Statische und dynamische Protagonisten

Wie bereits mehrfach in der Artikelreihe über Protagonisten erwähnt ist es üblicherweise so, dass der Protagonist im Laufe der Romanhandlung eine Veränderung durchmacht. Er muss wachsen und, wie vorletzte Woche erwähnt, seine Schwäche überwinden, um am Ende den zentralen Konflikt zu seinen Gunsten entscheiden zu können.

Bei dieser Art von Protagonisten spricht man auch von ‚dynamischen‘ Protagonisten, da sie sich im Laufe der Handlung verändern. Allerdings ist dies nicht die einzige Art von Protagonisten, mit denen man es als Autor beim Schreiben von Romanen zu tun bekommt, denn neben diesen gibt es auch noch die ’statischen‘ Protagonisten, die sich im Laufe der Romanhandlung nicht oder nur unwesentlich verändern.

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Wer darf was wann wissen – und was weiß der Leser?

Die Kunst beim Schreiben von Romanen ist, den Leser langsam in eine Romanwelt eintauchen zu lassen, die oft fremdartig und ganz anders als die Alltagswelt des Lesers ist. Das betrifft nicht nur Fantasy und Science-Fiction, sondern auch historische Romane oder Romane, die auf einem anderen Kontinent oder in einem außergewöhnlichen sozialen oder beruflichen Umfeld spielen.

Bis man mit dem eigentlichen Schreiben beginnt, hat man oft umfangreiche Ordner und Dokumente mit Recherche, Planung und Notizen zur Vorgeschichte des Settings, der Charaktere und ihrer Beziehungen zueinander.

Lässt man diese ganzen Informationen direkt zu Beginn des Romans in Form des berüchtigten „Infodumps“ auf den Leser einprasseln, kommt erstens die Handlung nicht in Schwung (da ja eigentlich noch nicht viel passiert) und zweitens wird der Leser von der Fülle an Informationen halb erschlagen und halb zu Tode gelangweilt.

Die Kunst besteht also darin, die Informationen nach und nach unauffällig in die Handlung einfließen zu lassen, ähnlich wie man Puddingpulver nach und nach in die Milch einrührt, damit es nicht klumpt.

Doch in welcher Reihenfolge und wann sollte man die  Informationen in die Handlung einfließen lassen? Wie viel muss der Leser über die Hintergrundgeschichte des Settings, die Vergangenheit der Romancharaktere, ihre Geheimnisse und wahren Ziele und ihre komplexen Beziehungen zueinander wissen?

Allgemein gesagt: Gerade zu Beginn eines Romans sollte der Leser gerade mal so viel wissen, dass er die aktuellen Szenen versteht und der Handlung folgen kann. Aus den wenigen Puzzlesteinen, die man ihm als Autor zur Verfügung stellt, reimt sich der Leser schon ein Gesamtbild zusammen – auch wenn er die Lücken erkennt und diese nach und nach mit Fakten aufzufüllen versucht. Man muss dabei natürlich achtgeben, dass das sich aus den wenigen Fakten und Andeutungen ergebende Bild zumindest so eindeutig ist, dass der Leser dieses nicht völlig falsch interpretiert und gedanklich eine völlig andere Handlung daraus konstruiert.

Gerade Punkte wie Vorgeschichte, Motivation und die wahren Pläne aller Personen außer den Perspektivcharakteren sollte man nur so weit andeuten, dass dadurch die Neugier des Lesers geweckt wird – und die verborgene Wahrheit so lange zurückhalten, dass der Leser unbedingt weiter lesen will, um zu erfahren, was dahinter steckt.

Wie sagt man so schön: Die Aufgabe des Autors ist es, Fragen aufzuwerfen, auf die der Leser unbedingt die Antwort erfahren möchte, und ihn dann möglichst lange auf die Folter zu spannen. ;-)

Informationen über den Perspektivcharakter (bzw. die Perspektivcharaktere) zurückzuhalten, ist schon deutlich schwieriger, da man als Leser in den aus ihrer Perspektive geschilderten Szenen meist so tief im Kopf des jeweiligen Perspektivcharakters steckt, dass auch ihre Gedanken (und damit auch jene Geheimnisse, die sie niemals anderen gegenüber offen aussprechen würden) den Weg aufs Papier finden.

Doch mit ein wenig Fingerspitzengefühl kann man schon überlegen, welche Erinnerungsfragmente und Gedankenfetzen einer Person in einer bestimmten Situation durch den Kopf gehen würden – und wie man als Autor die entscheindenden Schlüsselinformationen höchstens andeutet, wenn man sie schon nicht ganz im Dunkeln lassen kann.

Natürlich darf man es mit dem Zurückhalten von Informationen auch nicht übertreiben. Wenn der Leser das Gefühl hat, dass der Autor die Fakten und Hintergründe unnötig lange zurückhält, nur um ihn neugierig zu machen und ihn auf die Folter zu spannen, kommt er sich irgendwann manipuliert vor und verliert den Spaß an diesem Buch.

Ein guter Ansatzpunkt ist, eine Liste mit allen Hintergrundinformationen aus der Vorgeschichte und allen ‚Geheimnissen‘ anzulegen – idealerweise in einer Tabellenkalkulation wie Excel, da man die Liste so leichter ergänzen und auch nachträglich noch Zeilen an den richtigen Stellen einfügen kann. Die anderen Spalten der Tabelle stehen für alle wichtigen Charaktere des Romans. Hier trägt man ein (wahlweise mit Datum/Uhrzeit oder als laufende Nummer der Szene des Romans), wann eine bestimmte Person diese Information erhalten hat. Alles, was diese Charaktere bereits vor Beginn des Romans wissen, kann man einfach mit einem X markieren. Eine weitere Spalte ist für den Leser. Hier trägt man ein, wann (bzw. in welcher Szene) der Leser diese Information / dieses Puzzlesteinchen erhalten hat.

Tabelle InformationenEine solche Liste hat den Vorteil, dass man beim Schreiben jederzeit weiß, wer welche Informationen bereits hat (wichtig, um Logikfehler zu vermeiden), und welche Informationen man noch als Brotkrumen auf dem Weg verteilen muss, damit der Leser dem Handlungsverlauf weiterhin folgen kann.

Je komplexer die Geschichte ist, desto mehr lohnt sich der Aufwand mit einer solchen Tabelle. Allein das Aufstellen der Tabelle während des Planungsprozesses zeigt einem, was man unbedingt früher oder später in die Handlung einfließen lassen muss. Ansonsten besteht die große Gefahr, dass zwar dem Autor selbst die Handlung völlig logisch erscheint (da er schließlich alle Informationen im Kopf hat), während der Leser den ansonsten gut geschriebenen Roman als unlogisch und voller Logiklöcher abtut, da der Autor es schlicht und einfach versäumt hat, die entscheidenden Informationen auch tatsächlich auf den Seiten des Romans auftauchen zu lassen („Es ist in deinem Kopf – aber ist es auch auf dem Papier?“).

Falls auch Sie bei einem Romanprojekt vor der Herausforderung stehen, umfangreiche und komplexe Hintergrundinformationen in die Handlung einzuarbeiten, können Sie es ja auch einmal mit einer solchen Tabelle versuchen. Es erleichtert einem die Arbeit ungemein.


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„Nicht ohne meinen Mentor!“

Ein wichtiges Hilfsmittel für Autoren beim Schreiben von Romanen ist der gekonnte Einsatz von Archetypen – keinesfalls zu verwechseln mit Klischee-Charakteren.

Während ein Klischee-Charakter ein hundertfach dagewesenes Abziehbild darstellt (der korrupte und zynische Polizist, die Hure mit dem Herz aus Gold, der hagere alte Magier mit wallender Mähne und ebensolchem Bart) sind Archetypen recht allgemein gehaltene Vorlagen, die sich hauptsächlich über ihre Funktion innerhalb der Handlung definieren – beispielsweise der Sidekick / beste Freund des Helden oder auch der Mentor, auf den ich an dieser Stelle näher eingehen möchte.

Eine spannende Romanhandlung setzt üblicherweise ein Wachstum des Helden voraus. Der Held muss sich ändern und über sich hinauswachsen: Er beseitigt eine Bedrohung, der er anfangs noch chancenlos gegenüber gestanden hätte, erreicht ein Ziel, das aus seiner anfänglichen Situation heraus wie ein unrealistischer Traum erscheinen musste oder muss sich in einer für ihn fremden, unbekannten Welt zurechtfinden und durchsetzen.

All diese Handlungsvarianten setzen voraus, dass der Held seine Komfortzone verlässt und Dinge vollbringt, die er üblicherweise nicht tut und die er sich vermutlich auch gar nicht zugetraut hätte.

Doch um dieses Wachstum des Helden realistisch zu schildern, brauchen wir meist einen Katalysator, der ihn in die richtige Richtung lenkt und ihm die benötigten Informationen und Fähigkeiten vermittelt – den Mentor.

Der Mentor ist üblicherweise jemand, der sich im ‚unbekannten Land‘ außerhalb der Komfortzone des Helden auskennt und ihn somit auf seine Mission vorbereiten kann.

Ein solcher Mentor muss nicht unbedingt der weise alte Ratgeber vom Schlage eines Gandalf in „Der Herr der Ringe“ oder eines Obi Wan Kenobi in „Star Wars“ sein. Was ein geeigneter Mentor ist, hängt in erster Linie vom Ziel Ihres Helden ab und von der unbekannten Welt, in die er sich begeben muss, um dieses Ziel zu erreichen.

Im Film „72 Stunden – The Next Three Days“ ist der Mentor des Protagonisten John Brennan der ehemalige Verbrecher und Ausbrecherkönig Damon Pennington, dem sieben Mal die Flucht aus einem Gefängnis gelungen war. Für Brennan, der seine unschuldig zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilte Frau aus dem Gefängnis befreien will, ist Pennington der ideale Mentor. Nach dem Motto „Been there, done that“ hat er praktische Erfahrungen, die für Brennan unschätzbar wertvoll sind und ohne die er nicht die geringste Chance hätte, sein Ziel zu erreichen.

Die Motivation des Mentors, Ihrem Protagonisten zu helfen, kann ganz unterschiedlicher Natur sein. Vielleicht ist ihm Ihr Protagonist schlicht und einfach sympathisch. Vielleicht erkennt er etwas von sich selbst und seinen früheren Träumen, Zielen und Idealen im Protagonisten wieder oder er hat aus anderen Gründen Interesse daran, dass Ihr Protagonist sein Ziel erreicht. Vielleicht sieht er ja in Ihrem Protagonisten das Potential, jenes Ziel zu erreichen, an dem er selbst einst gescheitert war. Oder er lässt sich wie Pennington in „72 Stunden“ schlicht und einfach für seine Hilfe bezahlen. ;-)

Doch egal wie die Motivation Ihres Mentors ist und in welcher Form er Ihren Helden unterstützt – eine eherne Regel sollten Sie beim Schreiben Ihres Romans niemals verletzen: Den letzten Kampf muss Ihr Protagonist ganz allein und ohne die Hilfe seines Mentors bestehen.

Bis zu diesem Punkt muss Ihr Protagonist dem Leser beweisen, dass er seine Lektionen gelernt hat und nun auf eigenen Beinen stehen kann.

Was wäre das Finale von „Star Wars“, wenn Obi Wan den Todesstern vernichtet oder Luke zumindest Darth Vader und die angreifenden Tie-Fighter vom Hals gehalten hätte? Was wäre „72 Stunden“, wenn Pennington mit in Brennans Wagen gesessen und ihm während der spannenden Flucht vor der Polizei geholfen hätte? Und was wäre das Finale von „Harry Potter“, wenn Harry den finalen Kampf gegen Voldemort und seine Todesser an der Seite und mit Hilfe des mächtigen Zauberers Albus Dumbledore bestritten hätte? Nein, der Mentor hat im großen Finale nichts verloren – und daher müssen Sie als Autor ihn rechtzeitig aus dem Weg schaffen.

Dafür haben Sie verschiedene Möglichkeiten. Besonders dramatisch ist es natürlich, wenn der Mentor stirbt – möglichst durch dieselbe Bedrohung, der sich der Protagonist am Ende selbst stellen muss.

Wenn Sie noch eine Schippe Dramatik drauf legen wollen, können Sie es so einrichten, dass sich der Mentor opfert, um den Helden (oder den Erfolg der gemeinsamen Mission) zu retten. Denken Sie an Obi Wan in „Star Wars“, der es zwar noch schafft, den Traktorstrahl abzuschalten und so die Flucht der Helden zu ermöglichen, aber anschließend von Darth Vader gestellt und im Kampf getötet wird.

Wenn Sie Ihrem Helden einen noch schmerzhafteren Tiefschlag versetzen wollen, als es der Verlust seines Mentors ohnehin schon ist, können Sie die Situation, die zum Tod seines Mentors führt, durch eine Fehlentscheidung des Protagonisten herbeiführen.

Beispiel: Der Protagonist greift den Antagonisten gegen den Rat seines Mentors voreilig in dessen Hauptquartier an, um seinen besten Freund aus der Gewalt des Feindes zu retten. Dabei gerät er in eine Falle des Antagonisten und wird in letzter Sekunde durch das beherzte Eingreifen des Mentors gerettet, der dabei allerdings selbst ums Leben kommt.

Eine solche Kombination ist bestens geeignet, wenn Sie den Tod des Mentors auf den „dunkelsten Moment“ kurz vor dem Übergang zum vierten und letzten Akt Ihres Romans legen wollen: Der Protagonist sieht nicht nur, dass er seinen Feind unter- und seine eigenen Fähigkeiten überschätzt hat, sondern hat auch seinen Mentor verloren und muss sich selbst auch noch die Schuld für dessen Tod geben. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um anschließend auf sich allein gestellt im großen Finale alles auf eine Karte zu setzen.

Natürlich können Sie den Mentor auch auf weniger dramatische Art und Weise aus dem Spiel nehmen. Hauptsache, Sie sorgen auf die eine oder andere Weise dafür, dass er dem Helden im großen Finale nicht beistehen kann.

Ein gutes Beispiel dafür sind Boxerfilme wie „Rocky“. Der Trainer des Boxers war vielleicht früher selbst ein großer Box-Champion, doch sobald er dem Helden alles beigebracht hat, was er ihm vermitteln konnte, muss er in den Hintergrund treten. Den großen Titelkampf gegen den ungeschlagenen Weltmeister muss der Held alleine austragen, während sein Mentor machtlos außerhalb des Rings steht und seinem Schützling bestenfalls noch zwischen den Runden ein paar Tipps für seine weitere Taktik geben kann.

Dass der Mentor überwiegend zu Beginn der Handlung wichtig ist, während der Held später in erster Linie auf eigenen Beinen stehen muss, sieht man auch an Serien wie „The Shannara Chronicles“, die momentan auf Amazon Prime Video ausgestrahlt wird. Während die Helden in den ersten Folgen teils nur durch das tatkräftige Eingreifen des kampfstarken Druiden Allanon (dem Mentor des Haupthelden Will Ohmsford) überleben, zeichnet sich jetzt nach der vierten Folge ab, dass Allanon sich um die Verteidigung des Ellcrys kümmern muss, während das jugendliche Helden-Trio alleine auf die gefährliche Suche nach dem Blutfeuer machen muss.

Ein perfider Sonderfall ist, wenn Sie den Mentor des Helden gegen Ende des Romans zum Antagonisten machen – zu dem Gegner, dem sich Ihr Held im großen Finale stellen muss. Das, was Ihr Held von seinem Mentor gelernt hat, wird er kaum gegen diesen einsetzen können. Üblicherweise ist der Mentor dem Helden immer noch weit überlegen, da er dem Helden zwar all das beigebracht hat, was dieser weiß, aber keinesfalls alles, was er selbst weiß. Wenn Ihr Held also gegen seinen früheren Mentor bestehen will, muss er andere Stärken ausspielen und eine unerwartete Taktik verwenden, mit der sein früherer Lehrmeister nicht rechnet – die optimale Voraussetzung für ein spannendes und überraschendes Finale.

Um den Mentor zum Antagonisten zu machen, gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten:

  • Der Mentor hat den Protagonisten zwar anfangs großmütig gefördert, doch mittlerweile wird er eifersüchtig auf den Erfolg seines Schützlings, der seinen eigenen Ruhm zu überflügeln droht. Schließlich plant er, seinen Schützling zu sabotieren und „zurecht zu stutzen“, damit dieser seinen eigenen legendären Ruhm nicht übertrifft und somit in den Schatten stellt.
  • Der Protagonist beginnt auf der „falschen Seite“ und wechselt erst im Laufe der Handlung auf die „gute Seite“. Um das begangene Unrecht wieder gut zu machen und dem Guten zum Sieg zu verhelfen, muss er sich seinen früheren Verbündeten stellen – unter anderem seinem früheren Lehrmeister, einer wahren Legende.
  • Der Mentor hat zwischenzeitlich die Seiten gewechselt und steht nun auf der Seite des Antagonisten oder ist sogar der Antagonist, den der Held die ganze Zeit zu entlarven versucht. Diese Variante findet man häufig in Geheimdienst-Thrillern, in denen der ehemalige Lehrmeister des Agenten mittlerweile zum Verräter/Überläufer geworden ist oder auf eigene Rechnung arbeitet.
  • Der Mentor verfolgt von Anfang an seine eigenen Pläne, für die er den Helden lediglich eingespannt hat. Sobald der Protagonist die wahre Natur seines vermeintlichen Helfers und dessen wahre Ziele durchschaut, muss er sich gegen diesen stellen und dadurch vielleicht sogar sein bislang verfolgtes Ziel aufgeben.
  • Der Mentor hilft anfangs eventuell aus aufrichtigen Motiven, entscheidet sich aber irgendwann dafür, den Protagonisten auszubooten und selbst den großen Preis zu erringen. Ein Beispiel wäre ein Flirtcoach, der sich selbst in die Angebetete seines Klienten verliebt und diesem schließlich gezielt schlechte Ratschläge gibt, um die Frau von ihm weg und in seine eigenen Arme zu treiben.

Die Figur des Mentors lässt sich unabhängig vom Genre auf so ziemlich jede Handlung anwenden. Ob in Romanzen wie „I.Q. – Liebe ist relativ“, in der der Albert Einstein als Mentor des jungen Automechanikers Ed diesem dabei hilft, das Herz seiner Nichte Catherine zu erringen oder Komödien wie „Nur über meine Leiche“, in der die tote Mutter des Protagonisten ihn in der Gestalt eines sprechenden Truthahns (!) auf den rechten Weg bringen will – Mentoren können in so ziemlich jeder Gestalt auftreten.

Ebenso unterschiedlich können die Arten ausfallen, auf die Sie Ihren Mentor aus dem Spiel nehmen und Ihren Protagonisten zwingen, den Rest des Weges alleine zu gehen. Sobald Sie wissen, wer in Ihrem Roman als Mentor des Helden fungieren soll, sollten Sie bereits überlegen, wie Sie Ihren Helden zwingen, sich dem finalen Konflikt ohne die Hilfe seines Mentors zu stellen. Und dafür müssen Sie den Mentor nicht einmal vorzeitig aus seinem imaginären Leben reißen, wenn Sie das nicht möchten.

Vielleicht hat er bis dahin seine Nützlichkeit verloren, weil im großen Finale ganz andere Fähigkeiten gebraucht werden als jene, die der Mentor Ihrem Helden vermitteln konnte und die ihn bis dorthin gebracht haben.

Vielleicht kann Ihr Mentor dem Helden nicht dorthin folgen, wo dieser sich seiner letzten Herausforderung stellen muss. Der Boxtrainer darf nicht mit in den Ring steigen und der im Rollstuhl sitzende Geheimdienst-Chef kann nicht zusammen mit dem Agenten das steile Bergmassiv zur feindlichen Festung erklimmen.

Nach Protagonist und Antagonist ist der Mentor üblicherweise die dritte Figur, die Sie bei der Planung eines Romans ausarbeiten sollten, da er die Entwicklung des Helden maßgeblich beeinflusst. Nehmen Sie sich die Zeit dafür, den besten Mentor für Ihren Protagonisten zu finden und ihn in die Handlung einzubinden, bevor Sie den Mittelteil Ihres Romans im Detail planen. Es erleichtert Ihnen nicht nur den Aufbau der Handlung, sondern macht Ihren Roman zugleich stärker.


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Der Name als Privileg

Ein verbreiteter Fehler unter Romanautoren ist, zu verschwenderisch mit Namen umzugehen. Das betrifft nicht nur den Überschwang, mit dem manche Fantasy-Autoren jedem Ort, Stock und Stein in ihren Romanen exotische Namen geben, die sich kaum einer der Leser merken kann, sondern Autoren aller Genres. Ob in Krimis, Romanzen, Horror-Romanen oder Fantasy-Epen – überall stößt man auf Autorinnen und Autoren, die dem inneren Drang nachgeben, jeder noch so unbedeutenden Nebenfigur in ihrem Roman einen Namen zu verpassen.

Nicht, dass dieser Drang unverständlich wäre. Wir gebrauchen Namen als Etiketten, um Dinge und Personen eindeutig zu adressieren. Es ist einfacher und schneller, im Gespräch unter Freunden “Marvin“ zu sagen, als “der junge Mann aus der Wohnung schräg unter mir“ – oder höchstens “Marvin Schuster“, wenn es mehrere Marvins im gemeinsamen Bekanntenkreis gibt.

Doch im Roman ist das der falsche Weg. Denn Namen verleihen einer Figur eine Bedeutung, die sie innerhalb der Romanhandlung nicht unbedingt verdient hat. Es sind die Namen, die aus einer Person eine Persönlichkeit machen – und sogar aus einem Tier. Das kann man gut an unseren geliebten Haustieren wie Hund und Katze erkennen, die man schon fast wie ein weiteres Familienmitglied betrachtet (das uns manchmal sogar lieber ist als manche zweibeinigen Verwandten, die man sich nicht aussuchen konnte).

Aber nicht jedes Tier hat in unseren Augen einen Namen verdient. Den einzelnen Fischen in seinem Aquarium wird kaum jemand Namen geben – höchstens vielleicht dem einen besonders prächtigen, wertvollen oder auffälligen Fisch, der ihm besonders ans Herz gewachsen ist. Und wer als Landwirt Tiere hält, die später geschlachtet und gegessen werden sollen, wird diesen Hühnern, Kaninchen oder Ferkeln auch eher selten Namen geben – nur den Tieren, die bleiben, weil sie eine wichtige Bedeutung für den Hof haben: der wertvolle Zuchtbulle Kuno oder das Pferd Luzie, das den Einspänner zieht.

Personen haben im Gegensatz zu Tieren zwar Namen, doch das bedeutet noch lange nicht, dass wir diese kennen oder sie uns gar merken. Wir machen uns üblicherweise nicht die Mühe, den freundlichen Passanten, der uns den Weg zum Bahnhof gezeigt hat, nach seinem Namen zu fragen (was diesen vermutlich auch ziemlich irritieren würde).

Wir merken uns auch nicht die Namen von Personen, die uns gleichgültig sind. Oder kennen Sie den Namen der Aushilfs-Putzfrau in der Firma oder des Müllmanns in der Fußgängerzone? Vermutlich eher nicht. Und selbst den Namen der Verkäuferin an der Supermarktkasse werden wir uns, obwohl sie für alle sichtbar ein Namensschild am Revers trägt, nur in seltenen Fällen merken.

Wir sollten uns daher schon sehr genau überlegen, welchen Personen in unserem Roman wir wirklich einen Namen geben wollen. Denken Sie daran, welche Botschaft Sie Ihren Lesern vermitteln, wenn Sie bestimmen Nebenfiguren in Ihrem Roman Namen geben. Je länger oder außergewöhnlicher ein Name ist, desto wichtiger erscheint der Träger dieses Namens dem Leser.

Frau Müller wirkt noch relativ unbedeutend. Eliza Müller wirkt schon etwas wichtiger. Eliza Ricarda Müller fällt durch den zweiten Vornamen noch mehr ins Auge und ist fast nur noch von Professor Dr. Eliza Ricarda Müller-Habsburg zu toppen. ;-)

Wenn also in Ihrem Roman besagte Dr. Eliza Ricarda Müller-Habsburg auftritt, wird der Leser direkt vermuten, dass diese Person eine recht wichtige Rolle in der Handlung spielt und nicht nur einen flüchtigen Gastauftritt in einer einzelnen Szene hat. Sollte sie dennoch in der weiteren Handlung nicht mehr auftauchen, wird sich der Leser vermutlich verladen vorkommen oder das Gefühl haben, dass der Autor irgendwo unterwegs einen seiner Handlungsstränge aus den Augen verloren hat. Lassen Sie es nicht so weit kommen.

Eine gute Probe aufs Exempel ist oft die Frage, wie Ihr Perspektivcharakter diese Person nennen oder bezeichnen würde. Wenn Ihr Protagonist ein Taxi heran winkt, dürfte er den Namen des Fahrers normalerweise nicht kennen. Der Mann hinterm Steuer dürfte also für ihn zumindest vorerst nur “der Taxifahrer“ sein. Erst wenn beide während einer längeren Fahrt miteinander ins Gespräch kommen, kann es sein, dass Ihr Protagonist den Vornamen des Fahrers erfährt – was es Ihnen ermöglicht, ihn ab diesem Zeitpunkt auf den Seiten Ihres Romans als Sergej zu erwähnen.

Mit dieser Faustregel sind Sie üblicherweise auf der sicheren Seite und vermeiden auch Missverständnisse und Irritationen beim Leser.

Wenn Sie eine Szene aus der Perspektive des Vertreters Robert Hafner schildern, dürfen Sie bekanntlich auch nur die Dinge erwähnen und einfließen lassen, die Hafner bekannt sind bzw. von ihm wahrgenommen werden. Wenn Hafner ein Kunstbanause ist, sollten Sie das Bild an der Wand nicht als Monet bezeichnen, da Hafner kaum in der Lage wäre, einen Monet von einem Munch zu unterscheiden.

Dasselbe gilt bei Namen: Wenn Sie die Frau, die Hafner im Vorzimmer des Kunden begrüßt, direkt als „Clara“ oder als „Frau Schäfer“ bezeichnen, muss auch der Leser davon ausgehen, dass der Perspektivcharakter Robert Hafner diese Frau bereits kennt – wie sollte er sonst ihren Namen kennen, bevor sie sich ihm vorgestellt hat? Wobei beides beim Leser unterschiedliche Erwartungen wecken würde – denn während die Erwähnung als „Frau Schäfer“ zwar zeigt, dass er ihren Namen bereits kennt, würde die Erwähnung als „Clara“ andeuten, dass beide auf privater Ebene sehr gut bekannt oder gar befreundet sind.

Wenn Sie diese Faustregel beachten bzw. während der Revisionsphase Ihre Szenen noch einmal unter diesem Gesichtspunkt überarbeiten, dürften Sie bereits die meisten Stolpersteine, die Ihre Leser irritieren oder falsche Erwartungen wecken könnten, elegant umschifft haben.


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Charakterklassen beim Schreiben von Romanen

Wenn Sie einen Roman schreiben bzw. planen, sollten Sie keinesfalls alle Charaktere, die Ihre Romanwelt bevölkern, in einen Topf werfen.

Charaktere sind nicht gleich Charaktere. Sie haben unterschiedliche Funktionen und ihre Bedeutung für die Handlung des Romans wiegt, um sie mal mit den Bleigewichten auf einer klasschen Apothekerwaage zu vergleichen, unterschiedlich schwer. Damit also Ihre Handlung ‚ausgewogen‘ und ‚im Gleichgewicht‘ ist, müssen Sie (unter anderem) auch das handlungsmäßige Gewicht Ihrer Romancharaktere gut ausbalancieren.

Der wichtigste Schritt hierfür ist die Aufteilung der Romancharaktere in fünf unterschiedliche Klassen:

  • Hauptfiguren
  • Zweite Garde
  • Nebenfiguren
  • Statisten
  • Faktoren.

Schauen wir uns diese Charakterklassen (um mal einen Begriff aus der Welt der Rollenspiele auszuborgen), einmal näher an:

Hauptfiguren ist leicht definiert: Die Klasse der Hauptfiguren besteht ausschließlich aus den Protagonisten und Antagonisten Ihres Romans – oft stark vereinfachend auch als ‚Helden‘ und ‚Schurken‘ bezeichnet.

Doch nicht alle Helden oder Schurken Ihres Romans sind gleichzeitig auch Hauptfiguren. Der beste Freund Ihres Helden, der ihn tatkräftig unterstützt, ist kein Protagonist und damit keine Hauptfigur – selbst wenn Sie ihm innerhalb des Roman einen eigenen Handlungsstrang spendieren. Auch der ebenso skrupellose wie gefährliche Handlanger Ihres Antagonisten – egal, wie charismatisch und bedrohlich diese Figur ist und in wie vielen Szenen der Handlung sie auftaucht – ist kein Antagonist und somit auch keine Hauptfigur.

Hauptfiguren sind ausschließlich die Personen, die aus eigenem Antrieb und aus eigenen Motiven im zentralen Konflikt gegeneinander antreten. Bei einem Boxkampf wären sie die beiden Boxer, die sich in den unterschiedlichen Ecken des Rings gegenüber stehen.

Trainer und Coaches aus unserem Vergleich mit dem Boxkampf wären die „Zweite Garde„. In dieser Charakterklasse finden sich alle wichtigen Charaktere, die (meist auf Seiten einer der beiden Hauptfiguren) in den zentralen Konflikt eingreifen.

Die Figuren der Zweiten Garde treten meist nicht aus eigenem Antrieb in den Konflikt ein, sondern in erster Linie, weil sie auf der Seite eines der Kontrahenten stehen. Gäbe es keine Verbindung zwischen ihnen und einer der Hauptfiguren, hätten Sie für gewöhnlich keine hinreichende Motivation, um aus eigenem Antrieb in den zentralen Konflikt des Romans einzugreifen und dabei ggf. auch große persönliche Risiken einzugehen.

Typische Figuren der ‚Zweiten Garde‚ sind der beste Freund des Helden (auch als Sidekick bekannt), der Mentor des Helden oder die rechte Hand des Antagonisten, die für ihn an vorderster Front kämpft, während er selbst sich eher im Hintergrund hält.

Die Frage, ob es sich bei einer bestimmten Person um eine Hauptfigur handelt oder ob sie doch eher zur Zweiten Garde gehört, ist nicht immer ganz einfach zu entscheiden. Gerade bei umfangreichen, komplexen Romanen oder gar Trilogien gibt es oft mehrere Protagonisten und mehrere Antagonisten, deren Ziele und individuelle Handlungsstränge miteinander verflochten werden.

Etwas vereinfacht kann man sagen, dass eine Figur zur Zweiten Garde statt zu den Hauptfiguren gehört, wenn man sie gegen eine ‚gleichwertige‘ Figur austauschen könnte, ohne die Handlung dadurch zu zerstören.

Es ist wie beim Schach: Während die beiden Könige die Protagonisten sind, gehören die Figuren wie Dame, Turm, Läufer oder Springer zur zweiten Garde. Sie sind unterschiedlich stark und haben unterschiedliche Fähigkeiten – aber egal wie wichtig sie für die Strategie des Spielers sind: selbst nach ihrem Tod geht das Spiel immer noch weiter.

Nehmen wir beispielsweise die Figur des Han Solo im klassischen ersten ‚Star Wars‘-Film. Während Solo in den späteren Filmen zu einem weiteren Protagonisten aufstieg, gehörte er im ersten Film nur zur ‚Zweiten Garde‚. Hätte George Lucas sich damals dafür entschieden, Luke und Obi Wan an Bord des Schiffs eines abtrünnigen imperialen Offiziers oder eines Rebellen-Kapitäns aus Mos Eisley herauszubringen, und diesen anstelle von Han Solo in die entscheidende Schlacht um den Todesstern eingreifen zu lassen, hätte der Rest der Handlung genauso stattfinden können. Auch wenn das natürlich für alle Star-Wars-Fans ein herber Verlust gewesen wäre. ;-)

Die Figur des Luke Skywalker wäre hingegen nicht so leicht zu ersetzen gewesen, da seine Geschichte (Sohn und ‚helles Spiegelbild‘ von Darth Vader) für den zentralen Konflikt zwischen Imperium und Rebellen von entscheidender Bedeutung ist. Das macht Luke zu einer echten Hauptfigur.

Auch Figuren der Zweiten Garde erhalten in vielen Romanen ihren eigenen Handlungsstrang, der ihre Entwicklung im Laufe der Handlung vorantreibt und illustriert, doch im Gegensatz zu den Handlungssträngen der Hauptfiguren ist ein solcher Handlungsstrang meist nicht untrennbar mit dem zentralen Konflikt des gesamten Romans verbunden.

Auch Hauptfiguren haben oft noch einen Nebenhandlungstrang abseits des zentralen Konflikts, der zu ihrem Charakterwachstum und ihrer Entwicklung hin zu der Person beiträgt, die am Ende des Romans den Sieg davontragen kann.

Doch bei Figuren der Zweiten Garde ist ein solcher Handlungsstrang der einzige, bei dem sie selbst im Mittelpunkt stehen. Dies ist einer der wichtigsten Unterscheidungspunkte zwischen Hauptfiguren und Zweiter Garde.

Die Unterscheidung wirkt sich auch darauf aus, wie viel Szenen die einzelnen Figuren erhalten, die aus ihrer Perspektive geschrieben werden. Bei den meisten Romanen beschränken sich die Autoren auf die Hauptfiguren und die Zweite Garde als Perspektivcharaktere und wechseln nur, wenn es im Interesse der Handlung unbedingt ratsam ist, auf eine Nebenfigur oder gar einen Statisten, um eine bestimmte Szene aus deren Perspektive zu schildern.

Ein Protagonist sollte deutlich mehr (pi mal Daumen doppelt so viele) Szenen wie eine Figur der Zweiten Garde erhalten. Allein dies zeigt dem Leser schon, wer in dieser Geschichte die Hauptfigur ist, auf deren Schicksal sich der Leser konzentrieren sollte.

An diesen teils fließenden Übergängen sehen Sie schon, dass es in manchen Romanhandlungen nicht einfach ist, eine Figur den Hauptfiguren oder der Zweiten Garde zuzuordnen. Oft wäre beides möglich. Aber Sie sehen auch, dass es im Interesse der Handlung wichtig ist, diese Entscheidung möglichst frühzeitig zu treffen und konsequent durchzuziehen. Es wäre doch fatal, wenn ein guter Teil Ihrer Leser gedanklich mehr einer charismatischen Figur aus der Zweiten Garde als Ihrem eigentlichen Protagonisten folgt – nur um dann auf halber Strecke fassungslos das Buch zuzuklappen, wenn dieser vermeintliche Protagonist auf tragische Weise ums Leben kommt.

Aber keine Sorge: ab jetzt werden die Unterscheidungen zwischen den restlichen Charakterklassen deutlich einfacher. ;-)

Nebenfiguren sind all jene Figuren, die zwar einen Einfluss auf die Handlung haben in mehreren Szenen auftauchen, aber keinen eigenen Handlungsstrang spendiert bekommen, der aus ihrer Perspektive erzählt wird.

Statisten tauchen im Gegensatz zu Nebenfiguren oft nur in einer Szene auf. Meist haben sie keine Namen oder bestenfalls nur einen Vor- oder Nachnamen. Sie werden nicht im Detail beschrieben und ihre Rolle beschränkt sich meist auf eine bestimmte Tätigkeit oder Eigenschaft, die gerade für eine konkrete Szene benötigt wird.

Statisten sind mehr Kulisse und Setting als echte Charaktere. Sie sind Personen wie der Taxifahrer, der Pizzabote, der Obdachlose an der Straßenecke oder die neugierige Nachbarin, die immer verstohlen aus der angelehnten Wohnungstür linst, wenn Ihre Protagonistin wieder mal spät nach Hause kommt. Der Leser erfährt üblicherweise nichts über ihre Wünsche, Ziele und Sorgen – von eine genrespezifischen Ausnahme abgesehen.

Diese Ausnahme ist der sogenannte „Wegwerf-Perspektivcharakter“, der gerne von Horror- und Triller-Autoren verwendet wird. Hierbei wird ein Statist, der für die weitere Handlung absolut keine Bedeutung hat, mit einer oft emotionalen Szene aus seiner Perspektive vor dem geistigen Auge des Lesers zum Leben erweckt. Doch kaum hat der Leser Interesse an dieser Figur gewonnen und fragt sich, wie es mit ihr weitergehen mag, fällt diese Figur dem Serienkiller, einem dämonischen Monster oder einer sonstigen Katastrophe zum Opfer.

Bei diesen „Wegwerf-Perspekticharakteren“ handelt es sich nur um Statisten, obwohl sie im Detail vorgestellt werden und sogar eine eigene Szene aus ihrer Perspektive spendiert bekommen. Auch sie dienen nur einem einzigen Zweck – und zwar dem, einer Katastrophe ein Gesicht zu geben. Es ist dasselbe wie in den Nachrichten: Wenn wir hören, dass hundert Menschen bei einer Katastrophe umgekommen sind, ist das eine reine, sterile Zahl. Eine solche Erwähnung in den Nachrichten kann uns emotional nicht so sehr mitnehmen wie wenn wir eines dieser hundert Opfer persönlich gekannt hätten. Das ist auch der Grund, warum Reporter oft ein Einzelschicksal herausgreifen, um der Öffentlichkeit die Auswirkungen einer großen Katastrophe näher zu bringen. Nichts anderes ist auch die Wegwerf-Perspektive – also lediglich ein ‚besserer Statist‘.

Die letzte Charakterklasse sind die sogenannten Faktoren. Faktoren sind Charaktere, die oft persönlich überhaupt nicht auf den Seiten des Romans auftauchen, sondern lediglich von anderen Charakteren erwähnt werden. Dennoch sind sie stets im Hintergrund präsent und haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Romanwelt und damit auch auf die Handlung des Romans.

Faktoren haben in den meisten Fällen Macht und Einfluss. Sie sind die Könige und Kaiser, die Politiker, Generäle und Wirtschaftsbosse. Sie erlassen die Gesetzte, erklären Kriege und führen Friedensverhandlungen und ziehen ganz allgemein gesprochen im Hintergrund die Fäden.

Faktoren können durchaus in einzelnen Szene persönlich auftreten, müssen sie aber nicht. Wenn es beispielsweise in Ihrem Fantasy-Roman um ein Land geht, das in einem instabilen Waffenstillstand mit der verfeindeten Nachbarnation lebt und aufgrund einer monatelangen Hungersnot an der Schwelle eines Bürgerkriegs steht, ist der König dieses Lands ganz klar ein Faktor, da seine Entscheidungen maßgeblichen Einfluss auf dieses Land und damit die Handlung des Romans haben.

Dennoch kann es (je nachdem, welchen Maßstab und welche Perspektive Sie für Ihre Handlung wählen) durchaus sein, dass keiner der Perspektivcharaktere im Laufe der Handlung dem König persönlich begegnet. Doch weil sich die Menschen über ihn, seine Gesetze, Entscheidungen und Anordnungen unterhalten, ist er dennoch auch für den Leser stets präsent.

Alle Charaktere in Ihrem Roman lassen sich in also eine dieser fünf Klassen einordnen:

  • Hauptcharaktere
  • Zweite Garde
  • Nebenfiguren
  • Statisten
  • Faktoren

Der Punkt ist, dass Sie im Interesse Ihres Romans und Ihrer Leser diese Entscheidung so früh wie möglich treffen. Wenn Sie eine neue Figur einführen oder auch nur am Rande erwähnen, sollten Sie direkt ihre Rolle und deren Auswirkungen auf die Handlung durchdenken, um ihr dann einen der oben genannten fünf ‚Stempel‘ zu verpassen.

Allein diese Entscheidung (und natürlich, dass Sie sich beim Schreiben auch an diese Entscheidung halten!) führt bereits dazu, dass Ihre Romanhandlung ausgewogener strukturiert ist und dem Leser dadurch logischer und besser verständlich erscheint.


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Warum Protagonist und Hauptfigur nicht immer ein und dieselbe Person sein müssen

Protagonist, Hauptfigur, Hauptheld oder Perspektivcharakter – viele Schriftsteller verwenden diese Begriffe, als ob diese generell ein und dasselbe wären. Aber auch wenn es sich in den meisten Romanen beim Protagonisten und der Hauptfigur um dieselbe Person handelt, ist dies nicht zwingend erforderlich.

Als Schriftsteller erschließt man sich eine viel größere Bandbreite an möglichen Geschichten, wenn man lernt, wie man diese beiden Funktionen bei Bedarf sauber voneinander trennen kann.

Zur Trennung zwischen Protagonist und Hauptfigur existieren die unterschiedlichsten Ansichten und Interpretationen. Manche davon unterscheiden sogar minutiös zwischen Protagonist, Held, Hauptfigur und Perspektivcharakter, doch diese Modelle sind so theoretisch und dröge, dass man die einzelnen Begriffe selbst bei der Interpretation klassischer Romane oft nicht sauber voneinander abgrenzen kann. Umso schwerer wäre es, ein solches Modell auf seine eigenen Geschichten anzuwenden.

Ich vertrete die Auffassung, dass Modelle die Realität vereinfachen und greifbarer machen sollen, statt sie zu komplizieren. Meiner Meinung nach sollte man daher lediglich zwischen Protagonist und Hauptfigur unterscheiden.

Vereinfacht ausgedrückt ist der Protagonist derjenige, dessen Kampf wir verfolgen. Er trägt den zentralen Konflikt des Romans aus und er ist derjenige, dem der Leser die Daumen drückt, dass er es schaffen wird.

Die Hauptfigur (oft auch als Perspektivcharakter bezeichnet) ist hingegen derjenige, aus dessen Perspektive wir die Handlung miterleben.

Bei den meisten Romanen handelt es sich bei Protagonist und Hauptfigur um ein und dieselbe Person, doch manchmal kann es sinnvoll sein, beide Funktionen voneinander zu trennen.

Eines der häufigsten Argumente für eine Trennung zwischen Protagonist und Perspektivcharakter ist, dass der Leser sich nur schwer mit dem eigentlichen Protagonisten identifizieren kann.

Das wohl bekannteste Beispiel aus der Literaturgeschichte ist das Team aus Dr. Watson und Sherlock Holmes. Holmes ist genial, aber zugleich so exzentrisch, dass kaum ein Leser sich wirklich in die Figur des Sherlock Holmes hinein versetzen könnte.

Das fällt beim vergleichsweise bodenständigen und normalen Dr. Watson wesentlich einfacher. Dies ist wohl auch der Grund, warum Sir Arthur Conan Doyle fast alle Abenteuer von Sherlock Holmes aus der Perspektive von Dr. Watson schrieb.

Watson erlebt die Ermittlungen des genialen Detektivs hautnah mit und unterstützt ihn dabei nach besten Kräften. Zugleich kann er Holmes die Fragen stellen, die auch dem Leser auf der Zunge brennen und so Details und Schlussfolgerungen zutage fördern, die für einen Sherlock Holmes so selbstverständlich sind, dass er sie nicht einmal erwähnen würde.

Je weiter Ihr Protagonist also von einem „normalen Menschen“ entfernt ist, desto mehr können Sie (und Ihr Roman) davon profitieren, wenn Sie ihm als Perspektivcharakter jemanden zur Seite stellen, mit dem sich der Leser besser identifizieren kann.

In der Praxis gibt es hierbei allerdings eine gefährliche Falle zu beachten: Ihr Perspektivcharakter darf nicht nur ein stiller, passiver Beobachter sein. Wenn Sie Protagonist und Perspektivcharakter aufteilen, muss Ihr Perspektivcharakter nicht nur den Protagonisten aktiv unterstützen (und damit an der Auflösung des zentralen Konflikts mitarbeiten), sondern er braucht zusätzlich auch einen eigenen Handlungsstrang.

Bei einem solchen „Duo“ liegt die Veränderung oft eher beim Perspektivcharakter als beim eigentlichen Protagonisten.

Das kann sogar so weit führen, dass der Protagonist im Gegensatz zum Perspektivcharakter nicht überlebt – ein Aspekt, der eine Geschichte noch einmal deutlich spannender machen kann.

Bei den meisten Romanen ist es so, dass der Protagonist am Ende siegt. Romane, in denen der Protagonist am Ende stirbt, sind relativ selten – Leser lieben nunmal ein Happy End und wollen den Helden siegen sehen, mit dem sie die letzten paar hundert Seiten mitgefiebert haben. Und wenn dann der Roman auch noch aus der Ich-Perspektive erzählt wird, kann der Leser sich ziemlich sicher sein, dass der Protagonist überlebt – denn wie sollte er sonst von den Geschehnissen erzählen können?

Wenn Protagonist und Perspektivcharakter jedoch nicht identisch sind, liegt der Tod des Protagonisten durchaus im Rahmen des Möglichen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Roman „Einer flog übers Kuckucksnest“ von Ken Kesey: Der Protagonist des Romans ist McMurphy (im gleichnamigen Film gespielt von Jack Nicholson), während der Roman selbst aus der Perspektive von ‚Chief‘ Bromden erzählt wird. Am Ende des Romans stirbt McMurphy, doch Bromden gelingt die Flucht aus der Anstalt.

Geschichten in dieser Art haben eine große Bandbreite. So könnte in einem Kriegsabenteuer der Protagonist ein harter, abgebrühter und zynischer Einzelkämpfer sein, der tief im Feindesland den Anführer der feindlichen Armee ausschalten soll.

Um der Handlung mehr Tiefe zu verleihen und sie nicht in ein pures Action-Abenteuer abdriften zu lassen, stellen wir ihm einen jungen, unerfahrenen Soldaten zur Seite, aus dessen Perspektive wir die gesamte Handlung schildern. Dieser könnte der letzte Überlebende eines Trupps sein, der nach einer verlorenen Schlacht hinter den feindlichen Linien auf den Einzelkämpfer stößt und sich ihm anschließt.

Im Verlauf der Handlung kann der junge Soldat über sich selbst hinauswachsen, seine Ängste überwinden und schließlich, als der eigentliche Protagonist kurz vor der Erfüllung der Mission schwer oder gar tödlich verwundet wird, die alles entscheidende Mission im Alleingang zu Ende führen.

Der Protagonist dieser Handlung (also der Einzelkämpfer) sollte hier nicht mit einem Mentor verwechselt werden. Während der Mentor den Protagonisten nur anleitet und ausbildet, ist es hier eigentlich die Mission des Einzelkämpfers, nicht die des jungen Soldaten.

Dadurch, dass wir so von Anfang an einen aktiv handelnden, starken Protagonisten haben, kann das langsame Wachstum des Perspektivcharakters bis zu dem Punkt, an dem er über seinen eigenen Schatten springen und in die Fußstapfen des Protagonisten treten muss, für die notwendige Abwechslung im Tempo des Romans sorgen.

Haben Sie auch die eine oder andere Romanidee in Ihrem Ideenarchiv, die einfach nicht so richtig „abheben“ will, weil Ihr Protagonist einfach nicht als Identifikationsfigur geeignet ist? Versuchen Sie es selbst einmal und stellen Sie ihm einen sympathischen Partner zur Seite, aus dessen Perspektive Sie die gemeinsamen Abenteuer schildern. Der Unterschied ist größer, als Sie vielleicht auf den ersten Blick denken.


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Antihelden – No more Mr. Nice Guy?

Wenn man in den letzten Jahren die Hauptfiguren von Romanen, Filmen und Serien betrachtet, merkt man, dass der klassische, strahlende Held mehr und mehr von einer neuen Spezies abgelöst wird: dem Antihelden.

Doch was genau ist eigentlich ein Antiheld? Es gibt wenige Begriffe, die mit so vielen Fehlinterpretationen belastet sind. So habe ich schon öfter gehört, dass manche Autoren den Antagonisten (also den Gegenspieler des Helden) als „Antiheld“ bezeichnen – vermutlich, weil er „anti“ (also gegen) den Helden ist. Doch auch wenn so mancher Romanschurke auch einen guten Antihelden abgäbe, hat dies nichts mit dem eigentlichen „Antihelden“ zu tun.

Ein „guter Böser“ oder ein „böser Guter“?

Der Antiheld ist ein Held, dem die typischen Eigenschaften und oft auch die positive Motivation eines Helden fehlen. Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Der Antiheld ist kein Held mit Schwächen, die er er überwinden muss, um am Ende der Handlung wie nach der Verwandlung von der Raupe zum Schmetterling plötzlich als strahlender Held den Tag zu retten.

Helden mit Schwächen sind keine Antihelden. Sie sind „echte“ Helden, die lediglich erst ihre Schwäche(n) überwinden müssen, um am Ende Erfolg zu haben. Selbst ein anfangs extrem unsympathischer Charakter wie Ebenezer Scrooge aus der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens ist kein Antiheld, sondern nur ein Mensch mit sehr großen Schwächen. Zum Helden wird er erst am Ende, indem er seinen Geiz und seine Gier überwindet und zu einem freundlichen, freigiebigen Menschen wird.

Antihelden sind ein ganz anderes Kaliber. Sie haben Schwächen und dunkle Seiten – aber im Gegensatz zum klassischen Helden stehen sie dazu. Ihre dunklen Seiten sind nichts, was sie während der Handlung überwinden müssen, sondern oft sogar ihre größte Stärke im zentralen Konflikt des Romans.

Kurzum: der Antiheld ist oft kein sympathischer Mensch, sondern oftmals sogar eine Figur, die in einer anderen Handlung ebensogut als Schurke besetzt werden könnte.

Gerade in Comics sind Antihelden seit Jahrzehnten sehr beliebt: Der Punisher, Spawn, Ghost Rider, Deadpool, Hellboy und natürlich Wolverine sind echte Antihelden. Wie beliebt diese Figuren sind, erkennt man daran, dass jede von ihnen (bis auf Deadpool) bereits mindestens einen eigenen Kinofilm spendiert bekommen hat.

Auch in Filmen und Fernsehserien findet man immer öfter Antihelden in der Hauptrolle. Denken Sie beispielsweise an die Rolle von Mel Gibson in „Payback“ oder Jason Statham in den beiden „Crank“-Filmen.  An Vic Mackey in der TV-Serie „The Shield – Gesetz der Gewalt“. Oder an die Figur des gefährlichen Verbrechers Riddick in „Pitch Black“ und den beiden Nachfolge-Filmen.

Gerade im Psychothriller-Genre gibt es seit „Das Schweigen der Lämmer“ einen deutlichen Vormarsch an Antihelden – egal ob es nun die Ableger-Serie „Hannibal“ ist, die auf den „Psycho“-Filmen basierende Serie „Bates Motel“, „Dexter“ oder „Breaking Bad“.

Auch die John-Cleaver-Trilogie von Dan Wells ist ein gutes Beispiel für Antihelden in der Thriller-Literatur: Der Hauptheld, John Cleaver, ist ein soziopathischer Jugendlicher, der befürchtet, dass aus ihm ein Serienkiller werden könnte. Im Verlauf der Romane stößt Cleaver auf mörderische Dämonen, die es aufzuhalten gilt. Im Kampf gegen diese Dämonen muss Cleaver seine dunkle, gefährliche Seite, die er selbst „Mr. Monster“ nennt, von der Leine lassen. Doch wird er in der Lage sein, sie anschließend wieder unter Kontrolle zu bringen?

Held oder Monster?

Wie schon gesagt: Die meisten Antihelden gäben recht gute Schurken ab, wenn sie in einem anderen Kontext präsentiert würden.

Der Kunstgriff der Autoren ist oft, den Antihelden als das kleinere Übel erscheinen zu lassen, indem man ihn gegen eine noch größere Bedrohung antreten lässt. Denn wie heißt es so schön: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. Ein brutaler Killer erscheint dem Leser nur halb so schlimm, wenn er ausschließlich gefährliche Verbrecher tötet, die es geschafft haben, ungestraft durch die Maschen der Justiz zu schlüpfen. Und wenn der Autor seinem Killer dann noch ein persönliches Motiv wie die Rache für von diesen Verbrechern ermordete Familienmitglieder oder Freunde spendiert, wird ein guter Teil der Leser bereit sein, dem düsteren Antihelden sogar die Daumen zu drücken und zu hoffen, dass er es schafft.

Die andere Variante besteht darin, dem Antihelden ein wirklich gutes und positives Ziel zu geben. Häufig sieht man dies in Filmen oder Büchern, in denen ein geläuterter Killer sich entschließt, das Opfer, auf das man ihn angesetzt hat, nicht zu töten, sondern es sogar gegen seine ehemaligen Auftraggeber zu verteidigen.

Auch bei dieser Version mutiert der Antiheld nicht zur positiven Figur. Er wird nicht plötzlich zum moralisch integren Gutmenschen, sondern stellt schlicht und einfach seine vorher für das Böse eingesetzten Fähigkeiten nun in den Dienst des Guten. Der geläuterte Killer aus unserem Beispiel wird weiter schnell und gnadenlos töten – allerdings jetzt „die Richtigen“, die es nach Ansicht des Lesers verdient haben.

Fazit

Es macht Spaß, Antihelden zu schreiben, da sie politisch unkorrekt und skrupellos sein dürfen. Sie können sich über Moral, Ethik und Gesetz hinwegsetzen und Dinge tun, die ein „guter Held“ – selbst einer mit Schwächen – niemals tun dürfte.

Dennoch ist das Schreiben von Antihelden stets ein Balanceakt, bei dem es gilt, die Sympathie des Lesers nicht zu verspielen und ihn niemals zu sehr abzustoßen.

Die Sünden des Antihelden dürfen niemals die Grenze überschreiten, an der der Leser nicht mehr bereit ist, ihm zu verzeihen. Diese Grenze ist natürlich bei jedem Leser anders. Mit einem Antihelden als Protagonisten wird man daher immer Leser verlieren, aber dafür andere noch mehr an sich binden.

Ob es einem dieses Risiko wert ist, muss jeder Autor für sich entscheiden – aber schließlich gibt es immer noch die Möglichkeit, einen solchen Roman unter einem Pseudonym zu veröffentlichen, um es von seinen anderen Romanen sauber abzugrenzen. ;-)


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Style or Story? Was wirklich zählt, wenn Sie Leser fesseln wollen

Kürzlich hatte ich mit einem befreundeten Schriftsteller eine interessante Diskussion darüber, was wichtiger für den Erfolg eines Romans ist: die Geschichte selbst oder der Stil, in dem sie geschrieben ist.

Natürlich kann man in der Praxis beides nicht hundertprozentig voneinander trennen. Ein guter Roman kann nur aus dem Zusammenspiel von Stil und Story entstehen. Doch welche der beiden Seiten der Medaille ist wichtiger – und was bedeutet das für Autoren?

Wenn man gedanklich Stil und Story auf die Waagschalen einer altmodischen Waage legt, wiegt meiner Meinung nach die Story schwerer.

Stil ist sehr stark Geschmackssache. Jeder Autor hat seinen eigenen Schreibstil, seine individuelle Autorenstimme, die sich im Laufe der Jahre mit zunehmender Übung und Erfahrung immer mehr herauskristallisiert. Manche Autoren schreiben blumig und detailverliebt, andere knapp und pragmatisch wie Hemingway.

Es ist ein wenig wie bei Malern. Während der eine mit wenigen minimalistischen Pinselstrichen eine stimmungsvolle Landschaft auf die Leinwand zaubert, die den Betrachter fasziniert, entwirft ein anderer detailverliebte Kunstwerke, die erst aus dem Zusammenspiel von Farbe, Textur, Licht und Schatten ihre ganze Faszination entwickeln. Während man im zweiten Fall das handwerkliche Können des Künstlers bewundert, lässt der minimalistische Stil des ersten Künstlers der Phantasie des Betrachters mehr Spielraum. Ob man nun das eine oder das andere bevorzugt, ist eine Frage der persönlichen Vorlieben.

So sind beispielsweise die Romane des Autorenduos Douglas Preston / Lincoln Child äußerst erfolgreich. Ich finde ihre Thriller wirklich spannend, doch mit dem Schreibstil kann ich mich absolut nicht anfreunden. Dennoch lese ich weiter, weil mich die Handlung einfach fesselt und ich nach den ersten paar Seiten unbedingt erfahren will, wie es weiter geht. Und je mehr die Handlung an Tempo zunimmt, desto weniger empfinde ich den Schreibstil noch als störend.

Oder nehmen wir die Romane von Dean Koontz. Koontz ist einer meiner Lieblingsautoren, ein echter Künstler, der seine Szenen mit stimmungsvollen Wortgemälden vor dem geistigen Auge des Lesers lebendig werden lässt. Ich genieße seinen Schreibstil, doch in den letzten Jahren bin ich beim Lesen seiner neueren Bücher des Öfteren ins Stocken geraten. Es lag nicht am Stil, der weiterhin unverändert gut ist. Es waren die Geschichten, die mich nicht mehr wirklich fesseln konnten.

Dieser Kontrast macht eines deutlich: Wenn die Handlung gut ist, ist man als Leser eher bereit, einen Schreibstil zu akzeptieren, der einem perönlich nicht so gut gefällt. Aber auch der beste Stil kann einen nicht dazu verleiten, ein Buch weiter zu lesen, dessen Handlung einen nicht wirklich interessiert.

Auch wenn natürlich die Kombination aus einer spannenden Story und einem packenden Schreibstil die Idealvorstellung ist, sollte man beim Schreiben eines Romans dennoch den Schwerpunkt auf die Story legen.

Die Story ist das Skelett des Romans, das alles aufrecht hält. Während man bei der Überarbeitung  nachträglich immer noch am Stil und den einzelnen Formulierungen feilen kann, muss das Grundgerüst stimmen. Hier nachträgliche Änderungen vorzunehmen bedeutet oft, ganze Szenen oder gar Kapitel rauszuwerfen und neu zu schreiben – selbst wenn diese stilistisch äußerst gelungen waren.

Die Story-Seite eines Romans hat drei Eckpfeiler:

  • Faszinierende Charaktere, mit denen der Leser mitfiebert und denen er die Daumen drückt.
  • Große Konflikte, bei denen es für die Charaktere viel zu gewinnen und noch mehr zu verlieren gibt.
  • Eine realistisch wirkende Romanwelt mit einer in sich geschlossenen Logik, die der Leser akzeptieren kann.

Zwischen diesen Eckpfeilern spinnt man als Autor ein dichtes Netz aus Plot und offenen Fragen.

Der Plot ist die konkrete, durch Ursache und Wirkung verknüpfte Abfolge der Ereignisse. Für jede Szene der Haupthandlung stellt man sich als Autor die Fragen:

  • Was ist das Ziel / der Plan des Protagonisten?
  • Wer oder was steht ihm im Weg / auf welche Probleme stößt er dabei?
  • Was geht schief bzw. wie erreiche ich es, dass der Protagonist anschließend noch mehr Probleme als vorher hat?
  • Wie kann ich den Einsatz erhöhen und so noch mehr Druck und Spannung aufbauen?
  • Welchen neuen Plan fasst der Protagonist, um auf diese neue Entwicklung zu reagieren?

Um den Leser zusätzlich zur spannenden Handlung noch tiefer in Ihr Buch zu ziehen, durchziehen Sie die Handlung mit offenen Fragen, auf die der Leser unbedingt die Antwort erfahren möchte. Machen Sie den Leser neugierig. Hierfür reicht nicht die zentrale Frage „Wird der Held es am Ende schaffen, sein Ziel zu erreichen?“, sondern Sie müssen dafür sorgen, dass es zu jedem Zeitpunkt der Handlung mindestens drei bis fünf offene Fragen gibt, die dem Leser unter den Nägeln brennen. Bevor Sie eine davon im Verlauf Ihrer Handlung auflösen, werfen Sie eine neue Frage auf, so dass der Leser ständig vor neuen Fragen und Rätseln steht.

Wenn Ihnen das gelingt, wird Ihr Schreibstil für den Leser zweitrangig. Damit will ich nicht sagen, dass er unwichtig wird. Aber es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass Ihr Stil niemals allen Lesern gefallen kann – dafür sind die persönlichen Vorlieben der Leser einfach zu unterschiedlich. Was der eine liebt, das lässt den anderen kalt.

In Sachen Schreibstil sollten Sie daher in erster Linie darauf achten, dass Ihr Stil den Leser nicht beim Lesen stolpern lässt oder ihn gar aus der Handlung heraus reißt. Korrekte Rechtschreibung und Grammatik sind dafür natürlich eine Grundvoraussetzung. Ansonsten gilt: Im Zweifelsfall lieber kürzere Sätze als lange, in sich verschachtelte Bandwurmsätze. Möglichst wenig Adjektive und erst recht Adverbien.

Vermeiden Sie lange Beschreibungen und arbeiten Sie Details lieber dynamisch in die Handlung ein. Gerade bei Details ist weniger oft mehr. Lieber drei charakteristische, aussagekräftige Details, die dafür sorgen, dass sich der Rest des Bildes wie von Zauberhand vor dem geistigen Auge des Lesers ergänzt, als ihn mit langen Beschreibungen zu langweilen – egal wie malerisch diese geschildert werden.

Als letzte und wichtigste Stilprüfung sollte man sich seinen eigenen Text laut vorlesen. Die Stellen, die sich beim Vorlesen holprig anfühlen oder an denen man selbst hängen bleibt, sind die Stolpersteine, an denen sich später auch Ihre Leser stören würden. Schleifen Sie diese Stolperstellen glatt, bis sich Ihr Text flüssig liest.

Damit haben Sie eine gute Basis erreicht: einen Schreibstil, der unaufdringlich im Hintergrund bleibt und es dem Leser erlaubt, Ihre Romanhandlung zu entdecken und zu genießen. Und ab diesem Zeitpunkt zählt in erster Linie, ob Sie ein guter Geschichtenerzähler sind, der seine Leser mit einer spannenden Geschichte, interessanten Charakteren und überraschenden Wendungen bei der Stange halten kann.


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Casting für Ihren Roman

Gute Geschichten – und ganz besonders Romane – leben von ihren Charakteren. Selbst die beste Handlung kann Leser nur selten fesseln, wenn die Charaktere nicht kompetent, motiviert und charismatisch sind.

Dennoch stoße ich beim Lesen von Romanen immer wieder auf Geschichten, bei denen ich mir sage: Da wäre doch mehr drin gewesen. Oft ist die dem Roman zugrunde liegende Idee erfrischend neu und interessant präsentiert – aber dann wird die Handlung leider durch schablonenartige Charaktere in die Grauzone des Mittelmaßes herunter gezogen.

Um das zu vermeiden, sollten Sie die Charaktere für Ihren nächsten Roman äußerst sorgfältig casten. Casten wie in den berüchtigten Casting-Shows, an denen man in den Privatsendern kaum noch vorbei zappen kann? Zumindest so ähnlich – allerdings nicht „Deutschland sucht den Superstar“, sondern eher „Mein Roman sucht den Superschurken“ ;-)

Die auslösende Idee für eine Romanhandlung kann ganz unterschiedlich sein. Manchmal ist es ein Bericht, den man irgendwo gelesen hat, eine Reportage im Fernsehen oder ein ungewöhnliches Erlebnis – und manchmal ist es auch eine Idee für eine ganz bestimmte Romanfigur, die einen einfach nicht mehr loslässt, bis sich vor unserem geistigen Auge nach und nach das Gerüst einer Romanhandlung um diese Figur herum aufbaut.

Manchmal haben Sie also bereits eine zentrale Figur – in den meisten Fällen den Protagonisten. Gerade wenn man Fortsetzungen zu bestehenden Romanen oder gar ganze Serien schreibt, kann man den Protagonisten als „gesetzt“ annehmen. Doch alle anderen wichtigen Rollen in Ihrem Roman sollten Sie mit einem zünftigen „Casting“ besetzen.

Dazu legen Sie zunächst einmal fest, welche „Rollen“ Sie noch zu besetzen haben. Protagonist und Antagonist (also „Held“ und „Schurke“), der Mentor, der Sidekick /  beste Freund des Helden und eventuell noch eine Liebesbeziehung.

Legen Sie nun für jede dieser Rollen ein „Anforderungsprofil“ fest, das die Idealbesetzung für diese Rolle erfüllen müsste – ähnlich wie bei einer Stellenbeschreibung.

Sagen wir, Sie wollen einen Agententhriller im Stil der James-Bond-Romane schreiben und suchen einen würdigen Gegenspieler für Ihren Top-Agenten. Welche Eigenschaften müsste ein solcher Superschurke mitbringen? Er sollte äußerst intelligent sein, dabei skrupellos, mit ausgeprägtem Machthunger und einem diabolischen Plan, den es zu vereiteln gilt. Und natürlich braucht er ein gutes, plausibles Motiv für diesen Plan – nicht nur das typisch melodramatische „die Weltherrschaft“ oder gar „die Welt vernichten“. Darüber hinaus braucht Ihr Schurke Macht, Geld, Einfluss und eine Organisation, um diesen Plan umzusetzen. Und vielleicht noch die Fähigkeiten, es im großen Finale sogar in einem direkten Showdown mit Ihrem Protagonisten aufnehmen zu können.

Stellen Sie zunächst eine Liste mit fünf bis zehn möglichst unterschiedlichen Kandidaten für diesen „Job“ auf. Wählen Sie dabei möglichst unterschiedliche Kandidaten. Wer sagt z.B., dass der Gegenspieler ein Mann sein muss? Wählen Sie Kandidaten mit unterschiedlicher Herkunft/Nationalität, unterschiedlichem sozialem und beruflichem Hintergrund. Ziehen Sie ebenso junge wie alte Kandidaten in die engere Wahl. Geben Sie ihnen ganz unterschiedliche Ziele und ebenso unterschiedliche Motive, warum sie dieses Ziel unbedingt erreichen wollen.

Dann loten Sie aus, wie weit diese die von Ihnen gesetzten Kriterien erfüllen. Sie können in dieser Phase durchaus noch nachbessern und überlegen, wie Sie die jeweilige Figur verändern/optimieren könnten, um sie zu einem besseren Kandidaten für die Rolle zu machen – aber genauso können Sie Ihre Handlungsidee anpassen, um einen besonders interessanten Kandidaten darin unterbringen zu können.

Wenn Sie sich am Ende nicht zwischen zwei oder drei Kandidaten entscheiden können, haben SIe mehrere Möglichkeiten:

1. Sie können Ihre zweite/dritte Wahl für eine Fortsetzung oder einen anderen Roman aufheben. Dafür hat man als Schriftsteller schließlich ein Ideenarchiv, in dem solche Figurenideen auf ihre große Stunde warten.

2. Sie können versuchen, die beiden Charaktere zu einem zu verschmelzen – also die Eigenschaften Ihres „B-Kandidaten“, die Sie besonders faszinieren, auf Ihren A-Kandidaten zu übertragen und so einen noch stärkeren, noch besser geeigneten „Top-Kandidaten“ zu kreieren.

…oder Sie bringen einfach beide Charaktere in die Handlung ein. Das funktioniert für Protagonisten wie für Antagonisten.

Das Prinzip mit den zwei Antagonisten kennt man aus vielen Filmen und Romanen. Sie können diese entweder unabhängig voneinander agieren lassen (z.B. in zwei getrennten Handlungssträngen) und so Ihren Protagonisten an zwei Fronten in Kämpfe verwickeln (eine ideale Quelle für das eine oder andere Dilemma…) oder Sie sorgen dafür, dass Ihre beiden Schurken sich in einer strategischen Allianz verbünden und Ihren Helden gemeinsam in die Zange nehmen. Wie heißt es so schön: Viel Feind, viel Ehr!

Zwei Protagonisten in einem Roman unterzubringen ist in der Umsetzung oft etwas schwieriger, da man meist dem Leser einen „echten“ Protagonisten als Identifikationsfigur zu geben, mit der er mitfiebert und mitleidet, statt seine Sympathie zwischen mehreren „gleichberechtigten“ Helden aufzuteilen.

Wenn man es dennoch versuchen möchte, ist eine gute Möglichkeit das aus dem Kino bekannte Prinzip des „Buddy-Movies“, bei dem sich zwei sehr gegensätzliche Charaktere erst zusammenraufen müssen, um schließlich gemeinsam dem übermächtig starken gemeinsamen Feind Paroli bieten zu können.

Falls Sie hingegen in Ihrem Roman keine zwei gleichstarken Protagonisten haben wollen, können Sie auch überlegen, Ihrer „zweiten Wahl“ eine andere Rolle zuzuteilen – z.B. die des Sidekicks/Helfers oder des Mentors.

Dabei können Sie auch Sidekick und Mentor zu einer einzigen Rolle verschmelzen und diese mit Ihrem zweitliebsten Kandidaten besetzen. Wenn Sie Ihren Krimi doch lieber aus der Perspektive des jungen, engagierten Polizisten als aus der des harten, erfahren und desillusionierten Kommissars schreiben wollen, gäbe dieser doch einen perfekten Mentor ab, der sogar aktiv eingreifen könnte, wenn es später hart auf hart kommt.

Sie können auch zu einem fiesen Trick greifen, der allerdings nicht unbedingt jedermanns Sache ist: Was wäre, wenn Ihre „zweite Wahl“ für die Rolle des Protagonisten in Wirklichkeit auf der anderen Seite stünde? Machen Sie aus ihm einen weiteren Gegenspieler für Ihren Protagonisten – ob offen oder verdeckt.

Offene Feindschaft zwischen zwei eigentlich „guten“ Charakteren kann durch Rivalität, Eifersucht, ungelöste frühere Konflikte oder auch durch tragische Missverständnisse entstehen. Solche offenen Konflikte können ihren eigenen Handlungsstrang bekommen, sind aber für den Leser nicht so überraschend wie eine heimliche, verborgene Feindschaft, die erst am Ende des Romans aufgedeckt wird.

Bei offenen Konflikten zwischen zwei „guten“ Charakteren wird der Leser meist davon ausgehen, dass diese bis zum Ende des Romans beigelegt werden und dass am Ende beide doch an einem Strang ziehen werden. Mit dieser Erwartungshaltung können Sie spielen und diese ganz gezielt zerstören, indem Sie Ihren „guten“ Gegenspieler durch seinen Hass im Laufe der Zeit immer unmoralischer und skrupelloser handeln lassen, bis dieser schließlich ebenso weit auf der „dunklen“ Seite wie der eigentliche Antagonist Ihres Romans steht und daher keine Chance mehr auf Verständnis und Vergebung hat.

Verdeckte Feindschaft hat weitaus größeres Potential. Was wäre, wenn der nur scheinbar „gute“ Zweitcharakter sich als Freund, Sidekick oder gar als wohlmeinender Mentor tarnt und in Wahrheit jede Gelegenheit nutzt, um die Pläne des Helden (in die dieser ihn vertrauensselig einweiht) zum Scheitern zu bringen?

Dabei bleibt es Ihnen überlassen, ob Sie den scheinbaren Freund zu einem Verbündeten Ihres Antagonisten machen oder ihm ein ganz eigenes Motiv mit einem völlig unterschiedlichen Handlungsstrang geben.

Auch für ein Bündnis mit dem „Bösen“ gibt es immer genug scheinbar gute Motive. Denken Sie nur an Charaktere wie Saruman aus „Der Herr der Ringe“, der sich mit Sauron verbündete, da er glaubte, dass das Gute Saurons mächtige Armeen niemals schlagen könne. Oder an Agentenfilme wie „Mission Impossible“ oder „Der Einsatz“, bei denen desillusionierte frühere Helden zu Antagonisten werden, weil sie sich von ihren Regierungen verraten und ausgenutzt fühlen.

Ein solcher Kniff hat das Zeug dazu, den Protagonisten z.B. im großen Finale gegen seinen früheren Lehrmeister antreten zu lassen, der mittlerweile auf der bösen Seite steht oder sich gar als der eigentliche Antagonist entpuppt.

Sie sehen, welche interessanten Möglichkeiten sich aus einer solchen „Casting-Aktion“ ergeben können. Lassen Sie es einfach mal auf einen Versuch ankommen und starten Sie Ihren nächsten Roman mit einem zünftigen Casting, um die perfekte Besetzung für die wichtigen Rollen in Ihrer Handlung zu finden.

Sie werden sehen, dass es nicht nur Spaß macht, sondern das Potential Ihrer Romanidee nochmal deutlich steigert.


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Buchtipp: „The Complete Writer’s Guide to Heroes and Heroines“

Das 200seitige englischsprachige Taschenbuch „The Complete Writer’s Guide to Heroes & Heroines: 16 Master Archetypes“ der Autorinnen Tami Cowden, Caro LaFever und Sue Viders gehört zu den besten Büchern, das zum Thema Charakterisierung geschrieben worden ist.

In den beiden ersten Teilen des Buchs werden zunächst einmal die Archetypen der Helden und Heldinnen ausführlich analysiert und mit konkreten Beispielen aus Büchern, Filmen und Serien untermauert.

Im dritten Abschnitt zeigen die Autorinnen, wie man diese Archetypen verwendet, um glaubwürdige und faszinierende Charaktere zu erschaffen, bevor sie im vierten Abschnitt die einzelnen Archetypen aufeinander prallen lassen und für jede Kombination aus Held und Heldin aufzeigen, wo das Konfliktpotenzial liegt und wo sich beide ergänzen und sich so im Verlauf der Handlung gegenseitig beeinflussen.

Für jeden Schriftsteller, der in seinen Büchern abgerundete, dreidimensionale Charaktere erschaffen will, ist dieses Buch schon fast eine Pflichtlektüre.


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