Markdown für Schriftsteller

Neben der ewigen Diskussion zwischen ‚Plottern‘ und ‚Pantsern‘, ob man Romane im Voraus planen oder ob sich die Handlung erst beim Schreiben entwickeln sollte, ist die wohl häufigste Diskussion unter Schriftstellern die darüber, was die optimale Software zum Schreiben ist.

Die einen schwören auf Scrivener, andere auf Papyrus oder Microsoft Word und noch andere auf minimalistische, ablenkungsfreie Schreibprogramme wie WriteMonkey, FocusWriter oder Q10.

Und seit immer mehr Schriftsteller nebenbei auch mobil auf ihren Tablets oder gar Smartphones an ihren Büchern und Geschichten arbeiten, ist nicht nur die Auswahl möglicher Programme sogar noch größer geworden, sondern es ergibt sich zusätzlich auch noch ein nicht zu unterschätzendes neues Problem: das der Kompatibilität und des Datenaustauschs zwischen den unterschiedlichen Programmen.

Auch wenn es auf Smartphones und speziell Tablets mittlerweile auch ausgewachsene Office-Pakete wie das von SoftMaker gibt, die vollständig kompatibel zu ihrem PC-Pendant sind, werden die meisten Schriftsteller am Tablet und erst recht am Smartphone eher auf minimalistische Schreibapps wie Jotterpad zurückgreifen, die auf eine unübersichtliche und platzraubende Benutzeroberfläche verzichten und dadurch mehr Bildschirmplatz für das bieten, was wirklich zählt: den eigentlichen Text.

Und da fangen dann auch schon die Probleme an. Denn (außer am iPad) gibt es keine kompatible App, mit der man beispielsweise seine Scrivener-Projekte unterwegs öffnen kann – selbst wenn man diese per Dropbox in der Cloud speichert. Und wie bekommt man die Texte, die man unterwegs an seinem Tablet oder Smartphone geschrieben hat, zuhause wieder in sein Scrivener-Projekt eingebettet?

Wer nur an einem festen Rechner (also beispielsweise am heimischen Desktop-PC oder am Laptop) an seinen Schreibprojekten arbeitet, hat hiermit natürlich überhaupt kein Problen und kann somit glücklich und zufrieden mit dem Schreibprogramm seiner Wahl arbeiten.

Doch wer je nach Aufenthaltsort und sich bietender Gelegenheit zum Schreiben zwischen Desktop, Laptop, Tablet und Smartphone hin und her wechselt und vielleicht zusätzlich auch noch in der Mittagspause am Büro-PC über eine cloudbasierte App im Browser schreibt, kennt das Problem nur zu gut: Wie greife ich von jedem meiner Schreibgeräte aus auf den aktuellen Stand meines aktuellen Schreibprojekts zu und wie kann ich daran weiter arbeiten, ohne die Texte später aufwändig mit viel manueller Arbeit wieder in mein Schreibprojekt importieren zu müssen?

Glücklicherweise gibt es eine einfache Lösung für das Problem: Textdateien mit Markdown-Formatierung.

Jeder Rechner (was auch Tablets und Smartphones mit einschließt) und jedes Betriebssystem hat einen Editor für simple Textdateien. Wenn man also sein Manuskript als Textdateien in einem Cloud-Speicher wie Dropbox speichert, kann man von jedem Rechner mit Internet-Zugriff aus jederzeit an diesen Dokumenten arbeiten.

So kann man unter Android beispielsweise mit JotterPad auf Textdateien aus seiner Dropbox zugreifen oder sogar unterwegs neue Dateien erstellen, die einem dann dank automatischer Synchronisierung auch zuhause am Desktop-PC sofort zur Verfügung stehen.

Am PC kann man diese Dateien mit jedem Texteditor oder natürlich mit ablenkungsfreien Zenware-Schreibprogrammen wie WriteMonkey, FocusWriter oder Q10 bearbeiten – und mehr braucht man eigentlich nicht, um produktiv zu arbeiten.

An dieser Stelle werden vermutlich viele Leser frustriert aufstöhnen: Was ist denn mit Formatierungen wie Überschriften, fett, kursiv oder gar Auflistungen, die es im reinen Textformat überhaupt nicht gibt? Soll man diese etwa alle erst später bei der Überarbeitung des Manuskripts in einer „richtigen“ Textverarbeitung nachpflegen?

Keine Sorge: hier kommt Markdown ins Spiel. Markdown ist eine einfache Formatierungssprache, die man in jedem Texteditor schreiben kann und die man später mit kostenlosen Programmen wie Pandoc (http://pandoc.org/) in RTF, DOC und andere Formate umwandeln kann.

Eine kurze Einfühurung mit den wichtigsten Markdown-Formatierungen für Autoren finden Sie unter http://texwelt.de/wissen/markdown_help/. Bei Heise gibt es auch eine Syntaxübersicht zu Markdown im PDF-Format zum Download.

Hier bekommen Sie einen schnellen Überblick, wie Sie in Markdown beispielsweise Wörter oder ganze Textpassagen als fett oder kursiv kennzeichnen können, mit mehreren Ebenen von Überschriften, eingerückten Zitaten oder unterschiedlichen Typen von Listen arbeiten können – und das alles innerhalb eines ganz normalen Textdokuments.

Doch es gibt noch einen anderen Grund, sich beim Schreiben auf das Markdown-Format einzulassen: die langfristige Kompatibilität und Verfügbarkeit der eigenen Texte. Es wird auch in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren immer noch Programme geben, die simple Textdateien öffnen können – egal, mit welchem Betriebssystem die Rechner bis dahin arbeiten und was bis dahin aus den heute bekannten Software-Firmen geworden sein mag.

Aber können Sie mit Sicherheit sagen, ob es in 20 Jahren noch Scrivener, Papyrus etc. geben wird? Was schlimmstenfalls bedeutet, dass Sie irgendwann keinen Rechner und kein Programm mehr haben, mit dem Sie Ihre heutigen Manuskripte noch öffnen können – selbst wenn Sie die eigentlichen Dateien gut aufgehoben haben. Denken Sie beispielsweise an Textverarbeitungsprogramme aus den 80er- und 90er-Jahren, deren Dateien heutzutage kein aktuelles Programm mehr öffnen kann. Oder an eigentlich tolle Schreibprogramme wie den „Liquid Story Binder“, die irgendwann von ihren Entwickern aufgegeben und nicht mehr weiter entwickelt werden und daher früher oder später auf keinem aktuellen Rechner mehr laufen. Mit jedem dieser Programme sterben auch alle Dateien, die nur mit diesem einen Programm geöffnet und bearbeitet werden konnten. Mit dem Textformat und Markdown kann Ihnen das nicht passieren.

Natürlich hat die Entscheidung für Textdateien mit Markdown gegenüber leistungsstarken Schreibprogrammen wie Scrivener auch Nachteile. Wer gerne mit der Pinwand von Scrivener arbeitet, um seine Schreibprojekte zu planen und zu strukturieren, muss sich bei der Arbeit mit simplen Textdateien an eine andere Arbeitsweise gewöhnen.

Am PC kann man mit zwei getrennten Programmen arbeiten, deren Fenster man per Split-Screen nebeneinander auf dem Monitor anordnet – beispielsweise links den Texteditor zum Schreiben und rechts ein Gliederungsprogramm wie „RightNote“ oder „Keynote NF“ (oder ein Mindmapping-Programm) für Struktur und Planung. Noch komfortabler ist es natürlich, wenn man zwei Monitore an seinen PC (oder einen zusätzlichen externen Monitor an seinen Laptop) anschließt und den Hauptmonitor zum Schreiben verwenden kann, während auf dem zweiten Monitor die Strutur- und Recherche-Unterlagen in einem separaten Programm angezeigt werden.

Doch da mobile Geräte wie Tablets oder Smartphones ohnehin nicht genug Platz am Bildschirm bieten, um Text und Notizen nebeneinander einzublenden, kann ich für mobile Schriftsteller in erster Linie die guten alten Karteikarten empfehlen.

Ich plane meine Schreibprojekte auf linierten Karteikarten im Format A6. Jede Karte enthält die Notizen zu einer Szene bzw. zu einem Abschnitt/Unterthema eines Sachbuch-Projekts. Mit einer Büroklammer lassen sich mehrere Szenen/Abschnitte bequem zu einem Kapitel bündeln, wobei das „Kapitel-Deckblatt“, für das ich aus Gründen der leichteren Unterscheidbarkeit gelbe Karteikarten verwende, nochmal eine summarische Zusammenfassung des geplanten Kapitels enthält.

Ein komplettes Buchprojekt kann je nach Umfang aus bis zu 200 Karteikarten bestehen. Um diese jederzeit griffbereit dabei zu haben, verwende ich ein sogenanntes „CardSkin“ (Link siehe unten), das auch unterwegs stets in meiner Jackentasche steckt.

Wenn man sich erst einmal an diese Arbeitsweise gewöhnt hat, ist das ähnlich komfortabel wie die Arbeit mit Scrivener oder einer ähnlichen Schreibsoftware.

Sogar wenn ich unterwegs mal weder mit dem Laptop noch mit dem Tablet, sondern lieber von Hand in mein Notizbuch schreibe, brauche ich meine Arbeitsweise nicht zu ändern: dank Karteikarten habe ich meine komplette Planung und Struktur jederzeit griffbereit dabei und sogar handschriftlich kann man mit Markdown-Formatierung schreiben und diese Passagen dann später zu Hause einfach und schnell abtippen.

Probieren Sie es ruhig einmal aus. Vielleicht werden auch Sie dann zu dem Schluss kommen, dass „einfach“ einfach die bessere Lösung ist.

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Schreiben mit dem Windows-Tablet – Scrivener für die Jackentasche?

Der Gedanke, einen Schreibcomputer in der Jackentasche dabei zu haben, klingt für die meisten Schriftsteller äußerst reizvoll. Schließlich schreibt kaum noch jemand die Rohfassung seiner Manuskripte von Hand und überträgt sie erst später bei der Revision in den Computer – obwohl auch das seine Vorteile haben kann.

Der naheliegendste Gedanke ist dabei das Smartphone, das man schließlich immer und überall dabei hat. Doch in der Praxis scheitert dies meist schon am relativ kleinen Bildschirm, der für das Schreiben längerer Texte nicht gerade optimal ist.

Netbooks sind zwar verglichen mit ihren großen Brüdern, den Laptops, klein und handlich – aber trotzdem immer noch viel zu groß und schwer, um sie jederzeit mit sich herum zu schleppen.

Was bleibt, sind Tablet-Computer – und zwar bevorzugt die kleinen, handlichen 7″-Geräte, die kaum größer als eine Brieftasche sind und damit in jede Jacken-Innentasche passen.

Auch wenn die „Phablets“ (ein Mischwort aus „Phone“ und „Tablet“, das für Smartphones mit mindestens 6″ großem Display steht – also quasi ein Mini-Tablet, mit dem man auch telefonieren kann) definitiv auf dem Vormarsch sind, finde ich persönlich alles über 5″ Diagonale fürs Telefonieren zu unhandlich, so dass die Trennung zwischen Telefon und Tablet aus meiner Sicht auch weiterhin sinnvoll ist.

Auch wenn ich persönlich zum Telefonieren nie auf ein Windows-Phone wechseln würde, stellt sich in Sachen Tablet also immer noch die Frage: Android oder Windows?

Ich verwende mein Android-Tablet gerne, um unterwegs oder auch abends in der Couch Texte zu schreiben oder zu überarbeiten. Dennoch ist ein solches Android-Tablet natürlich nicht dasselbe wie ein großer Windows-PC. Apps wie Jotterpad sind zwar ein adäquater Ersatz für Zenware-Schreibprogramme wie FocusWriter oder WriteMonkey und auch Online-Tools wie Checkvist lassen sich problemlos nutzen, doch es fehlen natürlich „richtige“ Schreibprogramme wie Scrivener oder yWriter.

Und da sind wir auch schon bei dem Punkt, an dem ich anfing, mich für ein Windows-Tablet zu interessieren. Denn glücklicherweise ist Microsoft ja von dem Holzweg mit seinen nur auf Apps ausgelegten „Windows RT“-Tablets/Netbooks abgekommen, sondern setzt mittlerweile auch für Tablets auf ein vollwertiges Windows-Betriebssystem.

Somit laufen auf einem Windows-Tablet (abgesehen von der meist relativ schwachbrüstigen RAM- und Festplattenspeicher-Ausstattung) theoretisch dieselben Programme wie auf dem großen PC: Scrivener, Jutoh, WriteMonkey – wohl jeder Schriftsteller hat hier seine persönlichen Favoriten, die er gerne auch unterwegs verwenden würde.

Daher habe ich mich mal nach einem Windows-Tablet fürs mobile Schreiben umgesehen und bin letztendlich im Microsoft-Store beim „HP Stream 7“ gelandet.

Natürlich gibt es größere und leistungsstärkere Tablets bis hin zu den High-End-Geräten aus Microsofts Surface-Reihe, doch mir ging es in erster Linie um ein handliches, kleines Gerät, das ich auch in meinem Sakko oder meiner Lederjacke verstauen kann. Geräte mit 9″ oder gar 10″ sind natürlich komfortabler zu bedienen – doch dafür wird man sie aufgrund ihrer Größe nicht mehr immer und überallhin mitnehmen. Und zuhause kann ich auch zum Laptop oder Netbook greifen, der durch seine vollwertige Tastatur fürs Schreiben immer besser geeignet ist als ein Tablet.

Unter den 7″-Geräten ist das „HP Stream 7“ eine gute Wahl: mit einem Preis von gerade mal 99 Euro inklusive Mehrwertsteuer und kostenlosem Versand kostet der kleine Tablet-PC nur einen Bruchteil dessen, was man für ein Gerät aus der Surface-Reihe hinlegen müsste.

Dennoch hat HP bei der Hardware-Ausstattung nicht am falschen Ende gespart: Das IPS-Display hat mit 1280×800 Bildpunkten eine angenehm hohe Auflösung, zudem verfügt das Gerät über einen recht schnellen Quad-Core-Prozessor. Der RAM-Speicher ist zwar mit lediglich 1 GB relativ gering gehalten, doch für die Arbeit mit Schreib- oder Office-Programmen ist dies völlig ausreichend.

Einer der Hauptpunkte, die für das Stream 7 sprechen, ist der üppige interne Speicher von 32 GB (das Pendant zur internen Festplatte normaler PCs). Hier bieten andere Windows-Tablets oft nur 16 GB, die nach der Einrichtung von Windows mit allen Updates und Programmen auch schon fast voll sind. Das Stream 7 bietet hingegen mehr als genügend Platz, um auch noch alle benötigten Schreibprogramme zu installieren.

Für die eigenen Dokumente ist man dabei nicht unbedingt auf den internen Speicher angewiesen: Wenn man die rückseitige Klappe entfernt, kann man in das HP Stream 7 zusätzlich eine Micro-SD-Speicherkarte mit bis zu 32 GB einlegen, die genügend Platz für Texte und Arbeitsunterlagen bietet.

Doch damit kommen wir auch schon zu einem kleineren Knackpunkt: Dropbox. Denn Dropbox erkennt die eingelegte Speicherkarte nicht als weitere Festplatte, sondern nur als externen Speicher – und auf diesem kann man kein Dropbox-Verzeichnis anlegen.

Wer also eine etwas größere Dropbox hat, sollte lediglich ganz gezielt die Arbeitsverzeichnisse mit dem Tablet synchronisieren, die er unterwegs wirklich braucht – denn sonst schaufelt Dropbox einem sehr schnell den ansonsten mehr als ausreichenden internen Speicher zu.

Doch wie laufen die Schreibprogramme, die man vom PC gewohnt ist, auf dem kleinen Tablet?

Zunächst einmal sollte man, wenn man keine Adleraugen hat, die Darstellung der Schriftarten auf dem Stream 7 etwas vergrößern, denn durch die Kombination aus kleinem Bildschirm und hoher Auflösung ist diese in der Grundeinstellung so winzig, dass die Arbeit auf Dauer recht anstrengend für die Augen ist, wenn man die Schriftgröße nicht etwas größer einstellt.

Die Installation von Programmen wie Scrivener ist wie erwartet recht unproblematisch – schließlich ist das Stream 7 ein vollwertiger kleiner Windows-PC, nur ohne Tastatur.

Und hier wird es dann kniffelig. Denn im Gegensatz zu den Windows-Apps aus Microsofts App-Store, die für eine Bedienung per Touchscreen optimiert sind, sind klassische Windows-Programme wie Scrivener & Co. auf eine Bedienung per Maus und Tastatur ausgelegt.

Natürlich kann man eine externe Maus und eine Bluetooth-Tastatur anschließen und hat dann für kleines Geld einen Mini-Laptop, doch ich sehe den Hauptvorteil eines Tablets darin, dass man es unterwegs benutzen kann – also ohne externe Tastatur oder Maus.

Tipp: Standardtastatur aktivieren

Scrivener am Tablet

Da die normale Bildschirmtastatur von Windows 8.1 mehr auf das Schreiben von Mails und das Surfen im Internet als auf das Bedienen von Windows-Programmen ausgerichtet ist, fehlen hier nicht nur die Funktionstasten, sondern auch diverse andere Tasten wie die Windows-Taste, die Alt-Tasten und sogar die Tasten für die Umlaute. Letztere müssen standardmäßig wie unter Android durch längeres Drücken auf den normalen Vokal aus einem Popup-Menü ausgewählt werden.

Wenn man am Tablet also wirklich schreiben will, sollte man unbedingt das Standard-Tastaturlayout aktivieren, das all diese Tasten enthält. Doch leider ist dieses in Windows recht gut versteckt, so dass die meisten Anwender nicht einmal etwas von seiner Existenz wissen.

Um das Standard-Tastaturlayout zu aktivieren, geben Sie in der Windows-Suche „Standardtastaturlayout“ ein und klicken die entsprechende Option an. Schieben Sie in den Optionen unter „Bildschirmtastatur“ den unteren Regler auf „Ein“ (siehe rote Markierung auf dem Screenshot).

Anschließend können Sie bei der Bildschirmtastatur unten rechts (direkt über dem Befehl „Tastatur ausblenden“) das Standardlayout aktivieren (das Symbol ganz rechts).

Durch die zusätzlichen Tasten sind die einzelnen Tasten zwar noch etwas kleiner als bei der ’normalen‘ Bildschirmtastatur, aber gerade im Querformat lässt es sich trotzdem noch sehr gut bedienen.

Auch die gewohnten Funktionstasten der normalen PC-Tastatur lassen sich übrigens über die Taste „Fnkt“ vorübergehend einblenden. Somit hat man dann also wirklich eine vollwertige Tastatur auf dem Bildschirm.

Scrivener am Tablet

Mit der Standardtastatur-Variante lassen sich auch die Menüs der Programme wesentlich einfacher bedienen als per Touchscreen. Denn um die Menüs auf dem kleinen Tablet mit den Fingern zu bedienen, braucht man kleine, schlanke Finger mit viel Fingerspitzengefühl oder eine hohe Frustrationstoleranz. Wer etwas größere Hände hat, kommt sich beim Versuch, kleine Icons oder Menüeinträge anzuklicken, oft vor wie bei dem Versuch, mit Fausthandschuhen ein Puzzle zusammenzusetzen. ;-)

Aber wenn man erst einmal am Schreiben ist, benutzt man ohnehin mehr die Bildschirmtastatur als die Menüs.

Scrivener am TabletUnd damit kommen wir zum nächsten Knackpunkt. Die Windows-Bildschirmtastatur ist zwar (wie bei Microsoft nicht anders zu erwarten) gut durchdacht, aber nicht mit den modernen Android-Bildschirmtastaturen zu vergleichen.

Eine komfortable Wisch-Eingabe wie bei Swype, SwiftKey oder der Google-Tastatur für die schnelle und fließende Texteingabe gibt es hier nicht – man muss schon Taste für Taste drücken. Da die Microsoft-Bildschirmtastatur unter Windows 8.1 sehr eng mit dem Betriebssystem verknüpft ist, ist es auch nicht möglich, einfach eine andere Bildschirmtastatur zu installieren.

Der zweite Nachteil der Bildschirmtastatur ist natürlich, dass sie einen relativ großen Teil des Bildschirms einnimmt.

Verwendet man das Stream 7 hochkant wie ein Blatt Papier, hat man mit einem Schreibprogramm wie FocusWriter oder WriteMonkey einen ausreichend großen Arbeitsbereich. Die Tastatur ist auch im Hochkant-Modus groß genug, um sie angenehm bedienen zu können.

Kritisch hingegen wird es bei Programmen wie Scrivener, die man meist eher im Querformat-Modus wie an einem klassischen Monitor verwenden wird. Hier verdeckt die Windows-Bildschirmtastatur einen so großen Bereich des Bildschirms, dass man nur noch einen relativ geringen Bildschirmausschnitt sehen kann (siehe Screenshot oben).

Natürlich kann man die Bildschirmtastatur jederzeit ein- und wieder ausklappen, aber ein wirklich flüssiges Arbeiten ist so gerade beim Arbeiten mit der Pinwand oder Gliederung kaum möglich.

Der Haupt-Nachteil ist wie bereits erwähnt jedoch die fehlende Wisch-Eingabe. Während man unter Android mit Swype oder Swiftkey durchaus auf Tippgeschwindigkeiten von 20-30 Wörtern pro Minute kommen kann, ist man am Windows-Tablet deutlich langsamer, da man jeden Buchstaben einzeln antippen muss.

Auch Wortvorschläge, wie sie bei Android-Tastaturen gang und gäbe sind, sucht man bei der Windows-Tastatur leider vergeblich.

Fazit: Lohnt sich ein Windows-Tablet für Schriftsteller?

Die Entscheidung, was das richtige Tablet fürs mobile Schreiben ist, muss letztendlich jeder Schriftsteller für sich alleine treffen.

Ein klarer Vorteil des Windows-Tablets ist die Möglichkeit, klassische Windows-Schreibprogramme auch mobil auf dem Tablet nutzen zu können.

Allerdings ist die Bedienbarkeit schlechter als bei Android-Tablets – nicht zuletzt durch das Fehlen einer Wisch-Eingabe wie bei Swype/SwiftKey. Auch das Diktieren von Texten, das unter Android bei den meisten Bildschirmtastaturen direkt integriert ist, ist unter Windows nur recht umständlich möglich.

Ein weiterer Nachteil ist die geringe Anzahl guter Apps für Schriftsteller in Microsofts App-Store. Apps haben gegenüber Desktop-Programmen wie Scrivener den klaren Vorteil, dass sie auf kleine Bildschirme mit geringerer Bildschirmauflösung ausgelegt und für die Bedienung per Touchscreen optimiert sind. Sie setzen auf leicht bedienbare Icons und Symbolleisten statt auf fitzelige Windows-Menüs – doch hier macht sich wie gesagt der Rückstand von Windows gegenüber Android deutlich bemerkbar.

Auch die Dropbox-Anbindung auf dem Windows-Tablet ist eine zweischneidige Angelegenheit: Aufgrund des relativ geringen internen Speichers (die SD-Karte kann nicht für Dropbox genutzt werden!) wird man höchstens einzelne Arbeitsverzeichnisse gezielt zwischen PC und Tablet synchronisieren, und auch dafür muss Dropbox als Hintergrundprozess laufen.

Da Android noch nie eine vollständige Dropbox-Synchronisation hatte, sondern lediglich auf die einzelnen in der Cloud gespeicherten Dateien zugreifen kann, sind die App-Entwickler hier erfinderischer geworden: Statt alle Daten aus der Dropbox (oder einzelnen Verzeichnissen) zwischen Android und Dropbox zu synchronisieren, gibt man einzelnen Apps wie Jotterpad die Berechtigung für Schreib-/Lese-Zugriff auf die eigenen Dropbox-Verzeichnisse.

Wenn ich mich daher entscheiden müsste, entweder ein Android-Tablet oder ein Windows-Tablet zum Schreiben zu benutzen, würde die Entscheidung wohl zu Gunsten des Android-Geräts ausfallen.

Doch als zusätzliche Option „in der Westentasche“ ist das Windows-Tablet eine feine Sache. Manchmal will man eben statt mit einer App doch lieber mit Scrivener, yWriter oder einer anderen Windows-Anwendung arbeiten. Und dann ist es äußerst praktisch, schnell mal den kleinen 99-Euro-PC hochfahren zu können.


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Weg vom PC: Warum ein Tablet das optimale Werkzeug zum Überarbeiten von Manuskripten ist

Revision am Tablet

„Schreiben ist Umschreiben“ – das bekannte Zitat von Sol Stein bringt die Sache auf den Punkt. Bei den meisten Texten steckt mindestens doppelt so viel Zeit in der Überarbeitung des Textes wie im Schreiben der Rohfassung, bis man selbst mit der Qualität des Geschriebenen vollauf zufrieden ist.

Grund genug, sich Gedanken darüber zu machen, wie man seine Texte am effektivsten überarbeiten kann.

Ich plädiere generell dafür, Schreiben und Überarbeitung strikt voneiander zu trennen. Schreiben ist – unabhängig davon, ob man nun Romane, Kurzgeschichten oder Blogposts schreibt – eine kreative, „rechtshirnige“ Tätigkeit. Das Überarbeiten hingegen ist eine überwiegend logische und damit „linkshirnige“ Aufgabe.

Genauso wenig, wie man beim Auto gleichzeitig auf Gas und Bremse tritt, sollte man also beim Schreiben alle paar Wörter oder Sätze innehalten, um das Geschriebene kritisch zu hinterfragen oder gar bereits zu überarbeiten. Das endet meist mit dem „zwei Schritte vor und einen zurück“-Effekt – oder gar „zwei Schritte vor und zwei zurück“. Unterm Strich kommt man also nur sehr langsam voran.

Es ist wesentlich effektiver, sich selbst die Gehemigung zu geben, erst einmal eine grottenschlechte Rohfassung zu schreiben. Erst beim Umschreiben, der Revision, wird nach und nach ein richtiger Text daraus, den man auch anderen Menschen mit gutem Gewissen zeigen kann.

Für das eigentliche Schreiben am PC verwende ich gerne das Zenware-Schreibprogramm WriteMonkey. Dafür gibt es zwei Gründe: Zunächst mal hilft mir die ablenkungsfreie, schlichte Oberfläche von WriteMonkey dabei, mich beim Schreiben ausschließlich auf den Text zu konzentrieren – also auf das, was wirklich zählt. Nicht auf Schriftarten, Absatzformate oder sonsigen Spielereien. Der zweite Vorteil ist, dass WriteMonkey im reinen Textformat speichert, das somit auch von jedem beliebigen anderen Schreibprogramm gelesen werden kann.

Warum ein anderes System für die Revision?

Für die Überarbeitung meiner Texte verwende ich allerdings niemals WriteMonkey. Warum das?

In erster Linie geht es darum, dem eigenen Unterbewusstsein das Umschalten zwischen „Schreiben“ und „Überarbeitung“ so einfach wie möglich zu machen. Wenn ich in WriteMonkey arbeite, bin ich im Schreibmodus. Hier geht es nur um den Output eriner Rohfassung. Der fertige Text wird in der Dropbox gespeichert und steht mir damit über die Cloud auf sowohl auf dem PC als auch am Laptop oder auf dem Android-Tablet zur Weiterbearbeitung zur Verfügung.

Während ich früher die Revision zwar am selben PC, jedoch in einem anderen Schreibprogramm mit anderer Schriftart, anderen Farben und anderem Bildschirmlayout (Signal ans Unterbewusstsein: Überarbeitungsmodus – der innere Lektor darf von der Leine!) durchgeführt hatte, bin ich fürs Überarbeiten mittlerweile völlig vom PC abgekommen. Stattdessen überarbeite ich meine Texte fast ausschließlich auf meinem Android-Tablet.

Bevor Sie mit dem Argument abwinken, dass man an einem solchen Tablet mit seiner Bildschirmtastatur überhaupt nicht vernünftig schreiben kann – darauf kommt es nicht an.

Für die Revision verwende ich ein 10″ Android-Tablet, einen Tablet-Ständer und eine separate Bluetooth-Tastatur.

Das 10″-Tablet hat den Vorteil, dass es durch seine recht große Bildschirmdiagonale im Hochformat Platz für eine Seite im DIN-A5-Format bietet. Ein 7″-Tablet ginge zwar auch gerade noch so, aber hier leidet doch die Übersichtlichkeit. 10″ ist besser. Für die Revision von Texten muss es natürlich kein teures High-End-Gerät sein – ein Billig-Tablet für knappe 100 Euro genügt voll und ganz.

Beim Überarbeiten verwende ich das Tablet zunächst wie einen eReader: Ich starte JotterPad (ein praktisches Android-Schreibprogramm mit Dropbox-Zugriff und Unterstützung für Markdown-Formatierungen), öffne meinen zuvor in WriteMonkey geschriebenen Text und lese mir diesen erst noch mal komplett durch, bevor ich mit der eigentlichen Überarbeitung beginne.

Sobald ich mit der Überarbeitung starte, stelle ich das Tablet senkrecht (also im Hochformat, wie auf dem Foto) in meinen Tablet-Ständer und schalte auf die Bluetooth-Tastatur um.

So kann ich einerseits schnell per Touchscreen an jede Stelle des Textes springen und andererseits über die Bluetooth-Tastatur auch größere Änderungen schnell und komfortabel einpflegen.

Fünf Argumente, warum ein Tablet zum Überarbeiten besser als ein Laptop ist

Die Arbeit mit dem Tablet hat gegenüber dem PC oder dem Laptop eine ganze Reihe von Vorteilen:

  1. Das Tablet muss nicht erst hochgefahren werden, sondern ist jederzeit per Knopfdruck einsatzbereit. Ideal, wenn man nur mal zwischendurch ein paar Minuten Zeit hat.
  2. Das Scrollen durch den Text und das Markieren von Stellen ist mit dem Touchscreen schneller und komfortabler als mit der Maus oder gar mit dem Touchpad eines Laptops oder Netbooks.
  3. Das Tablet ist mobil. Wenn ich irgendwo ungestört arbeiten will, nehme ich mir Tablet, Ständer und Tastatur einfach mit.
  4. Das Tablet ist handlich. Wenn ich abends in der Couch noch mit der Überarbeitung eines Textes weiter machen will, habe ich nicht den schweren Laptop auf dem Schoß, sondern nur die kleine Bluetooth-Tastatur. Das Tablet selbst steht vor mir auf dem Couchtisch.
  5. Bei späteren Revisions-Durchgängen, bei denen nicht mehr so viel geändert werden muss, kann ich das Tablet wie ein Buch ganz bequem auf dem Schoß liegen lassen. Muss ich irgendwo eine Kleinigkeit ändern, kann ich die Stelle über den Touchscreen markieren und die Änderung über die Bildschirmtastatur vornehmen. Auch hier bewährt sich wieder die 10″-Diagonale, da bei kleineren Tablets die Bildschirmtatatur im Hochformat einfach zu klein für Menschen mit großen Händen ist.

Natürlich können Sie nicht nur reine Textdateien am Tablet überarbeiten. Wenn Sie am PC lieber in Word schreiben, können Sie Ihre Texte auf Ihrem Android-Tablet beispielsweise mit dem kostenlosen WPS Office bearbeiten.

Probieren Sie es einfach einmal aus. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie die Flexibilität eines Tablets zum Überarbeiten Ihrer Manuskripte schnell zu schätzen lernen.


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Mobiles Arbeiten mit Dropbox, JotterPad und Swype

Allzeit bereit mit Android?

Ist es möglich, unterwegs mit einem einfachen Tablet oder gar mit einem Smartphone sinnvoll an seinem Roman oder Sachbuch zu arbeiten? Hätte man mich das vor einigen Monaten gefragt, wäre die Antwort zweifellos Nein gewesen. Jedenfalls solange die Betonung auf sinnvoll liegt.

Dabei ist der Gedanke doch so schön. Smartphone und Tablet sind klein und handlich, so dass man sie immer dabei haben kann. Sie müssen nicht wie ein Laptop jedesmal erst hochgefahren werden, sondern sind rund um die Uhr im Standby und mit einem Knopfdruck sofort einsatzbereit. Der Touchscreen ermöglicht eine komfortable Bedienung und durch WLAN und Telefonkarte hat man stets Zugriff auf all seine Daten und ist mit seinen anderen Geräten wie PC oder Laptop vernetzt.

Das war für mich der Hauptgrund, mir fürs mobile Schreiben auch noch ein „Galaxy Tab 2″ von Samsung (3G-Version) zu holen. Die Erwartungen waren relativ hoch – schließlich sollte der 7″-Bildschirm ein flüssigeres Schreiben als das mit 4,3“ doch relativ kleine Display meines Smartphones ermöglichen. Die Ergebnisse waren anfangs jedoch eher ernüchternd.

Schreiben mit angezogener Handbremse „dank“ Bildschirm-Tastatur?

Dem sinnvollen Arbeiten mit den Android-Geräten standen dabei vor allem zwei Punkte im Weg: die Tastatur und die Synchronisation der Daten.

Zum einen finde ich, dass man mit einer normalen Bildschirmtastatur nicht gut tippen kann – und schon gar nicht schnell. Selbst auf der Bildschirmtastatur eines großen Tablets mit 10-Zoll-Display im Querformat kann man nicht wie auf einer klassischen Tastatur im 10-Finger-System schreiben, da man auf den virtuellen Tasten sehr leicht mit den Fingern verrutscht und zudem keinen richtigen Druckpunkt hat. Also tippt man doch wieder mit zwei Fingern, obwohl man es doch eigentlich besser kann. Spaß macht das nicht und man fühlt sich ausgebremst, da die Finger nie mit der Geschwindigkeit der Gedanken mithalten können.

Der zweite Nachteil ist, dass die meisten Schreibprogramme für Tablets und Smartphones ihre Daten lokal auf dem Gerät abspeichern und man diese erst zur weiteren Bearbeitung aufwändig auf den PC überspielen muss. Was nützt es mir, wenn Programme wie „Writer“ für Android eine ablenkungsfreie Schreibumgebung mit Live-Wordcount bieten, alle Texte aber in einem lokalen Verzeichnis auf dem Smartphone/Tablet ablegen, so dass ich diese erst per Mail oder gar per Kabel manuell auf den PC senden muss?

Als Kompromiss versuchte ich es mit Evernote und einer externen Bluetooth-Tastatur. Die Android-Version von Evernote synchronisiert sich zwar sauber mit dem PC und zeigt sogar die Anzahl der Wörter pro Notiz an, aber aufgrund seiner Datenstruktur, die alle Notizen nur mit Schlagworten versehen an der Zeitachse anheftet, ist es für das Schreiben von Büchern nicht gerade optimal geeignet.

Auch die Bluetooth-Tastatur war in der Praxis nicht mehr als ein Kompromiss. Zwar kann man damit fast so flüssig tippen wie mit einer großen PC-Tastatur, aber dafür hat man nochmal ein zusätzliches Gerät, das man zusätzlich zum Tablet auch noch mit sich herumschleppen muss, um unterwegs schreiben zu können. Der größte Vorteil eines Smartphones oder Tablets – nämlich dass es klein und handlich ist – geht dadurch flöten.

Da greift man dann doch lieber wieder zu Papier und Stift und lässt den Tablet-PC zum Schreiben links liegen.

Drei Tools für ein Hallelujah

Aus heutiger Sicht fällt meine Antwort allerdings anders aus. „Schuld daran“ ist die Kombination aus drei Programmen: JotterPad, Dropbox und Swype.

JotterPad ist ein Schreibprogramm aus dem Google Play Store, das selbst in der kostenlosen Standard-Version alle anderen kostenlosen Schreibprogramme für Android weit in den Schatten stellt.

Das Schöne an JotterPad ist, dass man damit die Texte nicht nur lokal auf dem Smartphone oder Tablet, sondern auf Wunsch (Internetverbindung per WLAN oder SIM-Karte vorausgesetzt) auch direkt in Dropbox speichern kann, so dass diese anschließend automatisch mit dem PC oder Laptop synchronisiert werden.

Die einzelnen Texte können dabei wahlweise als reiner Text oder im Markdown-Format angelegt werden. Das Markdown-Format ermöglicht es Ihnen, in Ihrem Text Formatierungen wie fett, kursiv, unterstrichen, Überschriften etc. zu verwenden.

Gerade diese Möglichkeit macht JotterPad so praktisch. Denn die unter Android mit Draft erstellten und via Dropbox automatisch auf den PC überspielten Texte lassen sich dort perfekt mit meinem Lieblings-Zenware-Schreibprogramm WriteMonkey weiter bearbeiten.

Wischen statt Schreiben

Dich selbst die perfekte Symbiose aus Dropbox und JotterPad macht ein Android-Tablet noch nicht zur perfekten Schreibmaschine. Denn es bleibt immer noch das Manko der Android-Bildschirmtastatur, die zum schnellen Schreiben absolut nicht geeignet ist.

Und damit kommen wir zum dritten und entscheidenden Baustein – der Swype-Tastatur. Dabei handelt es sich um eine weitere App aus dem Google Play Store, die zur Zeit noch für günstige 1,11 € angeboten wird, aber locker das zehnfache wert wäre.

Swype ersetzt die normale Android-Tastatur. Mit Swype können Sie natürlich weiterhin wie gewohnt Buchstabe für Buchstabe tippen, doch das werden Sie in der Praxis kaum noch machen, sobald Sie sich erstmal ab Swype gewöhnt haben. Mit Swype sind Sie wesentlich schneller, da Sie Wörter einfach mit Wischbewegungen eingeben können.

Dazu setzen Sie einfach den Finger auf den ersten Buchstaben des Wortes und bewegen ihn, ohne ihn von Bildschirm zu nehmen, in einer fließenden Bewegung über alle Buchstaben des Wortes. Das geht wesentlich schneller, als die einzelnen Buchstaben anzutippen – und die Erkennungsgenauigkeit von Swype ist von Anfang an beeindruckend. Selbst wenn Sie auf einen kleinen Bildschirm wie dem eines Smartphones mal nicht jeden Buchstaben exakt erwischen, ist das nicht tragisch. Swype erkennt trotzdem, was Sie schreiben wollten. Es ist beeindruckend zu erleben, wie schnell sich Swype dabei an Ihr Vokabular und Ihren Schreibstil gewöhnt.

Geübte Schreiber kommen mit Swype auf bis zu 55 Wörter pro Minute – das wären mehr als zehn Buchseiten in der Stunde. Natürlich ist das nur ein theoretischer Wert, den man in der Praxis nie erreichen dürfte – schließlich muss man sich die Formulierungen ja auch noch zurecht legen. Was ich damit sagen will ist lediglich, dass mit Swype die Tastatur nicht mehr das Nadelöhr darstellt.

Ach ja, auch dazu noch ein Tipp: Stellen Sie die Optik von Swype auf „Mitternacht“ oder „Quecksilber“ ein, da hier die „Zweitbelegungen“ der Tasten, die durch einen längeren Druck auf die jeweilige Taste aufgerufen werden können, durch die kontrastreichere Farbwahl wesentlich besser lesbar sind. So können Sie Sonderzeichen wie Anführzungszeichen, Bindestrich oder Ausführungszeichen wesentlich schneller eingeben, als wenn Sie dafür auf eine zweite oder gar dritte Tastaturansicht umschalten müssten.

Lobenswerterweise passt sich das Tastaturlayout von Swype an den zur Verfügung stehenden Platz an. Während sich Swype auf kleinen Handy-Displays auf die eigentliche Schreibmaschinen-Tastatur mit wenigen Sondertasten beschränkt, werden auf Tablets automatisch weitere Tasten (z.B. für die rasche Umschaltung auf einen 10er-Block mit Cursortasten) zugeschaltet.

Swype oder SwiftKey?

Oft wird auch das kostenlose SwiftKey als Alternative zu Swype empfohlen. Ich habe beide Tools im Praxistest miteinander verglichen und finde Swype wesentlich besser als das deutlich teurere SwiftKey. Swype ist präziser, hat ein editierbares Benutzer-Wörterbuch und ermöglicht es im Gegensatz zu SwiftKey, falsch erkannte Wörter auch im Nachhinein noch rasch zu korrigieren, indem man sie einfach antippt und die richtige Version aus den vorgeschlagenen Alternativen auswählt.

Der Vorteil von Swype gegenüber SwiftKey für Schriftsteller liegt in der unterschiedlichen Philosophie beider Programme: Swype hat von Anfang an auf die Wisch-Technologie gesetzt und übernimmt daher, nachdem man ein Wort mit „Wischen“ eingegeben hat, die aus seiner Sicht wahrscheinlichste Alternative in den Text, während weitere, ebenfalls wahrscheinliche Wortvorschläge oberhalb der Tastatur eingeblendet werden.

Hat Swype also einmal falsche Rückschlüsse gezogen, genügt meist ein Fingertipp auf das richtige Wort, um den Erkennungsfehler sofort zu korrigieren. Selbst wenn einem ein Fehler erst wesentlich später auffällt, genügt es, das falsche Wort anzutippen, um eine Vorschlagsliste einzublenden, was man stattdessen gemeint haben könnte, und dann das richtige Wort einfach anzutippen.

Dafür ist es allerdings so, dass Swype das nächste Wort im Text nur dann einblendet, wenn man das richtig erkannte (und somit optisch hervorgehobene) Wort in der Liste der Wortvorschläge durch antippen akzeptiert. Außer beim Schreiben von Kurznachrichten oder Mails, in denen sich bestimmte Wortfolgen recht häufig wiederholen, nutze ich diese Funktion aber relativ selten.

SwiftKey hat im Gegensatz zu Swype als „normale“ Tastatur für Android begonnen und die Wisch-Funktion erst in einer späteren Version als zusätzliches Feature spendiert bekommen. Dadurch ist diese Eingabemethode nicht so nahtlos in das Programm integriert wie bei Swype.

Die Stärken von SwiftKey liegen in der normalen Eingabe: Man tippt die ersten Buchstaben eines Worts und SwiftKey schlägt anhand dessen, was es über den eigenen Wortschatz und Schreibstil gelernt hat, die wahrscheinlichsten Wörter vor, die man meinen könnte. Sobald das gewünschte Wort in der Vorschlagsliste auftaucht, wählt man es per Fingertipp aus. Dann schlägt SwiftKey automatisch die Wörter vor, die man besonders häufig nach diesem Wort bzw. den zuletzt getippten Wörtern schreib. Schreibe ich z.B. „Ich habe“, schlägt SwiftKey Wörter wie „heute“, „keine“ oder „gerade“ vor. Ist einer der Wortvorschläge richtig, brauche ich ihn nur noch anzutippen und SwiftKey schlägt sofort vor, wie es im Text weitergehen könnte.

Diese Art der Eingabe hat man mit Swype allerdings auch – und ich konnte bisher nicht feststellen, dass die Wortvorschläge von SwiftKey besser als die von Swype wären. Das mag natürlich auch daran liegen, dass ich Swype bereits länger und auch häufiger als SwiftKey verwende – aber ich sehe beide Programme hier ungefähr gleichauf liegen.

Fakt ist also, dass Swype unterm Strich klar gewinnt, da die Korrektur von falsch erkannten Wischeingaben bei SwiftKey wesentlich umständlicher und zeitaufwändiger ist. Und die Wischmethode sollte für Schriftsteller die erste Wahl bei der Texteingabe sein.

Denn ganz ehrlich: Selbst wenn ein Wortvorschlag passen sollte, führt das Akzeptieren von automatischen Wortvorschlägen beim Schreiben kreativer Texte wie Romane oder Sachbücher doch dazu, dass man automatisch immer wieder dieselben Formulierungen verwendet. Für Mails oder Kurznachrichten ist das akzeptabel oder sogar produktiv, doch für Autoren ist es eine äußerst gefährliche Krücke.

Benutzen Sie daher als Eingabemethode lieber die Wischmethode – und die ist bei Swype wesentlich ausgereifter und besser implementiert als bei SwiftKey.

Fazit: Auch wenn die Kombination aus JotterPadDropbox und Swype natürlich kein Ersatz für Scrivener ist, das von Funktionsumfang her in einer ganz anderen Liga spielt (aber leider bisher nicht für Tablets erhältlich ist), hat man so doch eine komfortable und schnelle Reiseschreibmaschine.

Seit ich JotterPad benutze, schreibe ich des öfteren auch mal abends in der Couch beim Fernsehen an einem meiner Artikel weiter, wenn mal eine langweilige Passage oder eine Werbeunterbrechung kommt.

Das ist natürlich nicht so effektiv wie ungestörtes Schreiben am PC, aber gegen zwei bis drei Seiten während eines langweiligen Films, die man sonst nicht geschrieben hätte, ist schließlich auch nichts zu sagen.

Ein gewaltiger Vorteil ist, dass das Schreiben an Handy oder Smartphone gerade durch JotterPad keine „Insellösung“ mehr ist, sondern sich nahtlos in den „Workflow“ des Autors einbinden lässt. So kann ich tagsüber auf dem Handy ein paar Notizen für einen Blogpost oder Artikel in JotterPad festhalten, diese (dank der automatischen Synchronisierung über Dropbox) abends in der Couch mit meinem Tablet zu einem ersten Rohentwurf des Artikels erweitern und am nächsten Morgen ganz komfortabel am PC mit WriteMonkey ausfeilen und fertigstellen.

Lassen Sie es einfach mal auf einen Versuch ankommen, falls auch Sie ein Smartphone und/oder Tablet haben. Dropbox ist in der für unsere Zwecke ausreichenden Basisversion kostenlos und die Kombination aus JotterPad (in der Standard-Version kostenlos) und Swype (1,11 €) kostet weniger als ein Kaffee bei Starbucks.


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