Patchwork-Tutorial: Dein Buch aufpeppen – Teil 2

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkIn diesem Tutorial wollen wir uns wieder ansehen, wie du dein Buch zu einem Sammlerstück machen kannst. Die Möglichkeiten in diesem Tutorial sind leider für eBooks nicht anwendbar, aber die wirklich schönen Sachen betreffen ohnehin das gedruckte Buch. In den nächsten Minuten wirst du sehen, wie du solche Verschönerungen, wie du sie gleich sehen wirst, mit wenigen Mausklicks in dein Buch integrieren kannst.

Weil die Materie umfangreich ist, hatte ich das Tutorial in zwei Teile unterteilt. Im ersten Teil hatten wir uns mit diesen Möglichkeiten beschäftigt:

  • Vignetten zwischen Szenen mit großem Szenenwechsel, die sonst mit drei Sternen *** gekennzeichnet werden.
  • Diese zwei, drei Zeilen großen Buchstaben zu Beginn einer Szene geben dem Buch einen geschichtenhafteren Charakter.
  • Mit Szenenbildern oder –vignetten. Das sind kleine Bilder zwischen Titel und Text eines Kapitels beziehungsweise vor dem Text; je nach Szenentyp.

Jetzt im Teil 2 geht es ums ganz große Kino:

  • Abfallende Ganzseitengrafiken in der Titelei.
  • Ganz- beziehungsweise Doppelseitengrafiken beim Kapitelbeginn.
  • Bordüren im Text.
  • Heruntergesetzter Kapitelbeginn mit einer Vorlaufgrafik.

1 – Grafiken in der Titelei – nur Print

Du kannst die ersten fünf Seiten deines Werks, die Titelei, mit Grafiken beschicken. Diese Grafiken sind abfallend, das bedeutet, dass sie bis zum Rand gehen. Dadurch kannst du auch Bordüren einbinden. Diese Gestaltungsoption nimmst du über die Eckdaten des Projekts vor.

  • Du gehst in die Projekt-Eckdaten (1), hier auf den Reiter ›Titelei Bilder‹
  • Für jede der ersten fünf Seiten gibt es einen eigenen Bereich, der gleich gehandhabt wird (2).
  • Wähle hier eine Grafik aus (3). Diese Grafiken sollten 300 DPI Auflösung aufweisen.
  • Nun kannst du angeben, ob die Grafik gestreckt oder an einer der Seiten ausgerichtet wird (4). Wie sich leicht erahnen lässt, sollte man beim Herstellen einer Ganzseitengrafik auf die passenden Seitenverhältnisse achten, um ein Verzerren zu vermeiden.
  • Das wars auch schon

Und so sehen die Grafiken aus. Hier eine auf der Seite des Schmutztitels und eine zweite auf der eigentlichen Titelseite. Letztere unauffällig, da das ja der Bereich für eventuelles Signieren ist.

Möchtest du nur ein kleines Logo auf einer der Titeleiseiten, dann ertstelle eine Ganzseitengrafik, auf der du am passenden Platz das Logo anordnest. Soll es zwischen dem Text sein, gilt es wieder ein wenig, zu tüfteln.

Das kann dann so aussehen:

Bitte bachte, dass ganzseitige Grafiken einerseits den Vorgang des Gesamtdokuments auf den Grafikseiten stark verlangsamen, aber auch die die PDF-Datei ordentlich  vergrößern.

2 – Schmuckseiten für Kapitel – nur Print

Diese Option ist ein großer Ressourcenfresser! Aber es sieht auch supergut aus. Einerseits solltest du einen guten Rechner haben, sonst wartest du relativ lange. Andererseits wird durch sie das PDF-Dokument extrem groß, einige Gigabyte sind kein Thema. Also vorher ausprobieren, bevor du dich auf die Illustration eines 800-Seiten-Buches mit 150 Kapiteln stürzt!

Diese Option gibt es nur für Hauptkapitel-Szenen!

So gehst du vor:

  • Wieder pro Kapitel hier das Fenster betreten (1).
  • Nun siehst du im unteren Bereich vier Felder, die folgende Aufgaben haben:
  • Feld 2 (2): Das ist dafür, eine Ganzseitengrafik oder Bordüre unterzubringen, die auf der Seite des Kapitelbeginns liegt. Wie bei den Titeleigrafiken gestreckt oder an einer der vier Seiten ausgerichtet.
  • Feld 1 (3): Hier kannst du eine dem Kapitel vorangestellte Grafik einfügen. Vorangestellt bedeutet, dass du beim Gesamtdokument erstens den Kapitelanfang rechtsseitig ausrichten musst und dafür sorgen, dass links eine Leerseite ist. So kannst du für das Kapitel abfallende Doppelseitengrafiken ausgeben lassen. Optisch eine sehr tolle Sache. Bezüglich der Ressourcen überdenkenswert – probieren!
  • Feld ¾ (4): Folgegrafiken, die auf allen folgenden Seiten dieses Kapitels ausgegeben werden. Diese Option solltest du mit noch mehr Bedacht wählen und wenn, dann nur für Bordüren, sonst pusht du die Größe des PDFs ins Unermessliche. Du kannst damit angeben, ob auf den Seiten, die der ersten Kapitelseite folgen, jeweils auf der rechten und linken Seite Grafiken ausgegeben werden.

(Sehen wir uns an, wie man bei einem Kapitel eine Doppelseitengrafik einrichtet. Nach dem Betreten des Gesamtdokuments schalten wir die Anzeige gegenüberliegender Seiten ein. Da eine PDF-Datei für den Druck immer mit dem Schmutztitel beginnt, haben wir ein Problem, weil bei paarweiser Anzeige die erste links statt rechts angezeigt wird. Diese Funktion hier oben fügt eine fiktive Leerseite ein, dass die rechten Seiten auch wirklich rechts sind. Das ist natürlich zur Kontrolle unserer Doppelseiten sinnvoll.

Nun richten wir die Breite des Seitenbereichs so aus, dass genau zwei Seiten nebeneinander Platz haben. So geht die Kontrolle am besten.

Ich hole mir ein Kapitel mit einer Doppelseitengrafik. Es wird nur die Schmuckseite des Kapitels selbst angezeigt. Damit auch die Seite davor angezeigt wird, müssen wir eine Leerseite einfügen. Dafür stellen wir uns ans Ende der Vorseite und klicken auf [Seite plus].

Damit ist unsere PDF-Datei für dieses Kapitel perfekt.)

Und so sehen diese Optionen dann aus, wenn das Dokument fertig ist.

3 – Epigraphen – nichts Grafisches, aber als Ergänzung – Print und eBook

So ganz gehört er nicht zu den grafischen Gestaltungen, kann aber im Zusammenhang damit nützlich sein: der Epigraph (1).

Epigraphen sind Texte, die vor einer Kapitelüberschrift kommen, aber nach dem Seitenvorschub zu diesem Kapitel. Sie werden üblicherweise für Kurzgedichte, Zitate oder Sinnsprüche verwendet und gern rechtsbündig ausgerichtet (2).

Für uns ist der Epigraph insofern interessant, als er bei der Kapitelgrafik dabei hilft, vor dem Kapitelanfang Raum zu schaffen (3). So hat eine Kapitelgrafik zum Beispiel in der ersten Seitenhälfte darüber gut Platz, wofür im Epigraphen einfach entsprechend viele Leerzeilen eingefügt werden. Diese würde man dann zum Beispiel an der obenen Bildkante ausrichten

So, das war’s für diesmal. Sind doch tolle Möglichkeiten, oder? Viel Spaß beim Schmücken deines nächsten Buches und, wer weiß, vielleicht wird es zu einem begehrten Sammlerstück!

Video-Link: Videos, Bereich Kreativität

Martin Danesch

Patchwork-Tutorial: Dein Buch aufpeppen – Teil 1

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkIn diesem Tutorial wollen wir uns ansehen, wie du dein Buch zu einem Sammlerstück machen kannst. Zwar gilt das bedingt auch für eBooks, aber die wirklich schönen Sachen betreffen das gedruckte Buch. In den nächsten Minuten wirst du sehen, wie du solche Verschönerungen, wie du sie gleich sehen wirst, mit wenigen Mausklicks in dein Buch integrieren kannst.

Weil die Materie umfangreich ist, gibt es zwei Tutorials.

Im Teil 1 beschäftigen wir uns jetzt mit

  • Vignetten zwischen Szenen mit großem Szenenwechsel, die sonst mit drei Sternen *** gekennzeichnet werden.
  • Diese zwei, drei Zeilen großen Buchstaben zu Beginn einer Szene geben dem Buch einen geschichtenhafteren Charakter.
  • Mit Szenenbildern oder –vignetten. Das sind kleine Bilder zwischen Titel und Text eines Kapitels bwziehungsweise vor dem Text; je nach Szenentyp.

Teil 2 wird vom ganz großen Kino handeln:

  • Abfallende Ganzseitengrafiken in der Titelei.
  • Ganz- beziehungsweise Doppelseitengrafiken beim Kapitelbeginn.
  • Bordüren im Text.
  • Heruntergesetzter Kapitelbeginn mit einer Vorlaufgrafik.

1 – Vignetten statt der ***-Absätze (nur Print)

Das ist schon einmal eine schöne Sache zwischen den Szenen mit großem Szenenwechseln, also denen mit ***-Absätzen. Da die Vignetten über Schriften gesteuert werden, können wir dieses Feature nicht fürs eBook nützen. Im Prinzip kann man schon Schriften in eBooks einbinden, aber es ist dafür auch für den reinen Anwender einiges an technischem Wissen notwendig, weshalb wir derzeit von dieser Möglichkeit Abstand nehmen.

Und so baust du die Vignetten ein:

  • In den Einstellungen (Hauptmenü › ‚Verwaltung‘ › ‚Einstellungen‘) wählst du den Bereich ›eBook/Druckausgabe‹, dort den mittleren Reiter ›Formate für Print- und Textausgabe‹.
  • In der Mitte des Fensters entdeckst du schnell das Zeichen für die Vignette (1).
  • Klickst du darauf, dann öffnet sich dir ein Fenster für die Auswahl des oder der passenden Schriftzeichen. Das sieht vorderhand nicht besonders sexy aus, denn eingestellt ist die Standardschrift Garamond im Schriftgrad 12.
  • Also müssen wir uns eine Symbolschrift suchen. Es kann aber sein, dass du gar keine hast, das ist sogar wahrscheinlich. Im Internet findest du eine Menge Seiten mit Schriften, wo du fündig wirst. Solche Schriftsammlungen sind zum Beispiel http://www.1001fonts.com/ oder https://www.dafont.com/de/. Du solltest aber unbedingt darauf achten, dass Schriften absolut nicht immer kostenloses Allgemeingut sind. Lies also die Lizenzierungsbedingungen durch.
  • Wenn du also Schriften mit Symbolen (Dingbats) hast, dann können wir hier weitergehen und du kannst dir einen Schriftsatz aussuchen (2). Dabei würde ich auch gleich auf eine höhere Größer gehen.
  • In dem mit Version 2.14 neuen Schriftauswahl-Dialog tutst du dir leicht, eine passende Schrift zu finden. Du kannst darauf doppelklicken (3) oder sie über [Ok] wählen.
  • Nun brauchst du nur noch das oder die Zeichen auszuwählen, die du möchtest (4). Dafür doppelklickst du auf das jeweils passende Zeichen und es wird dir oben in die Vorschau übernommen. Nicht benötigte löscht du einfach manuell. Im Regelfall wirst du nur ein Zeichen nehmen, es können aber auch mehrere sein. Das wars auch schon.

Und so sieht es im Buch selbst aus … ist doch schon einmal eine schöne Aufbesserung, nicht?

2 – Initialen zu Beginn von Szenen – Print, eBook eingeschränkt

Nun gehen wir einen Level weiter und verpassen den Szenenbeginnen Schmuckbuchstaben am Anfang, Initialen.

Auch für Initialen brauchen wir meistens eine andere Schrift. Auch wenn man nach dem ersten Blick auf eine Schriftartenseite im Internet denkt, sich im Schlaraffenland zu befinden, ist Zurückhaltung angesagt. Denn so nett manche Schriften aussehen mögen, eignen sie sich doch oft nicht für Initialen. Zum einen haben viele Schriften keine Umlaute und scheiden deshalb aus. Das zweite Manko sieht man aber leider erst beim Ausprobieren: Die internen Abmessungen der Schrift sind nicht korrekt. Was nämlich außen so einfach aussieht, ist innen eine kleine Wissenschaft. Es gibt Oberlängen, Unterlängen, Mittellinien, Grundlinien, Kegelhöhen und viele Parameter mehr. Wenn die vom Schriftdesigner nicht sachgemäß verwendet werden, kann es geschehen, dass eine Schrift zu klein wirkt (eher selten), aber häufig in die andere Schrift hineinragt wie in diesem Beispiel. Das ist vor allem bei blumigen Schriften der Fall.

Es eignen sich also am besten von Haus aus Schriften in einem schlichten Blockdesign.

Und so geht es:

  • Du gehst in die Eckdaten des Projekts (Hauptmenü › ‚Projekt‘ › ‚Projekt-Eckdaten und Exposé‘) oder, schneller (1), dort auf den Reiter ›Titelei 1‹ (2)
  • Hier siehst du rechts den Kasten für die Initialen (3).
  • Grundsätzlich bedeuten Initialen immer Tüfteln. Du musst probieren, anschauen, ändern und wieder probieren, bis es richtig passt. Und das gleichermaßen für Print und eBook. Denn wenn du dich für Intialen entscheidest, werden die auch im eBook ausgegeben. Dort allerdings in derselben Schrift wie der Rest vom Text.
  • Zuerst wählst du wiederum die Schrift aus (4). Rechts siehst du das Muster zur aktuell eingestellten und zwar als goßes Ä (5), damit du gleich daran erinnert wirst, dass die gewählte Schrift auch wirklich Umlaute kann.
  • Durch die Mustervorgabe oben kannst du erkennen, ob die Schrift auch über Umlaute verfügt.
  • So simpel und unspektakulär diese Schrift auch aussieht, ist sie prima für Initialen geeignet, wie wir gleich sehen werden. Wie wir hier auch feststellen, kann sie Umlaute perfekt.
  • Nach der Schriftwahl geben wir hier Patchwork bekannt, dass überhaupt Initialen gedruckt werden sollen. Bei diesem Vorgang wird der erste Buchstabe einer Szene in einen Initialbuchstaben umgewandelt. Das geht automatisch, du brauchst dich nicht darum zu kümmern.
  • Bei diesen Schaltflächen kannst du angeben, bei welchen Szenenwechseln Initialen gemacht werden sollen – Kapitel, Unterkapitel, großer und mittlerer Szenenwechsel (6). Ein kleiner kann nicht gewählt werden, weil Intialen ohne erkenntlichen Grund nicht sinnvoll sind.
  • Die Zeichen, die hier aussehen wie ein Schlüssel (7), sind in Wirklichkeit durchgestrichene Anführungszeichen. Es gibt nämlich bei Initialen eine dumme Grenzsituation: Wenn ein Kapitel mit einer direkten Rede beginnt. Wenn das Initial das Anführungszeichen ist, sieht das ziemnlich dämlich aus. Und wenn die Schrift zwar Umlaute kann, aber keine Chevrons, dann sieht es nöch blöder aus. Mit aktivieren dieser Checkbox wird in solchen nicht so häufigen Fällen einfach das Anführungszeichen entfernt.Das ist noch der bessere Kompromiss als ein Anführungszeichen-Initial – aber du entscheidest.
  • Und schließlich bleiben noch zwei Zahlenfelder (8), mit denen du experimentieren musst: die Größe der Initiale und ihr Abstand zum Text. Speziell die Größe kann zur Erbesnzählerei werden. Durch sie kannst du angeben, über wieviele Zeilen die Initiale gehen soll und dann kommt die Feinjustierung. Wie gesagt – probieren, probieren.

Und so sieht es dann aus, wenn du nicht nur Vignetten nach den Szenen hast, sondern die nächste mit einer Initiale beginnt.

3 – Kapitelvignetten, der Start in einen neuen Abschnitt – Print + eBook

Der nächste Level sind Kapitelvignetten. Das sind kleine Grafiken, die im Prinzip vor jedem Szenen p stehen können, hauptsächlich aber bei Kapiteln gut aussehen. Dort werden sie automatisch zwischen Titel und Text platziert, ansonsten vor den Text.

Bei diesem Feature ist das Einfügen sehr wenig Arbeit, die Suche nach den passenden Motiven mitunter schon mehr. Natürlich kannst du auch selbst Zeichnungen herstellen und die einscannen. Für diese Kapitelbilder empfehle ich keine Fotos, weil die dem Geschichtenflair zu viel Realität beifügen. Zeichnungen sind besser geeignet. Du kannst solche bei den großen Bilder-Stock-Agenturen finden unter dem Suchbegriff vector sketch.

Hier gibt es wenig zu sagen:

  • Rufe das Eingabefenster hier auf (1)
  • Wähle hier eine Grafik (2). Diese Grafiken sollten 300 DPI Auflösung vorweisen.
    Wichtig! Die Kapitelvignetten können zum Beispiel auch dafür verwendet werden, eine bestimmte Perspektive zu signailsieren. Das wiederum bedeutet, dass du dieselbe Grafik im selben Werk öfters verwendest. Ist das der Fall, hole beim zweiten Verwenden die Grafik aus dem Grafikpool des Projekts und nicht wieder von außen, um das Endprodukt nicht sinnlos aufzublasen. Denn bei jeder Grafik wird diese von ihrem Quellort in das Projekt aufgenommen. Holst du sie also ab dem zweiten Verwenden direkt aus dem Pool, vermeidest du interne Doubletten, was sich sehr positiv auf die Größe des zukünftigen eBooks auswirkt.
    Um auf diesen Pool zuzugreifen, drückst du die [Strg]-Taste, wenn du hier drauf klickst.
  • Du kannst die relative Breite im Text angeben (3), 25% sind vorbelegt, was ein guter Wert ist. Diesen Wert solltest du in einem Werk bei allen Graiken zugunsten einer ausgewogenen Optik gleich halten.
  • Hier (4) kannst du schließlich angeben, ob das Bild linksbündig, zentriert oder rechtsbündig ausgegeben werden soll.
  • Zum Rest dieses Fensters, dem unteren Teil (5) kommen wir noch. Er wird übrigens nur bei Hauptkapiteln angezeigt

So sehen solche Kapitelvignetten dann aus. Sie werden in der Print- und in der eBookversion eingebunden.

So, das war’s für Teil 1. Demnächst geht‘ weiter mit Möglichkeiten zu abfallender Grafik, das sind Grafiken, die bis zum Seitenrand gehen.
Martin Danesch

Patchwork-Tutorial: Plotten mit Patchwork

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkDie Abwesenheit eines Plots ist die Mutter der meisten Schreibblockaden. Speziell Schreib-Neueinsteiger fühlen sich genervt, plotten zu sollen. Die Geschichte drückt schon mit dem Druck einer Wasserleitung und will endlich raus. Wofür dann so ein Schnickschnack?

1. Plot und Story

Ich kenne aus meiner Vergangenheit diese Sichtweise nur zu gut und ich kann mich auch gut genug noch an die Folgen erinnern. Ich setzte mich hin und schrieb auf Teufel komm raus und es ging auch flott dahin. Rund 150 Seiten lang. Dann geschah etwas Seltsames: der Druck ließ nach. Der Speicher schien leer und bald tröpfelte die Geschichte nur noch, bis auch das nachließ. Hurra, die erste Schreibblockade.

Beinahe jedem geht es so, der einfach drauflosschreibt, ohne sich Gedanken zu zwei Dingen zu machen: dem Ziel und den Wegpunkten dorthin. Genau diese zwei notwendigen Anker schafft man sich mit einem Plot. Die Geschichte als solche hat man ja üblicherweise vage im Kopf.

Bevor wir uns aufs Plotten stürzen noch eine Begriffsklärung. Stell dir dafür vor, deine Geschichte handelte von der Verwandlung des Oskar M., während er von Jaca nach Santiago de Compostela den Jakobsweg bewandert.

Dabei handelt es sich um eine Wegstrecke mit besagtem Anfangs- und Endpunkt, auf der Oskar in chronologischer Reihenfolge seine Erlebnisse hat. Das nennt man die Geschichte oder die Story.

Jetzt gibt es aber Gründe, warum sich Oskar auf den Weg macht, vielleicht eine Scheidung, die ihn dazu veranlasst, sich selbst besser kennenzulernen. Er zögert, wird abgeschreckt von der Mühsal, die ihn erwarten wird, rafft sich dann aber doch auf. Er wird unterwegs von Zweifeln geplagt, will aufgeben, erhält unerwartet Motivation, doch durchzuhalten. Schließlich fühlt er sich am Ende seiner Kräfte und gibt doch noch auf. Doch in dem Gasthof, von dem aus er per Bus zurückreisen möchte, trifft er einen bedeutend älteren Mann – das wäre doch gelacht, nicht wahr? – der ihn indirekt über seinen Stolz motiviert und mit dem gemeinsam er den Rest des Weges überwindet. Wahrscheinlich als anderer Mensch. Wovon dieser Absatz handelte, ist der Plot.

Der Plot ist die Struktur. Der Ausgangspunkt und das Ende und die definierten Wendepunkte unterwegs. Und darüber handelt dieser Artikel.

Wie alle anderen schreibratgebenden Hinweise ist auch der Plot keine willkürliche Sache, die sich irgendjemand in Brüssel ausgedacht hat. Der einfachste Plot ist der klassische Dreiakter, den man bereits im antiken Griechenland erfolgreich anwendete. Ich möchte hier nicht auf Sinn und Aufbau eines Plots weiter eingehen, sondern zeigen, wie man mit Patchwork plottet.

Das Plotten ist dabei ein mehrstufiger Prozess, der bis zum fertigen Szenengerüst gehen kann. Nicht muss.

2. Schritt 1 – plotten

Man muss nicht mit einem neuen Projekt beginnen, um zu plotten. Wenn man es tut, dann ist das Plotten eine von fünf Optionen, mit denen man ein Projekt beginnen kann (1): Screenshot PatchworkBesteht das Projekt bereits, beginnt man über die Menüfunktion Hauptmenü › ‚Projektbezogen‘ › ‚Plotten‘. Mit beiden Einstiegen landen wir bei dem Plotfenster:

Screenshot PatchworkAls Erstes entscheiden wir uns für ein Plot-Konzept (1). Vater aller ist der klassische Dreiakter. Alle anderen sind Erweiterungen. Für lange Geschichten, also etwa Romane, empfiehlt sich die Wahl einer detaillierteren Struktur, zum Beispiel  Heldenreise, Schneeflockenmethode oder Waldscheidt-Dreiakter. Für eine Kurzgeschichte ist Plotten auch nicht verkehrt. Aber hier werden Drei- oder Fünfakter ausreichenden Halt bieten.

Haben wir uns entschieden, werden die Stufen des gewählten Konzepts links angezeigt (2). Auffallend ist die Reihenfolge (3) der Zahlen auf der rechten Seite der Stufen. Diese Zahlen sind eine Empfehlung für die Abfolge der Abhandlung der Punkte. Warum mit dem Ende beginnen? Weil wir dadurch gezwungen sind, das Ende klar zu formulieren. Ende und Anfang sind die Antipoden der Geschichte. Wir tun uns leichter, wenn wir das Ziel, also das Ende, bei der Entwicklung ständig vor Augen haben. Die Reihenfolge ist kein Muss, aber empfehlenswert.

Sobald man links auf eine Stufe klickt, wird rechts oben der dazugehörende Beschreibungstext angezeigt (5). Ab nun sind wir gefordert: Im freien Bereich (6) schreibt man eine Kurzbeschreibung (keinen Roman!) zu der aktuellen Stufe. Ist man damit fertig, wählt man die nächste Stufe links (2) aus. Gibt es zu einer Stufe bereits selbsterfassten Text, so wird diese Stufe grün markiert (4).

Erst wenn sämtliche Stufen ausgefüllt sind, wird die Option zum nächsten großen Schritt sichtbar: zur Weitergabe ans Kreativboard (7). Dort wird daraufhin zu jedem Schritt eine Karteikarte generiert. Der Titel der Karte wird die Bezeichnung der Stufe (2) sein, der Text der selbst erstellte Text (6).

Oben links (8) können wir die Größe der zukünftigen Karteikarten bestimmen.

3. Schritt 2 – Übergabe an das Kreativboard

Mit der Übergabe durch die Schaltfläche [Machs!] (7, oberes Bild) werden im Kreativboard für jede Stufe Karteikärtchen erzeugt.

Screenshot PatchworkIn jedem Kärtchen findet man seine Stufen wieder: Die Bezeichnung der Stufe (1) und den Text, den man dazu geschrieben hat (2). Möchte man nun zu bestimmten Stufen in die Tiefe gehen, wählt man ein Kärtchen aus (3) und klickt mit der rechten Maustaste darauf. Im erscheinenden Menü kann man nun zu diesem Eintrag eine neue Instanz anlegen (4). Damit öffnet sich eine neue, leere Ebene, die man nun manuell mit neuen Karteikärtchen bestücken kann, die zu dieser Stufe die einzelnen Szenen werden können.

4. Schritt 3 – Kapitel generieren lassen

Mit wenigen Mausklicks lassen sich aus diesen Karteikärtchen nun Kapitel erzeugen:

Screenshot PatchworkMan markiert alle Szenen, die übernommen werden sollen (1), wonach man auf eine der markierten mit der rechten Maustaste klickt. Nach Auswahl des Menüpunkts ›Szenen zu den … gewählten Textelementen erzeugen‹ (2) erscheint ein Fenster mit ein paar Einstellungen (3).

So kann man bestimmen, ob die zu übernehmenden Kärtchen hinter einem gerade markierten Kapitel eingefügt oder ihm untergeordnet werden sollen (4). Das ist natürlich nur relevant, wenn bereits Kapitel vorhanden sind. Es kommt zum Beispiel dann zum Tragen, wenn die markierten Kärtchen in einer Unterinstanz (also weiteren Kreativboardebene) dem übergeordneten Kapitel untergeordnet werden sollen. Als Reihenfolge (5) wird man meistens ›nach Position‹ wählen, weil das vermutlich auch die gewollte Szenenreihenfolge werden soll. Ein späteres Umschichten ist aber kein Problem. Weiterhin kann man angeben, was die Kärtchen werden sollen (6), in unserem Fall Hauptkapitel. Wären bereits mehrere Erzählstränge im vorliegenden Werk angelegt, könnte man hier die Kärtchen schon zuordnen (7).

Mit Drücken der Auslöseschaltfläche (8) werden die Kapitel erzeugt.

Screenshot PatchworkNun sind wir am Beginn des eigentlichen Schreibens angelangt. Während man bisher im Reiter ›Kreativboard‹ (1) gearbeitet hat, aus dem die Kapitel erzeugt wurden, so wechselt man nun zum Reiter des Textbereichs (3), wo das Schreiben selbst stattfindet. Auf dem Bild kann man erkennen, dass aus den Plot-Stufen (2) Kapitel wurden und aus den zu den Stufen verfassten Texten der … Pitch der Szene (4).

Jetzt werden wir, durch die Kapitel (5) gegliedert, im Textbereich (6) den Text der Geschichte schreiben. Als Richtlinie steht uns pro Szene der Pitch (4) zur Verfügung. Wird der Pitchtext hier geändert, so wird  er automatisch mit dem dazugehörenden Karteikärtchen synchronisiert und umgekehrt.

Zugegebenermaßen haben wir einige Zeit verbraucht, bevor wir nun ans eigentliche Schreiben gehen können. Aber je ernster wir diese Planung bis hierher genommen haben, umso fließender wird die Geschichte voranschreiten. Vor allem die Gefahr des Verfransens oder Auslaufens und damit verbundenen Schreibblockaden sind auf ein marginales Maß reduziert.

Wie detailliert man diese Vorplanung macht, bleibt natürlich jedem überlassen. Man kann Teile davon auslassen und man kann nachplotten und Szenen umbauen. Alles ist möglich. Hauptsache, man hat die Grundstruktur seiner Geschichte beim Schreiben immer im Augenwinkel.

Wen es in den Fingern juckt: viel Spaß mit dieser professionellen Herangehensweise an die nächste Geschichte!

Link zum Video

Martin Danesch


Patchwork-Tutorial: Die Kapitelübersicht

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkAuf den ersten Blick mag es seltsam anmuten, dass der Kapitelübersicht, also der Gliederung eines Dokuments, ein eigenes Tutorial gewidmet wird. Aber sie ist gar nicht so ohne! Über sie wird das gesamte Projekt gesteuert und pro Szene werden dort bis zu 50 Informationen – die meisten versteckt – abgelegt.

Alles zum Tuning dieses Bereichs findet man in den Einstellungen (Hauptmenü › ‚Bearbeiten‘ › ‚Einstellungen‘ › Bereich ‚Linker/rechter Teil‘).

Einige Angaben zu den Spalten kann man ganz einfach durch Eingabe eines Zeichens vornehmen, wenn man auf einer Szene steht. Diese Kürzel werden, so vorhanden, jeweils am Ende der jeweiligen Spaltenbeschreibung angegeben.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichsten, der Szenenstruktur. Wir haben zwar schon ein paarmal darüber gesprochen, aber man kann das nicht oft genug tun, wie ich immer wieder bei Supportgesprächen beobachte.

Eine sogenannte Szene hat zwei Aufgaben: sie dient der Gliederung und kann Text enthalten. Wenn ein Kapitel keine weiteren Unterszenen birgt, dann ist sie beides: Als Umbruchstyp gibt man Kapitel oder Unterkapitel an und im Schreibfenster schreibt man den Text dazu.

Sobald aber innerhalb eines Kapitels/Unterkapitels mehr als eine Szene ist – also Leerabsätze oder ***-Absätze, dient die Kapitelszene nur noch der Gliederung und in der Ausgabe natürlich der Überschrift. Mit anderen Worten: Der Text liegt in den untergeordneten Szenen – und zwar komplett – die Kapitelüberschrift aber in der Kapitelszene. Sind Unterszenen vorhanden, was meistens der Fall ist, dann sollte man unbedingt vermeiden, auch in der Kapitelszene Text vorzuhalten, sonst ist nämlich im fertigen Dokument zwischen Kapitel und der nächsten Szene weder ein Leer- noch ein ***-Absatz und man wundert sich, weshalb die fehlen. Das ist deshalb so, weil Haupt- und Unterkapitel nur den Umbruch vor der Szene regeln und nicht auch noch danach, wie es großer Szenenwechsel (***) und mittlerer (Leerabsatz) tun. Da es aber diese Situation trotzdem geben kann – Text nach der Kapitelüberschrift aber vor dem ersten Unterkapitel oder zwischen Teil und erstem Kapitel – wird die Möglichkeit nicht generell unterbunden. Man wird aber durch diese rosa Einfärbung (1) auf die Möglichkeit eines Fehlers hingewiesen.

Was einem sofort ins Auge fällt, sind mehrere Spalten neben dem Szenentitel.

Da man nach aktuellem Bedürfnis oder aus Platzgründen meist nicht alle Spalten sehen möchte, kann man sie einzeln zu- und wegschalten. Dafür geht man mit dem Mauszeiger auf den Tiel der Hauptspalte ›Kapitel/Szene‹ (2), worauf ein Menü mit den zur Verfügung stehenden Spalten aufklappt. So kann man sie schnell anzeigen lassen oder verstecken.

Der Szenentitel selbst lässt sich als einzigeSpalte nicht ausblenden. Fett (3) werden dabei Hauptkapitel dargestellt und, wenn in den Einstellungen angegeben, auch Unterkapitel. In der Titelspalte gibt es drei weitere Anzeigen.

Man kann ein Symbol aus einer Palette von 43 anzeigen lassen (4), um Szenen auf individuelle Weise zu kennzeichnen.

Kürzel zur Szenenmarkierung: x (oder über das Kontextmenü)

Bei manchen Szenen ist es sinnvoll, den automatischen Erstzeileneinzug zu deaktivieren (5). Zum Beispiel bei Hinweisseiten hinten mit Buch- und Autorenfotos und Aufzählungen. (Kontextmenü › ‚Szene ohne Erstzeileneinzug‘)

Und wenn man schließlich in einer Schreibblockade gefangen ist, kann man sich inspirieren lassen, indem man zu Szenen Clustering betreibt (6). Dieses Brainstorming ist oft der richtige Rohrdurchputzer. (Kontextmenü › ‚Cluster und Kreativmatrix für diese Szene (Brain)‘)

Der Titel der Titelspalte liefert eine kleine Zusatzinformation, wenn man für ein Projekt die Timeline nutzt. Fährt man mit der Maus über die Szenen, wird im Titel der Spalte die Tagesdifferenz zur gerade markierten Szene angezeigt (2).

Und schließlich hat der Titel selbst noch zwei Spezialitäten auf Lager.

Alles was innerhalb eckiger Klammern eingegeben wird, ist weder im Gesamtdokument, noch im eBook in der Überschrift sichtbar (alle niederrangigeren Szenenwechsel werden ohnehin nicht angedruckt). Möchte man also zu den Kapiteln ein Stichwort angeben, so lässt sich das auf diese Weise elegant umsetzen. So sieht das aus: Kapitel 4 [Mentor taucht auf].

Manche Autoren lieben es, einzelne Szenen in einem Kapitel durchzunummerieren, ihnen den Namen des Protagonisten voranzustellen oder andere Subüberschriften vor die Szenen zu setzen. Das erzielt man, indem man beim mittleren oder kleinen Szenenwechsel im Titel die anzudruckende Subüberschrift zwischen Rautezeichen setzt. Soll also vor der Szene fett 1 stehen, sieht der Titel dann so aus. Dabei ist der Text ›Am Tag der Ankunft‹ der interne Szenentitel – also der Titel als Info für die Autorin – der nicht gedruckt wird (wie gesagt, bei großem/kleinen Szenenwechsel):
AmTag der Ankunft #1#  Hier wird nun linksbündig vor, also über der Szene 1 angedruckt und dann beginnt wie üblich der Szenentext selbst. Einfach mal ausprobieren, im Gesamtdokument sieht man das Ergebnis ja gleich.

Die zweitwichtigste Spalte dient dem Umnruch (7). Also neues Kapitel, Unterkapitel, großer, mittlerer und kleiner Szenenwechsel. Über sie wird die Gliedrung des Gesamtokuments gesteuert. Die horizontale Gliederung spielt dafür keine Rolle, sondern dient lediglich der eigenen besseren Übersicht und der Möglichkeit, Kapitel oder ganze Teile oder sogar Bände einfach zuklappen zu können.

Hier gibt es auch noch eine kleine Besonderheit für spezielle Fälle. Üblicherweise bedeutet Hauptkapitel automatisch ›neue Seite‹, während ein Unterkapitel mit seiner (etwas kleineren) Überschrift auf der gleichen Seite fortfährt. Wie aber realisiert man Ebenen darüber? Das können in einem Buch Teile sein oder sogar mehrere Bücher einer Reihe, die ihrerseits mehrere Teile haben können. Mehrere Bücher in einem Projekt sind dann praktisch, wenn dieselben Figuren und Schauplätze in allen Bänden zum Einsatz kommen.

Wenn man allerdings ein Kapitel einem andern unterordnet, steht auf einer Seite die Überschrift des ersten und sonst nichts – weil ja Kapitel auf neuen Seiten beginnen. Dieses Verhalten einer neuen Seite kann man über den Menüpunkt (KEINE) Neue Seite übersteuern. Diese Funktion bewirkst also bei Unterkapiteln schon eine neue Seite oder bei Hauptkapiteln keine neue Seite.

Den kleinen Szenenwechsel, der optisch gar keiner ist, weil ja lediglich ein neuer Absatz beginnt, verwendet man immer bei der letzten Szene eines Blocks von untergeordneten Szenen, um eventuelle Leerabsätze im Gesamtdokument zu vermeiden. Das wäre zwar auch kein Drama, aber man muss dort dafür einmal weniger aufpassen. Auch verwendbar, wenn man unterschiedliche Bilder oder andere Szenenrequisiten innerhalb einer nach außen geschlossenen Szene abspeichern möchte.

Kürzel für den Umbruch: h u g m k (Hauptkapitel, Unterkapitel, großer, mittlerer und kleiner Szenenwechsel)

Dann kommen in der Wichtigkeit wohl die drei statistischen Spalten (8): Zeichen, Wörter und Seiten pro Szene. Man möchte schließlich wissen, wieviel man schon geschrieben oder noch zu schreiben hat. Für jede Szene werden diese drei Werte aktuell hochgerechnet. Durch die Kaskadenstruktur von Kapitel zu Unterkapitel zu Szenen erhält man auch die Werte in den übergeordneten Ebenen hochgerechnet. Man sieht also sowohl die Anzahl pro Szene als auch des Unterkapitels, Hauptkapitels und so weiter.

Eigentlich wichtiger wäre ja die Perspektive (9), wenn man ehrlich ist, deshalb die auch gleich als Nächstes. Gesteuert wird die Anzeige über die Angabe in den Einstellungen, ob lang (›Personal‹) oder oder kurz (›Per‹). Wenn man im rechten Teil bei den Szenenrequisiten Figuren einträgt (per Drag & Drop hinüberziehen aus der Figurenliste oder mit dem Figurenschnüffler vorschlagen lassen), dann wird hinter der Perspektivart die oberste Figur angeben – natürlich nur bei den beiden Ein-Figuren-Erzählperspektiven, also Ich-Perspektive und der personalen.

Kürzel für die Perspektive: p i a n (personal, ich, auktorial, neutral)

Der Überarbeitungsstatus (10) ist eine feine Sache, wenn man bei der Überarbeitung nicht dranbleiben kann. So sieht man auf einen Blick, wo man schon durch ist und wo noch nicht. Und auch wie weit. Denn es gibt 6 mögliche Stufen: Skizze, Erstschrift, Überarbeitung 1 bis 3 und fertig überarbeitet.

Kürzel für den Überarbeitungsstatus: 1 2 3 4 5 6 auf der Schreibmaschinentastatur.

Das Kennzeichen Nicht ausgeben (11) wird sowohl in einer Spalte dargestellt als auch durch Abgrauen der Szenenzeile. Diese Spalte ist also vernachlässigbar. Alle so gekennzeichneten Szenen werden weder ins Gesamtdokument noch ins eBook übernommen. Vor allem beim Arbeiten mit Teilen oder Bänden praktisch

Kürzel für ›Nicht ausgeben‹: [Leertaste] oder [Shift+Leertaste], was dann für alle untergeordneten auch gilt.

Neu mit Version 1.72 kommt eine Infospalte dazu, in der man auf einen Blick das Vorhandensein gewisser Szeneninhalte erkennen kann. So können in dieser Spalte pro Szene bis zu sieben Symbole aufscheinen.

In der oberen Reihe vier für die möglichen vier Markerfarben (12). Wenn man die Methode des Markerns von Textstellen nutzen möchte, um zum Beispiel Bearbeitungsbedarf zu vermerken, dann sieht man hier, welche Szenen welche Markierungsfarben beinhalten.

In der unteren Reihe wird angezeigt, ob es zu der Szene Bilder gibt (links), Notiztexte (mittig) und Rechercheelemente (von der Sprachnotiz bis zur Internetadresse – rechts) (13).

Zum Beinahe-Abschluss ein kleiner Tipp: Um aus dem Text in die Kapitelübersicht zu kommen und auch umgekehrt, braucht man nur die [Esc]-Taste zu drücken. Auf diese Weise kann man auch schnell wo anders hin gelangen.

Und zum Ganz-Abschluss noch einer, weil es in der Kapitelübersicht zu sehen ist: Die One-click-Paralellanzeige (14). Sobald der Cursor im Schreibfenster steht und man mit der Maus über die Kapitelübersicht fährt, scheint dieser Hinweis neben dem Mauszeiger auf (außer man schaltet ihn in den Einstellungen weg). Sobald diese Anzeige vorhanden ist, kann man durch Drücken der [Shift]-Taste direkt in die Parallelanzeige der Szene springen, über der die Maus steht und das ohne, dass sich im Schreibfenster irgendetwas ändert.

So, das war’s für diesmal. Wir hoffen, dass dadurch das Arbeiten mit Patchwork nun noch einen Hauch geschmeidiger geht!

Link zum Video

Martin Danesch


Patchwork-Tutorial: Umstieg auf Patchwork und seine Szenen

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkFür alle, die schon mit Scrivener oder yWriter gearbeitet haben, ist die Szenenlogik nicht ungewohnt. Aber für all jene, die mit Word, Open Office, Libre Office, Papyrus oder Textmaker – also den Volltextprogrammen – vertraut sind, hatte die Szene bisher eher eine marginale Bedeutung: man entwirft Kapitel, eventuell Unterkapitel und manchmal Leerabsätze. Bei Patchwork hingegen wird der Szene die Aufmerksamkeit gegeben, die ihr in Wirklichkeit auch gebührt.

In diesem Tutorial wollen wir uns den Fluss ansehen, wie vorhandene Texte nach Patchwork gelangen und was daraus wird und uns mit dem zentralen Element ›Szene‹ sachlich beschäftigen.

AblaufDiese Abbildung zeigt den gesamten möglichen Ablauf vom Import eines bestehenden Projekts bis zur Ausgabe als fertige Publikation.

Zu Szenen im Allgemeinen

Die Bedeutung einer Szene wird am einfachsten klar, indem man sich an ein Theaterstück erinnert. Ein Wohnzimmer, ein Marktplatz, ein Gasthaus. Sobald sich das Szenario – dieser Ausdruck zeigt übrigens, welche einprägsame Rolle Szenen auch in unserem Alltag spielen – ändert, muss ein neues Szenenbild, sprich Bühnenbild, aufgezogen werden. Beim Geschriebenen fällt das nicht so auf, weil wir ja ein Buch vor uns liegen haben, das optisch mäßig gegliedert erscheint. Das Kapitel ist in diesem Zusammenhang üblicherweise der Begriff der Wahl. In Wirklichkeit ist eine Geschichte aber viel feiner unterteilt.

Mit dem Gedanken des Bühnenbildes im Hinterkopf fällt es leichter, sich in den eigenen Geschichten einen Szenenwechsel zu verdeutlichen:

Paul steht morgens auf, frühstückt, liest die Zeitung, kümmert sich um seine Mails und fährt dann ins Büro. Dort sieht er seine Geschäftsmails und den Eingangs-Ablagekorb durch, erledigt ein paar Dinge und hat dann eine Besprechung, bei der es um das Projekt seines Teams geht.

Wenn das nicht nur so wie eben heruntererzählt wird, sondern wir bei jeder dieser Stationen erzählerisch in die Tiefe gehen, haben wir es mit drei Szenen, also drei Bühnenbildern,  zu tun: aufstehen bis Mails, am Arbeitsplatz und dann im Besprechungsraum. Das sind definitiv Szenenwechsel, denn der Leser wird dazu gebracht, sich drei unterschiedliche Umgebungen vorzustellen. Dabei ist der erste Wechsel, von zu Hause in die Firma, ein etwas größerer. Je nachdem wie feinmaschig eine Geschichte ist, das heißt, welchen Raum diese Szenen einnehmen, umso gewichtiger ist der Wechsel. Unser Beispiel könnte also in drei Varianten erscheinen.

  1. Variante: Die Geschehnisse werden nur schnell aufgeführt, um die Zusammenhänge erzählt zu haben. Ein Absatz, kein Szenenwechsel, neutrale, berichterstattende Perspektive.
  2. Variante: Die drei Szenen werden aus Pauls Perspektive beschrieben. Schon beim Aufstehen macht er sich Gedanken über den vergangenen Abend, an dem er mit Jane essen war. Er fühlt sich zu ihr hingezogen. Ob es ihr umgekehrt auch so geht? Seine Gedanken schweifen ab, die Zeitung nimmt er nicht wirklich wahr und er schüttet versehentlich Salz in den Kaffee anstatt des Zuckers.
    Hier könnte ein großer Szenenwechsel angebracht sein mit einem ***-Absatz.
    Im Büro angekommen zwingt er sich zu klaren Gedanken, konzentriert sich auf seine Arbeit und versucht, so schnell wie möglich, ein paar Dinge zu erledigen.
    Hier genügt ein mittlerer Szenenwechsel (Leerabsatz).
    Dann die Besprechung. Noch ein wenig emotionaler als die Szene zu Hause, denn – Jane ist auch in seinem Team und er wird sie während der ganzen Besprechung sehen.
    Hier haben wir drei Szenen, mit ähnlicher Rangigkeit. Eventuell ist der Wechsel von 1 nach 2 nachdrücklicher zu sehen, weil ja ein größerer Ortswechsel stattfindet.
  3. Variante: Der Roman heißt 24 Stunden aus dem Leben des Paul K. Damit füllen diese Szenen schon vielleicht ein Sechstel der ganzen Geschichte. In diesem Fall haben also die Szenenwechsel noch einen größeren Stellenwert. Sie würden zu einzelnen Kapiteln.

Auf den ersten Blick mag es wie Erbsenzählerei aussehen, so sehr ins Detail zu gehen. Aber es handelt sich immerhin um die Bilder, die wir zum Leser transportieren. Wenn dieser Vorgang missglückt – und auch der Wechsel – dann hat man als Autor verloren. Auch im Theater wird gut überlegt, wie man Bühnenbildwechsel für das Publikum so gestaltet, dass es gut folgen kann; den Wechsel zwar bemerkt, aber nicht aus dem Stück gerissen wird. Neben der dramaturgischen Struktur (Dreiakter, Fünf-Punkte-System, Heldenreise und so weiter) spielt auch die Mikro-Dramaturgie eine Rolle für den jeweiligen Augenblick. Und da kommen die Szenen ins Spiel.

Um den Anforderungen gerecht zu werden, die beim näheren Betrachten des Bauteils ›Szene‹ deutlich werden, ist Patchwork szenenorientiert aufgebaut. Jede Szene hat nicht nur ihr eigenes Textdokument, sondern sogar ihren eigenen Ordner.

PatchworkMit Kanonen auf Spatzen geschossen? Das mag auf manche Szenen eventuell zutreffen, aber sehen Sie sich die szenenbezogen Aspekte an und urteilen Sie dann. Alles nun Folgende hängt mit der Szene zusammen (und ist in Patchwork umgesetzt) – ist doch gar nicht so wenig oder?

  • Pitch (Kurzbeschreibung) der Szene
  • Epigraph: kurzer Spruch oder Gedicht nach dem Seitenwechsel, aber vor der Überschrift
  • Die Perspektive der Szene (Ich, personal, auktorial, neutral)
  • Die Figuren, die in der Szene auftreten
  • Bei Ich- und personaler Perspektive: der point of view, also der Perspektivträger, durch dessen Augen erzählt wird
  • Der Schauplatz, wo die Szene spielt
  • Zeit und Dauer – Zuordnung zur Timeline
  • Zuordnung zu einem Erzählstrang
  • Die Gewichtigkeit des Szenenwechsels: Kapitel? Unterkapitel? ***-Absatz oder Leerabsatz? Das steuert auch später die Formatierung.
  • Der Überarbeitungsstatus: Rohschrift – Überarbeitung – fertig überarbeitet
  • Notizen
  • Bilder, Video-Clips, Internet-Recherchen
  • Szenentyp : Die dramaturgische Dichte kann eine Spannungskurve erzeugen
  • Diverse Spezialitäten wie optische Kennzeichnungen, ob die Szene deaktiviert ist, ob sie keinen Erstzeileneinzug aufweist und ob sie in der Timeline überhaupt aufscheinen soll
  • Informationen zur Anzahl Zeichen, Wörter und Seiten
  • Sehr einfaches Verschieben und Umgliedern aller Szenen
  • Szenen-Kreativmatrix
  • Verknüpfung zur Konzeptarbeit (Projektrecherche)
  • Verknüpfung zur Allgemeinen Recherche
  • Verknüpfung zum Kreativboard und der allgemeinen Kreativmatrix

Man sieht, dass es doch eine ganze Menge an szenengebundenen Informationen gibt. Und da manche mit Daten zusammenhängen wie Bilder, Video-Clips oder Pitch- und Epigraphentexten, machen eigene Ordner durchaus Sinn.

Szenen struktur in X- und Y-Achse

Wie wir hier sehen, bestehen zwei Gliederungsachsen. Für unser zukünftiges Buch ist ausschließlich die vertikale Gliederung (1) ausschlaggebend, also von oben nach unten. Genauer: die Reihenfolge, in der Kapitel, eventuelle Unterkapitel und all ihre Szenen angeordnet sind. Genau so wird dann unser Gesamtdokument aussehen, das es natürlich auch in Patchwork gibt.

Screenshot PatchworkDie horizontale Gliederung (2) ist ausschließlich für Sie als Autorin interessant. Idealerweise sollte die zwar auch von den Hauptkapiteln links nach rechts immer mehr ins Detail gehen, Muss ist das aber keines. Man kann also durchaus nur in einer horizontalen Ebene – also alles ist ganz links außen – arbeiten; für das Ergebnis ›Buch‹ spielt das, wie gesagt, keine Rolle. Aber es ist sehr praktisch, wenn man je nach Bedarf Teile des Buchs ausblenden, also zuklappen kann. Ein weiterer Vorteil der horizontalen Gliederung ist die Angabe von Zeichen- Wort- und Seitenzahlen. Die werden nämlich kaskadenmäßig hochgerechnet, man sieht also nicht nur die Anzahl pro Szene, sondern auch aller übergeordneten Ebenen, der Unterkapitel, Kapitel bis hin zu den Projektsummen, die in der Fußzeile des Programmfensters zu finden sind.

Im hier vorliegenden Romanprojekt haben wir sogar drei Teile (3). Sie haben zwar das Kennzeichen ›Hauptkapitel‹, sind aber übergeordnete Teile-Überschriften. Das ist sehr praktisch, weil die Teile, die man gerade nicht benötigt, einfach durch Zuklappen auf eine Zeile reduziert werden können. Mit dieser Logik können wir mühelos noch eine Ebene höher gehen und sogar mehrere Bände einer Reihe in einem Projekt beherbergen; einfach, indem wir davor noch eine weitere Ebene anlegen. Der Vorteil davon liegt auf der Hand: Wir haben sämtlich Figuren, Schauplätze und weitere Requisiten stets zur Hand, egal, ob Band 1 oder 7.

Arbeitet man mit mehreren Teilen, haben diese Hauptkapitelcharakter und die eigentlichen Kapitel sind Unterkapitel. Damit diese trotzdem auf einer neuen Seite starten, verpasst man allen außer dem ersten das Kennzeichen Seitenwechsel (Kontextmenü (re. Maustaste) Kapitelübersicht › ‚Seitenwechsel bei Unterkapitel‘). Optisch wird dieser Seitenwechsel durch den blauen Hintergrund angezeigt (4).

Die Kapitelüberschriften sind vielseitiger als bei Volltextprogrammen, also nicht nur eine reine Überschrift. Haupt- und Unterkapitelüberschriften werden angedruckt, das Hauptkapitel auf einer neuen Seite, das Unterkapitel auf der gleichen Seite mit etwas Abstand. Wir können aber auch bei diesen zwei Umbruchsarten Zusatzinformationen unterbringen. Das geschieht ganz einfach so, indem wir diese in eckige Klammern setzen. Alles in diesen [Klammern] wird hier zwar angezeigt (5), aber weder in das Gesamtdokument noch ins eBook ausgegeben.

Bei den weiteren Ebenen (Szenenwechsel groß, mittel, klein (***-Absatz, Leerabsatz und nur Absatz) wird die Überschrift nicht angedruckt, sondern ist reine Information für den Autor (6), was sich in der Praxis als sehr hilfreich erweist. Allerdings kann man trotzdem Ausnahmen von der Regel erzwingen: Gibt man nämlich bei einem großen Szenenwechsel (***-Absatz), mittleren (Leerabsatz) oder kleinen (nur neuer Absatz, also nicht als Wechsel erkennbar) im Titel etwas ein, das von je einem Nummernzeichen flankiert wird – etwa #1# – dann wird in diesem Fall die 1 vor der Szene wie eine Unterkapitelüberschrift ausgegeben.

Das Denken in Szenen bedeutet zwar eine kleine Umstellung, wenn man von einem der Volltextprogramme kommt, diese Mühe wird aber schnell durch viel flexibleres Arbeiten belohnt und bald mehr als ausgeglichen.

Umstieg von einem Volltextprogramm auf Patchwork

Nachdem wir uns nun mit der Szenenlogik angefreundet haben, stellt sich die Frage, wie man ein Projekt, das schon zu einem Teil oder ganz vorhanden ist, am einfachsten nach Patchwork übernimmt. Das bedeutet in der Tat auch bei dreihundert Seiten kaum mehr Aufwand als eine Viertelstunde.

Das Wichtige dabei ist die Frage, wie man den ganzen Text in Szenen aufteilt. Natürlich könnte man das per Kopieren-und-Einfügen, aber das ist mühsam und ließe sich nicht in fünfzehn Minuten erledigen. Um es schnell zu bewerkstelligen, gibt es den Programmpunkt Smart-Import. Dafür sind zwei Schritte zu tun.

  1. Im zu übernehmenden Projekt sollen die Haupt- und eventuellen Unterkapitelüberschriften fett formatiert sein. Der Einfachheit halber, um keinen Word-Konverter installieren zu müssen, sollte man die Datei gleich im RTF-Format speichern.
  2. Ein neues Projekt anlegen und mit dem Programmpunkt Smart-Import übernehmen (Hauptmenü › ‚Datei‘ › ‚Smart Import für große Texte‘).
    Damit hat man den Text in wenigen Minuten in Patchwork vorliegen.
    Zum Smart-Import gibt es auch ein eigenes Tutorial und Video.

Das Gesamtdokument in Patchwork

Natürlich gibt es auch in Patchwork ein Gesamtdokument, wie man es von den Volltextprogrammen her kennt. Dieses wird allerdings immer erst auf Bedarf per Mausklick neu generiert. Der große Vorteil davon besteht in der automatischen Formatierung. Mit Patchwork zu arbeiten bedeutet, sich nie wieder groß um die Formatierung seiner Bücher kümmern zu müssen. Wie funktioniert das?

Bei der Generierung des Gesamtdokuments (Hauptmenü › ‚Datei‘ › ‚Als Gesamtdokument ausgeben: Druck, Export, PDF‘) und des eBooks (Hauptmenü › ‚Datei‘ › ‚Als eBook ausgeben (nicht bei Drehbuch)‘) geht Patchwork folgende Schritte durch. Die Punkte sind rein informativ, für eine genauere Beschreibung des Publizierens gibt es ein eigenes Tutorial.

  1. Patchwork nimmt die voreingestelle Seitenvorlage, die es sich dann bei Änderung, wie auch alles andere, projektbezogen merkt. Diese Seitenvorlagen – es geht dabei lediglich um die Seiten- und Rändermaße – kann man in den Einstellungen im Bereich eBook/Druckausgabe auswählen beziehungsweise eigene hinzufügen. Für das normale Printbuch bei CreateSpace oder BoD ist bereits alles vorhanden. Für eBooks sowieso.
  2. Dann wird die Titelei eingespielt, die man ebenfalls in den Einstellungen im selben Bereich adaptieren kann. Dabei handelt es sich um ein vorgeschlagenes Schema, das man mit dem Neueinstieg in Patchwork einmal geringfügig im Bereich des Impressums anpassen muss. Es gibt vier solche Titelei-Vorlagen, eine für das eBook, zwei für Print und eine fürs Drehbuch.
  3. In den Titeleien sind Platzhalter, einige davon mit Codes zwischen Prozentzeichen gekennzeichnet (z.B. %titel%) Diese Platzhalter werden durch die Eckdaten aus den Eckdaten des Projekts ersetzt: Buch- und Autorenname, eventuelle ISBN, Impressumserweiterung, Widmung.
  4. Anschließend werden alle Szenen in der vertikalen Reihenfolge übernommen (Menü ‚Projekt‘ › ‚Gesamtdokument‘ (= Textausgabe/Druck/PDF für Print) bzw. ‚eBook erstellen‘), wie sie in der Kapitelübersicht festgelegt wurde. Das Feld Titel wird dabei zur Kapitelüberschrift, die Epigraphen werden eingearbeitet. In der Szene braucht man deshalb nur reinen Text einzugeben und keine Überschriften, wie man das von den Volltextprogrammen her gewöhnt ist.
  5. Im letzten Schritt wird – so angegeben – beim Gesamtdokument für den Druck das optionale Inhaltsverzeichnis generiert und vorne oder hinten eingefügt. Beim eBook geschieht das automatisch immer, und zwar so, wie es die eBook-Konventionen fordern. Beim eBook muss allerdings auch das Cover mit eingearbeitet werden (Hauptmenü › ‚Datei‘ › ‚Projekt-Eckdaten und Exposé‘ und dort dann beim Reiter ‚Cover‘).
  6. Dieses Gesamtdokument sollte man unbedingt kontrollieren, bevor man es als PDF-Datei zum Druck weitergibt! Aber dafür gibt es eigenes Tutorial.

Beim Gesamtdokument, das 1:1 für den Druck verwendet wird, in Form einer PDF-Datei, ist etwas mehr zu tun. Für den Druck hat man mehr Einfluss auf die Gestaltung – und auch die Notwendigkeit (rechte Seiten korrekt, Umbrüche kontrollieren …). All das spielt beim eBook keine Rolle, da ja die Optik readerabhängig ist. Deshalb ist auch die eBook-Erzeugung (epub- und mobi-Format) nur ein Knopfdruck – oder besser: Mausklick.

Zu dem gesamten Veröffentlichungsprozess gibt es aber ein eigenes Tutorial unter dem Titel Bücher und eBooks publizieren.

Wie man sieht, braucht man sich lediglich ums Schreiben zu kümmern, während Patchwork die Ausgabe für Print und eBook praktisch zur Gänze übernimmt.

Trotz Szenen direkt eine Art Gesamtdokument

Natürlich ist es viel zu mühsam, jedesmal ein Gesamtdokument zu generieren, wenn man den ganzenText durchblättern möchte – abgesehen davon, dass dort gemachte Änderungen nicht in die Szenen zurück-übernommen werden.

Um dennoch das Feeling des Blätterns durch den gesamten Text haben zu können, bietet Patchwork eine simple, speziell dafür gemachte Blättermethode:

Innerhalb einer Szene kann man ja mit [Bild hoch] und [Bild runter] blättern.

Steht man unten an, so gelangt man mit [Strg+Bild runter] zum Beginn der nächsten Szene.

Blättert man hingegen zurück, also mit [Bild hoch] bis zum Szenenanfang, kann man von dort aus mit [Strg+Bild hoch] zum Ende der vorhergehenden Szene gelangen. So kann man also ebenfalls per Tastatur durchblättern, hat aber trotzdem alle Szenenfeatures zur Verfügung.

Sie haben nun eine Menge über Szenen gelesen, auch, über welche Funktion ein ganz oder teilweise bestehender Text nach Patchwork hereinkommt und auch, was schließlich daraus wird. Sie haben gesehen, dass sich das kleine Umdenken vielfach auszahlt und Sie mit der Szenenorganisation von Patchwork einen effizienten Helfer zur Seite haben. Abgesehen davon haben wir von vielen Anwendern gehört, dass das Schreiben auf diese Weise einfach mehr Spaß macht.

Im Video zu diesem Tutorial können Sie den Ablauf zurückgelehnt bei einer Tasse Tee in entspannter Form auch visuell-akustisch zu sich nehmen.

Wir freuen uns auf unser nächstes tutoriales Beisammensein!

Link zum Video

Martin Danesch


Schreibsprints mit WriteMonkey

Gerade im NaNoWriMo ist es wichtig, innerhalb der knappen Zeit, die einem zum Schreiben zur Verfügung steht, möglichst gut voran zu kommen. Schließlich will man innerhalb von nur 30 Tagen ein komplettes Roman-Manuskript von mindestens 50.000 Wörtern in den Computer hämmern.

Ein probates Mittel, um einen gleichbleibend hohen Output zu erzielen, sind Schreibsprints. Dabei stellt man einen Timer auf eine bestimmte Zeit (beispielsweise 10 Minuten) und versucht dann, innerhalb dieser Zeit möglichst viel zu schreiben – mindestens jedoch eine bestimmte Anzahl von Wörtern.

Gerade während des NaNoWriMos sind Schreibsprints praktisch, um sicherzustellen, dass man tatsächlich so gut wie geplant vorankommt. Sagen wir, dass Sie Ihren NaNoWriMo-Roman recht gut vorgeplant haben und die Rohfassung mit mindestens 1.200 Wörtern pro Stunde runterreißen wollen, damit Sie in 90 Minuten pro Tag Ihr statistisches Tagessoll (50.000 Wörter / 30 Tage = 1.667 Wörter pro Tag) nicht nur erreichen, sondern sich sogar noch einen kleinen Puffer aufbauen.

Es ist wesentlich einfacher, über den Tag verteilt immer wieder mal zwischendurch 10 Minuten Zeit fürs Schreiben zu finden, als 90 Minuten am Stück freizuschaufeln. Wenn Sie die 1.200 Wörter pro Stunde also auf sechs Schreibsprints á 10 Minuten aufteilen, müssten Sie je Schreibsprint 200 Wörter schaffen.

Doch wie sehen Sie während des Schreibens, ob Sie gut im Plan liegen? Dies ging früher sehr gut mit dem Programm „Write Or Die“ von Dr. Wicked, doch während die erste Version zwei sich langsam füllende Balken für Wordcount und Zeit zeigte, an denen man jederzeit exakt ablesen konnte, ob man gut im Rennen liegt, wurde dieses nützliche Feature leider bei der ansonsten optisch aufgewerteten Version 2.0 weggelassen

Es gibt allerdings die Möglichkeit, das Schreibprogramm WriteMonkey so zu konfigurieren, dass es für Schreibsprints perfekt geeignet ist. Ich zeige Ihnen in diesem kurzen Tutorial, welche Einstellungen Sie vornehmen müssen, um WriteMonkey zum perfekten Tool für Schreibsprints zu machen.

Screenshot WriteMonkey

Aktivieren Sie in den Optionen im Reiter „Bildschirmelemente“ den grafischen Fortschrittsbalken. Wie breit dieser Balken dargestellt werden soll, können Sie direkt darunter einstellen.

Durch diese Option wird der Wordcount des aktuellen Dokuments nicht mehr nur als Zahl, sondern zusätzlich auch als Balken in Relation zur geplanten Länge des Dokuments angezeigt.

Vor dem Start eines neuen Schreibsprints drücken Sie in WriteMonkey F6 (= Segmentfokus aktivieren), um den bisher geschriebenen Text auszublenden. Egal, wie lang Ihr Manuskript bereits ist – der bisherige Text wird nun ausgeblendet und beim Wordcount nicht mehr mitgezählt. Sie beginnen also mit jedem neuen Schreibsprint wieder bei null.

Wenn Sie erneut F6 drücken, wird der Segmentfokus aufgehoben und das komplette Manuskript wieder eingeblendet. Es besteht also nicht die Gefahr, durch den Segmentfokus Daten zu verlieren – hierbei wird wirklich nur der zuvor geschriebene Text ausgeblendet.

Nachdem Sie mit F6 den Segmentfokus aktiviert haben (der Bildschirm ist also leer, der komplette Text ausgeblendet), drücken Sie F12 für die Textstatistiken.

Screenshot WriteMonkeyHier können Sie den Fortschrittszähler aktivieren (oberer roter Rahmen) und die Anzahl der Wörter festlegen, die Sie innerhalb des kommenden Schreibsprints schreiben wollen.

Im unteren Bereich „Schnellschreiben“ aktivieren Sie den Countdown-Zähler (Häkchen setzen, Zeit auf beispielsweise 10 Minuten einstellen).

Sobald Sie so weit sind, dass Sie mit dem Schreibsprint beginnen wollen, klicken Sie auf „Start“ und schließen das Fenster mit OK.

Screenshot WriteMonkeyWährend Sie nun konzentriert an Ihrem Manuskript schreiben, füllt sich langsam der Fortschrittsbalken am unteren Rand. Sobald Sie Ihr Soll (in unserem Beispiel 200 Wörter) erreicht haben, beginnt der Balken am linken Bildschirmrand von vorne – diesmal allerdings in Rot, um zu zeigen, dass Sie das Ziel nicht nur erreicht, sonderns sogar schon überschritten haben).

Die kleine Markierung über dem Fortschrittsbalken (siehe Pfeil) ist der Countdown-Uhrzeiger, der langsam in Richtung des rechten Bildschirmrands wandert. Erreicht der Zeiger den rechten Rand, ist die Zeit um.

Durch diesen kleinen Trick sehen Sie jederzeit auf einen Blick, wie Sie im Rennen liegen. Solange der Countdown-Uhrzeiger den Balken für den Wordcount nicht überholt, liegen Sie gut im Rennen. Hängt dieser Sie ab und wandert schneller nach rechts, als Ihr Wordcount-Fortschrittsbalken wächst, sind Sie zu langsam und müssen einen Zahn zulegen.

Nach Ende des Schreibsprints drücken Sie wieder F12 und klicken zum Abschluss auf den Button „Stop/Zurücksetzen“.

Um direkt nach Ablauf der Zeit den nächsten Schreibsprint zu starten, können Sie die Sache abkürzen: Falls Sie kein neues Manuskript begonnen hatten, sondern anfangs mit F6 Ihr bisheriges Manuskript ausgeblendet hatten, drücken Sie F6, um alles wieder einzublenden. Drücken Sie anschließend erneut F6, um den Segmentfokus wieder für den nächsten Schreibsprint zu aktivieren. Der Bildschirm müsste anschließend wieder leer sein und der Wordcount auf 0 stehen.

Drücken Sie F12 für die Textstatistiken, Stoppen Sie den Timer mit „Stop/Zurücksetzen“ und starten Sie ihn anschließend direkt wieder mit „Start“ neu. Verlassen Sie das Fenster mit „OK“ – und der nächste Schreibsprint beginnt sofort.

Probieren Sie es einfach einmal aus – es ist äußerst motivierend. Sie können diese Technik auch nutzen, um beispielsweise Anthony Trollope nachzueifern, der dafür bekannt war, während seiner morgendlichen Schreibsessions alle 15 Minuten 250 Wörter (also eine Seite) seines aktuellen Roman-Manuskripts zu schreiben. In diesem Sinne: Do the Trollope! ;-)


Patchwork-Tutorial: Outline – Die Projektübersicht

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkZweck der Outline-Ansicht ist eine bessere Übersicht über die Szenen eines Werks.

Screenshot Patchwork

Bild zum Vergrößern anklicken

Es wird dafür kein eigenes Fenster geöffnet, sondern die Kapitelübersicht erweitert und zwar – außer man gibt es in den Einstellungen anders an – zu Ungunsten der Reiter mit Text, Timelines und Kreativboard.

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Patchwork-Tutorial: Szenencheck, -typ und Spannungskurve

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkMit diesem Tutorial begeben wir uns ein wenig in die Lüfte. So, als ob wir, wie von einer Wolke aus, die Landschaft unseres Texts betrachten würden. Die drei in der Überschrift erwähnten Fähigkeiten sind über ein einziges Fenster zugänglich. Doch es handelt sich um zwei Themen: den Szenentyp mit der daraus resultierenden Spannungskurve hier und den Szenencheck dort.

Die Funktionen Szenencheck, -typ und Spannungskurve sind nicht nur ein reizvolles Feature, sondern sie bringen uns dazu, uns auf einer anderen Ebene mit den Szenen zu beschäftigen – und das, ohne dass es groß auffällt. In der Folge tragen sie erheblich dazu bei, den zukünftigen Leser besser an die Szenen zu binden, was wiederum stark zum Erfolg unseres Werks beiträgt. Dies sind Funktionen in Patchwork, die zu Unrecht ihr Dasein meist unerkannt oder doch nur im Verborgenen fristen. Weiterlesen

Patchwork-Tutorial: Kontexte und Figurenwissen

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkKontexte und Figurenwissen – den Durchblick behalten

Kontexte – was ist das denn?

Die Küche ist zum Tatort geworden. Nicht für einen Apfelstrudel oder ein Curryhühnchen, sondern Bruno liegt am Boden, das Tranchiermesser in der Brust, eine Lache Blutes ist von dem Fleckerlteppich aufgesogen worden und mittlerweile dunkelrot geronnenen.

Der Frau des Hauses scheinen die Nerven durchgegangen zu sein ob der Ignoranz ihres seit dreißig Jahren Angetrauten – und das bei all ihren hingebungsvollen Bemühungen.

Dieser Entladung im Affekt gehen einige Szenen voran, in denen der Leser das Zunehmen des Innendrucks Adelheid Kruses miterleben kann. Doch so einfach der Fall auf den ersten Blick scheint, als so verworren wird er sich im Verlauf der Geschichte herausstellen. Denn Adelheid schien gar nicht zu Hause gewesen zu sein. Auch stand ein Gericht auf dem Herd, das nicht zu ihrem Repertoire gehört. Eine Trittbrettköchin? Brunos Geliebte? Die Nachbarin, die Zugleich Brunos Ex ist? Tja …

Egal, auf jeden Fall wird viel um den Tatort geschehen. Die Nachbarn werden befragt, der Kommissar wird ein paar Mal dort sein, die Küche wird amtlich versiegelt, das Siegel wird aufgebrochen und eine Bombe wird in der Küche explodieren.

Nicht nur Krimileser denken mit, glaube ich. Wenn bei der ersten Szene Küchentür und Fenster gegenüber liegen und beim Kommissarbesuch über Eck, wenn es bei der ersten Auseinandersetzung eine Anrichte dort gab, wo später der Kühlschrank steht oder wenn der Fleckerlteppich im Laufe der Geschichte einmal blau, einmal gestreift und dann wieder beige ist – das alles sind Sachen, die den Leser zu einem ungewollten Stirnrunzeln verleiten. So etwas sollte nicht passieren.

Tut es auch nicht, denn als gewissenhafte Autorin blättern wir immer wieder brav zurück und suchen, wie wir den Tatort beschrieben haben. Nur – auf welcher Seite stand das? War das beim ersten Streit? Oder beim Besuch von Schöttlers, die schon damals den Kopf schüttelten wegen Bruno Kruses Reaktion auf die süßsauren Nieren, die doch sein Lieblingsgericht waren?

Speziell wenn man ein Buch nicht in einem Rutsch durchschreibt, hat man nicht mehr alles im Kopf, was wann wie aussah, geschah, gesagt oder verstanden worden war. Bei mir hilft selbst der Rutsch nicht, denn ich bin mir auch so mitunter nicht mehr ganz sicher.

Fazit: Um sicherzugehen, was wann, wie, wo und warum geschah, muss man immer wieder nachschlagen. Und das ist lästig und eigentlich sinnlose Zeitverschwendung.

Und genau hier kommen, nach langer Einleitung, die Kontexte ins Spiel.

Nehmen wir die Krusesche Küche als Beispiel. Wir legen einen Kontext an mit der Bezeichnung ›Küche Kruse‹. Ein Kontext ist sozusagen eine Schachtel, in die wir Zettelchen sammeln, die damit zusammenhängen. Dank IT geht das aber einfacher. Wir brauchen lediglich im Text überall dort eine Nadel einpieksen, wo die Küche zur Sprache kommt. Ergänzen kann man den Link idealerweise mit einem Hinweis, was gerade geschieht: ›Erstmals‹, ›Erste Auseinandersetzung‹, › Schöttlers Besuch‹, ›Der Tote wird entdeckt‹, ›Kommissar Hagedorn am Tatort‹, ›Tatort versiegelt‹ und so weiter. Einfach bei jedem Vorkommen des Tatorts, an dem es Beschreibungen geben kann, fügen wir eine Kontextverknüpfung ein. Entweder gleich beim Schreiben – wenn wir den Nerv dazu haben – oder beim ersten Durchgehen.

In Patchwork einen Kontext anlegen

Konkret können wir das im Demoprojekt verfolgen. Dabei handelt es sich um eine Geschichte, die aus einer flachen Patchwork-Beschreibung steigt und zu einem kleinen realen Krimi wird. An einigen Stellen merkt man, dass mit der flachen Story vom Anfang etwas nicht ganz mit rechten Dingen zugeht. Hätte man die Möglichkeit der Kontexte nicht, müsste man an jede dieser Stellen eine Notiz einfügen. Nur fehlte dann trotzdem der Zusammenhang.

Screenshot Patchwork 1

(Klick auf das Bild zum Vergrößern)

»Ich verrate Ihnen etwas …«, (1) sagt Figlia Due in der Geschichte und das ist einer dieser Momente.  Wir wollen uns diese Stelle merken. Also positionieren wir den Cursor dort im Text und klicken auf den Button für die Kontexte (2). Das Kontextfenster (3) öffnet sich, beim ersten Mal ist es leer.

Ein Kontext (4) ist ein Überbegriff für zusammenhängende Geschichtenteile, sozusagen ein Ordner, wie vorhin gesagt eine Sammelschachtel. Bevor wir ihm unseren Textteil zuordnen können, müssen wir diesen Kontextordner anlegen. Wir klicken also auf den dafür vorgesehenen Knopf (5) und geben in dem folgenden Dialog ›Vorahnungen‹ ein, womit der Ordner angelegt und auch gleich beschriftet wird. Ist der Ordner schon vorhanden, können wir bei einem weiteren Mal mit dem nächsten Schritt fortfahren:

Wir ordnen unsere Textstelle dem Kontext Vorahnungen zu. Ein Klick auf den Button (6) und der Eingabedialog (7) öffnet sich. Spätestens jetzt taucht der Cursor-Marker (das rote Plus neben (1)) auf, damit wir sehen, wo wir den Kontextbezug im Text verankern. Gleichzeitg ist die neue Kontextzeile (8) bereits angelegt worden, die in der Spalte Kontext/Fundort auf die Szene verweist, in der sich der Text befindet. In dem Dialog geben wir einen kurzen (!) Kommentar ein, worum es geht. Hier plaudert Figlia Due etwas zur Vorahnung aus. Mit [Enter] oder Klick auf [Ok] wird die Zeile vervollständigt (8).

Der Umgang mit Kontexten

… ist simpel: Das Fenster lässt sich jederzeit über die Schaltfläche (2) abrufen; man kann aber auch im Text einfach auf den Pin klicken, womit man sogar direkt zu diesem Kontextverweis gelangt.

Kontextreferenzen lassen sich mit der Maus verschieben, um die Reihenfolge zu verändern. Mit einem Doppelklick auf die Kontextzeile (8) gelangt man direkt zu dieser Textstelle. Den Infotext kann man jederzeit ändern, indem man ihn überschreibt.

Rechts neben Knopf (6) ist die Schaltfläche zum Löschen von Kontextzuordnung und, wenn der Ordner leer ist, auch des Kontexts selbst. Der Pfeil daneben bewirkt dasselbe wie ein Doppelklick auf die Kontextzeile: in den Text springen. Und mit der Schaltfläche mit den Linien kann man sich auch mehrzeilige Kontext-Infotexte anzeigen lassen. Lange Infotexte sollte man aber vermeiden, in der Kürze liegt die Würze – auch wenn man etwas nachdenken muss, immer eine gute Übung.

Figurenwissen

Auf die Idee zu dieser Erweiterung brachte mich Richard Nordens Artikel »Wer darf was wann wissen – und was weiß der Leser?« Schon während des Lesens wurde ich mir dieser praktischen Erweiterung der Kontexte bewusst. Bereits in Version 1.63 gab es deshalb das ›Figurenwissen‹. Diese Kontexterweiterung ermöglicht die Angabe, wann wer von dem Kontext erfährt. Dabei kann ›wer‹ jede angelegte Figur sein und auch der Leser.

Auf diese Weise kann man eben mal nachsehen, wer bereits schon von etwas wusste oder wann jemand davon erfährt. Wer bereits etwas wusste bezieht sich auf den Anfang der Geschichte. So weiß zum Beispiel die Mutter von der Geburt ihrer Tochter und der Freund vom aktuellen Wohnort des Protagonisten. Der Leser hingegen weiß noch gar nichts, wenn er das Buch zur Hand nimmt. Aber auch Figuren erfahren vieles erst im Verlauf der Geschichte und es ist oft ausschlaggebend, wann eine Figur davon erfährt. Speziell bei kniffligen Geschichten wie Krimis spielt das eine große Rolle.

Screenshot Patchwork 2

(Klick auf das Bild zum Vergrößern)

Los geht es, indem man mindestens eine Figur in den Kontextbereich zieht; einfach links in der Figurenliste nehmen und irgendwo im Kontextfenster fallen lassen (1). Die Spalte ›Leser‹ (2) wird mit der ersten Figurenspalte automatisch miterzeugt. Jede Figur, die man so herüberzieht, erhält ihre eigene Spalte. Wir ziehen aber nur die Figuren in die Kontexte, die für diese Übersicht infrage kommen.

Für die Arbeit ist es übersichtlicher, alle Kontexte zuzuklappen (ein + vor jedem Kontext). Denn die Angaben betreffen üblicherweise den Kontext selbst und nur selten die Referenzzeilen, wie bei unserem Tatort-Beispiel.

Nun geht es um zwei Aspekte:

  1. Weiß eine Figur bereits von dem Kontext (vor der Geschichte?)
  2. In welcher Szene erfährt die Figur (der Leser) davon?

Der Leser wird immer nur durch die Geschichte davon erfahren, für ihn kommt a) nie in Betracht.

Die Durchführung selbst der zwei Kennzeichnungen ist einfach. Wenn eine Figur bereits zu Beginn der Geschichte davon weiß, dann stellen wir uns auf diese Zelle in der Matrix Kontext/Figur und drücken auf die Leertaste. Damit wird ein Haken in der Zelle eingetragen (3). Auf die gleiche Weise machen wir eine Zelle auch wieder leer.

Wenn eine Figur / der Leser erst im Lauf der Geschichte davon erfährt, dann ziehen wir diese betreffende Szene aus der Kapitelübersicht auf die Zelle (4). Da in einer Zelle wenig Platz zur Verfügung steht, kann man, um einen ausführlicheren Hinweis zu erhalten, auf die Zelle klicken. Dann wird in der nun erschienenen zweiten Fußzeile die ganze Herkunft angezeigt (5). Im konkreten Fall ist es das Kapitel ›3D‹ und darin das Unterkapitel ›Frühstück‹.

Wenn in einer Zelle ein solcher Szenenverweis steht, kann man durch Doppelklick zur dazugehörenden Szene springen.

Kontexte waren für mich eine der wichtigsten Erweiterungen gegenüber allen anderen Textprogrammen, weshalb sie bereits in Version 1.20 zum Einsatz kamen. Sie werden begeistert sein, wie Kontexte die Sucherei vereinfachen und das Figurenwissen Logikfehler verhindern hilft!

Link zum Video

Martin Danesch


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Patchwork-Tutorial: Die Timeline II

Gastartikel von Martin Danesch

PatchworkDie Timeline + Clips = organisches Plotten

Vor der Lektüre dieses Tutorials empfehle ich, sich das erste Timeline-Tutorial einzuverleiben, weil dieses hier Kenntnisse von der Timeline voraussetzt. In dem ersten haben wir erfahren, wie wir eine Timeline anlegen, den Zeitrahmen des gesamten Projekts festlegen, den Szenen ihre eigenen Zeitabschnitte zuweisen, was die Symbole bei den Szenenzellen bedeuten und wie man mit dem Datumspflücker effizient Daten ändert.

Nun soll es um ein wichtiges weiteres Instrument der Timeline gehen, eine große Hilfestellung für das Herstellen eines plastischen Gerüsts zu einem Projekt.

Vermutlich haben Sie zum Thema Timeline bisher allgemein, beziehungsweise aus dem Tutorial ›Timeline I‹, erfahren, dass man Szenen ein Datum und eine Zeit verpassen kann, wodurch diese dann in einer Zeit-Erzählstrang-Matrix dargestellt werden. Man erhält somit eine Übersicht zur zeitlichen Abfolge, sowie eine Gegenüberstellung der Aktionen in den einzelnen Erzählsträngen. Diese Zeitzuordnung geschieht üblicherweise während der Entstehung bis zur Fertigstellung der Geschichte und hat Kontrollfunktion, dient gewöhnlich weniger dem Entwurf.

Bei Patchwork lässt sich die Timeline aber bereits zum Plotten einsetzen, also bevor ein einziges Wort des eigentlichen Texts geschrieben wurde. Man kann so ein Werk bereits im abstrakten Planungsstadium mehrdimensional vor sich sehen.

Screenshot PatchworkErinnern wir uns an einen idealen Entwurfsablauf einer Geschichte mit Patchwork und komplettieren wir ihn nun um den Zeitaspekt:

Wir beginnen ganz vorne bei der Ideensammlung. Um unseren zentralen Begriff (in der Mitte) gruppieren zuerst die einzelnen Akte der Geschichte – drei, fünf oder mehr, je nach Umfang, Thematik und Komplexität. Um diese Planeten, die um das zentrale Thema kreisen, ordnen wir anschließend die Assoziationen an. Das geschieht im Clustering (Brainstorming) (1) und der Kreativmatrix (Auswertung der generierten Ideenpaare), wozu es auch ein eigenes Tutorial gibt.

Aus den so entstandenen Bildern lassen wir uns das Kreativboard bestücken (2), auf dem nun die einzelnen Geschichtenhäppchen auf Weiterverarbeitung warten. Hier wird nach Herzenslust ergänzt, erweitert, gelöscht, verschoben. Figuren gesellen sich dazu, ebenso Schauplätze und wichtige Objekte. Für diesen Prozess sollte man sich ausreichend Zeit lassen.

Nun lernen Sie etwas Neues kennen: Bereits hier kann ein weiteres Instrument ins Spiel kommen, der sogenannte ›Clip‹. Dabei handelt es sich um eine Art dritter Dimension zu den zwei bekannten: ›Szene‹ und ›Zeit‹.

Einen Clip können wir als Klammer betrachten, die  wir an unsere Szenen klemmen. Nehmen wir an, in unserer Geschichte ginge es unter anderem um ein geheimnisvolles Buch. Dieses Buch wird in einer Szene erstmals erwähnt, wird in einer anderen gesucht, wieder wo anders gefunden, geht verloren, wird wiedergefunden, gestohlen und so weiter. An jede Szene, in der etwas zum Buch geschieht, klemmen wir einen solchen Clip und schreiben darauf, was damit passiert. Weil wir jedoch nicht nur das Thema ›Buch‹ in unserer Geschichte haben, wird es eine ganze Menge Clips geben, die Personen repräsentieren, sich wiederholende Rituale, Orte, Gegenstände, ja sogar das Wetter, wenn es eine besondere Rolle spielt.

Wir haben also eine Anzahl verschiedener Clip-Themen, die wir verfolgen wollen: das Buch, Mister X, ein Voodoo-Ritual und so weiter. Weiter hinten werden Sie sehen, wie wir jedem dieser Themen eine unterschiedliche Farbe zuweisen, die sie uns auseinanderhalten lässt.

Nun zurück zum Kreativboard (2): Bereits hier können wir die Clips in den Text einflechten, denn wir wissen ja, wann der Leser von dem Buch erfährt und wann dazu die weiteren Ereignisse stattfinden.

Das Einfügen eines Clips in den Text erledigen wir, indem wir es irgendwo im Text innerhalb einer geschweiften Klammer notieren. Hier die Syntax dazu: {Buch: erstmals erwähnt}. Dabei spielt die Form eine Rolle: Thema – Doppelpunkt – Ereignis.

Der Text eines Elements im Kreativboard, in dem sich ja auch der Clip aufhält, wird beim Erstellen von Szenen an diese weitergereicht. Wenn wir also aus dem Kreativboard Szenen generieren lassen, finden wir bei ihnen im Pitch, dem Szeneninhalt, diesen Text wieder vor – mitsamt den darin eingestreuten Clips. Ab diesem Zeitpunkt werden der Szenenpitch und der Text im Element des Kreativboards beim Bearbeiten wechselseitig synchronisiert, es kann daher der Clip an beiden Orten bearbeitet (dazuerfasst, geändert, gelöscht) werden.

Zum Tragen kommen die Clips dann in der Timeline (4). Dort werden sie rechts an die Szenen angehängt (5).

In der Timeline weisen wir den Szenen, die zu Beginn noch alle am Startdatum hängen, ihre Zeitfenster zu und verlinken sie mit dem passenden Erzählstrang, woraus sich die klassische Timeline ergibt. Treu wandern die Clips mit ihrer Szene in jede Zeit mit, wohin Sie sie beordern.  Im Gegensatz zu Volltextprogrammen (wie Word, OpenOffice, LibreOffice, Papyrus, Textmaker) kann man sehr elegant mit Szenen arbeiten, ohne dass sie noch ein einziges Wort Text enthalten müssen. Und: Später, wenn wir dann schreiben, bleibt der Pitch erhalten und wir können kontrollieren und regulieren. Das ermöglicht uns, auf abstrakter Ebene ein detailliertes Projektgerüst zu bauen und es erst danach mit Fleisch zu füllen. Aber auch später liefern uns Timeline und Clips eine perfekte Übersicht.

Screenshot PatchworkHier sehen Sie die Zusammenhänge mit Bildausschnitten aus den betreffenden Programmbereichen:

Optional entwerfen wir unsere Geschichte im Kreativboard (1), aus dem wir automatisch Szenen generieren lassen können. Natürlich kann man auch direkt bei den Szenen beginnen; das Kreativboard ist aber flexibler, außerdem kann man dort auch Figuren, Schauplätze und Objekte einbeziehen, sowie derer aller Beziehungen visualisieren.

In der Kapitelübersicht verschieben wir sie dann beliebig, dem Ablauf angepasst. Zu jeder Szene gehört (rechts oben im Schreibfenster) der sogenannte Pitch (2), also eine straffe Zusammenfassung des Szeneninhalts. Dort taucht der Text aus dem Kreativboard-Element wieder auf. Wir können ihn hier ebenfalls bearbeiten. Beim Aufbau der Timeline pickt Patchwork die Clips heraus und klammert sie rechts an die jeweilige Szene (3), was im Detail so aussieht (4). Es können pro Szene auch mehrere Clips eingefügt werden (aber immer nur im Pitch-Text, nicht im eigentlichen Szenentext).

Wie wir dieser Grafik entnehmen können, gibt es drei Orte, an denen wir Clips bearbeiten können: im Kreativboard-Element (1), im Pitch der Szene (2) und im Datumspflücker in der Timeline (5), den wir schon aus dem ersten Timeline-Tutorial kennen. Ein Clipthema springt durch seine Farbgebung sofort ins Auge: Mamma im Demoprojekt zum Beispiel in Rot. Sehen wir uns an, wie die Clipthemen zu ihrer individuellen Farbe kommen.

Rechts oben in der Timeline-Werkzeugleiste finden wir eine Schaltfläche mit einem runden Farbsymbol (1). Ein Klick darauf öffnet das Fenster für die Farbzuweisung (2). Die Themen, die wir hier antreffen, wurden automatisch aus den Clips gebildet. Würde man sich dort einmal bei der Themenbezeichnung vertippen, gäbe es hier beim nächsten Aufruf zwei Themeneinträge, etwa ›Mamma‹ und ›Mama‹.

Screenshot PatchworkBei erstmaligem Betreten des Fensters waren alle vier Clipthemen (3) weiß wie hier Olga. Mit einem Doppelklick auf ein Thema öffnen wir die Farbtabelle (6). Dort stehen zwei Farbpaletten zur Verfügung. Die Standardpalette (7) und die Patchwork-Empfehlung (8), die auf Clips abgestimmt ist; die sollten nicht zu hell sein, um sich von den Pastellfarben der Timeline abzuheben.

Mit der Leertaste auf ein Clipthema lässt es sich deaktivieren – der Haken verschwindet (4); es werden in der Folge in der Timeline alle Clips zu diesem Thema nicht mehr angezeigt. Mit der Checkbox alle (5) können sämtliche Clipthemen aktiviert oder deaktiviert werden. Beide Funktionen kombiniert erlauben es schnell, nur ein bestimmtes Thema in der Timeline verfolgen zu können: alle wegschalten und ein bestimmtes wieder anzeigen lassen.

Da es möglich ist, bei einer Szene mehrere Clips einzutragen, kann es zu Bündeln kommen wie hier (9). Die Pfeile links dokumentieren die Zugehörigkeit. Liegen Szenen nahe beisammen, kann dadurch ein Clip oder eine benachbarte Szenenbezeichnung verdeckt werden. Um trotzdem nachlesen zu können, was dort steht, kann man Clips mit der Maus beiseiteziehen. Lässt man sie los, schnappen sie wieder an ihren angestammten Platz zurück.

Clips sind ein Missing Link zur professionellen Storyplanung. Sie erlauben Ihnen bereits auf der abstrakten Ebene des Konzipierens eine umfassende Sicht auf Ihr zukünftiges Werk: die Bausteine des Inhalts (Szenen), deren zeitliches Zusammenspiel (Timeline mit Erzählsträngen) und nun auch das Erscheinen wichtiger Figuren, Schauplätze, Gegenstände und Zustände durch die Clips.

Es lohnt sich, in diese Materie einzusteigen – ganz abgesehen davon, dass es Spaß macht!

Link zum Video

Martin Danesch


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