Wie lange dauert es, einen Roman zu schreiben?

Eine der in Schriftstellerforen (abgesehen von der ewigen Diskussion zwischen ‚Plottern‘ und ‚Pantsern‘) am häufigsten diskutierten Fragen ist, wie lange man eigentlich braucht, um einen Roman zu schreiben.

Meist werden diese Fragen von Romanautoren mit relativ wenig praktischer Erfahrung aufgeworfen, die sich entweder einen Überblick darüber verschaffen wollen, wieviel Zeit sie für ihren ersten Roman einplanen müssen oder aber (für die ehrgeizigeren unter ihnen) wie viele Romane sie innerhalb eines Jahres schreiben könnten.

Manchmal kommen solche Fragen auch von Autoren, die verunsichert sind, weil sie nach eigenem Empfinden schon viel zu lange an ihrem Roman arbeiten, ohne dass ein Ende in Sicht ist. Und die Ergebnisse solcher Diskussionen sind oft sehr interessant…

Früher war es üblich, dass Verlage nicht mehr als einen Roman eines Autors pro Jahr veröffentlichten. Wer als Verlagsautor mit der Präzision eines gut geölten Schweizer Uhrwerks jedes Jahr einen neuen Roman produzieren konnte, war damit also schon auf der sicheren Seite. Wer jedoch als Autor produktiver war und womöglich mehrere Bücher pro Jahr fertigstellen konnte, musste (sofern es sein Vertrag zuließ) parallel unter unterschiedlichen Pseudonymen schreiben und veröffentlichen.

Heute, im Zeitalter der Indie- und Hybrid-Autoren, sind diese Grenzen längst gefallen. Als Selbstverleger kann man so viele Bücher pro Jahr schreiben und veröffentlichen, wie man will. Die Leser dieser Autoren freuen sich, denn selbst der produktivste Autor kann niemals so schnell neue Romane schreiben und veröffentlichen, wie seine Leser diese verschlingen können.

Und da durch die entfallene ‚Torwächter-Funktion‘ der Verlage von Jahr zu Jahr immer mehr Romane (überwiegend nur noch im eBook-Format) veröffentlicht werden, heißt es mittlerweile oft, dass ein Roman pro Jahr längst nicht mehr ausreicht, um aus der Flut der Neuerscheinungen hervorzustechen und bei der Leserschaft in Erinnerung zu bleiben.

Viele Bestseller-Autoren veröffentlichen mittlerweile ein halbes Dutzend oder mehr Bücher pro Jahr. Werfen Sie nur mal einen Blick auf regelmäßigen Veröffentlichungen von Autoren wie Nora Roberts oder James Patterson. Und manche Indie-Autoren schaffen es sogar, alle ein bis zwei Monate einen (wenngleich meist recht kurzen) Roman auf den Markt zu werfen.

Kein Wunder, dass die Frage nach dem zeitlichen Aufwand für das Schreiben eines Romans in Foren so häufig diskutiert wird.

Im Kielwasser der neuen Devise, möglichst viele Bücher in möglichst kurzer Zeit zu veröffentlichen, kommen natürlich auch (speziell im englischsprachigen Raum) jede Menge Schreibratgeber von teils zweifelhafter Qualität auf den Markt, die einem beibringen wollen, wie man einen Roman in 90 Tagen, 60 Tagen, 30 Tagen, einer Woche oder sogar nur fünf Tagen schreiben kann.

All diese Buchtitel haben zwei Dinge gemeinsam: Erstens sind sie reißerisch und verlockend (so wecken sie das Interesse potentieller Leser) und zweitens haben sie nicht die geringste Aussagekraft.

Wenn Ihnen jemand glaubwürdig versichert, dass er seinen 300seitigen Roman innerhalb von gerade mal sechs Wochen geschrieben, überarbeitet und veröffentlicht bzw. an seinen Verlag geschickt hat, wissen Sie immer noch nicht, wie lange er an diesem Roman gesessen hat.

Erstens wissen Sie nicht, wieviel Vorarbeit schon in diesem Roman steckte, bevor der Autor den Startschuss gegeben und mit dem eigentlichen Schreiben begonnen hat. Manche Romanideen reifen jahrelang in den Köpfen ihrer Autoren (die teils während dieser Zeit auch noch einiges dazu recherchieren oder sich zumindest ausführliche Notizen machen), bevor der Autor das Gefühl hat, dass der Roman bereit ist, geschrieben zu werden. Die wenigsten Autoren starten die Stoppuhr in dem Moment, in dem sie die erste vage Idee haben oder gar erst mit der Suche nach einer geeigneten Romanidee beginnen.

Ideen, und besonders Ideen für so komplexe Projekte wie einen ganzen Roman, brauchen Zeit, um zu reifen und sich zu entwickeln. Natürlich gibt es auch Verfahren, mit denen man eine Romanhandlung innerhalb kürzerer Zeit durch intensive Planung und Recherche aus dem Boden stampfen kann, aber ob der Autor wirklich ‚von Null aus‘ begonnen hat, wissen wir nicht.

Sagen wir dennoch, dass besagter Autor lächelnd verkündet, dass er am ersten Tag der sechs Wochen nicht mehr als die grobe Idee hatte, einen Thriller über ein Attentat auf den japanischen Premier-Minister zu schreiben. Das erhöht die Aussagekraft von „gerade mal sechs Wochen“ nur unwesentlich. Schließlich wissen Sie nicht, wie viele Stunden der Autor innerhalb dieser vier Wochen für das Planen, Schreiben und Überarbeiten seines Romans aufgewendet hat.

Sechs Wochen sind 1008 Stunden. Wenn wir pro Tag noch 9-10 Stunden für Schlafen, Essen, Körperpflege und rudimentäre soziale Kontakte abziehen, bleiben innerhalb der sechs Wochen noch runde 600 Stunden übrig, die der Autor theoretisch in das Schreiben seines Romans gesteckt haben könnte.

Das ist schon eine ganz andere Zahl, als wenn wir davon ausgehen müssten, dass der Autor dasselbe Ergebnis mit 3 Stunden Arbeit pro Werktag und 5 Stunden an den Wochenenden geschafft hat (was in der Summe gerade mal 150 Stunden ergäbe).

Wenn überhaupt, ist also lediglich Angaben dazu interessant, wie viele Stunden man für das Schreiben eines Romans einplanen sollte. Wenn wir hierfür einen soliden Pi-mal-Daumen-Wert hätten, könnten wir anhand unseres eigenen wöchentlichen Schreibzeit-Budgets kalkulieren, innerhalb welcher Zeitspanne wir theoretisch einen kompletten Roman fertigstellen könnten.

Viele übertrieben enthusiastische Neu-Autoren ermitteln mit Online-Geschwindigkeitstests ihre Tippgeschwindigkeit in Wörtern pro Minute und kalkulieren dann kühn, dass sie mit einer Tippgeschwindigkeit von 50 Wörtern pro Minute die Rohfassung eines Romans von 90.000 Wörtern (also runden 360 Normseiten) innerhalb von runden 30 Stunden in den Computer hämmern können.

Wenn sie also eine Stunde pro Tag zum Schreiben erübrigen können, könnten sie nach dieser Rechnung jeden Monat einen kompletten Roman schreiben. Zieh dich warm an, James Patterson – hier naht jemand auf der Überholspur! Aber natürlich ist es in der Praxis nicht so einfach.

Schnell schreiben, äh, tippen zu können, ist natürlich für einen produktiven Schriftsteller eine feine Sache. Je geringer die Verzögerung durch die über die Tastatur fliegenden Finger ist, desto reibungsloser können wir unsere Gedanken zu Papier bzw. in den Computer bringen. Doch zum Schreiben von Romanen gehört immer noch das Denken.

Jeden Satz, jede Dialogzeile und jede Formulierung, die wir in den Computer hämmern, müssen wir uns gedanklich erst zurechtlegen. Natürlich werden wir auch dabei im Laufe der Jahre immer schneller – Übung macht auch hier den Meister. Aber dennoch kann auch der routinierteste Autor seine Manuskripte nicht einmal mit annähernd solchen Geschwindigkeiten wie hier kalkuliert zu Papier bringen.

Wenn man sich die Frage „Wie lange braucht man, um einen Roman zu schreiben?“ genauer betrachtet, findet man verschiedene Faktoren, die einen maßgeblichen Einfluss auf die ‚richtige‘ Antwort haben.

  • Der Umfang: Nach allgemeiner Definition spricht man ab 40.000 Wörtern (also runden 160 Normseiten) von einem Roman. Es ist offensichtlich, dass man für einen Roman von 160 Seiten deutlich weniger Zeit als für ein Mammutwerk von über 1.000 Seiten wie die epischen Fantasy-Romane von George R.R. Martin benötigt. Als guter Durchschnittswert für Romane gelten 90.000 Wörter bzw. 360 Normseiten.
  • Der Aufwand für Recherche und Worldbuilding: Je nach Genre (und Autor!) ist der Aufwand für Recherche und Worldbuilding unterschiedlich hoch. Je mehr man von ‚realistischen‘ Romanen in Richtung Science-Fiction oder gar Fantasy kommt, desto mehr verlagert sich der Löwenanteil des Aufwands von der Recherche hin zum Worldbuilding. Und je spezieller der Handlungsort oder die Epoche eines ‚realistischen‘ Romans ist, desto größer wird der Aufwand für die Recherche. Es ist logischerweise einfacher, einen Krimi zu schreiben, der in der eigenen Heimatstadt und in der heutigen Zeit spielt, als einen realistischen Roman zu schreiben, der im England des 12. Jahrhunderts spielt. Wenn man natürlich als Autor hier schon über ein profundes Fachwissen verfügt, relativiert sich die Sache wieder. Nicht umsonst sagt man gerne: „Schreibe über das, was du kennst“. Für Autoren wie John Grisham, der als Anwalt mit dem Schreiben von Justiz-Thrillern erfolgreich wurde, hat sich diese Devise bewährt.
  • Die Arbeitsweise: Ob man seinen Roman im Vorfeld akribisch plant, dann die Rohfassung schreibt und diese nur noch einmal überarbeiten muss oder ob man ohne Vorplanung direkt mit dem Schreiben beginnt und sich über mehrere Fassungen langsam in Richtung eines veröffentlichungsreifen Romans vortastet, hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Zeitaufwand für das Schreiben eines kompletten Romans.
  • Die Arbeitszeiten: Wer nur kurze Zeitfenster früh morgens, wenn er noch müde ist, oder spät abends, wenn er schon wieder müde ist, ins Schreiben investieren kann, wird unterm Strich für die Fertigstellung eines kompletten Romans deutlich mehr Stunden benötigen als jemand, der jeden Tag mehrere Stunden am Stück fürs Schreiben einplanen kann und auch noch die Zeiten dafür einplanen kann, während derer er am produktivsten ist. Mit der Salamitaktik kommt man natürlich auch ans Ziel (und oft ist sie für Autoren mit einem Vollzeitjob, Familie und Haushalt der einzige Weg, um überhaupt zum Schreiben zu kommen), doch durch die ‚Anlaufzeiten‘, bis man wieder so richtig tief in seinem Projekt drin ist und es so richtig gut läuft, verliert man in der Summe eine Menge Zeit, die man natürlich auf den gesamten Zeitbedarf für das Schreiben eines Romans draufrechnen muss.
  • Die Erfahrung: Ein unerfahrener Autor, der an seinem ersten Roman arbeitet, wird logischerweise für ein solches Projekt länger brauchen als ein routinierter Vollzeit-Autor, der seit Jahrzehnten professionell schreibt und schon Dutzende Bücher veröffentlicht hat. Gerade bei besonders produktiven Bestseller-Autoren ist es oft so, dass sie im Laufe der Zeit eigene Plot-Schablonen entwickelt haben, die zwar ihre Produktivität und ihren Output enorm steigern, aber auch dazu führen, dass manche Leser sich darüber beschweren, dass diese Autoren immer wieder Variationen derselben alten Geschichte schreiben.

Wenn wir uns also nicht nur aus reiner Neugier dafür interessieren, wie lange so ein Autor eigentlich an einem Roman schreibt, sondern auf der Suche nach Informationen sind, die wir auf unsere eigenen Romane und unsere persönliche Zeitplanung anwenden können, brauchen wir detaillierte Informationen, die all diese Faktoren berücksichtigen.

Das Problem ist, dass die meisten Autoren kein Autorenlogbuch führen, in dem sie ihren Zeitaufwand für einzelne Projekte bzw. deren einzelne Phasen im Detail festhalten. Sie können höchstens rückblickend abschätzen, wie viele Wochen oder Monate sie an einer bestimmten Phase ihres Projekts gearbeitet haben und wie viele Stunden sie im Schnitt pro Woche an ihren Schreibprojekten arbeiten.

Sehr interessant sind daher in diesem Zusammenhang die Ergebnisse einer Studie der amerikanischen Fantasy- und Science-Fiction-Autorin Holly Lisle, die zu diesem Thema insgesamt 380 Schriftsteller befragt hatte. Die Ergebnisse der Untersuchung sind nicht mehr unter dem ursprünglichen Link verfügbar, lassen sich über die Wayback-Machine aber weiterhin abrufen.

Im Schnitt arbeiteten die befragten Schriftsteller ca. 11-12 Stunden pro Woche an ihren Romanprojekten. Sie benötigten beim Schreiben ihrer Rohfassung eine gute halbe Stunde (34 Minuten) pro Normseite (= 250 Wörter), was bei einer durchschnittlichen Romanlänge von 90.000 Wörtern (= 360 Normseiten) runden 200 Stunden für das Schreiben der Rohfassung entspricht.

Die befragten 380 Schriftsteller benötigten im Schnitt 3-4 Revisionsdurchläufe, um ihre Rohfassung in einen veröffentlichungsreifen Stand zu versetzen. Bei einem durchschnittlichen Zeitaufwand von 64 Tagen pro Revisionsdurchgang kann man daraus ableiten, dass die Schriftsteller im Schnitt 375 Stunden für die Überarbeitung ihrer Romane benötigt hatten (also eine gute Stunde pro Normseite): 3,58 Revisionen * 64,4 Tage * 11,4 Stunden pro Woche / 7 Tage = 375 Stunden.

Diese Statistik ist die hohe Anzahl befragter Schriftsteller recht aussagekräftig. Man kann also schon einmal pauschal sagen, dass der durchschnittliche Romanautor ca. 30 Minuten für eine Seite Rohfassung und weitere 60 Minuten für die Überarbeitung(en) dieser Rohfassung benötigt.

In dieser Statistik fehlt allerdings ein ganz wichtiges Detail: die Zeit für die Planung und Vorbereitung eines Romans, bevor man mit dem eigentlichen Schreiben der Rohfassung beginnt – also der ganze Zeitaufwand für Ideenfindung, Worldbuilding und Recherche sowie die Planung der Handlung. Das ist ein Aufwand, den man in der Summe auch nicht unterschätzen sollte.

Doch auch wenn es hier aufgrund der sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen der befragten Autoren keine exakten Zahlen gibt, sind die Ergebnisse der Befragung dennoch sehr interessant: Runde 30% der Autoren lassen eine Idee gedanklich reifen und fangen dann ohne einen expliziten Planungsprozess mit dem Schreiben an. Zusammen mit den knapp 6% der Autoren, die sich direkt ans Schreiben stürzen, wenn ihnen eine neue Romanidee kommt, ergibt das einen Anteil von ca. 36% „Pantsern“, also Schriftstellern, die die Handlung erst während des Schreibens der Rohfassung entwickeln.

Die restlichen 64% „Planer“ benötigen, wenn man versucht, aus dem Rohmaterial der Befragung einen ungefähren Durchschnittswert zu ermitteln, im Schnitt ca. 65 Stunden für die Planung eines Romans. Rechnet man nun noch die 36% „Pantser“ ein, die Ideen lediglich gedanklich reifen lassen, bevor sie mit dem Schreiben beginnen, reduziert sich der Durchschnittswert über alle befragten Schriftsteller hinweg auf etwas über 40 Stunden.

Wenn wir aus diesem Zahlengerüst einen hypothetischen Durchschnitts-Schriftsteller basteln sollten, nennen wir sie Anja Autor, dann würde Anja für einen veröffentlichungsreifen Roman von 90.000 Wörtern ca. 600 Stunden benötigen, die sich auf 40 Stunden Planung, 200 Stunden für die Rohfassung und 360 Stunden für die Überarbeitung verteilen.

Da Anja auch bezüglich ihrer Schreibzeit exakt im Durchschnitt liegt und ca. 12 Stunden pro Woche für die Arbeit an ihren Schreibprojekten einplanen kann, benötigt Anja für einen Roman exakt ein Jahr (50 Wochen á 12 Stunden, womit noch zwei Wochen für den Sommerurlaub bleiben).

Als Vollzeit-Autorin mit einer Wochen-Arbeitszeit von 50 Stunden könnte Anja hingegen ein solches Projekt innerhalb von gerade mal 12 Wochen bewältigen und somit alle drei Monate einen neuen Roman veröffentlichen.

Natürlich sind all diese Werte wirklich reine Statistik, kommen aber meines Erachtens in der Summe relativ nah an die Wahrheit heran. Wenn also laut Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“ die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und allem „42“ ist, können wir die Frage, wie lange es dauert, einen Roman zu schreiben, jetzt mit ähnlicher Präzision mit „600 Stunden“ beantworten. ;-)

10 Tipps für den NaNoWriMo

In drei Tagen beginnt der diesjährige NaNoWriMo. Wie jedes Jahr seit Ende des letzten Jahrtausends werden sich auch diesmal wieder weltweit hunderttausende Schriftsteller und Hobbyautoren an die Aufgabe wagen, innerhalb von 30 Tagen ein Romanmanuskript von mindestens 50.000 Wörtern zu schreiben. Doch wie in den vergangenen Jahren wird es wohl auch dieses Jahr nur ungefähr jeder fünfte Teilnehmer erfolgreich über die Ziellinie schaffen.

Die folgenden 10 Tipps können Ihnen dabei helfen, den diesjährigen NaNoWriMo zu gewinnen.

1. Vorplanung

Die Regeln des NaNoWriMo besagen zwar, dass man nicht vor dem 01.11 mit dem Schreiben des eigentlichen Romans beginnen darf, doch eine gewisse Vorplanung wird sogar von den Organisatoren empfohlen.

Sie müssen dafür nicht zum Outliner werden, wenn Sie beim Schreiben lieber improvisieren und die Handlung zusammen mit Ihren Romancharakteren entdecken – eine grobe Handlungsstruktur, an der Sie sich beim Schreiben entlang hangeln können, reicht vollkommen aus.

Nutzen Sie also dieses Wochenende, um sich schon im Vorfeld möglichst viele Gedanken über Ihrem Romanfiguren und den (möglichen) Verlauf der Romanhandlung zu machen. Die Zeit, die Sie jetzt investieren, sparen Sie im Verlauf der nächsten 30 Tage doppelt und dreifach wieder ein.

2. Die richtige Einstellung

Erwarten Sie nicht, dass Sie während des NaNoWriMo einen fertigen, womöglich schon so gut wie veröffentlichungsreifen Roman zustande bekommen werden. Das, was Sie während des Novembers schreiben, ist nicht mehr als eine sehr frühe Rohfassung, die anschließend noch intensiver Überarbeitung bedarf.

Knebeln und fesseln Sie daher während des Novembers Ihren inneren Lektor und lassen Sie stattdessen Ihre kreative, chaotische Seite von der Leine. Die Rohfassung, die Sie während des NaNoWriMo produzieren, kann so holprig, hölzern und von Logikfehlern durchzogen sein, wie sie will. Sie ist dennoch eine fertige Rohfassung, mit der Sie anschließend arbeiten können und die Sie Schritt für Schritt verbessern und auf Hochglanz polieren können. Eine leere Seite können Sie hingegen nicht korrigieren.

Geben Sie sich daher selbst die Erlaubnis, ohne Rücksicht auf Stil, Rechtschreibung und Grammatik die Finger über die Tasten fliegen zu lassen und ggf. eine grottenschlechte Rohfassung zu produzieren, bei der sich Ihrem alten Deutschlehrer die Fußnägel aufrollen würden.

Denken Sie daran: Ihre chaotisch kreative Rohfassung braucht außer Ihnen niemals ein anderer Mensch zu Gesicht zu bekommen. Die Überarbeitung kommt später – und an dieses „später“ sollten Sie während des Schreibens der Rohfassung noch keinen Gedanken verschwenden.

3. Schreiben Sie schneller

Langsam und bedächtig zu schreiben und dabei jedes einzelne Wort mit der gedanklichen Goldwaage abzuwiegen, ist (nicht nur, aber ganz besonders) für den NaNoWriMo der falsche Ansatz: Je schneller Sie schreiben können, desto besser. Wer das Zehnfinger-System (aka Tastschreiben) beherrscht, ist ganz klar im Vorteil. Ein „zu schnell“ gibt es dabei nicht. Egal, wie schnell und geübt Sie sind – Ihre Finger werden immer langsamer als Ihre Gedanken sein, mit deren Geschwindigkeit nicht einmal ein Auktionator bei Sotheby’s mithalten könnte.

Je schneller Sie also schreiben und einfach nur ungefiltert die Worte aus Ihrer kreativen Ader aufs Papier (bzw. auf den Computermonitor) fließen lassen, desto mehr blenden Sie zwangsläufig Ihren lästigen inneren Lektor aus und desto mehr kommt Ihre ganz eigene Autorenstimme zum Vorschein.

Auch wenn Sie während des Schreibens vielleicht der Meinung sind, fürchterlich hölzernen, holprigen Schund fabriziert zu haben (was auch nicht weiter schlimm wäre – dafür gibt es später die Überarbeitung), werden Sie später (also nach dem Fertigstellen der Rohfassung) in vielen Fällen beim Durchlesen Ihres Manuskripts überrascht feststellen, dass viele Passagen dieser schnell heruntergeschriebenen Rohfassung doch gar nicht so schlecht sind und oft kaum noch überarbeitet werden müssen. Es ist fast nie so schlecht, wie man beim Schreiben glaubt. Meist braucht man nur den nötigen Abstand zum eigenen Text, um ihn ähnlich unvoreingenommen wie ein Leser betrachten zu können.

4. Aufgaben, Treffen und Freizeitaktivitäten

Verschieben Sie alles, was nicht unbedingt im November stattfinden muss, auf später, um sich so viel Freizeit wie möglich zum Schreiben frei zu schaufeln. Mit Freunden können Sie sich immer noch Anfang Dezember treffen, den Keller können Sie immer noch zwischen den Jahren aufräumen und die Ablage läuft Ihnen bis dahin auch nicht weg.

Auch Ihre Lieblingsserien und sonstige interessante Fernsehsendungen können Sie einfach auf Festplatte aufzeichnen – das verschafft Ihnen nicht nur wertvolle Schreibzeit im November, sondern sorgt auch dafür, dass Sie im Dezember und zwischen den Jahren genug interessante Sachen anzusehen haben. Und unterm Strich sparen Sie sogar noch jede Menge Zeit dadurch, dass Sie später beim Aufarbeiten die lästige Werbung im schnellen Vorlauf vorspulen können.

5. Machen Sie einen Deal mit Ihrer Familie

Treffen Sie eine Vereinbarung mit Ihrer Familie, dass Sie zwar im November relativ wenig Zeit für sie haben werden, dies aber im Dezember wieder gutmachen werden.

Sorgen Sie dafür, dass man Sie während des Novembers nicht beim Schreiben stört (ein aus dem Schreibfluss herausgerissener Schriftsteller ist bekanntlich reizbarer und unleidlicher als ein angeschossener Grizzly). Delegieren Sie Aufgaben im Haushalt an Familienmitglieder und plädieren Sie dafür, dass auch der Rest der Familie sich im November verstärkt mit Hobbys beschäftigt, die nicht Ihre Mitwirkung oder auch nur Anwesenheit erfordern. Ist der November nicht eine wundervolle Zeit für Puzzles? ;-)

Im Dezember können Sie dafür das Schreiben ja ein ganzes Stück zurückschrauben und ein paar schöne Unternehmungen mit Ihrer Familie machen, um die Fertigstellung Ihres Roman-Manuskripts zu feiern und Ihre Familie für die vergangenen ungeselligen Wochen zu entschädigen.

6. Reservieren Sie feste Zeiten zum Schreiben

Planen Sie schon im Vorfeld, zu welchen Zeiten Sie schreiben wollen. Sie können darüber hinaus natürlich auch bei jeder anderen sich bietenden Gelegenheit schreiben (jede zusätzliche Minute kann helfen, zusätzliche Wörter aufs Papier zu bringen und damit den magischen 50.000 Wörtern näher zu kommen), aber zu den festgelegten Zeiten machen Sie eben nichts anderes, als zu schreiben.

Wie viel Zeit Sie fest fürs Schreiben reservieren sollten, hängt von Ihrer Schreibgeschwindigkeit ab. Wenn Sie 1.000 Wörter Rohfassung pro Stunde schaffen (ein recht gemächliches Tempo von nicht einmal 20 Wörtern pro Minute), brauchen Sie ca. 50 Stunden für das Schreiben Ihres Romans, also ca. 13 Stunden pro Woche.

Das könnte in der Praxis so aussehen, dass Sie werktags morgens eine Stunde vor der Arbeit schreiben und abends nochmal eine halbe Stunde nach dem Abendessen. Wenn Sie dann Samstag und Sonntag noch jeweils mindestens drei Stunden zum Schreiben einplanen, sind Sie schon halbwegs auf der sicheren Seite.

Achten Sie darauf, die fest fürs Schreiben reservierten Zeiten eifersüchtig vor Störungen und anderen Aufgaben zu beschützen. Jede Minute, die Sie während dieser Zeiten nicht zum Schreiben verwenden, sorgt unterm Strich für ärgerliche Rückstände, die Sie später mühsam wieder aufholen müssen.

7. Schneller als der eigene Schatten

Genau wie Comic-Cowboy Lucky Luke dafür bekannt ist, schneller als sein eigener Schatten zu schießen, sollten Sie schneller als Ihr eigener Plan schreiben. Versuchen Sie, schon so früh wie möglich einen Vorsprung herauszuarbeiten und diesen nach und nach auszubauen, statt an faulen Tagen davon zu zehren.

Es kann immer mal etwas dazwischen kommen, das verhindert, dass man an einem Tag so gut wie in der Theorie geplant zum Schreiben kommt. An solchen Chaos-Tagen freut man sich, wenn man sich bereits einen beruhigend großen Vorsprung herausgearbeitet hat und nicht direkt in Rückstand gerät.

Abgesehen davon wird man es selten schaffen, eine Punktlandung hinzulegen und seine Romanhandlung mit exakt 50.000 Wörtern abzuschließen. Wenn Sie am Ende noch etwas Luft haben, kann Ihr Roman gerne auch schon in der Rohfassung etwas länger als 50.000 Wörter werden.

8. Das Wichtigste zuerst

Wenn Sie Ihren NaNoWriMo-Roman vorplanen, sollten Sie beim Schreiben mit den Szenen des Haupthandlungsstrangs beginnen und zunächst einmal die Handlung bis zum großen Finale herunter schreiben.

Lassen Sie die Szenen geplanter oder angedachter Nebenhandlungsstränge zunächst entweder ganz unter den Tisch fallen oder ersetzen Sie diese durch kurze Platzhalter – also eine summarische Zusammenfassung in 2-3 Sätzen, was in dieser Szene passieren soll.

Wenn Sie mit der Haupthandlung fertig sind und endlich das magische Wörtchen ENDE unter die letzte Seite schreiben können, ziehen Sie Zwischenbilanz. Wie weit sind Sie noch von den angepeilten 50.000 Wörtern entfernt und wie vielen Szenen dürfte das noch entsprechen?

Abhängig davon suchen Sie sich einen passenden Nebenhandlungsstrang aus und fahren mit dem Schreiben fort, indem Sie die Szenen dieses Handlungsstrangs Stück für Stück in die offen gelassenen Lücken der Haupthandlung einflechten.

Auf diese Weise haben Sie mit Sicherheit Ende November eine abgeschlossene Romanhandlung vorliegen, auch wenn vielleicht einzelne Nebenhandlungsstränge noch etwas ausgearbeitet und erweitert werden müssen.

9. Urlaub für den Endspurt

Wenn Sie noch ein paar unverplante Urlaubstage übrig haben, können Sie diese für Ende November einplanen. Wenn bis dahin mit dem Schreiben alles nach Plan läuft, können Sie die freien Tage einfach so genießen – aber falls Sie durch unvorhergesehene Komplikationen in Rückstand geraten sein sollten, können Sie jetzt noch einen Endspurt einlegen, um das Ruder noch einmal herumzureißen und es doch noch rechtzeitig über die 50.000-Wörter-Ziellinie zu schaffen.

10. Bleiben Sie locker

Vergessen Sie bei aller Planung und Disziplin niemals, dass es beim NaNoWriMo in erster Linie darum geht, Spaß zu haben. Machen Sie sich keinen Stress und verkneifen Sie sich zu hohe Erwartungen an die Qualität Ihrer Rohfassung.

Nehmen Sie sich selbst und Ihren eigenen Roman nicht zu ernst. Allein das trägt schon viel dazu bei, dass Sie den NaNoWriMo erfolgreich und ohne zerrüttetes Nervenkostüm hinter sich bringen werden.