Eine Alternative zu klassischen Romanstrukturen

Wenn es darum geht, einen Roman zu planen, bekommt man als Autor in Schreibratgebern meist die klassischen Romanstrukturen vorgebetet: von der klassischen 3-Akt-Struktur über die 8-Sequenzen-Struktur der Drehbuchautoren, Joseph Campbells ‚Monomythos‘ (besser bekannt als „Die Reise des Helden“) und die 7-Punkte-Struktur von Dan Wells bis hin zu genrespezifischen Modellen, die die einzelnen Phasen einer ‚klassischen Handlung‘ auflisten und für diese teils sogar noch prozentuale Angaben oder konkrete Seitenvorgaben machen.

Strukturen sind gut, solange sie ein stützendes Gerüst darstellen, aber sie schießen über das Ziel hinaus, sobald sie zu einem einengenden Korsett oder gar zu einer Zwangsjacke werden.

Es ist durchaus hilfreich, sich mit Romanstrukturen zu beschäftigen und ihre Elemente kennenzulernen, doch für die eigentliche Planung oder gar das Schreiben eines Romans sind sie meiner Meinung nach eher ungeeignet.

Je mehr Regeln man glaubt, beachten zu müssen, desto mehr wird das Planen und Schreiben eines Romans zu einem Hindernisparcours, bei dem man den Luftballon seiner kreativen Idee durch einen wahren Irrgarten aus rasiermesserscharfen Regeln hindurch zu manövrieren versucht. Der kreativen Entfaltung ist das nicht gerade zuträglich. Und die ist es doch gerade, auf die es uns beim Schreiben ankommt, oder?

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Struktur ist keinesfalls unwichtig, sondern ganz im Gegenteil ein wichtiges Fundament für einen guten Roman. Genau wie man bei einem Haus nachträglich nur schwer das Fundament austauschen oder das Haus gar nachträglich unterkellern kann, ist es sehr schwer und extrem aufwändig, die Struktur eines fertig geschriebenen Romans nachträglich noch zu ändern, ohne einen großen Teil der Handlung neu schreiben zu müssen.

Aber Struktur muss glücklicherweise gar nicht kompliziert sein. Nehmen wir als Beispiel ein Sandwich oder einen Burger: Jedes Sandwich hat oben und unten jeweils ein Toastbrot, genau wie jeder Burger oben und unten eine Brötchenhälfte hat. Wie viele Lagen unterschiedlicher Zutaten sich in welcher Reihenfolge dazwischen befinden, ist pure Geschmackssache. Vom dünnen Hamburger ohne alles bis zum Riesenburger, den man nur noch mit Maulsperre oder mit Meser und Gabel essen kann, ist alles möglich.

Genauso ist es auch bei Romanen. Auch hier wird der Großteil der Handlung zwischen Einleitung und Finale eingebettet. Was sich dazwischen befindet, ist bei jedem Roman anders.

Damit sind wir wieder mal bei der klassischen 3-Akt-Struktur, die auf dem Werk „Poetik“ des griechischen Philosophen Aristoteles beruht. Der erste Akt ist die Einleitung (sozusagen die untere Brötchenhälfte). Hier stellen wir die Charaktere vor und definieren den zentralen Konflikt – also das Problem, das unseren Protagonisten bis zum großen Finale auf Trab halten wird. Sobald unser Protagonist einsieht, dass er handeln muss, können wir zum Mittelteil übergehen.

Hier überhäufen wir unseren Protagonisten mit immer neuen und immer schwierigeren Problemen und Herausforderungen, bis es schließlich zum großen Finale kommt. Der Mittelteil ist sozusagen ein Dampfkochtopf, in dem wir so lange den Druck erhöhen, bis der Protagonist gar ist.

Das Finale (also die oberere Brötchenhälfte, um beim Burger-Vergleich zu bleiben) beginnt mit dem ‚dunkelsten Moment‘ aus Campbells Heldenreise – also dem Moment, in dem der Held sich in einer so aussichtslosen Lage befindet, dass er keine Chance mehr sieht, sein Ziel noch zu erreichen. Alles sieht danach aus, als ob der Antagonist gewinnen würde. Doch natürlich hat man als Autor noch eine gut vorbereitete Idee in der Hinterhand, die man zum Ende hin aus dem Ärmel ziehen kann, um das Blatt in letzter Sekunde doch noch zu wenden.

So weit, so gut, so einfach. Die meisten Autoren haben kein Problem damit, einen spannenden Anfang oder ein spannendes Ende zu schreiben. Der Mittelteil ist es, der den meisten von uns solche Probleme bereitet. Denn schließlich ist dieser Mittelteil üblicherweise mindestens ebenso lang wie die Einleitung und das Finale zusammen – oft sogar noch deutlich länger.

Viele Romane leiden daher unter der berüchtigten ‚durchhängenden Mitte‘. Das kann man sich vorstellen wie eine lange Wäscheleine oder eine Stromleitung, die zwischen zwei weit voneinander stehenden Pfosten/Masten gespannt ist. Wenn diese nicht absolut straff gespannt ist oder sich im Sommer durch Wärme ausdehnt, hängt sie in der Mitte durch.

Bei einem Roman ist dies das Niemandsland, wo wir schon so weit von der spannenden Einleitung entfernt und noch ebenso weit vom dramatischen Finale entfernt sind, dass die Handlung an Fahrt verliert. Die Spannung lässt nach, die Handlung hängt durch und mehr und mehr Leser legen das Buch gelangweilt zur Seite und lesen niemals weiter.

Das ist der Punkt, an dem viele Schriftsteller wieder nach Strukturen schielen, die ihnen dabei helfen sollen, die durchhängende Mitte mit zusätzlichen Pfosten abzustützen und hoch zu halten.

Dabei geht es viel einfacher. Sehr viel einfacher.

Die Lösung heißt „Ja, aber… / Nein, und zusätzlich…“. Die bisher beste Erläuterung zu diesem Ansatz habe ich in einer Video-Reihe der beiden amerikanischen Autoren John Brown und Larry Correia gesehen, doch auch andere bekannte Autoren wie Brandon Sanderson arbeiten mit dieser Methode.

Das dahinter liegende Prinzip ist ganz einfach: Sobald Sie mit Ihrer Einleitung fertig sind, das Problem definiert und Ihren Protagonisten mit einem Schubs in die richtige Richtung zum Handeln motiert haben, schreiben Sie Ihre Handlung „lagenweise“, um beim Burger-Vergleich (oder dem Sandwich, wenn Ihnen das lieber ist) zu bleiben.

Genau wie dort jede Lage unterschiedlich dick sein kann und natürlich auch möglichst abwechslungsreich sein sollte (nicht drei Scheiben Käse übereinander und dann fünf Salatblätter, sondern mal eine dicke Frikadelle, mal Käse, mal Salat und dann wieder ein paar Zwiebelringe), können auch die einzelnen Sequenzen, aus denen Sie den Mittelteil Ihres Romans ‚aufschichten‘, unterschiedlich lang bzw. umfangreich sein.

Ganz allgemein gesagt beginnt jede Sequenz mit einem Ziel und einem zugehörigen Plan und endet mit dem Ergebnis dieser Aktion. Dieses Ergebnis führt dann zu einem neuen Ziel, einem dazu gehörigen neuen Plan und damit zur nächsten Sequenz.

Jede dieser Sequenzen lässt sich durch eine Frage definieren, die man entweder mit „Ja, aber…“ oder mit „Nein, und zusätzlich…“ beantworten kann.

Bei der „Ja, aber“-Variante schafft es der Protagonist zwar, sein aktuelles (kurzfristiges) Ziel zu erreichen, aber jetzt zeichnet sich am Horizont ein neues, größeres Problem ab.

Dieses neue Problem sollte natürlich nach Möglichkeit mit der Lösung des bisherigen Problems zu tun haben bzw. sich daraus herleiten: Der Protagonist schafft es zwar, den Computer in der Villa des Syndikatsbosses zu hacken und die Identität des Maulwurfs in den eigenen Reihen aufzudecken, aber er erkennt, dass der Verräter ausgerechnet der Scharfschütze ist, der ihm vom Dach des Nebengebäudes aus Feuerschutz geben soll. Nun muss er befürchten, dass dieser Scharfschütze alles daran setzen wird, dass er das Gebäude nicht mehr lebend verlassen wird.

Bei der „Nein, und zusätzlich“-Variante scheitert der Protagonist und hat am Ende noch größere Probleme als zuvor: Wird der unter falschem Verdacht stehende Protagonist es schaffen, den einzigen Zeugen für seine Unschuld aufzuspüren und ihn zu einer Aussage bei der Polizei zu überreden? Nein, er kommt ein paar Minuten zu spät und findet nur noch die Leiche des Zeugen in dessen Wohnung vor – zusätzlich wird er beim Verlassen des Tatorts beobachtet und wird nun von der Polizeit auch noch wegen Mordes gesucht.

Man kann fast jede beliebige Sequenz sowohl mit einem „Ja, aber…“ als auch mit einem „Nein, und zusätzlich…“ enden lassen. So kann man beim Schreiben für Abwechslung sorgen und dem Protagonisten zwischendurch durchaus mal einen Pyrrhussieg gönnen, der in Wahrheit seine Situation sogar noch verschlechtert.

Hier ein kleines Beispiel:

Ausgangssituation: Ihr Protagonist überrascht einen Dieb, der in sein Hotelzimmer eingedrungen ist und dort gerade die Schubladen und Koffer durchwühlt. Der Dieb schnappt sich die Laptoptasche Ihres Protagonisten, stößt ihn zur Seite und flieht.

Ziel/Plan: Ihr Protagonist nimmt die Verfolgung des Diebs auf, um ihn zu stellen und ihm die Tasche wieder abzunehmen.

Frage: Wird es dem Protagonisten gelingen, den Dieb einzuholen und sich die Laptoptasche zurückzuholen?

Antwort, Variante A: Ja, aber bei der Verfolgung des Diebs durch die halbe Stadt ist er in einem heruntergekommenen Viertel gelandet. Er hat die Orientierung verloren und allmählich wird es schon dunklel. Eine Gruppe zwielichtiger Gestalten kommt auf ihn zu und umringt ihn. Einer von ihnen zückt ein Messer.

Antwort, Variante B: Nein, und zusätzlich büßt er auch noch seine Brieftasche und sein Handy ein, als der flüchtige Dieb ihm hinter einer einer Ecke auflauert und ihn mit einem herumliegenden Kantholz niederstreckt. Jetzt hat er eine gebrochene Nase, kein Geld für ein Taxi und kein Telefon mehr, um Hilfe zu rufen.

Egal, ob der Protagonist sein Ziel erreicht (Variante „Ja, aber…“) oder ob er scheitert (Variante „Nein, und zusätzlich…“) – seine Situation hat sich gerade verschlimmert.

Mit jeder solchen Sequenz, die Sie schreiben, bringen Sie Ihren Protagonisten in immer größere Schwierigkeiten, erhöhen den Druck und den Einsatz und versorgen ihn direkt mit einem neuen, noch größeren Problem, um das er sich kümmern muss.

Die Faustregel ist: Egal, wie die Sequenz ausgeht – Ihr Protagonist muss sich am Ende in einer noch schlechteren Situation als am Anfang befinden.

Achten Sie allerdings stets darauf, dass Sie den Druck nur langsam steigern. Wenn Sie ihm direkt bei der ersten Komplikation fast unlösbare Probleme um die Ohren hauen, ist im weiteren Verlauf der Handlung kaum noch eine Steigerung möglich.

Ihr Protagonist muss nicht senkrecht ins Chaos fallen. Es genügt, wenn er langsam und unaufhaltsam darauf zu rutscht und jeder noch so gut erdachte Plan ihn letztendlich doch nur weiter abrutschen lässt.

Achten Sie auch darauf, dass Sie sich (bzw. Ihren Protagonisten) niemals so in die Ecke schreiben, dass Ihnen selbst keine Lösung mehr einfällt, wie Sie ihn dort wieder mit halbwegs heiler Haut herausholen können.

Behalten Sie dafür immer das große Finale im Auge, das Sie zumindest ansatzweise skizziert haben sollten. Wenn das „Ja, aber / Nein, und zusätzlich“-Ende, das Sie für eine Sequenz angedacht haben, Ihnen das Ende verbaut, sollten Sie entweder umdisponieren oder zumindest eine Idee für ein anderes, mindestens ebenso gutes Ende im Hinterkopf haben, das zu dieser neuen Richtung der Handlung passt.

Spätestens, wenn Sie bei ca. 75-80% der Ziellänge Ihres Romans angekommen sind, sollten Sie Kurs auf den „dunkelsten Moment“ nehmen, also den Augenblick, in dem alles für Ihren Protagonisten wahrhaft hoffnungslos aussieht. Jetzt kommt die Sequenz, in der Sie Ihrem Protagonisten wirklich den Boden unter den Füßen wegziehen und ihn auf die Bretter gehen lassen.

Und damit haben Sie dann den perfekten Übergang zu Ihrem großen Finale erreicht. Dieser Teil schreibt sich dann wieder fast von alleine, zumal die Handlung jetzt nochmal deutlich an Fahrt aufnimmt. Und ehe Sie sich versehen, können Sie das magische Wörtchen ENDE unter das letzte Kapitel Ihres Romans schreiben.

Probieren Sie es einfach selbst einmal aus. Es lohnt sich.


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Ein würdiges Ziel für Ihren Protagonisten

Einer der wichtigsten Punkte beim Planen und Schreiben eines Romans ist, dem Protagonisten ein würdiges Ziel und eine ausreichende Motivation zu verpassen. Mit diesen beiden Punkten steht und fällt nicht nur die Glaubwürdigkeit des Romans, sondern auch die Akzeptanz beim Leser.

Im ersten Akt des Romans legen wir das Fundament für die Handlung, auf dem alles andere aufbaut. Genau wie man ein Haus bekanntlich nicht auf Sand bauen sollte, muss auch bei einem Roman das Fundament bombenfest sein, damit es die Handlung tragen kann.

Das gilt unabhängig davon, ob Sie Ihren Roman vor dem Schreiben komplett durchplanen oder ob Sie sich mit minimaler Planung kopfüber ins Schreibabenteuer stürzen.

Wenn Sie nicht gerade „literarische“ Romane schreiben (für manche Autoren eine Ausrede, um auf eine spannende oder auch nur stringente Handlung zu verzichten), sondern den Leser mit einer spannenden Handlung bei der Stange halten wollen, gibt es ein paar Fragen, die Sie zumindest für sich selbst beantworten sollten, bevor Sie auch nur „Kapitel 1“ über die erste Seite schreiben.

1. Was will Ihr Held mehr als alles andere im Laufe dieses Romans erreichen?

Natürlich hat Ihr Held im Laufe der Handlung mehrere Ziele, oft sogar eine ziemlich lange Liste von größeren Zielen über die Ziele aus Nebenhandlungssträngen bis hin zu den ‚Mini-Zielen‘, die er in einer einzelnen Szene erreichen will.

Doch in jedem Roman gibt es ein großes Ziel, um das sich der zentrale Konflikt des Romans rankt und das die große Frage des Lesers definiert: „Wird der Protagonist es schaffen, […]?“

Ein solches Ziel kann so ziemlich alles sein – es darf nur nicht zu einfach zu erreichen sein. Denn wenn es das wäre, wäre der Roman nicht nur langweilig, sondern auch verdammt schnell zu Ende.

Ob also Ihr Protagonist den Drachen töten, seine Traumfrau für sich gewinnen, ein Heilmittel gegen den Krebs entwickeln oder seine Firma vor dem drohenden Konkurs retten will – es muss das Potential haben, einen ganzen Roman zu tragen.

Und es muss dem Leser glaubwürdig erscheinen, dass er dieses Ziel unbedingt erreichen will. Womit wir auch schon beim nächsten Punkt bzw. der nächsten Frage wären.

2. Warum will (oder muss) Ihr Held dieses Ziel unbedingt erreichen?

Während Sie im ersten Akt das Ziel Ihres Protagonisten definieren, stellen Sie ihn und seine Entschlossenheit vom zweiten Akt an mit jeder neuen Herausforderung immer mehr auf die Probe – bis hin zum dunkelsten Moment und schließlich dem großen Finale.

Der Druck auf Ihren Helden wird immer größer, genau wie die Probleme, Hindernisse und Rückschläge, mit denen Sie ihn konfrontieren.

Fragen Sie sich also selbst: Warum schmeißt er nicht einfach die Brocken hin und gibt auf? Je größer die Gefahr, je schmerzlicher die Verluste und Rückschläge sind, desto größer muss auch die Motivation Ihres Protagonisten sein, trotz aller Widerstände und Hindernisse mit eiserner Entschlossenheit durchzuhalten.

Ist die Motivation Ihres Helden nicht ausreichend oder für den Leser nicht klar ersichtlich, wird der Leser die Handlung als unglaubwürdig abtun.

Fragen Sie sich daher sowohl, was Ihr Protagonist mit der Verfolgung seines Ziels riskiert, was er zu gewinnen/erreichen hofft und was die Konsequenzen wären, wenn er sein Ziel nicht erreicht, sondern scheitert oder aufgibt.

Nehmen wir als Beispiel das Fantasy-Klischee schlechthin: Der Held zieht aus, um den Drachen zu töten.

Was riskiert der Held dabei? Zunächst mal könnte er vom Drachen geröstet, zerfleischt oder auf sonstige unerfreuliche Weise vom Leben zum Tode befördert werden. Vielleicht muss er auf dem Weg zum Drachen auch verschiedene gefährliche Gebiete durchqueren und am Schluss sogar noch einen steilen Berg erklimmen, an dessen Gipfel sich die Höhle des Drachen befindet. Was zusätzlich auch noch den ‚Vorteil‘ hätte, dass der edle Ritter den Berg nur ohne seine schwere, klobige Rüstung erklettern kann und er sich dem Drachen somit ohne schützende Rüstung und nur mit seinem Schwert bewaffnet stellen muss.

Je größer die Risiken und Gefahren sind, die sich der Held schon am Anfang ausrechnen bzw. ausmalen kann, desto größer muss seine Motivation sein, sich überhaupt auf ein solches Abenteuer einzulassen.

Also: Was will der Held damit erreichen, dass er den Drachen tötet? Will er ganz altruistisch nur das geplagte Land von der Bestie befreien? Nicht sehr glaubwürdig. Hat er gehört, dass der Drache einen gewaltigen Goldschatz in seiner Höhle bewacht? Hat ihm der verzweifelte König die Hand seiner Tochter und das halbe Königreich versprochen, wenn er es schafft, den Drachen zu töten? Oder wird dem Drachen alle paar Monate eine Jungfrau geopfert, um ihn friedlich zu stimmen – und zur nächsten Sonnenwende soll die Angebetete des Helden dem Drachen geopfert werden?

Mir gefällt die dritte Variante am besten – zumal sie durch den zusätzlichen Zeitdruck die Spannung erhöht. Wenn der Held nur noch eine Woche Zeit hat, muss er sich Hals über Kopf ins Abenteuer stürzen, ohne seine Expedition gründlich vorzubereiten und für den Kampf gegen den Drachen zu trainieren.

Bleibt die letzte Frage: Was würde passieren, wenn der Protagonist scheitert oder gar aufgibt?

Der Goldschatz in der Höhle wirkt auf einmal gar nicht mehr so verlockend, wenn man angeschlagen und erschöpft vor der Höhle des Drachen steht und weiß, dass man diesen Kampf höchstwahrscheinlich nicht überleben wird. Was nützt einem das ganze Gold, wenn man tot ist? Die Konsequenz für ein Scheitern im Kampf wäre also der Tod des Protagonisten. Gibt er hingegen vorher auf, weil ihn der Mut verlässt oder er einsieht, dass das Risiko einfach zu groß ist, hat das kaum Konsequenzen. Gut, ohne den Schatz ist er genauso arm wie vorher – aber was macht das schon?

Wenn Sie also die Variante mit dem Schatz bevorzugen, müssen Sie Ihrem Helden ein verdammt gutes Motiv liefern, warum er den Schatz unbedingt braucht – und zwar so sehr, dass er dafür bereitwillig sein Leben aufs Spiel setzt.

Da ist die Variante, bei der die Traumfrau des Helden in wenigen Tagen dem Drachen geopfert werden soll, schon besser: Egal ob er im Kampf gegen den Drachen stirbt oder vorher kneift, wird seine Freundin Drachenfutter und das Land wird weiterhin vom Drachen terrorisiert. Wahre Liebe ist eine weitaus bessere Motivation als schnöder Mammon.

Noch besser ist es allerdings, mehrere Motivationen miteinander zu verbinden. Niemand liest einen Roman, um den Helden „nicht verlieren zu sehen“. Man schaut auch kein Fußballspiel und keinen Boxkampf, um das eigene Team / den eigenen Favoriten nicht verlieren zu sehen. Man will kein halbherziges Unentschieden, sondern einen klaren Sieg. Dasselbe gilt auch für eine Romanhandlung.

Oft ist es ja so, dass in Akt 1 des Romans das geregelte Leben des Protagonisten durch den Plan des Antagonisten gründlich durcheinander gewirbelt / ins Ungleichgewicht gebracht wird, und der Protagonist nun versucht, alles wieder in Ordnung zu bringen.

Doch wenn er es schafft und sich am Ende wieder in derselben Situation wie zu Beginn befindet – was hat er dann unterm Strich gewonnen?

Wenn wir unserem Protagonisten also ein Ziel vom Typ „alles wieder in Ordnung / ins Gleichgewicht bringen“ geben, sollten wir ihm auch die Möglichkeit geben, dabei etwas zu „gewinnen“.

Das muss weder ihm noch dem Leser von Anfang an bekannt sein – oft tut sich die Chance, alles ins Gegenteil zu verkehren, sogar erst im letzten Akt auf.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Science-Fiction-Film „Freejack“ mit Emilio Estevez, Mick Jagger und Anthony Hopkins. Der Protagonist Alex wird in die Zukunft entführt, damit das Bewusstsein eines sterbenden Milliardärs in seinen gesunden Körper übertragen werden kann. Ihm gelingt zwar die Flucht, doch nun ist er auf der Flucht vor den Kopfgeldjägern, die ihn abliefern wollen, und den Killern eines Unbekannten, der verhindern will, dass der sterbende Milliardär einen neuen Körper erhält und so weiter lebt.

Am Ende (Achtung: Spoiler!) gelingt es Alex, mit Hilfe des Kopfgeldjägers alle davon zu überzeugen, dass das Bewusstsein des Milliardärs erfolgreich in seinen Körper übertragen wurde. Dieses wurde in Wahrheit jedoch gelöscht und stellt somit keine Gefahr mehr dar. Der Auftraggeber der Killer wird ausgeschaltet und Alex übernimmt das Vermögen und offiziell auch die Identität des toten Milliardärs.

Freejack ist für mich einer der Filme, die einen am Schluss mit einem breiten, zufriedenen Grinsen zurücklassen. Der Held ist nicht nur mit dem Leben davon gekommen, sondern steht sogar besser da als je zuvor.

Überlegen Sie daher, ob Sie diesen Effekt auch auf Ihre Romanhandlung anwenden könnten. Ein guter Ansatz ist die Frage, wer der größte Widersacher Ihres Protagonisten ist. Was könnte Ihr Protagonist von ihm erbeuten / ihm abluchsen, das die Situation am Ende grundlegend ändert? Oder wie können Sie das bisherige Über-/Unterlegenheits-Verhältnis zwischen beiden ins Gegenteil verkehren?

Denken Sie beispielsweise an „Zurück in die Zukunft„: Wird George McFly zu Beginn des ersten Films noch von Biff Tannen unterdrückt und ausgebeutet, wird durch die Abenteuer seines Sohns Marty McFly in der Vergangenheit am Ende alles ins Gegenteil verkehrt: George McFly ist nun ein erfolgreicher Schriftsteller und Biff Tannen nur noch sein diensteifriger, untertäniger Handlanger.

Vielleicht finden Sie ja auch etwas, das Ihr Antagonist besitzt (oder das Sie ihm extra zu diesem Zweck verleihen können), das Ihrem Protagonisten viel eher zustehen würde? Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf – es lohnt sich.


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NaNoWriMo 2015 – Countdown zum Schreibmarathon…

Der November naht mit großen Schritten – und mit ihm der diesjährige NaNoWriMo: der National Novel Writing Month.

Wie jedes Jahr werden auch 2015 wieder hunderttausende Autoren weltweit an den Start gehen, um die Rohfassung ihres Romans in gerade mal 30 Tagen zu schreiben. Und genau wie in den vergangenen Jahren wird es wohl auch 2015 nicht einmal jeder fünfte von ihnen über die Ziellinie schaffen.

Wenn Sie also vorhaben, dieses Jahr am NaNoWriMo teilzunehmen, sollten Sie jetzt schon daran arbeiten, Ihre Erfolgschancen zu verbessern.

Seit Donnerstag Morgen ist die Webseite für den diesjährigen NaNoWriMo live, so dass Sie jetzt schon Ihren Benutzeraccount anlegen bzw. auf den neuesten Stand bringen und alle Daten für Ihr geplantes Romanprojekt eintragen können – also den Arbeitstitel, eine Kurzbeschreibung und eventuell ein selbstgestaltetes Buchcover-Mockup.

Planen Sie Ihren Erfolg…

„Moment mal: ‚geplantes‘ Romanprojekt?“ wird jetzt so mancher Leser irritiert fragen. Liegt nicht das Ziel des NaNoWiMo darin, einen Roman ganz ohne Planung von Null auf Hundert innerhalb von 30 Tagen in die Tasten zu hämmern?

Dies ist ein weit verbreitetes Missverständnis. Auch wenn der NaNoWriMo-Gründer Chris Baty beim ersten NaNoWriMo 1999 ohne jegliche Vorplanung mit seinem Romanprojekt startete, worüber er auch in seinem Buch „No Plot? No Problem!“ schreibt, ist eine gründliche Vorplanung keinesfalls tabu, sondern wird von den Veranstaltern sogar ausdrücklich empfohlen.

Sie dürfen lediglich vor dem 01.11.15 nicht mit dem eigentlichen Schreiben der Rohfassung zu beginnen. Solange Sie „nur“ Notizen zu Charakteren, Worldbuilding, Handlungssträngen, Szenen etc. sammeln, ist alles bestens.

Sie haben also noch volle drei Wochen Zeit, um Ihren Roman zu planen und so gut vorzubereiten, dass Sie nach dem Startschuss am ersten November direkt losschreiben können und in den darauf folgenden Wochen optimal mit Ihrem Roman voran kommen.

Wie detailliert Sie Ihren Roman im Vorfeld planen, ist natürlich eine Sache der persönlichen Präferenzen. Manche Autoren fühlen sich am wohlsten, wenn sie mit einer präzisen Gliederung für jede einzelne Szene loslegen können, während andere sich lieber kopfüber und lediglich mit ein paar groben Notizen bewaffnet ins kalte Wasser stürzen.

Wenn Sie noch keine Idee für eine Romanhandlung haben, kann ich Ihnen zwei effektive Techniken empfehlen, mit denen Sie noch an diesem Wochenende den Grundstock für eine gelungene Romanhandlung legen können:

  1. Tag-Team-Plotting: Mit dem von mir entwickelten Tag-Team-Plotting können Sie nicht nur innerhalb weniger Stunden das Grundgerüst für eine spannende Romanhandlung zusammen zimmern, sondern sorgen zugleich dafür, dass diese innovativ und weitab der üblichen Klischees verläuft. Alle Details und eine ausführliche Anleitung finden Sie hier.
  2. Die Casting-Kiste: Bei dieser Erweiterung zur Assoziativen Ideen-Matrix aus meinem Buch „Kreativ mit der Matrix“ starten Sie ausschließlich mit möglichen Romancharakteren und lassen mit den Regeln der Assoziativen Ideen-Matrix die Funken zwischen diesen Charakteren sprühen. Alle Details samt Anleitung finden Sie in der Ausgabe Juli 2013 des WritersWorkshop E-Zines. Alle weiterführenden Details zur Assoziativen Ideen-Matrix finden Sie im Buch „Kreativ mit der Matrix„.

Egal, welche von beiden Techniken Sie verwenden, um das Fundament für Ihren NaNoWriMo-Roman zu legen – innerhalb weniger Stunden dürfte sich die Handlung schon ziemlich genau abzeichnen.

Wenn Sie nach dieser ersten Phase noch mehr Ideen für Ihre Romanhandlung benötigen (was mit Sicherheit der Fall sein wird – egal ob jetzt oder erst während des NaNoWriMo ;-)) kann ich Ihnen die Assoziative Ideen-Matrix aus meinem Buch „Kreativ mit der Matrix“ ans Herz legen. Regelmäßige Leser meines Blogs und des WritersWorkshop E-Zines dürften das Buch bereits in ihrem virtuellen Bücherregal haben – allen anderen kann ich diese äußerst effektive Ideenfindungs-Technik nur empfehlen.

„Die Sterne stehen günstig…“

Auch wenn ich nicht an Astrologie glaube, sind die Voraussetzungen für einen erfolgreichen NaNoWriMo in diesem Jahr optimal: Der erste November ist ein Sonntag, so dass Sie (unabhängig davon, in welchem Bundesland Sie wohnen und arbeiten) direkt mit Volldampf loslegen können, ohne dass dies mit Ihrer Arbeit kollidiert – und auch danach geht es optimal weiter.

Vom 02.11.15 bis zum 29.11.15 haben Sie vier volle Kalenderwochen zum Schreiben Ihrer Rohfassung zur Verfügung, da der November in diesem Jahr nicht mitten in einer Kalenderwoche beginnt. Das passt natürlich optimal zur klassischen 4-Akt-Struktur: also ein Akt pro Kalenderwoche.

Versuchen Sie, von Montag bis Freitag jeweils mindestens 1.800 Wörter zu schreiben (50.000 Wörter Ziellänge / 28 Tage = 1.786 Wörter). Solange Sie darauf achten, dass Sie immer schon wissen, was Sie schreiben wollen, wenn Sie sich zum Schreiben an den PC setzen, sind 1.000 Wörter pro Stunde durchaus machbar (entspricht nicht mal 20 Wörtern pro Minute). Wir reden hier also von knapp zwei Stunden pro Tag, die Sie fürs eigentliche Schreiben Ihres Romans einplanen müssen – vielleicht eine Stunde morgens vor der Arbeit und eine Stunde abends statt einer langweiligen Fernsehsendung.

Damit haben Sie optimale Voraussetzungen geschaffen, um am Wochenende den jeweiligen Akt (siehe unten) erfolgreich abzuschließen. Meist hat man ja am Wochenende mehr Zeit zum Schreiben als werktags – das rein mathematische Wochenziel von mindestens 12.500 Wörtern pro Woche sollte also locker zu erreichen sein, wenn man mengenmäßig bis Freitag im Plan liegt. Und selbst wenn Sie am Wochenende feststellen, dass Sie noch ein paar tausend Wörter mehr schreiben müssen, um den aktuellen Akt Ihres Romans sauber abzuschließen, ist das Wochenende der perfekte Zeitpunkt, um eine kleine „Sonderschicht“ einzulegen. ;-)

Achten Sie lediglich darauf, dass Sie am Ende der Woche nicht weniger als 12.500 neue Wörter geschrieben haben. Wenn möglich sollten Sie versuchen, besonders die beiden mittleren Akte Ihres Romans auf jeweils mindestens 15.000 Wörter auszubauen, da der vierte Akt (das große Finale) erfahrungsgemäß oft etwas kürzer und rasanter ausfällt und man hier mit Pech nicht auf die vollen 12.500 Wörter kommt. In dem Fall haben Sie natürlich eine bessere Ausgangssituation, wenn Sie für Ihren vierten Akt nur noch runde 7.500 Wörter (= ca. 30 Seiten) brauchen, um das Gesamtsoll von 50.000 Wörtern für Ihren NaNoWriMo-Roman voll zu machen.

Hier finden Sie eine kurze Auflistung der vier Akte, von denen Sie sich einen pro voller Kalenderwoche vornehmen sollten. Dabei handelt es sich natürlich nur um ein grobes Gerüst, doch gerade dadurch ist es so flexibel, dass es sich auf fast alle Genres anwenden lässt.

Woche 1 (02.11-08.11): Einführung der Hauptcharaktere und des zentralen Konflikts bis zum „Punkt ohne Wiederkehr“, an dem der Protagonist bereits bis zum Hals im Abenteuer steckt.

Woche 2 (09.11-15.11): Ansteigende Spannung und Erhöhung des Drucks auf den Protagonisten bis zum Wendepunkt an der Mitte des Romans. Meist bestimmt in der ersten Hälfte des Romans der Antagonist die Handlung, während der Protagonist in erster Linie auf die Bedrohung reagiert. Rund um den Mittelpunkt des Romans kommt dem Protagonisten (meist durch eine mittlere Katastrophe) die Erkenntnis, dass er den Spieß umdrehen und das Spiel aktiv nach seinen eigenen Regeln spielen muss, wenn er gewinnen will.

Woche 3 (16.11-22.11): Es geht weiter bis zum „dunkelsten Moment“, dem größten Rückschlag für den Protagonisten, an dem es wirklich so aussieht, als ob er keine Chance mehr hätte, sein Ziel zu erreichen. Die Niederlage muss so heftig sein, dass sie dem Protagonisten regelrecht den Boden unter den Füßen wegzieht.

Woche 4 (23.11-29.11): Der Protagonist rappelt sich wieder auf und startet einen letzten, verzweifelten Versuch, bei dem er alles auf eine Karte setzt. Oft erkennt er erst durch die schwere Niederlage am Ende des dritten Akts, was wirklich wichtig ist und wo seine wahre Stärke liegt, mit der er das Blatt in letzter Minute noch einmal wenden kann. Großes Finale, Showdown, Ende!

Wenn Sie ganz auf Nummer Sicher gehen wollen, planen Sie bereits jetzt für den 30.11.15 einen Tag Urlaub ein. Wenn Sie rechtzeitig mit der Rohfassung Ihres Romans fertig sind, können Sie diesen Tag nutzen, um sich vom stressigen NaNoWriMo zu erholen und sich mal eine gemütliche Auszeit zu gönnen. Doch wenn Sie auf Ihrer eigenen Heldenreise wegen unerwarteter Umstände zurückgeworfen wurden, können Sie den 30.11 noch für einen letzten Endspurt nutzen, um es doch noch rechtzeitig über die 50.000-Wörter-Ziellinie zu schaffen und Ihr fertiges Manuskript hochzuladen.

Ich wünsche allen diesjährigen NaNoWriMo-Teilnehmern viel Spaß bei den Vorbereitungen und viel Erfolg im November!


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Warum die erste Szene Ihres Romans stets in einem ungewohnten Umfeld spielen sollte

Es ist eine altbekannte Regel, dass man bereits in der ersten Szene eines Romans versuchen sollte, den Leser an die Angel zu bekommen und ihn zum Weiterlesen zu motivieren.

Dafür gibt es eine ganze Reihe guter Tipps: So sollte man den Protagonisten direkt in der ersten Szene einführen, ihn direkt in Probleme stürzen und aktiv handeln lassen und dabei Fragen aufwerfen, auf die der Leser unbedingt eine Antwort wissen will.

Das ist alles gut und richtig, aber es gibt noch eine weitere wichtige Technik, mit der man den Leser von Anfang an tief in die Handlung hineinziehen kann. Der Kunstgriff besteht darin, den richtigen Ort für die erste Szene des Romans auszuwählen – den Ort, an dem der Leser Ihrem Protagonisten zum ersten Mal begegnet.

Es ist ein wenig wie bei einem ersten Date: Auch da verabredet man sich meist nicht einfach irgendwo oder lädt denjenigen gar nach Hause in die unaufgeräumte Wohnung ein, sondern sucht für das erste Treffen ein schönes Restaurant oder einen anderen besonderen Ort aus. Schließlich soll wirklich alles stimmen – es soll ja eine Verabredung werden, die dem anderen noch lange in angenehmer Erinnerung bleibt.

Warum sollten Sie also, wenn Sie einen Roman schreiben, den Ort für das erste Treffen Ihres Lesers mit Ihrem Protagonisten mit weniger Bedacht auswählen?

Damit will ich natürlich nicht sagen, dass die erste Szene Ihres Romans in einem guten Restaurant spielen sollte – wenngleich das, wie Sie gleich sehen werden, nicht die schlechteste Option wäre.

Denn um den Leser bereits von der ersten Seite an tief in Ihre Romanhandlung hinein zu ziehen und zu verhindern, dass er das Buch gelangweilt zur Seite legt, sind Spannung, Konflikt und offene Fragen nicht ausreichend. Die Welt auf den Seiten Ihres Romans muss glaubwürdig wirken, um den Leser in die Handlung zu ziehen und ihn vorübergehend vergessen zu lassen, dass er nur eine fiktionale Geschichte liest. Dafür ist es wichtig, dass Sie mit allen Sinnen schreiben und die Welt Ihres Romans mit sorgsam ausgewählten Details im Kopf des Lesers zum Leben erwecken. Und das funktioniert am besten an einem Ort, der auch für Ihren Protagonisten fremd oder zumindest ungewohnt ist.

Warum das? Ganz einfach: Wenn Sie eine Szene aus der Perspektive Ihres Protagonisten schreiben, sind Sie an seine Wahrnehmungen gebunden. Sie können nichts beschreiben, was hinter seinem Rücken oder hinter verschlossenen Türen im Nebenraum vor sich geht. Ebenso können Sie zwar mutmaßen, aber niemals wirklich wissen, was der Gesprächspartner Ihres Protagonisten denkt oder fühlt. Und Sie können nichts detailliert beschreiben, was Ihrem Protagonisten überhaupt nicht auffallen würde.

Sie kennen das bestimmt: Wenn man in der eigenen Wohnung ist, fallen einem viele Dinge überhaupt nicht mehr auf. Weder die seit Jahren unveränderte Dekoration noch die Bücher im Regal oder das schöne Bild im Flur. Sie registrieren lediglich, wenn etwas anders als gewohnt ist – wenn also zum Beispiel eine fremde Lederjacke auf Ihrer Couch liegt, als Sie nach Hause kommen.

Laden Sie hingegen einen Fremden in Ihre Wohnung ein, wird er viele Details registrieren, die Sie selbst als gewohnt und altbekannt ausfiltern. Je nachdem, welches Umfeld er gewohnt ist, werden das andere Details sein. Gehört der Fremde zu jenen Menschen, die nur dann zu einem Buch greifen, wenn ein Tischbein kippelt, wird er Ihr volles Bücherregal registrieren. Ist er hingegen ein penibler Ordnungsfanatiker, werden ihm herumliegende bzw. nicht ordentlich weggeräumte Gegenstände ins Auge springen – oder der Staub auf den Türrahmen.

Um also wirklich mit allen Sinnen agieren zu können, suchen Sie für den ersten Auftritt Ihres Protagonisten einen Ort aus, den er entweder noch nicht kennt oder den er lange nicht mehr gesehen hat. Bei einem Ort, an dem er lange nicht mehr war, wird er sowohl fast schon vergessene Details registrieren als auch die Dinge, die sich seit damals verändert haben. Vielleicht werden Erinnerungen an frühere Ereignisse in ihm hochkommen – positive oder negative?

Optimal ist es, wenn der Ort viele Sinneswahrnehmungen bietet. Denken Sie an eine italienische Piazza, in der knatternde Mopeds sich zwischen mit lebhafter Gestik und Mimik lautstark diskutierenden Fußgängern hindurch drängen, während aus dem kleinen Ristorante an der Ecke Musik, das Klappern von Geschirr und appetitliche Essensgerüche dringen. Je mehr Sinne Sie mit Ihrer Szene ansprechen können, desto besser. Lassen Sie Ihren Protagonisten das Brennen der Mittagssonne auf seiner Haut spüren oder die kühle Brise vom Hafen, die den Geruch nach Fischen und Meer mit sich bringt.

Denken Sie dabei immer daran, dass er in erster Linie die Dinge wahrnehmen wird, die für ihn nicht alltäglich, sondern fremdartig und ungewohnt sind. Einem Stadtbewohner wird Verkehrslärm weit weniger auffallen als das Zirpen der Zikaden, die auf der knorrigen Borke eines Olivenbaums sitzen.

Doch je spannender die Szene ist, desto mehr müssen Sie beim Schreiben darauf achten, realistisch zu bleiben. Denn in erster Linie konzentrieren wir uns stets auf das, was wir in diesem Augenblick als wichtig erachten. Solange wir ganz entspannt sind und die Gedanken treiben lassen können, werden uns all die oben genannten Details auffallen – doch wenn plötzlich ein betrunkener englischer Tourist pöbelnd auf einen zu kommt, sind die Zikaden und die leise italienische Musik aus dem Kofferradio auf der Fensterbank sofort vergessen. Auf einmal registrieren wir nur noch das von Hitze und Alkohol gerötete Gesicht des Fremden, seinen stieren Blick und seine Alkoholfahne, während wir nach einer Möglichkeit suchen, einer Konfrontation mit dem Betrunkenen aus dem Weg zu gehen.

Je angespannter Ihr Protagonist also ist, desto mehr müssen Sie darauf achten, wie Sie die Details ins Spiel bringen, mit denen Sie die Szene vor dem geistigen Auge Ihres Lesers zum Leben erwecken wollen. Sie müssen sie für Ihren Perspektivcharakter und seine Ziele relevant machen: Wenn Ihr Protagonist in einer atemlosen Hetzjagd durch die überfüllten Straßen eines Basars vor seinen Verfolgern flieht, die ihm dicht auf den Fersen sind, wird er nur sehen, was direkt vor ihm passiert. Er wird in erster Linie die Dinge registrieren, die ein mögliches Hindernis sein könnten, oder eventuelle Möglichkeiten, um seine Verfolger abzuhängen. Kann er den Stand mit den Vasen umreißen, um seine Verfolger vorübergehend aufzuhalten oder womöglich rasch in die schmale, dunkle Gasse zwischen den Ständen abbiegen?

Wenn Sie hingegen alle Details des Basars schildern wollen, müssen Sie die Regeln ändern. Keine atemlose Hetzjagd mit Tunnelblick, sondern ein Katz- und Maus-Spiel. Drei Feinde sind irgendwo auf dem Basar unterwegs, um Ihren Protagonisten aufzuspüren und zur Strecke zu bringen. Er hat sie zuvor nur kurz gesehen und hat jetzt Mühe, sie unter all den fremdartigen Gesichtern auf dem Basar zu erkennen. Seine Feinde können überall sein: vor ihm, hinter ihm – oder vielleicht gleich neben ihm im Schatten eines Türeingangs.

Jetzt haben Sie die Voraussetzungen geschaffen, dass Ihr Protagonist alles registriert. Er wird die Balkons und Fenster der umliegenden Häuser im Auge behalten – schließlich könnte dort bereits der Scharfschütze auf ihn lauern. Er wird jeden um die Ecke biegenden Passanten mit ungefähr passender Größe und Statur argwöhnisch mustern, ob dieser die wulstige Narbe am Kinn hat, die er bei einem seiner Verfolger gesehen hatte. Und er wird sofort – und eventuell falsch – reagieren, wenn ihn jemand im Gedränge anrempelt.

Eine solche Szene (auch wenn sie in der Praxis natürlich nicht so extrem ausfallen muss) bringt fast alles ein, was bei einem Thriller den Leser in die Handlung ziehen kann: der Protagonist wird direkt in einer spannenden Szene eingeführt und hat gravierende Probleme, die ihn seine Stärken ausspielen lassen. Es gibt genügend offene Fragen, um den Leser bei der Stange zu halten, und durch das auch für den Protagonisten ungewohnte Setting können Sie das Szenario mit allen Sinnen im Kopf des Lesers zum Leben erwecken.

Wenn Sie also einen Roman haben, der etwas schwer in Gang kommt, kann es bereits helfen, die erste Szene mit Ihrem Protagonisten umzuschreiben. Selbst wenn Sie die Handlung selbst nicht ändern möchten, können Sie dennoch überlegen, ob Sie diese nicht an einen anderen Ort mit mehr Potential verlagern können: Wenn Ihr Protagonist in der ersten Szene einen wichtigen Anruf erhält, der alles ins Rollen bringt, lassen Sie die Szene nicht in seinem Wohnzimmer spielen. Lassen ihn den Anruf stattdessen mitten in einer überfüllten Straßenbahn oder während einer Theateraufführung entgegen nehmen. Eine kleine Änderung – aber eine mit großer Wirkung.


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Die Todesspirale bei Romanserien – und wie man sie vermeidet

Bei den meisten Romanserien ist es so, dass alle Bände der Serie denselben Protagonisten haben. Dieser Ansatz hat sowohl Vor- als auch Nachteile.

Die Vorteile scheinen auf den ersten Blick offensichtlich: Der Leser hat eine Identifikationsfigur, die er (hoffentlich) ins Herz schließt und mit der er mitfiebert. Und wenn ihm die Geschichte gefallen hat, wird er es hoffentlich kaum erwarten können, weitere spannende Abenteuer desselben Helden zu erleben.

Doch hier beginnen auch schon die Nachteile, denn das Potential einer solchen Serie ist von Natur aus beschränkt. Romane ziehen einen guten Teil ihres Reizes daraus, dass der Protagonist im Laufe der Handlung wächst, seine Schwächen überwindet, seine inneren Dämonen und Ängste besiegt und schließlich aufgrund seiner erfolgreichen Transformation den Sieg davonträgt.

Das funktioniert wunderbar bei einem Einzelroman und es funktioniert auch bei einer in sich geschlossenen Romanserie aus mehreren, aufeinander aufbauenden Bänden wie zum Beispiel den Harry-Potter-Büchern von J.K. Rowling.

Auch wenn es sich in diesem Fall um sieben einzelne Romane handelt, von denen jeder sein eigenes Finale hat, werden diese dennoch durch einen übergreifenden Handlungsbogen (Harry Potter muss versuchen, die Rückkehr von Lord Voldemort zu verhindern) zu einer in sich geschlossenen Saga verknüpft.

Das merkt man auch den einzelnen Bänden an, denn obwohl Harry und seine Freunde in jedem der ersten sechs Bände einen wichtigen Teilsieg davontragen, ist dennoch stets klar, dass sie zwar eine Schlacht, aber noch nicht den kompletten Krieg gewonnen haben.

Genauso verteilt sich auch das Wachstum von Harry Potter vom verschüchterten Jungen, der bei seinen Muggel-Verwandten in einem kleinen Verschlag unter der Treppe hausen muss, zum mächtigen und entschlossenen Zauberer, der sich seinem Schicksal stellt, um den dunklen Lord im Kampf Mann gegen Mann ein für allemal zu besiegen, auf sieben Bände.

Trotz der geschickt gewählten Struktur (je Band ein Schuljahr) handelt es sich bei Harry Potter um eine durchgängige Handlung. Bereits im ersten Band ist klar, dass es erst im letzten Band der Serie zur alles entscheidenden letzten Konfrontation zwischen Harry und Lord Voldemort kommen wird.

Die Sache sieht jedoch schon anders aus, wenn es sich um eine Serie weitgehend voneinander unabhängiger Einzelbände handelt, von denen jeder eine in sich abgeschlossene Handlung hat: Der Protagonist gerät in ein Abenteuer, übersteht verschiedene Gefahren und schafft es am Ende, sein Ziel zu erreichen.

Viele Serien unterschiedlicher Genres basieren auf diesem Modell. Nicht nur die ganzen Krimi- und Thrillerserien von Miss Marple über Alex Cross bis hin zu James Bond, sondern auch beispielsweise die zahllosen Fantasy-Abenteuer rund um Conan, den Barbaren, und andere Seriencharaktere.

Schon aufgrund der Natur einer solchen Serie haben wir hier jeweils einen statischen Protagonisten, der sich im Laufe der Serie nicht (oder kaum) weiterentwickelt. Das Problem ist dasselbe wie bei den Superhelden-Comicserien: Nach einer ersten „Genesis“-Geschichte, in der der Protagonist vom Normalsterblichen zum Superhelden mutiert und seine neu erlangten Fähigkeiten sogleich im Kampf gegen einen gefährlichen Gegner erproben muss, bleiben die Fähigkeiten des Superhelden im Laufe der Serie meist konstant. Denn schließlich wäre es nach den ersten paar Bänden kaum noch möglich, den Helden im Kampf gegen immer mächtigere Gegner immer weiter wachsen und stärker werden zu lassen, ohne ihm irgendwann geradezu gottgleiche Kräfte zu verleihen. Selbst wenn der Autor das versuchen würde, könnte sich schon bald kein Leser mehr mit dem Helden identifizieren. Denn beim Lesen identifizieren wir uns nicht mit den Stärken des Protagonisten, sondern in erster Linie mit seinen Schwächen.

Ein statischer Protagonist hat feste Stärken, aber auch feste Schwächen, die er im Laufe der Serie niemals überwinden wird und die für den Leser fest zur Persönlichkeit des Helden dazu gehören. Denken Sie nur an Indiana Jones und seine Angst vor Schlangen.

Solche statischen Helden sind für den Leser eine Konstante. Er weiß, was ihn erwartet – wie bei einem guten Essen, das nur jedes Mal vom Küchenchef etwas anders angerichtet wird. Wir kennen die Zutaten des Rezepts und wissen daher schon, dass es uns schmecken wird.

Wir wissen, dass wir es beim nächsten Bond-Film vermutlich wieder mit einem größenwahnsinnigen Schurken, schönen Frauen, exotischen Handlungsorten und einem souveränen James Bond zu tun bekommen, der sich nicht zuletzt auch auf die technischen Gimmicks aus dem Labor von Q verlassen kann.

Doch dieses Gefühl, zu wissen, was einen erwartet, kann auch zum Nachteil werden. Genau wie Formel-1-Rennen langweilig wurden, als Michael Schumacher nahezu jedes Rennen gewann, und Boxkämpfe ihre Spannung verloren, seit kaum noch ein Gegner sich auch nur über die volle Distanz gegen Klitschko auf den Beinen halten kann, wird es irgendwann langweilig, einen Serien-Veteranen wie Bond oder Conan bei seinem nächsten Abenteuer zu begleiten. Wir wissen, dass unser Held überlebt und am Ende gewinnen wird – egal, wie aussichtslos die Situation auch erscheinen mag. Und wir wissen, dass sich seine Situation durch die Ereignisse des Romans nicht maßgeblich verändern wird, da ähnlich wie bei einer nahtlosen Textur das Ende des aktuellen Bandes stets einen nahtlosen Übergang zum Start des nächsten Buchs bilden muss.

Vielleicht kennen Sie auch noch diese Legespiele für Kinder, bei denen man Bildkarten in beliebiger Reihenfolge legen kann, da die Landschaft im Hintergrund links und rechts immer in derselben Höhe endet. Genau daran erinnern mich manchmal solche episodenhaften Serien: Meist spielt es keine große Rolle, in welcher Reihenfolge man sich die einzelnen Bände zu Gemüte führt. Nicht nur ist jede Handlung in sich abgeschlossen und hat keinen Einfluss auf die nachfolgenden Bände, sondern auch Querverweise zwischen den einzelnen Bänden sind kaum oder gar nicht vorhanden.

Spätestens nach den ersten paar Bänden wird es daher für den Autor auch immer schwieriger, Ideen für weitere Fortsetzungen zu finden, die den Leser immer noch bei der Stange halten können.

Viele Autoren versuchen, dieses Problem durch eine inflationäre Steigerung der Feinde und Hindernisse zu kompensieren. Es steht immer mehr auf dem Spiel – jetzt nicht mehr nur das Leben des Helden oder seiner Familie, sondern das Schicksal einer ganzen Großstadt, eines Landes oder gar der gesamten Menschheit. Die Feinde werden immer größer und mächtiger, die Hindernisse immer unüberwindlicher und die Handlung zugleich immer unrealistischer.

Doch irgendwann ist auch hier das Ende der Fahnenstange erreicht. „Das Schicksal der gesamten Menschheit steht auf dem Spiel!“ ist kaum noch zu toppen – und spätestens wenn der Held zum wiederholten Male zur falschen Zeit am richtigen Ort ist, um im Alleingang die Menschheit zu retten, fällt es auch dem geduldigsten Leser schwer, seinen Unglauben über Bord zu werfen und einfach die adrenalingeladene Action zu genießen.

Ein gutes Beispiel hierfür sind die Romane des australischen Schriftstellers Matthew Reilly. Die bislang fünf Bände (wenn man den Kurzroman „Hell Island“ mitrechnet) seiner Scarecrow-Reihe sind wahre Actiongewitter. Von Band zu Band legt Reilly immer noch eine Schippe Dynamit zu und bei jedem Band fragt man sich als Leser, ob Reilly diese Achterbahnfahrt überhaupt noch toppen kann.

Vermutlich fragt auch Reilly sich das mittlerweile selbst – nicht umsonst versucht er, parallel dazu mit den etwas weniger actionlastigen Captain-Jack-West-Romanen ein zweites Standbein aufzubauen.

Doch wie kann man als Autor diese Spirale stoppen, die auf Dauer nur dazu führen kann, dass man die stetig steigenden Erwartungen seiner Leser nicht mehr erfüllen kann und mit jedem neuen Band zwangsläufig einen Teil seiner treuen Leser verliert?

Eine Möglichkeit besteht natürlich darin, immer nur Einzelromane zu schreiben. Jedesmal ein anderer Protagonist, ein anderes Setting und ein anderer Konflikt, der innerhalb dieses einen Buchs zu einem für den Leser befriedigenden Ende gebracht wird.

Doch damit verschenkt man das Potential einer Serie, die Leser der ersten Bände dazu bringen kann, sich auch noch die Folgebände zu holen, um zu erfahren, wie es weiter geht. Ganz zu schweigen davon, dass die Planung aufwändiger wird, da man nicht mehr auf das Setting bzw. Worldbuilding der bisherigen Bände aufbauen kann, sondern jedes Mal wieder von null startet.

Eine recht elegante Lösung für dieses Dilemma kann darin bestehen, eine Serie mit wechselnden Protagonisten zu planen. Hier ist die Konstante der Serie nicht der Protagonist, sondern das Setting bzw. die alles umspannende Rahmenhandlung.

Stellen Sie sich eine Romanserie vor, die sich während eines jahrzehntelangen Krieges zwischen zwei mächtigen Nationen abspielt. Eine solche Rahmenhandlung bietet Platz für Dutzende von Romanen mit den unterschiedlichsten Protagonisten: Soldaten, Spione, Diplomaten und ganz normale Menschen, deren Leben durch den Krieg ins Chaos gestürzt wurde.

Der Kniff ist, diese Geschichten nicht wie bei einem Mammut-Epos wie George R.R. Martins „Lied von Eis und Feuer“ zu miteinander verflochtenen Handlungssträngen innerhalb eines gewaltigen, mehrbändigen Epos zu machen, sondern in jedem Band eine komplette Geschichte zu erzählen, die den Verlauf des Krieges (also der Rahmenhandlung) verändert.

Es wäre dennoch ein Fehler, die Handlungen der einzelnen Bände völlig voneinander zu trennen. Vielen Lesern dürfte es schwer fallen, sich für einen neuen Roman zu erwärmen, der außer der Rahmenhandlung nichts mehr mit der gerade zu Ende gelesenen Geschichte zu tun hat.

Führen Sie stattdessen in jedem Band den Protagonisten des nächsten Bands bereits als Nebenfigur ein, die im Laufe der Handlung immer mehr an Bedeutung gewinnt und am Ende vielleicht sogar maßgeblich dazu beiträgt, dass Ihr „aktueller“ Protagonist sein Ziel erreicht.

Machen Sie diese Figur geheimnisvoll und interessant. Deuten Sie an, was für ein Potential die Figur hat und welche offenen Rechnungen es in ihrem Leben noch gibt. Wenn Sie dann ein weiteres Abenteuer aus Ihrer Serie mit diesem neuen Protagonisten ankündigen, werden wesentlich mehr Leser bereit sein, auch dem neuen Helden auf seinem Weg zu folgen.

Natürlich müssen Sie Ihren bisherigen Protagonisten nicht nach einem Band „entsorgen“ – aber Sie haben die absolute Freiheit. Ihr Protagonist kann am Ende des Romans sein persönliches Ziel erreichen und „glücklich bis ans Ende seiner Tage“ weiterleben, während der Leser seinem bisherigen Verbündeten zu neuen Ufern folgt – aber er kann auch sterben, indem er sich beispielsweise heldenhaft für das Überleben der Seinen opfert. Solange er am Ende die Fackel an den neuen Protagonisten weitergibt, der den Kampf nach seinem Tod weiterführen wird, werden die meisten Leser ein solches Ende akzeptieren.

Denken Sie beispielsweise an den Klassiker „Einer flog übers Kuckucksnest“: Zwar stirbt Murphy am Ende, doch der „Indianer“ schafft es, aus der Anstalt zu fliehen.

Natürlich können Sie Ihren Protagonisten auch zurückkehren lassen – entweder ein paar Bände später mit einem neuen Abenteuer oder als „Gaststar“ / Helfer in einer anderen Geschichte. Beides wird die Leser der früheren Bände freuen.

Denken Sie beispielsweise an die Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett: Auch hier gibt es Charaktere, die in unterschiedlichen Bänden wiederkehren – mal als Hauptcharakter, mal als Nebenfigur.

Ein positiver Nebeneffekt dieser Serienstruktur ist, dass Sie in den ersten Kapiteln eines neuen Bandes nicht so viel Vorgeschichte einflechten müssen, wie dies bei einer direkten Fortsetzung der Fall wäre, um neu hinzugekommene Leser „auf Stand zu bringen“. Kein langatmiges „Was bisher geschah“, sondern ein frischer Einstieg in ein neues Abenteuer, der auch neuen Lesern den Einstieg in die Serie erleichtert.

Während ein „Was bisher geschah“-Prolog neuen Lesern so viel Informationen über die Handlung der bisherigen Bände liefert, dass sie nur noch einen geringen Anreiz haben, sich diese auch noch zu holen, ist hier das Gegenteil der Fall. Neue und alte Leser starten quasi auf Augenhöhe in das neue Abenteuer – lediglich die Wirkung der Querverweise, die Sie gekonnt in die Handlung einstreuen, ist eine andere. Während der erfahrene Leser, der auch alle früheren Bände der Serie kennt, wissend nickt und sich an das damalige Abenteuer erinnert, wird der neu eingestiegene Leser neugierig gemacht. Das ist der richtige Platz für Fußnoten, mit denen Sie den Querverweis zu dem Band liefern, auf den sich die ansonsten rätselhafte Bemerkung bezieht. Mit etwas Glück macht dies den Neuleser so neugierig, dass er sich auch noch diesen Band bestellt.

Sie sehen: Der Verzicht auf einen festen Protagonisten kann Ihre Romane nicht nur noch spannender und abwechslungsreicher machen, sondern hält auch Ihnen als Autor alle kreativen Möglichkeiten offen.

Probieren Sie es einfach einmal aus – und wenn es vorerst nur als Gedankenspiel ist. Vielleicht stellen Sie dabei ja fest, dass dies auch für Sie der goldene Mittelweg zwischen klassischer Serie und unabhängigen Einzelromanen ist.


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Alte Helden – eine Nische oder der bessere Ansatz?

Während man bei Kinder- und Jugendbüchern als Faustformel sagt, dass Ihr Protagonist so alt sein sollte wie die Obergrenze Ihrer Zielgruppe, sind Sie als Autor von „Erwachsenenliteratur“ wesentlich freier in Ihrer Entscheidung.

Die meisten Schriftsteller entscheiden sich ganz traditionell für junge, attraktive Protagonisten. Je nach Genre kann das auch durchaus sinnvoll sein: Chicklit mit einer 60jährigen Protagonistin wäre zwar mal etwas ganz anderes, dürfte aber den größten Teil der Zielgruppe nicht ansprechen.

Doch andere Genres, egal ob Krimi, Thriller, Fantasy, Horror oder Science-Fiction, bieten durchaus auch Platz für ältere Helden. Und damit meine ich nicht nur betuliche ältere Damen wie Miss Marple oder Jessica Fletcher aus der Krimiserie „Mord ist ihr Hobby“.

Alt bedeutet nicht zwangsläufig tatterig, langsam und nachlassende Leistungsfähigkeit. Was das Altern aus einem Menschen macht, hängt – abgesehen von eventuellen Krankheiten, die wir uns nicht durch unsere Ernährung oder unseren Lebensstil zugezogen haben – größtenteils von einem selbst ab – und zwar sowohl geistig als auch körperlich.

Graue Wölfe

In den USA wurde vor einigen Jahren ein Experiment durchgeführt, bei dem untrainierte Männer und Frauen von über 60 Jahren (die allerdings keine Krankheiten wie Krebs oder Herzprobleme hatten) unter professioneller Anleitung mit einem systematischen Krafttraining begannen. Innerhalb von 24 Monaten waren diese Rentner stärker, agiler und beweglicher als die meisten 20-30-jährigen.

Ein gutes Beispiel dafür, dass die Leistungsfähigkeit unseres Körpers im Alter nicht zwangsläufig rapide nachlässt, ist der mittlerweile über 70jährige Bodybuilder Sam „Sonny“ Bryant Jr. (Bilder). Schauen Sie sich einfach mal diesen durchtrainierten, gestählten Körper an. Ist das die Vorstellung, die Sie vor Ihrem geistigen Auge haben, wenn Sie an einen 70jährigen Mann denken?

Beispiele wie das von Sonny Bryant zeigen uns, dass man durchaus einen alten, aber toughen Helden für seinen Roman erschaffen kann, ohne dadurch gleich unrealistisch zu werden. Natürlich setzt eine derartige Fitness einen gewissen Lebensstil voraus, den der Autor glaubwürdig durch die Persönlichkeit oder den (ggf. früheren) Beruf seines Protagonisten begründen sollte.

Ein ehemaliger Elite-Soldat, Agent oder Personenschützer wird im Ruhestand nicht seinen ganzen Lebensstil ändern und aus der Form geraten, nachdem hartes körperliches Training jahrzehntelang zu seinen festen täglichen Gewohnheiten gehörte. Er wird zwar graue Haare, Falten und vielleicht das eine oder andere altersbedingte Handicap wie beginnende Arthrose bekommen, aber er ist immer noch ein harter Hund, der den meisten jüngeren Kontrahenten deutlich überlegen ist.

Das liegt weniger an seiner Fitness (ein Punkt, in dem er mit einem jüngeren Rivalen bestenfalls gleichziehen kann) als vielmehr an seiner langjährigen Erfahrung. Jüngere Menschen sind oft leidenschaftlicher und ambitionierter. Sie sind ehrgeizig und haben Ziele, die sie erreichen wollen und Ideale, denen sie folgen. Ältere Protagonisten hingegen sind oft abgeklärter und gelassener, manchmal sogar desillusioniert bis hin zum Zynismus. Die Ziele, die sie in ihrer Jugend so leidenschaftlich verfolgt hatten, haben sie mittlerweile entweder längst erreicht oder aber als nicht lohnend verworfen. Sie stehen nicht mehr im Hamsterrad oder kraxeln hektisch auf der Karriereleiter, sondern betrachten das Treiben der Jüngeren mit einem gewissen Abstand vom Rand aus – wobei sie sich immer noch die Option offen halten, selbst noch einmal aktiv ins Geschehen einzugreifen.

Ältere Protagonisten sind erfahrener und routinierter und oft pragmatischer. Wie heißt es so schön: Mit zunehmendem Alter werden wir immer mehr zu dem, was wir eigentlich sind. Während ein junger Protagonist sich vielleicht noch auf eine falsche Fährte locken lässt, wird ein älterer, erfahrener Protagonist den Braten nicht nur riechen, sondern sich vielleicht sogar einen Spaß daraus machen, den Feind in seine eigene Falle tappen zu lassen.

Auch ihre Erinnerungen sind oft Gold wert. Sie erinnern sich an Ereignisse, die vor der Zeit ihrer jüngeren Konkurrenten lagen, aber immer noch für die aktuellen Geschehnisse von Bedeutung sind. Zudem sind sie oft weniger abhängig von moderner Technik. Sie verlassen sich nicht auf ihr Smartphone und darauf, dass sie immer und überall eine Internet-Verbindung haben.

Ihr Ass im Ärmel: Ältere Protagonisten werden leicht unterschätzt – ein Vorteil für Ihre Romanhandlung, den Sie ausspielen können. Wenn Sie früh genug ganz dezent andeuten, dass Ihr Protagonist früher ein harter Hund war, wird es der Leser nicht als unglaubwürdig empfinden, wenn der grauhaarige ältere Mann beispielsweise mit der Effizienz einer immer noch gut geölten Maschine ein paar aggressive Straßenschläger außer Gefecht setzt oder in die Flucht schlägt.

Hier fällt mir spontan der damals 67jährige, weißbärtige Vietnam-Veteran Thomas Bruso ein. Dieser wurde durch einen Vorfall bekannt, bei dem er in einem Bus mit einem wesentlich jüngeren Afro-Amerikaner in Streit geriet und schließlich von diesem tätlich angegriffen wurde. Bruso konterte den Angriff mit ein paar schnellen Schlägen, bis der Angreifer aufgab und um Gnade flehte. Der Vorfall, der von einem anderen Fahrgast mit dem Handy gefilmt und bei YouTube hochgeladen wurde, machte Bruso rasch als „Epic Beard Man“ bekannt – und lieferte zugleich die Grundlage für die später von Danny Trejo gespielte Figur Frank Vega im Film „Bad Ass“.

Unabhängigkeit und Risikobereitschaft

Ein weiterer Vorteil von älteren Protagonisten ist ihre Unabhängigkeit. Während jüngere Protagonisten Tag für Tag ihrem Brotjob nachgehen müssen und daher nicht mal eben einer mysteriösen Spur quer durch Europa folgen können, genießen ältere Protagonisten bereits ihre Rente oder Pension. Wenn sie während ihres Berufslebens etwas auf die hohe Kante gelegt haben, sind sie wesentlich bessere Kandidaten dafür, sich auf ein mysteriöses Abenteuer einzulassen und kurzentschlossen am Flughafen ein Ticket ins Unbekannte zu buchen.

Während jüngere Leute ihren Job riskieren würden, wenn sie auch nur ein paar Tage unentschuldigt der Arbeit fern bleiben, kann ein Rentner/Pensionär sich kurzentschlossen in den Wagen setzen und losfahren, ohne sich bei einem Arbeitgeber abmelden zu müssen.

Das macht es auch für den Autor einfacher. Je nach Handlung lässt sich die Dramatik nur schwer damit vereinen, dass der Protagonist jeden Morgen erst mal für 8-10 Stunden zur Arbeit fahren muss. Nicht umsonst wählen so viele Schriftsteller und Drehbuchautoren als Protagonisten gerne erfolgreiche Schriftsteller (eine beliebte Form der Wunscherfüllung im eigenen Manuskript… ;-)), da diese keiner festen Arbeit nachgehen müssen. Doch während erfolgreiche und wohlhabende Vollzeit-Schriftsteller, die sich zwischen dem Schreiben von Bestsellern in spannende Abenteuer stürzen, nicht gerade realistisch sind, finden sich unter den älteren Semestern wesentlich glaubwürdigere Kandidaten.

Auch in Hinsicht auf ihre Ziele sind die „Alten“ anders als jüngere Menschen. Sie können es sich leisten, etwas für andere zu tun und ihnen zu helfen – und sie können eher alles auf eine Karte setzen und sogar Risiken eingehen, vor denen jüngere Menschen aus gutem Grund zurückscheuen würden.

Ein junger Mann mit Familie und kleinen Kindern wird sich allein schon aus Angst um seine Familie hüten, sich mit der Mafia anzulegen. Ein alter Mann, dessen Kinder weit weg wohnen und der selbst geschieden oder verwitwet ist, kann eher das Risiko eines persönlichen Kreuzzugs eingehen. Selbst wenn er es nicht überlebt oder sich womöglich am Ende wegen Selbstjustiz vor Gericht verantworten muss, riskiert er nur noch ein paar Jahre und nicht mehr den größten Teil seines Lebens, wie dies bei einem jüngeren Protagonisten der Fall wäre.

Schwimmen Sie gegen den Strom…

Ein weiterer Vorteil für Sie als AutorIn ist, dass Sie sich mit einem älteren Protagonisten von der Masse absetzen. Nicht nur ältere Leser freuen sich, wenn sie mal nicht den üblichen jungen Schönling vorgesetzt bekommen, sondern einen smarten Helden in ihrem Alter. Auch jüngere Leser sind gerne bereit, sich auf die Abenteuer eines älteren Protagonisten einzulassen, der nicht den üblichen Klischees entspricht. Denken Sie nur an den Überraschungserfolg von „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

Sie brauchen sich auch keine Gedanken zu machen, dass Sie durch die Entscheidung für einen älteren Protagonisten die Anzahl möglicher Fortsetzungen Ihres Romans begrenzen. Es gibt genug Romanserien, in denen die Protagonisten scheinbar niemals altern, sondern in jedem Band dasselbe, meist nur recht vage angegeben Alter zu haben scheinen.

Ganz abgesehen davon hängt die Anzahl der Geschichten, die Sie rund um ein und denselben Protagonisten erzählen können, in erster Linie von der Figur selbst und ihrer Rolle ab. Ein Durchschnittsmensch, egal ob jung oder alt, wird vermutlich im Laufe seines Lebens höchstens ein großes, romanwürdiges Abenteuer erleben. Solange dieses Abenteuer ihn nicht so verändert, dass er nun aktiv neue Abenteuer sucht, wird jede neue Fortsetzung unrealistischer.

Hat Ihr Protagonist hingegen ohnehin das Zeug zum Serienhelden, kann er ruhig etwas älter sein. Denken Sie nur an die 80er-Jahre-Serie „Der Equalizer: Der Schutzengel von New York“, die erst kürzlich als Vorlage für den Equalizer-Film mit Denzel Washington diente: Insgesamt gibt es 88 Abenteuer rund um den Ex-CIA-Agenten und seinen Kampf gegen das Verbrechen und für die Gerechtigkeit. Potential hängt eben nicht in erster Linie vom Alter ab… ;-)


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In Medias Res: Warum Sie Ihren Protagonisten und Ihren Leser ins kalte Wasser werfen sollten

Als Schriftsteller hat man heutzutage nicht allzu viel Zeit, um in einem Roman den Haken auszuwerfen und den Leser „an Land zu ziehen“. Eine Seite, maximal. Eher weniger.

Wenn ein Leser, der in das Buch hinein blättert und testweise die ersten Absätze liest, nicht spätestens bis zum Ende der ersten Seite am Haken hängt und neugierig ist, wie es weiter geht, ist die Wahrscheinlichkeit recht gering, dass er weiter liest oder gar das Buch kauft.

Das sind schlechte Karten, denn schließlich teilt die klassische Romanstruktur die Handlung eines Romans ja in drei Akte auf: Einleitung, Mittelteil und Ende, wobei der Mittelteil üblicherweise so lang wie Einleitung und Ende zusammen ist.

Auch für den ersten Akt (also das erste Viertel des Romans) gibt es Empfehlungen: Zu Beginn führt man den Protagonisten in seinem bisherigen Alltag ein, der dann ungefähr in der Mitte des ersten Akts durch das „auslösende Ereignis“ aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Während des Rests des ersten Akts versucht der Protagonist, auf die geänderte Situation (auch bekannt als „das Problem“) zu reagieren, was ihn gegen Ende des ersten Akts an den „Punkt ohne Wiederkehr“ bringt – jene Stelle, an der es für ihn kein Zurück mehr gibt und an der er bereits bis zu den Hüften im Abenteuer steckt.

Die meisten Klassiker der Weltliteratur bauen auf diesem Schema auf und führen erst langsam den Protagonisten mit seiner Vorgeschichte ein, bevor sich am Horizont der zentrale Konflikt des Romans abzeichnet. Da gehen schnell mal 10.000 Wörter oder mehr ins Land, bevor es wirklich spannend wird.

Natürlich gibt es auch heute noch literarische Romane, deren Handlung einfach vor sich hin plätschert und die der Leser allein wegen ihres Stils, der Dialoge oder der ungewöhnlichen Charaktere liest, doch die meisten Leser wollen unterhalten werden. Sie wollen Spannung und Konflikt – wenn nicht gar handfeste Action.

Wenn man hier wie anno dazumal Charles Dickens mit einer langatmigen Vorgeschichte und einer akribischen Beschreibung der Lebensumstände aller wichtigen Personen beginnt, hat man die meisten potentiellen Leser schon lange verloren, bevor es wirklich spannend wird.

Das Gegenmittel ist im Prinzip ganz einfach: Starten Sie „in medias res“ – lateinisch für „mitten im Geschehen“. Im Klartext: Bereits die erste Szene Ihres Romans sollte Ihren Protagonisten mitten in einer spannenden oder sogar dramatischen Szene zeigen, die den Leser direkt in die Handlung hinein zieht.

Sie lassen Ihren Protagonisten also nicht langsam ins Wasser waten und sich behutsam akklimatisieren, sondern werfen ihn direkt ins kalte Wasser und setzen mit Ihrer ersten Szene dort an, wo die Wellen über ihm zusammen schlagen.

Bezogen auf die klassische Romanstruktur streichen Sie also die erste Hälfte des ersten Aktes komplett und beginnen entweder mit oder sogar kurz nach dem „auslösenden Ereignis“.

Dafür brauchen Sie allerdings ein wenig Fingerspitzengefühl. Wenn Sie das „mitten im Geschehen“ zu wörtlich nehmen und Ihre erste Szene beispielsweise mitten in einer Verfolgungsjagd oder während des Angriffs der Barbarenhorde auf das friedliche Dorf des Protagonisten beginnen, besteht die Gefahr, dass Sie Ihre Leser überrumpeln und überfordern.

Sie als Autor wissen natürlich genau, was gerade passiert und wer wer ist – doch Ihr Leser muss sich erst einmal einen Überblick über die Situation verschaffen und herauslesen, um wen es hier eigentlich geht und was auf dem Spiel steht.

Sie müssen also in diese spannende Szene immer noch so viele Hintergrundinformationen einfließen lassen, dass der Leser weiß, was Sache ist. Je rasanter und actionlastiger die Szene ist, desto schwieriger gestaltet sich das. Absätzelange Infodumps oder gar Rückblenden sind hier natürlich tabu.

Als Faustformel kann man sagen, dass Sie bei einem Einstieg „in medias res“ dem Leser genau so viele Informationen geben sollten, dass er die Szene verstehen kann – und kein bisschen mehr. Manche Dinge brauchen Sie nicht explizit zu erwähnen, da der Leser sie sich anhand der Bröckchen, die Sie ihm hinwerfen, zusammenreimen kann. Sie sollten allerdings achtgeben, dass das sich daraus ergebende Bild dennoch so eindeutig ist, dass der Leser die Puzzlestücke nicht völlig falsch interpretiert und sich eine ganz andere Handlung zusammenreimt.

Wenn beim Leser einige Fragen offen bleiben (die ihn aber nicht daran hindern, die Handlung weiter zu verfolgen), ist das sogar gut. Offene Fragen, Rätsel und Geheimnisse sorgen dafür, dass der Leser weiter liest. Schließlich will er nicht nur erfahren, wie es weiter geht, sondern er will auch Antworten auf seine offenen Fragen. Und die können Sie ihm nach und nach in mundgerechten Häppchen servieren – spätestens dann, wenn er diese Information braucht, um die aktuelle Szene oder die Handlungen und Entscheidungen der Charaktere zu verstehen.

Bei einem Romananfang „in medias res“ haben Sie hauptsächlich zwei Handicaps. Zunächst einmal besteht die Gefahr, dass sich der Leser ein paar Seiten braucht, um sich nach und nach zusammenzureimen, wer alles in der Szene vorkommt, in welcher Beziehung diese Charaktere zueinander stehen und worum es hier eigentlich geht.

Wenn der Einstieg zu unübersichtlich und verwirrend ist, nützt auch die spannendste und dramatischste Handlung nichts. Wenn der Leser nicht gespannt und neugierig, sondern völlig verwirrt ist, wird er kaum weiter lesen, sondern das Buch frustriert und genervt zur Seite legen. Und das ist natürlich das Letzte, was man als Autor will.

Doch selbst wenn Sie Ihre spannende und dramatische Einstiegsszene noch so gekonnt strukturieren, haben Sie immer noch ein weiteres Problem: Der Leser kennt Ihren Protagonisten noch nicht und tut sich daher naturgemäß eher schwer damit, bereits von der ersten Seite an mitzufiebern und ihm begeistert die Daumen zu drücken.

Diese Einführung des Protagonisten, die zu einer Identifikation des Lesers mit ihm führen soll, ist normalerweise die Aufgabe der ersten Hälfte des ersten Akts – und auf die müssen wir ja verzichten, wenn wir direkt „mitten im Geschehen“ beginnen wollen.

Was also tun, wenn Sie feststellen, dass Sie Ihre Leser mit einem zu rasanten Einstieg überfordern und sie damit schon auf den ersten Seiten zu verlieren drohen?

In diesem Fall schalten Sie einen Gang zurück – genauer gesagt, eine Szene. Beginnen Sie kurz vor dem Punkt, an dem es so richtig rasant und damit für Außenstehende unübersichtlich wird.

Statt mitten in der Verfolgungsjagd zwischen Polizei und Gangstern durch den dichten Großstadtverkehr zu beginnen, starten Sie mit den beiden Polizisten, die per Funkspruch zum Ort des Banküberfalls gerufen werden. Die Fahrt zum Bankgebäude gibt Ihnen genügend Gelegenheit, die beiden Polizisten genauer einzuführen und dem Leser zu zeigen, was für sie auf dem Spiel steht.

Optimal ist, wenn Sie den Protagonisten eine verhängnisvolle Entscheidung fällen lassen, die für den Leser glaubwürdig und unvermeidbar wirkt, aber die Handlung in ihrer späteren Form erst so richtig in Gang bringt.

Im Fall der beiden Polizisten, die zum Ort des Banküberfalls gerufen werden, könnte das so aussehen: Die Polizisten wissen, dass ihr Streifenwagen der einzige in der Nähe der Bank ist und dass sie wohl mehrere Minuten vor den anderen Wagen dort eintreffen werden. Der erfahrene, besonnene Partner des Protagonisten gibt zu bedenken, dass sie vielleicht doch besser auf Verstärkung warten sollten, bevor sie sich den bewaffneten und vermutlich zahlenmäßig überlegenen Bankräubern in den Weg stellen. Doch dem Protagonisten ist bereits bei dem Funkspruch ein eisiger Schauer über den Rücken gelaufen – denn er weiß genau, dass seine Frau heute mit seinem kleinen Sohn zu genau dieser Bank wollte, um dort ein Sparbuch für den Jungen einzurichten. Er weiß zwar nicht, ob seine Familie sich tatsächlich als Geiseln in der Gewalt der Bankräuber befindet, aber er weiß genau, dass er es sich niemals verzeihen kann, wenn er durch sein Zögern das Leben seiner Familie gefährdet.

Wenn Sie jetzt die beiden Polizisten genau zu dem Zeitpunkt die Bank erreichen lassen, zu dem die bewaffneten Bankräuber mit mehreren Geiseln die Bank verlassen und in einem Transporter fliehen, ist dem Leser klar, was auf dem Spiel steht.

Der Protagonist konnte einen flüchtigen Blick auf die Geiseln werfen, bevor diese in den Transporter getrieben wurden und die Bankräuber mit quietschenden Reifen davon rasten und glaubt, seine Familie unter ihnen erkannt zu haben.

Er kann die Gangster keinesfalls entkommen lassen, da er befürchten muss, dass sie ihre Geiseln kaltblütig erschießen, sobald sie in Sicherheit sind – schließlich werden sie keine Zeugen am Leben lassen, die sie später bei einer Gegenüberstellung identifizieren könnten. Aber er weiß auch, dass er nicht einfach das Feuer auf den Wagen mit den flüchtenden Gangstern eröffnen kann, ohne damit zugleich das Leben der Geiseln zu gefährden.

Sie sehen, was dieser kleine Schritt zurück für Ihre Handlung tut: Auf einmal sind es für den Leser nicht mehr zwei namenlose Polizisten, die ein paar ebenso namen- und gesichtslose Bankräuber durch das Straßengewühl verfolgen, sondern jetzt fiebert er mit einem Vater mit, der seine Frau und seinen Sohn aus den Händen eiskalter Verbrecher befreien will.

Probieren Sie diese Technik selbst einmal aus, wenn Sie eine Romanhandlung haben, die sich zu langsam anlässt und auf den ersten Seiten Probleme hat, so richtig in Schwung zu kommen. Vielleicht ist ein Start „in medias res“ in diesem Fall genau der richtige Ansatz.



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Einsatz von Try-Fail-Cycles im Roman

Eines der nützlichsten Hilfsmittel beim Plotten eines Romans ist der sogenannte Try-Fail-Cycle – wörtlich übersetzt der Versuch-Niederlage-Kreislauf. Dabei handelt es sich um eine Technik, mit der Sie die Entschlossenheit und den Erfindungsreichtum Ihres Protagonisten auf die Probe stellen und Ihre Leser auf die Folter spannen können.

Ein Roman, in dem der Leser sein Ziel zu schnell und zu einfach erreicht, ist erstens langweilig und zweitens sehr schnell vorbei. Zu schnell, um der Bezeichnung ‚Roman‘ überhaupt gerecht zu werden. Für einen richtigen Roman genügt es nicht, dass Ihr Held ein Ziel hat und dieses am Ende erreicht. Nein, er muss sich strecken und wachsen, fallen und sich immer wieder aufrappeln, damit er sich am Ende den Sieg redlich verdient hat.

Und genau dafür brauchen Sie als Autor den Try-Fail-Cycle. Für jedes größere Ziel, das Ihr Protagonist im Laufe Ihrer Romanhandlung hat, müssen Sie als Autor ihm Steine in den Weg legen, seine Anstrengungen torpedieren und ihn mit unerwarteten Tiefschlägen aus einer Richtung, aus der er sie niemals erwartet hätte, niederstrecken. Auch wenn man als Autor seinen eigenen Protagonisten mag, muss man ihn quälen – zum Wohle einer spannenden Romanhandlung.

Der Try-Fail-Cycle besagt, dass Ihr Held sein Möglichstes tut, um sein Ziel zu erreichen, und trotzdem scheitert. Die Gründe dafür können ganz unterschiedlicher Natur sein. Manchmal sind es die Schwächen des Helden, die ihn scheitern lassen. Vielleicht ist er noch nicht stark oder erfahren genug, nicht entschlossen genug oder er denkt noch zu selbstsüchtig, um Erfolg zu haben. Vielleicht liegt es auch daran, dass er die wahren Hintergründe oder die geheimen Pläne seiner Widersacher noch nicht durchschaut hat und daher in die falsche Richtung / gegen die Wand läuft.

Aber natürlich gibt Ihr Protagonist nicht auf. Er rappelt sich auf, schüttelt den Staub ab und leckt seine Wunden – doch dann überlegt er sich einen neuen Plan und startet den nächsten Versuch.

Natürlich ist auch dieser nicht von Erfolg gekrönt, denn ein einziger Rückschlag würde ja noch nicht genügen, um seine Entschlossenheit und Willenskraft ausreichend auf die Probe zu stellen. Selbstverständlich ist sein neuer Plan gut durchdacht und solide vorbereitet – und ebenso selbstverständlich werden Sie als Autor einen Weg finden, ihm auch diesmal Steine in den Weg zu legen, ihm Stöcke zwischen die Beine zu werfen und ihn mit einem weiteren unerwarteten Tiefschlag erneut auf die Bretter zu schicken.

Diesmal ist die Niederlage härter und schmerzhafter als beim ersten Mal. Es kann durchaus sein, dass Ihr Protagonist verwundet wird, einen wichtigen Gegenstand oder Verbündeten verliert oder einen anderen schmerzlichen Verlust erleidet. Dieser kann auch psychischer Natur sein – z.B. wenn er erkennen muss, dass jemand, dem er vertraut hat, eigentlich auf der Seite seines Gegners steht und ihm im entscheidenden Moment in den Rücken gefallen ist.

Die Anzahl der Runden eines Try-Fail-Cycles sind abhängig von der Länge des gesamten Romans und von der Bedeutung des Konflikts für die Gesamthandlung. Die Untergrenze liegt bei drei Runden, wobei die dritte dann bereits die letzte und alles entscheidende Runde ist, in der der Held dann üblicherweise den Sieg davonträgt. Das entspricht zwei Niederlagen, denn eine Niederlage / ein Rückschlag allein ist wie bereits erwähnt nicht ausreichend, um die Entschlossenheit Ihres Protagonisten wirklich auf die Probe zu stellen.

Für den zentralen Konflikt eines umfangreichen Romans können Sie ruhig auch noch 1-2 zusätzliche Runden einlegen, die jeweils trotz eines gut durchdachten Plans mit einem Fehlschlag für den Protagonisten enden. Das wird allerdings auch für Sie als Autor immer schwieriger, denn sowohl der Plan/Ansatz Ihres Protagonisten als auch die Art der Niederlage und die daraus resultierenden negativen Auswirkungen sollten jedes Mal anders sein.

Kurzum: mit jeder weiteren Runde des Try-Fail-Cycles wird die Lage Ihres Protagonisten schwieriger und aussichtsloser: Freunde und Verbündete werden getötet, gefangen oder sonstwie ausgeschaltet oder wenden sich von ihm ab; er selbst wird verwundet, diskreditiert oder gar geächtet und er verliert nach und nach alle Hilfsmittel und Ressourcen, auf die er bisher zur Lösung des Problems vertraut hatte.

All diese Runden aus Versuch und Niederlage dienen dazu, die Schale des Helden aufzuknacken und zu offenbaren, was für ein Kern in ihm steckt. Damit er den Sieg wirklich verdient, darf er ihn weder mit Hilfe technischer Gimmicks noch durch die Unterstützung seiner Freunde und Verbündeten erringen. Keine geheimen Bond-Waffen und keine Kavallerie, die den belagerten Siedlern in letzter Sekunde zur Hilfe kommt. Kein Deus ex machina, sondern ein zu allem entschlossener Protagonist, der sich wie einst Baron Münchhausen sozusagen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zieht.

Die letzte Niederlage des Try-Fail-Cycles muss so hart sein, dass sie dem Protagonisten buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzieht und all seine Hoffnungen auf einen Sieg gnadenlos zerschmettert. Dies ist, um bei der klassischen Heldenreise nach Joseph Campbell zu bleiben, der ‚dunkelste Moment‘, in dem der Held im übertragenen Sinne stirbt und in seiner neuen Form wiedergeboren wird.

Die finale Runde des Try-Fail-Cycles ist zugleich das Ende des Konflikts. Bei einer Nebenhandlung kann das irgendwo mitten im Roman sein. Handelt es sich jedoch um den zentralen Konflikt, befinden wir uns hier üblicherweise in den letzten 10-20% des Buchs.

Jetzt muss der Protagonist zeigen, was wirklich in ihm steckt. Diesmal gibt es kein Netz und keine Sicherheitsleine mehr. Er muss den Sprung wagen und weiß, dass er siegen oder untergehen wird. Wenn er diesmal wieder verliert, wird es keine weitere Chance, keinen weiteren Versuch mehr geben.

Oft ist es so, dass der Protagonist nach der letzten Niederlage, also im ‚dunkelsten Moment‘, bereit die Hoffnung auf die Erfüllung seiner eigenen Wünsche aufgegeben hat. Er weiß, dass er verloren hat.

In diesem Moment entscheidet sich der Protagonist oft, zum Märtyrer zu werden. Wenn er schon selbst nicht mehr gewinnen kann, will er beispielsweise zumindest noch den Feind zur Strecke bringen um so andere Unschuldige vor ihm zu schützen. Was dabei oder danach aus ihm selbst wird, ist ihm egal. Er kennt keine Angst mehr, da die Konsequenzen für ihn selbst ihm mittlerweile egal sind.

In einem Krimi kann das der Moment sein, in dem der integre Polizist seine Marke ablegt und zur Selbstjustiz greift: Der Gangster, den er zur Strecke bringen wollte, hat sich ein wasserdichtes Alibi gekauft und mit Hilfe korrupter Polizisten und fingierter Beweise den Protagonisten diskreditiert, so dass er nun selbst (und natürlich zu Unrecht) als Mörder und als flüchtiger Verbrecher dasteht. Er weiß, dass er keine Chance mehr hat, den Gangster aufzuhalten und weitere Verbrechen zu verhindern – außer wenn er alle moralischen Bedenken und alle Werte, für die er jahrelang gekämpft hat, über Bord wirft und sich selbst zum Richter und Henker ernennt.

Jetzt haben wir den ultimativen Einsatz für die letzte Runde des Try-Fail-Cycles: Der Polizist steht allein gegen den Gangster, seine schwerbewaffneten Handlanger und einige korrupte Polizisten, die sich zu einem konspirativen Treffen in der Villa des Gangsters treffen. Er weiß, dass seine Chancen verschwindend gering sind und dass er vermutlich sterben wird, bevor er den Gangster auch nur zu sehen bekommt. Doch selbst wenn er Erfolg haben sollte, werden die Überwachungsaufnahmen aus der Villa allen beweisen, dass er der Mörder ist – und damit seinen guten Ruf und seine Ehre endgültig zerstören.

Wie man eine solche Handlung enden lässt, ist Geschmackssache. Der Held kann sterben, aber der Gangster wird nachher für seine Ermordung verurteilt. Der Held kann den Gangster und seine Verbündeten eliminieren und danach in den Untergrund gehen, um von dort aus wie der Punisher aus den Marvel-Comics den Kampf gegen das Verbrechen fortzuführen. Oder der Held kann den Gangster so weit bringen, dass dieser vor laufender Kamera alles gesteht und der Held damit nachträglich doch entlastet und sein guter Ruf wieder hergestellt wird.

Oft ist es so, dass gerade die Bereitschaft, die bisher verfolgten eigenen Ziele aufzugeben, alle egoistischen Motive über Bord zu werfen und einfach das zu tun, was richtig ist, für einen unerwarteten Sieg des Protagonisten in letzter Minute sorgt.

Probieren Sie also ruhig selbst einmal aus, ob Sie vielleicht mit einem zusätzlichen Try-Fail-Cycle die Handlung Ihres Romans noch stärker und besser machen können.


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Tag-Team-Plotting: Mit ungewöhnlichen Kombinationen zu einer spannenden Romanhandlung

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht – aber ich habe recht häufig beim Lesen neuer Romane so ein Deja-Vu-Erlebnis, genau dasselbe in etwas anderer Form schon einmal gelesen zu haben. Und meist nicht nur einmal. Gerade bei Genre-Romanen überkommt einen sehr häufig das ungute Gefühl, dass die Hauptfiguren inklusive ihrer Motivation und den wichtigsten Konflikten aus anderen Romanen oder Filmen übernommen und nur oberflächlich abgewandelt wurden.

Das ist in den meisten Fällen nicht einmal böse Absicht des Autors. Es ist wie mit den Werbespots, die wir hunderte von Malen in Funk und Fernsehen gehört haben und deren Slogans wir sogar im Halbschlaf noch komplettieren könnten: „Douglas: Come in and…“ (find out). „BMW: Freude am…“ (Fahren). „Opel: Wir haben…“ (verstanden).

Genauso ist es bei Romanen: Wenn ich Ihnen jetzt die Aufgabe stellen würde, eine Romanhandlung zu skizzieren, in der ein mutiger Schwertkämpfer und eine schöne Magierin gegen einen finsteren Schwarzmagier mit Weltherrschafts-Ambitionen und seinen Handlanger, einen hünenhaften Drachenritter in schwarzer Rüstung, antreten sollen, könnten Sie bestimmt innerhalb einer halben Stunde etliche Ideen für Szenen, Konflikte und den finalen Showdown aufs Papier werfen. Doch wenn Sie anschließend diese Notizen kritisch hinterfragen: Wie viele dieser Ideen wären wirklich innovativ und originell und nicht in anderen Büchern oder Filmen schon dutzendfach da gewesen?

Das Problem liegt in den Zutaten, die wir miteinander kombinieren. Wenn uns jemand Nudeln, Tomatenmark, Sahne und Hackfleisch gibt, wird vermutlich so etwas wie Spaghetti Bolognese dabei heraus kommen. Doch was würden Sie aus Lachs, Sonnenblumenkernen, Kartoffeln und Schinken machen? Hier gibt es keine direkte Assoziation, sondern Sie müssen erst einmal nachdenken, was von diesen vier Zutaten man wie miteinander kombinieren könnte. Und genau dasselbe machen wir beim Tag-Team-Plotting.

„Gib Klischees keine Chance!“

Die Bezeichnung „Tag-Team-Plotting“ ist eine scherzhafte Referenz zum Wrestling: Dort treffen bei einem Tag-Team-Match zwei Teams aus je zwei Wrestlern aufeinander, von denen allerdings immer nur einer gleichzeitig im Ring ist. Gerade bei Tag-Teams, die nur für ein bestimmtes Match zusammengewürfelt werden, kommen oft sehr ungewöhnliche Kombinationen aus ganz gegensätzlichen Kämpfern zustande. Und genau diesen Punkt machen wir uns beim Tag-Team-Plotting für Romane zunutze.

Die Vorbereitungen für das Tag-Team-Plotting wirken vielleicht ein wenig aufwändig, doch die Arbeit lohnt sich. Da man als Schriftsteller üblicherweise nicht nur einen einzigen Roman in einem bestimmten Genre schreiben will, kann man bei weiteren Projekten auf die bereits vorbereitete Basis zurückgreifen und im Handumdrehen neue ungewöhnliche Tag-Teams aus dem Hut zaubern.

Aber fangen wir doch einfach mit dem ersten Schritt an…

Was brauchen Sie?

Für das Tag-Team-Plotting brauchen Sie ein ganz normales Kartenspiel (2-10, Bube, Dame, König und As, jeweils in Herz, Karo, Pik und Kreuz). Einen solchen Satz Spielkarten dürften die meisten von uns irgendwo im Schrank oder in der Schublade liegen haben – und wenn nicht, bekommen Sie sie in jedem Spielwarengeschäft oder Supermarkt.

Dazu brauchen Sie noch einen Stift und drei unterschiedliche Formblätter: die Kartenliste, das Brainstorming-Blatt und das Tag-Team-Blatt. Druckvorlagen für diese Blätter finden Sie hier:

Step 1: Der Charakter-Fundus

Im ersten Step brauchen Sie nur die Kartenliste. Da ein Kartenspiel aus 52 Karten besteht, haben Sie auf Ihrer Kartenliste Platz für 52 Charakter-Ideen. Bevor Sie nachher zum ersten Mal das eigentliche Kartenspiel brauchen, notieren Sie zunächst in die 52 Felder der Kartenliste ebensoviele Ideen für Charaktere, die zu Ihrem Genre passen könnten.

Es geht dabei nur um „Berufe“ im weiteren Sinne, nicht um konkrete Eigenschaften. Wenn Sie Fantasy schreiben, könnten Ihre ersten Ideen „Klassiker“ (andere würden sagen: Klischees) wie Barbar, Paladin, Amazone, Schwarzmagier, Drachenreiter, Assassine oder Fährtensucher sein. Doch mit diesen abgegriffenen Rollen können Sie schwerlich alle 52 Plätze Ihres Charakter-Fundus füllen.

Ich weiß: 52 ist eine hohe Anzahl – aber ich lasse Sie nicht eher vom Haken, bis Sie nicht alle 52 Felder mit Ideen gefüllt haben. Sie schaffen das… ;-)

Je mehr sich die Liste füllt, desto schwerer wird es Ihnen fallen, auf neue Ideen zu kommen. Das ist nicht nur ganz normal, sondern auch erwünscht. Denn erfahrungsgemäß sind die letzten 10-20 Ideen, die Sie eintragen, die Arten von Charakteren, die man noch nicht im Überfluss in anderen Romanen oder Filmen gesehen hat.

Step 2: Die Ziehung der Lottozahlen Kandidaten…

Sobald Sie mit Ihrer Liste fertig sind, gehen Sie zum nächsten Schritt über: Mischen Sie Ihr Kartenspiel gut durch, ziehen Sie vier zufällige Karten und legen Sie diese offen vor sich aus. Die Kartenliste ist dabei Ihre Übersetzungstabelle, die Ihnen verrät, wer Ihre Kandidaten für die Tag-Teams sind.

Für unser Beispiel sagen wir, dass Sie die Pik 7, die Herz 2, den Herz-Buben und das Kreuz-As gezogen haben. Laut Ihrer Tabelle steht die Pik 7 für einen Schmuggler, Herz 2 für einen Sklavenhändler, der Herz-Bube für einen Adligen und das Kreuz-As für einen Totenbeschwörer.

Schreiben Sie diese vier Kandidaten als A, B, C und D untereinander auf ein Blatt. Dabei ist noch nicht gesagt, welche der Charaktere männlich oder weiblich, jung oder alt, gut oder böse sind. Noch ist alles offen.

Step 3: Held oder Schurke?

Drucken Sie nun für jeden der vier Charaktere ein Exemplar des Brainstorming-Blatts aus: Oben tragen Sie den „Beruf“ des jeweiligen Charakters ein, darunter machen Sie in den Spalten „Held…?“ und „oder Schurke…?“ Notizen, inwiefern eine solche Figur im Rahmen einer Romanhandlung auf der „guten“ oder der „bösen“ Seite stehen könnte.

Natürlich ist es manchmal nicht ganz einfach, für Charaktere wie einen Sklavenhändler oder einen Totenbeschwörer Ideen zu finden, wie eine solche Figur zum Helden werden könnte – aber das ist ja gerade das Interessante daran. Schließlich wollen wir abgegriffene Klischees vermeiden – und für wirklich gute Ideen muss man schon mal etwas tiefer graben.

Nehmen Sie sich für jede Figur mindestens eine halbe Stunde Zeit, um alle Möglichkeiten auszuloten und das Potential der Figur zu ergründen. Hören Sie keinesfalls auf, bevor Sie nicht auch für die „typischen Guten“ eine mögliche Schurkenrolle und für die „typischen Schurken“ eine mögliche Heldenrolle entwickelt haben.

Ein guter Sklavenhändler? Wenn Ihnen das abwegig vorkommt, denken Sie nur an einen der Klassiker der Weltliteratur: Robinson Crusoe. Auch Crusoe war ein Sklavenhändler, bevor er auf der einsamen Insel strandete und dort zu einem besseren Menschen wurde.

Und ein Totenbeschwörer? Hm, was ist zum Beispiel Ned aus der amüsanten TV-Serie „Pushing Daisies“ anderes als ein Totenbeschwörer? Auch er hat die Fähigkeit, Tote für kurze Zeit wieder zum Leben zu erwecken – und es ihnen wieder zu nehmen. Denn wenn er das nicht tut, stirbt irgendwo in der Nähe ein anderer Mensch an dessen Stelle.

Step 4: Let’s get ready to rumble…

Wenn Sie genügend Ideen für alle vier Charaktere gesammelt haben, lassen Sie diese erstmals aufeinander treffen. Mit vier Charakteren gibt es sechs mögliche Varianten, die im Tag-Team-Blatt untereinander aufgelistet sind. Unter jeder der sechs möglichen Variationen haben Sie genügend Platz, um mit knappen Stichworten die Eckdaten einer möglichen Romanhandlung zu notieren.

Im ersten „Match“ lassen Sie die guten Versionen Ihrer Charaktere A und B auf die bösen Versionen Ihrer Charaktere C und D treffen:

  • Was hat „Held A“ gegen „Schurke C“? Und welche offene Rechnung hat er mit „Schurke D“? Wie könnten diese Charaktere in einem erbitterten Konflikt aneinander geraten? Stellen Sie anschließend dieselben Fragen auch noch für Ihren „Held B“.
  • Was haben Ihre beiden „Helden“ gemeinsam – oder was könnten sie gemeinsam haben? Welche Konflikte dürfte es trotz gemeinsamer Interessen zwischen ihnen geben und wie könnten sie dennoch an einem Strick ziehen?
  • Was haben Ihre beiden „Schurken“ miteinander zu tun? Agieren sie unabhängig voneinander oder arbeiten sie zusammen? Was haben die beiden von dieser Zusammenarbeit und welche Stärken kann jeder der beiden mit einbringen, die der andere nicht hat?

Diese Fragen sind nur als erste Anregungen gedacht. Die Bandbreite solcher Tag-Teams ist fast unbegrenzt. So könnte jeder Ihrer beiden Helden ursprünglich seinen eigenen Feind haben – doch als beide erkennen müssen, dass ihre Feinde in Wahrheit miteinander verbündet sind, schließen auch sie sich zusammen, um mit vereinten Kräften das Böse aufzuhalten.

Nehmen Sie sich für diese Variante mindestens 15 Minuten Zeit, um auf dem Tag-Team-Zettel Stichwörter und Ideen für eine mögliche Romanhandlung zu notieren.

Erst danach gehen Sie zur nächsten Variante über. Wenn Sie sich für jedes „Match“ 15 Minuten Zeit nehmen, haben Sie nach anderthalb Stunden das grobe Gerüst für sechs unterschiedliche Romanhandlungen skizziert. Jetzt können Sie abwägen und entscheiden, welche der Varianten ausscheiden, da sie Ihnen nicht gefallen, und welche Sie weiter ausarbeiten wollen.

Probieren Sie es einfach einmal aus. Sie werden sehen: durch die große Anzahl unterschiedlicher Charaktere und dadurch, dass Sie gezwungen sind, jede Figur sowohl von ihrer hellen als auch ihrer dunklen Seite zu betrachten, vermeiden Sie, dass Sie sich mit Ihrer Handlung unbewusst auf ausgetretenen Pfaden halten.

Alles in allem dürften Sie nicht mehr als 5-6 Stunden (also gerade mal einen Nachmittag) brauchen, um so ein erstes Konzept für eine spannende Romanhandlung zu erschaffen. Und wenn Sie anschließend noch mehr Ideen brauchen, um das Konzept zu einer vollständigen Handlung auszubauen, können Sie immer noch zur Assoziativen Ideen-Matrix aus „Kreativ mit der Matrix“ greifen.


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Warum Protagonist und Hauptfigur nicht immer ein und dieselbe Person sein müssen

Protagonist, Hauptfigur, Hauptheld oder Perspektivcharakter – viele Schriftsteller verwenden diese Begriffe, als ob diese generell ein und dasselbe wären. Aber auch wenn es sich in den meisten Romanen beim Protagonisten und der Hauptfigur um dieselbe Person handelt, ist dies nicht zwingend erforderlich.

Als Schriftsteller erschließt man sich eine viel größere Bandbreite an möglichen Geschichten, wenn man lernt, wie man diese beiden Funktionen bei Bedarf sauber voneinander trennen kann.

Zur Trennung zwischen Protagonist und Hauptfigur existieren die unterschiedlichsten Ansichten und Interpretationen. Manche davon unterscheiden sogar minutiös zwischen Protagonist, Held, Hauptfigur und Perspektivcharakter, doch diese Modelle sind so theoretisch und dröge, dass man die einzelnen Begriffe selbst bei der Interpretation klassischer Romane oft nicht sauber voneinander abgrenzen kann. Umso schwerer wäre es, ein solches Modell auf seine eigenen Geschichten anzuwenden.

Ich vertrete die Auffassung, dass Modelle die Realität vereinfachen und greifbarer machen sollen, statt sie zu komplizieren. Meiner Meinung nach sollte man daher lediglich zwischen Protagonist und Hauptfigur unterscheiden.

Vereinfacht ausgedrückt ist der Protagonist derjenige, dessen Kampf wir verfolgen. Er trägt den zentralen Konflikt des Romans aus und er ist derjenige, dem der Leser die Daumen drückt, dass er es schaffen wird.

Die Hauptfigur (oft auch als Perspektivcharakter bezeichnet) ist hingegen derjenige, aus dessen Perspektive wir die Handlung miterleben.

Bei den meisten Romanen handelt es sich bei Protagonist und Hauptfigur um ein und dieselbe Person, doch manchmal kann es sinnvoll sein, beide Funktionen voneinander zu trennen.

Eines der häufigsten Argumente für eine Trennung zwischen Protagonist und Perspektivcharakter ist, dass der Leser sich nur schwer mit dem eigentlichen Protagonisten identifizieren kann.

Das wohl bekannteste Beispiel aus der Literaturgeschichte ist das Team aus Dr. Watson und Sherlock Holmes. Holmes ist genial, aber zugleich so exzentrisch, dass kaum ein Leser sich wirklich in die Figur des Sherlock Holmes hinein versetzen könnte.

Das fällt beim vergleichsweise bodenständigen und normalen Dr. Watson wesentlich einfacher. Dies ist wohl auch der Grund, warum Sir Arthur Conan Doyle fast alle Abenteuer von Sherlock Holmes aus der Perspektive von Dr. Watson schrieb.

Watson erlebt die Ermittlungen des genialen Detektivs hautnah mit und unterstützt ihn dabei nach besten Kräften. Zugleich kann er Holmes die Fragen stellen, die auch dem Leser auf der Zunge brennen und so Details und Schlussfolgerungen zutage fördern, die für einen Sherlock Holmes so selbstverständlich sind, dass er sie nicht einmal erwähnen würde.

Je weiter Ihr Protagonist also von einem „normalen Menschen“ entfernt ist, desto mehr können Sie (und Ihr Roman) davon profitieren, wenn Sie ihm als Perspektivcharakter jemanden zur Seite stellen, mit dem sich der Leser besser identifizieren kann.

In der Praxis gibt es hierbei allerdings eine gefährliche Falle zu beachten: Ihr Perspektivcharakter darf nicht nur ein stiller, passiver Beobachter sein. Wenn Sie Protagonist und Perspektivcharakter aufteilen, muss Ihr Perspektivcharakter nicht nur den Protagonisten aktiv unterstützen (und damit an der Auflösung des zentralen Konflikts mitarbeiten), sondern er braucht zusätzlich auch einen eigenen Handlungsstrang.

Bei einem solchen „Duo“ liegt die Veränderung oft eher beim Perspektivcharakter als beim eigentlichen Protagonisten.

Das kann sogar so weit führen, dass der Protagonist im Gegensatz zum Perspektivcharakter nicht überlebt – ein Aspekt, der eine Geschichte noch einmal deutlich spannender machen kann.

Bei den meisten Romanen ist es so, dass der Protagonist am Ende siegt. Romane, in denen der Protagonist am Ende stirbt, sind relativ selten – Leser lieben nunmal ein Happy End und wollen den Helden siegen sehen, mit dem sie die letzten paar hundert Seiten mitgefiebert haben. Und wenn dann der Roman auch noch aus der Ich-Perspektive erzählt wird, kann der Leser sich ziemlich sicher sein, dass der Protagonist überlebt – denn wie sollte er sonst von den Geschehnissen erzählen können?

Wenn Protagonist und Perspektivcharakter jedoch nicht identisch sind, liegt der Tod des Protagonisten durchaus im Rahmen des Möglichen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Roman „Einer flog übers Kuckucksnest“ von Ken Kesey: Der Protagonist des Romans ist McMurphy (im gleichnamigen Film gespielt von Jack Nicholson), während der Roman selbst aus der Perspektive von ‚Chief‘ Bromden erzählt wird. Am Ende des Romans stirbt McMurphy, doch Bromden gelingt die Flucht aus der Anstalt.

Geschichten in dieser Art haben eine große Bandbreite. So könnte in einem Kriegsabenteuer der Protagonist ein harter, abgebrühter und zynischer Einzelkämpfer sein, der tief im Feindesland den Anführer der feindlichen Armee ausschalten soll.

Um der Handlung mehr Tiefe zu verleihen und sie nicht in ein pures Action-Abenteuer abdriften zu lassen, stellen wir ihm einen jungen, unerfahrenen Soldaten zur Seite, aus dessen Perspektive wir die gesamte Handlung schildern. Dieser könnte der letzte Überlebende eines Trupps sein, der nach einer verlorenen Schlacht hinter den feindlichen Linien auf den Einzelkämpfer stößt und sich ihm anschließt.

Im Verlauf der Handlung kann der junge Soldat über sich selbst hinauswachsen, seine Ängste überwinden und schließlich, als der eigentliche Protagonist kurz vor der Erfüllung der Mission schwer oder gar tödlich verwundet wird, die alles entscheidende Mission im Alleingang zu Ende führen.

Der Protagonist dieser Handlung (also der Einzelkämpfer) sollte hier nicht mit einem Mentor verwechselt werden. Während der Mentor den Protagonisten nur anleitet und ausbildet, ist es hier eigentlich die Mission des Einzelkämpfers, nicht die des jungen Soldaten.

Dadurch, dass wir so von Anfang an einen aktiv handelnden, starken Protagonisten haben, kann das langsame Wachstum des Perspektivcharakters bis zu dem Punkt, an dem er über seinen eigenen Schatten springen und in die Fußstapfen des Protagonisten treten muss, für die notwendige Abwechslung im Tempo des Romans sorgen.

Haben Sie auch die eine oder andere Romanidee in Ihrem Ideenarchiv, die einfach nicht so richtig „abheben“ will, weil Ihr Protagonist einfach nicht als Identifikationsfigur geeignet ist? Versuchen Sie es selbst einmal und stellen Sie ihm einen sympathischen Partner zur Seite, aus dessen Perspektive Sie die gemeinsamen Abenteuer schildern. Der Unterschied ist größer, als Sie vielleicht auf den ersten Blick denken.


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