Kindle Unlimited: Erste konkrete Zahlen für die Bezahlung nach Seiten

Wie bereits Anfang Juli berichtet hat Amazon zum 01.07.2015 die Regeln für die Ausschüttung des monatlichen Fonds an die Autoren gravierend geändert: Während zuvor der Autor für jedes ausgeliehene Buch, das zu mindestens 10% gelesen wurde, unabhängig von der Länge des Buchs einen bestimmten Betrag erhielt (in den meisten Monaten ca. 1,20 Euro), wird der Fonds seit Juli nach tatsächlich gelesenen Seiten aufgeteilt.

Interessant ist, dass jetzt erste konkrete Zahlen vorliegen. Die Amazon-Hilfe-Seite mit den von mir als unrealistisch genannten hypothetischen Werten von 10 Cent je gelesener Seite ist übrigens seit Mitte August verschwunden. Seitdem werden auf den Amazon-Seiten keine Beträge mehr genannt – auch nicht als hypothetisches Rechenbeispiel. Eine gute Entscheidung, da sonst jemand diese Zahlen für bare Münze bzw. als Entscheidungsgrundlage zugunsten KDP Select nehmen könnte.

Anfang Juli schrieb ich, dass ich realistisch gesehen von weniger als einem Cent pro gelesener Seite ausgehe. Tatsächlich betrug die Ausschüttung für Juli ca. 0,0053 € (also einen guten halben Cent) je gelesener Seite.

Im Klartext bedeutet das, dass von einem Buch mindestens 232 Seiten gelesen werden müssen, damit der Autor dasselbe Geld für die Ausleihe wie noch im Juni 2015 (also 1,23 €) erhält. Jedes Buch mit weniger als 232 Seiten kommt also automatisch schlechter weg als bisher – ebenso wie Bücher, die vor der Seite 232 abgebrochen / nicht mehr weiter gelesen werden. Und das, obwohl Amazon den weltweiten Fonds von 10,3 Millionen im Juli auf satte 11,5 Millionen aufgestockt hat.

Sachbuchautoren (deren Bücher ohnehin üblicherweise deutlich kürzer als Romane sind), dürfen sich auf starke Einbußen gefasst machen – insbesondere, da Sachbücher meist nicht komplett von vorne bis hinten gelesen werden, sondern Leser sich oft nur die Kapitel herausgreifen, die sie ganz konkret interessieren. Wenn hier beispielsweise von 150 Seiten durchschnittlich nur knapp 50 Seiten gelesen werden, erhält der Autor gerade mal 25 Cent für eine durchschnittliche Ausleihe.

Noch härter trifft die Änderung Kurzgeschichtenautoren, die ihre Werke weiterhin über KDP Select gelistet lassen. Sie bekommen für eine Ausleihe teils nur noch einstellige Cent-Beträge, so dass es sich für die meisten von ihnen nicht mehr lohnen dürfte, ihre Geschichten weiterhin in der Kindle-Unlimited-Leihbücherei zu belassen.
Besser dran als bisher sind hingegen die Autoren umfangreicher Romane. Ein Buch mit mindestens 350 Seiten (gemäß Amazons neuem “Kindle Edition Normalized Page Count”), das normalerweise für 2,99 € verkauft wird, kann nun als Ausleihe sogar mehr als bei einem regulären Verkauf bringen, sofern es tatsächlich komplett bis zum Ende gelesen wird.

Es dürfte interessant sein, im Laufe der nächsten Monate die “Seitenpreise” von KDP Select im Auge zu behalten. Gerade wenn im Herbst/Winter wieder mehr gelesen wird, könnte ich mir vorstellen, dass die Beträge ein Stück sinken, sofern Amazon nicht noch mehr Geld in den Fond steckt, um die höheren gelesenen Seitenzahlen zu kompensieren.


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SoftMaker Office 2016 – das beste Office-Paket für Schriftsteller

Das Nürnberger Softwarehaus SoftMaker hat im Juli 2015 eine neue Version ihres beliebten Office-Pakets “SoftMaker Office” veröffentlicht. Mit “SoftMaker Office 2016” treten sie nicht nur in direkte Konkurrenz zu “Microsoft Office”, sondern haben zugleich auch das beste Office-Paket für Schriftsteller produziert – wobei letzteres keine Aussage von SoftMaker, sondern mein persönliches, vorweggenommenes Fazit ist.

“SoftMaker Office soll besser sein als Microsoft Office?” wird sich jetzt vielleicht mancher Leser skeptisch fragen.

Für Schriftsteller definitiv. Und nicht nur besser, sondern auch günstiger. Aber fangen wir einfach mal vorne an…

Standard oder Professional?

SoftMaker Office 2016 ist in zwei verschiedenen Varianten erhältlich: als günstigere Standard-Version und als Professional-Version. Ein wichtiger Punkt vorweg: Für Schriftsteller ist quasi nur die teurere Professional-Version interessant. Man sollte keinesfalls an der falschen Stelle sparen und aus Kostengründen zur günstigeren Standard-Version greifen.

Zwar kostet die Professional-Version 30 Euro mehr als die Standard-Version (bzw. beim günstigeren Upgrade-Preis immer noch 20 Euro), doch diesen Mehrpreis ist sie definitiv wert. Aber dazu gleich mehr.

Genau wie Microsoft Office besteht auch SoftMaker Office aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationen und einem Email-Programm. Alles sehr gute und leistungsfähige Programme, aber in diesem Artikel will ich mich ausschließlich mit TextMaker 2016, der Word-Konkurrenz von SoftMaker beschäftigen – denn die Textverarbeitung ist schließlich der Teil des Office-Pakets, den man als Schriftsteller nun mal am häufigsten benötigt.

Klassische Menüs statt klobiger Ribbons

Sehr angenehm finde ich bei SoftMaker Office, dass die Entwickler sich nicht der neuen Unsitte mit den klobigen Ribbon-Menüs am oberen Bildschirmrand angeschlossen haben, auf die Microsoft bereits seit Office 2007 setzt und die in der Praxis äußerst unübersichtlich und schlecht bedienbar sind. Ganz zu schweigen davon, dass die Ribbon-Menüs auf Geräten mit kleiner Bildschirmdiagonale wie Netbooks oder Windows-Tablets viel zu viel wertvollen Bildschirmplatz einnehmen. Doch dieses Problem hat man mit SoftMaker Office nicht.

Bei SoftMaker findet man auch in der neuen 2016er-Version immer noch die klassischen Dropdown-Menüs mit Icons und Tastatur-Shortcuts – allerdings mit ein paar pfiffigen Extras. Denn auch diesen Menüs hat SoftMaker in der neuen Version an verschiedenen Stellen ausklappbare Schnellwahl-Fenster spendiert, mit denen sich das Programm noch schneller und intuitiver bedienen lässt.

eBooks im ePub-Format direkt aus Office heraus erzeugen

Sehr gelungen ist auch der Dokumenten-Export. Mit der neuen 2016er-Version kann man nicht nur eBooks im PDF-Format erzeugen, sondern sogar im ePub-Format. Mit diesem äußerst nützlichen Feature setzt sich SoftMaker von allen Konkurrenzprodukten ab, denn einen direkten ePub-Export bietet weder Microsoft Office noch die kostenlose Konkurrenz von OpenOffice bzw. LibreOffice.

Über den Export-Dialog kann man nicht nur das eigentliche Manuskript ins ePub-Format konvertieren, sondern auch direkt das Coverbild hinzufügen und die zugehörigen Metadaten pflegen. Mit wenigen Mausklicks vom Manuskript zum fertig aufbereiteten eBook – einfacher und komfortabler geht es kaum.

Doch so richtig interessant wird es erst, wenn man sich die zusätzlichen Leistungsmerkmale der Professional-Version ansieht…

Duden-Korrektor, Universalwörterbuch und Fremdwörterbuch

Viele von Ihnen kennen bestimmt den Duden-Korrektor, den es lange Zeit als Add-In für Microsoft Word und OpenOffice gab. So wie der Duden der Standard unter den Wörterbüchern ist, ist auch der Duden-Korrektor die beste und leistungsfähigste Rechtschreib- und Grammatikprüfung, die es für den PC gibt.

Leider hat sich das Bibliographische Institut Mitte 2014 entschieden, den Duden Korrektor nicht mehr weiter anzubieten. SoftMaker hat diese Gelegenheit genutzt, um Nägel mit Köpfen zu machen und sich einen mächtigen Vorsprung vor den anderen Office-Paketen zu sichern. Denn in “SoftMaker Office Professional” ist der Duden-Korrektor, der nach wie vor vom selben Entwicklerteam wie bisher betreut und weiterentwickelt wird, weiterhin enthalten.

Zusätzlich zum Duden-Korrektor (der allein schon ein äußerst nützliches Werkzeug darstellt) enthält die Professional-Version von SoftMaker Office das Deutsche Universalwörterbuch von Duden, das Große Fremdwörterbuch von Duden und vier Langenscheidt Wörterbücher. Abgerundet wird das Komplettpaket durch einen sehr leistungsfähigen und ausgereiften Thesaurus.

Wenn man Printbücher layouten will, ist man mit SoftMaker Office ebenfalls gut beraten. Denn auch in dieser Beziehung geht der Funktionsumfang von TextMaker über das hinaus, was Microsoft Word bietet. Manche Funktionen von TextMaker wie echte Master-Seiten erinnern mehr an ein vollwertiges Desktop-Publishing-Programm als an eine ‘einfache’ Textverarbeitung.

50 € beim Kauf sparen durch den Upgrade-Trick

Auch beim Kauf von SoftMaker Office kann man noch ein richtiges Schnäppchen machen, denn SoftMaker bietet das stark vergünstigte Upgrade auf die neue 2016er-Version nicht nur für Besitzer der direkten Vorgängerversion an, sondern auch als Crossgrade für Besitzer einer beliebigen früheren Version von SoftMaker Office oder FreeOffice.

Selbst wenn Sie also noch nie eine Version von SoftMaker Office hatten, können Sie sich also den günstigen Upgrade-Preis sichern, indem Sie sich zunächst das kostenlose FreeOffice von SoftMaker (http://www.freeoffice.com/de) herunterladen und registrieren und anschließend für nur 49,95 € von FreeOffice auf SoftMaker Office 2016 Professional upgraden. 50% gespart – das nenne ich mal ein echtes Schnäppchen.

Bei diesem Preis kann Microsoft Office nicht einmal annähernd mithalten – weder mit den Kaufversionen noch mit den Miet-Versionen (Office 365). Selbst eine nur ein Jahr gültige Miet-Lizenz “Office 365 Home” ist teurer als der günstige Upgrade-Preis für “SoftMaker Office 2016 Professional”, mit dem Sie das Office-Paket auf bis zu 3 PCs gleichzeitig nutzen können.

Schnell und portabel – Office in der Hemdtasche

Ein weiterer unschätzbarer Vorteil von SoftMaker Office ist, dass man nach der normalen Installation auf dem eigenen PC als “Ableger” eine portable Version des Office-Pakets auf einem USB-Stick installieren und überall hin mitnehmen kann. Gerade wenn man viel unterwegs ist und häufig auf unterschiedlichen PCs arbeitet, ist das eine tolle Sache – so hat man sein komplettes Büro auf einem Stick in der Hemdtasche dabei.

Dazu kommt, dass SoftMaker Office alles andere als hardwarehungrig ist und auch auf älteren Rechnern oder Geräten mit schwächerer Hardware (Netbooks, Windows Tablets…) schnell und sauber läuft.

Und während das aktuelle Microsoft Office nicht mehr unter älteren Betriebssystem-Versionen wie XP oder Vista installiert werden kann, läuft SoftMaker Office 2016 unter allen Windows-Versionen von Windows XP bis hin zum brandneuen Windows 10.

Fazit

Wenn man SoftMaker Office mit anderen Office-Paketen vergleicht, sollte man es dem ebenfalls kommerziellen Microsoft Office gegenüberstellen – und diesen Vergleich gewinnt SoftMaker gerade bezogen auf die Bedürfnisse und Anforderungen von Schriftstellern definitiv.

Natürlich gibt es mit LibreOffice und OpenOffice auch kostenlose Konkurrenz, doch diese bietet weder die ausgereifte Rechtschreib- und Grammatik-Prüfung mit dem integrierten Duden-Korrektor, noch die integrierten Wörterbücher oder komfortable Features wie den ePub-Export als fertig formatiertes eBook.

Aus meiner Sicht ist der günstige Upgrade-Preis für “SoftMaker Office 2016 Professional” eine der besten Investitionen, die man zur Zeit als Schriftsteller machen kann.

Sie finden SoftMaker Office unter http://www.softmaker.de/office.htm. Unter http://www.softmaker.de/ofdemo.htm können Sie sich auch eine Demo-Version herunterladen, die Sie 30 Tage lang kostenlos ausprobieren können.


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Bezahlung nach Seiten – Warum Amazons neue Abrechnungsmethode für Autoren so gravierende Auswirkungen hat

Zum 01. Juli 2015 ändert Amazon die Regeln für die Verteilung des monatlichen Fonds unter den Autoren, die ihre Bücher für KDP Select (und damit für die Lese-Flatrate ‘Kindle Unlimited’ und die in Amazon Prime enthaltene Kindle-Leihbücherei) angemeldet haben – und zwar ziemlich radikal. Denn statt pro ausgeliehenem Buch wird der Autor zukünftig nur noch pro tatsächlich gelesener Seite vergütet.

Und wie bei fast jeder größeren Änderung seitens Amazon ziehen auch diesmal wieder zahlreiche Autoren weltweit in ihren Blogs gegen Amazon ins Feld und stellen die Änderungen so dar, als ob uns allen nun der Himmel auf den Kopf fällt und der große Ausverkauf der Literatur stattfindet.

Fakt ist, dass die Bezahlung nach gelesenen Seiten, die auch in der Presse gern plakativ als Schlagzeile herangezogen wird, nur für die Ausleihen über Kindle Unlimited und die Kindle Leihbücherei gilt. Sie hat nichts mit den normalen eBook-Verkäufen über Amazon zu tun, sondern lediglich mit der Vergütung für die Autoren, die ihre Bücher für KDP Select angemeldet und diese damit in “Kindle Unlimited” und der “Kindle Leihbücherei” gelistet haben.

Jeder Prime-Kunde kann pro Monat ein Buch kostenlos aus der Kindle-Leihbücherei ausleihen und jeder Kindle-Unlimited-Kunde kann pro Monat beliebig viele Bücher (aber nur bis zu 10 gleichzeitig) aus der Kindle-Leihbücherei ausleihen. Dafür zahlt er eine Pauschale von 9,99 Euro monatlich.

Aus einem Teil dieser Einnahmen bildet Amazon einen monatlichen Fonds, der auf alle Autoren verteilt wird, deren Bücher im Laufe dieses Monats über die Kindle-Leihbücherei ausgeliehen wurden, egal ob nun von Prime-Kunden oder von Kindle-Unlimited-Lesern.

Solange sich die Höhe des monatlich ausgeschütteten Fonds durch die geänderte Abrechnungsmethode nicht reduziert, handelt es sich bei der Änderung lediglich um einen Versuch von Amazon, die Ausschüttung an die Autoren gerechter zu gestalten. Denn auch die alten Regeln hatten deutliche Schwächen und behandelten gerade durch die Gleichmacherei mit der einheitlichen Pauschale pro ausgeliehenem Titel Autoren ziemlich ungleich.

Die alten Regeln: KDP Select bis 30.06.2015

Bisher war es so, dass Autoren für jedes über Kindle Unlimited oder die Kindle Leihbücherei ausgeliehene Buch, das mindestens bis zur 10%-Marke gelesen wurde, denselben Betrag erhielten – unabhängig davon, wie teuer oder günstig der normale Verkaufspreis des Buchs war oder wie viele Seiten es umfasst.

Im Klartext bedeutet das: Der Autor einer 20-seitigen Kurzgeschichte, die man für 99 Cent kaufen kann, erhielt für eine Ausleihe seiner Geschichte ebenso viel wie der Autor eines 400seitigen Romans, der regulär 3,99 Euro kostet.

Damit war der Kurzgeschichtenautor natürlich unterm Strich deutlich besser gestellt als der Romanautor: Wurden in einem Monat beispielsweise 1,17 € je Ausleihe an die Autoren ausgeschüttet, war das für den Kurzgeschichtenautor viermal so viel, wie er für einen regulären Kauf seiner Kurzgeschichte erhalten hätte (nämlich 0,29 €).

Der Romanautor kam verglichen damit deutlich schlechter weg. Hätte er bei 70% Tantiemen für einen regulären Verkauf seines Romans 2,34 € kassiert, erhielt er für eine Ausleihe gerade mal die Hälfte dieses Betrags.

Zusätzlich hatte der Kurzgeschichtenautor noch den Vorteil, dass ein begeisterter Leser innerhalb weniger Tage gleich einige seiner Kurzgeschichten ausleihen und lesen konnte (was ihm für jede weitere ausgeliehene Geschichte wieder die vollen 1,17 € bescherte). An dem 400seitigen Roman hatte der Leser hingegen so lange zu lesen, dass er innerhalb eines Monats nicht allzu viele Bücher des Autors schaffen konnte.

Dieses Missverhältnis führte dazu, dass manche Autoren nach dem seit Machiavelli bewährten Motto “Teile und herrsche” ihre Romane in kürzere Episoden unterteilten, die dann jeweils für 99 Cent angeboten (und natürlich auch bei Kindle Unlimited gelistet) wurden.

Statt einen kompletten Roman für 3,99 € anzubieten und dafür bei einem Verkauf 2,34 € Tantiemen zu kassieren, unterteilten diese Autoren ihre Romane in beispielsweise 8 Episoden, von denen die erste kostenlos und alle weiteren für je 99 Cent angeboten wurden.

Wenn ein Leser alle Episoden (abgesehen von der ersten, dauerhaft kostenlos angebotenen Episode) regulär kaufte, erhielt der Autor dafür 7 x 0,29 € = 2,03 € – also nur minimal weniger als für ein komplettes Buch á 3,99 €. Wirkt auf den ersten Blick nach einem schlechten Geschäft, zumal die Leser ja nach jeder Episode abspringen konnten, wenn die Handlung sie nicht mehr fesseln konnte.

Doch wenn alle Episoden auch bei Kindle Unlimited gelistet waren, sah die Rechnung schon ganz anders aus. Schon wenn der durchschnittliche Leser nur zwei Episoden des Romans las, bevor er das Interesse verlor, verdiente der Autor bei der beispielhaft genannten Ausschüttung von 1,17 € je Ausleihe bereits genauso viel, als wenn er seinen kompletten Roman zu regulären Konditionen verkauft hätte.

Doch mit der neuen Abrechnungsmethode von Amazon geht diese Rechnung nicht mehr auf. Denn wie bereits anfangs erwähnt erfolgt die Abrechnung seit Anfang Juli nur noch auf Basis der tatsächlich gelesenen Seiten. Und dafür ist es egal, auf wie viele separate eBooks diese Seiten verteilt werden.

Die neuen Regeln: KDP Select ab 01.07.2015

In der Theorie klingt eine Abrechnung nach gelesenen Seiten gar nicht mal so verkehrt: die Ausschüttung ist weiterhin unabhängig vom Verkaufspreis des Buchs, so dass Autoren keinen höheren Anteil des Fonds erhalten können, indem sie den Verkaufspreis ihres Buchs höher ansetzen. Na gut, nicht ganz, denn in der Praxis werden teurere Bücher (bei denen es sich richtig “lohnt”), deutlich öfter ausgeliehen als billige Bücher, die beispielsweise schon im regulären Verkauf nur 99 Cent kosten.

Bisher musste der Autor den Leser nur bis kurz hinter der 10%-Marke (als der Teil, der bei Amazon über den “Blick ins Buch” ohnehin kostenlos gelesen werden kann) bei der Stange halten: Hatte der Leser mindestens 10% des Buchs gelesen (oder auch nur bis dahin vorgeblättert), erhielt der Autor ebenso viel, als ob der Leser das Buch bis ganz zu Ende gelesen hätte.

Bei diversen kürzeren Büchern waren diese 10% bereits erreicht, sobald der Leser über Impressum, Widmung, Inhaltsverzeichnis und Vorwort bis zum ersten Kapitel vorgeblättert hatte – womit gewissen Tricksereien Tür und Tor geöffnet waren.

Damit die neuen Auszahlungsregeln nicht wieder von findigen Autoren ausgehebelt werden, die einfach mit einer größeren Schriftart oder größeren Abständen zwischen den einzelnen Zeilen und Absätzen für eine höhere Seitenzahl ihrer Bücher sorgen, hat Amazon zum Start der neuen Regeln den sogenannten KENPC eingeführt: den “Kindle Edition Normalized Page Count”.

Hierbei handelt es sich um eine Seitenzahl, die mit einer Standard-Schriftart und -Schriftgröße, einer festen Zeilenhöhe und einem genau definierten Zeilenabstand ermittelt wird. Ob jemand das eBook also auf einem Kindle, auf einem Smartphone oder am PC liest, spielt für die als ‘gelesen’ gewerteten und damit abgerechneten Seiten ebenso wenig eine Rolle wie die Schrifteinstellungen auf dem eReader oder am PC.

Damit man selbst als Autor auch eine Orientierung hat, wie vielen Seiten das eigene Buch laut der neuen Amazon-Kalkulation entspricht, wird dieser KENPC zukünftig im KDP-Dashboard auf der Seite “Werbung schalten” neben dem eigenen Buch angezeigt werden.

Schmackhaft serviert mit unrealistischen Zahlen

Was an Amazons offizieller Seite zu den Neuerungen (https://kdp.amazon.com/help?topicId=A156OS90J7RDN) auffällt, sind die utopisch hohen Beispielzahlen, mit denen hier agiert wird.

Nach Amazons (natürlich rein theoretischem!) Rechenbeispiel könnte ein Autor, dessen 100seitiges Buch komplett gelesen wird, bei 10 Cent pro gelesener Seite für eine Ausleihe mit üppigen 10 Euro vergütet werden. Das könnte nur aufgehen, wenn Amazon zwar jede Menge Kindle-Unlimited-Abonnenten hätte, diese aber für ihr Geld kaum etwas lesen würden.

Selbst wenn Amazon die kompletten Einnahmen aus Kindle-Unlimited über den Fonds an die Autoren ausschütten würde (was sie als wirtschaftlich denkendes Unternehmen natürlich nicht tun), würde dieses Rechenbeispiel nur aufgehen, wenn jeder Leser im Schnitt höchstens drei Romane á 400 Seiten im Jahr lesen würde. Und dafür würde wohl kaum ein Abonnent im Jahr knappe 120 Euro bezahlen – oder? ;-)

Realistischer ist wohl, bei den echten Viellesern, die 9,99 € im Monat für ihre Kindle-Unlimited-Mitgliedschaft ausgeben, mit einem Buch pro Woche zu kalkulieren. Bei durchschnittlich 300 Seiten pro Buch wären das runde 15.000 Seiten im Jahr. Klingt nach viel, aber da der durchschnittliche Leser vielleicht eine Minute pro Seite braucht, entspräche das dem Leseverhalten einer Person, die im Schnitt runde 45 Minuten pro Tag liest.

Setzen wir diese Zahlen in unsere Kalkulation ein, landen wir schnell bei unter einem Cent pro gelesener Seite. Und damit bekäme der Beispiel-Autor aus Amazons Kalkulation mit seinem komplett gelesenen 100-Seiten-Buch nicht mal mehr einen Euro ausbezahlt.

Natürlich sind alle Spekulationen über die Höhe der Ausschüttung pro gelesener Seite vorerst nichts als blanke Theorie. Erste realistische Werte werden nicht vor Mitte August vorliegen, und, da im Sommer weniger gelesen wird als in den trüben Herbst- und Wintermonaten, sind die Zahlen für die ersten Monate vermutlich höher als später im Herbst und Winter. Vielleicht ist das auch mit ein Grund, warum Amazon die Umstellung auf die Abrechnung nach gelesenen Seiten auf den Hochsommer gelegt hat?

Gut für Romane, schlecht für Sachbücher

Nach den neuen Regeln werden lange Romane ganz klar bevorzugt. Je länger das Buch, desto mehr Geld gibt es für ein komplett zu Ende gelesenes Buch.

Das wirkt zunächst mal durchaus fair. Da in einem dicken Roman meist deutlich mehr Arbeit steckt als in einer Kurzgeschichte oder in einem der üblicherweise recht kurzen eBooks des Erotik-Genres, ist es ja durchaus legitim, dass der Autor eines solchen Romans, an dem er vielleicht zwei Jahre gearbeitet hat, deutlich mehr für eine Ausleihe bekommt als der Autor einer Kurzgeschichte, die innerhalb von gerade mal 1-2 Wochen geschrieben wurde.

Kritisch wird die Sache allerdings, wenn man seine Betrachtung auf Sachbücher erweitert. Denn auch diese werden nun bei einer Ausleihe über Kindle Unlimited nur noch nach der Anzahl der tatsächlich gelesenen Seiten entlohnt.

Und damit wird Kindle Unlimited für die meisten Sachbuchautoren herzlich uninteressant. Denn die meisten Kindle-Sachbücher sind von ihrer Seitenzahl her deutlich kürzer als Romane – oft nur 60-100 Seiten, was in den meisten Fällen auch locker ausreicht, um ein Thema kompakt und informativ abzuhandeln.

Fakt ist, dass Sachbücher deutlich zeitaufwändiger zu schreiben sind als Romane oder Kurzgeschichten. Die meisten Romanautoren schaffen eine Taschenbuchseite von ca. 250 Wörtern inklusive Überarbeitung in 30 bis maximal 60 Minuten. Bei einem Sachbuch kann man aufgrund der teils sehr aufwändigen Recherche mindestens das Doppelte dieser Zeit rechnen.

Soll der Sachbuchautor nun sein Buch künstlich auf eine höhere Seitenzahl aufblähen, indem er lange um den heißen Brei herumredet, statt direkt auf den Punkt zu kommen? Damit wäre auch niemandem gedient, denn Sachbücher liest man nicht in erster Line des Genusses wegen, sondern um sich neue Informationen und Kenntnisse anzueignen oder ein ganz bestimmtes Problem zu lösen.

Und damit kommt ein weiterer Knackpunkt ins Spiel, der Sachbücher zukünftig gegenüber Romanen klar benachteiligt. Bei den meisten Sachbüchern blättert man über die Passagen, die einen im Augenblick nicht konkret interessieren oder deren Inhalt man schon gut genug zu kennen glaubt, relativ rasch hinweg – wenn man nicht gleich über das Inhaltsverzeichnis zu dem Kapitel springt, das die Lösung enthält, nach der man im Moment sucht.

Denn übersprungene oder rasch überblätterte Seiten gelten nach den neuen Regeln ebenfalls als nicht gelesen und werden somit auch nicht vergütet. Damit eine Seite gewertet wird, muss der Leser eine bestimmte Mindestdauer auf dieser Seite verweilen.

Während man einen Roman üblicherweise vom ersten Kapitel bis zum Ende durchliest (jedenfalls, solange man nicht vorher das Interesse verliert), greift man sich bei einem Sachbuch meist nur bestimmte Kapitel heraus oder springt direkt zur Zusammenfassung der wichtigsten Punkte am Ende des Buchs, um Zeit zu sparen.

Sachbücher sind also nicht nur benachteiligt, da sie generell meist kürzer als Romane sind (wann haben Sie zuletzt ein 300seitiges Sachbuch gelesen?), sondern werden mit Pech auch nur mit einem Bruchteil ihres Umfangs vergütet, da die Leser sich ihre persönlichen Rosinen herauspicken und den Rest nur überfliegen.

Wer als Sachbuchautor bisher also die oben als Beispiel angesetzten 1,17 € für eine Ausleihe erhielt, wird zukünftig mit Pech nur noch für 10-20 intensiv gelesene Seiten vergütet, was unterm Strich nur noch Tantiemen von ein paar Cent ergeben wird.

Dies wird meiner Meinung nach dazu führen, dass in den nächsten Monaten immer mehr Sachbücher von ihren Autoren aus KDP Select und damit aus der Kindle-Unlimited-Leihbücherei zurückgezogen werden, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen.

Schöne neue Cliffhanger-Welt?

Doch auch für Romanautoren ist die neue Abrechnungsmethode nicht zwangsläufig das gelobte Land. Denn nun muss jeder Autor darauf achten, ständig mit Cliffhangern, offenen Fragen und einer rasanten Handlung den Leser zum Weiterlesen zu bewegen – frei nach dem Motto “jede gelesene Seite zählt (oder zahlt)”.

Nichts gegen Spannungsliteratur und Action-Thriller – ich liebe spannende Bücher wie die rasanten Thriller von Matthew Reilly. Aber Romane, die rein auf Action und Spannung setzen und dabei auf jegliche Atempause verzichten, sind auf Dauer auch für den Leser sehr ermüdend. Ein gutes Beispiel dafür ist das Buch “Intensity” von Dean Koontz.

Auch eine Achterbahnfahrt braucht immer wieder langsame Passagen, in denen die Wagen langsam den nächsten Berg hinauf gezogen werden. Je höher der Anstieg, desto rasanter wird die nächste Talfahrt, wenn die Passagiere am höchsten Punkt ankommen und in den tiefen Abgrund sehen, der sich rasend schnell vor ihnen auftut.

Ein derart übersteigerter Fokus auf Cliffhanger und darauf, den Leser mit Rätseln und offenen Fragen am Lesen zu halten, würde meiner Meinung nach im Laufe der Zeit zu einer langweiligen Monokultur führen. Keine anspruchsvolle Literatur mehr, die einen zum Nachdenken und Innehalten einlädt – nur noch atemlose Pageturner. Aus meiner Sicht wäre das eine verarmte und damit trotz (oder gerade wegen) des Überangebots an adrenalingeschwängerten Cliffhangern eine langweilige Buchwelt, die früher oder später ihre Leser verlieren wird.

Der überwachte Leser

Ein weiterer Punkt, der einem hierbei auffällt, ist die immer stärkere Überwachung der Leser durch ihre eReader. Wenn die aktuelle Leseposition zwischen eReader und Smartphone synchronisiert wird, so dass man dasselbe Buch unterbrechnungsfrei auf einem anderen Gerät weiterlesen kann, ist das eine feine Sache. Aber die neue Abrechnungsmethode von Amazon zeigt wieder mal, wie minutiös das eigene Leseverhalten durch Kindle & Co analysiert wird: Erfasst wird nicht nur, bis zu welcher Position das Buch gelesen wurde, sondern auch, wie lange der Leser auf welcher Seite des Buchs gelesen hat und welche Passagen er nur überflogen oder gar überblättert hat.

Fazit

Ich bin zugegebenermaßen kein Freund von Lese-Flatrates wie Kindle Unlimited. Wenn mir ein Buch gefällt, kaufe ich es und lese es dann ganz entspannt und in aller Ruhe, ohne beim Lesen das stressige Gefühl zu haben, mindestens ein bis zwei Romane pro Woche schaffen zu müssen, um einen ausreichenden Gegenwert für meine 9,99 € pro Monat zu erhalten.

Auch als Autor gefallen mir Amazons neue Regeln nicht wirklich. Durch den strikten Fokus auf der tatsächlich gelesenen Seitenzahl fördert Amazon cliffhangerlastige Schema-F-Literatur, mit der sich die Autoren “dank” KDP-Select auch noch exklusiv an Amazon binden müssen.

Natürlich wird es auch Autoren geben, die von den neuen Abrechnungsmodalitäten profitieren und die zukünftig einen noch größeren Anteil des monatlichen Fonds erhalten. Doch viele andere Autoren werden in den nächsten Monaten ernüchtert feststellen müssen, dass KDP Unlimited sich für sie zu einen großen Verlustgeschäft entwickelt, da die Ausleihen ganz klar zu Lasten der regulären Buchverkäufe gehen. Und irgendwann kommt man dann an den Punkt, an dem man abwägen muss, ob man seine Bücher wirklich weiter bei KDP Select angemeldet lassen will, nur um zwischendurch mal eine Gratis-Werbeaktion schalten zu können.

Ich gehe davon aus, dass wir im Laufe des nächsten Jahres nach und nach eine deutliche strukturelle Änderung in der Kindle-Unlimited-Leihbibliothek erleben werden. Weniger Sachbücher und deutlich weniger Kurzgeschichten (da viele Sachbuch- und Kurzgeschichten-Autoren aufgrund der Änderungen ihre eBooks nach und nach aus KDP Select abziehen werden und stattdessen das Potential einer zusätzlichen Veröffentlichung über den starken Konkurrenten Tolino Media nutzen), dafür immer längere Romane, die ihre Handlung immer weiter auswalzen und dabei versuchen, immer noch spannend genug zu bleiben, um die Leser bei der Stange zu halten. Doch wer überlegt, auf diesen Zug aufzuspringen, sollte dabei an das Zitat des guten alten Goethe denken: “Getretener Quark wird breit, nicht stark.” ;-)


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Wie Sie Rezensionsexemplare von eBooks vor unerlaubter Weitergabe schützen

Die Diskussion über die Möglichkeiten, eBooks vor illegalem Kopieren und Weitergabe zu schützen, ist wohl so alt wie das eBook selbst. Natürlich kann man auch gedruckte Bücher illegal (foto-)kopieren, doch beim eBook ist es nicht nur einfacher, sondern die Gefahr ist auch wesentlich größer. Denn während ein Stapel Fotokopien, selbst wenn man ihn in einen Ordner heftet, niemals soviel hermacht wie das ursprüngliche, gebundene Buch, ist beim eBook jede Kopie qualitativ genauso gut wie das Original.

Bei eBooks, die über Online-Buchhändler wie Amazon, Thalia o.ä. vertrieben werden, geht die Diskussion daher in die Richtung, wie weit man eBooks mit DRM (Digital Rights Management) schützen sollte.

Doch dieses ?harte? DRM (also die Bindung eines Buchs an einen bestimmten Käufer oder gar ein bestimmtes Lesegerät) ist für Selfpublisher, die Rezensionsexemplare an ihre Leser verteilen wollen, allein schon aus technischen Gründen gar nicht machbar.

Doch sollte man darum die Rezensionsexemplare seiner eBooks völlig ungeschützt verteilen und einfach darauf vertrauen, dass niemals einer der Empfänger sein Rezensionsexemplar unerlaubt übers Internet verteilt oder gar in einer Tauschbörse oder auf illegalen Downloadseiten hochlädt? Dass man sich darauf nicht verlassen kann, musste zuletzt auch die Bestseller-Autorin Poppy J. Anderson feststellen.

Also lieber gar keine Rezensionsexemplare mehr verteilen oder nur noch Gutscheine, über die der Rezensent sein persönliches, DRM-geschütztes Exemplar bei einem bestimmten eBook-Shop einlösen kann? Beides kann nicht wirklich im Sinne des Erfinders sein.

Der beste Mittelweg ist meiner Meinung nach “weiches DRM”. Wenn von “weichem DRM” die Rede ist, meint man damit üblicherweise eBooks, die mehr oder weniger versteckt (also z. B. mit einem unsichtbaren Wasserzeichen) gekennzeichnet sind und so eindeutig dem ursprünglichen Empfänger zugeordnet werden können. Taucht ein mit “weichem DRM” markiertes Buch auf einer illegalen Downloadseite oder in einer Tauschbörse auf, kann man somit eindeutig nachvollziehen, wer das Buch illegal in Umlauf gebracht hat.

Eine solche “weiche” Kennzeichnung kann man auch als Indie-Autor selbst am heimischen PC vornehmen. Die Frage ist lediglich, für welche eBook-Variante man sich entscheidet.

Bei ePub- oder Mobi-Dateien (also den verbreitetsten eBook-Formaten) kann man eine Personalisierung auf zweierlei Weise vornehmen: Man öffnet das eBook mit einem Editor (wie z. B. Sigil für ePub-Bücher) und trägt entweder auf ener der vorderen Seiten gut sichtbar “Rezensionsexemplar für …” ein, oder man hinterlegt den Namen des Empfängers versteckt in den Meta-Daten des Buchs.

Die erste Methode (offen sichtbar) wird den Empfänger eher davon abhalten, das eBook weiterzugeben, da jeder auf einen Blick sieht, um wessen Rezensionsexemplar es sich handelt. Wenn der Empfänger nichts von der Kennzeichnung in den Meta-Daten ahnt, wird er das Buch dennoch weitergeben, falls er das vorhatte. Man selbst als Autor kann die Metadaten also höchstens im Nachhinein nutzen, um das Leck aufzudecken. Doch dann liegt das Kind bereits im Brunnen.

Beide beschriebenen Methoden (offene Kennzeichnung und Vermerk in den Metadaten) haben zudem denselben gravierenden Nachteil: Genauso einfach, wie man selbst als Autor einen solchen Vermerk anbringen kann, kann der Empfänger diesen Vermerk auch wieder entfernen – denn eine ePub-Datei kann man nicht vor Änderungen schützen. Wenn also jemand vorhat, ein für den persönlichen Gebrauch erhaltenes Rezensionsexemplar auf einer Raubkopierer-Seite hochzuladen, kann man demjenigen auch das Wissen zutrauen, wie man eine ePub-Datei mit Sigil öffnet und offensichtliche Kennzeichnungen herauslöscht.

Dies ist einer der Gründe, warum aus meiner Sicht das PDF-Format wesentlich besser für Rezensionsexemplare geeignet ist. Ein PDF hat nicht nur den Vorteil, dass man beim Erstellen bereits genau festlegen kann, in welchem Seitenlayout und mit welcher Schriftart das PDF beim Empfänger angezeigt wird (eben wie bei einem gedruckten Buch), sondern man kann es im Gegensatz zu ePub- oder Mobi-Dateien auch mit einem Kennwortschutz versehen.

Damit meine ich nicht etwa jenen lästigen Passwortschutz, bei dem der Leser jedes Mal beim Öffnen des PDFs ein Passwort eingeben muss. Schließlich wollen wir unsere Leser nicht ärgern oder gängeln. Ich rede lediglich von dem Kennwortschutz, der das PDF vor unerlaubten Änderungen schützt. Mit einem solchen Kennwort können Sie nicht nur verhindern, dass jemand das PDF verändert, sondern auch, dass über die Zwischenablage Textpassagen herauskopiert werden oder dass jemand das Buch ausdruckt.

Falls Sie sich fragen, warum man das Drucken eines PDF-Rezensionsexemplars deaktivieren sollte: Kaum jemand wird wirklich ein dickes Buch ausdrucken wollen, um es auf Papier zu lesen. Allerdings könnte man über einen PDF-Druckertreiber wie den kostenlosen PDF-Creator das geschützte PDF in ein neues, ungeschütztes PDF drucken und so den Passwortschutz aushebeln.

Der Kennwortschutz verhindert zudem, dass jemand die von Ihnen eingepflegte Kennzeichnung / Personalisierung einfach wieder entfernen kann.

Natürlich gibt es niemals absolute Sicherheit. Es gibt einschlägige Werkzeuge, mit denen man den Kennwortschutz eines PDFs knacken und entfernen kann, doch dürften nur relativ wenige Leser technisch in der Lage sein, einen solchen Schutz auszuhebeln.

Ich zeige Ihnen im Folgenden Schritt für Schritt, wie auch Sie mit einfachen, kostenlosen Werkzeugen kennwortgeschützte, personalisierte Rezensionsexempare Ihrer eBooks erstellen können:

1. Erzeugen der geschützten PDF-Datei

Generieren Sie mit dem kostenlosen PDFCreator (http://de.pdfforge.org/pdfcreator) ein geschütztes PDF (Sicherheitsoptionen: verschlüsselt mit 128 Bit AES, aber kein Häkchen bei “Passwort zum Öffnen der PDF” gesetzt!). Nehmen Sie alle Häkchen bei “Dem Benutzer erlauben…” heraus. Bestätigen Sie die Einstellungen mit OK.

Beim Speichern des PDFs werden Sie aufgefordert, ein Besitzerpasswort einzugeben. Wählen Sie hier ein sicheres Passwort (bestehend aus Großbuchstaben, Kleinbuchstaben, Ziffern und Sonderzeichen), das Sie sich gut merken können. Sie brauchen dieses später jedes Mal, wenn Sie ein Rezensionsexemplar versenden wollen.

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2. Legen Sie ein eigenes Verzeichnis für Ihr Rezensions-Exemplar an

Speichern Sie die PDF-Version des Rezensionsexemplar in ein eigenes Verzeichnis auf Ihrem PC. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, dass Sie Ihr Passwort nicht vergessen, können Sie dieses in einer separaten Textdatei in dasselbe Verzeichnis speichern oder (je nach verwendeten Sonderzeichen) das Passwort direkt als den Namen einer leeren Datei verwenden (also z. B. eine “H2bü!-aV.txt” ins Verzeichnis speichern, so dass Sie Ihr Passwort H2bü!-aV stets im Blick haben.

3. Installation von BeCyPDFMetaEdit

Um das PDF für den jeweiligen Empfänger zu personalisieren, brauchen Sie ein Programm, mit dem Sie die Meta-Daten der PDF-Datei nachträglich ändern können. Die beste Wahl ist hier BeCyPDFMetaEdit (http://www.becyhome.de/becypdfmetaedit/description_ger.htm), da es erstens nicht installiert werden muss und zweitens auch mit geschützten PDFs umgehen kann.

Laden Sie sich die portable Version (http://www.becyhome.de/download/BeCyPDFMetaEdit-2.37.0-de.zip) des Programms herunter und entpacken Sie diese in dasselbe Verzeichnis, in das Sie das PDF gespeichert haben.

4. Erzeugen eines personalisierten Rezensionsexemplars

4. Wenn Sie ein personalisiertes Rezensionsexemplar versenden wollen, starten Sie das Programm und öffnen Sie damit Ihr geschütztes PDF. Da sich beide im selben Verzeichnis befinden, wird direkt das richtige PDF vorgeschlagen.

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Geben Sie das festgelegte Passwort ein, damit das Programm die gewünschten Änderungen am PDF vornehmen kann.

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Geben Sie im Bereich “Metadaten” im Feld “Thema” ein: “Rezensionsexemplar für …” (hier den Namen des Empfängers einsetzen).

Klicken Sie auf “Speichern”, um den Namen des Empfängers fest im PDF zu verankern. Sie können sich nun das PDF nun auf Wunsch mit Ihrem Standard PDF-Viewer anzeigen lassen (optional).

Wenn Sie dort auf “Eigenschaften” gehen, sehen Sie unter Thema den Namen des Rezensenten, für den dieses PDF generiert wurde.

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Da das PDF mit Passwortschutz vor Änderungen geschützt ist, bräuchte der Empfänger das von Ihnen verwendete Passwort, um seinen Namen aus dem PDF entfernen zu können.

5. Versenden der Rezensionsexemplare

Nun können Sie Ihr PDF mit gutem Gewissen an den Empfänger versenden.

Wenn der nächste Rezensent ein persönliches Exemplar Ihres Buchs erhalten soll, überschreiben Sie immer wieder dasselbe PDF und ändern nur jeweils vor dem Mailversand den Namen des Empfängers in den Meta-Daten.

Mit diesem kleinen Kniff können Sie Ihre Rezensionsexemplare unbesorgt verteilen ? und es geht wesentlich schneller, als jedes Mal ein neues, geschütztes PDF pro Empfänger zu generieren.


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Tolino Media: Neues Selfpublishing-Portal als Konkurrenz zu Amazon KDP

Seit dem Deutschland-Start seines KDP-Programms (Kindle Desktop Publishing) vor vier Jahren dominiert Amazon die deutsche Selfpublishing-Landschaft. Amazons breite Palette unterschiedlicher eReader-Modelle vom einfachen Kindle Touch über den Kindle Paperwhite und die Kindle-Fire-Tablets bis zum neuen Kindle Voyage haben in der Summe den größten Marktanteil in Deutschland, was logischerweise dazu führt, dass Amazon auch in Sachen eBook-Verkäufe die Nase vorne hat.

Doch bereits seit 2013 arbeitet die deutsche Tolino-Allianz daran, zur starken Konkurrenz für Amazon zu werden. Ihre eReader wie der Tolino Shine, der Tolino Vision und die Tolino-Tablets erreichen in Testberichten ähnlich gute Noten wie Amazons vergleichbare Kindle-Geräte und bauen gerade durch die Vertriebsanbindung der Geräte an den stationären Buchhandel ihren Marktanteil in Deutschland stetig aus, so dass sich mittlerweile 90% des deutschen eBook-Markts zu ungefähr gleichen Teilen zwischen Amazon und der Tolino-Allianz aufteilen (Link zum Artikel).

Doch während Amazon es über sein KDP-Programm selbstverlegenden Autoren leicht macht, ihre Bücher über Amazon für den Kindle zu veröffentlichen, konnten Autoren die Buchshops der Tolino-Allianz bisher nur über zwischengeschaltete Distributoren wie Neobooks oder Bookrix beliefern. Doch das soll sich nun ändern.

Wie Matthias Matting in einem Artikel in der Selfpublisher-Bibel berichtet, startet die Tolino-Allianz Ende April ihr eigenes Selfpublishing-Portal: Tolino Media.

Bereits jetzt ist es für interessierte Autoren möglich, sich unter http://www.tolino-media.de in die Autorendatenbank eintragen zu lassen und so direkt vom Start an dabei zu sein. Und was bisher schon über das neue Portal durchgesickert ist, wirkt äußerst interessant…

Ebenso wie bei Amazons KDP-Programm soll auch bei Tolino Media die Veröffentlichung für Autoren kostenlos sein. Auch die benötigte ISBN wird kostenlos gestellt und Tolino Media kümmert sich sogar für die Autoren um die Lieferung der Pflichtexemplare an die Deutsche Nationalbibliothek. So weit, so vorbildlich.

Es gibt keinerlei Verpflichtungen zur Exklusivität, so dass sich eine Veröffentlichung über Tolino Media problemlos mit einer parallelen Veröffentlichung über Amazon KDP kombinieren lässt. Damit wird Tolino Media zunächst einmal all jene Autoren anlocken, die sich nicht über KDP Select exklusiv an Amazon gebunden haben. Und selbst bisherige KDP-Select-Autoren werden es sich zweimal überlegen, ob sie weiterhin in KDP Select bleiben und sich so den stetig wachsenden Tolino-Markt entgehen lassen. Und je mehr Autoren KDP Select verlassen, desto schwerer dürfte auch der Stand von Amazons Lese-Flatrate “Kindle Unlimited” werden, in der ja größtenteils Bücher von KDP-Select-Autoren enthalten sind.

Auch in Sachen Transparenz zieht Tolino Media mit Amazon gleich: Autoren müssen sich nicht langfristig binden, sondern die Verträge sind jederzeit kündbar, zudem soll es für die Autoren tagesaktuelle Verkaufszahlen geben – ein klarer Vorteil gegenüber der Veröffentlichung über Distributoren. Denn so ist es für Autoren möglich, den Erfolg von Marketing-Aktionen tagesgenau an ihren Verkaufszahlen abzulesen.

Auch bei den Tantiemen zieht Tolino Media mit Amazon gleich und bietet Autoren stolze 70% des Netto-Verkaufspreises (also abzüglich Mehrwertsteuer) als Tantiemen – allerdings, und das ist der kleine Haken, zunächst einmal nur während der Einführungsphase bis Ende Januar 2016.

Die Logik hinter diesem Angebot ist klar: Hier geht es darum, sich zunächst einmal als bessere Alternative zu zwischengeschalteten Distributoren wie Neobooks, Bookrix, Xinxii etc. zu positionieren. Während diese in der Regel 70% dessen ausbezahlen, was sie von den Händlern erhalten (also 70% von 70%, was unterm Strich lediglich 49% des Netto-VK entspricht), können Autoren bei einer Direktveröffentlichung über Tolino Media zumindest anfangs wie bei Amazon volle 70% Tantiemen erhalten.

Natürlich bleibt zunächst noch die Frage offen, wie es ab Februar 2016 aussehen wird. Ich würde vermuten, dass Tolino Media nach Ablauf der Einführungsphase zwar von den 70% abrücken wird, aber immer noch deutlich über den 49% bleiben wird, die Autoren über die meisten Distributoren erhalten. Ich halte 60% (ähnlich wie die Tantiemen des italienischen Distributors Narcissus) für eine realistische Prognose.

Bis zum Start von Tolino Media Ende April dürfte es bei den Distributoren noch die eine oder andere Strategiesitzung geben, – denn ihre Situation dürfte sich durch den Start von Tolino Media deutlich verschlechtern. Da Amazon und die Tolino Allianz gemeinsam rund 90% des deutschen eBook-Markts abdecken, werden viele Autoren die restlichen 10% des Markts ignorieren und stattdessen lieber höhere Tantiemen für die 90% des eBook-Markts kassieren, die sie selbst über Amazon KDP und Tolino Media beliefern können.

Um weiterhin interessant zu bleiben, müssen sich die Distributoren also überlegen, wie sie sich zukünftig positionieren wollen. Sie könnten ihren Anteil (und damit ihren Gewinn) reduzieren, um Autoren höhere Tantiemen auszahlen zu können – doch damit dürften sie frühestens ab Februar 2016 punkten können… und auch das nur, falls Tolino Media die Tantiemen für Selfpublisher nach der Einführungsphase deutlich senkt.

Die andere Alternative für die Distributoren besteht darin, noch mehr als bisher zum Dienstleister für die Autoren zu werden und sie entweder kostenlos oder zu äußerst günstigen Preisen beim Veröffentlichungsprozess und der effektiven Vermarktung ihrer Bücher zu unterstützen.

Es ist eine erfreuliche Tatsache, dass mit dem Start Tolino Media die Position der selbstveröffentlichenden Autoren noch einmal deutlich gestärkt wird. Mussten Autoren in der “alten Verlags-Welt” noch um die Gunst der Verlage buhlen, liegen heute die Anbieter im Wettstreit um die Gunst der Autoren. Wer bietet die höchsten Tantiemen, den besten Service und den größten Marktanteil? Konkurrenz belebt das Geschäft – und stärkt die Position der selbstverlegenden Autoren.


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Neue Umsatzsteuer-Regelung bei Amazon: Was Sie als Autor jetzt tun müssen

Wie bereits in diesem Blog erwähnt gilt ab dem 01.01.2015 eine neue Steuerregelung für digitale Güter – also auch für eBooks. Während es bisher so war, dass stets der Steuersatz des Landes angewendet wurde, in dem der Verkäufer seinen Sitz hatte, gilt ab Januar immer der Mehrwertsteuersatz des Landes, in dem der Käufer sitzt.

Für Firmen wie Amazon und auch Apple entfällt damit der bisherige Steuervorteil des reduzierten luxemburgischen Mehrwertsteuersatzes von nur 3%, der nicht nur den Firmen höhere Gewinne, sondern auch den Selfpublishern höhere Einahmen eingebracht hatte.

Selfpublisher, die ihre Bücher selbst über Amazon KDP anbieten, müssen daher zum 01.01.2015 aktiv werden. Wer hingegen seine Bücher über einen Distributor wie Neobooks oder Bookrix bei Amazon einstellt, braucht sich darum nicht zu kümmern – das erledigt dann bereits Ihr Distributor für Sie.

Was bedeutet die Erhöhung der Mehrwertsteuer für Autoren?

Kurz und knapp: Wenn Sie nicht die Preise Ihrer Bücher erhöhen (und damit die höhere Mehrwertsteuer auf Ihre Leser abwälzen) wollen, müssen Sie zukünftig unterm Strich mit niedrigeren Tantiemen rechnen.

Für den Käufer zählt lediglich der Brutto-Preis, den er auf der Amazon-Seite angezeigt bekommt und den er für Ihr Buch bezahlt. War es bisher so, dass Sie bei einem eBook, das für 2,99 € verkauft wird, knappe 68% des Brutto-Verkaufspreises als Tantiemen erhielten, sind es nun bei einem Verkauf an einen deutschen Leser nur noch knapp 59%.

Ihre Einnahmen reduzieren sich hierdurch bei gleichbleibenden Verkaufspreisen allerdings nicht um 9% (die Differenz zwischen 68% und 59%), sondern um runde 13,5%: Statt 2,03 € erhalten Sie nur noch 1,76 € (jeweils abzüglich der “elektronischen Versandkosten”, die von der Dateigröße Ihres eBooks abhängen).

Viele Steuersätze = viele unterschiedliche Preise?

Jetzt ist es aber nun mal so, dass die meisten Länder unterschiedliche Mehrwertsteuersätze haben: in Deutschland gelten 19%, in England 20%, in Spanien 21% und in Italien sogar stolze 22%. Lediglich Frankreich fällt hier (noch) mit einem reduzierten Steuersatz von nur 5,5% für eBooks aus dem Rahmen – doch auch dieser wackelt schon.

Da es bisher bei Amazon KDP so war, dass man für sein Buch einen um die 3% luxemburgische Mehrwertsteuer reduzierten Netto-VK angeben musste, ergeben sich daraus, wenn Sie nicht aktiv werden, ab dem 01.01.2015 für Käufer aus unterschiedlichen europäischen Ländern unterschiediche (und zudem ziemlich krumme) Preise.

Ein Buch mit einem bisherigen Netto-VK von 2,90 € (+3% luxemburgische MwSt = 2,99 €) kostet für einen deutschen Leser zukünftig 3,45 €, für einen englischen Leser 3,48%, für einen spanischen Leser 3,51% et cetera.

Damit man als Autor, um auf die üblichen Verkaufspreise wie 2,99 € oder 3,99 € zu kommen, nicht für jedes EU-Land per Dreisatz den passenden Netto-VK errechnen muss, stellt Amazon die Abwicklung erfreulicherweise auf Brutto-Verkaufspreise um. Als Autor können Sie also zukünftig vorgeben, dass Ihr Buch z. B. in jedem EU-Land 3,99 € kosten soll – den jeweiligen Netto-VK rechnet Amazon für Sie aus.

Die Tantiemen-Falle

Ich war im Vorfeld sehr gespannt, wie Amazon die Umstellung der Mehrwertsteuer in Hinsicht auf die beiden unterschiedlichen Tantiemen-Bereiche lösen würde. Bisher bekam man nur für Bücher mit einem Netto-VK von mindestens 2,60 € (also brutto 2,68 €) die vollen 70% Tantiemen. Mit 19% deutscher Mehrwertsteuer hätte ein solches Buch zukünftig 3,09 € gekostet. Um auf brutto 2,99 € zu kommen, hätte man den Netto-VK also in den 35%-Bereich absenken müssen – und das hätten wohl die wenigsten Autoren in der Praxis tatsächlich gemacht.

Um das auch für Amazon sehr lukrative 2,99€-Preissegment nicht kaputt zu machen, hat man daher bei Amazon festgelegt, dass es zukünftig für Bücher mit einem Brutto-VK zwischen 2,99 € und 9,99 € die vollen 70% Tantiemen gibt – für alles, was darüber oder darunter liegt, lediglich 35%.

Vorsicht: Buchpreisbindung!

Wenn Sie Ihre Bücher nicht nur über Amazon, sondern parallel auch noch über andere Distributoren oder über Ihre eigene Autorenhomepage verkaufen, müssen Sie zum 01.01.2015 in jedem Fall aktiv werden und die von Amazon automatisch durch die höhere Mehrwertsteuer hochgerechneten Verkaufspreise auf denselben Preis anpassen, zu dem Ihr Buch auch über die anderen Vertriebskanäle angeboten wird – denn ansonsten würden Sie gegen die Buchpreisbindung verstoßen.

Krumme Preise? Nein danke!

Doch selbst wenn Sie die eBook-Version Ihres Buchs exklusiv über Amazon vertreiben, würde ich Ihnen unbedingt empfehlen, den Brutto-Verkaufspreis Ihres Buchs zum 01.01 auf einen “glatten” Betrag wie 2,99 € oder 3,99 € anzupassen.

Schon heute ist es so, dass manche Autoren ihre Bücher mit krummen Preisen anbieten. So werden die Cydonia-Romane von Janco Weiland aktuell für 1,02 € angeboten – anscheinend hat der Autor den geplanten VK von 99 Cent nicht um die Mehrwertsteuer reduziert, sondern als Netto-VK angegeben.

Solche krummen Preise dürften nach der Umstellung zum 01.01.2015 bei Amazon vorläufig an der Tagesordnung sein, bis die jeweiligen Autoren aktiv werden und ihre Preise wieder “glatt ziehen” – egal ob sie sie nun nach oben oder nach unten anpassen.

Krumme Preise wirken allerdings nicht nur unprofessionell, sondern sind auch in anderer Hinsicht psychologisch unklug: Auch wenn der reale Preisunterschied nur bei 3 Cent liegt, wirkt ein Preis von 3,02 € dennoch deutlich teurer als einer von 2,99 €.

Das Preis-Dilemma

Die Entscheidung, wie man mit seinen Verkaufspreisen auf die höhere Mehrwertsteuer reagiert, muss jeder Selfpublisher für sich selbst treffen. Behält man den alten Brutto-VK bei und nimmt einen Rückgang der Tantiemen um die bereits erwähnten 13,% in Kauf? Oder erhöht man den Preis der Bücher um 50 Cent oder gar einen Euro, um unterm Strich pro verkauftem Buch weiterhin mindestens ebensoviel wie bisher zu verdienen?

Leider gibt es hierzu keine allgemeingültige Empfehlung. Wenn sich Ihr Buch bisher sehr gut verkauft, können Sie versuchsweise den Preis anheben und 1-2 Monate lang testen, welchen Einfluss diese Preiserhöhung auf die Anzahl der verkauften Exemplare und damit auf Ihre Tantiemen hat. Selbst wenn Sie ein paar Bücher weniger verkaufen, kann es dennoch sein, dass Sie in der Summe unterm Strich dennoch mehr einnehmen. Und falls durch die Anhebung des Preises die Verkäufe doch zu sehr bröckeln, können Sie später immer noch in den sauren Apfel beißen und den Preis wieder auf den alten Stand reduzieren.

In manchen Fällen kann eine Preiserhöhung sogar zu mehr Verkäufen führen. Leider denken viele Leser immer noch, dass günstig bei eBooks gleich “billig”, also schlechte Qualität, sei. Ein höherer Preis kann hier paradoxerweise dazu führen, dass das Buch trotz gleichbleibender Inhalte als hochwertiger empfunden – und dadurch öfter gekauft wird.

Gerade Preise wie 1,99 € für komplette Romane gelten als Kassengift – ganz abgesehen davon, dass man mit einem solchen Preis bei Amazon nur 35% statt der deutlich lukrativeren 70% Tantiemen erhält. Eine Preiserhöhung auf 2,99 € kann also hier in manchen Fällen sogar die Verkäufe ankurbeln.

Und auch zwischen 2,99 € und 3,99 € ist der Unterschied erstaunlicherweise nicht so hoch, wie viele Autoren befürchten. Dadurch, dass sehr viele Autoren ihr Buch bei 2,99 € ansetzen, um gerade noch im 70%-Tantiemenbereich zu landen, stechen Bücher mit einem VK von 3,99 € aus der Masse heraus. Sie wirken oft professioneller, nach einem Autor, der vom Wert seines eigenen Buchs genügend überzeugt ist, um mehr als der Durchschnitt zu verlangen.

Und wenn der Leser sich für das Buch wirklich interessiert, fällt ein Euro mehr auch nicht wirklich ins Gewicht. Würden sich sonst eBooks wie “Passagier 23” von Sebastian Fitzek so gut verkaufen? Fitzeks neuer Bestseller kostet als eBook-Version stolze 14,99 € – und schaffte es damit in die Top-10 der meistverkauften eBooks auf Amazon.de.

Bücher wie Fitzeks Thriller sind für mich der lebende Beweis dafür, dass Leser durchaus bereit sind, gutes Geld für gute Bücher auszugeben. Und das ist doch etwas, über das man sich als Schriftsteller freuen sollte.


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Signieren Sie Ihre eBooks mit Authorgraph!

Was den Sammlerwert angeht, haben klassische Printbücher einen ganz klaren Vorteil gegenüber eBooks. Schließlich kann man sich “echte” Bücher ja vom Autor mit einem Autogramm und einer Widmung versehen lassen, was bei einem eBook natürlich nicht geht. Oder etwa doch?

Mittlerweile doch – dafür sorgt Authorgraph.com. Authorgraph ermöglicht es Autoren, sich dort mit ihren über Amazon erhältlichen Büchern zu registrieren und Lesern bzw. Fans elektronische Autogramme anzubieten. Leser können registrierte Autoren über Authorgraph anschreiben, etwas über sich und ihre Erfahrungen mit den Büchern des Autors schreiben und ein Autogramm (ggf. mit persönlicher Widmung) anfordern.

Diese elektronischen Autogramme können vom Autor handschriftlich hinterlegt werden – entweder am PC mit der Maus (was meist etwas ungelenk aussieht) oder am Tablet oder Smartphone mit dem Finger. Wer gar nicht handschriftlich unterschreiben möchte, kann auch ein computergeneriertes Autogramm in einer schönen Schriftart hinterlegen, aber dabei geht, wie ich finde, der Sinn und Zweck eines “Autogramms” doch weitgehend verloren.

Das elektronische Autogramm wird dann als eBook-Datei auf den eReader des Lesers übertragen, wo es wie ein normales Buch angezeigt werden kann. Das Autogramm enthält also nicht etwa das Buch selbst, sondern lediglich das gewünschte Autogramm und gegebenenfalls noch eine persönliche Widmung – sowie einen Amazon-Link zum Buch, über das der Leser das Buch ggf. bestellen kann, falls er es noch nicht besitzt.

Das Autogramm ist vollkommen unabhängig davon, ob der Leser Ihr Buch bereits besitzt, da es sich um eine eigenständige Datei handelt. Allerdings kann man davon ausgehen, dass ein solches elektronisches Autogramm überwiegend für diejenigen interessant sein dürfte, die entweder bereits zu Ihren Lesern zählen oder zumindest überlegen, sich das jeweilige Buch zuzulegen.

Authorgraph ist sowohl für Leser als auch für Autoren kostenlos. Der Dienst finanziert sich ausschließlich dadurch, dass Authorgraph von Amazon Affiliate-Provisionen kassiert, wenn der Leser das Buch über den im elektronischen Autogramm enthaltenen Amazon-Link anklickt und kauft.

Ich sehe Authorgraph als einen zusätzlichen, innovativen Weg der Kommunikation mit den Lesern und als eine schöne Möglichkeit, diesen einen Mehrwert über das eigentliche Buch hinaus zu bieten.

Unabhängig davon, wie viele Leser diese Möglichkeit tatsächlich in Anspruch nehmen werden, sollte man sich als Autor meiner Meinung nach in jedem Fall bei Authorgraph registrieren. Ob Sie diese Möglichkeit dann aktiv über Ihre Autorenhomepage, Facebook oder Twitter bewerben oder einfach nur auf Leser hoffen, die mehr oder weniger zufällig bei Authorgraph über Ihre Bücher stolpern – jedes auf diesem Wege verkaufte Buch ist ein Buch, das Sie sonst vielleicht nicht verkauft hätten. Und allein das macht Authorgraph schon zu einer sinnvollen Ergänzung für Ihr Buchmarketing.


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ePub-Editor Sigil 0.6.0 erschienen

Seit der ersten Ankündigung einer neuen Version des kostenlosen ePub-Editors Sigil im März dieses Jahres ist es ruhig um Sigil geworden.

Doch vor wenigen Tagen haben die Entwickler den Schleier gelüftet und die lang erwartete Version 0.6.0 von Sigil der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Versionsnummer 0.6.0 wirkt auf den ersten Blick nach einer frühen Beta-Version einer unerprobten Software – doch ist das genaue Gegenteil der Fall: Sigil ist eines der ausgereiftesten und besten Programme am Markt, um eigene eBooks im ePub-Format zu erstellen – wenn nicht gar das beste Programm seiner Art.

Die neue Version, in der tausende Stunden intensiver Arbeit der Entwickler stecken, bietet zwar immer noch keinen ePub3-Support, aber dafür Dutzende größerer und kleinerer Verbesserungen an allen Ecken und Enden.

So können beispielsweise Inhaltsverzeichnisse nun nicht mehr nur automatisch generiert, sondern auch manuell editiert werden. Ebenso können Hyperlinks nun einfach per Button eingefügt werden, was bisher nur im HTML-Quellcode möglich war. Eine Liste der wichtigsten Änderungen und Neuerungen finden Sie im Blog der Entwickler unter http://sigildev.blogspot.de.

Ich verwende Sigil bereits seit längerer Zeit, um die ePub-Versionen meiner Bücher zu erstellen, und weiß daher die neuen Features von Version 0.6.0 zu schätzen. Sigil punktet durch komfortable Bedienung, eine komplett deutsche Benutzeroberfläche, lupenreine ePub-Ausgabe und eine anfängerfreundliche Bedienbarkeit mit einer flachen Lernkurve.

Auch für Autoren, die ihre eBooks über das KDP-Programm von Amazon für den Kindle veröffentlichen wollen, ist Sigil äußerst empfehlenswert: Gerade das neue KF8-Format mit seinen erweiterten Möglichkeiten für Kindle Touch, Kindle Fire und Kindle Paperwhite ist sehr eng mit dem ePub-Format verwandt, so dass eine saubere ePub-Datei eine optimale Basis für eine Umwandlung ins Kindle-Format darstellt. Ganz abgesehen davon, dass man die ePub-Version auch noch benötigt, wenn man sein eBook parallel auch noch über andere eBook-Shops vertreiben möchte.

Die besten Ergebnisse habe ich persönlich damit erzielt, zunächst die ePub-Version in Sigil fertigzustellen, diese dann in Calibre zu importieren und dort (mit Generierung eines neuen Inhaltsverzeichnisses) ins Kindle-kompatible Mobi-Format zu konvertieren. Diese kann man dann unbesorgt bei Amazon hochladen – die Ergebnisse sind besser als alles, was man mit Amazons eigenem Kindlegen-Tool hinbekommt. Gerade auf älteren Geräten wie dem Kindle 3 (a.k.a. Kindle Keyboard) sehen die mit Sigil und Calibre erzeugten eBooks wesentlich besser formatiert aus als jene, die per Kindlegen erzeugt wurden.

Sie finden die neue Version 0.6.0 von Sigil unter http://code.google.com/p/sigil/ zum kostenfreien Download. Die aktuelle Version 0.9.5 von Calibre für die Weiterverarbeitung ins Kindle-Format (falls benötigt) finden Sie unter http://calibre-ebook.com/download.

Ein Tipp noch zur Installation und Einrichtung von Sigil: Nachdem Sie über die Optionen die Benutzersprache auf Deutsch umgestellt haben, sollten Sie unbedingt auch noch unter “Quelltext säubern” die Option “HTML Tidy” auswählen. Damit vermeiden Sie bereits im Vorfeld 99% der Fehler, auf die man sonst bei der Erstellung komplexerer eBooks stoßen wird.