nicht ansparen – jedenfalls nicht in der Form, dass man sein Guthaben irgendwann einmal abheben könnte und dann „mehr Zeit“ zur Verfügung hätte. Doch als Autor kann man seine Zeit zumindest investieren und dafür nach und nach Zinsen in Form von Geld erhalten.

„Passives Einkommen“ für Autoren – Traum oder Realität?

In den letzten Jahren ist das Schlagwort „passives Einkommen“ in aller Munde – oft auch im Zusammenhang mit dem Schreiben von Büchern. Die Idee dahinter ist ganz einfach: Man schreibt ein Buch und veröffentlicht es, um anschließend lebenslänglich Tantiemen dafür zu kassieren, ohne dass man dafür noch einen Finger krumm machen muss – also „passives“ Einkommen im Gegensatz zum normalen Brotjob, in dem man nur bezahlt wird, solange man weiterhin tagtäglich für den Chef bzw. die Firma arbeitet.

Die schlechte Nachricht vorab: Tantiemen sind nicht wirklich passiv, da man als Autor permanent Werbung in der einen oder anderen Form machen muss, um Bücher zu verkaufen. Selbst die besten Bücher verkaufen sich nicht von alleine – vielleicht von wenigen Ausnahmen abgesehen, die mittlerweile so bekannt sind, dass sie auch ohne Werbung in aller Munde bleiben.

Und es gibt in Sachen „passives Einkommen für Autoren“ noch eine weitere schlechte Nachricht: Bücher zu verkaufen ist wie das Auspressen einer Zitrone. Egal, wie saftig diese anfangs sein mag – irgendwann ist sie ausgepresst und man braucht immer mehr Kraft, um zumindest noch ein paar Tropfen herauszukitzeln.

Beim Buch ist das der Fall, wenn der Markt gesättigt ist und ein immer größerer Anteil der Zielgruppe das Buch bereits gekauft hat. Natürlich kommen immer neue Leser nach, aber das geht zu langsam, um den Kohl wirklich fett zu machen.

Also muss man als Autor kontinuierlich neue Bücher schreiben und veröffentlichen, die noch frisch und saftig sind und mit wenig Druck (= Marketing) viel Saft abgeben.

Wenn die neuen Bücher auf dieselbe Zielgruppe wie die bisherigen Bücher des Autors ausgerichtet sind, lassen sie sich leichter verkaufen, da die Leser bereits den Autor, seinen Stil und die Qualität seiner Bücher kennen. Außerdem bietet jedes zusätzliche Buch weitere Chancen, neue Leser zu finden, die dann mit Glück auch noch zu den älteren Büchern des Autors greifen, die sie bisher noch nicht kannten.

Wie jedes Produkt haben auch Bücher einen Lebenszyklus: Ausgehend vom Nullpunkt (das Buch ist ganz frisch erschienen, niemand kennt es und niemand hat es bisher gekauft) erfolgt durch gezieltes Marketing anfangs ein starker Anstieg, den man als Autor durch weitere Marketingmaßnahmen möglichst lange am Abflachen zu hindern versucht. Doch egal, wie sehr man sich bemüht: irgendwann folgt das Absinken auf einen niedrigen Stand, auf dem man dann das Marketing auf ein Minimum reduzieren sollte, da es schlicht und einfach den Aufwand nicht mehr lohnt.

Das Marketing für die alten Bücher, die nur noch auf einem niedrigen Stand vor sich hin dümpeln, übernehmen idealerweise die bis dahin erschienenen neueren Bücher des Autors – beispielsweise durch eine Auflistung „Weitere Bücher des Autors“ am Ende jedes Buchs oder auch die AuthorCentral-Seite des Autors, auf der er all seine Bücher präsentieren kann.

Das Erscheinen eines neuen Buchs, das (noch) in seiner Umsatz-Blüte steht, kann alten Titeln vorübergehend nochmal neues Leben einhauchen, auch wenn es sie üblicherweise nicht mehr auf den alten Stand anheben kann. Die einzige Ausnahme wäre ein eher erfolgloses erstes Buch, das durch den Bestseller-Nachfolgeband erst richtig bekannt wird.

Da sich auch die alten Bücher gegenseitig fördern, wird der niedrige „Dümpelstand“ im Laufe der Jahre immer höher. Das kann man als Autor sogar noch forcieren, indem man ab und zu eine überarbeitete Neuauflage seiner alten Bücher veröffentlicht, in der man Querverweise (selbst wenn es nur durch eine aktualisierte und erweiterte Auflistung „Weitere Bücher des Autors“ ist) zu den neueren Titeln einarbeitet.

Je mehr parallel erhältliche (also noch bestellbare) Bücher man als Autor auf dem Markt hat, desto mehr wird das Marketing bei gleichbleibender Qualität und zufriedenen Lesern von den Büchern selbst übernommen und man kommt somit dem Ideal eines „passiven Einkommens“ etwas näher.

Dennoch darf man sich als Autor natürlich auch dann nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, sondern muss weiterhin kontinuierlich immer wieder neue Titel schreiben und veröffentlichen. Denn wer nichts Neues mehr veröffentlicht, gerät bei den Lesern rasch in Vergessenheit – und das hat auch negative Auswirkungen auf die Verkaufszahlen der bereits erschienenen Bücher.

Tantiemen als Zinsen für die investierte Zeit

Die motivierendste (und daher beste) Sichtweise ist, die Einnahmen aus dem Schreiben nicht als Verkaufserlös, sondern als Zinsen für die investierte Zeit zu betrachten. Denn bei dieser Betrachtung muss man sich nicht unbedingt als „Billiglöhner“ betrachten, sondern kann durchaus mit seinem normalen „Stundenlohn“ kalkulieren.

Ein kleines Rechenbeispiel: Anja Autor ist in ihrem Beruf als Exportkauffrau recht erfolgreich. Mit einer 40-Stunden-Woche verdient sie im Monat 4.000 €, also umgerechnet ca. 25 Euro pro Stunde. Für ihren neuen Roman hat sie von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung 400 Stunden gebraucht. Wenn man diese 400 Stunden mit ihrem normalen Stundenlohn aus ihrem „Brotjob“ bewertet, hat sie 400 x 25 €, also 10.000 € in die Entwicklung ihres Roman investiert.

Bei einem eBook-Verkaufspreis von 2,99 € und 70% Tantiemen müsste Anja ca. 6.000 Exemplare ihres Romans verkaufen, um ihre Investition wieder hereinzuholen. Das schaffen allerdings leider die wenigsten Romane, bevor der erste Erfolg abflacht und die Bücher nur noch auf einem eher niedrigen Verkaufsniveau vor sich hin dümpeln.

Betrachten wir die 10.000 € also lieber als eine Kapitalanlage, die man festverzinslich anlegt. Ein Zinssatz von 5% wäre für eine solche Kapitalanlage schon sehr gut – das entspräche Zinsen in Höhe von 500 Euro pro Jahr. Üblicherweise kann man mit 2-3% schon sehr zufrieden sein – in der aktuellen Niedrigzinsphase gehen die realen Zinsen sogar eher gegen Null.

Wenn Anja langfristig (also auch nach Jahren, wenn der erste Boom abgeflacht ist) noch 500 € pro Jahr mit ihrem Roman verdient (entspricht bei 2,99 € und 70% Tantiemen ca. 300 verkauften Exemplaren, also knapp einem Buch pro Tag), hat sie mit dem Schreiben ihres Romans ihr geistiges Kapital gut investiert.

Bei einer solchen Kalkulation sollte man natürlich die ersten Erfolge von der investierten Zeit abziehen. Wenn Anja beispielsweise im ersten Jahr 1000 Exemplare ihres Romans verkauft, wären das Tantiemen in Höhe von ca. 1750 € – bleiben also nur noch 8.250 €, die als „Investition“ über die nächsten Jahre weiter verzinst werden müssen. Entsprechend weniger Bücher müsste sie in den folgenden Jahren noch verkaufen, um die gewünschten 5% Zinsen auf ihr „geistiges Kapital“ zu erhalten.

Ich habe mal spaßeshalber eine kleine Tabelle aufgebaut, aus der man ablesen kann, welchem „Zinssatz für geistiges Kapital“ es entspricht, wenn Anja aufgrund ihrer Zeitinvestition von 400 Stunden in den folgenden Jahren jeweils X Bücher pro Jahr mit Tantiemen in Höhe von 1,75 € (also 70% von 2,99 € abzgl. MwSt) verkauft:

100 Bücher pro Jahr = 175,00 € (entspricht 1,8% Zinsen)
150 Bücher pro Jahr = 262,50 € (entspricht 2,6% Zinsen)
200 Bücher pro Jahr = 350,00 € (entspricht 3,5% Zinsen)
250 Bücher pro Jahr = 437,50 € (entspricht 4,4% Zinsen)
300 Bücher pro Jahr = 525,00 € (entspricht 5,3% Zinsen)
350 Bücher pro Jahr = 612,50 € (entspricht 6,1% Zinsen)
400 Bücher pro Jahr = 700,00 € (entspricht 7,0% Zinsen)
450 Bücher pro Jahr = 787,50 € (entspricht 7,9% Zinsen)
500 Bücher pro Jahr = 875,00 € (entspricht 8,8% Zinsen)

Fazit

Natürlich ist auch eine solche Betrachtung nichts anderes als ein Gedankenspiel, aber dennoch ein recht motivierendes.

Wenn wir 400 Stunden (oder wievielen Stunden Ihrer persönlichen Zeit 10.000 € entsprechen mögen) investieren, um in dieser Zeit ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen, kommen uns Verkaufszahlen von 30 Büchern im Monat ziemlich gering vor. Bei dem Tempo dauert es ja fast ein ganzes Jahr, bis auch nur Einnahmen in Höhe von 500 € zusammen kommen. Das ist natürlich Welten von den gerne in der Öffentlichkeit präsentierten Verkaufszahlen einer Amanda Hocking, eines James Patterson oder einer J.K. Rowling entfernt und erscheint einem schon fast als „Peanuts“.

Doch wenn wir uns klar machen, dass wir mit diesen Verkaufszahlen Zinsen in Höhe von stolzen 5% auf unser „geistiges Kapital“ ausbezahlt bekommen, erscheint einem das schon gar nicht mehr so gering.

Ganz im Gegenteil: Es motiviert einen, ein weiteres Buch zu schreiben und zu veröffentlichen und damit weitere 10.000 € virtuelles geistiges Kapital auf die hohe Kante zu legen, damit die in Form von Tantiemen ausbezahlten Zinsen im nächsten Jahr mit etwas Glück schon doppelt so hoch sind.

Lassen Sie sich diese Sicht mal in aller Ruhe durch den Kopf gehen. Rechnen Sie mal in Ruhe aus, wie viel Tantiemen Sie zur Zeit pro Jahr aus den Verkäufen von Büchern erhalten, die Sie bereits vor mehr als einem Jahr veröffentlicht haben. Wenn Sie diesen Betrag mit 20 multiplizieren, erhalten Sie den aktuellen Kontostand Ihres „geistigen Kapitals“, auf das Sie zur Zeit 5% Zinsen in Form von Tantiemen erhalten.

Notieren Sie sich ab jetzt, wie viele Stunden Sie in Ihre neuen Buchprojekte investieren. Sobald das Buch fertig geschrieben und veröffentlicht ist, dürfen Sie die für das Schreiben dieses Buchs aufgewendeten Stunden mit Ihrem kalkulatorischen Stundenlohn multiplizieren und als Einzahlung zu Ihrem „geistigen Kapital“ dazu addieren.

Vielleicht werden auch Sie feststellen, dass dieses Gedankenspiel Sie motiviert, noch fokussierter als bisher an Ihren Buchprojekten zu arbeiten und diese konseqent bis zur Veröffentlichung durchzuziehen, statt sie auf halbem Wege zur Veröffenltichung in der Schublade oder in einem Ordner auf Ihrer Festplatte verstauben zu lassen – denn nur veröffentlichte Bücher, die auch Tantiemen einbringen können, zählen zu Ihrem „geistigen Kapital“. ;-)


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Buchbeschreibungen bei Amazon professionell formatieren

Standardmäßig sehen Buchbeschreibungen bei Amazon ziemlich langweilig aus: Text mit ein paar Zeilenumbrüchen, der einen oder anderen obligatorischen Leerzeile und vielleicht einer halbherzigen, mit vorangestelltem Minus-Zeichen formatierten Aufzählung.

HTML durch die Hintertür – und warum es so nicht mehr geht

Eine Zeit lang war das die einzige Möglichkeit, seine Buchbeschreibungen in Amazons KDP-Programm darzustellen. Doch dann fanden findige Autoren heraus, dass man mit bestimmten Formatierungstricks (z. B. < als Ersatz für die eckige Klammer am Beginn eines HTML-Tags) bestimmte HTML-Befehle in seine Buchbeschreibung einbinden konnte, um diese optisch aufzupeppen: Nicht nur fett, kursiv, unterstrichen sowie echte Listen und Aufzählungen, sondern auch Überschriften im typischen Amazon-Gelb, die wesentlich eleganter wirkten und sich nahtlos in das Seitendesign von Amazon einfügten.

Das alles hätte Amazon vermutlich noch akzeptiert, doch schon bald fanden experimentierfreudige Spezialisten heraus, wofür sich die versteckten HTML-Codes noch nutzen ließen: Sie fanden beispielsweise Möglichkeiten, externe Bilder und sogar Videos in die Buchbeschreibung einzubinden oder sogar Zählpixel, die im Hintergrund genau protokollierten, wie oft eine bestimmte Buchseite bei Amazon aufgerufen wurde.

Es war klar, dass Amazon früher oder später die Notbremse ziehen würde, da externe Dateien wie Videos, Bilder o.ä. eine nicht zu unterschätzende Sicherheitslücke in Amazons System darstellten – und das taten sie natürlich auch und schalteten diese Lücke ab. Buchbeschreibungen, die noch auf den alten, versteckten HTML-Codes basierten, wurden plötzlich als kryptischer Klartext dargestellt, wenn die Autoren ihre Buchbeschreibungen nicht rechtzeitig auf ihren reinen Textanteil reduzierten.

Der „offizielle Schleichweg“ zu ansprechenden Buchbeschreibungen

Dafür ist es mittlerweile ganz offiziell und ohne „durch die Hintertür“ zu gehen möglich, die eigene Buchbeschreibung optisch aufzupeppen. Zwar macht Amazon keine große Reklame für diese Möglichkeit und bietet in der KDP-Benutzeroberfläche immer noch keinen „richtigen“ WYSIWYG-Editor (What you see is what you get), mit dem man wie bei einer richtigen Textverarbeitung seinen Text optisch aufbereiten könnte – dennoch kann man die gewünschten Formatierungen einfach als HTML-Code einbinden.

Zu diesem Zweck hat Amazon eine Liste von HTML-Befehlen zusammengestellt, die in Buchbeschreibungen erlaubt sind. Diese stellen natürlich nur einen kleinen Teil des gesamten HTML-Befehlssatzes dar und viele erweiterte Funktionen wie das Einbinden von Bildern sucht man hier vergeblich. Doch für eine sauber formatierte, ansprechende Buchbeschreibung reichen die angebotenen Funktionen in jedem Fall.

HTML-Formatierung für Einsteiger

Um Teile der eigenen Buchbeschreibung zu formatieren, muss man diese in sogenannte HTML-Tags einbetten. Für diejenigen, die sich nicht mit Webdesign und HTML auskennen, hier eine minimalistische Einführung:

Jede HTML-Formatierung besteht aus einem Start- und einem End-Tag („Tag“ hat nichts mit dem deutschen Wort Tag zu tun, sondern steht für „Markierung“).

Um beispielsweise einen Textbereich fett zu formatieren, schreibt man <b>fetter Text</b>. Die HTML-Tags werden jeweils in die spitzen Klammern eingebunden. „b“ steht für „bold“ (also „fett“), „/b“ für das Ende der fetten Formatierung.

Auf dieselbe Weise können Sie Textpassagen als <u>unterstrichen</u> (underlined), als <k>kursiv</k> (italic) oder als <s>durchgestrichen</s> markieren. Sie können Texte <sup>hochgestellt</sup> oder <sub>tiefgestellt</sub> formatieren oder über das <font>-Tag sogar eine bestimmte Schriftart vorgeben.

Mit <p> und </p> können Sie einen Textabschnitt einschließen, dessen erste Zeile eingerückt werden soll und der mit einem Zeilenumbruch endet. Auch einen festen Zeilenumbruch können Sie mit <br> an einer beliebigen Stelle einfügen.

Sie können sogar mit dem Tag <hr> (horizontal ruler) eine Trennlinie einfügen, um einzelne Abschnitte Ihrer Buchbeschreibung sauber voneinander abzugrenzen.

Abschnittsüberschriften können Sie mit <h1>Ebene 1</h1> bis <h6>Ebene 6</h6> formatieren, wobei <h2>Ebene 2</h2> besonders beliebt ist, da dies die Überschrift im bekannten „Amazon-Goldgelb“ formatiert.

Sie können sogar Aufzählungen und Listen formatieren – zum Beispiel eine Auflistung aller wichtigen Punkte, die Sie in Ihrem Ratgeber behandeln (die sogenannten „Bulletpoints“):

<ul>
<li>Punkt 1</li>
<li>Punkt 2</li>
<li>Punkt 3</li>

</ul>

Das Tag <ul> markiert den Beginn der Liste, </ul> ihr Ende. Die einzelnen Punkte beginnen mit einem <li> und enden mit </li>.

Wollen Sie hingegen eine durchnummerierte Liste (1., 2., 3. etc.) verwenden Sie einfach statt <ul> und </ul> die Tags <ol> und </ol> (= ordered list), um Ihre Liste zu formatieren.

<ol>
<li>Punkt 1</li>
<li>Punkt 2</li>
<li>Punkt 3</li>

</ol>

Eine komplette Liste aller unterstützten HTML-Befehle finden Sie hier.

Erst prüfen, dann veröffentlichen!

Ein wichtiger Tipp: Fügen Sie Ihre formatierte Buchbeschreibung nicht einfach bei Amazon ein, ohne sie vorher zu testen. Wenn Sie sich an irgendeiner Stelle vertan haben und Ihre Buchbeschreibung nun wie Kraut und Rüben aussieht, merken Sie das ansonsten erst, wenn Amazon Ihr Buch im Shop freigeschaltet hat. Und wenn Sie die Fehler dann korrigieren, dauert es selbst im günstigsten Fall einige Stunden, bis die korrigierte Buchbeschreibung live ist.

Speichern Sie Ihren Text stattdessen einfach mit einem normalen Texteditor wie dem Windows Editor als „Test.html“ ab. Bei „Speichern unter“ müssen Sie als Dateityp „alle Dateien“ auswählen, damit der Editor nicht noch ein „.txt“ an den Dateinamen anhängt.

Diese Datei öffnen Sie per Doppelklick mit Ihrem normalen Browser – und schon sehen Sie, ob Ihre Beschreibung sauber formatiert ist und richtig dargestellt wird. Natürlich sehen Sie in dieser Vorschau nicht die speziellen Farben und Schriftarten von Amazon (wie die <h2>-Überschriften in Gelb), aber eventuelle Fehler wie nicht richtig geschlossene Tags springen einem sofort ins Auge.

Erst wenn dieser Text fehlerfrei dargestellt wird, fügen Sie ihn als Buchbeschreibung in Amazon KDP ein.

Probieren Sie es einfach einmal aus. Sie werden sehen, dass es einen nicht zu unterschätzenden Unterschied ausmacht.


Tipp: Abonnieren Sie den wöchentlichen WritersWorkshop Autorennewsletter und erhalten Sie alle neuen Beiträge direkt am Erscheinungstag ganz bequem per Mail.

Bezahlung nach Seiten – Warum Amazons neue Abrechnungsmethode für Autoren so gravierende Auswirkungen hat

Zum 01. Juli 2015 ändert Amazon die Regeln für die Verteilung des monatlichen Fonds unter den Autoren, die ihre Bücher für KDP Select (und damit für die Lese-Flatrate ‚Kindle Unlimited‘ und die in Amazon Prime enthaltene Kindle-Leihbücherei) angemeldet haben – und zwar ziemlich radikal. Denn statt pro ausgeliehenem Buch wird der Autor zukünftig nur noch pro tatsächlich gelesener Seite vergütet.

Und wie bei fast jeder größeren Änderung seitens Amazon ziehen auch diesmal wieder zahlreiche Autoren weltweit in ihren Blogs gegen Amazon ins Feld und stellen die Änderungen so dar, als ob uns allen nun der Himmel auf den Kopf fällt und der große Ausverkauf der Literatur stattfindet.

Fakt ist, dass die Bezahlung nach gelesenen Seiten, die auch in der Presse gern plakativ als Schlagzeile herangezogen wird, nur für die Ausleihen über Kindle Unlimited und die Kindle Leihbücherei gilt. Sie hat nichts mit den normalen eBook-Verkäufen über Amazon zu tun, sondern lediglich mit der Vergütung für die Autoren, die ihre Bücher für KDP Select angemeldet und diese damit in „Kindle Unlimited“ und der „Kindle Leihbücherei“ gelistet haben.

Jeder Prime-Kunde kann pro Monat ein Buch kostenlos aus der Kindle-Leihbücherei ausleihen und jeder Kindle-Unlimited-Kunde kann pro Monat beliebig viele Bücher (aber nur bis zu 10 gleichzeitig) aus der Kindle-Leihbücherei ausleihen. Dafür zahlt er eine Pauschale von 9,99 Euro monatlich.

Aus einem Teil dieser Einnahmen bildet Amazon einen monatlichen Fonds, der auf alle Autoren verteilt wird, deren Bücher im Laufe dieses Monats über die Kindle-Leihbücherei ausgeliehen wurden, egal ob nun von Prime-Kunden oder von Kindle-Unlimited-Lesern.

Solange sich die Höhe des monatlich ausgeschütteten Fonds durch die geänderte Abrechnungsmethode nicht reduziert, handelt es sich bei der Änderung lediglich um einen Versuch von Amazon, die Ausschüttung an die Autoren gerechter zu gestalten. Denn auch die alten Regeln hatten deutliche Schwächen und behandelten gerade durch die Gleichmacherei mit der einheitlichen Pauschale pro ausgeliehenem Titel Autoren ziemlich ungleich.

Die alten Regeln: KDP Select bis 30.06.2015

Bisher war es so, dass Autoren für jedes über Kindle Unlimited oder die Kindle Leihbücherei ausgeliehene Buch, das mindestens bis zur 10%-Marke gelesen wurde, denselben Betrag erhielten – unabhängig davon, wie teuer oder günstig der normale Verkaufspreis des Buchs war oder wie viele Seiten es umfasst.

Im Klartext bedeutet das: Der Autor einer 20-seitigen Kurzgeschichte, die man für 99 Cent kaufen kann, erhielt für eine Ausleihe seiner Geschichte ebenso viel wie der Autor eines 400seitigen Romans, der regulär 3,99 Euro kostet.

Damit war der Kurzgeschichtenautor natürlich unterm Strich deutlich besser gestellt als der Romanautor: Wurden in einem Monat beispielsweise 1,17 € je Ausleihe an die Autoren ausgeschüttet, war das für den Kurzgeschichtenautor viermal so viel, wie er für einen regulären Kauf seiner Kurzgeschichte erhalten hätte (nämlich 0,29 €).

Der Romanautor kam verglichen damit deutlich schlechter weg. Hätte er bei 70% Tantiemen für einen regulären Verkauf seines Romans 2,34 € kassiert, erhielt er für eine Ausleihe gerade mal die Hälfte dieses Betrags.

Zusätzlich hatte der Kurzgeschichtenautor noch den Vorteil, dass ein begeisterter Leser innerhalb weniger Tage gleich einige seiner Kurzgeschichten ausleihen und lesen konnte (was ihm für jede weitere ausgeliehene Geschichte wieder die vollen 1,17 € bescherte). An dem 400seitigen Roman hatte der Leser hingegen so lange zu lesen, dass er innerhalb eines Monats nicht allzu viele Bücher des Autors schaffen konnte.

Dieses Missverhältnis führte dazu, dass manche Autoren nach dem seit Machiavelli bewährten Motto „Teile und herrsche“ ihre Romane in kürzere Episoden unterteilten, die dann jeweils für 99 Cent angeboten (und natürlich auch bei Kindle Unlimited gelistet) wurden.

Statt einen kompletten Roman für 3,99 € anzubieten und dafür bei einem Verkauf 2,34 € Tantiemen zu kassieren, unterteilten diese Autoren ihre Romane in beispielsweise 8 Episoden, von denen die erste kostenlos und alle weiteren für je 99 Cent angeboten wurden.

Wenn ein Leser alle Episoden (abgesehen von der ersten, dauerhaft kostenlos angebotenen Episode) regulär kaufte, erhielt der Autor dafür 7 x 0,29 € = 2,03 € – also nur minimal weniger als für ein komplettes Buch á 3,99 €. Wirkt auf den ersten Blick nach einem schlechten Geschäft, zumal die Leser ja nach jeder Episode abspringen konnten, wenn die Handlung sie nicht mehr fesseln konnte.

Doch wenn alle Episoden auch bei Kindle Unlimited gelistet waren, sah die Rechnung schon ganz anders aus. Schon wenn der durchschnittliche Leser nur zwei Episoden des Romans las, bevor er das Interesse verlor, verdiente der Autor bei der beispielhaft genannten Ausschüttung von 1,17 € je Ausleihe bereits genauso viel, als wenn er seinen kompletten Roman zu regulären Konditionen verkauft hätte.

Doch mit der neuen Abrechnungsmethode von Amazon geht diese Rechnung nicht mehr auf. Denn wie bereits anfangs erwähnt erfolgt die Abrechnung seit Anfang Juli nur noch auf Basis der tatsächlich gelesenen Seiten. Und dafür ist es egal, auf wie viele separate eBooks diese Seiten verteilt werden.

Die neuen Regeln: KDP Select ab 01.07.2015

In der Theorie klingt eine Abrechnung nach gelesenen Seiten gar nicht mal so verkehrt: die Ausschüttung ist weiterhin unabhängig vom Verkaufspreis des Buchs, so dass Autoren keinen höheren Anteil des Fonds erhalten können, indem sie den Verkaufspreis ihres Buchs höher ansetzen. Na gut, nicht ganz, denn in der Praxis werden teurere Bücher (bei denen es sich richtig „lohnt“), deutlich öfter ausgeliehen als billige Bücher, die beispielsweise schon im regulären Verkauf nur 99 Cent kosten.

Bisher musste der Autor den Leser nur bis kurz hinter der 10%-Marke (als der Teil, der bei Amazon über den „Blick ins Buch“ ohnehin kostenlos gelesen werden kann) bei der Stange halten: Hatte der Leser mindestens 10% des Buchs gelesen (oder auch nur bis dahin vorgeblättert), erhielt der Autor ebenso viel, als ob der Leser das Buch bis ganz zu Ende gelesen hätte.

Bei diversen kürzeren Büchern waren diese 10% bereits erreicht, sobald der Leser über Impressum, Widmung, Inhaltsverzeichnis und Vorwort bis zum ersten Kapitel vorgeblättert hatte – womit gewissen Tricksereien Tür und Tor geöffnet waren.

Damit die neuen Auszahlungsregeln nicht wieder von findigen Autoren ausgehebelt werden, die einfach mit einer größeren Schriftart oder größeren Abständen zwischen den einzelnen Zeilen und Absätzen für eine höhere Seitenzahl ihrer Bücher sorgen, hat Amazon zum Start der neuen Regeln den sogenannten KENPC eingeführt: den „Kindle Edition Normalized Page Count“.

Hierbei handelt es sich um eine Seitenzahl, die mit einer Standard-Schriftart und -Schriftgröße, einer festen Zeilenhöhe und einem genau definierten Zeilenabstand ermittelt wird. Ob jemand das eBook also auf einem Kindle, auf einem Smartphone oder am PC liest, spielt für die als ‚gelesen‘ gewerteten und damit abgerechneten Seiten ebenso wenig eine Rolle wie die Schrifteinstellungen auf dem eReader oder am PC.

Damit man selbst als Autor auch eine Orientierung hat, wie vielen Seiten das eigene Buch laut der neuen Amazon-Kalkulation entspricht, wird dieser KENPC zukünftig im KDP-Dashboard auf der Seite „Werbung schalten“ neben dem eigenen Buch angezeigt werden.

Schmackhaft serviert mit unrealistischen Zahlen

Was an Amazons offizieller Seite zu den Neuerungen (https://kdp.amazon.com/help?topicId=A156OS90J7RDN) auffällt, sind die utopisch hohen Beispielzahlen, mit denen hier agiert wird.

Nach Amazons (natürlich rein theoretischem!) Rechenbeispiel könnte ein Autor, dessen 100seitiges Buch komplett gelesen wird, bei 10 Cent pro gelesener Seite für eine Ausleihe mit üppigen 10 Euro vergütet werden. Das könnte nur aufgehen, wenn Amazon zwar jede Menge Kindle-Unlimited-Abonnenten hätte, diese aber für ihr Geld kaum etwas lesen würden.

Selbst wenn Amazon die kompletten Einnahmen aus Kindle-Unlimited über den Fonds an die Autoren ausschütten würde (was sie als wirtschaftlich denkendes Unternehmen natürlich nicht tun), würde dieses Rechenbeispiel nur aufgehen, wenn jeder Leser im Schnitt höchstens drei Romane á 400 Seiten im Jahr lesen würde. Und dafür würde wohl kaum ein Abonnent im Jahr knappe 120 Euro bezahlen – oder? ;-)

Realistischer ist wohl, bei den echten Viellesern, die 9,99 € im Monat für ihre Kindle-Unlimited-Mitgliedschaft ausgeben, mit einem Buch pro Woche zu kalkulieren. Bei durchschnittlich 300 Seiten pro Buch wären das runde 15.000 Seiten im Jahr. Klingt nach viel, aber da der durchschnittliche Leser vielleicht eine Minute pro Seite braucht, entspräche das dem Leseverhalten einer Person, die im Schnitt runde 45 Minuten pro Tag liest.

Setzen wir diese Zahlen in unsere Kalkulation ein, landen wir schnell bei unter einem Cent pro gelesener Seite. Und damit bekäme der Beispiel-Autor aus Amazons Kalkulation mit seinem komplett gelesenen 100-Seiten-Buch nicht mal mehr einen Euro ausbezahlt.

Natürlich sind alle Spekulationen über die Höhe der Ausschüttung pro gelesener Seite vorerst nichts als blanke Theorie. Erste realistische Werte werden nicht vor Mitte August vorliegen, und, da im Sommer weniger gelesen wird als in den trüben Herbst- und Wintermonaten, sind die Zahlen für die ersten Monate vermutlich höher als später im Herbst und Winter. Vielleicht ist das auch mit ein Grund, warum Amazon die Umstellung auf die Abrechnung nach gelesenen Seiten auf den Hochsommer gelegt hat?

Gut für Romane, schlecht für Sachbücher

Nach den neuen Regeln werden lange Romane ganz klar bevorzugt. Je länger das Buch, desto mehr Geld gibt es für ein komplett zu Ende gelesenes Buch.

Das wirkt zunächst mal durchaus fair. Da in einem dicken Roman meist deutlich mehr Arbeit steckt als in einer Kurzgeschichte oder in einem der üblicherweise recht kurzen eBooks des Erotik-Genres, ist es ja durchaus legitim, dass der Autor eines solchen Romans, an dem er vielleicht zwei Jahre gearbeitet hat, deutlich mehr für eine Ausleihe bekommt als der Autor einer Kurzgeschichte, die innerhalb von gerade mal 1-2 Wochen geschrieben wurde.

Kritisch wird die Sache allerdings, wenn man seine Betrachtung auf Sachbücher erweitert. Denn auch diese werden nun bei einer Ausleihe über Kindle Unlimited nur noch nach der Anzahl der tatsächlich gelesenen Seiten entlohnt.

Und damit wird Kindle Unlimited für die meisten Sachbuchautoren herzlich uninteressant. Denn die meisten Kindle-Sachbücher sind von ihrer Seitenzahl her deutlich kürzer als Romane – oft nur 60-100 Seiten, was in den meisten Fällen auch locker ausreicht, um ein Thema kompakt und informativ abzuhandeln.

Fakt ist, dass Sachbücher deutlich zeitaufwändiger zu schreiben sind als Romane oder Kurzgeschichten. Die meisten Romanautoren schaffen eine Taschenbuchseite von ca. 250 Wörtern inklusive Überarbeitung in 30 bis maximal 60 Minuten. Bei einem Sachbuch kann man aufgrund der teils sehr aufwändigen Recherche mindestens das Doppelte dieser Zeit rechnen.

Soll der Sachbuchautor nun sein Buch künstlich auf eine höhere Seitenzahl aufblähen, indem er lange um den heißen Brei herumredet, statt direkt auf den Punkt zu kommen? Damit wäre auch niemandem gedient, denn Sachbücher liest man nicht in erster Line des Genusses wegen, sondern um sich neue Informationen und Kenntnisse anzueignen oder ein ganz bestimmtes Problem zu lösen.

Und damit kommt ein weiterer Knackpunkt ins Spiel, der Sachbücher zukünftig gegenüber Romanen klar benachteiligt. Bei den meisten Sachbüchern blättert man über die Passagen, die einen im Augenblick nicht konkret interessieren oder deren Inhalt man schon gut genug zu kennen glaubt, relativ rasch hinweg – wenn man nicht gleich über das Inhaltsverzeichnis zu dem Kapitel springt, das die Lösung enthält, nach der man im Moment sucht.

Denn übersprungene oder rasch überblätterte Seiten gelten nach den neuen Regeln ebenfalls als nicht gelesen und werden somit auch nicht vergütet. Damit eine Seite gewertet wird, muss der Leser eine bestimmte Mindestdauer auf dieser Seite verweilen.

Während man einen Roman üblicherweise vom ersten Kapitel bis zum Ende durchliest (jedenfalls, solange man nicht vorher das Interesse verliert), greift man sich bei einem Sachbuch meist nur bestimmte Kapitel heraus oder springt direkt zur Zusammenfassung der wichtigsten Punkte am Ende des Buchs, um Zeit zu sparen.

Sachbücher sind also nicht nur benachteiligt, da sie generell meist kürzer als Romane sind (wann haben Sie zuletzt ein 300seitiges Sachbuch gelesen?), sondern werden mit Pech auch nur mit einem Bruchteil ihres Umfangs vergütet, da die Leser sich ihre persönlichen Rosinen herauspicken und den Rest nur überfliegen.

Wer als Sachbuchautor bisher also die oben als Beispiel angesetzten 1,17 € für eine Ausleihe erhielt, wird zukünftig mit Pech nur noch für 10-20 intensiv gelesene Seiten vergütet, was unterm Strich nur noch Tantiemen von ein paar Cent ergeben wird.

Dies wird meiner Meinung nach dazu führen, dass in den nächsten Monaten immer mehr Sachbücher von ihren Autoren aus KDP Select und damit aus der Kindle-Unlimited-Leihbücherei zurückgezogen werden, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen.

Schöne neue Cliffhanger-Welt?

Doch auch für Romanautoren ist die neue Abrechnungsmethode nicht zwangsläufig das gelobte Land. Denn nun muss jeder Autor darauf achten, ständig mit Cliffhangern, offenen Fragen und einer rasanten Handlung den Leser zum Weiterlesen zu bewegen – frei nach dem Motto „jede gelesene Seite zählt (oder zahlt)“.

Nichts gegen Spannungsliteratur und Action-Thriller – ich liebe spannende Bücher wie die rasanten Thriller von Matthew Reilly. Aber Romane, die rein auf Action und Spannung setzen und dabei auf jegliche Atempause verzichten, sind auf Dauer auch für den Leser sehr ermüdend. Ein gutes Beispiel dafür ist das Buch „Intensity“ von Dean Koontz.

Auch eine Achterbahnfahrt braucht immer wieder langsame Passagen, in denen die Wagen langsam den nächsten Berg hinauf gezogen werden. Je höher der Anstieg, desto rasanter wird die nächste Talfahrt, wenn die Passagiere am höchsten Punkt ankommen und in den tiefen Abgrund sehen, der sich rasend schnell vor ihnen auftut.

Ein derart übersteigerter Fokus auf Cliffhanger und darauf, den Leser mit Rätseln und offenen Fragen am Lesen zu halten, würde meiner Meinung nach im Laufe der Zeit zu einer langweiligen Monokultur führen. Keine anspruchsvolle Literatur mehr, die einen zum Nachdenken und Innehalten einlädt – nur noch atemlose Pageturner. Aus meiner Sicht wäre das eine verarmte und damit trotz (oder gerade wegen) des Überangebots an adrenalingeschwängerten Cliffhangern eine langweilige Buchwelt, die früher oder später ihre Leser verlieren wird.

Der überwachte Leser

Ein weiterer Punkt, der einem hierbei auffällt, ist die immer stärkere Überwachung der Leser durch ihre eReader. Wenn die aktuelle Leseposition zwischen eReader und Smartphone synchronisiert wird, so dass man dasselbe Buch unterbrechnungsfrei auf einem anderen Gerät weiterlesen kann, ist das eine feine Sache. Aber die neue Abrechnungsmethode von Amazon zeigt wieder mal, wie minutiös das eigene Leseverhalten durch Kindle & Co analysiert wird: Erfasst wird nicht nur, bis zu welcher Position das Buch gelesen wurde, sondern auch, wie lange der Leser auf welcher Seite des Buchs gelesen hat und welche Passagen er nur überflogen oder gar überblättert hat.

Fazit

Ich bin zugegebenermaßen kein Freund von Lese-Flatrates wie Kindle Unlimited. Wenn mir ein Buch gefällt, kaufe ich es und lese es dann ganz entspannt und in aller Ruhe, ohne beim Lesen das stressige Gefühl zu haben, mindestens ein bis zwei Romane pro Woche schaffen zu müssen, um einen ausreichenden Gegenwert für meine 9,99 € pro Monat zu erhalten.

Auch als Autor gefallen mir Amazons neue Regeln nicht wirklich. Durch den strikten Fokus auf der tatsächlich gelesenen Seitenzahl fördert Amazon cliffhangerlastige Schema-F-Literatur, mit der sich die Autoren „dank“ KDP-Select auch noch exklusiv an Amazon binden müssen.

Natürlich wird es auch Autoren geben, die von den neuen Abrechnungsmodalitäten profitieren und die zukünftig einen noch größeren Anteil des monatlichen Fonds erhalten. Doch viele andere Autoren werden in den nächsten Monaten ernüchtert feststellen müssen, dass KDP Unlimited sich für sie zu einen großen Verlustgeschäft entwickelt, da die Ausleihen ganz klar zu Lasten der regulären Buchverkäufe gehen. Und irgendwann kommt man dann an den Punkt, an dem man abwägen muss, ob man seine Bücher wirklich weiter bei KDP Select angemeldet lassen will, nur um zwischendurch mal eine Gratis-Werbeaktion schalten zu können.

Ich gehe davon aus, dass wir im Laufe des nächsten Jahres nach und nach eine deutliche strukturelle Änderung in der Kindle-Unlimited-Leihbibliothek erleben werden. Weniger Sachbücher und deutlich weniger Kurzgeschichten (da viele Sachbuch- und Kurzgeschichten-Autoren aufgrund der Änderungen ihre eBooks nach und nach aus KDP Select abziehen werden und stattdessen das Potential einer zusätzlichen Veröffentlichung über den starken Konkurrenten Tolino Media nutzen), dafür immer längere Romane, die ihre Handlung immer weiter auswalzen und dabei versuchen, immer noch spannend genug zu bleiben, um die Leser bei der Stange zu halten. Doch wer überlegt, auf diesen Zug aufzuspringen, sollte dabei an das Zitat des guten alten Goethe denken: „Getretener Quark wird breit, nicht stark.“ ;-)

Wie Sie Rezensionsexemplare von eBooks vor unerlaubter Weitergabe schützen

Die Diskussion über die Möglichkeiten, eBooks vor illegalem Kopieren und Weitergabe zu schützen, ist wohl so alt wie das eBook selbst. Natürlich kann man auch gedruckte Bücher illegal (foto-)kopieren, doch beim eBook ist es nicht nur einfacher, sondern die Gefahr ist auch wesentlich größer. Denn während ein Stapel Fotokopien, selbst wenn man ihn in einen Ordner heftet, niemals soviel hermacht wie das ursprüngliche, gebundene Buch, ist beim eBook jede Kopie qualitativ genauso gut wie das Original.

Bei eBooks, die über Online-Buchhändler wie Amazon, Thalia o.ä. vertrieben werden, geht die Diskussion daher in die Richtung, wie weit man eBooks mit DRM (Digital Rights Management) schützen sollte.

Doch dieses ?harte? DRM (also die Bindung eines Buchs an einen bestimmten Käufer oder gar ein bestimmtes Lesegerät) ist für Selfpublisher, die Rezensionsexemplare an ihre Leser verteilen wollen, allein schon aus technischen Gründen gar nicht machbar.

Doch sollte man darum die Rezensionsexemplare seiner eBooks völlig ungeschützt verteilen und einfach darauf vertrauen, dass niemals einer der Empfänger sein Rezensionsexemplar unerlaubt übers Internet verteilt oder gar in einer Tauschbörse oder auf illegalen Downloadseiten hochlädt? Dass man sich darauf nicht verlassen kann, musste zuletzt auch die Bestseller-Autorin Poppy J. Anderson feststellen.

Also lieber gar keine Rezensionsexemplare mehr verteilen oder nur noch Gutscheine, über die der Rezensent sein persönliches, DRM-geschütztes Exemplar bei einem bestimmten eBook-Shop einlösen kann? Beides kann nicht wirklich im Sinne des Erfinders sein.

Der beste Mittelweg ist meiner Meinung nach „weiches DRM“. Wenn von „weichem DRM“ die Rede ist, meint man damit üblicherweise eBooks, die mehr oder weniger versteckt (also z. B. mit einem unsichtbaren Wasserzeichen) gekennzeichnet sind und so eindeutig dem ursprünglichen Empfänger zugeordnet werden können. Taucht ein mit „weichem DRM“ markiertes Buch auf einer illegalen Downloadseite oder in einer Tauschbörse auf, kann man somit eindeutig nachvollziehen, wer das Buch illegal in Umlauf gebracht hat.

Eine solche „weiche“ Kennzeichnung kann man auch als Indie-Autor selbst am heimischen PC vornehmen. Die Frage ist lediglich, für welche eBook-Variante man sich entscheidet.

Bei ePub- oder Mobi-Dateien (also den verbreitetsten eBook-Formaten) kann man eine Personalisierung auf zweierlei Weise vornehmen: Man öffnet das eBook mit einem Editor (wie z. B. Sigil für ePub-Bücher) und trägt entweder auf ener der vorderen Seiten gut sichtbar „Rezensionsexemplar für …“ ein, oder man hinterlegt den Namen des Empfängers versteckt in den Meta-Daten des Buchs.

Die erste Methode (offen sichtbar) wird den Empfänger eher davon abhalten, das eBook weiterzugeben, da jeder auf einen Blick sieht, um wessen Rezensionsexemplar es sich handelt. Wenn der Empfänger nichts von der Kennzeichnung in den Meta-Daten ahnt, wird er das Buch dennoch weitergeben, falls er das vorhatte. Man selbst als Autor kann die Metadaten also höchstens im Nachhinein nutzen, um das Leck aufzudecken. Doch dann liegt das Kind bereits im Brunnen.

Beide beschriebenen Methoden (offene Kennzeichnung und Vermerk in den Metadaten) haben zudem denselben gravierenden Nachteil: Genauso einfach, wie man selbst als Autor einen solchen Vermerk anbringen kann, kann der Empfänger diesen Vermerk auch wieder entfernen – denn eine ePub-Datei kann man nicht vor Änderungen schützen. Wenn also jemand vorhat, ein für den persönlichen Gebrauch erhaltenes Rezensionsexemplar auf einer Raubkopierer-Seite hochzuladen, kann man demjenigen auch das Wissen zutrauen, wie man eine ePub-Datei mit Sigil öffnet und offensichtliche Kennzeichnungen herauslöscht.

Dies ist einer der Gründe, warum aus meiner Sicht das PDF-Format wesentlich besser für Rezensionsexemplare geeignet ist. Ein PDF hat nicht nur den Vorteil, dass man beim Erstellen bereits genau festlegen kann, in welchem Seitenlayout und mit welcher Schriftart das PDF beim Empfänger angezeigt wird (eben wie bei einem gedruckten Buch), sondern man kann es im Gegensatz zu ePub- oder Mobi-Dateien auch mit einem Kennwortschutz versehen.

Damit meine ich nicht etwa jenen lästigen Passwortschutz, bei dem der Leser jedes Mal beim Öffnen des PDFs ein Passwort eingeben muss. Schließlich wollen wir unsere Leser nicht ärgern oder gängeln. Ich rede lediglich von dem Kennwortschutz, der das PDF vor unerlaubten Änderungen schützt. Mit einem solchen Kennwort können Sie nicht nur verhindern, dass jemand das PDF verändert, sondern auch, dass über die Zwischenablage Textpassagen herauskopiert werden oder dass jemand das Buch ausdruckt.

Falls Sie sich fragen, warum man das Drucken eines PDF-Rezensionsexemplars deaktivieren sollte: Kaum jemand wird wirklich ein dickes Buch ausdrucken wollen, um es auf Papier zu lesen. Allerdings könnte man über einen PDF-Druckertreiber wie den kostenlosen PDF-Creator das geschützte PDF in ein neues, ungeschütztes PDF drucken und so den Passwortschutz aushebeln.

Der Kennwortschutz verhindert zudem, dass jemand die von Ihnen eingepflegte Kennzeichnung / Personalisierung einfach wieder entfernen kann.

Natürlich gibt es niemals absolute Sicherheit. Es gibt einschlägige Werkzeuge, mit denen man den Kennwortschutz eines PDFs knacken und entfernen kann, doch dürften nur relativ wenige Leser technisch in der Lage sein, einen solchen Schutz auszuhebeln.

Ich zeige Ihnen im Folgenden Schritt für Schritt, wie auch Sie mit einfachen, kostenlosen Werkzeugen kennwortgeschützte, personalisierte Rezensionsexempare Ihrer eBooks erstellen können:

1. Erzeugen der geschützten PDF-Datei

Generieren Sie mit dem kostenlosen PDFCreator (http://de.pdfforge.org/pdfcreator) ein geschütztes PDF (Sicherheitsoptionen: verschlüsselt mit 128 Bit AES, aber kein Häkchen bei „Passwort zum Öffnen der PDF“ gesetzt!). Nehmen Sie alle Häkchen bei „Dem Benutzer erlauben…“ heraus. Bestätigen Sie die Einstellungen mit OK.

Beim Speichern des PDFs werden Sie aufgefordert, ein Besitzerpasswort einzugeben. Wählen Sie hier ein sicheres Passwort (bestehend aus Großbuchstaben, Kleinbuchstaben, Ziffern und Sonderzeichen), das Sie sich gut merken können. Sie brauchen dieses später jedes Mal, wenn Sie ein Rezensionsexemplar versenden wollen.

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2. Legen Sie ein eigenes Verzeichnis für Ihr Rezensions-Exemplar an

Speichern Sie die PDF-Version des Rezensionsexemplar in ein eigenes Verzeichnis auf Ihrem PC. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, dass Sie Ihr Passwort nicht vergessen, können Sie dieses in einer separaten Textdatei in dasselbe Verzeichnis speichern oder (je nach verwendeten Sonderzeichen) das Passwort direkt als den Namen einer leeren Datei verwenden (also z. B. eine „H2bü!-aV.txt“ ins Verzeichnis speichern, so dass Sie Ihr Passwort H2bü!-aV stets im Blick haben.

3. Installation von BeCyPDFMetaEdit

Um das PDF für den jeweiligen Empfänger zu personalisieren, brauchen Sie ein Programm, mit dem Sie die Meta-Daten der PDF-Datei nachträglich ändern können. Die beste Wahl ist hier BeCyPDFMetaEdit (http://www.becyhome.de/becypdfmetaedit/description_ger.htm), da es erstens nicht installiert werden muss und zweitens auch mit geschützten PDFs umgehen kann.

Laden Sie sich die portable Version (http://www.becyhome.de/download/BeCyPDFMetaEdit-2.37.0-de.zip) des Programms herunter und entpacken Sie diese in dasselbe Verzeichnis, in das Sie das PDF gespeichert haben.

4. Erzeugen eines personalisierten Rezensionsexemplars

4. Wenn Sie ein personalisiertes Rezensionsexemplar versenden wollen, starten Sie das Programm und öffnen Sie damit Ihr geschütztes PDF. Da sich beide im selben Verzeichnis befinden, wird direkt das richtige PDF vorgeschlagen.

Screenshot

Geben Sie das festgelegte Passwort ein, damit das Programm die gewünschten Änderungen am PDF vornehmen kann.

Screenshot

Geben Sie im Bereich „Metadaten“ im Feld „Thema“ ein: „Rezensionsexemplar für …“ (hier den Namen des Empfängers einsetzen).

Klicken Sie auf „Speichern“, um den Namen des Empfängers fest im PDF zu verankern. Sie können sich nun das PDF nun auf Wunsch mit Ihrem Standard PDF-Viewer anzeigen lassen (optional).

Wenn Sie dort auf „Eigenschaften“ gehen, sehen Sie unter Thema den Namen des Rezensenten, für den dieses PDF generiert wurde.

Screenshot

Da das PDF mit Passwortschutz vor Änderungen geschützt ist, bräuchte der Empfänger das von Ihnen verwendete Passwort, um seinen Namen aus dem PDF entfernen zu können.

5. Versenden der Rezensionsexemplare

Nun können Sie Ihr PDF mit gutem Gewissen an den Empfänger versenden.

Wenn der nächste Rezensent ein persönliches Exemplar Ihres Buchs erhalten soll, überschreiben Sie immer wieder dasselbe PDF und ändern nur jeweils vor dem Mailversand den Namen des Empfängers in den Meta-Daten.

Mit diesem kleinen Kniff können Sie Ihre Rezensionsexemplare unbesorgt verteilen ? und es geht wesentlich schneller, als jedes Mal ein neues, geschütztes PDF pro Empfänger zu generieren.


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KindleSpy – praktisches Tool für eBook-Autoren

Während ich sonst in der Software-Ecke eher Programme vorstelle, die Autoren direkt beim Schreiben, Überarbeiten oder Veröffentlichen von Büchern unterstützen, möchte ich heute zur Abwechslung mal ein etwas anderes Werkzeug vorstellen – den KindleSpy, ein Marktanalyse-Werkzeug für Kindle-Autoren.

KindleSpy ist in erster Linie für Autoren interessant, die Bücher in ganz unterschiedlichen Genres oder Sparten schreiben und stets auf der Suche nach lukrativen Marktnischen sind – aber auch für Autoren, die sich einfach mal einen etwas tiefer gehenden Überblick über den Amazon-eBook-Markt verschaffen wollen.

Hard- und Software-Anforderungen

Bei KindleSpy handelt es sich nicht um ein eigenständiges Desktop-Programm, sondern um eine Erweiterung für den Chrome-Browser. Wer KindleSpy nutzen möchte, muss also Chrome zuminest als zusätzlichen Browser auf seinem Rechner installieren. Aber es hindert einen ja niemand daran, für das normale Surfen weiterhin Firefox oder einen anderen Browser zu verwenden und Chrome lediglich für die Amazon-Recherche mit dem KindleSpy zu nutzen.

Die nahtlose Integration von KindleSpy in den Chrome-Browser hat den großen Vorteil, dass der KindleSpy nicht nur unter Windows läuft, sondern auch unter Mac OS-X und sogar auf Chromebooks. Sobald man das Plugin erst einmal in Chrome installiert hat, steht es einem auf allen Rechnern, auf denen man sich in Chrome mit seinem Google-Account anmeldet, zur Verfügung.

Was kann der KindleSpy?

Grundsätzlich kann der KindleSpy nichts, was man nicht auch mit manueller Kleinarbeit auslesen und auswerten könnte, aber er spart einem dabei jede Menge Zeit – und Zeit ist für Autoren eine knappe und wertvolle Ressource.

Anders gesagt: mit dem KindleSpy kann man in 15 Minuten mehr interessante Fakten und Details herausfinden, als in 2-3 Stunden mit Papier, Stift, Excel und Taschenrechner. Die zur Zeit 37 USD (also knapp 35 Euro) für KindleSpy haben sich also in kürzester Zeit amortisiert, wenn man öfter mal nach der optimalen Kategorie oder den perfekten Suchbegriffen für ein neues Buchprojekt sucht.

Aber schauen wir uns einfach mal ein paar Dinge an, die der KindleSpy kann…

Analyse der Kindle-Bestsellerlisten

Eine der Hauptfunktionen von KindleSpy ist das Analysieren der Beststellerlisten für bestimmte Kategorien. Der KindleSpy listet nicht nur die Top 20-100 der gewählten Kategorie mit Anzahl der Seiten, Preis, Anzahl der Rezensionen und aktuellem Verkaufsrang auf, sondern schätzt auch, wie viele Bücher dieser Bestseller verkauft werden und wie viel Umsatz der Autor mit einem Buch aus dieser Bestsellerliste machen könnte.

Screenshot KindleSpy

Die Betonung liegt dabei allerdings ganz klar auf „schätzt“ – und zwar mit einem sehr dicken Daumen. KindleSpy wurde ursprünglich für den amerikanischen Markt (also Amazon.com) entwickelt und erst nachträglich so angepasst, dass auch die Kindle-Charts der englischen Seite (Amazon.co.uk) und von Amazon.de analysiert werden können.

Die Schätzungen von KindleSpy basieren auf dem Verkaufsrang der Bücher und einer hinterlegten Formel / Tabelle, wie vielen verkauften Büchern ein Buch mit diesem Verkaufsrang entsprechen dürfte. Das hat natürlich ein bisschen was vom Kaffeesatz-Lesen, da Verkaufsrang und verkaufte Bücher nicht unbedingt in einem festen Verhältnis zueinander stehen. So kann man im Sommer schon mit wesentlich weniger verkauften Exemplaren in den Top-100 landen als beispielsweise in der umsatzstarken Vorweihnachtszeit. Wie weit das Programm solche saisonalen Schwankungen berücksichtigt, ist mir nicht bekannt.

Dieselbe Einschränkung gilt für die unterschiedlichen Märkte: Ein Buch auf Platz 80 der amerikanischen Amazon.com-Kindle-Charts verkauft sich pro Tag natürlich allein durch den viel größeren Markt wesentlich öfter als ein Buch auf dem gleichen Platz der deutschen Amazon.de-Kindle-Charts. Wie exakt die Umrechnungstabellen (Platzierung ➜ verkaufte Exemplare) in KindleSpy für den deutschen Markt kalkuliert wurden, kann man nicht mit Sicherheit sagen.

Wer also glaubt, via KindleSpy exakte Umsatz-Prognosen ablesen zu können, sollte seine Erwartungshaltung etwas reduzieren. Doch das ist auch gar nicht der wichtigste Punkt.

Wo KindleSpy punkten kann, ist der Vergleich von Kategorien. Wenn Sie also mehrere Kategorien für Ihr nächstes Buchprojekt in der engeren Wahl haben, hilft KindleSpy Ihnen dabei, die bessere (= potentiell lukrativere) Kategorie auszuwählen. Und die Ergebnisse sind teilweise recht überraschend.

Analyse von Suchbegriffen

Sehr interessant ist auch die Analyse von Suchbegriffen. Mit dieser Funktion können Sie nicht nur sehen, wie viel Konkurrenz Sie für bestimmte Suchbegriffen haben, sondern erhalten auch eine Einschätzung, wie gut sich die erfolgreichsten Bücher mit diesen Suchbegriffen bei Amazon verkaufen.

Screenshot KindleSpy

Diese Funktion ist für Romanautoren ebenso interessant wie für Sachbuchautoren. Mit ein wenig Geduld und Experimentierfreude kann man so eine optimale Kombination aus Schlagworten für das eigene Buch finden, mit denen man einerseits nicht zu viel Konkurrenz hat, aber trotzdem zusammen mit anderen, bereits erfolgreichen Büchern gelistet wird.

Weitere Funktionen

Doch der KindleSpy kann sogar noch mehr. So können Sie beispielsweise auch die Bücher eines bestimmten Autors analysieren oder die Entwicklung bestimmter Titel über einen längeren Zeitraum beobachten.

Interessant ist auch die Schlagwortwolken-Funktion, die die am häufigsten vorkommenden Wörter in den Suchergebnissen darstellt. Auch hier erkennt man allerdings, dass das Programm nicht speziell für den deutschen Markt entwickelt wurde – denn sonst würden Artikel wie der, die oder das bei der Analyse ausgefiltert werden.

Screenshot KindleSpy

Alle Ergebnisse lassen sich im CSV-Format (Comma separated value) exportieren und so z.B. in Excel komfortabel weiter verarbeiten.

Wo bekommt man den KindleSpy?

Die offizielle Verkaufsseite von KindleSpy finden Sie unter http://www.kdspy.com. Das Programm ist zur Zeit für 47 USD erhältlich, umgerechnet also knapp 45 Euro.

Der Preis wird sich zu einem nicht näher definierten Zeitpunkt auf 97 USD erhöhen. Wer sich also für das Tool interessiert, sollte lieber zeitnah zuschlagen, als zu lange zu zögern und dann mit Pech doppelt so viel für das Programm ausgeben zu müssen.

Fazit: Auch wenn der KindleSpy beileibe kein Muss für Autoren ist, liefert er einem dennoch viele aufschlussreiche Informationen darüber, was sich auf Amazon gut verkauft und was nicht. Da das Programm aktiv weiterentwickelt wird und zukünftige Updates im Preis inbegriffen sind, ist das Preis-Leistungsverhältnis sehr gut – ich vergebe daher 4/5 Sternen.


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Buchmarketing: Direktlinks zu Amazon-Rezensionen

Die meisten Schriftsteller verkaufen den größten Teil ihrer Bücher über Amazon. Dort ist es auch, wo sich im Laufe der Zeit die meisten Rezensionen zu unseren Büchern ansammeln. Wertvolles Kapital, das man als Autor mit etwas Geschick gut für das eigene Marketing nutzen kann.

Warum Rezensionen so wichtig sind

Einer der wichtigsten Entscheidungsfaktoren, ob sich ein Buch gut verkauft oder nicht, sind Rezensionen: Schlechte Rezensionen können ein Buch so gründlich verbrennen, dass kaum noch jemand sein gutes Geld für dieses Buch ausgeben wird.

Auch ein völliger Mangel an Rezensionen sorgt bei potentiellen Lesern für Verunsicherung. Wenn das Buch nicht gerade erst vor ein paar Tagen erschienen ist – warum gibt es dann noch keine Rezensionen? Hat etwa bisher niemand das Buch gekauft bzw. gelesen? Und wenn das Buch bisher niemanden zum Kauf animieren konnte – warum soll ich dann das Versuchskaninchen spielen und das Risiko eingehen, für mein gutes Geld ein womöglich schlecht konstruiertes, schlecht geschriebenes und/oder mangelhaft lektoriertes Buch zu kaufen?

Gute Rezensionen hingegen, möglichst mit einem Durchschnitt von mindestens 4 Sternen, sind ein echtes Kaufargument. Man spricht hier von „Social Proof„: Die Rezensionen beweisen, dass anderen Lesern das Buch gut gefallen hat, was wiederum dafür spricht, dass es auch mir gefallen dürfte – besonders, wenn ich aus den Rezensionen herauslesen kann, dass dem Rezensenten dieselben Dinge bei einem Buch wichtig sind wie mir.

Gute Rezensionen sind aus meiner Sicht der wichtigste Faktor, der darüber entscheidet, wie gut sich ein Buch verkauft. Der wichtigste Faktor? Und was ist mit Dingen wie einem professionellen Cover, einem zugkräftigen Titel und einem gut geschriebenen Werbetext, der die Leser neugierig macht? Und last not least mit der Qualität des Buchs?

All diese Dinge sind wichtig, sogar essentiell. Aber sie stehen in ihrer Bedeutung nicht über oder neben den Rezensionen, sondern sind deren Grundlage. Ohne sie bekommt man entweder keine oder schlechte Rezensionen. Rezensionen sind die Essenz, die Zusammenfassung der Meinungen der Leser über unser Buch. Und bei Amazon muss ein Interessent nicht einmal die kompletten Rezensionen durchlesen, da Amazon sie mit seiner Bewertungs-Skala von 1-5 Sternen quantifizierbar gemacht hat. Bei jedem Buch sieht man auf einen Blick anhand eines übersichtlichen Balkendiagramms, wie sich die Bewertungen der Leser verteilen.

Gerade bei Büchern mit sehr vielen Bewertungen liest man als Interessent meist nicht alle Rezensionen. Dafür hat man gar nicht die Zeit. Stattdessen beschränkt man sich auf die „hilfreichsten Rezensionen“ oder schaut gezielt nach den schlechtesten Bewertungen, um mögliche Kritikpunkte zu finden, die gegen einen Kauf sprechen.

Doch egal wie wichtig Rezensionen für unsere Buchverkäufe auch sein mögen: der potentielle Leser bekommt sie erst dann zu Gesicht, wenn er schon auf der Amazon-Seite unseres Buchs gelandet ist und sich die Mühe macht, die Rezensionen zum Artikel anzuklicken.

Das ist der Punkt, an dem wir ansetzen müssen.

Bestandsaufnahme und Materialsammlung

Gehen Sie zunächst in einer ruhigen Stunde alle Rezensionen zu Ihren Büchern durch, die sich mittlerweile auf Amazon angesammelt haben – in erster Linie natürlich die 5-Sterne-Rezensionen.

Fragen Sie sich bei jeder dieser Rezensionen: Wäre diese Rezension für Sie ein Grund, dieses Buch zu kaufen? Rezensionen, die zu viel über den Inhalt des Buchs verraten oder gar das Ende spoilern, kommen für unsere Zwecke natürlich nicht in Frage. Genauso wenig oberflächliche und nichtssagende Rezensionen wie „Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es liest sich gut und ich würde mir weitere Bücher der Autorin kaufen“, die auf so ziemlich jedes Buch passen würden. Optimal sind Rezensionen, denen man die Begeisterung des Rezensenten anmerkt und die genau auf den Punkt bringen, was ihnen an diesem Buch besonders gut gefallen hat.

Legen Sie sich eine Liste dieser Rezensionen an, zum Beispiel in einer Excel-Tabelle. In die erste Spalte kommt der Titel des Buchs, auf den sich die Rezension bezieht, in die zweite die Anzahl der Sterne (wobei meist nur die 5-Sterne-Rezensionen wirklich werbewirksam sind). In die dritte Spalte tragen Sie den Titel der Rezension ein – z. B. „Einer der besten Thriller des letzten Jahres!“.

In die vierte Spalte übernehmen Sie den direkten Link zur Rezension. Diesen erhalten Sie, indem Sie mit der rechten Maustaste auf „Kommentar als Link“ klicken (finden Sie rechts unterhalb jeder Rezension bei Amazon) und dann diesen Link kopieren.

Wenn Sie auf diese Weise alle Rezensionen zu Ihren Büchern durchgegangen sind, haben Sie eine Menge gutes Werbematerial gesammelt.

Wie bringt man den Interessenten zur Rezension?

Auch wenn Sie natürlich keine kompletten Rezensionen von Amazon oder anderen Seiten kopieren dürfen, um diese beispielsweise auf Ihrer Autorenhomepage zu veröffentlichen (Achtung: Urheberrecht!), dürfen Sie natürlich auf Rezensionen verlinken.

So könnten Sie mit dem gesammelten Material aus Ihrer Tabelle einen Tweet zusammenstellen, den Sie alle paar Wochen mal auf Twitter posten:

„Einer der besten Thriller des letzen Jahres!“ 5-Sterne-Rezension zu „Schwarzes Gold“ http://… {hier fügen Sie den Link zur Rezension ein…}

Oder Sie bringen auf der Webseite zu Ihrem Buch eine Kategorie „Leserstimmen“, in der Sie die Titel der besten Rezensionen untereinander auflisten (natürlich stets mit einem Link zur jeweiligen Rezension dahinter).

Ob Sie die Links nun auf Ihrer Homepage anbringen und/oder auf Twitter nutzen – Sie schlagen in jedem Fall zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie präsentieren potentiellen Käufern Ihres Buchs nicht nur eine gute Rezension, die beweist, dass es sich lohnt, Ihr Buch zu kaufen … nein, Sie schicken den Interessenten auf diese Weise auch noch direkt zu Amazon, wo er, wenn Sie sein Interesse wecken konnten, mit wenigen Klicks Ihr Buch kaufen kann. ;-)

Wenn Sie eine Affiliate-ID bei Amazon haben, um Werbekostenerstattungen für vermittelte Käufe zu erhalten, können Sie sogar noch eine dritte Fliege mit derselben Klappe erschlagen: Wenn Sie hinter den Link zur jeweiligen Rezension, den Sie sich heraus kopiert haben, noch &tag=IhreID setzen (wobei Sie natürlich IhreID durch Ihr Affiliate-Kürzel ersetzen müssen), werden aus diesen Links resultierende Bestellungen auch noch auf Ihre Werbekostenerstattung angerechnet.

Ein weiterer Vorteil des Einfügens einer Affiliate-ID ist, dass Sie so jederzeit über Amazon nachschauen können, wie viele Besucher über einen Ihrer Links Ihr Buch angeklickt haben, und wieviel Prozent dieser potentiellen Käufer das Buch dann auch tatsächlich bestellt haben. Das kann sehr informativ sein. Wenn Sie die Zahlen z. B. vor und nach einer Änderung Ihres Buchcovers oder des Preises vergleichen, können Sie leichter abschätzen, ob die Änderungen einen positiven, einen negativen oder überhaupt keinen Effekt auf die „Kaufquote“ Ihrer potentiellen Leser hatten.

Probieren Sie es einfach einmal aus – es lohnt sich!


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Gratis-Aktionen bei Amazon: Sinnvolles Marketing-Instrument oder gefährliches Eigentor?

Noch nie war es so einfach wie heute für Autoren, ihre Bücher zu veröffentlichen und so einer breiten Allgemeinheit zugänglich zu machen. Hohe Tantiemen im eBook-Bereich (bis zu 70% des Netto-Verkaufspreises) wirken auf den ersten Blick wie ein wahres Schlaraffenland für Autoren – denn von solchen Tantiemen können Schriftsteller, die bei einem klassischen Publikumsverlag unter Vertrag sind, nur träumen.

Doch mit der Flut an neuen Titeln, die gerade in Amazons Kindle-Shop täglich herauskommt, wird es immer schwieriger, mit seinem Buch aus der Masse herauszustechen und Käufer zu finden.

Viele Autoren melden daher ihr Buch für Amazons KDP-Select-Programm an. Hierbei dürfen sie ihr eBook ausschließlich über Amazon anbieten (also nicht parallel auch noch über andere Shops oder die eigene Autorenhomepage), haben dafür aber z.B. die Möglichkeit, ihr Buch zeitweise als Werbeaktion kostenlos anzubieten. Doch lohnt sich das wirklich?

Wer als Autor überlegt, sein Buch bei Amazon an einzelnen Tagen kostenlos anzubieten, sollte schon im Vorfeld sehrgenau darüber nachdenken, was er damit beabsichtigt.

Bringen Gratis-Aktionen positive Rezensionen?

Der Vorteil einer Gratisaktion (besonders, wenn man diese auch noch über Twitter, Facebook oder andere Medien aktiv bewirbt) ist, dass das Buch mit Sicherheit ziemlich häufig heruntergeladen wird. Je mehr Leute das Buch herunterladen und lesen, umso größer sind natürlich auch die Chancen, dass einzelne dieser Leser bei Amazon eine Rezension abgeben. Und je mehr positive Rezensionen ein Buch vorzuweisen hat, umso eher werden andere Interessenten bereit sein, das Buch zu kaufen.

Doch der Knackpunkt ist natürlich das Wort “positive”. Negative Rezensionen und Verrisse können rasch alles wieder kaputt machen, was mit ein paar guten Rezensionen so erfolgversprechend begonnen hat. Und mit einer Gratis-Aktion erhöht man leider das Risiko negativer Rezensionen überproportional. Warum das?

Wenn ein Buch Geld kostet, wird es in erster Linie von der Zielgruppe des Autors gekauft, die tatsächlich genau solche Bücher gerne liest. Diese werden, wenn das Buch gut geschrieben ist, sehr zufrieden damit sein und mit etwas Glück auch eine (dann natürlich positive) Rezension auf Amazon abgeben.

Doch bei Gratisaktionen greifen auch viele Leser zu, die eigentlich überhaupt nicht zur Zielgruppe des Autors gehören. Sie nehmen einfach alles mit, was nichts kostet. Viele von ihnen werden das Buch niemals lesen, sondern nur in ihrem Kindle “hamstern” und digitalen Staub ansetzen lassen – und das ist ein Glück.

Denn wenn sie es tatsächlich lesen und (da es eigentlich für eine ganz andere Zielgruppe geschrieben wurde) nichts damit anfangen können, ist die Gefahr recht groß, dass sie anschließend eine negative Rezension bei Amazon abgeben, weil ihnen das Buch nicht gefallen hat. Diese Negativrezensionen schrecken dann wiederum Leser ab, die wirklich zur Zielgruppe gehören und denen das Buch höchstwahrscheinlich gut gefallen würde.

Sie sehen: Auch gut gemeinte Geschenke können Risiken und unerwünschte Nebenwirkungen haben. ;-)

Würden Sie alles verschenken, was Sie besitzen?

Das zweite Problem bei einer Gratisaktion ist, dass sehr viele Autoren, die ihr Buch als Gratisdownload anbieten, bisher nur dieses eine Buch veröffentlicht haben. Wenn also ein neuer Interessent über die Gratisaktion auf ihr Buch stößt, es herunterlädt und tatsächlich begeistert ist, gibt es keine weiteren Bücher desselben Autors, die er sich kaufen könnte.

Und bis irgendwann das nächste Buch dieses Autors herauskommt, hat der Leser ihn aufgrund der stetigen Flut kostenloser Kindle-Bücher höchstwahrscheinlich längst wieder vergessen. Insofern kann eine Gratisaktion auch hier nicht den Buchumsatz ankurbeln.

Wesentlich effektiver ist eine Gratisaktion, wenn man bereits eine ganze, aufeinander aufbauende Serie von Büchern veröffentlicht hat und dann den ersten Band der Serie im Rahmen einer Werbeaktion vorübergehend kostenlos anbietet. Wenn dem Leser der erste Band gefällt, wird er sich entweder nach und nach oder – wenn man sehr viel Glück hat – direkt auf einen Schlag auch noch alle anderen Bücher der Serie bestellen.

„Teile und herrsche!“  – oder auch nicht…

Manche Ein-Buch-Autoren versuchen, auf dieser Welle mit zu schwimmen: Sie zergliedern kurzerhand den einen Roman, den sie geschrieben haben, in seine einzelnen Kapitel und veröffentlichen ihn dann als Fortsetzungsgeschichte (oder neudeutsch „Serial“) in ebenso vielen Bänden. Jeder dieser Bände hat dann natürlich eine sehr geringe Seitenzahl (oft nur 20-30 Seiten) und wird für 99 Cent angeboten.

Auch dies ist darauf angelegt, dass man den ersten Band kostenlos abgibt und so interessierte Leser findet, die dann die Bände 2-10 kaufen, um zu erfahren, wie die Handlung weiter geht. Diese mittlerweile überstrapazierte Methode ist allerdings nicht sonderlich erfolgversprechend. Leser lassen sich nicht so einfach ködern. Sie sehen auf einen Blick, dass sie insgesamt knapp zehn Euro hinlegen müssen, um in der Summe einen Roman von ca. 200-300 Seiten zu bekommen. Für so viel Geld bekommen sie auch einen Top-Bestseller eines bekannten Autors.

Da sie direkt sehen, dass der erste Band nur ein “Appetithappen” ohne in sich abgeschlossene Handlung ist, werden sie diesen höchstwahrscheinlich nicht einmal geschenkt haben wollen – geschweige denn, außerhalb einer solchen Gratisaktion 99 Cent dafür ausgeben.

Nichts gegen echte Serials, die bereits bei ihrer Planung wie eine Fernsehserie auf einzelne Episoden angelegt wurden, die sich dann irgendwann zu einer ganzen Staffel zusammenfügen. Gute Serial-Autoren können meisterlich mit Cliffhangern und ineinander verschachtelten Spannungsbögen arbeiten, um ihre Leser bei der Stange zu halten.

Doch ein zerstückelter Roman wird durch das Aufteilen in mehrere Bände genausowenig zum echten Serial, wie ein Spielfilm durch nervige Werbeunterbrechungen zum TV-Mehrteiler wird. Daher sollte man von dieser zweifelhaften Strategie lieber die Finger lassen, wenn man seine mühsam gewonnenen Leser nicht verärgern möchte.

Das „Prequel“ als Appetithappen

Die beste Lösung ist meist Werbung über eine speziell zu diesem Zweck geschriebene Kurzgeschichte. Dafür schreiben Sie zusätzlich zu Ihrem Roman noch eine Kurzgeschichte desselben Genres, in der ebenfalls der Protagonist Ihres Romans die Hauptrolle spielt.

Bei dieser Kurzgeschichte kann es sich um eine völlig unabhängige Handlung oder auch um die Vorgeschichte (also ein „Prequel“) zu Ihrem Roman handeln – aber niemals um eine Fortsetzung, die nach der Handlung des Romans spielt. Der Leser muss die Geschichte genießen können, ohne den Roman zu kennen – und natürlich darf die Kurzgeschichte auch keinesfalls irgendwelche ‘rückblickenden’ Spoiler enthalten, die zu viel über die Handlung oder gar das Ende des Romans verraten.

Das Ziel ist, dass der Leser (und damit potentielle Käufer Ihres Romans) die Gelegenheit hat, anhand der Kurzgeschichte Ihren Schreibstil, das Setting Ihres Romans und die wichtigsten Figuren des Romans (oder zumindest den Protagonisten) kennenzulernen.

Diese Kurzgeschichte schreiben Sie nur, um diese kostenlos über so viele Quellen wie möglich zu veröffentlichen und zu verteilen – natürlich jeweils mit einem Link zu Ihrer Homepage und der Seite, über die man Ihren Roman bei Amazon & Co. bestellen kann.

Veröffentlichen Sie Ihre Kurzgeschichte daher beispielsweise über BoD E-Short. Das kostet Sie als Autor keinen Cent und ermöglicht es Ihnen, Ihre Geschichte auf einen Schlag über eine Vielzahl von eBook-Shops kostenlos anzubieten.

Solange die Vertragsbedingungen des Anbieters, über den Sie veröffentlichen, dies nicht untersagen, spricht natürlich nichts dagegen, Ihre Geschichte parallel auch noch über andere Kanäle wie Scribd, Noisetrade, Ihre eigene Autorenhomepage et cetera zu veröffentlichen. Hauptsache, dass jedes Exemplars den Link zu Ihrem kompletten Roman enthält – und vielleicht noch eine Leseprobe zum Anködern.

Machen Sie anschließend über Twitter, Facebook und andere Soziale Netzwerke in regelmäßigen Abständen immer wieder mal Werbung für Ihre kostenlose Kurzgeschichte, um möglichst viele potentielle Leser zum Download zu motivieren.

Die Gefahr und die Tragweite von negativen Rezensionen ist bei solchen Kurzgeschichten relativ gering. Sie wollen ohnehin kein Geld durch den Verkauf der Kurzgeschichte verdienen, sondern sie nur gratis verteilen, um so das Interesse für Ihren Roman anzukurbeln. Insofern kann selbst eine negative Rezension keine Käufer abschrecken.

Wenn der Funke bei der Kurzgeschichte hingegen überspringt, ist die Wahrscheinlichkeit recht gut, dass der Leser daraufhin Ihren Roman bestellt, um ein weiteres, größeres Abenteuer mit dem Helden Ihrer Kurzgeschichte zu erleben.

Unterm Strich ist dies daher gerade für Autoren, die erst einen Roman veröffentlicht haben, die beste und effektivste Methode, um mit einer Gratis-Aktion die Umsätze ihres Buchs anzukurbeln.


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Signieren Sie Ihre eBooks mit Authorgraph!

Was den Sammlerwert angeht, haben klassische Printbücher einen ganz klaren Vorteil gegenüber eBooks. Schließlich kann man sich „echte“ Bücher ja vom Autor mit einem Autogramm und einer Widmung versehen lassen, was bei einem eBook natürlich nicht geht. Oder etwa doch?

Mittlerweile doch – dafür sorgt Authorgraph.com. Authorgraph ermöglicht es Autoren, sich dort mit ihren über Amazon erhältlichen Büchern zu registrieren und Lesern bzw. Fans elektronische Autogramme anzubieten. Leser können registrierte Autoren über Authorgraph anschreiben, etwas über sich und ihre Erfahrungen mit den Büchern des Autors schreiben und ein Autogramm (ggf. mit persönlicher Widmung) anfordern.

Diese elektronischen Autogramme können vom Autor handschriftlich hinterlegt werden – entweder am PC mit der Maus (was meist etwas ungelenk aussieht) oder am Tablet oder Smartphone mit dem Finger. Wer gar nicht handschriftlich unterschreiben möchte, kann auch ein computergeneriertes Autogramm in einer schönen Schriftart hinterlegen, aber dabei geht, wie ich finde, der Sinn und Zweck eines „Autogramms“ doch weitgehend verloren.

Das elektronische Autogramm wird dann als eBook-Datei auf den eReader des Lesers übertragen, wo es wie ein normales Buch angezeigt werden kann. Das Autogramm enthält also nicht etwa das Buch selbst, sondern lediglich das gewünschte Autogramm und gegebenenfalls noch eine persönliche Widmung – sowie einen Amazon-Link zum Buch, über das der Leser das Buch ggf. bestellen kann, falls er es noch nicht besitzt.

Das Autogramm ist vollkommen unabhängig davon, ob der Leser Ihr Buch bereits besitzt, da es sich um eine eigenständige Datei handelt. Allerdings kann man davon ausgehen, dass ein solches elektronisches Autogramm überwiegend für diejenigen interessant sein dürfte, die entweder bereits zu Ihren Lesern zählen oder zumindest überlegen, sich das jeweilige Buch zuzulegen.

Authorgraph ist sowohl für Leser als auch für Autoren kostenlos. Der Dienst finanziert sich ausschließlich dadurch, dass Authorgraph von Amazon Affiliate-Provisionen kassiert, wenn der Leser das Buch über den im elektronischen Autogramm enthaltenen Amazon-Link anklickt und kauft.

Ich sehe Authorgraph als einen zusätzlichen, innovativen Weg der Kommunikation mit den Lesern und als eine schöne Möglichkeit, diesen einen Mehrwert über das eigentliche Buch hinaus zu bieten.

Unabhängig davon, wie viele Leser diese Möglichkeit tatsächlich in Anspruch nehmen werden, sollte man sich als Autor meiner Meinung nach in jedem Fall bei Authorgraph registrieren. Ob Sie diese Möglichkeit dann aktiv über Ihre Autorenhomepage, Facebook oder Twitter bewerben oder einfach nur auf Leser hoffen, die mehr oder weniger zufällig bei Authorgraph über Ihre Bücher stolpern – jedes auf diesem Wege verkaufte Buch ist ein Buch, das Sie sonst vielleicht nicht verkauft hätten. Und allein das macht Authorgraph schon zu einer sinnvollen Ergänzung für Ihr Buchmarketing.


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