Cold Turkey Writer – Patentrezept für ablenkungsfreies Schreiben

Wer mein Blog bzw. den WritersWorkshop Autorennewsletter schon etwas länger liest, kennt vermutlich meine Vorliebe für Schreibprogramme, die sich aufs ablenkungsfreie Schreiben spezialisiert haben.

Da wären zunächst mal die wegen ihrer schlichten, schnörkellosen und rein auf den Text fokussierten Optik als „Zenware“ bezeichneten Schreibprogramme wie WriteMonkey, FocusWriter oder Q10, bei denen man während des Schreibens nur den reinen Text sieht – keine Menüs, Icons oder Formatierungsoptionen. Auch Scrivener hat einen solchen Vollbildmodus, bei dem wahlweise alle anderen Hintergrundfenster gedimmt oder komplett ausgeblendet werden.

Diese Programme sind natürlich praktisch und nützlich, doch sie zwingen einen nicht, sich wirklich ausschließlich mit dem Schreiben zu beschäftigen. Trotz der ablenkungsfreien Oberfläche sind der Browser oder das Mailprogramm stets nur einen Mausklick oder eine Tastenkombination entfernt.

Doch jetzt gibt es es ein neues Schreibtool, das sich dieser Problematik annimmt und dafür sorgt, dass man wirklich am Ball bleibt und sich nicht durch eingehende Emails oder andere Verlockungen des Internets ablenken lässt: „Cold Turkey Writer“ (das früher erst „Forcedraft“ und dann „Writer’s Block“ hieß) ist ein simples kleines Windows-Programm, das den PC während des Schreibens in eine reine Schreibmaschine verwandelt – und zwar mit allen damit verbundenen Konsequenzen.

„Cold Turkey Writer“ ist ein wirklich kleines (weniger als 1 MB), portables Programm, das Sie nicht einmal auf Ihrem Rechner installieren müssen. Es läuft sowohl vom USB-Stick als auch direkt aus Ihrem Dropbox-Verzeichnis: einfach herunterladen, in einem separaten Ordner speichern und dann das Programm starten.

Sobald Sie das Programm starten, können Sie bis zum Beenden des Programms nur noch (!) mit „Cold Turkey Writer“ arbeiten. Das Programm wird im Vollbildmodus angezeigt, die Taskleiste und das Startmenü werden ausgeblendet und alle einschlägigen Tastenkombinationen, mit denen Sie üblicherweise zum Desktop gelangen, auf andere Programme umschalten oder das laufende Programm beenden, werden deaktiviert.

Solange Sie sich nur im Hauptmenü befinden und noch keine Herausforderung aktiviert haben, können Sie das Programm noch per „Quit“ beenden und zur normalen Windowsoberfläche zurückkehren.

Doch das wollen Sie in der Praxis natürlich nicht. Sie wollen ja zum Schreiben kommen – deswegen haben Sie „Cold Turkey Writer“ ja gestartet.

Die Optionen sind einfach: Über die beiden Haupt-Reiter wählen Sie, ob Sie mit einem neuen Dokument beginnen oder an einem bestehenden Manuskript weiter arbeiten wollen.

Jetzt haben Sie noch die Wahl, ob Sie eine bestimmte Anzahl Wörter schreiben oder eine bestimmte Anzahl Minuten lang fokussiert schreiben wollen. Was immer Sie wählen: die Entscheidung ist endgültig. Sobald Sie auf „Start“ drücken, haben Sie erst dann die Möglichkeit, Ihr Manuskript zu speichern und das Programm zu beenden, wenn Sie Ihr selbst gewähltes Ziel erreicht haben.

Als dritte Option gibt es noch „Don’t block me“. Hierbei werden zwar ebenfalls alle anderen Programme und Funktionen blockiert, aber Sie können jederzeit Ihr Manuskript speichern und das Programm beenden. Aber auf solche halbherzigen Versuche lassen Sie sich natürlich nicht ein, oder? ;-)

Screenshot Writer's BlockSobald Sie also auf „Start“ klicken, sehen Sie nur noch eine Schreibmaschinenseite, die den größten Teil des Bildschirms einnimmt, darüber den „Cold Turkey Writer“ Schriftzug mit einem dezenten Fortschrittsbalken, der sich langsam füllt, während Sie schreiben.

Je nachdem, ob Sie ein zeitliches Ziel oder eine bestimmte Anzahl von Wörtern gewählt haben, symbolisiert dieser Balken entweder, wie viele Wörter Ihnen noch zur Erreichung Ihres Ziels fehlen oder aber, wie lange Sie noch schreiben müssen.

Sobald Sie Ihr Ziel erreicht haben, verschwindet der Fortschrittsbalken und wird durch die beiden Optionen „Snooze (10 min)“ und „Save and Quit“ ersetzt.

Mit „Snooze“ lassen Sie sich auf weitere 10 Minuten konzentriertes Schreiben ein. Mit „Save and Quit“ speichern Sie Ihr Manuskript und beenden das Programm.

Natürlich müssen Sie die „Snooze“-Funktion nicht benutzen, wenn Sie vor dem Speichern einfach noch etwas weiter schreiben wollen. Sie können auch „einfach so“ weiter machen und erst dann auf „Save and Quit“ gehen, wenn Sie so weit sind.

Fazit: Cold Turkey Writer ist ein wahrlich minimalistisches Schreibtool. Sie können absolut nichts an der Optik verstellen: Weder die Farben noch die Schriftart oder die Schriftgröße.

Doch was es tut, macht es wirklich klasse: Es zwingt Sie dazu, die Sache zu Ende zu bringen. Wenn Sie mindestens 500 Wörter schreiben wollten, können Sie wirklich erst dann aufhören, wenn Sie Ihre 500 Wörter voll haben. Wenn Sie mindestens 30 Minuten lang schreiben wollten, bleibt Ihr PC bis zum Ablauf dieser 30 Minuten für alle anderen Aufgaben gesperrt.

Kein schnelles Umschalten auf den Browser, um „nur mal schnell“ etwas nachzuschauen oder zu recherchieren. Wenn Ihnen beim Schreiben Informationen fehlen, müssen Sie eben einen Platzhalter wie [Name des Bischofs von Köln in 1927] einsetzen und diese Lücken später bei der Überarbeitung füllen.

Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die ich noch bei „Writer’s Block“ vermisse. In erster Linie wäre das die Anzeige des aktuellen Wordcounts für das komplette Manuskript und die aktuelle Session – eventuell bei den Optionen (nur Pro-Version), die man mit einem kleinen Pfeil in der linken unteren Bildschirmecke aufklappen kann. Aber vielleicht kommt das ja noch bei einer der nächsten Versionen.

Sie finden „Writer’s Block“ zum kostenlosen Download unter https://getcoldturkey.com/writer/.

Dort haben Sie auch die Möglichkeit, für 10 Dollar die kostenpflichtige Pro-Version zu bestellen. Der Haupt-Unterschied zur kostenlosen Version besteht darin, dass Sie bei der Pro-Version in den Optionen z.B. das Markieren von Text, die Cursortasten und die Delete-/Backspace-Tasten deaktivieren können, um so wirklich wie an einer klassischen Schreibmaschine ohne Korrekturband zu schreiben.

Zusätzlich können Sie in der Pro-Version Hintergrundgeräusche (Regen / Coffivity) aktivieren, um auch in lauteren Umgebungen ablenkungsfrei schreiben zu können.

Die Pro-Version ist meines Erachtens zwar zum Schreiben nicht erforderlich, bietet aber eine nette Möglichkeit, den Entwickler von „Cold Turkey Writer“ für seine gute Arbeit zu honorieren.


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Weniger ist mehr: Wie ein Wochenfokus Ihre Produktivität beim Schreiben steigert

Ein großes Paradoxon der Produktivität beim Schreiben ist, dass man umso weniger geschafft bekommt, je mehr man sich vornimmt. „Mehr“ ist in diesem Fall nicht vom Pensum her zu sehen, sondern von der Anzahl unterschiedlicher Dinge.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich neige immer dazu, mir viel zu viel vorzunehmen. Es gibt so viele Projekte, die man gerne umsetzen möchte. Das reicht von kleine Dingen wie einem Blogpost oder einem Artikel für den WritersWorkshop Autorennewsletter über mittelgroße wie eine Kurzgeschichte bis hin zu richtig großen Projekten wie einem Sachbuch oder einem Roman. So viele verlockende Ideen, dass man sich gar nicht entscheiden kann (und auch nicht entscheiden möchte), was davon man tatsächlich in Angriff nehmen und was man doch besser auf später verschieben sollte.

Und dann sind da natürlich noch die Dinge, die einfach gemacht werden müssen, obwohl sie einem wesentlich weniger Spaß als das eigentliche Schreiben machen. Änderungen an der Homepage oder dem Blog, Buchcover entwerfen und natürlich diverse Marketing-Aktivitäten. Schließlich ist Schreiben zwar schön, aber ohne Marketing verkaufen sich auch die besten Bücher nicht.

Also nimmt man sich von den lästigen Aufgaben nicht zu viele vor und verteilt den Rest der zur Verfügung stehenden Schreibzeit auf zwei bis drei Projekte, die momentan besonders hoch in der eigenen Gunst stehen. Vielleicht ein neuer Blogpost, ein paar Seiten für das neue Sachbuch und ein wenig für die nächste Kurzgeschichte planen. Ein so zusammengestellter Wochenplan hat ein bisschen was von einem Abendessen am Büffet: von allem etwas, damit man nicht das Gefühl hat, auf etwas verzichten zu müssen.

Doch genau wie beim Büffet nicht alles zusammen passt und manche verwegene Kombination am nächsten Morgen für Magendrücken sorgt, kann einem auch ein solcher Wochenplan schwer wie ein Backstein im Magen liegen.

Je mehr unterschiedliche Dinge man sich für die Woche vorgenommen hat, desto mehr bremst man sich selbst aus. Wenn man sich morgens ans Schreiben setzt, steht man vor der leidigen Entscheidung, womit man denn nun anfangen soll. Erst mal der Blogpost? Aber eigentlich hätte ich viel mehr Lust, an der Kurzgeschichte zu arbeiten. Nach ein paar halbherzigen Versuchen, einen guten Blogpost aus dem Boden zu stampfen, gibt man der Versuchung nach und widmet sich der Kurzgeschichte. Doch irgendwie wollen einem die Ideen nicht richtig kommen. Vielleicht liegt es an der rasch näher rückenden Deadline für das Sachbuch? Also wird die Kurzgeschichte beiseite gelegt und man macht sich ans Sachbuch, während im Hintergrund der Blogpost und die Kurzgeschichte ungeduldig mit den Füßen scharren und auf ihre Chance warten. Ganz zu schweigen von den lästigen Marketing-Aufgaben, vor denen man sich bisher auch gedrückt hat.

Und ehe man sich versieht, ist die Zeit, die man sich mühsam zum Schreiben freigeschaufelt hatte, fast um und man muss ernüchtert, frustriert und schlecht gelaunt erkennen, dass man nichts Greifbares als Gegenwert für die verlorene Zeit vorzuweisen hat – nur geistiges Chaos. Die Erkenntnis, dass die Zeit verstrichen ist und man keinen Schritt weiter als vorher ist, frustriert einen und sorgt für Stress und Kopfschmerzen. Die Laune sinkt in den Keller – und, glauben Sie mir: das ist nicht die beste Ausgangssituation für den nächsten Tag.

Rezeptfreies Gegenmittel: der Wochenfokus

Ganz anders sieht die Sache aus, wenn Sie sich für jede Woche einen Schwerpunkt vornehmen: einen Wochenfokus. Eine Sache, um die Sie sich in dieser Woche mit Vorrang kümmern. Ein Ziel, auf das Sie sich konzentrieren und bei dem Sie in dieser Woche so weit wie möglich voran kommen wollen.

Diese Konzentration auf ein einziges Ziel wirkt auf den ersten Blick wie ein schmerzlicher Verzicht auf all die anderen Dinge, die man gerne machen würde, doch manchmal ist weniger tatsächlich mehr – und dies ist einer dieser Fälle.

Um sich für den richtigen Wochenfokus zu entscheiden, überlegen Sie, welches Ihrer möglichen Projekte zuerst fällig ist. Wenn Sie beispielsweise bis Samstag Ihren nächsten Blogpost online haben müssen, die Deadline für Ihr Buch hingegen noch ein paar Monate entfernt ist, ist der perfekte Wochenfokus Ihr Blog.

Sie könnten jetzt natürlich den Fokus auf Ihr Blog legen, bis Sie Ihren nächsten Blogpost geschrieben, überarbeitet und vorterminiert haben, und anschließend den Rest der Woche an Ihrem Roman oder Sachbuch arbeiten. Doch dann haben Sie in der nächsten Woche wieder dasselbe Problem.

Solange Sie also in dieser Woche nicht zwingend noch etwas anderes erledigen müssen, sollten Sie lieber die gesamte Woche dafür einplanen, sich einen Puffer von Blogposts für die nächsten Wochen aufzubauen. Nutzen Sie diese Woche, um möglichst viele Ideen für weitere Blogposts zu sammeln und zumindest eine Handvoll Blogposts fertigzustellen und vorzuterminieren. Das verschafft Ihnen ein paar Wochen Luft, in denen Sie sich um Ihre anderen Projekte kümmern können, ohne einen Gedanken an Ihr Blog verschwenden zu müssen.

Wochenplanung mit dem Wochenfokus

Wenn Sie Ihre nächste Woche planen, sollten Sie nicht nur Ihren Wochenfokus festlegen, sondern auch dieses Projekt wie ein Uhrwerk in seine „beweglichen Teile“ zerlegen. Was könnten Sie in der nächsten Woche alles machen, um dieses Projekt voran zu treiben oder es womöglich sogar schon zum Abschluss zu bringen? Schreiben Sie alles auf, was Ihnen in diesem Zusammenhang in den Sinn kommt.

Im nächsten Schritt markieren Sie die Punkte, die Sie jetzt bereits in Angriff nehmen können und die, wenn Sie diese abhaken können, Ihr Projekt am meisten voran bringen. Im obigen Beispiel mit dem Blog wäre das natürlich alles, was mit Ihrem Blogpost für diese Woche zu tun hat. Egal wie viele tolle Ideen für weitere Blogposts Sie sammeln – das alles ist nichts wert, wenn Sie nicht bis Samstag einen kompletten Blogpost geschrieben und veröffentlicht haben.

Gerade bei großen und komplexen Projekten wie einem ganzen Roman oder Sachbuch haben Sie durch die unterschiedlichen „beweglichen Teile“ Ihres Projekts die Möglichkeit, unterschiedliche Zeiten und Gelegenheiten optimal für Ihr Fokus-Projekt zu nutzen. So kann es sein, dass Sie abends zwar zu müde sind, um noch an der Rohfassung Ihres Buchs weiter zu schreiben, aber durchaus noch Lust haben, am Buchcover zu basteln, den Klappen- bzw. Werbetext vorzubereiten oder noch ein paar fehlende Informationen im Internet zu recherchieren.

Warum ist der Wochenfokus so effektiv?

Die Effektivität der Wochenfokus-Technik kommt daher, dass Sie erstens keine Zeit mit Entscheidungen vergeuden, woran Sie heute und jetzt arbeiten sollten, und zweitens die Anlaufzeiten minimieren. Jedes Mal, wenn Sie auf ein anderes Projekt wechseln, verlieren Sie Zeit, um sich wieder so tief in das Projekt einzuarbeiten, wie Sie vorher „drin“ waren. Eine Viertelstunde ist das Mindeste, was Sie bei jedem Wechsel zwischen Projekten verlieren – oft ist es sogar deutlich mehr. Auf eine Woche hochgerechnet verlieren Sie so schnell mehrere Stunden wertvolle Schreibzeit.

Sie können das ein wenig mit dem Versuch vergleichen, fünf Autos von der Startlinie zum zwei Kilometer entfernten Ziel zu fahren. Ständig zwischen mehreren Projekten hin und her zu springen ist wie, in einen Wagen zu steigen, Gas zu geben, hundert Meter zu fahren, anzuhalten, auszusteigen, zur Startlinie zurück zu gehen, in den nächsten Wagen zu steigen und auch diesen hundert Meter weit zu fahren, bevor man wieder anhält und in einen anderen Wagen steigt.

Raten Sie mal, wie lange dieser Fahrer braucht, bis er alle fünf Wagen im Ziel hat – verglichen mit seinem Konkurrenten, der in einen Wagen steigt und diesen mit Vollgas bis zum Ziel fährt, bevor er zur Startlinie zurück läuft und sich den nächsten Wagen schnappt.

Fokus ohne Reue

Denken Sie daran: die Entscheidung gilt nur für eine einzige Woche. Am Ende der Woche können Sie für die nächste Woche eine neue Entscheidung treffen. Wollen Sie die in den letzten Tagen aufgebaute Eigendynamik beibehalten und mit Vollgas am selben Projekt weiter arbeiten, oder jetzt erst mal auf ein anderes Projekt wechseln?

In den ersten Wochen werden Sie sich vielleicht nervös und angespannt fühlen und das Gefühl haben, etwas Wichtiges zu verpassen. Doch bereits nach wenigen fokussierten Wochen werden Sie merken, dass Ihre Produktivität enorm zugenommen hat und dass Sie kein schlechtes Gefühl mehr dabei haben, alle anderen Projekte zumindest für eine Woche auf Eis zu legen.

Glauben Sie mir: ich spreche aus eigener Erfahrung und würde auf das Setzen eines „Wochenfokus“ nicht mehr verzichten wollen. Es beruhigt, vermeidet Stress und sorgt zugleich dafür, dass man besser voran kommt, als man es früher für möglich gehalten hätte.

Der Wochenfokus ist (natürlich auf einem größeren Maßstab) dasselbe wie der Verzicht auf das fälschlicherweise so oft glorifizierte Multitasking, das, wie Untersuchungen erwiesen haben, unsere geistige Leistungsfähigkeit noch mehr herabsetzt als das Rauchen von Haschisch. Setzen Sie auf stressfreie, fokussierte Produktivität – einerseits mit dem klassischen „Singletasking“, bei dem Sie sich zu jedem Zeitpunkt nur auf eine Aufgabe konzentrieren, und andererseits mit dem „Wochenfokus“.

Ein As im Ärmel: das „Priorität B“-Projekt

Natürlich ist es in der Praxis leider nicht immer möglich, sich eine komplette Woche lang ausschließlich auf ein einziges Projekt zu konzentrieren. Generell kann man dabei drei unterschiedliche Fälle unterscheiden:

  1. Das Wochenfokus-Projekt ist entweder so klein oder bereits so weit fortgeschritten, dass man es im Laufe der Woche komplett abschließen kann. Da man den Rest der Woche natürlich nicht einfach ungenutzt verstreichen lassen will, braucht man ein „Priorität B“-Projekt, das nach dem Abschluss des Wochenfokus-Projekts für den Rest der Woche nachrückt.
    Historisches Beispiel: Der Schriftsteller Anthony Trollope (einer der produktivsten Autoren der Geschichte) war dafür bekannt, dass er, sobald er das Wort „ENDE“ unter die letzte Seite seines aktuellen Romans geschrieben hatte, direkt ein neues Blatt in seine Schreibmaschine spannte und, ohne eine Pause zu machen, direkt mit dem ersten Kapitel des nächsten Romans begann.
  2. Man steht zeitlich so mit dem Rücken zur Wand, dass man in der laufenden Woche bei zwei Projekten zumindest einen wichtigen Meilenstein erreichen muss. In diesem Fall sollte man abwägen, bei welchem der beiden Projekte man den Meilenstein am schnellsten erreichen kann. Dieses Projekt nimmt man zuerst in Angriff und wechselt, sobald man den Meilenstein erreicht hat, für den Rest der Woche auf das andere Projekt.
    Das möglichst schnelle Abhaken des ersten Meilensteins nimmt den Druck aus der Woche und sorgt dafür, dass man sich den Rest der Woche ausschließlich auf das zweite Projekt konzentrieren kann.
  3. Je nachdem, in welcher Phase sich ein Projekt befindet und wie viele (oder eher: wie wenige) „bewegliche Teile“ das Projekt momentan hat, kann man nicht unbedingt jede sich auftuende Zeitlücke produktiv für dieses Projekt nutzen. Für die Gelegenheiten, bei denen Sie absolut nichts (oder zumindest nichts Sinnvolles) an Ihrem Wochenfokus-Projekt arbeiten können, sollten Sie ebenfalls ein „Priorität B“-Projekt in der Hinterhand halten, auf das Sie dann umschwenken können. Natürlich versteht es sich von selbst, dass Sie direkt wieder zu Ihrem Wochenfokus-Projekt zurück wechseln, sobald sich wieder die Gelegenheit bietet, daran aktiv weiter zu arbeiten.

Probieren Sie es einfach mal ein paar Wochen lang aus. Es würde mich sehr wundern, wenn Sie anschließend wieder zum munteren Hin- und Herspringen zwischen mehreren Projekten zurückkehren würden.


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Notizzettel für konzentriertes Arbeiten

Ideen kommen einem meistens dann, wenn man sie am wenigsten gebrauchen könnte. Besonders dann, wenn man sich gerade auf etwas anderes konzentrieren möchte – wie die Arbeit an einem Buch oder Artikel. Das Problem sind dabei weniger die Ideen, die mit dem aktuellen Schreibprojekt zu tun haben – diese kann man schließlich direkt einfließen lassen. Doch meistens kommen einem stattdessen Ideen, die entweder mit einem ganz anderen Projekt zu tun haben oder bisher noch gar keinen konkreten Bezug zu einem laufenden Schreibprojekt haben.

Ganz zu schweigen von den sonstigen Ideen, die gar nichts mit dem Schreiben zu tun haben: “Vielleicht sollte ich mir noch einen Kaffee holen. Ich müsste mal wieder neue Batterien für das Diktiergerät kaufen. An welchem Tag kommt diese Reportage im Fernsehen, für die ich gestern Abend die Vorschau gesehen habe? Und das Geburtstagsgeschenk für Tante Karin ist auch noch nicht gekauft.”

Wenn man auch nur der Hälfte dieser Ablenkungen nachgibt, kommt man mit dem Schreiben letzten Endes nicht wirklich voran – und wenn man sich einfach nur zwingt, weiter zu schreiben und die Ablenkungen zu ignorieren, schwirren sie einem ständig weiter im Kopf herum. Darum habe ich auf meinem Schreibtisch immer einen kleinen Stapel Notizzettel im A6-Format liegen. Meist handelt es sich um alte Ausdrucke (Rohfassungen von Manuskripten, Ausdrucke von Internetrecherchen…), die ich mit einer Schneidemaschine 2 x halbiere.

Wenn mir dann beim Schreiben irgendeine Idee kommt, die nichts mit dem zu tun hat, woran ich in dem Moment arbeite, schnappe ich mir einen Zettel, schreibe es auf, lege den Zettel vorerst zur Seite und arbeite weiter. Wie David Allen es bei “Getting Things Done” so schön auf den Punkt brachte: Wenn man es aufgeschrieben hat, muss man es nicht mehr im Gedächtnis behalten und kann es geistig loslassen.

Allerdings gilt hierbei auch nicht Allens “Zwei-Minuten-Regel”: Selbst wenn es nur eine Minute dauern würde, der Ablenkung nachzugeben (schnell mal einen Kaffee holen, nach neuen Mails sehen oder die Information X auf Google nachschauen), schreibe ich es stattdessen konsequent auf und verschiebe es auf später. Da ich in Zeitblöcken von 30 Minuten arbeite, nach denen ich jeweils eine kurze Pause einlege, ist das recht unproblematisch. Es gibt fast nichts, was nicht maximal eine halbe Stunde warten könnte.

In der Pause zwischen zwei Arbeitsblöcken kann man dann die Zettel durchsehen. Kleinigkeiten kann man dann direkt erledigen, größere Aufgaben in die ToDo-Liste für später eintragen – und Zettel mit Ideen zu irgendwelchen Buch- oder Schreibprojekten kommen direkt in die Hängemappe für das jeweilige Projekt. Da diese Mappen nach oben offen sind, kann man die Zettel einfach und schnell einsortieren.

Anfangs erscheint es einem noch ungewohnt, selbst Kleinigkeiten aufzuschieben, doch wenn man erst einmal ein paar Wochen so arbeitet, merkt man, wie viel besser und konzentrierter man mit dem Schreiben voran kommt, wenn man sich in diesen Zeiten ausschließlich aufs Schreiben konzentrieren kann. Lassen Sie es ruhig mal auf einen Versuch ankommen.


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