Ungestört schreiben in lauten Umgebungen

Auch wenn für die meisten für uns der Idealzustand darin bestehen dürfte, das wir immer eine ruhige, stille und ablenkungsfreie Schreibumgebung haben, dürfte dies in der Praxis sehr häufig nicht der Fall sein. Ob wir nun in einem Café sitzen, wo sich Leute am Nachbartisch lautstark unterhalten, oder ob wir zuhause schreiben wollen, während unser Partner Fernsehen will oder die Kinder im Hintergrund lautstark spielen – oft müssen wir entnervt feststellen, dass es bei all dem Lärm kaum möglich ist, einen klaren Gedanken zu fassen oder sich womöglich auf die Suche nach einer gelungenen Formulierung zu konzentrieren.

Eine seit jeher beliebte Lösung, derart störende Geräusche auszuschließen, sind Ohrenstöpsel, die allerdings meist auch nicht gerade angenehm zu tragen sind und eine nach einiger Zeit durch die durch den Druck schmerzenden Ohren mindestens ebenso sehr vom Schreiben ablenken wie zuvor die störenden Umweltgeräusche. Die andere, bessere Lösung besteht darin, sich Kopfhörer aufzusetzen und so statt der störenden, zufälligen Geräuschkulisse im Hintergrund selbst zu bestimmen, was man während des Schreibens hört.

Radiosender oder Hörbücher sind hierbei naturgemäß absolut ungeeignet, da man hier fast schon automatisch aktiv zuhört und sich somit erst recht nicht mehr aufs Schreiben konzentrieren kann. dasselbe gilt generell für alle Arten von Musik mit Sprache. Selbst wenn wir die gesungene Sprache nicht verstehen, beschäftigt sie doch automatisch unser Unterbewusstsein und lenkt uns somit ab. Ruhige Instrumentalmusik ist schon geeigneter, weswegen viele Schriftsteller, die ich kenne, zum Beispiel gerne keltische Musik beim Schreiben im Hintergrund hören.

Wenn es einem aber nicht in erster Linie um eine angenehme Geräuschkulisse geht, sondern darum, die störenden Umweltgeräusche auszufiltern, sind gleichmäßige, monotone Geräusche weitaus besser geeignet. Denken Sie hierbei nur an die einschläfernde Wirkung des monotonen Ratterns eines fahrenden Zuges.

Je monotoner und gleichförmiger ein Geräusch ist, umso schneller wird es von unserem Unterbewusstsein ausgefiltert und von uns gar nicht mehr bewusst wahrgenommen. Jemand, der an einer belebten Straße wohnt, wird irgendwann das stetige Geräusch der vorbeifahrenden Autos, das ihn in den ersten Tagen fast in den Wahnsinn getrieben hat, gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Dasselbe gilt für Geräusche wie weißes Rauschen, rosa Rauschen oder braunes Rauschen. Wenn man erstmals damit anfängt, hiermit zu experimentieren, werden einen diese Geräusche in den ersten Minuten eher fürchterlich nerven, obwohl sie die Hintergrundgeräusche erfolgreich überdecken können. Doch noch einer kurzen Eingewöhnungsphase wird man feststellen, dass man das anfangs allzu störend empfundene Rauschen kaum noch wahrnimmt, sondern selbst in einer lauten Umgebung angenehm konzentriert arbeiten kann.

Wenn Sie auch einmal einen Selbstversuch starten wollen, können Sie sich entsprechende Soundsamples im Downloadbereich meiner Seite herunterladen. Diese ZIP-Datei enthält jeweils eine einminütige Sounddatei für weißes, rosa und braunes Rauschen.

Diese Hintergrundgeräusche können Ihnen dabei helfen, auch in lauten, unruhigen Umgebungen störungsfrei zu arbeiten, wenn Sie diese über Kopfhörer (wahlweise am Laptop über Ihren MediaPlayer oder mit einem beliebigen tragbaren MP3-Player) in einer für Sie angenehmen Lautstärke auf automatische Wiederholung geschaltet (ansonsten ist der Spaß nach einer Minute schon vorbei…) hören. Alle drei Dateien liegen im platzsparenden OGG-Format vor – Sie können die Dateien bei Bedarf natürlich auch problemlos ins MP3-Format umwandeln.

Zum Abspielen empfehle ich den kostenlosen MediaPlayer “Foobar2000“, der sich auch portabel auf einem USB-Stick installieren lässt, da dieser im Gegensatz zum Windows MediaPlayer, VLC oder dem MediaPlayer Classic das sogenannte “gapless playback” beherrscht: Hierdurch wird die Sounddatei, wenn man auf automatische Wiederholung stellt, ohne jegliche Pause wiedergegeben. Bei den meisten anderen Playern hört man eine kurze, aber dennoch störende Pause von einer knappen Sekunde, bevor die Sounddatei wieder von vorne beginnt.

Natürlich ist es wichtig, dass man hier ein wenig mit der Lautstärke experimentiert. Was für einen selbst die richtige Einstellung ist, richtet sich meist in erster Linie nach der Lautstärke und Intensität der zu überdeckenden Hintergrundgeräusche.


Tipp: Abonnieren Sie den wöchentlichen WritersWorkshop Autorennewsletter und erhalten Sie alle neuen Beiträge direkt am Erscheinungstag ganz bequem per Mail.

Social Share Toolbar
Send to Kindle

11 Gedanken zu „Ungestört schreiben in lauten Umgebungen

  1. Meine Tipps sind folgende (kostenfreie) Android Apps:

    LightningBug
    https://play.google.com/store/apps/details?id=com.media1908.lightningbug
    und
    Relax and Sleep II
    https://play.google.com/store/apps/details?id=com.mizusoft.relaxandsleeptwo

    Da kann man sich atmosphärisch genau die richtigen Stimmungen zusammen mixen. Tipp für Schreiber von historischen Romanen die auf Segelschiffen spielen: Der Schaukelstuhl bei Relax and Sleep leistet da gute Dienste! ;)

    Viel Spaß beim Schreiben!

    Birgit Schultz

    • Danke für den Tipp. “LightningBug” hatte ich vor einiger Zeit schon mal ausprobiert, aber wieder aus den Augen verloren, und “Relax and Sleep” kannte ich bisher noch nocht. Wird heute direkt mal ausprobiert… ;-)

  2. Ich bevorzuge es, auf meiner Terrasse zu sitzen. Frische Luft, Rauschen in den Baumwipfeln, Vogelgezwitscher. Dieser Arbeitsplatz hat nur einen Nachteil – er ist sehr wetterabhängig.

    • Und nicht geeignet, wenn man laute Nachbarn hat, von denen bei gutem Wetter alle paar Minuten einer mit Rasenmäher oder Kompressor anfängt oder mit seinem Traktor entlang rattert. ;-)
      Aber wenn es mal ruhig ist, setze ich mich zum Schreiben auch sehr gerne raus auf meine Terrasse und genieße die Natur.

  3. Hallo,
    ich wollte nur sagen, dass ich morgen (8.12.14) einen Beitrag auf meinen Blog poste, in dem ich auf deinen Artikel Bezug nehmen. Ich dachte, das interessiert dich vielleicht.
    Schöne Grüße
    Maike

  4. Pingback: Von rosa Rauschen bis zum Sound eines Raketenwerfers | Literatur-O-Meter

    • Es gibt auch Menschen, die aus beruflichen Gründen ständig unterwegs sind oder die zuhause kein eigenes Arbeitszimmer haben, in dem sie ungestört und von der Umwelt abgeschottet schreiben können. Zu sagen, dass diejenigen den Lärm WOLLEN, finde ich … naja. Das ist wie: “Wer im Urlaub zuhause bleibt, der WILL das so. Ich bevorzuge Entspannung am Pool im Wellness-Hotel.” ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage gegen Spambots. Jedes Feld (Ziffern, Punkte, römische Ziffern) steht für eine Ziffer, die eingegeben werden muss: * Zeitlimit abgelaufen. Bitte laden Sie das CAPTCHA neu.