Patchwork-Tutorial: Lektorat / Korrektorat und Austausch mit Patchwork

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkEs gibt unterschiedlichste Autoren: solche, solche, solche, solche, solche, solche und solche. Eines ist aber bei allen gleich.

An ihrem Ende sollte jeder Geschichte Feedback durch Testleser, sicher aber ein Lektorat und Korrektorat geschenkt werden.

Wer mit Word gearbeitet hat, kennt die elegante Änderungsverfolgung: Gelöschtes wird durchgestrichen, Eingefügtes unterstrichen und alles mit Kommentaren garniert. Als Empfänger dieser Anmerkungen kann man sich als Autor gemütlich mit den Schaltflächen [annehmen] und [ablehnen] das einverleiben, was man für sinnvoll erachtet. Das ist schön und gut, nur ist Word diesbezüglich leider nicht zu Patchwork kompatibel.

Keine Sorge. Wir haben uns etwas genauso Gutes überlegt. Und davon soll dieser Videoclip berichten. In der Folge fasse ich Testleser, Lektor und Korrektor der Einfachheit halber unter dem Begriff ›Lektor‹ zusammen.

Austauschvariante 1: Lektor hat irgendein anderes Programm

Damit haben Sie die am wenigsten eleganten Karten für den Austausch, weshalb ich mit dieser Variante  beginnen will. Trotzdem ist diese Lage nicht hoffnungslos, was bedeuten würde, dass Sie sich jede ändernswerte Stelle mühsam im Text suchen müssten.

Das Geheimnis liegt hinter dieser Schaltfläche in der Haupt-Werkzeugleiste:

Screenshot PatchworkFährt man mit dem Mauszeiger darauf, erscheint dieser Hinweistext: Szene finden lt. ZA (+ [Strg] = auto). In ganzen Worten: Finde die Stelle im gesamten Werk, an der der Text vorkommt, der aktuell in der Zwischenablage darauf wartet, unterstützen zu dürfen.

Das einfache, aber effiziente System funktioniert so:

  1. Sie markieren im korrigierten Text – egal ob in Word, OpenOffice, LibreOffice, Textmaker oder jedem anderen Textprogramm geöffnet – davor etwa vier bis fünf Wörter, die im Stück stehen sollen, also ohne Absatzwechsel oder Anführungszeichen dazwischen.
  2. Kopieren Sie diese Wörter mit [Strg + C] in die Zwischenablage
  3. Wechseln Sie zu Patchwork. Wenn Sie nicht genügend Platz für beide Programme nebeneinander haben, wechseln Sie jeweils zwischen dem anderen Textprogramm und Patchwork mit [Alt + Tab]
  4. In Patchwork klicken Sie auf die oben gezeigte Schaltfläche. Sofort stehen Sie in der entsprechenden Szene bei dem passenden Text. Je knapper Sie die ›Transferwörter‹ an der zu ändernden Stelle gewählt haben, umso weniger Tastendrücke sind nötig um am Änderungsort anzulangen.

Üblicherweise haben Sie aber nicht nur eine Änderung zu finden, sondern eine ganze Menge. Um es dafür noch eleganter zu gestalten, gibt es eine beschleunigte Variante. Wenn Sie nämlich beim ersten Klick auf diese Schaltfläche auch die [Strg]-Taste gedrückt halten, beginnt sie langsam rot zu blinken. Das signalisiert Ihnen, dass der Wartemodus aktiv ist.

Im Wartemodus führen Sie Schritt 1 und 2 gleich durch. Sobald Sie aber im zweiten Schritt die Wörter in die Zwischenablage kopiert haben, schaltet Patchwork automatisch auf sich um und übernimmt selbstständig die Schritte 3 und 4.

Damit ergibt sich diese Ping-Pong-Technik:

  1. Sie markieren im korrigierten Text in Ihrem Textprogramm.
  2. Sie kopieren das Markierte mit [Strg + C] in die Zwischenablage
    (nun stehen auch gleich bereits in Patchwork an der passenden Stelle)
  3. Sie führen die Änderung durch
  4. Sie wechseln zu Ihrem Textprogramm mit [Alt + Tab]. Und weiter geht’s wieder mit 1.

Sie werden sehen, selbst diese Vorgehensweise mit den schlechtestmöglichen Karten geht zügig von der Hand.

Die Lektoratsfunktion in Patchwork

1. Korrekturen anbringen

Bevor wir zu der Situation kommen, bei der der Lektor Patchwork hat (und im Idealfall Sie ebenfalls), sehen wir uns die Lektoratsfunktion bei Patchwork an.

Screenshot PatchworkMit der Schaltfläche (1) öffnen Sie das Menü für die Optionen zum Thema Korrektur und Austausch. Sie wählen den obersten Punkt Korrekturmodus ein/aus. Das Werkzeugfenster für Korrekturen (2) wird geöffnet. Für die Korrekturarbeit soll die Schaltfläche (4) auf ›Lektor‹ gesetzt sein (=nicht gedrückt). Sobald dieses Zusatzfenster sichtbar ist, werden Änderungen im Text anders behandelt, so ähnlich wie bei der Änderungsverfolgung von Word. Wenn Sie Text löschen, wird er nicht entfernt, sondern rot hinterlegt und durchgestrichen. Fügen Sie Text ein, wird er grün hinterlegt und unterstrichen.

Die Kommentare funktionieren etwas anders als bei Word. Sie klicken im Fenster (2) auf [Neuer Kommentar], woraufhin sich eine Eingabebox öffnet. Dort geben Sie Ihren Kommentar ein und bestätigen die Eingabe mit [Ok]. Daraufhin wird der Kommentar in den Text eingefügt, blau hinterlegt und in geschweifte Klammern gesetzt. Wenn Sie bereits beim Klicken auf [Neuer Kommentar] einen Textbereich markiert haben, dann wird auch dieser blau hinterlegt, wobei nur der Kommentar selbst, der an der Cursorposition eingefügt wird, geklammert ist.

In diesem Modus bewirken die Tasten [Entfernen] und [Rückwärtslöschen], dass die Anmerkungen rückgängig gemacht werden! Einfach mal ausprobieren.

2. Korrekturen einarbeiten

Zum Einarbeiten ändern Sie durch Klick auf die Schaltfläche (4) in den Autorenmodus. Damit ändert sich Folgendes:

  • Wenn Sie Text schreiben und löschen ist das so wie ohne Korrekturmodus: Text wird geschrieben oder gelöscht
  • Sie können keine Kommentare dazu erfassen

So geht das Übernehmen / Ablehnen:

  • Mit den Schaltflächen [nächste] und [vorherige] können Sie zwischen den Anmerkungen navigieren
  • [Annehmen] löscht einen gelöschten Text und übernimmt einen eingefügten als regulären Text (Voraussatzung: der Cursor steht im Korrekturtext und nicht daneben). Bei Kommentaren bewirkt die Funktion nichts
  • [Ablehnen] löscht hinzugekommenen Text und stellt gelöschten wieder als Normaltext her. Kommentare werden entfernt und der eventuell dazugehörige markierte Text wieder zu Normaltext. Im Fall einer Bearbeitung also zuerst ablehnen, erst dann ändern.
  • Mit jeder Annahme/Ablehnung springt Patchwork zur nächsten Anmerkung. Drückt man beim Klick auf diese beiden Schaltflächen gleichzeitig die [Strg]-Taste, wird zwar angenommen/abgelehnt, aber nicht weitergesprungen.

Austauschvariante 2: Lektor hat Patchwork, Sie ebenfalls

Das ist natürlich die eleganteste Option überhaupt. Lediglich eines ist für die optimale Automatisierung zu beachten: nicht mehrere Testleser  oder Korrektoren gleichzeitig (bei Lektoren wird sich dieser Hinweis wohl erübrigen). Denn es kann nicht zusammengemischt werden. Geht es nicht anders als parallel mehrgleisig – bei Testlesern vielleicht – sollte man trotzdem auf die Austauschvariante 1 umsteigen.

So ist der Ablauf:

1. Ihre Aktion als Autor

  • Klicken Sie wieder auf die Schaltfläche (1), wählen aber nun aus dem Menü Korrekturtransferdatei erzeugen. Damit wird eine patchworkspezifische Transferdatei erzeugt (Dateiendung .pako), die ausschließlich die Struktur und den Text des Werks enthält.
    Hinweis: Wenn Sie mit der Bände-Verwaltung arbeiten, wird nur der aktuelle Band exportiert!
  • Verschicken Sie diese Datei per Mail an Ihren Lektor

2. Die Aktion des Lektors

  • Legen Sie ein neues Projekt an
  • Wählen Sie zu Projektbeginn … einen Korrekturtext übernehmen
    Übernommen wird nun genau diese .pako-Datei, die laut vorherigem Punkt erzeugt worden ist.
  • Überarbeiten Sie das Projekt fertig
  • Klicken Sie auf die Schaltfläche (1) und wählen Korrekturtransferdatei erzeugen. Damit wird wiederum die patchworkspezifische Transferdatei erzeugt (Dateiendung .pako),
  • Schicken Sie die Datei zurück an den Autor

3. Rückübernahme seitens des Autors

  • Öffnen Sie ihr Projekt, um das es geht
  • Klicken Sie auf die Schaltfläche (1) und wählen Korrekturtransferdatei einlesen. Sie können diesem Schritt einen Namen geben, wodurch Sie ihn später in der Änderungs-Historie der Szenen erkennen können. Damit werden die Anmerkungen von Ihrem Lektor übernommen,

    Wenn Sie nun Ihr Projekt betrachten, werden Sie die Anmerkungen finden. Gehen Sie zur ersten Szene und beginnen Sie mit dem Einarbeiten

Das Praktische bei Patchwork im Vergleich zu anderen Programmen ist, dass alle drei Versionen erhalten bleiben: das unkorrigierte Original, die Lektorats-Anmerkungen und die eingearbeitete Version. Sie können alle später bei jeder Szene mit der Funktion Vorversionen ansehen: Kontextmenü (rechte Maustaste) im Schreibfenster › ‚Werkzeuge‘ › ‚Vorläufer-Versionen ansehen‘ oder Hauptmenü › ‚Szene‘ › ‚Vorläufer-Versionen ansehen‘.

Austauschvariante 3: Lektor hat Patchwork, Sie nicht

Screenshot PatchworkDiese Variante ist nahezu so elegant wie die, wenn beide mit Patchwork arbeiten. Denn der Lektor kann kostenlos das hier abgebildete, kleine Programm an den Autor weitergeben. Der kann damit die Einarbeitungsfunktionen von Patchwork – wie oben beschrieben – zur Übernahme/Ablehnung nutzen und das Ergebnis als normale .rtf-Datei speichern, die jedes Textprogramm wieder öffnen kann.

In diesem Fall wird aber keine Transferdatei an den Autor versandt, sondern die Datei als normale .rtf-Datei über ›Das Gesamtdokument ausgegeben‹. Diese .rtf-Datei wird dann mit dem Programm . . .\Patchwork\PatchworkKorr.exe – das man beim ersten Mal gleich mitschicken kann – geöffnet, die Änderungen werden übernommen/abgelehnt und dann die gesamte Geschichte als .rtf-Datei wieder gespeichert.

Wenn Sie also in dieser Situation Ihrem Autor Ihre Korrekturen rückübermitteln, hängen Sie an das Mail auch gleich das kostenlose Einarbeitungsprogramm an. Damit Sie nicht lange suchen müssen, wo es ist, können Sie sich – ebenfalls über das Korrekturmodus-Menü – den Pfad davon in die Zwischenablage kopieren lassen.

Viel Freude in Zukunft mit den kritischen Begleitern Ihrer und dem kritischen Begleiten anderer Geschichten!

Link zum Video

Martin Danesch


KeepWriting – die virtuelle Schreibmaschine

Ich liebe gutes Arbeitswerkzeug. Das geht von Stiften, Blöcken und Notizbücher über PC-Hardware (ich kann beim Kauf eines Laptops Stunden damit verbringen, die Tastaturen unterschiedicher Modelle zu testen und zu vergleichen, bevor ich mich für ein Modell entscheide) bis hin zu Schreibprogrammen.

So bin ich kürzlich beim Stöbern im Internet wieder mal auf ein interessantes Schreibtool gestoßen, das ich mir direkt einmal näher ansehen musste: KeepWriting – eine Simulation einer klassischen Schreibmaschine am PC.

Gerade unter den Programmen für ablenkungsfreies Schreiben wie WriteMonkey gibt es einige, die einen „Schreibmaschinenmodus“ eingeführt haben. Üblicherweise versteht man darunter, dass im Schreibmaschinenmodus alle Editierfunktionen wie Löschen, Entfernen, alle Copy&Paste-Funktionen und natürlich auch das Überschreiben deaktiviert sind. Sämtliche anderen Funktionen des Schreibprogramms wie der automatische Zeilenumbruch, der ein angefangenes Wort, das nicht mehr komplett in die laufende Zeile passt, automatisch in die nächste Zeile verschiebt, funktionieren weiterhin wie gewohnt.

Doch KeepWriting geht einen anderen Weg und simuliert das Schreiben an einer klassischen Schreibmaschine mit all seinen Vor- und Nachteilen. Mit „klassisch“ meine ich wirklich wie zu Zeiten von Charles Dickens, lange vor der Erfindung des Korrekturbands oder auch nur der guten alten Tipp-Ex-Korrekturstreifen – jener kleinen weißen Blättchen, die man von Hand über dem zu löschenden Buchstaben positionieren und dann nochmal denselben Buchstaben mit Tipp-Ex drüber hämmern musste.

KeepWriting (das es übrigens nur für Windows gibt) können Sie als kleine ZIP-Datei von gerade mal 353 KB herunter laden – weniger als 10% der Größe eines durchschnittlichen MP3-Songs. Entpacken Sie die ZIP-Datei (die ohnehin nur das Programm selbst und eine ReadMe-Datei enthält) in ein beliebiges Verzeichnis, starten Sie die kw.exe und schon kann es los gehen!

Der richtige Zoomfaktor für den richtigen Bildschirm

Zunächst können Sie mit STRG und „BILD HOCH“/“BILD RUNTER“ den Zoomfaktor (also die Größe, in der die Seite am Bildschirm dargestellt wird) beliebig anpassen und mit dem Scrollbalken am unteren Rand die Seite mittig auf Ihrem Bildschirm ausrichten.

Wenn Sie KeepWriting auf einem großen 24″-Widescreen-Monitor verwenden, können Sie den Zoomfaktor so einstellen, dass drei komplette Seiten nebeneinander dargestellt werden. Dabei wird die Seite, auf der Sie momentan schreiben, stets zentriert in der Mitte des Bildschirms angezeigt.

KeepWriting

Wenn Sie auf einem kleineren Gerät wie einem Laptop oder gar einem Netbook arbeiten, können Sie den Zoomfaktor entsprechend größer einstellen – beispielsweise so, dass Sie Ihre aktuelle Seite fast in Bildschirmbreite sehen und so wie bei anderen Schreibprogrammen den kompletten Bildschirm zum Schreiben nutzen können.

Stapel und Seiten – eine Alternative zur klassischen Datei

KeepWriting organisiert die Manuskripte nicht in klassischen Dateien, sondern in „Stacks“, also in Stapeln von Blättern. Denn hier schreiben Sie wirklich Seite für Seite, und zwar mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen. Sie können den Cursor jederzeit an jede beliebige Position auf der Seite manövrieren, genau wie Sie früher bei einer Schreibmaschine mit der Walze und der Leertaste (beispielsweise beim Ausfüllen von Formularen mit der Schreibmaschine) mit etwas Übung sehr präzise jede beliebige Stelle auf dem Blatt ansteuern konnten.

Dieses Ansteuern einer bestimmten Position ist bei KeepWriting deutlich einfacher gelöst, da Sie nicht nur die Cursortasten verwenden können, sondern den Cursor auch einfach per Mausklick an die gewünschte Stelle setzen können.

Mit „Bild runter“ und „Bild hoch“ wechseln Sie zwischen den einzelnen Seiten Ihres Manuskripts hin und her. Blättern Sie dabei über die letzte Seite hinaus, wird automatisch eine neue leere Seite ans Manuskript angehängt.

Sie können auch Seiten aus Ihrem Manuskript entfernen (also löschen), aber Sie können keine Seiten nachträglich einfügen. Das liegt auch daran, dass KeepWriting intern jede Schreibmaschinenseite als eigene Datei behandelt.

Wenn Sie also einen Manuskript-Stapel „Mein Roman“ anlegen, legt KeepWriting einen Ordner namens „Mein Roman“ im Unterverzeichnis „stacks“ (also Stapel) an, der dann für jede Seite eine separate Textdatei enthält – also beispielsweise „2.txt“ für die zweite Seite.

Durch diesen pragmatischen Ansatz kann das Programm auch auf älteren Rechnern mit wenig RAM umfangreiche Manuskripte mit hunderten von Seiten in Sekundenbruchteilen öffnen, da immer nur die aktuellen Seiten geladen werden müssen.

Retro-Writing: Ausixen statt korrigieren und manueller Zeilenumbruch

Wie Sie beim Schreiben mit KeepWriting schnell feststellen werden, fehlen (logischerweise) die ganzen nützlichen Funktionen wie das Zentrieren von Überschriften und anderer „moderner Schnickschnack“ wie ein automatischer Zeilenumbruch.

Wenn Sie also beispielsweise eine Überschrift auf der Seite zentrieren wollen, müssen Sie diese wie früher durch mehrfaches Drücken der Leertaste einrücken und dabei abschätzen, an welcher Position Sie mit dem Tippen anfangen müssen, um Ihre Überschrift ungefähr zu zentrieren.

So richtig fällt einem auf, das man an einer virtuellen Schreibmaschine arbeitet, wenn man am Ende der Zeile ankommt. Es ist zwar nicht so, dass Sie wie bei einer mechanischen Schreibmaschine nicht eher weiter tippen können, bis Sie Return gedrückt haben (bei einer klassischen Schreibmaschine wäre das das TSCHING!, wenn man mit dem Hebel den Wagen zum Anfang der nächsten Zeile vorschiebt), doch das angefangene Wort bleibt unvollständig am rechten Bildschirmrand kleben.

Beim Schreiben muss man also stets im Auge behalten, ob das nächste Wort noch komplett in die aktuelle Zeile passt. Wenn nicht, sollte man rechtzeitig mit der RETURN-Taste in die nächste Zeile wechseln.

Beim Schreiben fällt einem auch schnell auf, dass es keine Rückwärts-Taste mehr zum Löschen des bzw. der letzten Buchstaben gibt. Diese Taste funktioniert wie „Cursor links“ und positioniert den Cursor nur über dem bereits geschriebenen Buchstaben, ohne ihn zu löschen. Denn bei KeepWriting kann man Buchstaben nur „übertippen“ und dadurch unlesbar machen. Wie bei einer echten Schreibmaschine überlagert der neu getippte Buchstabe den zuvor geschriebenen und macht ihn unlesbar – aber er bleibt als hässlicher schwarzer Klumpen auf der Seite stehen.

Beim späteren Export des Textes ins reine Textformat wird jeweils nur der letzte Buchstabe exportiert, den Sie an eine bestimmte Position der Seite geschrieben haben. Ich würde daher empfehlen, zum Überschreiben von Tippfehlern das # zu verwenden: So können Sie später im exportierten Text alle # per Suchen/Ersetzen ersatzlos löschen und so sämtliche überschriebenen Passagen auf einen Schlag bereinigen.

Ein nettes und zeitgemäßes Feature von KeepWriting ist der Live-Wordcount am unteren Bildschirmrand, durch den Sie jederzeit im Blick haben, wie lang Ihr aktuelles Manuskript bereits ist.

Export fertiger Manuskripte

Fertig geschriebene Manuskripte bzw. „Stapel“ können Sie mit F5 jederzeit ins HTML- und ins Text-Format exportieren.

Beim Bearbeiten dieser exportierten Texte werden Sie merken, dass Sie am Ende jeder Zeile des ursprünglichen Manuskripts wie bei einer klassischen Schreibmaschine einen festen Zeilenumbruch haben, den Sie beim Überarbeiten von Hand entfernen müssen. Das ist zwar etwas lästig, aber durchaus zu verschmerzen.

KeepWriting in der Praxis

Das Schreiben mit KeepWriting ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Das Anlegen neuer Dokumente/Stapel funktioniert über die Funktion „Öffnen“ mit STRG+O: Gibt man hier den Namen eines bereits vorhandenen Manuskripts/Stapels an, wird dieses geöffnet; ist das Manuskript noch nicht vorhanden, wird es unter diesem Namen neu angelegt.

Beim Schreiben dürfte man in den ersten Stunden ziemlich häufig fluchen, da man instinktiv gewohnt ist, Tippfehler direkt korrigieren zu können und auch „on the fly“ Passagen umzuformulieren und abzuändern. All das geht mit KeepWriting nicht – aber das ist gerade die Stärke dieses Programms. Gerade zu Beginn wird man sehr häufig Tippfehler und ganze Textpassagen ausixen, bis die Seiten schließlich aussehen wie Kraut und Rüben.

Doch je länger man mit KeepWriting arbeitet, desto mehr merkt man, wie sich dadurch die eigene Arbeitsweise ändert – und zwar zum Besseren.

Zunächst einmal lernt man, seinen inneren Korrektor ruhigzustellen. Gerade wenn man gewohnt ist, ansonsten mit einer Office-Textverarbeitung wie Microsoft Word zu arbeiten, die selbst die Rohfassung eines Manuskripts direkt im sauber formatierten Buch-Layout anzeigt, passiert es einem schnell, dass man das Schreiben der Rohfassung und deren Überarbeitung gedanklich miteinander vermischt. Ein großer Fehler, der sich aber in der Praxis schnell einschleicht, da es ja so einfach ist, Tippfehler oder unsaubere Formulierungen, die einem bereits während des Schreibens ins Auge springen, direkt zu korrigieren.

KeepWriting zwingt einen dazu, die Rohfassung als solche zu akzeptieren. Man kann zwar Tippfehler und ganze Passagen ausixen und neu schreiben, doch das Blatt sieht dann aus wie Kraut und Rüben. Mit KeepWriting sieht Ihr Manuskript wesentlich sauberer aus, wenn Sie gar nicht erst versuchen, Fehler schon während des Schreibens der Rohfassung zu korrigieren, sondern sich dies ganz bewusst für die spätere Überarbeitung aufheben. Diese Ruhe und Gelassenheit, die man durch die Arbeit mit KeepWriting entwickelt, ist allein schon Gold wert.

Der zweite Effekt ist, dass man bereits nach kurzer Zeit ganz automatisch damit beginnt, seine Sätze gedanklich vorzuformulieren, bevor man sie in die Maschine tippt. Man kann eben nicht einen angefangenen Satz einfach nochmal löschen und neu beginnen, wenn man erst beim Schreiben merkt, dass man sich gedanklich verzettelt hat.

Dieses gedankliche Vorformulieren bremst einen während der ersten Stunden etwas aus – aber nur, weil es ungewohnt ist. Schon nach den ersten Stunden mit KeepWriting merkt man, dass der eigene „innere Erzähler“ und die Finger, die alles in die Maschine hämmern, sich langsam aber sicher auf einen gemeinsamen Rhythmus einspielen. Während man mechanisch noch den letzten Satz in die Tasten hämmert, arbeitet der „innere Erzähler“ bereits am nächsten Satz, so dass man ohne große Verzögerungen weiter schreiben kann.

Das muss ein ähnliches Schreibgefühl sein wie das der früheren Groschenroman-Autoren, die Anfang des 20. Jahrhunderts oft innerhalb weniger Tage die Rohfassung eines neuen Groschenromans in ihre mechanischen Schreibmaschinen hämmerten und nur deshalb von der mageren Bezahlung nach Wörtern leben konnten, weil sie immer nur eine Rohfassung schrieben, die dann bereits vom Verlag ohne größere Änderungen übernommen und gedruckt wurde.

Auch mit KeepWriting merkt man, dass sich die Qualität der Rohfassung durch den Zwang zum gedanklichen Vorformulieren innerhalb weniger Wochen deutlich verbessert, ohne dass man dabei wesentlich langsamer würde. Dieses scheinbare Paradoxon resultiert daraus, dass man die Zeit für die „schnellen Korrekturen“ einspart, die einen mit einer normalen Textverarbeitung bisher immer wieder aus dem Schreibfluss gerissen haben.

Schreibmaschinengeräusche gefällig?

Der einzige Punkt, der mir persönlich noch bei KeepWriting fehlt, sind zuschaltbare Schreibmaschinen-Geräusche – ähnlich wie es das bei WriteMonkey, Patchwork und Q10 gibt.

Doch wer so ein Feature gerne nachrüsten möchte, kann immer noch zum kostenlosen Programm Qwertick (http://www.nattyware.com/qwertick.php) greifen, das ebenfalls portabel ist und auf Wunsch direkt vom USB-Stick läuft.

Wenn man zum Schreiben ohnehin schon eine mechanische Tastatur verwendet, braucht man natürlich keine zusätzlichen Schreibmaschinengeräusche. Es geht doch nichts über das angenehme Klicken der blauen Mikroschalter einer guten mechanischen Tastatur. ;-)

Fazit

Als ich KeepWriting mehr oder weniger durch Zufall entdeckt hatte, habe ich es mehr aus Neugier ausprobiert, als um es wirklich zum Schreiben zu benutzen. Doch trotz (oder gerade wegen?) der pragmatischen und minimalistischen Funktionalität des Programms hat sich meine Meinung während des Tests gründlich geändert.

Ich kann mir durchaus vorstellen, KeepWriting auch in Zukunft zum Schreiben mancher Rohfassungen zu verwenden. Probieren Sie es einfach selbst einmal aus. Vielleicht stellen ja auch Sie fest, dass der Verzicht auf moderne Korrekturmöglichkeiten für mehr Ruhe und Gelassenheit und zugleich für ein fokussierteres, qualitativ besseres Schreiben sorgt.

Wenn Sie neugierig geworden sind, finden Sie KeepWriting unter http://keepwriting.boxjar.com. Viel Spaß beim Ausprobieren!


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