Schreibziele: Warum „Was“ wesentlich wichtiger ist als „Wie“

Die meisten Menschen sind sich darüber einig, dass es wichtig ist, Ziele zu setzen – jedenfalls, wenn man etwas ändern oder erreichen möchte. Schließlich ist es mit dem Erreichen von Zielen ähnlich wie mit dem Bogenschießen: man kann kein Ziel treffen, das man nicht sehen kann.

Auch beim Schreiben sind Ziele wichtig. Ziele sagen uns, was wir erreichen wollen, und sorgen dafür, dass wir diese Ziele in der Hektik und dem Stress des Alltags nicht aus den Augen verlieren.

Doch viele Schriftsteller begehen beim Setzen Ihrer Schreibziele einen entscheidenden Fehler – und das, obwohl sie glauben, es gerade damit besonders gut zu machen. Dieser sehr verbreitete Fehler besteht darin, sich zu sehr auf das „Wie“ zu konzentrieren, statt den Fokus auf dem wesentlich wichtigeren „Was“ zu belassen.

Ein „Was“-Ziel gibt an, was ich erreichen möchte – beispielsweise: „Ich will innerhalb der nächsten 12 Monate einen kompletten Roman schreiben, überarbeiten und veröffentlichen.“

Solange man bei diesem Ziel davon ausgeht, dass man seinen Roman als Selfpublisher veröffentlichen wird, ist das ein durchaus machbares Ziel. Um ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen, sind wir nicht auf die Hilfe oder Zustimmung anderer angewiesen. Ob wir ein solches Ziel erreichen, liegt also voll und ganz in unserer Macht.

Natürlich muss man ein solches Ziel planen, um die Erfolgschancen möglichst weit zu erhöhen. Wenn ich innerhalb eines Jahres einen kompletten Roman planen, schreiben und überarbeiten will, brauche ich einen soliden Plan. Um zu prüfen, ob das Ziel realistisch ist, muss ich den ungefähren Zeitaufwand ermitteln und diese Summe mit den Stunden vergleichen, die mir (ebenso realistisch betrachtet) pro Woche zur Verfügung stehen. Wenn ich also 500 Stunden für die Entstehung des Romans rechne und im Schnitt zehn Stunden pro Woche für die Arbeit an diesem Roman einplanen kann, bin ich in dieser Beziehung schon mal auf der sicheren Seite.

Doch hier ist man schon gefährlich nah an dem Punkt, an dem man vom „Was“-Ziel zum „Wie“-Ziel übergeht. Es mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, wenn man das große Ziel „Ich will innerhalb der nächsten 12 Monate einen kompletten Roman schreiben, überarbeiten und veröffentlichen“ in ein kleines, überschaubares Wochenziel wie „Ich werde jede Woche zehn Stunden an meinem Roman arbeiten, um ihn innerhalb der nächsten 12 Monate fertigzustellen“ herunterbricht. Oder womöglich gar: „Ich werde jede Woche von Montag bis Freitag morgens von 4:30 – 5:30 Uhr und an den Wochenenden von 6:00 – 8:30 Uhr an meinem Roman arbeiten, um ihn innerhalb der nächsten 12 Monate fertigzustellen.“

Ein solches „Wie“-Ziel, das neben dem eigentlichen Ziel auch den exakten Weg zur Erreichung dieses Ziels beinhaltet, erscheint einem auf den ersten Blick weitaus besser. Doch in der Praxis limitieren wir uns damit nur selbst, legen uns viel zu eng geschnürte geistige Scheuklappen an und legen zugleich den Grundstein für Frustration, Schreibblockaden und ein mittelfristiges Scheitern.

Straff formulierte „Wie“-Ziele haben in der Praxis gleich drei Nachteile:

1. „Wie“-Ziele fördern den inneren Widerstand. Als Schriftsteller sind wir kreativ und wollen keine rigiden Vorgaben erfüllen. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich verwende für meine Notizen nicht einmal liniertes oder gar kariertes Papier, weil ich das Gefühl habe, dass sie mich in meiner Kreativität einengen. Ich verwende lieber die deutlich teureren Oxford-Collegeblöcke mit ihrem dicken, rein weißen Papier, auf dem sich die Ideen auch mal in die unterschiedlichsten Richtungen ausbreiten können.

Wenn ich präzise Vorgaben habe, wie ich ein Ziel erreichen soll, verliere ich mit fast hundertprozentiger Sicherheit relativ bald den Spaß daran. Es ist wie im Büro: Auch hier haben die meisten Vorgesetzten mittlerweile erkannt, dass es viel effektiver und für die Mitarbeiter wesentlich motivierender ist, wenn man ihnen nicht als Micromanager jeden Schritt vorgibt, sondern lediglich Zielvorgaben gibt und dem Mitarbeiter (innerhalb eines gewissen Rahmens, der durch Richtlinien abgegrenzt wird) die Freiheit lässt, auf welche Weise er das gesetzte Ziel erreichen will.

2. „Wie“-Ziele machen es leichter, zu scheitern. Wenn ich morgens verschlafe oder aus anderen Gründen nicht dazu komme, wie geplant von 4:30 – 5:30 Uhr an meinem Roman zu arbeiten, bin ich in dieser Hinsicht gescheitert – selbst wenn ich die versäumte Stunde später am Tag nachhole. Oder vielleicht komme ich an diesem Tag gar nicht mehr dazu, die Stunde nachzuholen, habe aber während der Fahrt ins Büro eine so tolle Idee für meine Romanhandlung, dass mich das unterm Strich wesentlich besser voran bringt, als wenn ich morgens wie geplant eine Stunde lang am Schreibtisch gesessen hätte.

Jedes kleine Scheitern und jede kleine Niederlage untergräbt unser Selbstbewusstsein und unsere Motivation und treibt damit einen weiteren Nagel in den Sarg des Schreibprojekts. Wenn wir das Gefühl haben, zu oft gescheitert zu sein, neigen wir dazu, das ganze Ziel aufzugeben und zu begraben. Das muss nicht sein – aber dazu gleich mehr…

3. „Wie“-Ziele machen uns blind für andere Chancen und Möglichkeiten. Wenn wir gemäß unserem „Wie“-Ziel morgens eine Stunde am PC gesessen und an der Handlung unseres Romans gearbeitet haben, haben wir das Gefühl, diese Aufgabe für den heutigen Tag abhaken zu können (unabhängig davon, wie gut oder wie schlecht wir innerhalb dieser Stunde voran gekommen sind).

Dabei kann es durchaus sein, dass sich uns im Laufe des Tages noch mehrere gute Gelegenheiten bieten, die wir dazu nutzen könnten, an unserem Roman zu arbeiten. Doch der Fokus auf dem „Wie“ macht uns für diese Gelegenheiten oft blind – und selbst wenn wir sie erkennen, haben wir vielleicht das Gefühl, sie nicht nutzen zu müssen, da wir durch unsere morgendliche Arbeit ja schon im Plan liegen. Eine gefährliche Fehleinschätzung.

Arbeiten Sie stattdessen lieber mit „Was“-Zielen und einer „CanDo-Liste“ statt einer klassischen „ToDo-Liste“.

Da das große „Was“-Ziel „Ich will innerhalb der nächsten 12 Monate einen kompletten Roman schreiben, überarbeiten und veröffentlichen“ zu unhandlich ist, um damit in der Praxis zu arbeiten, wird man dieses ohnehin (je nachdem, in welcher Phase der Entstehung des Romans man sich gerade befindet) durch ein kleineres Meilenstein-Ziel ersetzen. Wobei wir natürlich darauf achten, auch dieses Ziel als offene „Was“-Vorgabe zu formulieren.

Ein solches Meilenstein-Ziel könnte sein: „Ich werde bis Ende nächsten Monats die Planung meines Romans so weit abgeschlossen haben, dass ich mit dem Schreiben der Rohfassung beginnen kann.“

Daraus ergibt sich dann das Tagesziel „Ich werde heute an der Handlung meines Romans arbeiten“.

Das klingt vielleicht zu unpräzise, um wirklich effektiv damit arbeiten zu kommen, doch da kommt die bereits erwähnte „CanDo-Liste“ ins Spiel. Eine solche Liste gibt uns im Gegensatz zu einer klassischen „ToDo-Liste“ nicht vor, was wir machen MÜSSEN, sondern zeigt uns sinnvolle Möglichkeiten auf, was wir machen KÖNNTEN.

Ich verwende für meine „CanDo-Liste“ gerne linierte Karteikarten im Format A6. Frei nach David Allens „Getting Things Done“ schreibe ich mir die „beweglichen Teile“ meines laufenden Projekts heraus und lege für jedes dieser „beweglichen Teile“ eine eigene Karteikarte an.

Das klingt zugegebenermaßen etwas theoretisch, ist in der Praxis aber ganz einfach. Für das Beispiel-Ziel „Ich werde bis Ende nächsten Monats die Planung meines Romans so weit abgeschlossen haben, dass ich mit dem Schreiben der Rohfassung beginnen kann“ gibt es verschiedene „bewegliche Teile“, die nicht in einer festen Reihenfolge in Angriff genommen werden müssen, sondern zwischen denen ich ganz nach Lust und Laune hin und her wechseln kann:

  • Struktur der Handlung (also alles von der klassischen 3-Akt-Struktur bis hin zu detaillierten Notizen zu einzelnen Szenen).
  • Charaktere (Vorgeschichte, Ziele und Konflikte, Charakterfiles, Beziehungen zu anderen Romanfiguren…)
  • Setting und Worldbuilding (Karten zeichnen, Recherche, Story-Wiki aufbauen, Kulturen und Organisationen entwickeln, Sprache und Schrift…)

Jedes dieser „beweglichen Teile“ bekommt seine eigene Karteikarte. In die oberste Ziele schreibe ich mit Fineliner oder Kugelschreiber (da sich hieran nichts mehr ändert) die Bezeichnung der Teilaufgabe (also z.B. „Setting und Worldbuilding“). In die Zeilen darunter notiere ich mit Bleistift die einzelnen Aufgaben, offenen Fragen et cetera. Hierfür verwende ich einen Bleistift, da ich erledigte Aufgaben einfach ausradiere und damit auf der Karteikarte Platz für neue Ideen / Ansatzpunkte schaffe. Meist lasse ich links einen freien Rand von ungefähr einem Zentimeter. Diesen Platz nutze ich, um mit einem kleinen Bleistiftkreuz maximal drei „Favoriten“ pro Karte zu markieren – die Aufgaben, die mich momentan am besten voran bringen würden oder die mich schlicht und einfach momentan besonders reizen.

Diese Karteikarten habe ich immer in der Jackentasche dabei und ich nutze tagsüber jede passende Gelegenheit, um die Karten durchzusehen, neue Ideen zu notieren oder an einzelnen Aufgaben von der Liste zu arbeiten.

Natürlich habe ich trotz dieses flexiblen Ansatzes weiterhin meine festen Projektzeiten. Ich versuche, nach Möglichkeit jeden Morgen von 4:30 bis 5:30 Uhr am PC zu sitzen, um dort an meinem aktuellen Projekt zu arbeiten. Was genau ich in dieser Zeit mache, picke ich mir meist schon am Vorabend aus meinen „CanDo-Karteikarten“ heraus und markiere meine Favoriten.

Aber wenn mir morgens etwas dazwischen kommt und ich statt einer Stunde vielleicht nur 30 Minuten zum Schreiben komme, ist das nicht tragisch. Schließlich habe ich kein „Wie“-Ziel, sondern ein „Was“-Ziel: Mein Ziel ist nicht, morgens 60 Minuten am PC zu sitzen, sondern, mit der Planung meines Romans voran zu kommen. Und dafür werden sich bis abends noch genügend andere (und vielleicht sogar bessere) Gelegenheiten ergeben.

Probieren Sie es ruhig selbst einmal aus. Nicht nur, dass dieser Ansatz wesentlich stressfreier ist – oft werden Sie sogar überrascht feststellen, dass Sie mit dieser offenen Zielsetzung weitaus besser als zuvor mit Ihren Schreibprojekten voran kommen.


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Nie mehr Ideenmangel durch mobile Notizen

Fast alle Schriftsteller sind sich darüber einig, dass es wichtig ist, Ideen sofort zu notieren. Ideen sind eine flüchtige Angelegenheit. Wenn man wartet, bis man zuhause am PC oder am Schreibtisch ist, um sie aufzuschreiben, hat man sie in vielen Fällen schon wieder vergessen.

Auch wenn der Volksmund sagt „Was wichtig war, kommt wieder“ trifft dies auf Ideen in der Praxis leider nicht zu. Das wahre Potential einer Idee kann man meist erst dann erkennen, wenn man sich intensiver mit ihr auseinander setzt und sie von allen Seiten beleuchtet.

Und wie oft ist es so, dass man unterwegs eine tolle Idee für eine Geschichte hat, sie aber zuhause nur noch bruchstückhaft und unvollständig zusammen bekommt und am Schluss frustriert vor einem Haufen unvollständiger Puzzlesteinchen sitzt? Wenn man Ideen notiert, solange man sie noch frisch und mit allen Details im Kopf hat, kann einem so etwas nicht mehr passieren.

Wenn man sich nicht entsprechend vorbereitet, hat man natürlich ein Problem: Da hat man eine tolle Idee, aber keinen Stift, um sie zu notieren. Und wenn man doch einen Stift in der Jacken- oder Handtasche findet, hat man kein Papier und kritzelt die Idee schließlich in unleserlicher Kurzform auf die Rückseite eines alten Parkscheins oder Einkaufszettels. Optimal ist das nicht.

Aber was ist die beste Methode, um unterwegs seine Ideen zu notieren?

Aus eigener Erfahrung kann ich vier Methoden empfehlen, die sich für mich in der Praxis bewährt haben und die sich ausgezeichnet miteinander kombinieren lassen.

1. Das Moleskine-Notizbuch

Der zeitlose Klassiker und Liebling aller Autoren: Klein und handlich im Format passt das Moleskine in jede Jacken- oder Handtasche. Ein Gummizug verhindert, dass das Notizbuch in der Tasche aufklappt und die Seiten verknicken, eine Lesebändchen lässt einen in Sekundenschnelle die aktuelle Seite auffinden und in einer kleinen Gummilasche hat man seinen Stift stets griffbereit dabei.

In Verbindung mit dem dicken, hochwertigen Papier, den abgerundeten Ecken und dem robusten Einband ist das Moleskine in Sachen Optik und Haptik ein echter Genuss.

Auch wenn das Moleskine im Vergleich zu anderen NoName-Notizbüchern nicht ganz billig ist, lohnt sich die Ausgabe definitiv. Erstens dürfte ein Moleskine bei den meisten Autoren mehrere Monate lang halten, bevor es bis zur letzten Seite mit Notizen gefüllt ist, was die Kosten deutlich relativiert.

Zweitens haben Sie, wenn Sie tatsächlich ein komplettes Moleskine mit Ideen und Notizen gefüllt haben, einen wahren Schatz an Ideen, dessen Wert den des ursprünglichen Notizbuchs bei weitem übersteigt.

Und drittens zeigen Sie sich selbst mit hochwertigem Schreibzeug, dass Sie Ihrer schriftstellerischen Tätigkeit selbst einen hohen Wert beimessen. Das motiviert wiederum Ihr Unterbewusstsein, dieses edle Notizbuch mit wirklich guten Ideen zu füllen. Klingt banal, ist aber wahr – probieren Sie es einfach aus. ;-)

2. Karteikarten

Ein weiterer meiner Favoriten sind linierte Karteikarten im Format DIN-A7, die es in den unterschiedlichsten Farben gibt. Das Format hat gerade für Männer den Vorteil, dass es bequem in jede Hemdtasche passt, so dass man selbst im kurzärmeligen Sommerhemd stets Kugelschreiber und Karteikarten für schnelle Notizen dabei haben kann.

Gegenüber dem Moleskine haben Karteikarten mehrere Vorteile: Da wäre zunächst das bereits erwähnte kleine Format, durch das die Karteikarten ganz bequem sowohl in Hemdtaschen als auch in die Gesäßtaschen von Jeans passen. Darüber hinaus kann man die beschrifteten Karteikarten zuhause einfach in die Mappen der zugehörigen Projekte einsortieren, wenn man wie ich seine Projekte in Hängemappen organisiert.

3. Das digitale Diktiergerät

Wenn man unterwegs ist hat man manchmal keine Gelegenheit, mit Stift und Papier Notizen zu machen. Moleskine oder Karteikarten in der einen Hand zu halten und mit dem Stift in der anderen freihändig Notizen zu machen führt bestenfalls zu einer unleserlichen, krakeligen Handschrift. Und wenn man gerade im Auto im Stau oder an der Ampel steht, kann man erst recht nicht zum Stift greifen.

In diesen Fällen lernt man ein digitales Diktiergerät zu schätzen. Es läuft mit zwei ganz normalen AAA-Batterien etliche Stunden lang und bietet Platz für viele Stunden Aufzeichungen in höchstmöglicher Qualität. Im Gegensatz zu einem Smartphone (auf dessen individuelle Vorteile wir im nächsten Abschnitt noch eingehen werden) kann man das Diktiergerät ganz bequem mit einer Hand bedienen, ohne durch die haptische Benutzerführung dabei auch nur aufs Display schauen zu müssen.

Die aufgenommenen Notizen kann man abends abhören und in sein Ideenarchiv übertragen. Viele digitale Diktiergeräte erlauben es auch, die aufgezeichneten Notizen im MP3-Format auf den PC zu übertragen. Je nach Aufnahmequalität (die auch von eventuellen Störgeräuschen abhängt) kann man die Notizen auch mit einer Spracherkennungssoftware wie Dragon Naturally Speaking in geschriebenen Text umsetzen.

4. Smartphone

Die letzte und vielseitigste Option ist ein modernes Smartphone. Dabei ist es relativ egal, ob man sich für ein Android-Gerät oder für ein iPhone entscheidet. Die beiden besten Bildschirmtastaturen, die Swype-Tastatur und Swiftkey, gibt es mittlerweile nicht mehr nur für Android, sondern auch für iOS.

Mit der Swype-Tastatur muss man nicht mehr die einzelnen Buchstaben auf der Bildschirm-Tastatur antippen, sondern gibt Wörter einfach mit einer wischenden Bewegung über die einzelnen Buchstaben ein. Dabei muss man nicht einmal exakt die Tasten treffen, da die unscharfe Logik von Swype mit erstaunlicher Genauigkeit erkennt, was man gerade schreiben wollte. Mit etwas Übung kann man so am Smartphone oder Tablet ähnliche Tippgeschwindigkeiten erreichen wie am PC mit einer ausgewachsenen Schreibmaschinentastatur.

Auch ansonsten bieten Android und iOS ähnliche Möglichkeiten für Schriftsteller: Sie können Sprachnotizen aufnehmen, Texte und Notizen über Evernote oder OneNote erfassen, die automatisch mit den Daten auf Ihrem PC synchronsiert werden oder hochauflösende Bilder von interessanten Motiven machen. Durch die Spracherkennungsfunktion kann man Texte auch mit erstaunlicher Genauigkeit diktieren und vom Smartphone in Text übersetzen lassen, was allerdings am besten mit einer schnellen Datenverbindung oder im WLAN funktioniert, da die Sprachaufzeichnung zur Umsetzung in Text erst übers Internet übertragen werden muss.

Bei aller Begeisterung sollte man jedoch die Nachteile eines Smartphones auch nicht vergessen: Das Display ist bei grellem Sonnenlich im Freien teils nur schwer abzulesen, außerdem muss man beide Hände frei haben, um es richtig bedienen zu können.

Fazit:

Glücklicherweise muss man sich nicht für eine der vier Möglichkeiten entscheiden, sondern kann diese beliebig miteinander kombinieren: Wenn ich unterwegs bin, habe ich in den Jackentaschen mein Moleskine und mein Smartphone dabei, dazu einen dünnen Stapel Karteikarten in der Hemdtasche und ein Diktiergerät in der Hosentasche.

Wenn ich abends nach Hause komme, sortiere ich die im Laufe des Tages beschrifteten Karteikarten in die zugehörigen Projekt-Hängemappen. Alle Karten ohne konkreten Projektbezug wandern erst einmal ins Ideenarchiv.

Die am Smartphone über EverNote, OneNote oder Draft erfassten Notizen werden automatisch mit meinem PC synchronisiert, sobald ich wieder zuhause im WLAN bin, so dass ich hiermit überhaupt keine Arbeit habe.

Die Sprachnotizen von meinem Diktiergerät und die Notizen aus dem Moleskine übertrage ich meist nur einmal pro Woche – üblicherweise am Wochenende, Was zu einem laufenden Projekt gehört, kommt in die entsprechende Mappe (oder als Datei in das entsprechende Verzeichnis meiner Dropbox); Ideen ohne Projektbezug übertrage ich auf Karteikarten, die dann ins Ideenarchiv einsortiert werden.

Diese „viergleisige“ Arbeitsweise erscheint Ihnen vielleicht nach übertriebenem Aufwand, aber das täuscht. Dadurch, dass ich alle viel Methoden miteinander kombiniere, habe ich nicht etwa mehr Arbeit, als wenn ich mich auf eine der vier beschränken würde, sondern in der Praxis sogar weniger.

Wie bereits erwähnt ist nicht jede Methode immer gleich gut geeignet – aber es gibt kaum eine Situation, in der ich nicht mindestens eine der Methoden für eine schnelle Notiz verwenden könnte. Natürlich verwende ich bevorzugt die Methoden, die für mich den geringsten Aufwand bei der späteren Weiterverarbeitung bedeuten (also Karteikarten und Smartphone-Textnotizen), aber manchmal ist das Diktiergerät einfach praktischer oder das Moleskine mit seinem Platz für Skizzen, Zeichnungen und Mindmaps besser als eine kleine Karteikarte.

Probieren Sie es einfach mal für sich selbst aus. Sie werden sehen, wie schnell sich Ihr Ideenarchiv für Geschichten, Blogposts oder Artikel mit neuen, frischen Ideen füllt – mit Sicherheit deutlich schneller, als Sie diese Ideen jemals umsetzen können.

Der Vorteil ist: Mit einem vollen Ideenarchiv müssen Sie sich niemals fragen, was Sie als Nächstes schreiben sollen, sondern nur noch, was Sie als Nächstes schreiben sollen. ;-)


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