Nie mehr Ideenmangel durch mobile Notizen

Fast alle Schriftsteller sind sich darüber einig, dass es wichtig ist, Ideen sofort zu notieren. Ideen sind eine flüchtige Angelegenheit. Wenn man wartet, bis man zuhause am PC oder am Schreibtisch ist, um sie aufzuschreiben, hat man sie in vielen Fällen schon wieder vergessen.

Auch wenn der Volksmund sagt “Was wichtig war, kommt wieder” trifft dies auf Ideen in der Praxis leider nicht zu. Das wahre Potential einer Idee kann man meist erst dann erkennen, wenn man sich intensiver mit ihr auseinander setzt und sie von allen Seiten beleuchtet.

Und wie oft ist es so, dass man unterwegs eine tolle Idee für eine Geschichte hat, sie aber zuhause nur noch bruchstückhaft und unvollständig zusammen bekommt und am Schluss frustriert vor einem Haufen unvollständiger Puzzlesteinchen sitzt? Wenn man Ideen notiert, solange man sie noch frisch und mit allen Details im Kopf hat, kann einem so etwas nicht mehr passieren.

Wenn man sich nicht entsprechend vorbereitet, hat man natürlich ein Problem: Da hat man eine tolle Idee, aber keinen Stift, um sie zu notieren. Und wenn man doch einen Stift in der Jacken- oder Handtasche findet, hat man kein Papier und kritzelt die Idee schließlich in unleserlicher Kurzform auf die Rückseite eines alten Parkscheins oder Einkaufszettels. Optimal ist das nicht.

Aber was ist die beste Methode, um unterwegs seine Ideen zu notieren?

Aus eigener Erfahrung kann ich vier Methoden empfehlen, die sich für mich in der Praxis bewährt haben und die sich ausgezeichnet miteinander kombinieren lassen.

1. Das Moleskine-Notizbuch

Der zeitlose Klassiker und Liebling aller Autoren: Klein und handlich im Format passt das Moleskine in jede Jacken- oder Handtasche. Ein Gummizug verhindert, dass das Notizbuch in der Tasche aufklappt und die Seiten verknicken, eine Lesebändchen lässt einen in Sekundenschnelle die aktuelle Seite auffinden und in einer kleinen Gummilasche hat man seinen Stift stets griffbereit dabei.

In Verbindung mit dem dicken, hochwertigen Papier, den abgerundeten Ecken und dem robusten Einband ist das Moleskine in Sachen Optik und Haptik ein echter Genuss.

Auch wenn das Moleskine im Vergleich zu anderen NoName-Notizbüchern nicht ganz billig ist, lohnt sich die Ausgabe definitiv. Erstens dürfte ein Moleskine bei den meisten Autoren mehrere Monate lang halten, bevor es bis zur letzten Seite mit Notizen gefüllt ist, was die Kosten deutlich relativiert.

Zweitens haben Sie, wenn Sie tatsächlich ein komplettes Moleskine mit Ideen und Notizen gefüllt haben, einen wahren Schatz an Ideen, dessen Wert den des ursprünglichen Notizbuchs bei weitem übersteigt.

Und drittens zeigen Sie sich selbst mit hochwertigem Schreibzeug, dass Sie Ihrer schriftstellerischen Tätigkeit selbst einen hohen Wert beimessen. Das motiviert wiederum Ihr Unterbewusstsein, dieses edle Notizbuch mit wirklich guten Ideen zu füllen. Klingt banal, ist aber wahr – probieren Sie es einfach aus. ;-)

2. Karteikarten

Ein weiterer meiner Favoriten sind linierte Karteikarten im Format DIN-A7, die es in den unterschiedlichsten Farben gibt. Das Format hat gerade für Männer den Vorteil, dass es bequem in jede Hemdtasche passt, so dass man selbst im kurzärmeligen Sommerhemd stets Kugelschreiber und Karteikarten für schnelle Notizen dabei haben kann.

Gegenüber dem Moleskine haben Karteikarten mehrere Vorteile: Da wäre zunächst das bereits erwähnte kleine Format, durch das die Karteikarten ganz bequem sowohl in Hemdtaschen als auch in die Gesäßtaschen von Jeans passen. Darüber hinaus kann man die beschrifteten Karteikarten zuhause einfach in die Mappen der zugehörigen Projekte einsortieren, wenn man wie ich seine Projekte in Hängemappen organisiert.

3. Das digitale Diktiergerät

Wenn man unterwegs ist hat man manchmal keine Gelegenheit, mit Stift und Papier Notizen zu machen. Moleskine oder Karteikarten in der einen Hand zu halten und mit dem Stift in der anderen freihändig Notizen zu machen führt bestenfalls zu einer unleserlichen, krakeligen Handschrift. Und wenn man gerade im Auto im Stau oder an der Ampel steht, kann man erst recht nicht zum Stift greifen.

In diesen Fällen lernt man ein digitales Diktiergerät zu schätzen. Es läuft mit zwei ganz normalen AAA-Batterien etliche Stunden lang und bietet Platz für viele Stunden Aufzeichungen in höchstmöglicher Qualität. Im Gegensatz zu einem Smartphone (auf dessen individuelle Vorteile wir im nächsten Abschnitt noch eingehen werden) kann man das Diktiergerät ganz bequem mit einer Hand bedienen, ohne durch die haptische Benutzerführung dabei auch nur aufs Display schauen zu müssen.

Die aufgenommenen Notizen kann man abends abhören und in sein Ideenarchiv übertragen. Viele digitale Diktiergeräte erlauben es auch, die aufgezeichneten Notizen im MP3-Format auf den PC zu übertragen. Je nach Aufnahmequalität (die auch von eventuellen Störgeräuschen abhängt) kann man die Notizen auch mit einer Spracherkennungssoftware wie Dragon Naturally Speaking in geschriebenen Text umsetzen.

4. Smartphone

Die letzte und vielseitigste Option ist ein modernes Smartphone. Dabei ist es relativ egal, ob man sich für ein Android-Gerät oder für ein iPhone entscheidet. Die beiden besten Bildschirmtastaturen, die Swype-Tastatur und Swiftkey, gibt es mittlerweile nicht mehr nur für Android, sondern auch für iOS.

Mit der Swype-Tastatur muss man nicht mehr die einzelnen Buchstaben auf der Bildschirm-Tastatur antippen, sondern gibt Wörter einfach mit einer wischenden Bewegung über die einzelnen Buchstaben ein. Dabei muss man nicht einmal exakt die Tasten treffen, da die unscharfe Logik von Swype mit erstaunlicher Genauigkeit erkennt, was man gerade schreiben wollte. Mit etwas Übung kann man so am Smartphone oder Tablet ähnliche Tippgeschwindigkeiten erreichen wie am PC mit einer ausgewachsenen Schreibmaschinentastatur.

Auch ansonsten bieten Android und iOS ähnliche Möglichkeiten für Schriftsteller: Sie können Sprachnotizen aufnehmen, Texte und Notizen über Evernote oder OneNote erfassen, die automatisch mit den Daten auf Ihrem PC synchronsiert werden oder hochauflösende Bilder von interessanten Motiven machen. Durch die Spracherkennungsfunktion kann man Texte auch mit erstaunlicher Genauigkeit diktieren und vom Smartphone in Text übersetzen lassen, was allerdings am besten mit einer schnellen Datenverbindung oder im WLAN funktioniert, da die Sprachaufzeichnung zur Umsetzung in Text erst übers Internet übertragen werden muss.

Bei aller Begeisterung sollte man jedoch die Nachteile eines Smartphones auch nicht vergessen: Das Display ist bei grellem Sonnenlich im Freien teils nur schwer abzulesen, außerdem muss man beide Hände frei haben, um es richtig bedienen zu können.

Fazit:

Glücklicherweise muss man sich nicht für eine der vier Möglichkeiten entscheiden, sondern kann diese beliebig miteinander kombinieren: Wenn ich unterwegs bin, habe ich in den Jackentaschen mein Moleskine und mein Smartphone dabei, dazu einen dünnen Stapel Karteikarten in der Hemdtasche und ein Diktiergerät in der Hosentasche.

Wenn ich abends nach Hause komme, sortiere ich die im Laufe des Tages beschrifteten Karteikarten in die zugehörigen Projekt-Hängemappen. Alle Karten ohne konkreten Projektbezug wandern erst einmal ins Ideenarchiv.

Die am Smartphone über EverNote, OneNote oder Draft erfassten Notizen werden automatisch mit meinem PC synchronisiert, sobald ich wieder zuhause im WLAN bin, so dass ich hiermit überhaupt keine Arbeit habe.

Die Sprachnotizen von meinem Diktiergerät und die Notizen aus dem Moleskine übertrage ich meist nur einmal pro Woche – üblicherweise am Wochenende, Was zu einem laufenden Projekt gehört, kommt in die entsprechende Mappe (oder als Datei in das entsprechende Verzeichnis meiner Dropbox); Ideen ohne Projektbezug übertrage ich auf Karteikarten, die dann ins Ideenarchiv einsortiert werden.

Diese “viergleisige” Arbeitsweise erscheint Ihnen vielleicht nach übertriebenem Aufwand, aber das täuscht. Dadurch, dass ich alle viel Methoden miteinander kombiniere, habe ich nicht etwa mehr Arbeit, als wenn ich mich auf eine der vier beschränken würde, sondern in der Praxis sogar weniger.

Wie bereits erwähnt ist nicht jede Methode immer gleich gut geeignet – aber es gibt kaum eine Situation, in der ich nicht mindestens eine der Methoden für eine schnelle Notiz verwenden könnte. Natürlich verwende ich bevorzugt die Methoden, die für mich den geringsten Aufwand bei der späteren Weiterverarbeitung bedeuten (also Karteikarten und Smartphone-Textnotizen), aber manchmal ist das Diktiergerät einfach praktischer oder das Moleskine mit seinem Platz für Skizzen, Zeichnungen und Mindmaps besser als eine kleine Karteikarte.

Probieren Sie es einfach mal für sich selbst aus. Sie werden sehen, wie schnell sich Ihr Ideenarchiv für Geschichten, Blogposts oder Artikel mit neuen, frischen Ideen füllt – mit Sicherheit deutlich schneller, als Sie diese Ideen jemals umsetzen können.

Der Vorteil ist: Mit einem vollen Ideenarchiv müssen Sie sich niemals fragen, was Sie als Nächstes schreiben sollen, sondern nur noch, was Sie als Nächstes schreiben sollen. ;-)


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