KeepWriting – die virtuelle Schreibmaschine

Ich liebe gutes Arbeitswerkzeug. Das geht von Stiften, Blöcken und Notizbücher über PC-Hardware (ich kann beim Kauf eines Laptops Stunden damit verbringen, die Tastaturen unterschiedicher Modelle zu testen und zu vergleichen, bevor ich mich für ein Modell entscheide) bis hin zu Schreibprogrammen.

So bin ich kürzlich beim Stöbern im Internet wieder mal auf ein interessantes Schreibtool gestoßen, das ich mir direkt einmal näher ansehen musste: KeepWriting – eine Simulation einer klassischen Schreibmaschine am PC.

Gerade unter den Programmen für ablenkungsfreies Schreiben wie WriteMonkey gibt es einige, die einen „Schreibmaschinenmodus“ eingeführt haben. Üblicherweise versteht man darunter, dass im Schreibmaschinenmodus alle Editierfunktionen wie Löschen, Entfernen, alle Copy&Paste-Funktionen und natürlich auch das Überschreiben deaktiviert sind. Sämtliche anderen Funktionen des Schreibprogramms wie der automatische Zeilenumbruch, der ein angefangenes Wort, das nicht mehr komplett in die laufende Zeile passt, automatisch in die nächste Zeile verschiebt, funktionieren weiterhin wie gewohnt.

Doch KeepWriting geht einen anderen Weg und simuliert das Schreiben an einer klassischen Schreibmaschine mit all seinen Vor- und Nachteilen. Mit „klassisch“ meine ich wirklich wie zu Zeiten von Charles Dickens, lange vor der Erfindung des Korrekturbands oder auch nur der guten alten Tipp-Ex-Korrekturstreifen – jener kleinen weißen Blättchen, die man von Hand über dem zu löschenden Buchstaben positionieren und dann nochmal denselben Buchstaben mit Tipp-Ex drüber hämmern musste.

KeepWriting (das es übrigens nur für Windows gibt) können Sie als kleine ZIP-Datei von gerade mal 353 KB herunter laden – weniger als 10% der Größe eines durchschnittlichen MP3-Songs. Entpacken Sie die ZIP-Datei (die ohnehin nur das Programm selbst und eine ReadMe-Datei enthält) in ein beliebiges Verzeichnis, starten Sie die kw.exe und schon kann es los gehen!

Der richtige Zoomfaktor für den richtigen Bildschirm

Zunächst können Sie mit STRG und „BILD HOCH“/“BILD RUNTER“ den Zoomfaktor (also die Größe, in der die Seite am Bildschirm dargestellt wird) beliebig anpassen und mit dem Scrollbalken am unteren Rand die Seite mittig auf Ihrem Bildschirm ausrichten.

Wenn Sie KeepWriting auf einem großen 24″-Widescreen-Monitor verwenden, können Sie den Zoomfaktor so einstellen, dass drei komplette Seiten nebeneinander dargestellt werden. Dabei wird die Seite, auf der Sie momentan schreiben, stets zentriert in der Mitte des Bildschirms angezeigt.

KeepWriting

Wenn Sie auf einem kleineren Gerät wie einem Laptop oder gar einem Netbook arbeiten, können Sie den Zoomfaktor entsprechend größer einstellen – beispielsweise so, dass Sie Ihre aktuelle Seite fast in Bildschirmbreite sehen und so wie bei anderen Schreibprogrammen den kompletten Bildschirm zum Schreiben nutzen können.

Stapel und Seiten – eine Alternative zur klassischen Datei

KeepWriting organisiert die Manuskripte nicht in klassischen Dateien, sondern in „Stacks“, also in Stapeln von Blättern. Denn hier schreiben Sie wirklich Seite für Seite, und zwar mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen. Sie können den Cursor jederzeit an jede beliebige Position auf der Seite manövrieren, genau wie Sie früher bei einer Schreibmaschine mit der Walze und der Leertaste (beispielsweise beim Ausfüllen von Formularen mit der Schreibmaschine) mit etwas Übung sehr präzise jede beliebige Stelle auf dem Blatt ansteuern konnten.

Dieses Ansteuern einer bestimmten Position ist bei KeepWriting deutlich einfacher gelöst, da Sie nicht nur die Cursortasten verwenden können, sondern den Cursor auch einfach per Mausklick an die gewünschte Stelle setzen können.

Mit „Bild runter“ und „Bild hoch“ wechseln Sie zwischen den einzelnen Seiten Ihres Manuskripts hin und her. Blättern Sie dabei über die letzte Seite hinaus, wird automatisch eine neue leere Seite ans Manuskript angehängt.

Sie können auch Seiten aus Ihrem Manuskript entfernen (also löschen), aber Sie können keine Seiten nachträglich einfügen. Das liegt auch daran, dass KeepWriting intern jede Schreibmaschinenseite als eigene Datei behandelt.

Wenn Sie also einen Manuskript-Stapel „Mein Roman“ anlegen, legt KeepWriting einen Ordner namens „Mein Roman“ im Unterverzeichnis „stacks“ (also Stapel) an, der dann für jede Seite eine separate Textdatei enthält – also beispielsweise „2.txt“ für die zweite Seite.

Durch diesen pragmatischen Ansatz kann das Programm auch auf älteren Rechnern mit wenig RAM umfangreiche Manuskripte mit hunderten von Seiten in Sekundenbruchteilen öffnen, da immer nur die aktuellen Seiten geladen werden müssen.

Retro-Writing: Ausixen statt korrigieren und manueller Zeilenumbruch

Wie Sie beim Schreiben mit KeepWriting schnell feststellen werden, fehlen (logischerweise) die ganzen nützlichen Funktionen wie das Zentrieren von Überschriften und anderer „moderner Schnickschnack“ wie ein automatischer Zeilenumbruch.

Wenn Sie also beispielsweise eine Überschrift auf der Seite zentrieren wollen, müssen Sie diese wie früher durch mehrfaches Drücken der Leertaste einrücken und dabei abschätzen, an welcher Position Sie mit dem Tippen anfangen müssen, um Ihre Überschrift ungefähr zu zentrieren.

So richtig fällt einem auf, das man an einer virtuellen Schreibmaschine arbeitet, wenn man am Ende der Zeile ankommt. Es ist zwar nicht so, dass Sie wie bei einer mechanischen Schreibmaschine nicht eher weiter tippen können, bis Sie Return gedrückt haben (bei einer klassischen Schreibmaschine wäre das das TSCHING!, wenn man mit dem Hebel den Wagen zum Anfang der nächsten Zeile vorschiebt), doch das angefangene Wort bleibt unvollständig am rechten Bildschirmrand kleben.

Beim Schreiben muss man also stets im Auge behalten, ob das nächste Wort noch komplett in die aktuelle Zeile passt. Wenn nicht, sollte man rechtzeitig mit der RETURN-Taste in die nächste Zeile wechseln.

Beim Schreiben fällt einem auch schnell auf, dass es keine Rückwärts-Taste mehr zum Löschen des bzw. der letzten Buchstaben gibt. Diese Taste funktioniert wie „Cursor links“ und positioniert den Cursor nur über dem bereits geschriebenen Buchstaben, ohne ihn zu löschen. Denn bei KeepWriting kann man Buchstaben nur „übertippen“ und dadurch unlesbar machen. Wie bei einer echten Schreibmaschine überlagert der neu getippte Buchstabe den zuvor geschriebenen und macht ihn unlesbar – aber er bleibt als hässlicher schwarzer Klumpen auf der Seite stehen.

Beim späteren Export des Textes ins reine Textformat wird jeweils nur der letzte Buchstabe exportiert, den Sie an eine bestimmte Position der Seite geschrieben haben. Ich würde daher empfehlen, zum Überschreiben von Tippfehlern das # zu verwenden: So können Sie später im exportierten Text alle # per Suchen/Ersetzen ersatzlos löschen und so sämtliche überschriebenen Passagen auf einen Schlag bereinigen.

Ein nettes und zeitgemäßes Feature von KeepWriting ist der Live-Wordcount am unteren Bildschirmrand, durch den Sie jederzeit im Blick haben, wie lang Ihr aktuelles Manuskript bereits ist.

Export fertiger Manuskripte

Fertig geschriebene Manuskripte bzw. „Stapel“ können Sie mit F5 jederzeit ins HTML- und ins Text-Format exportieren.

Beim Bearbeiten dieser exportierten Texte werden Sie merken, dass Sie am Ende jeder Zeile des ursprünglichen Manuskripts wie bei einer klassischen Schreibmaschine einen festen Zeilenumbruch haben, den Sie beim Überarbeiten von Hand entfernen müssen. Das ist zwar etwas lästig, aber durchaus zu verschmerzen.

KeepWriting in der Praxis

Das Schreiben mit KeepWriting ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Das Anlegen neuer Dokumente/Stapel funktioniert über die Funktion „Öffnen“ mit STRG+O: Gibt man hier den Namen eines bereits vorhandenen Manuskripts/Stapels an, wird dieses geöffnet; ist das Manuskript noch nicht vorhanden, wird es unter diesem Namen neu angelegt.

Beim Schreiben dürfte man in den ersten Stunden ziemlich häufig fluchen, da man instinktiv gewohnt ist, Tippfehler direkt korrigieren zu können und auch „on the fly“ Passagen umzuformulieren und abzuändern. All das geht mit KeepWriting nicht – aber das ist gerade die Stärke dieses Programms. Gerade zu Beginn wird man sehr häufig Tippfehler und ganze Textpassagen ausixen, bis die Seiten schließlich aussehen wie Kraut und Rüben.

Doch je länger man mit KeepWriting arbeitet, desto mehr merkt man, wie sich dadurch die eigene Arbeitsweise ändert – und zwar zum Besseren.

Zunächst einmal lernt man, seinen inneren Korrektor ruhigzustellen. Gerade wenn man gewohnt ist, ansonsten mit einer Office-Textverarbeitung wie Microsoft Word zu arbeiten, die selbst die Rohfassung eines Manuskripts direkt im sauber formatierten Buch-Layout anzeigt, passiert es einem schnell, dass man das Schreiben der Rohfassung und deren Überarbeitung gedanklich miteinander vermischt. Ein großer Fehler, der sich aber in der Praxis schnell einschleicht, da es ja so einfach ist, Tippfehler oder unsaubere Formulierungen, die einem bereits während des Schreibens ins Auge springen, direkt zu korrigieren.

KeepWriting zwingt einen dazu, die Rohfassung als solche zu akzeptieren. Man kann zwar Tippfehler und ganze Passagen ausixen und neu schreiben, doch das Blatt sieht dann aus wie Kraut und Rüben. Mit KeepWriting sieht Ihr Manuskript wesentlich sauberer aus, wenn Sie gar nicht erst versuchen, Fehler schon während des Schreibens der Rohfassung zu korrigieren, sondern sich dies ganz bewusst für die spätere Überarbeitung aufheben. Diese Ruhe und Gelassenheit, die man durch die Arbeit mit KeepWriting entwickelt, ist allein schon Gold wert.

Der zweite Effekt ist, dass man bereits nach kurzer Zeit ganz automatisch damit beginnt, seine Sätze gedanklich vorzuformulieren, bevor man sie in die Maschine tippt. Man kann eben nicht einen angefangenen Satz einfach nochmal löschen und neu beginnen, wenn man erst beim Schreiben merkt, dass man sich gedanklich verzettelt hat.

Dieses gedankliche Vorformulieren bremst einen während der ersten Stunden etwas aus – aber nur, weil es ungewohnt ist. Schon nach den ersten Stunden mit KeepWriting merkt man, dass der eigene „innere Erzähler“ und die Finger, die alles in die Maschine hämmern, sich langsam aber sicher auf einen gemeinsamen Rhythmus einspielen. Während man mechanisch noch den letzten Satz in die Tasten hämmert, arbeitet der „innere Erzähler“ bereits am nächsten Satz, so dass man ohne große Verzögerungen weiter schreiben kann.

Das muss ein ähnliches Schreibgefühl sein wie das der früheren Groschenroman-Autoren, die Anfang des 20. Jahrhunderts oft innerhalb weniger Tage die Rohfassung eines neuen Groschenromans in ihre mechanischen Schreibmaschinen hämmerten und nur deshalb von der mageren Bezahlung nach Wörtern leben konnten, weil sie immer nur eine Rohfassung schrieben, die dann bereits vom Verlag ohne größere Änderungen übernommen und gedruckt wurde.

Auch mit KeepWriting merkt man, dass sich die Qualität der Rohfassung durch den Zwang zum gedanklichen Vorformulieren innerhalb weniger Wochen deutlich verbessert, ohne dass man dabei wesentlich langsamer würde. Dieses scheinbare Paradoxon resultiert daraus, dass man die Zeit für die „schnellen Korrekturen“ einspart, die einen mit einer normalen Textverarbeitung bisher immer wieder aus dem Schreibfluss gerissen haben.

Schreibmaschinengeräusche gefällig?

Der einzige Punkt, der mir persönlich noch bei KeepWriting fehlt, sind zuschaltbare Schreibmaschinen-Geräusche – ähnlich wie es das bei WriteMonkey, Patchwork und Q10 gibt.

Doch wer so ein Feature gerne nachrüsten möchte, kann immer noch zum kostenlosen Programm Qwertick (http://www.nattyware.com/qwertick.php) greifen, das ebenfalls portabel ist und auf Wunsch direkt vom USB-Stick läuft.

Wenn man zum Schreiben ohnehin schon eine mechanische Tastatur verwendet, braucht man natürlich keine zusätzlichen Schreibmaschinengeräusche. Es geht doch nichts über das angenehme Klicken der blauen Mikroschalter einer guten mechanischen Tastatur. ;-)

Fazit

Als ich KeepWriting mehr oder weniger durch Zufall entdeckt hatte, habe ich es mehr aus Neugier ausprobiert, als um es wirklich zum Schreiben zu benutzen. Doch trotz (oder gerade wegen?) der pragmatischen und minimalistischen Funktionalität des Programms hat sich meine Meinung während des Tests gründlich geändert.

Ich kann mir durchaus vorstellen, KeepWriting auch in Zukunft zum Schreiben mancher Rohfassungen zu verwenden. Probieren Sie es einfach selbst einmal aus. Vielleicht stellen ja auch Sie fest, dass der Verzicht auf moderne Korrekturmöglichkeiten für mehr Ruhe und Gelassenheit und zugleich für ein fokussierteres, qualitativ besseres Schreiben sorgt.

Wenn Sie neugierig geworden sind, finden Sie KeepWriting unter http://keepwriting.boxjar.com. Viel Spaß beim Ausprobieren!


Tipp: Abonnieren Sie den kostenlosen WritersWorkshop Autorennewsletter und erhalten Sie alle neuen Beiträge direkt am Erscheinungstag ganz bequem per Mail.

Schneller, fehlerfreier und ermüdungsfreier: Mechanische Tastaturen für Schriftsteller

Eine der besten Investitionen, die man als Schriftsteller in die eigene Produktivität machen kann, ist der Kauf einer vernünftigen Tastatur – und mit einer vernünftigen Tastatur meine ich eine mechanische Tastatur.

Beim Begriff „mechanische Tastatur“ werden viele Leser irritiert die Augenbrauen heben. Sind denn nicht alle Tastaturen (mal abgesehen von der auf dem Touchscreen eingeblendeten Bildschirmtastatur eines Smartphones oder Tablets) mechanisch?

Wie würde Radio Eriwan sagen? „Im Prinzip ja, aber…“ Denn natürlich ist jede Tastatur, bei der es echte Tasten zum Drücken gibt, in einer gewissen Weise mechanisch.

Wenn man von einer „mechanischen Tastatur“ spricht, meint man allerdings üblicherweise eine Tastatur mit Mikroschaltern – im Gegensatz zu den üblichen Gummimembran-Tastaturen, die in den meisten Laptops verbaut sind und auch an den meisten Desktop-PCs hängen.

Dass man in der Praxis fast nur noch die billigen Gummimembran-Tastaturen findet, liegt schlicht und einfach am Preis. Während in den 80er Jahren mechanische Tastaturen noch der Standard waren, sind PCs seitdem zur Massenware geworden, die immer billiger produziert werden mussten.

Darum ist man in der PC-Branche auch von den hochwertigen (und in der Produktion teuren) mechanischen Tastaturen zu den in der Produktion wesentlich billigeren Gummimembran-Tastaturen übergegangen, die für den „normalen Anwender“ als gut genug gelten.

Eine mechanische Tastatur ist allerdings gerade für Vielschreiber – also Schriftsteller, Journalisten und Blogger – ein wahrer Segen.

Gegenüber einer billigen Gummimembran-Tastatur hat eine mechanische Tastatur gleich mehrere Vorteile:

  • Weniger Tippfehler: Während bei einer Gummimembran-Tastatur das Signal „Taste gedrückt“ dadurch an den PC übermittelt wird, dass die wabbelige Gumminoppe unter der Taste auf die darunter liegende Gummimembran drückt und so den Kontakt zwischen den beiden Schichten herstellt, sitzt bei einer mechanischen Tastatur unter jeder Taste ein eigener Schalter, der beim Drücken der Taste einen separaten Impuls an den PC sendet. In der Praxis führt das dazu, dass es gerade beim schnellen Tippen weniger Buchstabendreher und verschluckte Buchstaben gibt. Das spart jede Menge Arbeit beim Korrigieren.
  • Schnellere Schreibgeschwindigkeit: Durch den sauberen Druckpunkt und das Klicken der Tasten weiß man genau, wann man eine Taste gedrückt hat. In der Praxis kann ich mit einer mechanischen Tastatur mindestens 20% schneller schreiben als mit einer Gummimembran-Tastatur.
  • Ermüdungsfreieres Schreiben. Da man im Gegensatz zu einer Gummimembran-Tastatur die Tasten nicht komplett durchdrücken muss, sondern nur bis zum Druckpunkt, kann man damit auch über einen längeren Zeitraum quasi ermüdungsfrei schreiben.
  • Höhere Lebensdauer: Die Mikroschalter einer mechanischen Tastatur sind auf 50 Millionen Tastendrücke ausgelegt. Sie können also an einer mechanischen Tastatur theoretisch hunderte Bücher schreiben, bevor die Schalter der Tastatur am Ende ihrer Lebensdauer angekommen sind. Eine gute mechanische Tastatur kann also sozusagen den Autor überleben. ;-)

Seien wir mal ehrlich: Wenn mechanische Tastaturen nur noch für Schriftsteller, Sekretärinnen und andere Vielschreiber produziert werden müssten, wären sie bis heute schon so gut wie ausgestorben oder aufgrund der geringen Stückzahlen astronomisch teuer.

Doch glücklicherweise gibt es noch eine andere Fraktion, die großen Wert auf zuverlässige, haltbare und schnell reagierende Tastaturen legt und gerne bereit ist, für eine solche Tastatur auch mal etwas mehr Geld hinzulegen: die Computerspieler.

Um die unterschiedlichen Ansprüche unterschiedlicher Anwender-Typen abzudecken, hat die Firma Cherry (heute ZF Friedrichshafen AG), deren Schalter in den meisten weltweit produzierten mechanischen Tastaturen verbaut werden, unterschiedliche Schaltertypen entwickelt, die sich zur leichteren Unterscheidbarkeit in ihrer Farbe unterscheiden.

Die drei bekanntesten Schaltertypen sind die blauen, braunen und schwarzen Schalter der MX-Reihe.

Die schwarzen Schalter (die auch als „lineare“ Schalter bezeichnet werden) haben keinen klaren Druckpunkt. Hier wird lediglich durch die verbaute Feder der Widerstand beim Drücken der Taste immer größer, je weiter man diese herunterdrückt. Dadurch ermüdet man beim Schreiben mit einer Tastatur mit „black switches“ wesentlich schneller. Zusätzlich spürt man nicht genau, wann man die Taste so weit heruntergedrückt hat, dass der Schalter auslöst. Das macht diesen Schaltertyp für Schriftsteller eher ungeeignet.

Wer seine mechanische Tastatur in erster Linie zum Schreiben benötigt, muss sich hauptsächlich zwischen Tastaturen mit blauen und solchen mit braunen Schaltern entscheiden.

Mein persönlicher Favorit sind ganz klar die blauen Schalter, die einen klaren Druckpunkt haben und zusätzlich beim Drücken hörbar klicken. Man fühlt also nicht nur, sondern hört auch, wenn man eine Taste gedrückt hat. Das Klacken einer mechanischen Tastatur mit blauen Schaltern erinnert daher an das einer alten elektrischen Schreibmaschine – eine für mich sehr angenehme Assoziation.

Die braunen Schalter stellen einen Mittelweg zwischen den blauen und den schwarzen Schaltern dar. Sie haben zwar ebenfalls einen spürbaren Druckpunkt, allerdings ist dieser nicht so ausgeprägt wie bei den blauen Schaltern. Der Vorteil der braunen Schalter ist, dass diese schon von Natur aus leiser als die blauen Schalter sind. Bei manchen Tastaturen sind sie zusätzlich noch mit Gummiringen unter den Tasten abgefedert, was das Klicken der Tasten noch einmal dämpft.

Wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, was der richtige Schaltertyp für Sie ist, sollten Sie beide Tastaturtypen im Fachhandel erst einmal ausprobieren, bevor Sie sich für eine von beiden entscheiden. Gerade am lauten Klicken der blauen Schalter scheiden sich die Geister: die einen lieben es, die anderen fühlen sich davon eher gestört.

Das ist auch der Grund, warum ich an meinem PC neben einer kabelgebundenen mechanischen Tastatur mit blauen Cherry-MX-Schaltern zusätzlich auch noch eine Bluetooth-Funktastatur von Logitech habe – eine klassische Gummimembran-Tastatur: Wenn ich morgens schreibe, während meine Familie noch schläft, kann ich unterstört mit der mechanischen Tastatur klimpern. Sind meine Frau und mein Sohn hingegen auch im Wohnzimmer, greife ich stattdessen zur fast lautlosen Gummimembran-Tastatur, auch wenn das Tippgefühl natürlich in keinster Weise zu vergleichen ist. Aber Opfer müssen manchmal gebracht werden… ;-)

Die Preisunterschiede bei mechanischen Tastaturen sind immens und es lohnt sich, etwas länger die Preise der unterschiedlichen Modelle bei diversen Händlern zu vergleichen, bevor man zugreift.

Die günstigste mechanische Tastatur mit Cherry-MX-Schaltern, die ich empfehlen kann, ist das „Cherry MX-Board 3.0„. Diese sehr stabile und gut verarbeitete Tastatur ist beispielsweise über Amazon schon für unter 70 Euro erhältlich – kaum mehr als die Hälfte dessen, was man für so manche andere mechanische Tastatur hinlegen muss.

Beim Bestellen sollte man allerdings darauf achten, dass man den richtigen Schaltertyp auswählt. Amazon bietet die Tastatur mit schwarzen, blauen, braunen oder roten Schaltern an (wobei die roten Schalter zum Schreiben nicht sonderlich gut geeignet sind und überwiegend von Computerspielern verwendet werden).

Probieren Sie es einfach einmal aus. Nach einer kurzen Umgewöhnungszeit werden Sie vermutlich keine Gummimembran-Tastatur mehr anfassen, wenn Sie es vermeiden können.

PS: Ein sehr informatives Video zu den unterschiedlichen Schaltertypen (mit Geräuschprobe) finden Sie unter https://www.youtube.com/watch?v=odSABHVBhRE. Hier werden auch weitere, im Handel weniger verbreitete Schaltervarianten besprochen, so dass das Video einen sehr guten Überblick liefert. Die dort als günstiges Einsteigermodell empfohlene G80-3000-Tastatur ist allerdings in Sachen Stabilität und Verarbeitung der von mir empfohlenen „Cherry MX-Board 3.0„, die in derselben Preisklasse liegt, deutlich unterlegen.


Tipp: Abonnieren Sie den kostenlosen WritersWorkshop Autorennewsletter und erhalten Sie alle neuen Beiträge direkt am Erscheinungstag ganz bequem per Mail.