„Outlining Your Novel Workbook Software“

Die Schriftstellerin K.M. Weiland dürfte vielen Autoren durch ihre erfolgreichen Schreibratgeber „Outlining Your Novel“ und „Structuring Your Novel“ bekannt sein. Schon früher gab es zu beiden Büchern jeweils ein Workbook, das die Lektionen des jeweiligen Hauptbuchs in Fragen auf Aufgaben aufgliederte, mithilfe derer man nach und nach seinen eigenen Roman planen konnte.

Nun ist K.M. Weiland noch einen großen Schritt weiter gegangen und hat zusammen mit dem Programmierer Bob Miller ein Programm zu „Outlining Your Novel“ entwickelt. Bei diesem Programm handelt es sich nicht um ein klassisches Schreibprogramm wie Scrivener, Patchwork oder Papyrus, sondern eher um einen interaktiven Baukasten, in dem man anhand gezielter Fragen durch die Entwicklung seines eigenen Romans geführt wird.

In dieser Beziehung verfolgt Weilands Programm einen ähnlichen Ansatz wie die „Snowflake Pro“-Software“ von Randy Ingermanson, dem Erfinder der bekannten Schneeflocken-Methode, oder Evan Marshall („The Marshall Plan for Novel Writing„) mit seinem Programm. Allerdings hat K.M. Weilands Programm (unabhängig davon, dass jedem dieser Programme ein unterschiedlicher Denkansatz für die Planung eines Romans zugrunde liegt) schon auf den ersten Blick den Vorteil, dass es weniger als die Hälfte bzw. ein Drittel der beiden Konkurrenzprogramme kostet – nämlich gerade mal 40 Dollar.

Während das Programm in den USA auch über Amazon vertrieben wird, kann man das Programm in Deutschland aufgrund regionaler Beschränkungen nicht über Amazon bestellen, sondern muss es über die die Webseite der Autorin ordern: http://www.helpingwritersbecomeauthors.com/book/outlining-novel-workbook-computer-program/. Dort finden Sie etwas weiter unten auf der Seite die Bestell-Links für die PC-Version (Achtung: nur für aktuelle 64-Bit-Betriebssysteme!) und die Mac-Version.

Wichtiger Tipp zur Installation unter Windows: Standardmäßig installiert sich das Programm wie üblich unter „Programme“. Da das Programm aber bestimmte Daten innerhalb des Programmverzeichnisses ablegt und Programme durch die Berechtigungsverwaltung neuerer Windows-Versionen keine Daten im Programmverzeichnis schreiben/ändern dürfen, sorgte dies bei der mir vorliegenden Version dafür, dass man keine neuen Romanprojekte anlegen/speichern konnte. Wenn man bei der Installation allerdings ein anderes Installationsverzeichnis (z.B. „C:/Software/Outlining_Your_Novel“) vorgibt, treten diese Probleme nicht auf. Alternativ können Sie in den Eigenschaften der Programmverknüpfung festlegen, dass das Programm als Administrator ausgeführt werden soll, aber der Umweg über ein anderes Verzeichnis ist aus meiner Sicht der einfachere und bessere Weg.

Screenshot Outlining Your Novel SoftwareDas Programm ist sehr gut durchdacht und strukturiert und kann somit (gerade in Verbindung mit dem Buch) ein sehr nützliches Werkzeug zum Planen eines Romans sein. Von der Prämisse des Romans über alle Details zu den darin vorkommenden Charaktere, Settings und Konflikte bis hin zur detaillierten Szenenliste nimmt einen das „Outlining Your Novel“-Programm bei der Hand und führt einen in logisch aufeinander aufgebauten Schritten hin zu einem sauber geplanten und strukturierten Roman.

Man sollte für die Arbeit mit dem Programm allerdings über solide Englischkenntnisse verfügen, da dieses ausschließlich auf Englisch verfügbar ist. Wer Weilands Bücher im Original gelesen hat (oder ohnehin gerne in englischsprachigen Schreibratgebern schmökert) sollte hier jedoch keine Probleme haben.

Unter http://www.helpingwritersbecomeauthors.com/oynw-support/ finden Sie diverse Ressourcen zum Programm wie die ausführliche Anleitung im PDF-Format, diverse Video-Tutorials und Tipps zur Arbeit mit dem Programm – alles wirklich vorbildlich gelöst.

Fazit: Gerade für Romanautoren, die schon das Original-Buch von K.M. Weiland „Outlining Your Novel: Map Your Way to Success“ (bzw. die deutsche Version „Wie man einen Roman plant: Gliedern Sie Ihre Schritte zum Erfolg“) kennen, ist das Programm ein äußerst empfehlenswertes Werkzeug.

Der Einsatz der Software ohne Kenntnis von K.M. Weilands Buch „Outlining Your Novel“ macht allerdings relativ wenig Sinn, da die interne Logik des Programms und seine Struktur natürlich auf dem Inhalt des Buchs und des darin beschriebenen Planungsmodell aufbauen. Wer das Buch also noch nicht kennt bzw. besitzt, sollte sich also erst das Buch zu Gemüte führen, bevor er in die zugehörige Software investiert.

Hier noch einmal der Link zur Webseite: www.helpingwritersbecomeauthors.com/book/outlining-novel-workbook-computer-program und zu den Tutorials / Ressourcen: http://www.helpingwritersbecomeauthors.com/oynw-support/.

Patchwork-Tutorial: Plotten mit Patchwork

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkDie Abwesenheit eines Plots ist die Mutter der meisten Schreibblockaden. Speziell Schreib-Neueinsteiger fühlen sich genervt, plotten zu sollen. Die Geschichte drückt schon mit dem Druck einer Wasserleitung und will endlich raus. Wofür dann so ein Schnickschnack?

1. Plot und Story

Ich kenne aus meiner Vergangenheit diese Sichtweise nur zu gut und ich kann mich auch gut genug noch an die Folgen erinnern. Ich setzte mich hin und schrieb auf Teufel komm raus und es ging auch flott dahin. Rund 150 Seiten lang. Dann geschah etwas Seltsames: der Druck ließ nach. Der Speicher schien leer und bald tröpfelte die Geschichte nur noch, bis auch das nachließ. Hurra, die erste Schreibblockade.

Beinahe jedem geht es so, der einfach drauflosschreibt, ohne sich Gedanken zu zwei Dingen zu machen: dem Ziel und den Wegpunkten dorthin. Genau diese zwei notwendigen Anker schafft man sich mit einem Plot. Die Geschichte als solche hat man ja üblicherweise vage im Kopf.

Bevor wir uns aufs Plotten stürzen noch eine Begriffsklärung. Stell dir dafür vor, deine Geschichte handelte von der Verwandlung des Oskar M., während er von Jaca nach Santiago de Compostela den Jakobsweg bewandert.

Dabei handelt es sich um eine Wegstrecke mit besagtem Anfangs- und Endpunkt, auf der Oskar in chronologischer Reihenfolge seine Erlebnisse hat. Das nennt man die Geschichte oder die Story.

Jetzt gibt es aber Gründe, warum sich Oskar auf den Weg macht, vielleicht eine Scheidung, die ihn dazu veranlasst, sich selbst besser kennenzulernen. Er zögert, wird abgeschreckt von der Mühsal, die ihn erwarten wird, rafft sich dann aber doch auf. Er wird unterwegs von Zweifeln geplagt, will aufgeben, erhält unerwartet Motivation, doch durchzuhalten. Schließlich fühlt er sich am Ende seiner Kräfte und gibt doch noch auf. Doch in dem Gasthof, von dem aus er per Bus zurückreisen möchte, trifft er einen bedeutend älteren Mann – das wäre doch gelacht, nicht wahr? – der ihn indirekt über seinen Stolz motiviert und mit dem gemeinsam er den Rest des Weges überwindet. Wahrscheinlich als anderer Mensch. Wovon dieser Absatz handelte, ist der Plot.

Der Plot ist die Struktur. Der Ausgangspunkt und das Ende und die definierten Wendepunkte unterwegs. Und darüber handelt dieser Artikel.

Wie alle anderen schreibratgebenden Hinweise ist auch der Plot keine willkürliche Sache, die sich irgendjemand in Brüssel ausgedacht hat. Der einfachste Plot ist der klassische Dreiakter, den man bereits im antiken Griechenland erfolgreich anwendete. Ich möchte hier nicht auf Sinn und Aufbau eines Plots weiter eingehen, sondern zeigen, wie man mit Patchwork plottet.

Das Plotten ist dabei ein mehrstufiger Prozess, der bis zum fertigen Szenengerüst gehen kann. Nicht muss.

2. Schritt 1 – plotten

Man muss nicht mit einem neuen Projekt beginnen, um zu plotten. Wenn man es tut, dann ist das Plotten eine von fünf Optionen, mit denen man ein Projekt beginnen kann (1): Screenshot PatchworkBesteht das Projekt bereits, beginnt man über die Menüfunktion Hauptmenü › ‚Projektbezogen‘ › ‚Plotten‘. Mit beiden Einstiegen landen wir bei dem Plotfenster:

Screenshot PatchworkAls Erstes entscheiden wir uns für ein Plot-Konzept (1). Vater aller ist der klassische Dreiakter. Alle anderen sind Erweiterungen. Für lange Geschichten, also etwa Romane, empfiehlt sich die Wahl einer detaillierteren Struktur, zum Beispiel  Heldenreise, Schneeflockenmethode oder Waldscheidt-Dreiakter. Für eine Kurzgeschichte ist Plotten auch nicht verkehrt. Aber hier werden Drei- oder Fünfakter ausreichenden Halt bieten.

Haben wir uns entschieden, werden die Stufen des gewählten Konzepts links angezeigt (2). Auffallend ist die Reihenfolge (3) der Zahlen auf der rechten Seite der Stufen. Diese Zahlen sind eine Empfehlung für die Abfolge der Abhandlung der Punkte. Warum mit dem Ende beginnen? Weil wir dadurch gezwungen sind, das Ende klar zu formulieren. Ende und Anfang sind die Antipoden der Geschichte. Wir tun uns leichter, wenn wir das Ziel, also das Ende, bei der Entwicklung ständig vor Augen haben. Die Reihenfolge ist kein Muss, aber empfehlenswert.

Sobald man links auf eine Stufe klickt, wird rechts oben der dazugehörende Beschreibungstext angezeigt (5). Ab nun sind wir gefordert: Im freien Bereich (6) schreibt man eine Kurzbeschreibung (keinen Roman!) zu der aktuellen Stufe. Ist man damit fertig, wählt man die nächste Stufe links (2) aus. Gibt es zu einer Stufe bereits selbsterfassten Text, so wird diese Stufe grün markiert (4).

Erst wenn sämtliche Stufen ausgefüllt sind, wird die Option zum nächsten großen Schritt sichtbar: zur Weitergabe ans Kreativboard (7). Dort wird daraufhin zu jedem Schritt eine Karteikarte generiert. Der Titel der Karte wird die Bezeichnung der Stufe (2) sein, der Text der selbst erstellte Text (6).

Oben links (8) können wir die Größe der zukünftigen Karteikarten bestimmen.

3. Schritt 2 – Übergabe an das Kreativboard

Mit der Übergabe durch die Schaltfläche [Machs!] (7, oberes Bild) werden im Kreativboard für jede Stufe Karteikärtchen erzeugt.

Screenshot PatchworkIn jedem Kärtchen findet man seine Stufen wieder: Die Bezeichnung der Stufe (1) und den Text, den man dazu geschrieben hat (2). Möchte man nun zu bestimmten Stufen in die Tiefe gehen, wählt man ein Kärtchen aus (3) und klickt mit der rechten Maustaste darauf. Im erscheinenden Menü kann man nun zu diesem Eintrag eine neue Instanz anlegen (4). Damit öffnet sich eine neue, leere Ebene, die man nun manuell mit neuen Karteikärtchen bestücken kann, die zu dieser Stufe die einzelnen Szenen werden können.

4. Schritt 3 – Kapitel generieren lassen

Mit wenigen Mausklicks lassen sich aus diesen Karteikärtchen nun Kapitel erzeugen:

Screenshot PatchworkMan markiert alle Szenen, die übernommen werden sollen (1), wonach man auf eine der markierten mit der rechten Maustaste klickt. Nach Auswahl des Menüpunkts ›Szenen zu den … gewählten Textelementen erzeugen‹ (2) erscheint ein Fenster mit ein paar Einstellungen (3).

So kann man bestimmen, ob die zu übernehmenden Kärtchen hinter einem gerade markierten Kapitel eingefügt oder ihm untergeordnet werden sollen (4). Das ist natürlich nur relevant, wenn bereits Kapitel vorhanden sind. Es kommt zum Beispiel dann zum Tragen, wenn die markierten Kärtchen in einer Unterinstanz (also weiteren Kreativboardebene) dem übergeordneten Kapitel untergeordnet werden sollen. Als Reihenfolge (5) wird man meistens ›nach Position‹ wählen, weil das vermutlich auch die gewollte Szenenreihenfolge werden soll. Ein späteres Umschichten ist aber kein Problem. Weiterhin kann man angeben, was die Kärtchen werden sollen (6), in unserem Fall Hauptkapitel. Wären bereits mehrere Erzählstränge im vorliegenden Werk angelegt, könnte man hier die Kärtchen schon zuordnen (7).

Mit Drücken der Auslöseschaltfläche (8) werden die Kapitel erzeugt.

Screenshot PatchworkNun sind wir am Beginn des eigentlichen Schreibens angelangt. Während man bisher im Reiter ›Kreativboard‹ (1) gearbeitet hat, aus dem die Kapitel erzeugt wurden, so wechselt man nun zum Reiter des Textbereichs (3), wo das Schreiben selbst stattfindet. Auf dem Bild kann man erkennen, dass aus den Plot-Stufen (2) Kapitel wurden und aus den zu den Stufen verfassten Texten der … Pitch der Szene (4).

Jetzt werden wir, durch die Kapitel (5) gegliedert, im Textbereich (6) den Text der Geschichte schreiben. Als Richtlinie steht uns pro Szene der Pitch (4) zur Verfügung. Wird der Pitchtext hier geändert, so wird  er automatisch mit dem dazugehörenden Karteikärtchen synchronisiert und umgekehrt.

Zugegebenermaßen haben wir einige Zeit verbraucht, bevor wir nun ans eigentliche Schreiben gehen können. Aber je ernster wir diese Planung bis hierher genommen haben, umso fließender wird die Geschichte voranschreiten. Vor allem die Gefahr des Verfransens oder Auslaufens und damit verbundenen Schreibblockaden sind auf ein marginales Maß reduziert.

Wie detailliert man diese Vorplanung macht, bleibt natürlich jedem überlassen. Man kann Teile davon auslassen und man kann nachplotten und Szenen umbauen. Alles ist möglich. Hauptsache, man hat die Grundstruktur seiner Geschichte beim Schreiben immer im Augenwinkel.

Wen es in den Fingern juckt: viel Spaß mit dieser professionellen Herangehensweise an die nächste Geschichte!

Link zum Video

Martin Danesch

Software-Tipp: FlexiPDF 2017

Wenn es um den Datenaustausch zwischen verschiedenen Rechnern, auch über die Grenzen unterschiedlicher Betriebssysteme hinweg, geht, ist das PDF-Format der wohl unumstrittene Standard. Schriftarten, Grafiken und Illustrationen lassen sich problemlos in Dokumente einbinden und man kann sich sicher sein, dass ein PDF beim Empfänger in exakt demselben Layout angezeigt wird, in dem es der Absender erstellt hatte.

Diese Möglichkeiten machen das PDF-Format zum idealen Format, um eBooks (beispielsweise Rezensionsexemplare von demnächst erscheinenden Büchern) an Leser zu verteilen. Doch wenn man ein PDF erst einmal generiert hat, sind die Bearbeitungsmöglichkeiten ziemlich eingeschränkt.

So ist es beispielsweise schwer, nachträglich in ein bestehendes PDF den Namen des Empfängers einzutragen – eine Vorsichtsmaßnahme, durch die man beispielsweise im Falle eines Falles nachvollziehen kann, wer ein Rezensionsexemplar unerlaubt weitergegeben hat.

Doch jetzt hat das Nürnberger Softwarehaus SoftMaker mit FlexiPDF 2017 ein Programm herausgebracht, mit dem man PDF-Dokumente genauso einfach und komfortabel wie mit einer Textbearbeitung bearbeiten kann.

Mit FlexiPDF ist es nicht nur möglich, nachträglich noch Änderungen im PDF vorzunehmen, sondern auch, die Rechte des Benutzers einzuschränken. So können Sie beispielsweise verhindern, dass Testleser ein Rezensionsexemplar eines Ihrer Bücher ausdrucken oder Passagen herauskopieren.

Sehr praktisch ist auch die Möglichkeit von FlexiPDF, eingescannte Dokumente per OCR in bearbeitbare Texte umzuwandeln.

Mit 79,95 € für die Standard-Version und 99,95 € für die Professional-Version ist FlexiPDF zwar nicht ganz billig, stellt aber dennoch eine lohnende Investition für Autoren dar, die häufig mit Dokumenten im PDF-Format arbeiten.

Zurzeit bietet SoftMaker übrigens eine Rabattaktion (https://shop.softmaker.com/shop/shop.php) an, bei der Sie die Standard-Version mit 18% Rabatt für 64,95 € und die Professional-Version mit 15% Rabatt für 84,95 € bestellen können. Zusätzlich erhält man (jedenfalls solange der Vorrat reicht) das Programm CutOut 5 zum Freistellen von Grafiken im Wert von 99 € kostenlos dazu – ein nettes Schmankerl für alle Autoren, die gerne ihre eigenen Buchcover designen.

Die Rabattaktion läuft nur noch bis zum 02.01.2017. Wer mit dem Kauf von FlexiPDF liebäugelt, sollte daher schnell zugreifen, um den Rabatt und die kostenlose Dreingabe mitzunehmen. Die Rabattaktion umfasst übrigens auch ähnlich hohe Rabatte für SoftMaker Office, so dass man z.B. momentan die Professional-Version von SoftMaker Office 2016 als Upgrade für gerade mal 34,95 € abstauben kann – ein lohnendes Schnäppchen, da man z.B. auch vom kostenlosen FreeOffice upgraden kann.

Nähere Informationen zu FlexiPDF finden Sie unter http://www.softmaker.de/flexipdf. Dort können Sie auch eine kostenlose Testversion von FlexiPDF herunterladen, um sich vor dem Kauf von den Möglichkeiten des Programms zu überzeugen.


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Ablenkungsfreies Schreiben mit Blindwrite

Unsere Produktivität beim Schreiben hängt zu einem großen Teil von unseren Gewohnheiten ab. Und genau wie es verschiedene Gewohnheiten gibt, die uns beim Schreiben auf die Überholspur katapultieren können, gibt es andere, die uns gnadenlos ausbremsen. Dazu gehört auch der leider viel zu verbreitete Fehler, bereits während des Schreibens der Rohfassung mit der Überarbeitung zu beginnen – was ungefähr ebenso sinnvoll ist, wie beim Autofahren gleichzeitig aufs Gaspedal und auf die Bremse zu treten.

Unterm Strich kommt man weitaus besser voran, wenn man erst die Rohfassung fertigstellt, bevor man diese im zweiten Schritt überarbeitet und auf Hochglanz poliert. Doch leider ist es gar nicht so einfach, sich abzugewöhnen, entdeckte Fehler direkt zu korrigieren oder ganze Sätze noch einmal umzuformulieren.

Solange man beim Schreiben auf den Text schaut, neigt man automatisch dazu, parallel mitzulesen – und prompt fallen einem Tippfehler, Buchstabendreher und etwas verunglückte Formulierungen auf, die man dank Computer ja ganz schnell und einfach korrigieren kann. Doch wenn man dieser Versuchung nachgibt, reißt einen das ebenso schnell aus dem Schreibfluss, wie einen beim Autofahren ein energischer Tritt auf die Bremse bis zum Stillstand ausbremsen kann.

Es gibt allerdings ein praktisches kleines Online-Tool, um diese Versuchung auszuschalten: Blindwrite. Dieses Tool, das Sie unter http://www.blindwrite.co finden, blendet während des Schreibens den gerade geschriebenen Text aus bzw. macht ihn durch einen weißen, nebelartigen Schleier unlesbar. Man sieht zwar, dass der Text mit jedem Tastendruck weiter wächst, aber mitlesen oder gar korrigieren sind unmöglich.

Screenshot BlindwriteDie Bedienung des Programms ist einfach und selbsterklärend: Zu Beginn jeder Schreibsession gibt man ein Thema an, über das man schreiben will (sozusagen die Überschrift) und für wieviele Minuten man schreiben möchte – und schon kann es losgehen.

Auch wenn es anfangs ein recht ungewohntes Gefühl ist, den gerade geschriebenen Text nicht entziffern zu können, gewöhnt man sich schon nach wenigen Minuten daran. Und ab diesem Zeitpunkt wird man automatisch schneller – schließlich gibt es nur noch ein Vorwärts und kein Zurück mehr. Man sollte lediglich zwischendurch mal einen Blick auf die eigenen Finger werfen, um sicherzustellen, dass diese immer noch auf den richtigen Tasten liegen. Denn wenn man beim konzentrierten Zehn-Finger-Schreiben beispielsweise mit der rechten Hand um eine Taste nach rechts verrutscht ist, hat man am Ende der Schreibsession nichts als einen kaum zu entziffernden Buchstabensalat auf dem Bildschirm. ;-)

Während des Schreibens kann man im rechten oberen Bereich des Bildschirms einen kleinen Kreis sehen, der sich im Uhrzeigersinn langsam aufbaut. Sobald der Kreis vollständig geschlossen ist, ist die eingestellte Zeit abgelaufen. Auch ohne exakte Angaben in Minuten sieht man so recht genau, wieviel Zeit einem noch bleibt.

Nach Ablauf der Zeit wird der Text wieder komplett sichtbar und kann nun nun mit Copy & Paste exportiert werden, bevor man ggf. mit F5 die Seite erneut lädt, um die nächste Schreibsession zu starten.

Verglichen mit anderen Schreibapps, die in der Tradition alter Schreibmaschinen lediglich das Löschen und Überschreiben deaktivieren, um einen am Korrigieren / Überarbeiten zu hindern, ist Blindwrite noch effektiver, da sogar das reine Mitlesen verhindert wird und man sich somit ausschließlich auf das eigentliche Schreiben konzentriert.

Mogeln ist zwar möglich (der vernebelte Text wird sichtbar, wenn Sie ihn mit der Maus oder mit STRG+A markieren), doch ein Überarbeiten ist so dennoch nicht möglich, da der Text sofort wieder verschwimmt, sobald Sie den Curor an eine bestimmte Stelle platzieren. Insofern: Mission erfüllt! ;-)

Probieren Sie es einfach selbst einmal aus – vielleicht kommen Sie ja auch auf den Geschmack. Sie finden Blindwrite unter http://www.blindwrite.co.


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KeepWriting – die virtuelle Schreibmaschine

Ich liebe gutes Arbeitswerkzeug. Das geht von Stiften, Blöcken und Notizbücher über PC-Hardware (ich kann beim Kauf eines Laptops Stunden damit verbringen, die Tastaturen unterschiedicher Modelle zu testen und zu vergleichen, bevor ich mich für ein Modell entscheide) bis hin zu Schreibprogrammen.

So bin ich kürzlich beim Stöbern im Internet wieder mal auf ein interessantes Schreibtool gestoßen, das ich mir direkt einmal näher ansehen musste: KeepWriting – eine Simulation einer klassischen Schreibmaschine am PC.

Gerade unter den Programmen für ablenkungsfreies Schreiben wie WriteMonkey gibt es einige, die einen „Schreibmaschinenmodus“ eingeführt haben. Üblicherweise versteht man darunter, dass im Schreibmaschinenmodus alle Editierfunktionen wie Löschen, Entfernen, alle Copy&Paste-Funktionen und natürlich auch das Überschreiben deaktiviert sind. Sämtliche anderen Funktionen des Schreibprogramms wie der automatische Zeilenumbruch, der ein angefangenes Wort, das nicht mehr komplett in die laufende Zeile passt, automatisch in die nächste Zeile verschiebt, funktionieren weiterhin wie gewohnt.

Doch KeepWriting geht einen anderen Weg und simuliert das Schreiben an einer klassischen Schreibmaschine mit all seinen Vor- und Nachteilen. Mit „klassisch“ meine ich wirklich wie zu Zeiten von Charles Dickens, lange vor der Erfindung des Korrekturbands oder auch nur der guten alten Tipp-Ex-Korrekturstreifen – jener kleinen weißen Blättchen, die man von Hand über dem zu löschenden Buchstaben positionieren und dann nochmal denselben Buchstaben mit Tipp-Ex drüber hämmern musste.

KeepWriting (das es übrigens nur für Windows gibt) können Sie als kleine ZIP-Datei von gerade mal 353 KB herunter laden – weniger als 10% der Größe eines durchschnittlichen MP3-Songs. Entpacken Sie die ZIP-Datei (die ohnehin nur das Programm selbst und eine ReadMe-Datei enthält) in ein beliebiges Verzeichnis, starten Sie die kw.exe und schon kann es los gehen!

Der richtige Zoomfaktor für den richtigen Bildschirm

Zunächst können Sie mit STRG und „BILD HOCH“/“BILD RUNTER“ den Zoomfaktor (also die Größe, in der die Seite am Bildschirm dargestellt wird) beliebig anpassen und mit dem Scrollbalken am unteren Rand die Seite mittig auf Ihrem Bildschirm ausrichten.

Wenn Sie KeepWriting auf einem großen 24″-Widescreen-Monitor verwenden, können Sie den Zoomfaktor so einstellen, dass drei komplette Seiten nebeneinander dargestellt werden. Dabei wird die Seite, auf der Sie momentan schreiben, stets zentriert in der Mitte des Bildschirms angezeigt.

KeepWriting

Wenn Sie auf einem kleineren Gerät wie einem Laptop oder gar einem Netbook arbeiten, können Sie den Zoomfaktor entsprechend größer einstellen – beispielsweise so, dass Sie Ihre aktuelle Seite fast in Bildschirmbreite sehen und so wie bei anderen Schreibprogrammen den kompletten Bildschirm zum Schreiben nutzen können.

Stapel und Seiten – eine Alternative zur klassischen Datei

KeepWriting organisiert die Manuskripte nicht in klassischen Dateien, sondern in „Stacks“, also in Stapeln von Blättern. Denn hier schreiben Sie wirklich Seite für Seite, und zwar mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen. Sie können den Cursor jederzeit an jede beliebige Position auf der Seite manövrieren, genau wie Sie früher bei einer Schreibmaschine mit der Walze und der Leertaste (beispielsweise beim Ausfüllen von Formularen mit der Schreibmaschine) mit etwas Übung sehr präzise jede beliebige Stelle auf dem Blatt ansteuern konnten.

Dieses Ansteuern einer bestimmten Position ist bei KeepWriting deutlich einfacher gelöst, da Sie nicht nur die Cursortasten verwenden können, sondern den Cursor auch einfach per Mausklick an die gewünschte Stelle setzen können.

Mit „Bild runter“ und „Bild hoch“ wechseln Sie zwischen den einzelnen Seiten Ihres Manuskripts hin und her. Blättern Sie dabei über die letzte Seite hinaus, wird automatisch eine neue leere Seite ans Manuskript angehängt.

Sie können auch Seiten aus Ihrem Manuskript entfernen (also löschen), aber Sie können keine Seiten nachträglich einfügen. Das liegt auch daran, dass KeepWriting intern jede Schreibmaschinenseite als eigene Datei behandelt.

Wenn Sie also einen Manuskript-Stapel „Mein Roman“ anlegen, legt KeepWriting einen Ordner namens „Mein Roman“ im Unterverzeichnis „stacks“ (also Stapel) an, der dann für jede Seite eine separate Textdatei enthält – also beispielsweise „2.txt“ für die zweite Seite.

Durch diesen pragmatischen Ansatz kann das Programm auch auf älteren Rechnern mit wenig RAM umfangreiche Manuskripte mit hunderten von Seiten in Sekundenbruchteilen öffnen, da immer nur die aktuellen Seiten geladen werden müssen.

Retro-Writing: Ausixen statt korrigieren und manueller Zeilenumbruch

Wie Sie beim Schreiben mit KeepWriting schnell feststellen werden, fehlen (logischerweise) die ganzen nützlichen Funktionen wie das Zentrieren von Überschriften und anderer „moderner Schnickschnack“ wie ein automatischer Zeilenumbruch.

Wenn Sie also beispielsweise eine Überschrift auf der Seite zentrieren wollen, müssen Sie diese wie früher durch mehrfaches Drücken der Leertaste einrücken und dabei abschätzen, an welcher Position Sie mit dem Tippen anfangen müssen, um Ihre Überschrift ungefähr zu zentrieren.

So richtig fällt einem auf, das man an einer virtuellen Schreibmaschine arbeitet, wenn man am Ende der Zeile ankommt. Es ist zwar nicht so, dass Sie wie bei einer mechanischen Schreibmaschine nicht eher weiter tippen können, bis Sie Return gedrückt haben (bei einer klassischen Schreibmaschine wäre das das TSCHING!, wenn man mit dem Hebel den Wagen zum Anfang der nächsten Zeile vorschiebt), doch das angefangene Wort bleibt unvollständig am rechten Bildschirmrand kleben.

Beim Schreiben muss man also stets im Auge behalten, ob das nächste Wort noch komplett in die aktuelle Zeile passt. Wenn nicht, sollte man rechtzeitig mit der RETURN-Taste in die nächste Zeile wechseln.

Beim Schreiben fällt einem auch schnell auf, dass es keine Rückwärts-Taste mehr zum Löschen des bzw. der letzten Buchstaben gibt. Diese Taste funktioniert wie „Cursor links“ und positioniert den Cursor nur über dem bereits geschriebenen Buchstaben, ohne ihn zu löschen. Denn bei KeepWriting kann man Buchstaben nur „übertippen“ und dadurch unlesbar machen. Wie bei einer echten Schreibmaschine überlagert der neu getippte Buchstabe den zuvor geschriebenen und macht ihn unlesbar – aber er bleibt als hässlicher schwarzer Klumpen auf der Seite stehen.

Beim späteren Export des Textes ins reine Textformat wird jeweils nur der letzte Buchstabe exportiert, den Sie an eine bestimmte Position der Seite geschrieben haben. Ich würde daher empfehlen, zum Überschreiben von Tippfehlern das # zu verwenden: So können Sie später im exportierten Text alle # per Suchen/Ersetzen ersatzlos löschen und so sämtliche überschriebenen Passagen auf einen Schlag bereinigen.

Ein nettes und zeitgemäßes Feature von KeepWriting ist der Live-Wordcount am unteren Bildschirmrand, durch den Sie jederzeit im Blick haben, wie lang Ihr aktuelles Manuskript bereits ist.

Export fertiger Manuskripte

Fertig geschriebene Manuskripte bzw. „Stapel“ können Sie mit F5 jederzeit ins HTML- und ins Text-Format exportieren.

Beim Bearbeiten dieser exportierten Texte werden Sie merken, dass Sie am Ende jeder Zeile des ursprünglichen Manuskripts wie bei einer klassischen Schreibmaschine einen festen Zeilenumbruch haben, den Sie beim Überarbeiten von Hand entfernen müssen. Das ist zwar etwas lästig, aber durchaus zu verschmerzen.

KeepWriting in der Praxis

Das Schreiben mit KeepWriting ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Das Anlegen neuer Dokumente/Stapel funktioniert über die Funktion „Öffnen“ mit STRG+O: Gibt man hier den Namen eines bereits vorhandenen Manuskripts/Stapels an, wird dieses geöffnet; ist das Manuskript noch nicht vorhanden, wird es unter diesem Namen neu angelegt.

Beim Schreiben dürfte man in den ersten Stunden ziemlich häufig fluchen, da man instinktiv gewohnt ist, Tippfehler direkt korrigieren zu können und auch „on the fly“ Passagen umzuformulieren und abzuändern. All das geht mit KeepWriting nicht – aber das ist gerade die Stärke dieses Programms. Gerade zu Beginn wird man sehr häufig Tippfehler und ganze Textpassagen ausixen, bis die Seiten schließlich aussehen wie Kraut und Rüben.

Doch je länger man mit KeepWriting arbeitet, desto mehr merkt man, wie sich dadurch die eigene Arbeitsweise ändert – und zwar zum Besseren.

Zunächst einmal lernt man, seinen inneren Korrektor ruhigzustellen. Gerade wenn man gewohnt ist, ansonsten mit einer Office-Textverarbeitung wie Microsoft Word zu arbeiten, die selbst die Rohfassung eines Manuskripts direkt im sauber formatierten Buch-Layout anzeigt, passiert es einem schnell, dass man das Schreiben der Rohfassung und deren Überarbeitung gedanklich miteinander vermischt. Ein großer Fehler, der sich aber in der Praxis schnell einschleicht, da es ja so einfach ist, Tippfehler oder unsaubere Formulierungen, die einem bereits während des Schreibens ins Auge springen, direkt zu korrigieren.

KeepWriting zwingt einen dazu, die Rohfassung als solche zu akzeptieren. Man kann zwar Tippfehler und ganze Passagen ausixen und neu schreiben, doch das Blatt sieht dann aus wie Kraut und Rüben. Mit KeepWriting sieht Ihr Manuskript wesentlich sauberer aus, wenn Sie gar nicht erst versuchen, Fehler schon während des Schreibens der Rohfassung zu korrigieren, sondern sich dies ganz bewusst für die spätere Überarbeitung aufheben. Diese Ruhe und Gelassenheit, die man durch die Arbeit mit KeepWriting entwickelt, ist allein schon Gold wert.

Der zweite Effekt ist, dass man bereits nach kurzer Zeit ganz automatisch damit beginnt, seine Sätze gedanklich vorzuformulieren, bevor man sie in die Maschine tippt. Man kann eben nicht einen angefangenen Satz einfach nochmal löschen und neu beginnen, wenn man erst beim Schreiben merkt, dass man sich gedanklich verzettelt hat.

Dieses gedankliche Vorformulieren bremst einen während der ersten Stunden etwas aus – aber nur, weil es ungewohnt ist. Schon nach den ersten Stunden mit KeepWriting merkt man, dass der eigene „innere Erzähler“ und die Finger, die alles in die Maschine hämmern, sich langsam aber sicher auf einen gemeinsamen Rhythmus einspielen. Während man mechanisch noch den letzten Satz in die Tasten hämmert, arbeitet der „innere Erzähler“ bereits am nächsten Satz, so dass man ohne große Verzögerungen weiter schreiben kann.

Das muss ein ähnliches Schreibgefühl sein wie das der früheren Groschenroman-Autoren, die Anfang des 20. Jahrhunderts oft innerhalb weniger Tage die Rohfassung eines neuen Groschenromans in ihre mechanischen Schreibmaschinen hämmerten und nur deshalb von der mageren Bezahlung nach Wörtern leben konnten, weil sie immer nur eine Rohfassung schrieben, die dann bereits vom Verlag ohne größere Änderungen übernommen und gedruckt wurde.

Auch mit KeepWriting merkt man, dass sich die Qualität der Rohfassung durch den Zwang zum gedanklichen Vorformulieren innerhalb weniger Wochen deutlich verbessert, ohne dass man dabei wesentlich langsamer würde. Dieses scheinbare Paradoxon resultiert daraus, dass man die Zeit für die „schnellen Korrekturen“ einspart, die einen mit einer normalen Textverarbeitung bisher immer wieder aus dem Schreibfluss gerissen haben.

Schreibmaschinengeräusche gefällig?

Der einzige Punkt, der mir persönlich noch bei KeepWriting fehlt, sind zuschaltbare Schreibmaschinen-Geräusche – ähnlich wie es das bei WriteMonkey, Patchwork und Q10 gibt.

Doch wer so ein Feature gerne nachrüsten möchte, kann immer noch zum kostenlosen Programm Qwertick (http://www.nattyware.com/qwertick.php) greifen, das ebenfalls portabel ist und auf Wunsch direkt vom USB-Stick läuft.

Wenn man zum Schreiben ohnehin schon eine mechanische Tastatur verwendet, braucht man natürlich keine zusätzlichen Schreibmaschinengeräusche. Es geht doch nichts über das angenehme Klicken der blauen Mikroschalter einer guten mechanischen Tastatur. ;-)

Fazit

Als ich KeepWriting mehr oder weniger durch Zufall entdeckt hatte, habe ich es mehr aus Neugier ausprobiert, als um es wirklich zum Schreiben zu benutzen. Doch trotz (oder gerade wegen?) der pragmatischen und minimalistischen Funktionalität des Programms hat sich meine Meinung während des Tests gründlich geändert.

Ich kann mir durchaus vorstellen, KeepWriting auch in Zukunft zum Schreiben mancher Rohfassungen zu verwenden. Probieren Sie es einfach selbst einmal aus. Vielleicht stellen ja auch Sie fest, dass der Verzicht auf moderne Korrekturmöglichkeiten für mehr Ruhe und Gelassenheit und zugleich für ein fokussierteres, qualitativ besseres Schreiben sorgt.

Wenn Sie neugierig geworden sind, finden Sie KeepWriting unter http://keepwriting.boxjar.com. Viel Spaß beim Ausprobieren!


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SoftMaker FreeOffice 2016

Vor ein paar Tagen hat die deutsche Softwarefirma SoftMaker ihr kostenloses Office-Paket FreeOffice auf den neuesten Stand gebracht. Während das bisherige FreeOffice noch auf dem alten „SoftMaker Office 2012“ basierte, handelt es sich beim neuen FreeOffice um eine leicht abgespeckte Version des aktuellen „SoftMaker Office 2016“, über das ich in diesem Artikel schon einmal ausführlich berichtet hatte.

Auch wenn ich zum eigentlichen Schreiben von Büchern spezialisierte Schreibsoftware wie Scrivener, Patchwork oder WriteMonkey jedem Office-Paket vorziehe, braucht man als Autor dennoch eine gute „Office-Textverarbeitung“, wenn es an die Veröffentlichung des eigenen Manuskripts geht.

Für diesen Zweck würde ich SoftMaker Office sogar dem Paket des Marktführers Microsoft vorziehen – und erst recht der kostenlosen Konkurrenz LibreOffice bzw. OpenOffice.

Ob Sie nun Ihr Manuskript an einen Verlag schicken wollen oder es als Selfpublisher zur Konvertierung in ein eBook-Format hochladen möchten – fast überall sind Dateien im Microsoft-Word-Format erwünscht oder sogar gefordert. Und während gerade bei kompexen Dokumenten mit Formatvorlagen, Illustrationen o.ä. die Kompatibilität von LibreOffice / OpenOffice oft zu wünschen übrig lässt, bietet SoftMaker Office eine unerreicht hohe Kompatibiltität zu Microsoft Office und erzeugt Word-Dateien, die sich problemlos weiterverarbeiten lassen.

Auch wenn das kostenlose FreeOffice beim Speichern auf die „alten“ Office-Formate wie .doc begeschränkt ist und das neue .docx-Format (ab Office 2007) nur lesen kann, reicht das in den allermeisten Fällen aus.

Doch so richtig punkten kann FreeOffice, wenn es um die Generierung von eBooks geht. Denn während andere Office-Pakete nur im PDF-Format exportieren können (was FreeOffice natürlich auch beherrscht), können Sie aus FreeOffice heraus Ihr eBook auch direkt im EPUB-Format exportieren – samt Titelbild, Metadaten und allem, was dazu gehört.

Natürlich handelt es sich bei FreeOffice nur um eine abgespeckte Version des kommerziellen SoftMaker Office, der bestimmte Features wie die zusätzlichen Wörterbücher oder der leistungsstarke Duden-Korrektor der Professional-Version fehlen. Dennoch dürfte die kostenlose FreeOffice-Version für viele Schriftsteller völlig ausreichend sein.

Und selbst wenn Sie beim Testen von FreeOffice auf den Geschmack kommen und doch lieber zur „Professional“-Version mit Duden-Korrektor, Thesaurus und zusätzlichen Wörterbüchern greifen möchten, sparen Sie als FreeOffice-Anwender satte 50%, da Sie statt der Vollversion für 99,95 € einfach die günstige Upgrade-Version für 49,95 € kaufen können.

Sie finden das kostenlose FreeOffice 2016 für Windows und Linux unter http://www.freeoffice.com/de.


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Software-Tipp: Kreativitäts-Training mit „Writing Challenge“

Beim Stöbern im Internet bin ich neulich wieder auf eine interessante App für Android Smartphones und Tablets gestoßen: Writing Challenge. Dabei handelt es sich um ein ebenso unterhaltsames wie herausforderndes Schreibspiel, mit dem man gleichzeitig seine Kreativität trainieren und Schreibblockaden abbauen kann.

Falls Sie jetzt Sorge haben, dass Sie mit der fummeligen Bildschirmtastatur auf dem winzigen Smartphone-Bildschirm schreiben müssen: Das eigentliche Schreiben erfolgt bei „Writing Challenge“ nicht etwa am Smartphone oder Tablet, sondern ganz normal am PC (oder wahlweise ganz klassisch mit Stift und Papier). Das Smartphone/Tablet mit der „Writing Challenge“-App dient ausschließlich als ‚Impulsgeber‘, während man selbst eine spontan zusammenfabulierte Geschichte schreibt, in der man die zufällig ausgelosten Anregungen und Ideen einbauen muss, die das Programm einem zuwirft.

Die Optionen des Programms sind minimalistisch: Man kann die Anzahl der „Schritte“, also der Aufgaben, die einem das Programm stellt, auf eine bestimmte Anzahl begrenzen oder die Voreinstellung „unendlich“ übernehmen, und man kann die Zeit zwischen zwei Schritten beliebig einstellen.

Die „Writing Challenge“ App selbst gibt es nur auf Englisch, so dass man eventuell ab und zu mal im Online-Wörterbuch nachschlagen muss, was ein bestimmtes ungewohntes Wort bedeutet. Aber da man ja keinen Zeitdruck hat, ist das nicht weiter tragisch.

Writing ChallengeIn meinem ersten Test-Durchlauf präsentiert mir die App nach einem Klick auf den großen, gelben Start-Button die Aufgabe: „Beginne eine Geschichte … in der eine Person vorkommt, die einen Schlüssel findet.“

Man kann diese Herausforderung nun mit „OK“ annehmen, oder sich mit dem Button „Another“ eine andere Aufgabe auslosen lassen. Erst wenn man die Herausforderung mit „OK“ bestätigt, beginnt der Timer zu laufen.

Ich beginne also ganz spontan mit einer Geschichte, in der jemand einen Schlüssel findet. Die erste Seite des anfangs noch leeren Dokuments füllt sich rasch, während Markus, als er mit seinem Hund aus der Haustür tritt, zwischen dem Herbstlaub auf dem Bürgersteig einen glänzenden Gegenstand entdeckt – einen Schlüssel.

In diesem Augenblick piept auch schon die App und stellt mir die nächste Aufgabe: „Füge eine Szene hinzu, die in einem Versteck spielt.“

Sofort verändert sich vor meinem geistigen Auge das Aussehen des Schlüssels. Während ich anfangs noch an einen kleinen Schlüssel wie für einen Koffer oder ein Schließfach dachte, ist der Schlüssel nun größer, verschrammt und etwas angerostet. Markus reibt die Schmutzschicht ab und entdeckt das Logo einer Firma, die schon vor Jahren geschlossen wurde und deren altes Firmengelände seitdem leer steht.

Jetzt ist es mir egal, dass die App schon wieder piepst. Solange ich keine Szene in einem Versteck geschrieben habe, brauche ich keine weiteren Aufgaben. Also lasse ich Markus mit seinem Hund einen längeren Spaziergang zum alten Firmengelände unternehmen. Er erinnert sich, dass sein Vater früher mal für diese Firma gearbeitet hatte, bevor sie wegen dubioser Machenschaften der Geschäftsführung geschlossen wurde.

Der mysteriöse Schlüssel passt nicht zum Haupttor des Geländes. Markus will schon enttäuscht aufgeben und am Maschendrahtzaun entlang zurück zur Hauptstraße gehen, als er zwischen wuchernden Hecken ein kleines, verfallenes Gebäude mit einem Tor zur Straße entdeckt, vielleicht ein ehemaliges Lagergebäude. Markus probiert den Schlüssel aus – und hier passt er.

Als Markus das Gebäude betritt, entdeckt er, dass sich hier offenbar jemand häuslich eingerichtet hat. Er findet ein Feldbett mit einem Schlafsack, einige Konserven und Vorräte … und auf dem Boden ein paar leere Patronenhülsen.

So, damit wäre die Szene im Versteck abgehakt. Mal sehen, was die App mir nun für eine Herausforderung stellt: „Schreibe einen Dialog, der mit dem Satz beginnt: ‚Ich weiß nicht, wer ich bin…'“.

Und weiter geht’s in der Geschichte: Als Markus sich gerade bückt, um eine der Patronenhülsen aufzuheben, fängt sein Hund an zu knurren. Markus dreht sich um und entdeckt eine dunkle Gestalt im Türrahmen, die ihm den Weg nach draußen versperrt…

Auch wenn ich die Geschichte von Markus und dem mysteriösen Fremden mit dem Gedächtnisverlust an dieser Stelle beende, kann man an diesem Beispiel schon recht gut erkennen, auf was für interessante und abenteuerliche Ideen einen die App bringen kann.

Das Schöne ist, dass man wie bereits erwähnt keinen der Vorschläge des Programms kritiklos übernehmen muss, wenn einem dazu überhaupt nichts einfällt oder man sich mit einer solchen Wendung sogar den bereits geschriebenen Teil der Geschichte kaputt machen würde. Bei jedem Schritt kann man das Glücksrad theoretisch beliebig oft neu drehen, bis eine Aufgabenstellung kommt, bei der es bei einem ‚Klick!‘ macht. Aber die Herausforderung für wahre Kreativitäts-Profis besteht natürlich darin, jeden Ball zu verwenden, den das Programm einem zuspielt. ;-)

Natürlich werden bei solchen Schreibspielen nicht immer verwertbare Story-Ideen herauskommen. Oft sind es nur kreative Fingerübungen, die man anschließend nie wieder anschaut. Aber nicht alles, was man schreibt, muss schließlich auch für eine spätere Veröffentlichung gedacht sein. Selbst die besten Pianisten spielen nicht nur Konzerte, sondern üben täglich mehrere Stunden, um ihre Finger geschmeidig zu halten und ihre Fähigkeiten zu trainieren. Genauso sollte man auch die Schreib-Herausforderungen von „Writing Challenge“ betrachten: Sie sind eine gute Übung für unsere Fähigkeiten – und wenn man Glück hat, kommt manchmal sogar etwas Verwertbares dabei heraus. Vielleicht ist es nicht die komplette Geschichte, sondern lediglich eine überraschende Wendung oder Idee, die man herauslösen und später als Basis für einen spannenden Roman oder eine interessante Kurzgeschichte verwenden kann.

Und manchmal stellt man bei den frei improvisierten Geschichten während des Schreibens fest, dass die Geschichte eine unerwartete Eigendynamik entwickelt und man plötzlich ganz genau weiß, in welche Richtung sich die Geschichte weiter entwickeln sollte.

Das ist dann der Moment, in dem das Programm seine Schuldigkeit getan hat und man den Rest der Geschichte in Eigenregie weiter schreibt – eine Geschichte, auf die man ohne die willkürlichen und teils scheinbar überhaupt nicht zusammen passenden Aufgabenstellungen von „Writing Challenge“ wohl niemals gekommen wäre.

Für den geringen Kaufpreis von gerade mal 1,49 € gehört „Writing Challenge“ zu den Programmen, die ich jedem Schriftsteller mit passablen Englischkenntnissen uneingeschränkt ans Herz legen kann.

Sie finden „Writing Challenge“ im Google Play Store unter https://play.google.com/store/apps/details?id=com.literautas.writingchallenge&hl=de. Dort findet man auch ein kurzes Demo-Video, das das Programm in Aktion zeigt.

Aus meiner persönlichen Sicht ist das Programm eine wesentlich bessere Investition als jedes Buch mit „Writing Prompts“. Ich bin jedenfalls sicher, dass ich mich noch öfter mit dieser App zu einer inspirierenden Schreibsession hinsetzen werden.


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Die zehn besten Schreibtools

Mein Artikel „Die zehn besten Schreibtools“, den ich für die erste Ausgabe des Selfpublisher-Magazins des Uschtrin-Verlags geschrieben hatte, ist mittlerweile auch im Autorenwelt-Blog online. Wer den Artikel nicht bereits im Selfpublisher-Magazin gelesen hatte, kann das jetzt also online nachholen. ;-)

Link zum Artikel: https://www.autorenwelt.de/blog/die-zehn-besten-schreibtools


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Cold Turkey Writer – Patentrezept für ablenkungsfreies Schreiben

Wer mein Blog bzw. den WritersWorkshop Autorennewsletter schon etwas länger liest, kennt vermutlich meine Vorliebe für Schreibprogramme, die sich aufs ablenkungsfreie Schreiben spezialisiert haben.

Da wären zunächst mal die wegen ihrer schlichten, schnörkellosen und rein auf den Text fokussierten Optik als „Zenware“ bezeichneten Schreibprogramme wie WriteMonkey, FocusWriter oder Q10, bei denen man während des Schreibens nur den reinen Text sieht – keine Menüs, Icons oder Formatierungsoptionen. Auch Scrivener hat einen solchen Vollbildmodus, bei dem wahlweise alle anderen Hintergrundfenster gedimmt oder komplett ausgeblendet werden.

Diese Programme sind natürlich praktisch und nützlich, doch sie zwingen einen nicht, sich wirklich ausschließlich mit dem Schreiben zu beschäftigen. Trotz der ablenkungsfreien Oberfläche sind der Browser oder das Mailprogramm stets nur einen Mausklick oder eine Tastenkombination entfernt.

Doch jetzt gibt es es ein neues Schreibtool, das sich dieser Problematik annimmt und dafür sorgt, dass man wirklich am Ball bleibt und sich nicht durch eingehende Emails oder andere Verlockungen des Internets ablenken lässt: „Cold Turkey Writer“ (das früher erst „Forcedraft“ und dann „Writer’s Block“ hieß) ist ein simples kleines Windows-Programm, das den PC während des Schreibens in eine reine Schreibmaschine verwandelt – und zwar mit allen damit verbundenen Konsequenzen.

„Cold Turkey Writer“ ist ein wirklich kleines (weniger als 1 MB), portables Programm, das Sie nicht einmal auf Ihrem Rechner installieren müssen. Es läuft sowohl vom USB-Stick als auch direkt aus Ihrem Dropbox-Verzeichnis: einfach herunterladen, in einem separaten Ordner speichern und dann das Programm starten.

Sobald Sie das Programm starten, können Sie bis zum Beenden des Programms nur noch (!) mit „Cold Turkey Writer“ arbeiten. Das Programm wird im Vollbildmodus angezeigt, die Taskleiste und das Startmenü werden ausgeblendet und alle einschlägigen Tastenkombinationen, mit denen Sie üblicherweise zum Desktop gelangen, auf andere Programme umschalten oder das laufende Programm beenden, werden deaktiviert.

Solange Sie sich nur im Hauptmenü befinden und noch keine Herausforderung aktiviert haben, können Sie das Programm noch per „Quit“ beenden und zur normalen Windowsoberfläche zurückkehren.

Doch das wollen Sie in der Praxis natürlich nicht. Sie wollen ja zum Schreiben kommen – deswegen haben Sie „Cold Turkey Writer“ ja gestartet.

Die Optionen sind einfach: Über die beiden Haupt-Reiter wählen Sie, ob Sie mit einem neuen Dokument beginnen oder an einem bestehenden Manuskript weiter arbeiten wollen.

Jetzt haben Sie noch die Wahl, ob Sie eine bestimmte Anzahl Wörter schreiben oder eine bestimmte Anzahl Minuten lang fokussiert schreiben wollen. Was immer Sie wählen: die Entscheidung ist endgültig. Sobald Sie auf „Start“ drücken, haben Sie erst dann die Möglichkeit, Ihr Manuskript zu speichern und das Programm zu beenden, wenn Sie Ihr selbst gewähltes Ziel erreicht haben.

Als dritte Option gibt es noch „Don’t block me“. Hierbei werden zwar ebenfalls alle anderen Programme und Funktionen blockiert, aber Sie können jederzeit Ihr Manuskript speichern und das Programm beenden. Aber auf solche halbherzigen Versuche lassen Sie sich natürlich nicht ein, oder? ;-)

Screenshot Writer's BlockSobald Sie also auf „Start“ klicken, sehen Sie nur noch eine Schreibmaschinenseite, die den größten Teil des Bildschirms einnimmt, darüber den „Cold Turkey Writer“ Schriftzug mit einem dezenten Fortschrittsbalken, der sich langsam füllt, während Sie schreiben.

Je nachdem, ob Sie ein zeitliches Ziel oder eine bestimmte Anzahl von Wörtern gewählt haben, symbolisiert dieser Balken entweder, wie viele Wörter Ihnen noch zur Erreichung Ihres Ziels fehlen oder aber, wie lange Sie noch schreiben müssen.

Sobald Sie Ihr Ziel erreicht haben, verschwindet der Fortschrittsbalken und wird durch die beiden Optionen „Snooze (10 min)“ und „Save and Quit“ ersetzt.

Mit „Snooze“ lassen Sie sich auf weitere 10 Minuten konzentriertes Schreiben ein. Mit „Save and Quit“ speichern Sie Ihr Manuskript und beenden das Programm.

Natürlich müssen Sie die „Snooze“-Funktion nicht benutzen, wenn Sie vor dem Speichern einfach noch etwas weiter schreiben wollen. Sie können auch „einfach so“ weiter machen und erst dann auf „Save and Quit“ gehen, wenn Sie so weit sind.

Fazit: Cold Turkey Writer ist ein wahrlich minimalistisches Schreibtool. Sie können absolut nichts an der Optik verstellen: Weder die Farben noch die Schriftart oder die Schriftgröße.

Doch was es tut, macht es wirklich klasse: Es zwingt Sie dazu, die Sache zu Ende zu bringen. Wenn Sie mindestens 500 Wörter schreiben wollten, können Sie wirklich erst dann aufhören, wenn Sie Ihre 500 Wörter voll haben. Wenn Sie mindestens 30 Minuten lang schreiben wollten, bleibt Ihr PC bis zum Ablauf dieser 30 Minuten für alle anderen Aufgaben gesperrt.

Kein schnelles Umschalten auf den Browser, um „nur mal schnell“ etwas nachzuschauen oder zu recherchieren. Wenn Ihnen beim Schreiben Informationen fehlen, müssen Sie eben einen Platzhalter wie [Name des Bischofs von Köln in 1927] einsetzen und diese Lücken später bei der Überarbeitung füllen.

Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die ich noch bei „Writer’s Block“ vermisse. In erster Linie wäre das die Anzeige des aktuellen Wordcounts für das komplette Manuskript und die aktuelle Session – eventuell bei den Optionen (nur Pro-Version), die man mit einem kleinen Pfeil in der linken unteren Bildschirmecke aufklappen kann. Aber vielleicht kommt das ja noch bei einer der nächsten Versionen.

Sie finden „Writer’s Block“ zum kostenlosen Download unter https://getcoldturkey.com/writer/.

Dort haben Sie auch die Möglichkeit, für 10 Dollar die kostenpflichtige Pro-Version zu bestellen. Der Haupt-Unterschied zur kostenlosen Version besteht darin, dass Sie bei der Pro-Version in den Optionen z.B. das Markieren von Text, die Cursortasten und die Delete-/Backspace-Tasten deaktivieren können, um so wirklich wie an einer klassischen Schreibmaschine ohne Korrekturband zu schreiben.

Zusätzlich können Sie in der Pro-Version Hintergrundgeräusche (Regen / Coffivity) aktivieren, um auch in lauteren Umgebungen ablenkungsfrei schreiben zu können.

Die Pro-Version ist meines Erachtens zwar zum Schreiben nicht erforderlich, bietet aber eine nette Möglichkeit, den Entwickler von „Cold Turkey Writer“ für seine gute Arbeit zu honorieren.


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Software-Tipp: Der Android Story-Plot-Generator

Unter Schriftstellern gibt es zwei Fraktionen: die einen haben ein Ideenarchiv mit so vielen im Laufe der Jahre gesammelten Ideen für Romane und/oder Kurzgeschichten, dass sie älter als Methusalem werden müssten, um auch nur die Hälfte davon umsetzen zu können, während die anderen sich schwer tun, eine halbwegs vielversprechende Idee für einen Roman zu finden.

Beim Stöbern im Internet bin ich auf eine Android-App für Smartphones und Tablets gestoßen, die für beide Fraktionen nützlich sein kann: der „Story-Plot-Generator“.

Ob man zu viele oder zu wenige Ideen hat – beides kann zu einer Blockade führen. Interessanterweise wird man meist kreativer, wenn man sich selbst Restriktionen auferlegt, mit denen man arbeiten muss. „Schreibe einen Roman“ ist viel zu allgemein. „Schreibe einen Fantasy-Roman“ ist immer noch zu allgemein. Doch wenn man uns eine genau definierte Aufgabe stellt (die aber immer noch genügend Spielraum für die eigene kreative Entfaltung lässt), haben wir einen festen Rahmen, innerhalb dessen wir unserer Kreativität freien Lauf lassen können: „Schreibe einen Fantasy-Roman über einen Zauberlehrling, der in einem tropischen Dorf lebt und sich bei dem Versuch, jemanden aus der Unterwelt zurück zu holen, mit verschiedenen mythischen Kreaturen verbünden muss.“

Ich habe im Internet schon häufiger Seiten gefunden, die aus bestimmten Zutaten zufällige Romanhandlungen zusammenwürfeln, doch die Ergebnisse solcher Generatoren waren meist eher skurril als wirklich geeignet, um auf ihrer Basis einen Roman zu planen.

Entsprechend gering war meine Erwartungshaltung hinsichtlich dieser Android-App – und umso überraschter war ich, als das kleine Programm wirklich gute Ideen ausspuckte, die das kreative Räderwerk in meinem Unterbewusstsein direkt auf Hochtouren rotieren ließen.

Im Gegensatz zu den im Internet verbreiteten Generatoren, die meist auf ein Genre spezialisiert sind (und selbst dort wenig Verwendbares ausspucken), erzeugt der „Story-Plot-Generator“ auf Wunsch Plot-Ideen für alle möglichen Genres: Action/Thriller, Drama, Science-Fiction, Krimi, Fantasy, Horror/Spannung, Romanze, Superhelden und Apokalypse – wobei die beiden letzteren Genres der kostenpflichtigen Pro-Version vorbehalten sind.

Denn, um das vorweg zu nehmen: der „Story-Plot-Generator“ ist in zwei Versionen erhältlich. Die kostenlose Version ist minimal abgespeckt (zwei fehlende Genres) und finanziert sich über eingeblendete Werbung, während die Pro-Version alle Genres bietet und einem zudem auch noch die lästige Werbung erspart. Und da diese Pro-Version gerade mal 84 Cent (!) kostet, lohnt sich der Kauf unbesehen.

Die Handlungsideen, die das Programm generiert, werden abhängig vom gewählten Genre aus bestimmten Elementen wie z. B. beim Thriller aus „Situation“, „Detail“, „Complication“ und „Objective“ generiert.

Wähle ich also als Genre Action/Thriller aus, schlägt das Programm mir direkt folgende Plot-Idee vor (die ich der Einfachheit halber schnell ins Deutsche übersetzt habe, da das Programm ausschließlich auf Englisch erhältlich ist):

  • Situation: Du erwachst in einer Höhle.
  • Detail: Du trägst eine goldene Armbanduhr.
  • Komplikation: Eine verschwundene Person ist im Besitz von Informationen, die du brauchst.
  • Zielsetzung: Du musst dich rächen.

Klingt schon mal recht interessant, oder? Mir fallen hier spontan einige Ideen und offene Fragen ein, aus denen man eine spannende Krimi-Handlung entwickeln könnte: Wie ist man in die Höhle gekommen? Ist man gefesselt oder frei? Wurde man dort für tot liegen gelassen? Wenn ja, hat man vielleicht eine handfeste Amnesie und muss erst einmal anhand der goldenen Armbanduhr (die vielleicht eine Gravur/Widmung an der Unterseite hat) herausfinden, wer man eigentlich ist.

Noch eine Plot-Idee gefällig?

Du befindest dich in einem teuren Wagen mit getönten Scheiben. Du hörst das Geräusch eines Motors. Dein Arm ist gebrochen. Du musst in ein anderes Land fliehen.

Auch hier rattert das kreative Räderwerk sofort los: Ist es der eigene Wagen, hat man sich dort auf der Flucht versteckt oder wurde man entführt? Dass man „das Geräusch eines Motors hört“ wirkt nicht so, als ob man selbst am Steuer sitzt. Wer fährt also den Wagen – Freund oder Feind?

Wählt man ein anderes Genre, ändern sich auch die Elemente, aus denen das Programm die Handlungsidee zusammenstellt. Für „Romanze“ haben wir beispielsweise „Theme“ statt „Objective“, woraus sich dann Handlungsideen wie diese ergeben:

  • Situation: Eine freundschaftliche Tennis-Rivalität entwickelt sich unerwartet in eine romantische Beziehung.
  • Komplikation: Einer der Charaktere hat Angst, eine feste Beziehung einzugehen.
  • Thema: Genieße jeden Tag.
  • Detail: Die beiden Charaktere nehmen zusammen Tanzstunden.

Gut, das ist jetzt nicht unbedingt mein Genre, aber selbst hier kommen mir sofort ein paar Ideen, mit denen man dieses Gerüst zu einer kompletten Handlung ausbauen könnte.

Die vom Programm generierten Handlungsideen muss man sich nicht unbedingt von Hand aufschreiben, sondern kann diese aus der App heraus per Mail an sich selbst versenden.

Gefällt einem die ausgeloste Idee nicht, kann man sich mit einem einzigen Knopfdruck eine neue Handlungsidee generieren lassen. Ich würde allerdings empfehlen, über jede Handlungsidee erst mal 10-15 Minuten nachzudenken und sich dabei Notizen zu machen. Niemand zwingt einen, jedes Detail der Handlungsidee 1:1 zu übernehmen – und vielleicht kommt einem beim Nachdenken ja eine zwar ähnliche, aber noch bessere Idee in den Sinn.

Der einzige kleine Nachteil der App ist, dass sie ausschließlich auf Englisch verfügbar ist, doch wer über ein halbwegs passables Schul-Englisch verfügt, sollte hier keine Probleme haben – und sollte man doch mal einen bestimmten Begriff nicht kennen, gibt es ja immer noch Online-Wörterbücher wie dict.cc.

Für die Weiterentwicklung der Handlungsideen aus dem Story-Plot-Generator kann ich die Assoziative Ideen-Matrix aus meinem Buch „Kreativ mit der Matrix“ empfehlen:

  1. Machen Sie sich erst ein paar Gedanken zur Handlungsidee und machen Sie sich dabei handschriftliche Notizen. Die Ideen, die Sie hierbei sammeln, gehen natürlich schon deutlich über die ursprüngliche Handlungsidee hinaus.
  2. Sehen Sie Ihre Notizen durch und suchen Sie zunächst 12 Begriffe heraus, die für Ihre Handlungsidee am wichtigsten sind. Im Beispiel mit der Person, die in der Höhle erwacht, könnten das z.B. folgende Begriffe sein: Höhle, goldene Armbanduhr, Amnesie, Rache, verschwundene Person, Informationen, Entführung, Beweise, Politiker, Korruption, Schließfach, Fälscher.
  3. Die so gefundenen Begriffe verwenden Sie für die Karten der Assoziativen Ideen-Matrix (zunächst mal eine kleine 3×4-Matrix), mischen diese und legen sie aus. Nach einem einzigen Durchgang können Sie meist schon recht gut abschätzen, ob die Geschichte genügend Potential hat.
  4. Wenn Sie beim ersten Durchlauf mit der Assoziativen Ideen-Matrix genügend interessante Ideen gefunden haben, können Sie eine weitere Runde mit einer 20-Karten-Matrix anschließen. Sortieren Sie aus den ursprünglichen 12 Karten jene Karten aus, die sich als Sackgasse/Holzweg herausgestellt haben, und ergänzen Sie stattdessen neue Begriffe aus den in Schritt 3 gefundenen Ideen, bis Sie auf insgesamt 20 Karten kommen.
  5. Beschriften Sie wieder Ihre Karten, mischen diese und legen diese zu einer 4×5-Matrix aus. Dieser Durchlauf durch die Assoziative Ideen-Matrix dauert zwar aufgrund der größeren Kartenzahl etwas länger, doch dafür werden Sie am Ende mehr als genug zielgerichtete und zusammenhängende Ideen gesammelt haben, um daraus eine komplette Romanhandlung zu entwickeln.

Das Prinzip und die Funktionsweise der Assoziativen Ideen-Matrix an dieser Stelle noch einmal komplett zu erläutern, würde leider den Rahmen dieses Artikels sprengen. Wer „Kreativ mit der Matrix“ gelesen hat, weiß, was ich mit den einzelnen Schritten meine – allen anderen kann ich das Buch wärmstens empfehlen. ;-)

Den Story-Plot-Generator finden Sie im Google-Play-Store unter folgenden Links:

Probieren Sie das Programm einfach mal aus. Es macht Spaß und regt die Kreativität an – und eine übers Smartphone rasch generierte Story-Idee vor einem langweiligen Meeting oder einer längeren Autofahrt gibt einem etwas, womit man sich gedanklich beschäftigen kann. ;-)


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