10 Tipps für den NaNoWriMo

In drei Tagen beginnt der diesjährige NaNoWriMo. Wie jedes Jahr seit Ende des letzten Jahrtausends werden sich auch diesmal wieder weltweit hunderttausende Schriftsteller und Hobbyautoren an die Aufgabe wagen, innerhalb von 30 Tagen ein Romanmanuskript von mindestens 50.000 Wörtern zu schreiben. Doch wie in den vergangenen Jahren wird es wohl auch dieses Jahr nur ungefähr jeder fünfte Teilnehmer erfolgreich über die Ziellinie schaffen.

Die folgenden 10 Tipps können Ihnen dabei helfen, den diesjährigen NaNoWriMo zu gewinnen.

1. Vorplanung

Die Regeln des NaNoWriMo besagen zwar, dass man nicht vor dem 01.11 mit dem Schreiben des eigentlichen Romans beginnen darf, doch eine gewisse Vorplanung wird sogar von den Organisatoren empfohlen.

Sie müssen dafür nicht zum Outliner werden, wenn Sie beim Schreiben lieber improvisieren und die Handlung zusammen mit Ihren Romancharakteren entdecken – eine grobe Handlungsstruktur, an der Sie sich beim Schreiben entlang hangeln können, reicht vollkommen aus.

Nutzen Sie also dieses Wochenende, um sich schon im Vorfeld möglichst viele Gedanken über Ihrem Romanfiguren und den (möglichen) Verlauf der Romanhandlung zu machen. Die Zeit, die Sie jetzt investieren, sparen Sie im Verlauf der nächsten 30 Tage doppelt und dreifach wieder ein.

2. Die richtige Einstellung

Erwarten Sie nicht, dass Sie während des NaNoWriMo einen fertigen, womöglich schon so gut wie veröffentlichungsreifen Roman zustande bekommen werden. Das, was Sie während des Novembers schreiben, ist nicht mehr als eine sehr frühe Rohfassung, die anschließend noch intensiver Überarbeitung bedarf.

Knebeln und fesseln Sie daher während des Novembers Ihren inneren Lektor und lassen Sie stattdessen Ihre kreative, chaotische Seite von der Leine. Die Rohfassung, die Sie während des NaNoWriMo produzieren, kann so holprig, hölzern und von Logikfehlern durchzogen sein, wie sie will. Sie ist dennoch eine fertige Rohfassung, mit der Sie anschließend arbeiten können und die Sie Schritt für Schritt verbessern und auf Hochglanz polieren können. Eine leere Seite können Sie hingegen nicht korrigieren.

Geben Sie sich daher selbst die Erlaubnis, ohne Rücksicht auf Stil, Rechtschreibung und Grammatik die Finger über die Tasten fliegen zu lassen und ggf. eine grottenschlechte Rohfassung zu produzieren, bei der sich Ihrem alten Deutschlehrer die Fußnägel aufrollen würden.

Denken Sie daran: Ihre chaotisch kreative Rohfassung braucht außer Ihnen niemals ein anderer Mensch zu Gesicht zu bekommen. Die Überarbeitung kommt später – und an dieses „später“ sollten Sie während des Schreibens der Rohfassung noch keinen Gedanken verschwenden.

3. Schreiben Sie schneller

Langsam und bedächtig zu schreiben und dabei jedes einzelne Wort mit der gedanklichen Goldwaage abzuwiegen, ist (nicht nur, aber ganz besonders) für den NaNoWriMo der falsche Ansatz: Je schneller Sie schreiben können, desto besser. Wer das Zehnfinger-System (aka Tastschreiben) beherrscht, ist ganz klar im Vorteil. Ein „zu schnell“ gibt es dabei nicht. Egal, wie schnell und geübt Sie sind – Ihre Finger werden immer langsamer als Ihre Gedanken sein, mit deren Geschwindigkeit nicht einmal ein Auktionator bei Sotheby’s mithalten könnte.

Je schneller Sie also schreiben und einfach nur ungefiltert die Worte aus Ihrer kreativen Ader aufs Papier (bzw. auf den Computermonitor) fließen lassen, desto mehr blenden Sie zwangsläufig Ihren lästigen inneren Lektor aus und desto mehr kommt Ihre ganz eigene Autorenstimme zum Vorschein.

Auch wenn Sie während des Schreibens vielleicht der Meinung sind, fürchterlich hölzernen, holprigen Schund fabriziert zu haben (was auch nicht weiter schlimm wäre – dafür gibt es später die Überarbeitung), werden Sie später (also nach dem Fertigstellen der Rohfassung) in vielen Fällen beim Durchlesen Ihres Manuskripts überrascht feststellen, dass viele Passagen dieser schnell heruntergeschriebenen Rohfassung doch gar nicht so schlecht sind und oft kaum noch überarbeitet werden müssen. Es ist fast nie so schlecht, wie man beim Schreiben glaubt. Meist braucht man nur den nötigen Abstand zum eigenen Text, um ihn ähnlich unvoreingenommen wie ein Leser betrachten zu können.

4. Aufgaben, Treffen und Freizeitaktivitäten

Verschieben Sie alles, was nicht unbedingt im November stattfinden muss, auf später, um sich so viel Freizeit wie möglich zum Schreiben frei zu schaufeln. Mit Freunden können Sie sich immer noch Anfang Dezember treffen, den Keller können Sie immer noch zwischen den Jahren aufräumen und die Ablage läuft Ihnen bis dahin auch nicht weg.

Auch Ihre Lieblingsserien und sonstige interessante Fernsehsendungen können Sie einfach auf Festplatte aufzeichnen – das verschafft Ihnen nicht nur wertvolle Schreibzeit im November, sondern sorgt auch dafür, dass Sie im Dezember und zwischen den Jahren genug interessante Sachen anzusehen haben. Und unterm Strich sparen Sie sogar noch jede Menge Zeit dadurch, dass Sie später beim Aufarbeiten die lästige Werbung im schnellen Vorlauf vorspulen können.

5. Machen Sie einen Deal mit Ihrer Familie

Treffen Sie eine Vereinbarung mit Ihrer Familie, dass Sie zwar im November relativ wenig Zeit für sie haben werden, dies aber im Dezember wieder gutmachen werden.

Sorgen Sie dafür, dass man Sie während des Novembers nicht beim Schreiben stört (ein aus dem Schreibfluss herausgerissener Schriftsteller ist bekanntlich reizbarer und unleidlicher als ein angeschossener Grizzly). Delegieren Sie Aufgaben im Haushalt an Familienmitglieder und plädieren Sie dafür, dass auch der Rest der Familie sich im November verstärkt mit Hobbys beschäftigt, die nicht Ihre Mitwirkung oder auch nur Anwesenheit erfordern. Ist der November nicht eine wundervolle Zeit für Puzzles? ;-)

Im Dezember können Sie dafür das Schreiben ja ein ganzes Stück zurückschrauben und ein paar schöne Unternehmungen mit Ihrer Familie machen, um die Fertigstellung Ihres Roman-Manuskripts zu feiern und Ihre Familie für die vergangenen ungeselligen Wochen zu entschädigen.

6. Reservieren Sie feste Zeiten zum Schreiben

Planen Sie schon im Vorfeld, zu welchen Zeiten Sie schreiben wollen. Sie können darüber hinaus natürlich auch bei jeder anderen sich bietenden Gelegenheit schreiben (jede zusätzliche Minute kann helfen, zusätzliche Wörter aufs Papier zu bringen und damit den magischen 50.000 Wörtern näher zu kommen), aber zu den festgelegten Zeiten machen Sie eben nichts anderes, als zu schreiben.

Wie viel Zeit Sie fest fürs Schreiben reservieren sollten, hängt von Ihrer Schreibgeschwindigkeit ab. Wenn Sie 1.000 Wörter Rohfassung pro Stunde schaffen (ein recht gemächliches Tempo von nicht einmal 20 Wörtern pro Minute), brauchen Sie ca. 50 Stunden für das Schreiben Ihres Romans, also ca. 13 Stunden pro Woche.

Das könnte in der Praxis so aussehen, dass Sie werktags morgens eine Stunde vor der Arbeit schreiben und abends nochmal eine halbe Stunde nach dem Abendessen. Wenn Sie dann Samstag und Sonntag noch jeweils mindestens drei Stunden zum Schreiben einplanen, sind Sie schon halbwegs auf der sicheren Seite.

Achten Sie darauf, die fest fürs Schreiben reservierten Zeiten eifersüchtig vor Störungen und anderen Aufgaben zu beschützen. Jede Minute, die Sie während dieser Zeiten nicht zum Schreiben verwenden, sorgt unterm Strich für ärgerliche Rückstände, die Sie später mühsam wieder aufholen müssen.

7. Schneller als der eigene Schatten

Genau wie Comic-Cowboy Lucky Luke dafür bekannt ist, schneller als sein eigener Schatten zu schießen, sollten Sie schneller als Ihr eigener Plan schreiben. Versuchen Sie, schon so früh wie möglich einen Vorsprung herauszuarbeiten und diesen nach und nach auszubauen, statt an faulen Tagen davon zu zehren.

Es kann immer mal etwas dazwischen kommen, das verhindert, dass man an einem Tag so gut wie in der Theorie geplant zum Schreiben kommt. An solchen Chaos-Tagen freut man sich, wenn man sich bereits einen beruhigend großen Vorsprung herausgearbeitet hat und nicht direkt in Rückstand gerät.

Abgesehen davon wird man es selten schaffen, eine Punktlandung hinzulegen und seine Romanhandlung mit exakt 50.000 Wörtern abzuschließen. Wenn Sie am Ende noch etwas Luft haben, kann Ihr Roman gerne auch schon in der Rohfassung etwas länger als 50.000 Wörter werden.

8. Das Wichtigste zuerst

Wenn Sie Ihren NaNoWriMo-Roman vorplanen, sollten Sie beim Schreiben mit den Szenen des Haupthandlungsstrangs beginnen und zunächst einmal die Handlung bis zum großen Finale herunter schreiben.

Lassen Sie die Szenen geplanter oder angedachter Nebenhandlungsstränge zunächst entweder ganz unter den Tisch fallen oder ersetzen Sie diese durch kurze Platzhalter – also eine summarische Zusammenfassung in 2-3 Sätzen, was in dieser Szene passieren soll.

Wenn Sie mit der Haupthandlung fertig sind und endlich das magische Wörtchen ENDE unter die letzte Seite schreiben können, ziehen Sie Zwischenbilanz. Wie weit sind Sie noch von den angepeilten 50.000 Wörtern entfernt und wie vielen Szenen dürfte das noch entsprechen?

Abhängig davon suchen Sie sich einen passenden Nebenhandlungsstrang aus und fahren mit dem Schreiben fort, indem Sie die Szenen dieses Handlungsstrangs Stück für Stück in die offen gelassenen Lücken der Haupthandlung einflechten.

Auf diese Weise haben Sie mit Sicherheit Ende November eine abgeschlossene Romanhandlung vorliegen, auch wenn vielleicht einzelne Nebenhandlungsstränge noch etwas ausgearbeitet und erweitert werden müssen.

9. Urlaub für den Endspurt

Wenn Sie noch ein paar unverplante Urlaubstage übrig haben, können Sie diese für Ende November einplanen. Wenn bis dahin mit dem Schreiben alles nach Plan läuft, können Sie die freien Tage einfach so genießen – aber falls Sie durch unvorhergesehene Komplikationen in Rückstand geraten sein sollten, können Sie jetzt noch einen Endspurt einlegen, um das Ruder noch einmal herumzureißen und es doch noch rechtzeitig über die 50.000-Wörter-Ziellinie zu schaffen.

10. Bleiben Sie locker

Vergessen Sie bei aller Planung und Disziplin niemals, dass es beim NaNoWriMo in erster Linie darum geht, Spaß zu haben. Machen Sie sich keinen Stress und verkneifen Sie sich zu hohe Erwartungen an die Qualität Ihrer Rohfassung.

Nehmen Sie sich selbst und Ihren eigenen Roman nicht zu ernst. Allein das trägt schon viel dazu bei, dass Sie den NaNoWriMo erfolgreich und ohne zerrüttetes Nervenkostüm hinter sich bringen werden.


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Buchtipp (englisch): „When Every Month Is NaNoWriMo“

In wenigen Tagen beginnt der diesjährige NaNoWriMo: der „National Novel Writing Month“ – unter Nicht-Roman-Autoren eher als „November“ bekannt. Grund genug für mich, diesmal ein Buch vorzustellen, dessen Fokus ganz klar auf dem NaNoWriMo liegt: „When Every Month Is NaNoWriMo“ von Larry Brooks.

Wer gerne englischsprachige Schreibratgeber (oder Blogs übers Schreiben) liest, kennt Larry Brooks vermutlich als den Autor von Büchern wie „Story Engineering“, „Story Physics“ und „Story Fix“ oder aus seinem Blog Storyfix.com, in dem er regelmäßig interessante Artikel über die Struktur und Planung von Romanen veröffentlicht.

Aber widerspricht ein so strukturierter Ansatz, der den Fokus auf die Konstruktion einer Geschichte legt, nicht dem Gedanken des NaNoWriMo, innerhalb von nur 30 Tagen einen kompletten Roman (wenngleich nur als Rohfassung) herunter zu schreiben?

Um zu beweisen, dass Struktur und Geschwindigkeit keinen Widerspruch in sich darstellen, veröffentlichte Larry Brooks Ende 2011 in seinem Blog eine 31-teilige Artikelserie darüber, wie man einen kompletten Roman innerhalb einer knappen Deadline (wie der des NaNoWriMo) schreiben kann.

Aus dieser Serie von Blogposts wurde (mit kleineren Änderungen) der Schreibratgeber „When Every Month is NaNoWriMo“. Auch wenn die ursprünglichen Blogposts für das Buch überarbeitet und in manchen Passagen klarer formuliert wurden, handelt es sich dennoch nicht um ein so strukturiertes Werk wie Brooks andere Schreibratgeber.

Beim Lesen springen einem immer wieder Passagen ins Auge, die wenig mit dem eigentlichen Fokus des Buchs zu tun haben. Solche Abschweifungen sind bei Blogposts nicht unüblich, reißen einen aber hier immer wieder etwas aus dem Lesefluss heraus. Auch die einzelnen Artikel enthalten mehr Wiederholungen und redundante Informationen als ein normaler, sauber strukturierter Schreibratgeber. Und last not least fehlt dem Buch ein übersichtliches Inhaltsverzeichnnis, mit dem man direkt zu bestimmten Themen springen kann. Stattdessen ist das Buch darauf angelegt, in fester Reihenfolge von vorne nach hinten gelesen zu werden.

Wenn man Brooks bereits kennt, weiß man im Groben, was einem in diesem Buch erwartet: Struktur, Struktur und nochmals Struktur als der allein selig machende Weg zu einem guten Roman. Wer sich selbst als ‚Pantser‘, ‚Gärtner‘ oder ‚organischen Schriftsteller‘ sieht und keine Lust hat, sich von Brooks zu missionieren und zum Outliner konvertieren zu lassen, wird an Brooks Werk (ebenso wie an seinen anderen Schreibratgebern) vermutlich relativ wenig Spaß haben.

Doch wenn man dem Ansatz etwas abgewinnen kann, einen Roman erst aus der Vogelperspektive zu planen, bevor man sich auf die eigentliche Reise begibt, ist „When Every Month Is NaNoWriMo“ eine wertvolle Ergänzung der eigenen Schreibbibliothek.

Gerade wenn man noch keinen der Schreibratgeber von Larry Brooks gelesen hat, ist dieses verglichen mit seinen anderen Büchern recht günstige eBook ein recht guter Einstieg, um einen Eindruck von Brooks Ansatz zu bekommen und die Konzepte kennenzulernen, die Brooks in seinen anderen Schreibratgebern ausführlicher und mehr in die Tiefe gehend erklärt.

Kurzum: Wenn einem „When Every Month Is NaNoWriMo“ gut gefällt, kann man sich recht sicher sein, dass einem auch „Story Engineering“, „Story Physics“ und „Story Fix“ gefallen werden. Das macht dieses eBook zu einem guten Einstieg in die Storyfix-Schreibrategeber.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Buch anlässlich des NaNoWriMo auf 99 Cent reduziert – also ein echter „No Brainer“, bei dem man ohne zu zögern zugreifen kann. Wenn das Buch nach dem Ende der Aktion wieder zum vollen Preis verkauft wird, würde ich die Kaufempfehlung hingegen relativieren und eher empfehlen, sich zunächst einmal die Original-Blogposts auf Storyfix.com durchzulesen. Im direkten Vergleich haben die Blogposts gegenüber der eBook-Version den Vorteil, dass man sich hier auch die oft recht interessanten Leserkommentare zu den einzelnen Artikeln zu Gemüte führen kann.

Sie finden die Kindle-Version bei Amazon unter: https://www.amazon.de/When-Every-Month-NaNoWriMo-English-ebook/dp/B0064IE896

Alternativ finden Sie den ersten Blogpost der dem eBook zugrundeliegenden Artikelserie von Larry Brooks auch heute noch in seinem Blog unter http://storyfix.com/nail-your-nanowrmo. Von hier aus können Sie sich über die Links (rechts oberhalb des schwarzen Überschrift-Balkens) der Reihe nach durch die einzelnen Artikel der Serie hangeln.


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Schreibsprints mit WriteMonkey

Gerade im NaNoWriMo ist es wichtig, innerhalb der knappen Zeit, die einem zum Schreiben zur Verfügung steht, möglichst gut voran zu kommen. Schließlich will man innerhalb von nur 30 Tagen ein komplettes Roman-Manuskript von mindestens 50.000 Wörtern in den Computer hämmern.

Ein probates Mittel, um einen gleichbleibend hohen Output zu erzielen, sind Schreibsprints. Dabei stellt man einen Timer auf eine bestimmte Zeit (beispielsweise 10 Minuten) und versucht dann, innerhalb dieser Zeit möglichst viel zu schreiben – mindestens jedoch eine bestimmte Anzahl von Wörtern.

Gerade während des NaNoWriMos sind Schreibsprints praktisch, um sicherzustellen, dass man tatsächlich so gut wie geplant vorankommt. Sagen wir, dass Sie Ihren NaNoWriMo-Roman recht gut vorgeplant haben und die Rohfassung mit mindestens 1.200 Wörtern pro Stunde runterreißen wollen, damit Sie in 90 Minuten pro Tag Ihr statistisches Tagessoll (50.000 Wörter / 30 Tage = 1.667 Wörter pro Tag) nicht nur erreichen, sondern sich sogar noch einen kleinen Puffer aufbauen.

Es ist wesentlich einfacher, über den Tag verteilt immer wieder mal zwischendurch 10 Minuten Zeit fürs Schreiben zu finden, als 90 Minuten am Stück freizuschaufeln. Wenn Sie die 1.200 Wörter pro Stunde also auf sechs Schreibsprints á 10 Minuten aufteilen, müssten Sie je Schreibsprint 200 Wörter schaffen.

Doch wie sehen Sie während des Schreibens, ob Sie gut im Plan liegen? Dies ging früher sehr gut mit dem Programm „Write Or Die“ von Dr. Wicked, doch während die erste Version zwei sich langsam füllende Balken für Wordcount und Zeit zeigte, an denen man jederzeit exakt ablesen konnte, ob man gut im Rennen liegt, wurde dieses nützliche Feature leider bei der ansonsten optisch aufgewerteten Version 2.0 weggelassen

Es gibt allerdings die Möglichkeit, das Schreibprogramm WriteMonkey so zu konfigurieren, dass es für Schreibsprints perfekt geeignet ist. Ich zeige Ihnen in diesem kurzen Tutorial, welche Einstellungen Sie vornehmen müssen, um WriteMonkey zum perfekten Tool für Schreibsprints zu machen.

Screenshot WriteMonkey

Aktivieren Sie in den Optionen im Reiter „Bildschirmelemente“ den grafischen Fortschrittsbalken. Wie breit dieser Balken dargestellt werden soll, können Sie direkt darunter einstellen.

Durch diese Option wird der Wordcount des aktuellen Dokuments nicht mehr nur als Zahl, sondern zusätzlich auch als Balken in Relation zur geplanten Länge des Dokuments angezeigt.

Vor dem Start eines neuen Schreibsprints drücken Sie in WriteMonkey F6 (= Segmentfokus aktivieren), um den bisher geschriebenen Text auszublenden. Egal, wie lang Ihr Manuskript bereits ist – der bisherige Text wird nun ausgeblendet und beim Wordcount nicht mehr mitgezählt. Sie beginnen also mit jedem neuen Schreibsprint wieder bei null.

Wenn Sie erneut F6 drücken, wird der Segmentfokus aufgehoben und das komplette Manuskript wieder eingeblendet. Es besteht also nicht die Gefahr, durch den Segmentfokus Daten zu verlieren – hierbei wird wirklich nur der zuvor geschriebene Text ausgeblendet.

Nachdem Sie mit F6 den Segmentfokus aktiviert haben (der Bildschirm ist also leer, der komplette Text ausgeblendet), drücken Sie F12 für die Textstatistiken.

Screenshot WriteMonkeyHier können Sie den Fortschrittszähler aktivieren (oberer roter Rahmen) und die Anzahl der Wörter festlegen, die Sie innerhalb des kommenden Schreibsprints schreiben wollen.

Im unteren Bereich „Schnellschreiben“ aktivieren Sie den Countdown-Zähler (Häkchen setzen, Zeit auf beispielsweise 10 Minuten einstellen).

Sobald Sie so weit sind, dass Sie mit dem Schreibsprint beginnen wollen, klicken Sie auf „Start“ und schließen das Fenster mit OK.

Screenshot WriteMonkeyWährend Sie nun konzentriert an Ihrem Manuskript schreiben, füllt sich langsam der Fortschrittsbalken am unteren Rand. Sobald Sie Ihr Soll (in unserem Beispiel 200 Wörter) erreicht haben, beginnt der Balken am linken Bildschirmrand von vorne – diesmal allerdings in Rot, um zu zeigen, dass Sie das Ziel nicht nur erreicht, sonderns sogar schon überschritten haben).

Die kleine Markierung über dem Fortschrittsbalken (siehe Pfeil) ist der Countdown-Uhrzeiger, der langsam in Richtung des rechten Bildschirmrands wandert. Erreicht der Zeiger den rechten Rand, ist die Zeit um.

Durch diesen kleinen Trick sehen Sie jederzeit auf einen Blick, wie Sie im Rennen liegen. Solange der Countdown-Uhrzeiger den Balken für den Wordcount nicht überholt, liegen Sie gut im Rennen. Hängt dieser Sie ab und wandert schneller nach rechts, als Ihr Wordcount-Fortschrittsbalken wächst, sind Sie zu langsam und müssen einen Zahn zulegen.

Nach Ende des Schreibsprints drücken Sie wieder F12 und klicken zum Abschluss auf den Button „Stop/Zurücksetzen“.

Um direkt nach Ablauf der Zeit den nächsten Schreibsprint zu starten, können Sie die Sache abkürzen: Falls Sie kein neues Manuskript begonnen hatten, sondern anfangs mit F6 Ihr bisheriges Manuskript ausgeblendet hatten, drücken Sie F6, um alles wieder einzublenden. Drücken Sie anschließend erneut F6, um den Segmentfokus wieder für den nächsten Schreibsprint zu aktivieren. Der Bildschirm müsste anschließend wieder leer sein und der Wordcount auf 0 stehen.

Drücken Sie F12 für die Textstatistiken, Stoppen Sie den Timer mit „Stop/Zurücksetzen“ und starten Sie ihn anschließend direkt wieder mit „Start“ neu. Verlassen Sie das Fenster mit „OK“ – und der nächste Schreibsprint beginnt sofort.

Probieren Sie es einfach einmal aus – es ist äußerst motivierend. Sie können diese Technik auch nutzen, um beispielsweise Anthony Trollope nachzueifern, der dafür bekannt war, während seiner morgendlichen Schreibsessions alle 15 Minuten 250 Wörter (also eine Seite) seines aktuellen Roman-Manuskripts zu schreiben. In diesem Sinne: Do the Trollope! ;-)


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Cold Turkey Writer – Patentrezept für ablenkungsfreies Schreiben

Wer mein Blog bzw. den WritersWorkshop Autorennewsletter schon etwas länger liest, kennt vermutlich meine Vorliebe für Schreibprogramme, die sich aufs ablenkungsfreie Schreiben spezialisiert haben.

Da wären zunächst mal die wegen ihrer schlichten, schnörkellosen und rein auf den Text fokussierten Optik als „Zenware“ bezeichneten Schreibprogramme wie WriteMonkey, FocusWriter oder Q10, bei denen man während des Schreibens nur den reinen Text sieht – keine Menüs, Icons oder Formatierungsoptionen. Auch Scrivener hat einen solchen Vollbildmodus, bei dem wahlweise alle anderen Hintergrundfenster gedimmt oder komplett ausgeblendet werden.

Diese Programme sind natürlich praktisch und nützlich, doch sie zwingen einen nicht, sich wirklich ausschließlich mit dem Schreiben zu beschäftigen. Trotz der ablenkungsfreien Oberfläche sind der Browser oder das Mailprogramm stets nur einen Mausklick oder eine Tastenkombination entfernt.

Doch jetzt gibt es es ein neues Schreibtool, das sich dieser Problematik annimmt und dafür sorgt, dass man wirklich am Ball bleibt und sich nicht durch eingehende Emails oder andere Verlockungen des Internets ablenken lässt: „Cold Turkey Writer“ (das früher erst „Forcedraft“ und dann „Writer’s Block“ hieß) ist ein simples kleines Windows-Programm, das den PC während des Schreibens in eine reine Schreibmaschine verwandelt – und zwar mit allen damit verbundenen Konsequenzen.

„Cold Turkey Writer“ ist ein wirklich kleines (weniger als 1 MB), portables Programm, das Sie nicht einmal auf Ihrem Rechner installieren müssen. Es läuft sowohl vom USB-Stick als auch direkt aus Ihrem Dropbox-Verzeichnis: einfach herunterladen, in einem separaten Ordner speichern und dann das Programm starten.

Sobald Sie das Programm starten, können Sie bis zum Beenden des Programms nur noch (!) mit „Cold Turkey Writer“ arbeiten. Das Programm wird im Vollbildmodus angezeigt, die Taskleiste und das Startmenü werden ausgeblendet und alle einschlägigen Tastenkombinationen, mit denen Sie üblicherweise zum Desktop gelangen, auf andere Programme umschalten oder das laufende Programm beenden, werden deaktiviert.

Solange Sie sich nur im Hauptmenü befinden und noch keine Herausforderung aktiviert haben, können Sie das Programm noch per „Quit“ beenden und zur normalen Windowsoberfläche zurückkehren.

Doch das wollen Sie in der Praxis natürlich nicht. Sie wollen ja zum Schreiben kommen – deswegen haben Sie „Cold Turkey Writer“ ja gestartet.

Die Optionen sind einfach: Über die beiden Haupt-Reiter wählen Sie, ob Sie mit einem neuen Dokument beginnen oder an einem bestehenden Manuskript weiter arbeiten wollen.

Jetzt haben Sie noch die Wahl, ob Sie eine bestimmte Anzahl Wörter schreiben oder eine bestimmte Anzahl Minuten lang fokussiert schreiben wollen. Was immer Sie wählen: die Entscheidung ist endgültig. Sobald Sie auf „Start“ drücken, haben Sie erst dann die Möglichkeit, Ihr Manuskript zu speichern und das Programm zu beenden, wenn Sie Ihr selbst gewähltes Ziel erreicht haben.

Als dritte Option gibt es noch „Don’t block me“. Hierbei werden zwar ebenfalls alle anderen Programme und Funktionen blockiert, aber Sie können jederzeit Ihr Manuskript speichern und das Programm beenden. Aber auf solche halbherzigen Versuche lassen Sie sich natürlich nicht ein, oder? ;-)

Screenshot Writer's BlockSobald Sie also auf „Start“ klicken, sehen Sie nur noch eine Schreibmaschinenseite, die den größten Teil des Bildschirms einnimmt, darüber den „Cold Turkey Writer“ Schriftzug mit einem dezenten Fortschrittsbalken, der sich langsam füllt, während Sie schreiben.

Je nachdem, ob Sie ein zeitliches Ziel oder eine bestimmte Anzahl von Wörtern gewählt haben, symbolisiert dieser Balken entweder, wie viele Wörter Ihnen noch zur Erreichung Ihres Ziels fehlen oder aber, wie lange Sie noch schreiben müssen.

Sobald Sie Ihr Ziel erreicht haben, verschwindet der Fortschrittsbalken und wird durch die beiden Optionen „Snooze (10 min)“ und „Save and Quit“ ersetzt.

Mit „Snooze“ lassen Sie sich auf weitere 10 Minuten konzentriertes Schreiben ein. Mit „Save and Quit“ speichern Sie Ihr Manuskript und beenden das Programm.

Natürlich müssen Sie die „Snooze“-Funktion nicht benutzen, wenn Sie vor dem Speichern einfach noch etwas weiter schreiben wollen. Sie können auch „einfach so“ weiter machen und erst dann auf „Save and Quit“ gehen, wenn Sie so weit sind.

Fazit: Cold Turkey Writer ist ein wahrlich minimalistisches Schreibtool. Sie können absolut nichts an der Optik verstellen: Weder die Farben noch die Schriftart oder die Schriftgröße.

Doch was es tut, macht es wirklich klasse: Es zwingt Sie dazu, die Sache zu Ende zu bringen. Wenn Sie mindestens 500 Wörter schreiben wollten, können Sie wirklich erst dann aufhören, wenn Sie Ihre 500 Wörter voll haben. Wenn Sie mindestens 30 Minuten lang schreiben wollten, bleibt Ihr PC bis zum Ablauf dieser 30 Minuten für alle anderen Aufgaben gesperrt.

Kein schnelles Umschalten auf den Browser, um „nur mal schnell“ etwas nachzuschauen oder zu recherchieren. Wenn Ihnen beim Schreiben Informationen fehlen, müssen Sie eben einen Platzhalter wie [Name des Bischofs von Köln in 1927] einsetzen und diese Lücken später bei der Überarbeitung füllen.

Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die ich noch bei „Writer’s Block“ vermisse. In erster Linie wäre das die Anzeige des aktuellen Wordcounts für das komplette Manuskript und die aktuelle Session – eventuell bei den Optionen (nur Pro-Version), die man mit einem kleinen Pfeil in der linken unteren Bildschirmecke aufklappen kann. Aber vielleicht kommt das ja noch bei einer der nächsten Versionen.

Sie finden „Writer’s Block“ zum kostenlosen Download unter https://getcoldturkey.com/writer/.

Dort haben Sie auch die Möglichkeit, für 10 Dollar die kostenpflichtige Pro-Version zu bestellen. Der Haupt-Unterschied zur kostenlosen Version besteht darin, dass Sie bei der Pro-Version in den Optionen z.B. das Markieren von Text, die Cursortasten und die Delete-/Backspace-Tasten deaktivieren können, um so wirklich wie an einer klassischen Schreibmaschine ohne Korrekturband zu schreiben.

Zusätzlich können Sie in der Pro-Version Hintergrundgeräusche (Regen / Coffivity) aktivieren, um auch in lauteren Umgebungen ablenkungsfrei schreiben zu können.

Die Pro-Version ist meines Erachtens zwar zum Schreiben nicht erforderlich, bietet aber eine nette Möglichkeit, den Entwickler von „Cold Turkey Writer“ für seine gute Arbeit zu honorieren.


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„NaNoWriMo – nichts für mich“? Ein alternativer Ansatz

Der Countdown zu „dem“ Monat für Schriftsteller läuft – dem November, bei der schreibenden Zunft auch als „NaNoWriMo“ bekannt. Der „National Novel Writing Month“, der weltweit hunderttausende Schriftsteller an ihre Tastaturen strömen lässt, um innerhalb von nur 30 Tagen die mindestens 50.000 Wörter lange Rohfassung eines neuen Romans zu schreiben.

Wie sehen Sie den allgemeinen Trubel um den NaNoWriMo? Gehören Sie zu denen, die (fast) jedes Jahr aufs Neue mit all den anderen Marathon-Schreibern am Start stehen und dem Startschuss entgegen fiebern? Oder haben Sie irgendwann für sich entschieden, dass der NaNoWriMo nichts für Sie ist? Zu stressig? Zu sehr auf Quantität statt auf Qualität fokussiert? Oder generell nicht passend, da Sie keine Romane, sondern Kurzgeschichten, Drehbücher oder Sachbücher schreiben?

Doch selbst wenn der ‚traditionelle‘ NaNoWriMo nichts für Sie ist, bedeutet das noch lange nicht, dass Sie den Kreativitäts- und Produktivitätsschub, den der NaNoWriMo in den teilnehmenden Romanautoren auslöst, nicht auch für sich nutzen könnten – wenn auch auf andere Art und Weise.

Im Laufe der Jahre haben sich schon verschiedene „Gegenveranstaltungen“ gebildet – zum Beispiel „Write Nonfiction in November„, ein Gegenangebot anderer Veranstalter, das sich an Sachbuchautoren richtet und sie motivieren möchte, im November ein Sachbuch zu schreiben.

Doch warum sollten Sie sich auf bestehende Veranstaltungen und Konzepte beschränken? Schließlich sind Sie Schriftsteller und als solcher ausgesprochen kreativ. Überlegen Sie doch einfach, was eine für Sie passende Herausforderung wäre, die Sie bei Ihren persönlichen Projekten und Zielen voran bringen würde.

Aus meiner Sicht liegt der Nutzen des NaNoWriMo (oder allgemeiner gesprochen: des Novembers als „Schreibmonat“) in erster Linie darin, dass man sich einen Monat lang aufs Schreiben fokussiert. Während das Schreiben das ganze Jahr über viel zu oft durch alle anderen Prioritäten, Zwänge und Aufgaben zu sehr in den Hintergrund gedrängt wird, haben wir im November mit dem NaNoWriMo eine Ausrede / ein gutes Argument dafür, uns einen Monat lang in erster Linie ums Schreiben zu kümmern. Ein Monat, in dem das Schreiben im Mittelpunkt steht, statt zwischen all den anderen Verpflichtungen ein Nischendasein zu fristen.

Da wird vorgekocht oder die Tiefkühltruhe mit Fertiggerichten aufgefüllt, die Festplatte des SAT-Receivers freigeschaufelt, um Filme und Serien für später aufzuzeichnen, statt sie live anzusehen und Familie und Freunde schonend darauf vorbereitet, dass man die nächsten 30 Tage deutlich weniger Zeit als sonst für sie haben wird. Andere Hobbys und Freizeitveranstaltungen werden zurückgeschraubt und auf später verschoben, was durch das trübe Spätherbstwetter des Novembers noch erleichtert wird. Im November gibt es nichts mehr im Garten zu tun, keinen Rasen zu mähen – und zu langen Spaziergängen und Wanderungen lädt das nasstrübe Novemberwetter meist ohnehin nicht ein.

Sollen Sie sich diese Vorteile entgehen lassen, nur weil Sie keinen NaNoWriMo-Roman schreiben wollen?

Definieren Sie doch einfach Ihren eigenen November-Schreibmarathon mit Regeln und einer Herausforderung, die genau auf Sie und Ihre persönlichen Ziele zugeschnitten ist. Egal, ob Sie Blogger, Sachbuchautor oder Kurzgeschichtenautor sind, ob Sie gerne mit oder ohne Planung, langsam oder schnell schreiben.

Fragen Sie sich einfach: Wenn ich nur während eines einzigen Monats des Jahres zum Schreiben käme, mich dafür aber während dieses Monats (abgesehen von der Arbeit und bestimmten lebensnotwendigen Aufgaben) fast ausschließlich aufs Schreiben konzentrieren könnte – wie würde ich diesen Monat nutzen?

Würden Sie…

  • …mindestens 52 Blogposts auf Vorrat für Ihr Blog schreiben, damit Sie für den Rest des Jahres keinen Stress mehr haben, sondern Woche für Woche einen Ihrer vorgeschriebenen Artikel aus dem Hut zaubern können?
  • …ein Sachbuch oder einen Ratgeber zu einem Thema schreiben, zu dem Sie Ihr Wissen und Ihre persönlichen Erfahrungen schon lange mal in Buchform bringen wollten?
  • …einen ganzen Stapel Kurzgeschichten schreiben – vielleicht sogar genug, um eine eigene Kurzgeschichten-Anthologie veröffentlichen zu können?
  • …täglich mindestens ein Gedicht schreiben?
  • …ein Drehbuch oder Theaterstück schreiben?

Oder vielleicht haben Sie auch eine ganz andere Idee, wie Sie gerne den November nutzen würden. Setzen Sie sich Ihr eigenes Ziel. Ein Ziel, für das Sie sich strecken müssen, um es zu erreichen, aber das Ihnen ein breites, zufriedenes Lächeln ins Gesicht zaubern würde, wenn Sie es erreicht haben.

Und dann definieren Sie sich Ihren ganz eigenen Schreibmonat. Noch haben Sie fast zwei Wochen, um Ihre persönlichen Regeln zu definieren und alle erforderlichen Vorbereitungen zu treffen. Nutzen Sie diese Zeit. Anfang Dezember werden Sie sich freuen, dass Sie es getan haben.


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NaNoWriMo 2015 – Countdown zum Schreibmarathon…

Der November naht mit großen Schritten – und mit ihm der diesjährige NaNoWriMo: der National Novel Writing Month.

Wie jedes Jahr werden auch 2015 wieder hunderttausende Autoren weltweit an den Start gehen, um die Rohfassung ihres Romans in gerade mal 30 Tagen zu schreiben. Und genau wie in den vergangenen Jahren wird es wohl auch 2015 nicht einmal jeder fünfte von ihnen über die Ziellinie schaffen.

Wenn Sie also vorhaben, dieses Jahr am NaNoWriMo teilzunehmen, sollten Sie jetzt schon daran arbeiten, Ihre Erfolgschancen zu verbessern.

Seit Donnerstag Morgen ist die Webseite für den diesjährigen NaNoWriMo live, so dass Sie jetzt schon Ihren Benutzeraccount anlegen bzw. auf den neuesten Stand bringen und alle Daten für Ihr geplantes Romanprojekt eintragen können – also den Arbeitstitel, eine Kurzbeschreibung und eventuell ein selbstgestaltetes Buchcover-Mockup.

Planen Sie Ihren Erfolg…

„Moment mal: ‚geplantes‘ Romanprojekt?“ wird jetzt so mancher Leser irritiert fragen. Liegt nicht das Ziel des NaNoWiMo darin, einen Roman ganz ohne Planung von Null auf Hundert innerhalb von 30 Tagen in die Tasten zu hämmern?

Dies ist ein weit verbreitetes Missverständnis. Auch wenn der NaNoWriMo-Gründer Chris Baty beim ersten NaNoWriMo 1999 ohne jegliche Vorplanung mit seinem Romanprojekt startete, worüber er auch in seinem Buch „No Plot? No Problem!“ schreibt, ist eine gründliche Vorplanung keinesfalls tabu, sondern wird von den Veranstaltern sogar ausdrücklich empfohlen.

Sie dürfen lediglich vor dem 01.11.15 nicht mit dem eigentlichen Schreiben der Rohfassung zu beginnen. Solange Sie „nur“ Notizen zu Charakteren, Worldbuilding, Handlungssträngen, Szenen etc. sammeln, ist alles bestens.

Sie haben also noch volle drei Wochen Zeit, um Ihren Roman zu planen und so gut vorzubereiten, dass Sie nach dem Startschuss am ersten November direkt losschreiben können und in den darauf folgenden Wochen optimal mit Ihrem Roman voran kommen.

Wie detailliert Sie Ihren Roman im Vorfeld planen, ist natürlich eine Sache der persönlichen Präferenzen. Manche Autoren fühlen sich am wohlsten, wenn sie mit einer präzisen Gliederung für jede einzelne Szene loslegen können, während andere sich lieber kopfüber und lediglich mit ein paar groben Notizen bewaffnet ins kalte Wasser stürzen.

Wenn Sie noch keine Idee für eine Romanhandlung haben, kann ich Ihnen zwei effektive Techniken empfehlen, mit denen Sie noch an diesem Wochenende den Grundstock für eine gelungene Romanhandlung legen können:

  1. Tag-Team-Plotting: Mit dem von mir entwickelten Tag-Team-Plotting können Sie nicht nur innerhalb weniger Stunden das Grundgerüst für eine spannende Romanhandlung zusammen zimmern, sondern sorgen zugleich dafür, dass diese innovativ und weitab der üblichen Klischees verläuft. Alle Details und eine ausführliche Anleitung finden Sie hier.
  2. Die Casting-Kiste: Bei dieser Erweiterung zur Assoziativen Ideen-Matrix aus meinem Buch „Kreativ mit der Matrix“ starten Sie ausschließlich mit möglichen Romancharakteren und lassen mit den Regeln der Assoziativen Ideen-Matrix die Funken zwischen diesen Charakteren sprühen. Alle Details samt Anleitung finden Sie in der Ausgabe Juli 2013 des WritersWorkshop E-Zines. Alle weiterführenden Details zur Assoziativen Ideen-Matrix finden Sie im Buch „Kreativ mit der Matrix„.

Egal, welche von beiden Techniken Sie verwenden, um das Fundament für Ihren NaNoWriMo-Roman zu legen – innerhalb weniger Stunden dürfte sich die Handlung schon ziemlich genau abzeichnen.

Wenn Sie nach dieser ersten Phase noch mehr Ideen für Ihre Romanhandlung benötigen (was mit Sicherheit der Fall sein wird – egal ob jetzt oder erst während des NaNoWriMo ;-)) kann ich Ihnen die Assoziative Ideen-Matrix aus meinem Buch „Kreativ mit der Matrix“ ans Herz legen. Regelmäßige Leser meines Blogs und des WritersWorkshop E-Zines dürften das Buch bereits in ihrem virtuellen Bücherregal haben – allen anderen kann ich diese äußerst effektive Ideenfindungs-Technik nur empfehlen.

„Die Sterne stehen günstig…“

Auch wenn ich nicht an Astrologie glaube, sind die Voraussetzungen für einen erfolgreichen NaNoWriMo in diesem Jahr optimal: Der erste November ist ein Sonntag, so dass Sie (unabhängig davon, in welchem Bundesland Sie wohnen und arbeiten) direkt mit Volldampf loslegen können, ohne dass dies mit Ihrer Arbeit kollidiert – und auch danach geht es optimal weiter.

Vom 02.11.15 bis zum 29.11.15 haben Sie vier volle Kalenderwochen zum Schreiben Ihrer Rohfassung zur Verfügung, da der November in diesem Jahr nicht mitten in einer Kalenderwoche beginnt. Das passt natürlich optimal zur klassischen 4-Akt-Struktur: also ein Akt pro Kalenderwoche.

Versuchen Sie, von Montag bis Freitag jeweils mindestens 1.800 Wörter zu schreiben (50.000 Wörter Ziellänge / 28 Tage = 1.786 Wörter). Solange Sie darauf achten, dass Sie immer schon wissen, was Sie schreiben wollen, wenn Sie sich zum Schreiben an den PC setzen, sind 1.000 Wörter pro Stunde durchaus machbar (entspricht nicht mal 20 Wörtern pro Minute). Wir reden hier also von knapp zwei Stunden pro Tag, die Sie fürs eigentliche Schreiben Ihres Romans einplanen müssen – vielleicht eine Stunde morgens vor der Arbeit und eine Stunde abends statt einer langweiligen Fernsehsendung.

Damit haben Sie optimale Voraussetzungen geschaffen, um am Wochenende den jeweiligen Akt (siehe unten) erfolgreich abzuschließen. Meist hat man ja am Wochenende mehr Zeit zum Schreiben als werktags – das rein mathematische Wochenziel von mindestens 12.500 Wörtern pro Woche sollte also locker zu erreichen sein, wenn man mengenmäßig bis Freitag im Plan liegt. Und selbst wenn Sie am Wochenende feststellen, dass Sie noch ein paar tausend Wörter mehr schreiben müssen, um den aktuellen Akt Ihres Romans sauber abzuschließen, ist das Wochenende der perfekte Zeitpunkt, um eine kleine „Sonderschicht“ einzulegen. ;-)

Achten Sie lediglich darauf, dass Sie am Ende der Woche nicht weniger als 12.500 neue Wörter geschrieben haben. Wenn möglich sollten Sie versuchen, besonders die beiden mittleren Akte Ihres Romans auf jeweils mindestens 15.000 Wörter auszubauen, da der vierte Akt (das große Finale) erfahrungsgemäß oft etwas kürzer und rasanter ausfällt und man hier mit Pech nicht auf die vollen 12.500 Wörter kommt. In dem Fall haben Sie natürlich eine bessere Ausgangssituation, wenn Sie für Ihren vierten Akt nur noch runde 7.500 Wörter (= ca. 30 Seiten) brauchen, um das Gesamtsoll von 50.000 Wörtern für Ihren NaNoWriMo-Roman voll zu machen.

Hier finden Sie eine kurze Auflistung der vier Akte, von denen Sie sich einen pro voller Kalenderwoche vornehmen sollten. Dabei handelt es sich natürlich nur um ein grobes Gerüst, doch gerade dadurch ist es so flexibel, dass es sich auf fast alle Genres anwenden lässt.

Woche 1 (02.11-08.11): Einführung der Hauptcharaktere und des zentralen Konflikts bis zum „Punkt ohne Wiederkehr“, an dem der Protagonist bereits bis zum Hals im Abenteuer steckt.

Woche 2 (09.11-15.11): Ansteigende Spannung und Erhöhung des Drucks auf den Protagonisten bis zum Wendepunkt an der Mitte des Romans. Meist bestimmt in der ersten Hälfte des Romans der Antagonist die Handlung, während der Protagonist in erster Linie auf die Bedrohung reagiert. Rund um den Mittelpunkt des Romans kommt dem Protagonisten (meist durch eine mittlere Katastrophe) die Erkenntnis, dass er den Spieß umdrehen und das Spiel aktiv nach seinen eigenen Regeln spielen muss, wenn er gewinnen will.

Woche 3 (16.11-22.11): Es geht weiter bis zum „dunkelsten Moment“, dem größten Rückschlag für den Protagonisten, an dem es wirklich so aussieht, als ob er keine Chance mehr hätte, sein Ziel zu erreichen. Die Niederlage muss so heftig sein, dass sie dem Protagonisten regelrecht den Boden unter den Füßen wegzieht.

Woche 4 (23.11-29.11): Der Protagonist rappelt sich wieder auf und startet einen letzten, verzweifelten Versuch, bei dem er alles auf eine Karte setzt. Oft erkennt er erst durch die schwere Niederlage am Ende des dritten Akts, was wirklich wichtig ist und wo seine wahre Stärke liegt, mit der er das Blatt in letzter Minute noch einmal wenden kann. Großes Finale, Showdown, Ende!

Wenn Sie ganz auf Nummer Sicher gehen wollen, planen Sie bereits jetzt für den 30.11.15 einen Tag Urlaub ein. Wenn Sie rechtzeitig mit der Rohfassung Ihres Romans fertig sind, können Sie diesen Tag nutzen, um sich vom stressigen NaNoWriMo zu erholen und sich mal eine gemütliche Auszeit zu gönnen. Doch wenn Sie auf Ihrer eigenen Heldenreise wegen unerwarteter Umstände zurückgeworfen wurden, können Sie den 30.11 noch für einen letzten Endspurt nutzen, um es doch noch rechtzeitig über die 50.000-Wörter-Ziellinie zu schaffen und Ihr fertiges Manuskript hochzuladen.

Ich wünsche allen diesjährigen NaNoWriMo-Teilnehmern viel Spaß bei den Vorbereitungen und viel Erfolg im November!


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Softwaretipp für den NaNoWriMo: Write or Die

Manche von Ihnen kennen vielleicht schon das kostenlose Online-Schreibtool „Write or Die“ von Dr. Wicked.

„Write or Die“ erklärt Schreibblockaden den Kampf, indem es einen mit perfiden Methoden zwingt, permanent weiter zu schreiben, statt ewig über den nächsten Satz oder die perfekte Formulierung nachzugrübeln: Legt man eine zu lange Schreibpause ein, färbt sich der Bildschirm rot und man wird so lange mit nervigen Geräuschen getrietzt, bis man freiwillig wieder weiter schreibt.

Im noch perfideren ‚Kamikaze-Modus‘ löscht das Programm sogar nach und nach den bereits geschriebenen Text, wenn man nicht permanent weiter tippt.

Neben der Online-Version gibt es auch eine Desktop-Version für faire 10 USD und eine separate iPad-Version. Dadurch, dass das Programm unter Adobe Air läuft, ist es sowohl unter Windows als auch unter Mac-OS und unter Linux lauffähig.

Die Desktop-Version enthält zahlreiche Verbesserungen gegenüber der kostenlosen Online-Version: So kann man z.B. einstellen, dass man innerhalb von 15 Minuten mindestens 300 Wörter schreiben will. Sobald man auf den Startknopf drückt, erscheinen oberhalb des Schreibfensters zwei Balken für Wordcount (weißer Balken) und Zeit (roter Balken).

Bei beiden Balken entspricht die Bildschirmbreite 100% des Ziels, also in diesem Beispiel 100% von 300 Wörtern bzw. 100% von 15 Minuten. Man sieht somit jederzeit auf einen Blick, wie man im Rennen liegt.Ist der rote Balken länger als der weiße, muss man sich sputen, um seinen Rückstand aufzuholen, ist umgekehrt der weiße Balken länger, hat man sich bereits einen Vorsprung herausarbeiten können.

Auch die ‚Strafen‘ für zu lange Schreibpausen lassen sich beliebig anpassen: So kann man sowohl zwischen zahlreichen mitgelieferten Klängen wählen (mein Favorit: „Evil Violins“) als auch eigene Soundsamples im MP3-Format einspielen. Wie wäre es zum Beispiel mit der Stimme der nörgelnden Schwiegermutter aus dem letzten Familienvideo oder mit Modern Talkings „Cherie Cherie Lady“ als ultimative Gehörfolter? ;-)

Ob Online- oder Desktop-Version: Wenn Sie Probleme haben, beim NaNoWriMo Ihr tägliches Soll von 1.667 Wörtern voll zu bekommen, sollten Sie „Write or Die“ mal eine Chance geben.